Disclaimer: Ich bin nicht die Eigentümerin von Harry Potter etc. Geld verdiene ich hiermit auch keines.
Immer so zwischen Tür und Angel überkommt es mich, und ich möchte dichten. Manchmal kommt etwas Strukturiertes bei raus, manchmal nicht. Gelegentlich schreibe ich „Nachtgedichte".
Diese Nachtgedichte sind für das Rudel. Danke, dass ich mit euch laufen darf.
Heilige Nacht
Es ist bitterkalt.
Sternklare Nacht.
Einsam steht er unter der alten Eiche.
Seiner Eiche.
Sein Freund, sein Refugium.
Am Ufer des Sees – ein weißes Grabmal.
Freund, Mentor, Retter.
Freund, Schüler, Mörder.
Eine einsame Träne rinnt langsam über seine kalte Wange.
Er ignoriert sie.
Ignoriert die Kälte, die langsam in seine Knochen dringt.
Ignoriert die unpassend fröhliche Tanzmusik,
die aus dem Schloss ertönt.
Weihnachtsball.
Er versucht, sich zu erinnern.
Blaue, funkelnde Augen.
Blauer, funkelnder Umhang.
Aufgestickte Sterne.
Die Sterne funkeln über ihm.
Spiegeln sich im Schwarzen See.
Das weiße Grabmal spiegelt sich im Schwarzen See.
Angestrengt versucht er, sich zu erinnern.
Angst.
Schmerz.
Wut.
Hass.
Schließlich Leere.
Eine zweite Träne folgt der ersten.
Wird ebenso ignoriert.
Plötzlich – eine andere Erinnerung.
Hell, nicht dunkel.
Fröhlich, nicht betrübt.
Fast sogar strahlend.
Eine Rede.
Quitschquatsch, Schwabbelspeck, Schwachkopf, Quiek.
Etwas zupft an seinem Umhang – eisiger Wind.
Etwas zupft an seinen Lippen – was?
Eine weitere Erinnerung:
Zitronenbonbons.
Wieder zupft etwas an seinen Lippen.
Er erkennt es und ist überrascht.
Es ist ein Lächeln.
Er spürt die Kälte kaum noch.
Spürt nur noch das Lächeln und den Geschmack von Zitronenbonbons.
Da knirscht der Schnee hinter ihm.
Schritte.
Er dreht sich um.
Sie steht vor ihm.
Warme braune Augen funkeln ihn an.
Funkeln im Licht der Sterne.
Funkelnde blaue Augen.
Funkelnde braune Augen.
Sie streckt ihre Hand aus und lächelt.
Er lächelt und akzeptiert ihre Hand.
Hoffnung.
