Kapitel 1

*um die Ecke schau* Hallo!

Ich hoffe, euch gefällt dieses Kapitel und wünsche euch viel Spaß damit! ;)

Mehr will ich gar nicht sagen.^^

Nadine.

Veränderungen

Ich kann freilich nicht sagen,

ob es besser werden wird, wenn es anders wird;

aber soviel kann ich sagen:

es muss anders werden, wenn es gut werden soll.

(Georg Christoph Lichtenberg)

Bella's Point of View:

Ich fiel aus allen Wolken.

„Nein! Nein, auf keinen Fall, nein!"

Seit gefühlten Ewigkeiten balancierte er seinen blöden Bleistift zwischen den Wurstfingern.

„Warum sind Sie so abgeneigt, Miss Swan? Das ist eine einmalige Chance und ich habe reichlich überlegt, ehe ich mich entschieden hatte, Ihnen den Auftrag zu geben. Sie sollten wirklich noch eine Nacht darüber schlafen. Es würde mich enttäuschen, wenn sie nun direkt ablehnen, ohne darüber nachgedacht zu haben!"

„Aber ich..."

Forsch wurde ich von meinem Chef Mr. Biers unterbrochen.

„Ich akzeptiere keine unüberlegte Entscheidung. Lassen Sie sich von Miss Weber einen neuen Termin bei mir geben. Und zwar morgen. Sie überschlafen das Ganze und geben mir morgen Bescheid... Es sei denn, Sie entscheiden sich noch heute anders, dann rufen Sie mich an."

„Aber..."

„Und nun verlassen Sie bitte mein Büro!" All seine Autorität schwang in dem Befehl mit und ich gab - widerwillig - klein bei.

„Ja, Sir."

Mit einem zufriedenen Grinsen lehnte er sich zurück und der Bleistift zwischen seinen Fingern kam endlich zur Ruhe.

„Und nun verlassen Sie bitte mein Büro", äffte ich ihn nach, als ich seine Bürotür hinter mir zugeknallt hatte und mich auf dem Weg zu Angela - der Sekretärin und meiner Lieblingskollegin - machte.

An ihrem Schreibtisch angekommen war sie, wie fast immer, am telefonieren. Ich wartete eine Weile, doch irgendwann wurde mir das Ganze zu bunt und ich begann mit meinen rotlackierten Fingernägeln auf der Arbeitsfläche herumzutrommeln – bis sie mir auf die Finger schlug und ich das Ganze seufzend einstellte.

Siebenundsechzig Däumchendreher später, hatte sie dann endlich Zeit für mich. Mein Anliegen war schließlich auch von äußerster Wichtigkeit!

„Also, was gibt's?", fragte Angela mich.

„Ich brauche einen Termin beim Chef", stellte ich nüchtern klar und ließ mich nebenbei in den Stuhl ihr gegenüber fallen.

Sie zog ihre perfekt gezupften Augenbrauen nach oben. „Schon wieder? Irre ich mich oder warst du erst vor drei Minuten bei ihm?"

„Es geht ihm gegen den Strich, dass ich den Auftrag, den er mir angeboten hat, nicht annehmen will."

„Spinnst du? Der Auftrag riecht ja wohl stark nach Beförderung!"

„Gib mir einfach so einen beschissenen Termin, ja?" Genervt verschränkte ich meine Arme vor der Brust.

Mit einem Schulterzucken öffnete sie den Terminplan an ihrem Laptop. Sie wusste, dass ich zu stur war um mich auf solche Diskussionen einzulassen. „Wann hättest du es gerne?"

Gar nicht. „So früh wie möglich."

„Halb zehn?"

„Japp." Damit stand ich auf und wandte mich schon der Tür zu.

Was für ein beschissener Tag! Der Auftrag hatte meine Laune auf den Tiefpunkt gebracht.

„Bells?" Ich drehte mich noch einmal zu meiner Freundin um. „Lächeln!" Ich winkte nur ab und trat in den Flur. Das langweilige Linoleum sah heute noch langweiliger aus und ich trat mit Absicht feste auf, in der Hoffnung es mit meinen Absätzen zu zerstören. Man sollte mir heute wirklich kein Messer in die Hand drücken.

„Hi Belly!" Der hatte mir gerade noch gefehlt!

„Halt die Fresse, Newton." Ich drehte mich nicht zu ihm um. Jetzt seine Visage sehen und der Tag wäre völlig im Arsch.

„Wurdest du wieder wegen deiner Temperaments-Probleme zum Chef gerufen?",stichelte er. Das legte einen Schalter in meinem Kopf um und ich konnte meinen Ausbruch einfach nicht aufhalten. Ich wusste, genau das wollte er erreichen, aber ich war grade wirklich nicht in Stimmung um erwachsen zu handeln.

„Ich habe - verdammte Scheiße noch eins - keine Probleme mit meinem Temperament, Fettbacke!", fluchte ich, woraufhin er sich lachend zurück zog. Wenigstens hatte ich seine Fresse nicht sehen müssen.

Ohne weitere Zwischenfälle erreichte ich schließlich mein Büro. Ich kickte als erstes die High Heels von meinen Füßen und ließ mich stöhnend in meinen Bürostuhl fallen, was dieser mit einem gefährlichen Knarzen quittierte. Wie immer.

Ich weckte den Computer aus dem Standby-Modus und widmete mich einer neuen Partie Spider-Solitär.

In einer halben Stunde würde ich endlich Feierabend haben!

Unangekündigt platzte plötzlich Eric Yorkie in mein Büro. Eric Yorkie war der Schrecken der Redaktion. Schlimmer als Newton war der! Seine fettigen Haare glänzten aus hundert Metern Entfernung und auch sein Verhalten war ziemlich schmierig. Mit seinen Kordhosen war er ein klarer Fall von Ökofreak.

Schnell schloss ich das Solitär Fenster. Er würde mich verpetzen, auch wenn er mir gegenüber vollkommen unschuldig und eben schmierig sein würde.

Natürlich warf er als erstes einen neugierigen Blick auf meinen Bildschirm, an dem ich so hastig etwas geschlossen hatte.

„Oh, Isabella. Hast du nichts zu tun. Das passt sich gut, ich hätte da was für dich. Das macht dir doch nichts aus, oder?" Er schob seine dicke Brille zurecht und ließ die Hand weiter in seine Haare gleiten. Ich musste dabei ein Würgen unterdrücken.

„Gib schon her, Yorkie." Ich hatte mir angewöhnt, alle, die ich nicht mochte beim Nachnamen zu nennen.

Peinlichst genau legte er die Papiere parallel zur Tischkante auf meinen Schreibtisch. Missbilligend blickte er dabei auf meinen angebissenen Apfel, der teilweise schon braun war. Schnell wollte er sich wieder verpissen, aber nicht mit mir!

„Ey, Yorkie! Kannste den bitte mitnehmen?", fragte ich und deutete dabei vollkommen ernst auf meinen Apfel. „Der ist teilweise schon braun, das mag ich gar nicht. Dabei habe ich extra nicht die Bio-Dinger gekauft. Die werden nämlich sofort braun, weißt du...", seufzte ich.

Dass der Apfel gespritzt war, schien bei ihm den Schalter umzulegen. Schnell packte er sich den Apfel und verschwand mit angewidertem Blick. Hundertprozentig waren seine Gedanken „Parasiten beseitigen. Parasiten beseitigen."

Ich warf einen Blick auf meinen neuen ''Auftrag'', wobei ich aber zuerst überprüfen musste, ob seine Flossen Fettabdrücke auf dem Papier hinterlassen haben. Das Ergebnis war: nein. Wie machte er das bloß?

Ich ging zum inhaltlichen der Papiere über.

Ein Interview mit dem Bademeister vom neuen Schwimmbad. Das würde ich hinkriegen. Der ganze Spaß musste erst in zwei Tagen fertig werden.

Umso besser, dann konnte ich jetzt einfach eher Feierabend machen.

Ich fuhr den Computer herunter, schloss das Fenster, packte meine Sachen zusammen und schlüpfte dann wieder in meine Schuhe, ehe ich das Büro abschloss und den Gebäudekomplex, von dem nur eine Etage uns gehörte, verließ.

Oft fragte ich mich, wie es der Chef hinbekam, dass wir die Miete bezahlen konnten. Unsere Zeitung Breakfast News gehörte zu den unbeliebtesten in New York - das stand fest. Wir gaben uns Mühe, aber dennoch konnten wir den anderen Zeitungen nicht das Wasser reichen. Uns fehlte noch immer die Schlagzeile. Und das seit zwei Jahren. Ich hatte mein Journalismus-Studium gerade beendet und zufällig mitbekommen, dass eine neue Zeitung entstand. Mit ein bisschen Glück hatte ich dann einen Job als Redakteurin bekommen. Wir waren ein recht kleiner Betrieb von zwölf Mitarbeitern, doch da wir uns etwas kleiner halten mussten, waren zwölf beinahe zu viele, sodass ich mich in den letzten zwei Jahren zum Spider-Solitär-Profi hocharbeiten konnte. Das Gehalt war nicht die Bombe, aber ich kam - wenn auch knapp - über die Runden und es war besser als ein stressiger Job, bei dem ich nur drei Stunden Schlaf bekommen würde. Dachte ich.

Außerdem dachte ich, dass ich das Negative dieses Tages hinter mir hatte, doch weit gefehlt.

Kaum war ich nach fünfundzwanzig Minuten Fußweg in der kleinen Wohnung, die ich mit meiner besten Freundin teilte, angekommen, sprang mir eben diese entgegen und hielt mir einen Zettel unter die Nase. Ich nahm ihn ihr ab und direkt fiel mein Blick auf eine Summe. Eine Summe, die für uns Kirchenmäuse viel zu hoch war!

„Scheiße, Alice! Was ist das?" Bitte, sag´s nicht! Bitte, sag´s nicht!

„Die Rechnung vom Anwalt", jammerte sie. Shit happens!

„Fuck, Alice! Musstest du das dumme Auto umnieten?"

„Alice, Alice", äffte sie mich nach. „Ich weiß, dass ich Mist gebaut habe! Sag mir lieber wie wir das bezahlen? Wir haben nicht mal die Miete für diesen Monat zusammen!"

„Scheiße!"

Vor zwei Monaten hatte Alice mit unserem jahrhundertealtem Transporter so einen super schicken Mercedes umgenietet. Unsere alte Karre hätte Panzer werden können. Die paar Kratzer waren kein Problem, jedoch hatte der andere Schlitten wohl ein paar Dellen abbekommen. Rückwärts einparken ist nun einmal nicht die Stärke des weiblichen Geschlechts, aber der reiche Schnösel, dem der Mercedes gehörte, hatte dafür so gar kein Verständnis und hatte Alice angezeigt. Es wurde eine Gerichtsverhandlung ins Leben gerufen und wir waren mit einer geringen Geldstrafe, die mit etwas Hilfe meiner Eltern bezahlt werden konnte, ganz gut weggekommen. Jetzt wollte das Arschloch von Anwalt natürlich auch seine Kohle haben.

Als wir zehn Minuten später frustriert in der kleinen Küche an dem noch kleineren Küchentisch saßen und uns den billigen Wein aus dem Supermarkt reinzogen, waren wir doch ziemlich leise geworden.

Ich nahm noch einen Zug aus der Flasche - auf Gläser hatten wir verzichtet - und wischte mir die Reste mit dem Ärmel vom Mund. Scheiß doch drauf! Ich war in meinen eigenen vier Wänden.

„Ich pumpe meine Eltern nochmal an", sagte ich schließlich.

„Bella. Das geht doch nicht. Ihr könnt nicht immer für meine Scheiße aufkommen. Das kann ich mit meinem Gewissen einfach nicht vereinbaren."

„Hast du 'ne bessere Idee?" Ich musste jetzt hart sein. Es war die einzige Möglichkeit.

„Nein, aber... ich wünschte, ich könnte auch jemanden aus meiner Familie fragen." Traurig legte sie ihren Kopf in eine Hand.

„Baby, da haben wir jetzt schon tausend Mal drüber geredet. Es ist okay." Ich stand auf und quetschte mich mit auf ihren Stuhl, wo ich sie umarmte.

Mit einem Knarzen gab der brüchige Stuhl plötzlich unter uns nach.

Eine Weile schauten wir uns beide verdattert an, ehe wir in Lachen ausbrachen.

„Wir haben nur noch einen Stuhl", stellte ich fest, als wir uns beruhigt hatten.

„Wir sollten dringend Lotto spielen gehen!", meinte Alice.

Es musste ein Wunder passieren, da waren wir uns einig.

„Ich ruf noch einmal in der Kanzlei an. Vielleicht können wir dort morgen einen Termin kriegen und noch einmal verhandeln. Oder wenigstens in Raten zahlen...", schlug Alice vor und ich war einverstanden. Ich hatte zwar keine Lust schon wieder mit dem blöden Anwalt zu sprechen, aber wir hatten ja doch keine Wahl.

„Wie lange musst du denn morgen arbeiten?"

„Bis vier, wie immer", antwortete ich.

„Und wie war die Arbeit heute?", fragte Alice. Sie würde erst in zwei Stunden anfangen zu arbeiten. Sie war Kellnerin. Leider in einer ziemlich heruntergekommenen Bar, in der vielleicht alle zwei Jahre mal ein Mensch nüchtern heraus ging und der Mensch war höchstwahrscheinlich auch noch ich. Doch Alice hatte nicht die Möglichkeit gehabt zu studieren und nahm deswegen mit solchen Arbeiten vorlieb...

„Ich habe morgen ein Interview mit dem Bademeister des neuen Schwimmbads", verkündete ich und zwinkerte dabei anzüglich, um mich von den trüben Gedanken an Alice' Vergangenheit abzulenken.

„Heisssss", lachte Al.

Prompt fiel mir auch der andere Auftrag ein, den mir der Chef angeboten hatte. Ob ich ihr davon erzählen sollte?

Und da kam mir die Idee, die unser Leben verändern würde, auch wenn wir das beide noch nicht wussten.

Als Alice einige Zeit später ging und den Anwalt anrief, zog ich mich in das kleine Bad zurück und holte mein Handy aus der Hosentasche.

Gleich gab ich die Nummer ein und die Verbindung wurde aufgebaut.

„Miss Swan!", kam es etwas zu freundlich von der anderen Leitung.

„Ich nehme den Auftrag an."

Einen Tag später

Nach langem Warten öffneten sich endlich die Türen des Aufzugs. Gerade wollte ich einsteigen, als hinter mir Rufe ertönten.

„Miss Swan! Miss Swan, warten Sie!"

Ich drehte mich um und sah, wie Mr. Biers auf mich zu gerannt kam und mit irgendwelchen Papieren, die er in der rechten Hand hielt, herum wedelte. Als der Aufzug sich wieder schloss, verfluchte ich ihn innerlich.

„Tut mir leid, Miss Swan, ich will Sie wirklich nicht von Ihrem wohlverdienten Feierabend abhalten!" Schleimer. „Aber ich freue mich wirklich außerordentlich, dass Sie mein Angebot doch noch angenommen haben und wollte Ihnen noch einige Informationen und das Flugticket überreichen."

Ich nahm ihm die Zettel, die er mir hinhielt ab. „Oh, danke. Es freut mich wirklich, dass sie mir den Auftrag anvertraut haben!" Selber Schleimer, schalt ich mich. „Aber ich muss dann jetzt los. Bis morgen, Sir."

„Ja, bis morgen." Damit verschwand er wieder und ich musste erneut auf den Aufzug warten. Als dieser mich mit einem Pling empfing, stieg ich ein und öffnete den Umschlag mit dem Flugticket. Am Samstag in zwei Wochen würde es also losgehen. Für drei Tage, wow! Da hatte Biers wohl sie Spendierhosen an. Drei Tage Los Angeles!

Musste ich das Ganze nur noch Alice beichten...

Besagte wartete schon in unserem rostroten Transporter vor der Redaktion, da wir sofort weiter zur Kanzlei fahren würden.

„Hi, Bells!", begrüßte sie mich, fröhlich wie immer.

„Hi Kleine. Du? Können wir nach dem Termin noch was Essen gehen. Ich muss dir da was sagen", fiel ich ohne Punkt und Komma über sie her.

Ich war mir wirklich nicht sicher, ob ich aus der Nummer lebendig wieder herauskommen würde, aber ich konnte es ihr auch nicht verschweigen.

Misstrauisch beäugte sie mich. „Okay?" Es klang eher wie eine Frage als eine Antwort, aber das ignorierte ich.

Bald darauf parkten wir vor einem schicken Gebäude mit Glasfront. Viele Schilder prangten davor, auch das unseres werten Anwalts:

Clearwater & Whitlock

Anwaltskanzlei

Der äußerst unsympathische Clearwater war unser Verteidiger. Klar, er machte seinen Job gut, aber dennoch hofften Alice und ich, dass Junior bald an den Start gehen würde. Wir hatten seinen Sohn Seth schon kennengelernt, da er wohl bald den Posten seines Vaters übernehmen würde und hofften, dass das sehr bald geschah. Oder dass wir einfach nichts mehr mit dieser Kanzlei zu tun haben würden. Das war die zweite Alternative.

Die nächste Station war - wie sollte es auch anders sein - ein Aufzug. Genervt hämmerte ich auf den beschissenen Knopf, obwohl er schon lange leuchtete.

„Immer mit der Ruhe", sagte plötzlich eine vor Amüsement triefende Stimme hinter uns und Alice und ich drehten uns zeitgleich um. Unsere Reaktion dann hätte aber unterschiedlicher nicht sein können.

Der junge Mann in Anzug, der zugegebener Weise ziemlich heiß war mit seinen blonden Locken und den maskulinen Gesichtszügen, schien meine Freundin ziemlich zu beeindrucken, denn sie lächelte ihr umwerfendes Lächeln und entschuldigte sich höflich, während ich neidisch auf seinen Starbucksbecher schaute und meckerte, dass ihm das ja wohl egal sein könnte.

Schließlich kam der Aufzug, was natürlich an meinen unmissverständlichen Befehlen an ihn lag, und wir stiegen zu dritt hinein.

Ich wollte gerade auf den Knopf mit der 8hämmern, als Schicki-Micki-Mann mir schon zuvor kam. Angeber!

„Wo wollen die Damen denn hin, wenn ich fragen darf?" Er fragte, ohne zu wissen, ob er darf? Oh mein Gott! Mit dem falschesten Lachen, das ich zu Tage bringen konnte, lachte ich, woraufhin Alice mich mit einem bösen Blick strafte und antwortete: „Zur Anwaltskanzlei Clearwater & Whitlock."

Bei seiner Antwort darauf blieb mir die Spucke im Hals stecken.

„Oh, wenn ich mich vorstellen darf? Ich bin Jasper Whitlock." Jetzt war die Kacke aber am Dampfen.

Später

„Ernsthaft, Bella! Musste das sein?" Wir hatten uns nach dem «Ausflug» Pizza mitgenommen und saßen nun im Wohnzimmer auf der kleinen Couch, da wir in der Küche ja nur noch einen Stuhl hatten.

Wir durften die Kosten des Anwalts nun in Raten bezahlen, woran Mister Whitlock nicht ganz unschuldig war. Dass ich Alice anschließend geneckt hatte, sie sollte sich öfter solche Typen suchen, hatte sie doch ziemlich verärgert. Noch immer schmollte sie vor sich hin.

„Ich muss jetzt arbeiten", grummelte sie mit vollem Mund und stand auf.

„Ich wollte dir doch noch was erzählen", erinnerte ich Alice.

„Wenn ich wieder da bin."

„Okay, ich warte auf dich", entschloss ich gütig. Es musste ja so oder so raus und ich wollte es endlich hinter mir haben.

„Oder morgen früh", sagte sie schnell. Woah, so beleidigt war sie schon lange nicht mehr. Der Whitlock schien es ihr echt angetan zu haben.

Ich entschied, es mit Humor zu nehmen und lachte. „So schnell lasse ich mich aber nicht abwimmeln!"

„Okay, okay. Bis später!", willigte Alice unzufrieden ein und verschwand.

Ich hatte keine Lust mehr, heute Abend etwas zu unternehmen und zog mir schon mal den Schlafanzug an. Dann schmiss ich mich auf die Couch und schaltete den Fernseher an. Dabei bemerkte ich gar nicht, wie ich in den Schlaf abdriftete.

Verehrte Fluggäste. Wir werden in Kürze in Los Angeles landen. Bitte begeben Sie sich zurück auf ihre Sitze, bringen Sie diese in aufrechte Position und legen Sie die Sicherheitsgurte an. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit."

Auch ich legte meinen Sicherheitsgurt an und blickte aus dem kleinen Fenster des Flugzeugs. Unter mir tat sich die Skyline von LA auf. Noch nie zuvor war ich in dieser Stadt gewesen!

Mit einem Ruckeln und lautem Rumpeln kam das Flugzeug schließlich auf der Landebahn des Flughafens auf.

Müde rieb ich mir über die Augen und schaute mich um. Ein Traum. Ich war noch immer bei uns im Wohnzimmer.

Plötzlich nahm ich ein komisches Geräusch wahr und spitzte die Ohren. Es war doch ein Traum, doch das Rumpeln hörte ich noch immer.

Mit steifen Gliedern erhob ich mich und ging um die Ecke in den Flur. Da! Wieder dieses Rumpeln. Es kam von draußen. Ich näherte mich der Wohnungstür und eben diese sprang just in dem Moment auf. Das Licht des Treppenhauses blendete mich, doch als sich meine Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten, erkannte ich, wer da stand und warum es so gerumpelt hat.

Im Türrahmen stand Alice. In der einen Hand der Haustürschlüssel noch immer ausgestreckt und in der anderen ein Stuhl! Unschuldig lächelte sie mich an... wenigstens schien sie nicht mehr beleidigt zu sein.

Lachend eilte ich auf sie zu und nahm ihr den Stuhl ab. Ich parkte ihn in der Küche und Alice dackelte hinter mir her.

„Okay, Süße. Wo hast du den her?", fragte ich streng und stemmte meine Hände in die Hüfte.

Sie begann zu grinsen. „Ich hab ihn von der Arbeit mitgenommen."

„Sag das noch mal!"

„Ich hab ihn von der Arbeit mitgenommen", wiederholte sie freundlicherweise.

Es war mir klar, dass da mehr dahintersteckte. Sie konnte ja schlecht einfach einen Stuhl aus der Bar nach Hause mitnehmen, deshalb sagte ich: „Erzähl!"

„Nun, ich wollte Feierabend machen, doch vorher sollte ich noch kontrollieren, ob jemand irgendwohin gekotzt hat. Tja und als ich dann die vielen Stühle gesehen habe, ist mir die Idee gekommen, dass ja ein Stuhl dreckig sein könnte. Also habe ich gesagt, ich würde rausgehen und das sauber machen und habe dann gesagt, ich wäre fertig und bin mit dem Stuhl, den ich draußen stehen gelassen hatte, nach Hause gegangen", erklärte sie, als wäre es das normalste der Welt.

„Du hast echt nicht mehr alle Tassen im Schrank!", lachte ich.

„Aber du oder was?", fragte sie.

„Nein. Ich auch nicht." Damit fiel sie mir in die Arme.

„Womit hab ich das verdient?", wollte ich wissen.

„Ach, ich weiß auch nicht." Grinsend drückte ich ihr einen Kuss ins Haar.

„Womit hab ich das verdient?", fragte sie lachend.

„Ach ich weiß auch nicht", sprachen wir aus einem Munde.

Minuten später landeten wir wieder in Wolldecken eingekuschelt auf dem Sofa und sahen uns eine Late Night Show an. Ich wollte gerade aufstehen und mir ein Glas Wasser aus der Küche holen, als Alice fragte: „Du, Bella? Was wolltest du mir eigentlich schon den ganzen Tag erzählen?"

Oh oh. Der Frieden war dann wohl für heute auch schon wieder verflogen.

Wortlos reichte ich ihr das Flugticket.

„Aaah! Wie cool. Du fliegt nach LA. Was machst du dort?", kreischte sie und strahlte mich an.

„Ist beruflich. Es ist doch in zwei Wochen diese Preisverleihung und ich darf am roten Teppich stehen und..."

Ich wurde durch ihre überschwängliche Umarmung unterbrochen. „Ich freue mich so für dich!"

„Alice! Komm mal wieder runter! Ich bin noch nicht fertig!", sagte ich streng. Die Zeit der Wahrheit war gekommen. „Ich habe das nur angenommen, um uns zu retten!"

„Was meinst du damit?", unterbrach sie mich erneut.

„Lass mich ausreden, Al."

„'Tschuldigung", meinte sie und ich legte damit die Karten offen auf den Tisch.

„Wir brauchen Geld und ich werde es uns beschaffen. Dein Bruder wird dort sein. Ich ziehe Edward Cullen über´s Ohr - so wahr ich Isabella Marie Swan heiße."