Summary: ‚Charmed' ist nur eine Serie – oder? Als Julie eines Tages mitten in der magischen Welt aufwacht beginnt das Abenteuer ihres Lebens…

Disclaimer: Und falls hier jemand unter Wahnvorstellungen leidet: Schön wär's, aber nein, ‚Charmed' gehört nicht mir.

Note 1: Hallo meine Lieben! Wieder einmal erreichten wir für Kapitel 15 insgesamt 5 Reviews... ihr wisst also wie es mir geht: Nämlich super:-)

Zur Klärung zweier Fragen: Wer war jetzt am Ende des letzten Kapitels in welchem Körper?

Chris ist in Wyatts Körper, Wyatt in dem von Julie und Julie selbst ist mal wieder zu Gast bei Chris. Wie genau der letzte Körpertausch vonstatten ging wird in diesem Kapitel geklärt.

Zur Blumes Frage (Übrigens: Hallo und herzlich willkommen! Hab mich sehr über deine Review gefreut!): Der Körpertausch funktioniert normalerweise so, dass nur die Seele den Körper wechselt. Die Kräfte/Fähigkeiten bleiben an Ort und Stelle. Das Ganze ist ja gedacht als Fähigkeit einer Schlichterhexe. Die „Getauschten" sollen dadurch feststellen, wie es ist, der andere zu sein und so besser verstehen, warum er dies oder jenes macht. Wie du richtig bemerkt hast, lässt uns das jetzt natürlich mit einem Problem zurück! Gelten für die Schlichterhexen diese Regeln auch? Wenn Julie mit jemandem den Körper tauscht, müsste ihre Fähigkeit dann nicht auch in ihrem eigentlichen Körper bleiben? Ich habe darüber auch eine ganze zeitlang nachgedacht und zuerst überlegt, ob man diesen Körpertausch nicht durch einen Macht-der-Drei-Spruch rückgängig machen sollte. Dann allerdings ist mir wieder eingefallen, dass das Unsinn wäre und die ganze Sache eigentlich schon geklärt ist. Wenn wir uns zurückerinnern: Julie und Chris waren auf Mallorca. Und was haben sie da gemacht? Richtig! Dort hatten wir diese Situation schon mal. Sie war in seinem Körper und umgekehrt. Also ich habe das damals schon schön und richtig festgelegt... Tja... :-)

Gut. War sonst noch was? Ähm, nein, ich glaube nicht!

Viel Spaß!

ooo

Zwischen den Welten

Kapitel 16

Langsam stand sie auf, sah Chris an und dann Chris' Körper. „Oh man..."

Du musst was machen, Julie – tausch uns aus! Ich muss wieder in meinen Körper zurück! Ich..."

Nein", sagte ‚Julie'. Chris sah sie zuerst verwirrt an. Als dann sein Gesichtsausdruck zu verzweifelt und wütend wechselte, hob sie eine Hand, um ihn daran zu hindern, noch mehr zu sagen. „Ich bin nicht Julie."

Jetzt starrten sie alle an. Doch sie musste gar nicht mehr sagen, denn eine schwache Stimme merkte an: „Ich bin es."

o

Es war einfach wahnsinnig schnell gegangen.

Eben noch hatte sie sich tierisch konzentriert, damit Chris und sein Bruder wieder die Körper tauschen konnten. Dann war Mark auf einmal aufgetaucht, die drei hatten ein nettes Gespräch geführt und ab und zu wurden sie alle durch unschöne Bodenerschütterungen daran erinnert, dass weiter unten eine Schlacht tobte.

Schließlich hatte Mark der Verräter es gewagt, ohne Vorwarnung anzugreifen. Genauso gut hätte er jemand Unbewaffneten von hinten in den Rücken schießen können. Hatte der Mann keine Ehre?

Wahrscheinlich nicht.

Und wahrscheinlich würden sowohl Mark als auch Wyatt sie für diesen Gedanken auslachen.

Da, wo es um das nackte Überleben ging, war Ehre nicht „on top of the list".

Wie auch immer... Wie sie gingen Pelagia und Mike in Deckung, um nicht von den kleinen gefährlichen Flaschen getroffen zu werden. Anders als die beiden aber hatte Julie von ihrem Versteck aus einen wirklich guten Blick auf das Geschehen.

Sie sah, wie das Kraftfeld sich um Chris aufbaute und wie Wyatt erlebte, wie es ohne diesen Schutz war angegriffen zu werden... wie es war, keinen magischen Ausweg zu sehen. – Man konnte ihm ansehen, was er davon hielt... und auch Chris, denn er konnte nichts tun außer es mit anzusehen.

Einen kurzen Moment fragte sie sich, wann Wyatts Gesicht wohl zuletzt das ausgedrückt hatte, was Chris es jetzt zeigen ließ: Hilflosigkeit und Angst...

Dann kam jedoch das, was Julie dazu brachte noch einmal „Bäumchen wechsel dich" zu spielen.

Es war die Sekunde, in der sich der Blick der beiden Halliwells von einem sich nähernden Geschoss zueinander wandte und in der sie mit allen Konsequenzen begriffen, dass Wy dieser Phiole nicht würde ausweichen können.

Es waren die dutzenden von Botschaften, die in diesem Moment zwischen den Brüdern ausgetauscht wurden, ohne dass auch nur einer von ihnen eine einzige Silbe sagte... und Julie wusste, dass sie nicht zulassen würde, dass Chris auch diesen Verlust erlitt. Dafür war er ihr zu wichtig und sein Schmerz... würde ihr das Herz brechen.

Sie dachte nichts hiervon... es sind die Gedanken, die sie gehabt hätte, wenn sie die Zeit gehabt hätte, zu denken. Stattdessen war es nur das Gefühl... dieses Gefühl, indem all das drinsteckte... Liebe, Entschlossenheit... das Gefühl, dass sie sich um Chris sorgte und nicht zulassen würde, dass ihm etwas geschah – und wenn es nur psychisch und seelisch war.

Und wie es ist bei noch unkontrollierten Kräften führte diese starke Emotion dazu, dass sie reagierten.

All ihre Vorbereitung von vorhin zahlte sich aus. Die Vorstellung, dass wir als etwas existieren, was losgelöst von unseren Körpern ist, war es, die es ermöglichte, dass Wyatts Seele jetzt aus Chris' Körper ‚gezogen' und in den nächsten ‚leerstehenden' katapultiert wurde – Julies.

Julie selbst befand sich da schon in ‚Chris'. Allerdings hatte sie keine Gelegenheit verwirrt oder desorientiert zu sein. In dem Augenblick, als der Körpertausch abgeschlossen war, wurde sie von dem Elixier getroffen... und von noch einem. Und beim dritten Treffer setzte der Effekt der ersten beiden Elixiere ein und ihre Knie gaben unter ihr nach. Die Welt kippte seitlich weg, doch starke Arme fingen sie auf und ließen sie sanft zu Boden gleiten.

Dann war es kurz dunkel um sie herum. Sie fühlte sich seltsam leicht... das heißt, bis sie erneut in dem Labyrinth war und rannte.

Da wusste sie, dass etwas nicht stimmte. Denn wenn sie hier war, dann war sie nicht wach, war nicht in der wirklichen Welt. Das wiederum bedeutete, dass sie entweder träumte, bewusstlos war oder...

Aufwachen! Wir müssen aufwachen Julie! – Ach ja und wie? – Was weiß ich! Versuch irgendetwas! Bleib stehen, renn einfach nicht weiter! Ich habe keine Lust, schon tot zu sein! - Tatsache!

Julie blieb stehen. Erst war es, als würde sie etwas vorwärts ziehen, dann wurde das Feuer der Fackeln, die den Gang erleuchteten schwächer und schwächer... bis sie wieder im Dunkeln stand.

Das ist irgendwie auch nicht besser, ging es ihr durch den Kopf.

Als Nächstes hörte sie jedoch eine Stimme, die zu ihr sprach... oder... zu Wy... War sie Wy? Nein, nicht, dass sie wüsste... Sie war... Julie! Genau, das klang richtig!

Die Stimme hatte glücklicherweise ihren Namen genannt. Daran konnte sie sich hochziehen.

Blinzelnd öffnete sie die Augen – sehr erleichtert, dass sie nicht tot war! – Oder... noch nicht?

Sie wollte sprechen, doch ihre Stimme versagte ihr den Dienst. Und die Person über ihr... Wyatt? Ach nein! Chris sah ja jetzt so aus... Chris' Aufmerksamkeit lag woanders.

„Ich bin nicht Julie", hörte sie sich selbst... äh, Wyatt sagen.

„Ich bin es", dachte sie und tatsächlich kamen diesmal auch Wörter aus ihrem Mund. Es war nur etwas gewöhnungsbedürftig, dass sie mit Chris' Stimme sprach.

Chris sah sie an.

Sie lächelte matt. „Hey."

„Hey", antwortete er und strich zärtlich mit der Hand über ihre Wange. Sie lehnte sich dagegen und seufzte. Dann jedoch versteifte sie sich und aus dem Seufzer wurde ein Hustenanfall.

Er reagierte und half ihr, sich aufzusetzen, damit sie besser atmen konnte. Doch es brachte nichts, sie hustete noch etwa eine Minute gegen seine Schulter gelehnt weiter. Währenddessen klopfte er ihr ab und zu auf den Rücken, wenn es sich besonders schlimm anhörte. Ansonsten hielt er sie nur fest. Wy, Pel und Mark standen um sie herum, alle trugen besorgte Mienen.

Als sie zur Ruhe gekommen war, runzelte sie die Stirn. „Sorry", murmelte sie und sah an Chris vorbei Wyatt an.

„Hm?" Wieso entschuldigte sie sich? Sie hatte ihm gerade das Leben gerettet... erstmal zumindest.

„Ich hab' dein T-Shirt ruiniert", erklärte sie sich.

Die anderen sahen genauer hin. Ja, sie hatte Blut gehustet.

Chris schluckte. Das war nie ein gutes Zeichen... Und sie sah tatsächlich betrübt wegen dem dummen T-Shirt aus! Andererseits war sie nicht in der besten Verfassung und er wusste aus eigener Erfahrung, dass man sich in solchen Situationen oft mit Kleinigkeiten beschäftigte... mit Dingen, die man regeln konnte. „Mach dir keine Gedanken", sagte er, um sie zu beruhigen. „Das ist schwarz – da sieht man das gar nicht."

„Abgesehen davon ist Wyatt es gewöhnt, Blut auf seinen Sachen zu haben", scherzte Mike finster.

‚Julie' hob eine Augenbraue. Mike starrte ungeniert zurück. „Ja?"

Daraufhin grinste Wy, schüttelte den Kopf und wandte sich von ihm ab, als Pelagia fragte: „Was machen wir jetzt?"

Die Brüder schauten ihre kleine Cousine an. „Wir müssen das alles irgendwie rückgängig machen", sagte Chris. „Das erste wäre wohl, meinen Körper zu heilen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Elixiere nur eine Erkältung hervorrufen... der blutige Husten spricht auch dagegen und..."

„Hallo! Ich bin noch da", unterbrach Julie Chris mit einer gewissen Portion trockenem Humor. Sie mochte es nicht, wenn man über ihren Kopf hinweg für sie entschied.

Chris bemerkte seinen Fehler und drückte ihre Hand. „Entschuldige."

„Schon gut...h..h..." Das Atmen fiel ihr wieder schwerer. Vielleicht war es das Sprechen? Außerdem hatte sie ganz merkwürdiges Gefühl in ihrem Bauch... und langsam wandelte es sich nur merkwürdig zu schmerzvoll. Während die anderen darüber sprachen, was zu tun war bemühte sie sich, nicht das Gesicht bei dem dumpfen Schmerz in ihrem Bauch zu verziehen.

„Sieht so aus, als müsstest du einen Crashkurs im Heilen nehmen, Chris."

Der Whitelighter sah Wyatt an. „Ich weiß nicht. Du konntest schon immer heilen, soweit ich weiß. Du weißt sicher nicht mal, was dein Trigger ist. Und ehe ich das herausfinde..." Er klang unsicher.

„Auch wieder war. Dann sehe ich allerdings nicht viele andere Möglichkeiten. Einen Heiler aufzutreiben dauert zu lange und der müsste erst herausfinden, was das Gegenelixier ist. – Vielleicht hätten wir eure kleine rebellische Ex-Rebellengruppe doch nicht gleich wegschicken sollen."

„Bin ich jetzt Schuld?" Pel sah empört aus.

„Nein, natürlich nicht", versicherte Wyatt ihr. „Du hast genau richtig gehandelt."

„Gut... übrigens, ich glaube... ich habe eine Idee!" Ein Lächeln hatte sich auf das Gesicht des Mädchens geschlichen und sie schaute ‚Julie' forschend an.

„Spucks aus", murmelte die richtige Julie.

„Tante Paige", sagte Pelagia.

„Tante Paige?", fragten Wyatt, Mike und Chris unisono.

„Genau. Sie kann heilen. Und du hast immer gesagt, dass sie noch am Leben ist. Ist doch so... nicht wahr, Wyatt?"

„Diese Paige also", meinte Chris und schaute Wyatt auch fragend an. Die Möglichkeit seine Paige wiederzuhaben war aufregend!

ooo

Als sie aufwachte wusste sie sofort, dass Jahre vergangen sein mussten.

Sie hatte keine Ahnung, woher sie das wusste.

Aber sie war sich sicher.

Trotzdem schien alles mit ihr okay zu sein. Sie bewegte versuchshalber ihre Finger und drehte den Kopf. Schließlich öffnete sie die Augen.

Und als sie sah, wer sich über sie beugte, kam die Erinnerung zurück, warum sie Jahre geschlafen hatte und sie schreckte vor der Person zurück.

„Wyatt!"

Als ‚Wyatt' sah, wie sie automatisch auf Abstand zu ihm ging, stand er auf, um ihr Freiraum zu geben. Dann räusperte er sich. „Tante Paige... da gibt es etwas, was du wissen solltest."

Hm? Warum war Wyatt so... vorsichtig? Das war nicht der selbstbewusste irregeleitete Junge, der mit Dämonen zusammenarbeitete und der sie schlafen geschickt hatte... was war passiert? „Was?", fragte sie misstrauisch.

„Ich bin nicht Wyatt", ließ er die Bombe platzen. Irgendwie musste er es ihr schließlich sagen. Und Zeit hatten sie auch nicht wirklich.

„Hä? Ich könnte schwören, du hast gesagt, du bist..." Langsam bewegte sich ihr Kopf auf und ab, als sie unbewusst Chris' bestätigende Geste nachahmte. „Du machst Witze!"

„Nein... frag mich einfach etwas, was Wy nicht wissen kann!"

Paige dachte immer noch, dass das Ganze blöd war, aber sie machte trotzdem mit. Allerdings... „Du hast mir noch nicht gesagt, wer du angeblich bist!"

„Ach so! Oh! Ja!...Ähm..." Chris musste sich erneut räuspern. Das hatte er ganz vergessen. „Frag mich etwas, was nur Chris wissen kann!"

„Chris? Du meinst wie in Chris Perry Halliwell, mein anderer Neffe?"

Er nickt nur.

„Oookay... Lass mich überlegen...hm... 8.Klasse: Melanie Meyers..." Sie musste gar nicht mehr sagen. Sie sah, wie ‚Wyatt' rot anlief und ihrem Blick auswich.

„Und du hast gesagt, du würdest mich nie wieder darauf ansprechen!"

„Würde ich ja auch nicht, wenn ich das Bild aus meinem Kopf kriegen würde! Ew! Tausendundeine Sache, die man seinen Neffen niemals tun sehen möchte!" Sie grinste, als sein Gesicht tatsächlich ein noch tieferes Rot annahm. Das brachte sie zum Grinsen und sie stand auf, um ihn zu umarmen. „Chris!"

o

Chris hatte ihr in Kürze erzählt, was sie verpasst hatte. Wahrscheinlich etwas zu kurz, denn die geschockte Paige begann ihn mit Fragen zu bombardieren. Er beantwortete ein paar, bestand dann jedoch darauf, dass sie aufbrachen.

Die Wächterin des Lichts sah aus, als wollte sie mit ihm streiten, erinnerte sich dann jedoch daran, dass ein Leben in Gefahr schwebte und fasste Chris an der Schulter, damit er sie zu dem ihr unbekannten Zielort mitnahm.

Sofort nachdem sie sich rematerialisiert hatten ging Paige neben der bewegungslosen Form von Chris zu Boden. Mike, der Chris abgelöst und Julie in den Armen gehalten hatte, machte ihr Platz. Chris ging wieder in die Knie und nahm Julies Hand. Es geschah mehr aus einem Impuls heraus, als dass er es bewusst tat. Es fiel ihm erst auf, als Mike in seltsam anschaute. Chris hob eine Augenbraue und Mike zuckte mit den Schultern. Beide wandten sich wieder Julie zu. Paige hatte währenddessen ihre Hände über ‚Chris' wandern lassen und runzelte die Stirn.

„Was ist?", fragte Chris.

„Mal abgesehen davon, dass ich ein bisschen eingerostet bin... das ist ziemlich schlimm. Man mag zwar von außen nichts sehen. Aber habt ihr mal die Bauchdecke berührt? Eure Freundin... oder du, das ist alles etwas verquer mit dem Körpertausch, wenn ihr mich fragt – Auf jeden Fall verblutet sie innerlich."

„Dann mach was", fuhr Chris sie an. – „Sorry..."

„Geht in Ordnung... Also, mal sehen." Paiges Hände, hielten übe ihrem Bauch an und nach einem Moment erschien das vertraute goldene Leuchten. Es dauerte etwas länger als gewöhnlich, aber letztlich verblasste der Schein wieder und Paige stand auf.

„Wieso wacht sie nicht auf?"

Die letzte Chamed One dieser Zeit wandte sich um... auch wenn es alles mehr als unglaublich war... Phoebe, Leo, die Ältesten, ihr Neffe, der böse Tyrann... die Welt war das reinste Chaos. Als Chris ihr alles erzählt hatte, hatte sie sich unwillkürlich gewünscht, wieder bewusstlos zu sein. Ihr Leben war an ihr vorbei gegangen und die Welt zum Teufel. Was hielt sie hier? Doch dann... wenn sie ein Leben retten konnte, dann tat sie es – egal wie bescheiden sie persönlich sich fühlte. Also war sie mit ihm hierher gekommen. Sie hatte sich neben Chris' Körper gekniet - - sie war tatsächlich eingerostet gewesen. Ihr Trigger war wie der von Leo die Liebe gewesen, immer schon seit sie es gelernt hatte zu heilen. Doch mit niemandem mehr, den sie lieben konnte... wie sollte sie dann heilen? Sie fühlte sich so allein. Kurz nach diesem Gedanken hatte sie sich geistig selbst geohrfeigt. Selbst wenn es so wäre... sie war Wächterin des Lichts. Sie liebte mehr als nur Familie und Freunde. Sie liebte alle Menschen. Mochte blöd klingen, aber so war es nun mal.

Doch... es waren ja gar nicht alle ihre Familienmitglieder tot. Sie hatte Chris' Körper vor sich liegen, sie hatte die Möglichkeit, ihn zu retten! Punkt. Sie tat es.

Und jetzt, als sie da stand und hörte, wie dieses Mädchen ihr eine Frage stellte, da wurde Paige klar, dass nicht nur Chris übrig war – Pelagia gab es auch noch. Und Cole, ihr persönlicher Streitpartner, ihr Freund. Und letztlich... Wyatt. Sie war sich noch nicht sicher, wie sie fühlte, wenn sie an ihn dachte. Einen Moment lang, wandte sie sich von Pelagia ab und sah ‚Julie' an und sie fühlte kurz Hass in sich aufsteigen. Hass auf den Menschen, der ihr Jahre ihres Lebens genommen und ihre Welt zerstört hatte. Auf diese Emotion folgte dann Enttäuschung, Trauer, Verzweiflung und Hoffnung. Wäre Phoebe hier gewesen, sie hätte mehr als nur eine Migräne bekommen. Aber sie war nicht hier – würde nie wieder da sein... nicht ihre Phoebe.

Sie schaute wieder zu Pel und trotz der Tränen in ihren Augen lächelte sie sie an. „Sie wird bald aufwachen, keine Sorge. Es dauert nur ein wenig länger, weil die Verletzung so schwer war."

Das Mädchen nickte und schaute die Frau unsicher an. Ihre Tante... Paige schaute genauso unsicher zurück. Sie würden sich kennen lernen. Doch jetzt war dafür nicht der richtige Zeitpunkt.

o

Während Pelagia und ihre Tante langsam wieder Kontakt knüpften und Wyatt überlegte, wie er aus diesem Schlamassel wieder rauskommen würde, ohne das Gesicht oder seine 3 letzten Blutsverwandten zu verlieren, saßen Chris und Mike weiter neben Julie.

Sie saßen da.

Sie hielten beide je eine Hand von Chris' Körper/Julie.

Sie starrten einander an.

Mike hatte damit angefangen, nachdem Paige fertig mit dem Heilen war. ‚Wyatt' zu sehen, wie er sich um Julie sorgte, war beängstigend. Doch daran zu denken, dass das gar nicht Wy war, sondern Chris... da gab ihm zu denken. War es nur Angst seinen Körper zu verlieren? Sorge um eine Unschuldige? Das Gefühl, einer Freundin beistehen zu müssen? Oder...

Und wieso fragt er sich das? Konnte es ihm nicht egal sein, was Chris für Julie empfand? Mike hatte sie immerhin erst vor kurzem kennen gelernt. Gut, sie hatten sich nett unterhalten und für ihn war das wichtig gewesen. Kontakt mit jemandem, der geistig gesund war...

Doch irgendwie... nun: Sie war nicht einfach nur nett gewesen. Sie war einfühlsam, erzählte gern, war humorvoll... und schön.

Chris hatte sich zuerst nichts dabei gedacht, als Mike ihn ablöste bei Julie. Irgendjemand musste sie halten, während er Paige holte. Sie konnten sie ja nicht einfach so liegenlassen. Pel war zu klein und Wyatt fragte er ganz sicher nicht. Also war Mike die logische Wahl gewesen. Jetzt tat er so, als könnte er gar nicht mehr von ihr ablassen! Erst hatte Chris gedacht, dass vielleicht irgendetwas passiert war, als er Tante Paige geholt hatte, doch keiner der anderen hatte etwas gesagt. Die andere Möglichkeit, die es noch gab war die, dass es passiert war, bevor Chris überhaupt gekommen war. Julie und Mike hatten eine Beziehung zueinander aufgebaut, als sie Wyatts Gefangene gewesen war. Das musste es sein. Eigentlich hätte Chris das ruhig zur Kenntnis nehmen müssen. Doch wieder einmal musste er feststellen, dass seine Gefühle für Julie keineswegs nur freundschaftlicher Natur waren. Er sorgte sich nicht nur um sie – nein, gerade jetzt war er auch extrem eifersüchtig. Seine innere Stimme war darüber nicht überrascht. Nur amüsiert und ein wenig frustriert. Er hatte gehofft, dass, wenn er nichts wegen dieser Emotionen tat, sie vielleicht wieder versiegen würden. Immerhin kannte er selbst Julie auch noch nicht wirklich lange. Und immer noch fühlte er sich manchmal sehr an Bianca erinnert, wenn er mit ihr zusammen war. Und das tat weh. Doch andererseits war es auch stets angenehm, befreiend, manchmal witzig...

Er seufzte.

Ihr Gesicht bekam langsam wieder etwas Farbe.

ooo

Note 2: Ja, das ist mal wieder nur ein halbes Kapitel – vor allem, da ich euch ja nun schon erklärt habe, wie sie wieder zurücktauschen werden. Aber ich sollte einfach heute updaten!

Also schreibt mir bitte trotzdem, was ihr davon haltet! Bitte? Ja?

Bis zum nächsten Kapitel!

June22