Kapitel 2
Hallo ihr Lieben! :)
Das zweite Kapitel steht in den Startlöchern und wartet nur darauf, von euch gelesen zu werden. Ich will da nicht weiter im Weg stehen und an dieser Stelle nur der Teffi danken! :**
Ich wünsche bloß viel Spaß und sag nur: Let's meet Edward Cullen! :)
(.com/watch?v=gxC1nQtwkAY)
Sind wir Menschen...
Wählt der Schreitende den Pfad
oder der Pfad den Schreitenden?
(Garth Nix – Sabriel)
Bella's Point of View:
(Zwei Wochen später)
„Ich habe kein gutes Gefühl bei der Sache, Bella...", gestand Alice mir zum hundertsten Mal. „Bist du dir wirklich sicher?"
„Natürlich bin ich nicht sicher!" Was für eine Frage. Ich hoffte, aber ich konnte doch nicht sicher sein, dass unser - okay, mein - Plan funktionierte. „Aber, hey, was soll schon schief gehen? Wir haben nichts zu verlieren, nur zu gewinnen. Das bleibt einfach so ein Ding nur zwischen uns beiden."
Ein Lachen unterdrückend räusperte sich Jasper neben uns.
„Jetzt spiel dich bitte nicht so auf! Das ist etwas zwischen Alice und mir, nur weil sie auf dich abfährt, heißt das noch lange nicht, dass du da was mit zu tun hast!", fuhr ich ihn an. Alice war damit gar nicht einverstanden, doch Jasper ruderte zurück. Braver Kerl!
„Ich weiß nicht... Ich habe trotzdem kein gutes Gefühl...", fing Alice erneut an.
„Du hattest auch kein gutes Gefühl, als du letztens auf dem geklauten Küchenstuhl gesessen hast!", erinnerte ich sie.
„Ich habe ihn zurück gebracht, ja!", verteidigte sie sich.
„Ja, genau, für deinen Job und ich fliege auch nach LA für meinen Job!" Die Parallelen dazwischen waren nicht so ganz vorhanden, aber ich tat einfach so, als würde das Sinn ergeben.
„Es ist gemein, was du vorhast", kam es schließlich ganz leise von ihr. Ich hatte es trotzdem gehört.
„Das ist nicht dein Ernst, oder? Ich habe dir doch schon vor Jahren, als du flennend vor der Glotze gesessen hast, gesagt, dass ich mich dafür rächen würde. Jetzt, da wir ein bisschen Kohle brauchen, ist der perfekte Zeitpunkt dafür."
„Du könntest ihn auch einfach um Geld bitten..."
„Willst du mich verarschen? Soll ich mich an den roten Teppich stellen und fragen, ob er nicht ein bisschen Geld für mich übrig hat? Er wird mir nicht zuhören, wenn ich dich nicht erwähne!"
„Ja schon, aber du musst doch nicht sagen, ich bräuchte ihn! Ich komme perfekt ohne ihn aus und außerdem klingt das, als würde ich im Sterben liegen!"
Diskussionen waren Alice und meine größte Stärke. Vor allem, da wir beide zu stur waren, nachzugeben.
„Alice! Es muss überzeugend sein! Es ist so schon schwer genug, ihn überhaupt ansprechen zu können und sollte mir das gelingen, dann muss ich das schamlos ausnutzen!"
Jasper, den ich inzwischen ganz vergessen hatte, schaltete sich ein.
„Glaubt ihr nicht, es lässt sich ein Kompromiss finden?"
Innerlich stöhnte ich auf. Verstanden sie denn nicht?
„NEIN!", kam es zeitgleich sowohl aus Alice' als auch aus meinem Mund. Wir lachten kurz, ehe ich es noch ein letztes Mal auf die sanfte Tour versuchte.
„Alice, ich muss hart sein, um seine Aufmerksamkeit zu gewinnen, aber wenn du es unbedingt willst, dann werde ich bei einem weiteren Gespräch vollkommen ehrlich zu ihm sein und... ich werde ihn nicht anschreien."
Alice schien mit sich zu ringen. „Versprichst du es?"
„Ich verspreche es!"
„Okay", willigte sie ein und wir besiegelten das Ganze mit einer Umarmung.
Jasper gluckste neben uns.
Er und Alice waren vor drei Tagen zusammen gekommen. Sie hatten sich ein paar Mal gedatet, nachdem Jasper sie angerufen - er hat ja die Nummer seiner Klienten - und sie stundenlang telefoniert hatten. Ich fand die beiden wirklich süß zusammen und Jasper hatte mir meine Aktion gütig vergeben. Der Mann hatte wirklich einen guten Humor! Alice hatte darauf bestanden, dass er heute mit zum Flughafen kommt und mich verabschiedet. Sie hatte ihm noch nicht wirklich verraten, dass es hier um ihren Bruder ging, aber ich denke, er ahnte bereits einiges und würde es in den nächsten Stunden von ihr erfahren. Die beiden hatten gewiss schon einmal über ihre Familie und ihre Vergangenheit geredet, sodass er schon einiges wissen müsste. Er war vertrauensvoll. Meinen Segen hatten die beiden.
„Ich muss dann jetzt wohl los", erinnerte ich und deutete auf den Eingang zur Sicherheitskontrolle hinter mir.
Seufzend nahm Alice mich in den Arm. „Bau keinen Scheiß", mahnte sie mich dabei und ich strich ihr beruhigend über den Rücken. „Ich krieg das schon hin.", besänftigte ich uns beide - oder versuchte es zumindest.
Danach wurde ich zu meiner Überraschung auch noch von Jasper herzlich umarmt, wobei er sich köstlich über mein verwundertes Gesicht amüsierte und verschwand dann winkend in die Sicherheitskontrolle.
Einige Zeit später schlenderte ich durch den Duty-Free-Shop. Das war ein halbwegs interessanter Zeitvertreib, denn mein Flug würde erst in etwa eineinhalb Stunden gehen.
Mit einem Riegel Schokolade und irgendeinem Frauenmagazin verließ ich den Shop wieder und setzte mich zum Frühstücken in eines der Cafés. Anschließend verfrachtete ich dann mich und meine Handtasche auf einen der Plastikstühle im Wartebereich am Terminal.
Nach endlos langem Warten wurde mein Flug schließlich mit 20 Minuten Verspätung aufgerufen.
„Verehrte Fluggäste. Wir werden in Kürze in Los Angeles landen. Bitte begeben Sie sich zurück auf ihre Sitze, bringen Sie diese in aufrechte Position und legen Sie die Sicherheitsgurte an. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit."
Auch ich legte meinen Sicherheitsgurt an und blickte aus dem kleinen Fenster des Flugzeugs. Unter mir tat sich die Skyline von LA auf. Noch nie zuvor war ich in dieser Stadt gewesen!
Mit einem Ruckeln und lautem Rumpeln kam das Flugzeug schließlich auf der Landebahn des Flughafens auf.
Ein Déjà-Vu! Bloß war es diesmal kein Traum. Lächelnd schnallte ich mich wieder ab und angelte mein Handgepäck aus dem dafür angebrachten Fach über mir. Dann drängelte ich mich zwischen zwischen den anderen Passagieren Richtung Ausgang.
Nachdem ich Alice angerufen hatte, worauf sie bestanden hatte, um zu wissen, ob ich gut angekommen war, und mein Gepäck zum Glück vollständig wiederbekommen hatte, suchte ich mir ein Taxi und fuhr zu dem Hotel, das Biers für mich gebucht hatte.
Davor angekommen staunte ich nicht schlecht! Es war riesig, machte einen äußerst seriösen Eindruck und ich vermutete, dass sich darin auch einige der Stars befanden, die heute Abend bei der Preisverleihung sein würden, denn vor dem Eingang war es überwuchert mit unzähligen Groupies!
Da musste der gute Mann aus der Chefetage aber ordentlich Kohle reingesteckt haben. Wenn ich das Geld wieder gutmachen sollte, dann musste es mit diesem Bericht zum Durchbruch kommen. Ein bisschen stolz war ich ja schon, dass mir das zutraute.
Zurück zum eigentlichen Problem... den Groupies.
'Na, herzlichen Glückwunsch', gratulierte ich mir selbst. 'Viel Spaß beim Drängeln!'
Ich schaffte es tatsächlich nach viel Gedrängel und Geschubse unversehrt, mal abgesehen von diversen Beleidigungen, vor einem der Bodyguards am Eingang zu stehen.
Ich zeigte ihm meinen Presseausweis und er musste sich an der Rezeption meine Buchung bestätigen lassen, ehe ich dann die Lobby betreten durfte.
An der Rezeption konnte ich meine Neugierde dann nicht mehr unterdrücken. Während die Empfangsdame etwas am Computer eintippte, räusperte ich mich und fragte: „Entschuldigung, aber darf ich fragen, wer sich denn in diesem Hotel befindet, dass die Groupies sich da draußen die Füße platt treten?"
Die Dame schien mit sich zu ringen, doch schließlich sagte sie es mir. „Nun gut, es ist ein Großteil der Filmcrew von The Mysterious hier... Wie auch immer die Groupies das herausgefunden haben, sie scheinen von einem zu wissen."
Das war nicht schwer zu erraten. „Edward Cullen." Nickend bestätigte die junge Dame dies.
„So", sagte sie schließlich und überreichte mir meinen Zimmerschlüssel. „Ihr Gepäck wurde bereits auf Ihr Zimmer gebracht und wenn Sie das nächste Mal rein wollen und der Haupteingang belagert wird, können sie den Hintereingang benutzen. Sie erreichen ihn von der anderen Seite des Blocks. An dem Gestank der Mülltonnen dürften sie dann erkennen, dass Sie richtig sind, aber das ist alle Male besser als das", riet sie mir und deutete nach draußen. Ich nickte. „Nun, ich wünsche Ihnen einen schönen Aufenthalt!"
Mit einem ''Danke'' verschwand ich dann in Flur C der dritten Etage.
„231, 232, 233, 234...", zählte ich laut die Zimmernummern mit. Meine war die 271. Ich bog erneut um die Ecke, als dort vor einer Suite ein stämmiger Bodyguard stand. So, so. Dann wollen wir doch mal rauskriegen, wer sich in der Suite versteckt. Ich reckte mein Kinn etwas nach oben und ging selbstbewusst auf ihn zu.
„Guten Tag", begann ich höflich.
Der Riese blickte lediglich mit hoch gezogenen Augenbrauen auf mich herab.
„Hören Sie..." Absichtlich ließ ich den Satz in der Luft hängen, eventuell würde er ja seinen Namen verraten. Doch der Gute blieb standhaft.
„Ich bin von der Presse, wissen Sie und da weiß ich natürlich, dass sich in diesem Hotel ein Großteil der Filmcrew von The Mysterious befindet. Dürfte ich, natürlich aus reinem Interesse, erfahren, wer von denen sich hinter dieser Tür verbirgt?" Keine Antwort. Wenigstens sah er mich an und tat nicht so als wäre ich nicht da.
„Mir können Sie es wirklich sagen, ich habe häufiger mit Prominenten zu tun." Ich hatte noch nie mit Prominenten zu tun, aber mit einem Seufzen nach dem Motto 'Die sind ja alle gleich' versuchte ich, erfahren zu wirken. Seine Reaktion darauf war... nichts.
Ich ging aufs Ganze und boxte dem Guten freundschaftlich an die Brust und er quittierte das... gar nicht.
„Wir arbeiten doch quasi fast im gleichen Business." Oh Gott, langsam wurde es peinlich. „Mir können Sie das wirklich anvertrauen!" Nichts.
Wütend stampfte ich mit dem Fuß auf und machte auf dem Absatz kehrt. Und da folgte die erste Reaktion von diesem Riesen. Er kicherte. Allerdings sollte dies auch die letzte Reaktion sein. Nach einer Weile gab ich endgültig auf und ging weiter.
„...268, 269, 270 und 271. Endlich!"
Im Zimmer sprang ich direkt unter die Dusche. Danach schlang ich eines der flauschigen Hotelhandtücher um meinen Körper und eines als Turban um den Kopf und ging dann an meinen Koffer um die Kulturtasche und neue Klamotten herauszusuchen. Pfeifend machte ich mich zurecht, ehe ich viel zu früh das Hotel wieder verließ und mit dem Taxi zur Halle fuhr, wo die Preisverleihung stattfinden würde. Ich war extra sehr, sehr früh dran, schließlich wollte ich ja in der ersten Reihe stehen. Vor Ort bekam ich von einem weiteren Sicherheitsmensch einen umhängbaren Pass, der mich auswies. Auch hier hatte Mr. Biers mich also angemeldet. Schick sah das ja aus, bloß konnte jetzt jeder sehen, dass ich von einer Zeitung war, die niemand kannte.
Miss Isabella Swan
Breakfast News
New York
Ich fragte mich doch, wie Biers das wieder hinbekommen hatte...
Am roten Teppich hatte ich wegen meiner peinlichen Überpünktlichkeit tatsächlich einen Platz in der ersten Reihe. Andere erfolgreiche Presseleute hatten die erste Reihe quasi vollkommen reserviert. Natürlich war von denen noch keiner da.
'Arrogante Arschlöcher', dachte ich, wohl wissend, dass ich bloß neidisch war.
Als ich dachte, schon taub zu sein, vom Geschrei der Groupies, wonach auch immer die schrien, kam schließlich eine weitere Journalistin, wie ich annahm und stellte sich neben mich. Groß, blond, schlank. Naturschönheit.
„Hallo", begrüßte sie mich mit einem Lächeln. Und auch noch nett! Wie gerecht war das Leben eigentlich?
„Hi", grüßte ich zurück. „Auch von der Presse?"
Sie schielte auf mein Schild. „Nein. Connections." Wir lachten. „Und Sie sind aus New York?" Ich nickte zur Antwort. „Wahnsinn, da war ich schon lange nicht mehr..."
„Ich war noch nie in LA."
„Haben Sie sich die Stadt schon angesehen?", fragte mich die Blonde.
„Nein. Ich bin vor wenigen Stunden erst gelandet."
„Das müssen Sie unbedingt machen!", meinte sie mit schwärmendem Gesichtsausdruck. „Wie lange bleiben Sie denn?"
„Drei Tage... aber um mal kurz vom Thema abzulenken. Könnten wir das Siezen lassen? Ich hasse das", sagte ich und verdrehte dabei die Augen.
Sie lachte. „Okay, ich hasse das auch. - Ich bin Rosalie."
„Bella." Wir schüttelten uns grinsend die Hände.
„Wenn ich Bella sagen darf, darfst du Rose sagen", kicherte sie.
Ich unterhielt mich nett mit Rose und mit der Zeit entstand ein immer größer werdender Menschenauflauf. Yummie.
Wir wurden quasi an die Sicherheitsabsperrung gequetscht.
Als schließlich die ersten Limousinen vorfuhren, wachte ich wieder auf und erinnerte mich, weshalb ich eigentlich hier war.
Die Kameras wurden gezückt und alle blitzten fröhlich drauf los, jeder mit dem Ziel, das beste Foto zu schießen. Unsere kleine Zeitung würde mit den Fotos anderer Vorlieb nehmen müssen, da ich in so etwas nicht wirklich gut war...
Ich bevorzugte meinen Notizblock und schrieb schon mal auf, wer da so vor meiner Nase herlief. Richtig spannend und wichtiger würde es erst später, bei der Verleihung an sich, werden.
Nervös war ich schon, als da die ganzen Promis vor meinen Augen bloß wenige Schritte, eine Sicherheitsschranke und ein paar Bodyguards entfernt posierten.
Bei besonders heißen Sternchen grinsten Rose und ich uns immer wieder an. Wen ließ das schon kalt?
Plötzlich wurde das Gejubel wieder tobend und ich wollte gerade aufschauen, als Rose den Kopf senkte und mir ins Ohr flüsterte: „Die Connections sind da. Der da ist meiner!" Mit einem fröhlichen Lächeln im Gesicht deutete sie an den Anfang des roten Teppichs. Ich folgte ihrem Blick und weitete meine Augen erschrocken, als ich sah, wer da herlief.
Edward Cullen!
Mit offenem Mund sah ich Rose an. Hatte sie verdammte Scheiße hoch hundert was mit Edward Cullen am Laufen?
Die kicherte. „Nicht Edward. Emmett, sein Bodyguard." Ich schaute noch einmal hin und versuchte Edward zu ignorieren und seinen Bodyguard zu fokussieren. Als ich ihn erkannte, mussten meine Augen sich auf Untertassengröße gesteigert haben, denn Rose blickte mich verwirrt an.
Edwards Bodyguard war niemand geringerer als der, den ich heute im Hotel auf die Nerven gegangen war. Mein Gott!
Ich hätte Rose gerne etwas darüber ausgequetscht, aber ich musste mich jetzt drauf konzentrieren, wie ich vorgehen würde.
Je näher er kam, desto nervöser wurde ich. Fuck! Wie konnte ich bloß auf so eine beschissene Idee kommen? Dieser Typ war, auch wenn er Alice' Bruder war, immer noch Edward Cullen! Einer der berühmtesten und beliebtesten Schauspieler des 21. Jahrhunderts!
Und dann war er auch schon wenige Schritte an uns vorbei gelaufen.
Scheiße! Mit dem Gedanken „Für Alice" holte ich mein Herz wieder aus der Hose und rief: „Ihre Schwester braucht Sie!" Es hatte geklappt, er drehte sich zu mir um. Alle, die in der Nähe standen, fragten, ob er eine Schwester hatte. Das konnte er wahrscheinlich gar nicht gebrauchen und ich versuchte unter meiner Nervosität noch einen entschuldigenden Blick aufzusetzen. Er stritt eine Schwester ab und kam auf mich zu.
Es sah aus, als würde er mir ein Autogramm geben. Ich reichte ihm den Notizblock mit meinen eiskalten, aber dennoch schweißnassen Händen und hoffte, dass er nicht sah, wie sie zitterten.
Ich bekam den Block zurück. Darauf stand Woher wissen Sie von ihr?
Angebissen! Perfekt.
„Heute Nacht um 3 Uhr an den Mülltonnen Ihres Hotels", flüsterte ich so leise, aber dennoch verständlich ich konnte. Er nickte und verschwand.
Tief atmete ich ein und aus. Verdammt, ich durfte mich nicht von ihm betören lassen.
Dass seine Schwester ihn brauchte klang vielleicht ein bisschen sehr melodramatisch und irgendwie hatte Alice ja recht, es war ein bisschen fies. Um mich selbst davon zu überzeugen, dass es fair war, rief ich mir wieder das Bild von Alice in den Kopf, wie sie flennend vor dem Fernseher saß. Damals...
„Bella, was war denn das gerade?", flüsterte Rose mir ins Ohr und sah mich mehr als fragend an.
Ich war hin und hergerissen. Das mit diesem Bodyguard heute wollte ich ihr eh noch erzählen... „Hast du morgen Zeit was Trinken zu gehen?", fragte ich sie. Ich musste ihr ja nicht die ganze Wahrheit erzählen.
„Vergiss' es! Bis morgen warte ich nicht! Ich hab doch gehört, dass du heute Nacht um drei..." Sie schaute über ihre Schulter, um zu sehen, ob jemand auf uns achtete. „... du weißt schon. Danach gehen wir was trinken."
„Okay, ich werde danach eh nicht schlafen können", lachte ich nervös.
„In welchem Hotel bist du? Ich komme dann vorbei." Ich nannte ihr mein Hotel und sie nickte. „Da... ähm... wollte ich eh noch hin. Ich werde gegen halb vier da sein." Ich lachte, da ich ja wusste, dass ihr Freund im selben Hotel war und stimmte zu.
Während der Preisverleihung mussten Rose und ich uns trennen und ich landete zwischen Presseleuten aus aller Welt.
Der Abräumer des Abends war natürlich Edward Cullen. Er war viermal nominiert und bekam davon drei Awards.
Die Stunden krochen dahin und auch nach der Verleihung stürmten sämtliche Journalisten auf die Sternchen zu, um vielleicht ein paar skandalöse Sätze mitzubekommen. Auch ich drängte mich hier und da dazu und bekam ein paar erwähnenswerte Teile mit.
Irgendwann verließ ich die Veranstaltung und ging noch einmal zurück ins Hotel, da ich noch etwas Zeit hatte.
Als ich im Hotel mal wieder die Flure entlang schlich, kam ich erneut an der Suite vorbei. Diesmal stand niemand davor, sodass er noch bei der Veranstaltung sein müsste.
In meinem dunklen Zimmer begrüßte mich mein blinkendes Handy. Ich bekam gerade einen Anruf. Gerade wollte ich abheben, da wurde der Anruf bereits beendet.
Auf dem Display wurden mit 3 ungelesene Nachrichten und 8 verpasste Anrufe angezeigt. Alle von Alice. Seufzend rief ich sie zurück.
Natürlich war sie vollkommen aufgelöst und ich versuchte vergebens sie zu beruhigen. Sie sagte, Jasper sei bei ihr und der arme Kerl tat mir ganz leid.
Ununterbrochen redete Alice auf mich ein und stellte Fragen, die ich nicht beantworten konnte. Ich verstand sie ja. Wie nervös ich schon gewesen war, obwohl Alice eigentlich noch mehr damit zu tun hatte. Ach Kacke, ich hatte keine Ahnung, wie sich das für sie anfühlen musste.
Ich verriet, dass ich ihn in etwa einer Stunde treffen würde und versprach, sie danach anzurufen.
Als das Gespräch beendet war, ließ ich mich seufzend aufs Bett fallen und sah ein wenig fern, um mich abzulenken.
Tja, und dann war die Stunde der Wahrheit gekommen. Das nervöse Ziehen im Bauch war die ganze Zeit nicht abgeflaut und schließlich erhob ich mich und verließ mehr als aufgeregt das Zimmer.
Ich fand einen schnelleren Weg, der zum nächsten Aufzug führte und fuhr damit runter zur Lobby. Mein Atem rasselte und mein Herz pochte schmerzhaft gegen meinen Brustkorb.
Ich hatte keine Ahnung, wie ich den Hintereingang des Hotels von der Lobby aus erreichen konnte, weshalb ich das Hotel durch den Haupteingang verließ und den Block umrundete, um dann von hinten zu suchen, wie die Dame am Empfang es gesagt hatte. Tatsächlich fand ich einen schmalen Weg zwischen zwei Häusern, der als Sackgasse am Hintereingang endete. Die Mülltonnen stanken bestialisch und ich ging ein paar Schritte auf Abstand, aus Angst, den Geruch aufzunehmen.
Ich war alleine dort und wartete mit zitternden Händen in einer dunklen Ecke. Der Hintereingang wurde von einer kleinen Lampe beleuchtet, sodass ich sehen würde, wenn er kam, ohne dass er mich sah. Perfekt, denn ich hatte nicht vor, mir meine Nervosität anmerken zu lassen.
Eigentlich wollte ich ihn ja mit nicht ganz fairen Mitteln ein bisschen weich klopfen - und das nicht, weil ich Spaß dran hatte andere zu quälen, sondern weil ich zum Zeitpunkt meines Plan-Entwickelns eine unheimliche Wut auf diesen Mann hatte - aber erstens hatte ich Alice versprochen ehrlich mit ihm zu sein und zweitens war mir jetzt auch nicht mehr so wohl dabei...
Quietschend ging plötzlich die schwere, graue Tür auf und Edward Cullen trat in seiner ganzen Pracht heraus. Ich wusste es und dennoch haute es mich um.
Suchend schaute er nach rechts und links.
Das war mein Einsatz.
Ich biss die Zähne zusammen, atmete ein und trat aus dem Schatten, damit er mich sehen konnte.
Als er mich entdeckte, kam er auf mich zu und schüttelte höflich meine Hand. „Edward Cullen", stellte er sich unnötiger Weise vor.
„Isabella Swan", erwiderte ich.
„Ich... es ist... also...", begann er nervös zu stammeln. Es ging ihm also ähnlich wie mir. Die Situation war ziemlich surreal. „Werden Sie mir etwas über Alice erzählen?", fragte er schließlich.
Ich wollte nett sein, also zuckte ich mit den Schultern und fragte, was er wissen wolle. „Alles", kam es wie aus der Pistole geschossen, woraufhin ich die Augenbrauen hochzog. „Wo wohnt sie?", ruderte er zurück.
„Ich lebe mit ihr zusammen in einer WG in New York."
„New York? Ich hatte ehrlich gesagt mit Seattle gerechnet...", gestand er. Kein Wunder.
Ich beschloss mit ein paar Informationen raus zu rücken. „Wir sind in Seattle zusammen zur High School gegangen. Sie wurde von einem Ehepaar adoptiert, das selbst keine Kinder bekommen konnte. Dann bin ich zum Studieren nach New York gezogen und da wir beste Freundinnen sind, ist sie mit mir gekommen."
„Hat sie auch studiert?", fragte er.
Ich schüttelte traurig den Kopf. „Nein, das wäre toll gewesen, aber die finanziellen Mittel fehlten... fehlen noch immer."
Wütend legte mein Gegenüber die Stirn in Falten und fluchte. „Ich hab Geld wie Heu und ihr fehlt es."
Auf einmal fühlte ich mich vollkommen schlecht, dass ich ihn um Geld anpumpen wollte. Er machte sich ernsthaft Sorgen um sie und ich war nur auf sein Geld aus, aber warum hatte er Alice nie gesucht? Er hatte doch die nötigen Mittel dazu... dann hätte sie jetzt vielleicht nicht den dreckigen Job in der bescheuerten Bar. Ich beschloss, noch einmal aufs Ganze zu gehen. „Ihre Adoptiveltern haben ihr den Führerschein bezahlt. Leider hat sie letztens einen Mercedes platt gemacht und der Fahrer hat sie angezeigt, wir sind bei der Gerichtsverhandlung glimpflich davon gekommen, aber jetzt will der Anwalt sein Geld haben, dabei haben wir nicht mal die Miete für diesen Monat zusammen und meine Eltern haben schon die letzte bezahlt. Es fehlt an Geld einfach vorne und hinten. Ich arbeite bei einer Zeitung, die niemand kennt und kann uns meistens über Wasser halten, aber mit den Anwaltskosten... Alice arbeitet in einer dreckigen Bar und ich wünschte sie würde den Job aufgeben, aber sie möchte auch ihren Teil beitragen... Was ich sagen will..."
„Schon klar. Ihr braucht Geld. Warum auch sonst sollte meine Schwester plötzlich wieder auftauchen. Geld. Das wollen sie alle. Sie hasst mich, oder?"
Himmel! Während er das sagte, klang er so niedergeschlagen, dass ich ihn am liebsten in die Arme genommen hätte. Das ginge natürlich viel zu weit, aber es war so. In dem Moment stellte ich fest, dass ich ihn eigentlich überhaupt nicht kannte. Und auch Alice tat dies nicht. Sie hatten sich ewig nicht gesehen. Ich kannte ihn nicht und dachte schlecht über ihn, obwohl ich seine Sicht der Dinge nie gehört hatte und jetzt hatte ich das ganze Schlamassel.
„Sie... eigentlich nicht, nein. Dafür hat sie ein zu gutes Herz, aber... ich habe erfahren, dass Sie ihr Bruder sind, als sie flennend vorm Fernseher saß, wo ein Interview mit Ihnen lief, in dem Sie betonten, außer Ihrer Tante keine Familie mehr zu haben. Alice war furchtbar traurig! Aber..." Ich wollte gerade versuchen, ihn zu besänftigen und die Situation irgendwie zu entspannen, da schlug Edward Cullen live und in Farbe mit der Faust gegen die Mülltonnen. Es schepperte so laut, dass ich geschockt erstarrte. Wenn jetzt jemand raus kommen würde...
Dann ging alles ganz schnell.
Mieser Cliff... Sorry, aber dafür habe ich einen noch mieseren Teaser für euch. ;)
Teaser: Kapitel 3
Wir rannten, als ginge es um unser Leben - und in gewisser Weise tat es das auch. Zumindest um den weiteren Verlauf unseres jungen Lebens.
In gewisser Weise geht es jetzt auch um mein Leben und deswegen verziehe ich mich jetzt lieber. *g*
Liebste Grüße von einer unschuldig pfeifenden
Chiquita!
