Hatte George es zuvor noch für Unmöglich gehalten, so hatte er spätestens nach dem letzten Quidditchmatch gegen Slytherin die Gewissheit: Oliver verträumte das halbe Match und kassierte so viele Tore, wie zuvor noch nie in einem Spiel. Dass sie schließlich nur mit zehn Punkten Abstand zu Slytherin verloren und damit wenigstens noch Platz zwei in der Rangliste behielten war jedoch nur ihrem Sucher Harry Potter zu verdanken.

Fred verließ die Umkleideräume jedenfalls mit einem Hab-ich's-nicht-gesagt-Gesicht. Es stimme, er hatte mehrfach Gelegenheit gehabt, Wood zu beobachten. Wood war vor allem damit beschäftigt gewesen, dem Slytherin Sucher schmachtende Blicke zuzuwerfen. George war sich sogar sicher, dass Oliver das nicht mit Absicht tat, doch offensichtlich hatte es ihren Kapitän dermaßen in Sachen Liebe erwischt, dass er kaum noch etwas anderes wahrnahm, als seinen Angebeteten.

„Dabei ist er viel jünger." knurrte sein Zwillingsbruder, als er aussprach, was er dachte. „Und es ändert nichts daran, dass das vielleicht keine Absicht sein könnte."

Auch das stimmte. Mittlerweile konnten sie auch den Quidditchpokal einfach so zu Snape ins Büro hinüber tragen, am Ende würde er genau dort stehen. Das ganze Quidditchteam war wütend nach dem Match und Oliver war ungewohnt wortkarg.

Er und Fred warteten, bis Harry fort war, dann jedoch bauten sie sich vor Oliver auf.

„Oliver, wir werden den Pokal noch verlieren, wenn das so weitergeht." sagte Fred, wenn auch vorsichtig. Die Zwillinge wussten, dass Wood explodieren konnte wie ein Vulkan.

Wood trocknete sich gerade die Haare ab und sah die Beiden ein wenig misstrauisch an. „Wir hatten schon öfters mal ein paar Probleme. Das wird schon."

„Ja, aber meinst du nicht, dass..."

„Nein, meine ich nicht." unterbrach Wood George verärgert. „Kommt schon, habe ich euch je im Stich gelassen?"

Fred seufzte. „Nein, das hast du nicht, aber..."

„Da gibt es kein aber. Es ging mir heute nur nicht gut, das war alles."

George wollte eigentlich zu einer Antwort ansetzen, überlegte es sich jedoch anders. Er kannte seinen Kapitän, für Wood war das Gespräch hiermit beendet.

„Wenn du einmal Hilfe benötigst, Oliver." sagte Fred beschwörend, „Dann weißt du, wo du uns findest."

Nun sah der Quidditchkapitän zwar deutlich irritiert aus, aber George atmete erleichtert aus, als er schließlich die Umkleidekabine verließ.

„Das war selbst ihm zu schwul." knurrte er seinen Bruder an und schlüpfte in seine Jeans.

„Oh bitte, seit wann bist du der Experte in Sachen schwulsein?"

„Ich habe mir ein halbes Jahr das Zimmer mit Percy geteilt, weißt du noch?"

Darüber mussten sie beide herzhaft lachen.

..::~::..

George hatte eigentlich gehofft, dass das Thema nicht erneut aufkommen würde, doch Fred schien geradezu besessen von seiner Idee zu sein, Oliver und Draco auseinander zu bringen. Im Gemeinschaftsraum gab es zwar zu viele Zuhörer, aber Fred kannte genügend Mittel und Wege, denen aus dem Weg zu gehen. Es endete einmal mehr im Bad der Vertrauensschüler, wo die Zwillinge dann und wann in dem bunten Schaumwasser saßen und ziemlichen Unsinn ausheckten.

Ihr Gespräch war mittlerweile in vollem Gange.

„Angenommen der kleine Slytherin steht nun auf dich. Was machst du, wenn er dich küssen will."

„Das Risiko gehe ich ein." entgegnete Fred mutig.

„Und wenn er Händchen halten will?"

„Egal."

„Und wenn er...?"

„Hör mal, ich muss dir nicht sagen, wie weit ich gehen werde."

George zuckte die Schultern. „Und wofür brauchst du mich bei dem Unfug?"

„Wenn das nicht klappt, brauche ich immer noch jemanden, der an Oliver alternativ rumbaggert."

„Und das soll ich sein?"

„Eins von Beiden wird schon funktionieren." Fred machte eine wegwerfende Handbewegung. „Wir sind doch zwei hübsche Jungs. Und außerdem können wir jederzeit die Rollen tauschen."

„Denkst du nicht, dass das auffällt?"

„Unsinn. Das ist noch nie jemandem aufgefallen. Nicht einmal Mom."

„Stimmt." sinnierte George. Trotzdem fand er die Idee, gelinde gesagt, zum kotzen. Allerdings war es auch zum kotzen, dass sie den Quidditchpokal an Slytherin verlieren würden. Allerdings dachte er ein wenig praktischer als sein Bruder.

„Lassen wir mal für einen Moment außen vor, dass die Idee ziemlich große Scheiße ist."

„Hey." grunzte sein Bruder verärgert. „Die Idee ist von mir."

„Deswegen ja." Ein Schwall Wasser traf ihn ins Gesicht und prustend zuckte George zurück, sprach jedoch weiter, als ob nichts geschehen wäre. „Wie machst du denn Klein-Malfoy auf dich Aufmerksam? Schon vergessen? Der hat nicht viel für uns übrig."

Darüber schien sich Fred tatsächlich noch keine Gedanken gemacht zu haben, denn sein Gesicht nahm einen nachdenklichen Ausdruck an. Seine Lippen bewegten sich zwar, aber kein Laut drang über seine Lippen. Eine winzige Eigenart, die Fred von ihm unterschied. Meistens nutzten sie sogar die gleichen Gesten und das vollkommen unbewusst.

„Hogsmeade."rief Fred plötzlich triumphierend.

„Auch in Hogsmeade kannst du dich nicht einfach hinstellen und mit im plauschen."

„Warum nicht?"

„Weil..." Ja, warum eigentlich nicht? George jedenfalls hatte sich diese Mühe jedenfalls noch nie gemacht. Lag wohl daran, dass Malfoy Junior wie Senior einfach ekelhafte Gesellen waren, die er lieber verprügelt hätte, als mit ihnen zu sprechen.

„Kann ich nicht doch Oliver haben?" maulte Fred nun.

George tippte sich an die Stirn. „Du hattest die Schnapsidee, sieh zu, wie du dich mit Malfoy amüsierst."

„Na schön, na fein." jammerte sein Zwillingsbruder und sah ihn nun mit leidendem Blick an. „Merk dir diesen Blick, von heute an werde ich immer so gucken, wenn du in der Nähe bist, damit du dich immer daran erinnerst, was du deinem Bruder antust."

„Das war deine verdammte Idee." polterte George, doch Fred grinste nur und George wechselte das Thema. „Du willst wirklich einen Kerl küssen?"

„Wenn's sein muss. Außerdem muss man alles einmal ausprobiert haben. Das macht einen stark für's Leben."

„Wo hast du denn diesen Unfug her?"

„Von Mom."

Beide lachten laut.

„Das macht dir ehrlich nichts aus? Mir kräuseln sich die Fußnägel, wenn ich daran denke, dass ich Wood küssen muss."

„Musst du ja nicht. Es reicht, wenn er sich so sehr zu dir hingezogen fühlt, dass er sich nicht mehr um Malfoy kümmern kann."

George verdrehte die Augen und stieg dann aus dem Wasser.

Fred sah ihm nach, machte jedoch keine Anstalten, selbst aus dem Becken zu klettern. Dann grinste er jedoch über beide Ohren.

„Und selbst wenn du ihn nicht küsst, er mag bestimmt deinen Knackarsch."

Dafür wurde er mit einer Flasche Shampoo beworfen.

..::~::..

Die Gelegenheit, mit Oliver ein paar Worte mehr zu sprechen, ereignete sich viel schneller, als George es für möglich gehalten hatte. An einem Montag Abend musste er für ein paar, seiner Meinung nach, harmlose Scherze nachsitzen. Auch Fred musste das, doch den hatte man vorsorglich im Lehrerzimmer untergebracht, wo er nun die gesamte Korrespondenz von Albus Dumbledore sortieren musste.

George hatte die anstrengendere Variante erwischt: Bücher einräumen in der Bibliothek. Eine ermüdende Arbeit, die verhasst war bei den Straftätern. Madame Pince tat ihr Übriges, um ihn vollends aus dem Konzept zu bringen, dauernd wuselte sie zwischen den Bücherregalen umher und kontrollierte seine Arbeit. Dabei war er sich sehr sicher, das Alphabet fehlerfrei aufsagen zu können und damit war er noch gerade so in der Lage, Bücher dem Alphabet nach zu sortieren.

Er traf Oliver in seine Bücher versunken an einem der Tische in der Bibliothek. Zu seiner Verärgerung trieb sich jedoch auch Malfoy Junior in der Bibliothek herum, vermutlich aus dem selben Grund wie er. In dem Moment überlegte er, ob es nicht einfacher wäre, einfach an die große Glocke zu hängen, dass Malfoy schwul war, doch er wollte Oliver nicht so bloßstellen, auch wenn er sich sicher war, dass Malfoys Vater diesem Treiben augenblicklich ein Ende gesetzt hätte, wenn er davon gewusst hätte. Aber irgendwie war das ganze Bild einfach zu lustig und ein paar Mal musste er sich das dämliche Grinsen wirklich verkneifen, wenn einer der Beiden in seine Richtung sah.

Immer wieder streiften sich die Blicke der Beiden. Immer wieder fand einer der Beiden einen Grund, warum er in die Nähe des anderen kam. Wie ein skurriles Ballett, dass die Beiden da aufführten. Es war einfach zu herrlich, wenn man wusste was tatsächlich los war. Und dann war da natürlich noch die ganze Romeo und Julia Thematik, Slytherin und Gryffindor. Eine Liebe fürs Leben. Der Altersunterschied. Die Familien. Welch eine Dramatik! Er kicherte leise in das Buch in seiner Hand.

Ein kleiner Einschub von mir: Ihr findet meine ffs jetzt auch auf meiner eigenen Seite: fan-fics punkt de . Würde mich sehr freuen, wenn sich ein paar Autoren und Leser auch dorthin verirren 3