Kapitel 4
Hallo ihr Lieben!
Ich habe ewig nicht mehr gepostet und frage mich wirklich, wo bitteschön die letzten drei Monate geblieben sind. Wahnsinn wie die Zeit rennt.
Hier nun also ein neues Kapitel. Es ist eher ein etwas kürzeres Übergangskapitel. Ich musste oft die Perspektive wechseln, um kurz zu zeigen, was grad so läuft. Bin gespannt, ob jemand was mit dem letzten Teil anfangen kann..? ;)
Dieses Kapitel ist noch ungebetat, verzeiht mir alle meine Fehler. :D
Das fünfte Kapitel läuft auf Hochtouren, ich hoffe wirklich ihr bekommt es im Laufe der neuen Woche. Da geht es dann auch endlich mal richtig rund. ^^
Wie auch immer, ich will euch nicht länger hinhalten!
Hinter der Maske
'So ist das Leben', sagte der Clown mit Tränen in den Augen
und malte sich ein Lächeln ins Gesicht.
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(Lost - Coldplay)
Edwards Point of View:
»Es tut weh, keinen Platz auf dieser Welt zu haben.«
Mit diesen Worten zog ich die Tür hinter mir zu und atmete erst einmal tief durch.
Saubere Leistung - wahrscheinlich denkt sie nun, ich bin psychisch labil.
Die Suite lag in vollkommener Stille. Bestimmt war Emmett mit seiner Freundin in der Bar und Isabella folgte mir nicht. Alleine sein; das war genau das, was ich jetzt brauchte.
Erschöpft fuhr ich mir mit der rechten Hand durch die Haare und ging in die Küche. Das Licht ließ ich aus und griff blind nach einem Glas. Ich füllte es mit Leitungswasser und setzte zum Trinken an.
„Du magst sie", kam es plötzlich aus der Dunkelheit und ich ließ vor Schreck beinahe das Glas fallen. Geschockt stellte ich es ab und griff mir ans Herz.
„Rosalie", stellte ich fest, als mein Gehirn seinen Betrieb wieder aufgenommen hatte. Anstatt einer Bestätigung schaltete sie das Licht an und ließ sich auf der Küchentheke nieder. Geblendet kniff ich die Augen zusammen und schaltete fluchend das Licht wieder aus.
„Fein", kommentierte Rosalie, von der ich nur noch ihre Silhouette sehen konnte. „Dann eben im Dunkeln."
„Was willst du?", zischte ich.
Ich hatte nie einen Hehl aus meiner Abneigung gegen Rosalie gemacht. Wir gingen uns meistens aus dem Weg und wenn nicht, dann zickte sie mich an und ich ging ihr dann wieder aus dem Weg. Ich wusste nicht richtig, woran es lag. Vielleicht, weil Emmett zwischen uns stand. Als mein Bodyguard und Freund verbrachten wir viel Zeit miteinander. Zeit, die Rosalie auch gerne mit ihm hätte. Vielleicht.
„Fragen, was dein Problem ist", kam es zickig zurück.
„Was meinst du?", fragte ich misstrauisch. Es war mir unangenehm mich anderen zu öffnen und ich hoffte, dass sie nichts privates ansprechen würde, aber so wie ihre Worte bisher klangen, schien es so zu kommen. Bloß gut, dass das Licht aus war!
„Wir haben vielleicht 20 Worte gewechselt und die waren ziemlich oberflächlich und... feindlich. Ja und nun kommt Bella daher, du triffst dich nachts irgendwo mit ihr um 'Geheimnisse' auszutauschen und verpisst dich dann mit ihr auf den Balkon. Was mache ich bitte falsch? Ich gehe also davon aus, du magst sie."
„Ich kenne sie nicht." Wie immer wahrte ich Distanz. Das war meine tägliche Maske und manchmal konnte ich selbst diese Maske nicht mehr von meinem wirklichen Ich unterscheiden... doch mir fiel auf, dass ich sie eben verloren hatte. In Bellas Gegenwart hatte ich sie fallen lassen! Ein Schauer lief mir über den Rücken und ich fuhr mir erneut durch die Haare. Ich hatte meine Maske fallen lassen und es nicht einmal bemerkt! In der Regel konnte ich mich dann nicht entspannen und fühlte mich, als würde ich keine Klamotten am Leib tragen. Meine Güte: Rosalie hatte recht! Wütend auf mich selbst ballte ich meine Hände zu Fäusten.
Durch ein Räuspern fiel mir wieder ein, dass Rosalie ja auch noch da war.
Es war mir unangenehm durchschaut zu werden, aber dass ich Bella mochte, war falsch. Ich kannte sie ja wirklich nicht und hatte nur wegen Alice Kontakt zu ihr, aber das konnte ich meinem Gegenüber ja gerade schlecht auf die Nase binden. Nicht auszudenken, wenn sie dann davon Wind bekommen würde!
„Komm schon, Edward, sieh doch ein, dass du zu keinem so bist wie zu ihr. Du magst sie." Auch ohne Licht war ich mir sicher, dass sie gerade spöttisch grinste. Da war so ein Unterton in ihrer Stimme und der gefiel mir ganz und gar nicht.
„Willst du mir neue Freunde andrehen, damit du mehr von Emmetts Zeit beanspruchen kannst?", platzte ich heraus. Der wahrscheinlich längste Satz, den ich je zu ihr gesagt hatte.
Jetzt war sie es, die sich zurückzog. „Nein!", erwiderte sie etwas zu schnell.
„Warum interessiert es dich dann?", bohrte ich weiter nach. Mein Kampfgeist war geweckt. Ich wollte die Blonde Schach Matt setzen.
„Edward, du hast kaum soziale Kontakte. Das kann doch nicht gesund sein. Überleg' doch mal wie du lebst!"
„Als würde dich mein Scheiß interessieren. Als würdest ausgerechnet du dir verdammte Sorgen um mich machen! Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten, aber lass mich zufrieden und wenn es wegen Emmett ist, dann sag es mir doch einfach ins Gesicht. Glaubst ich bin fünf Jahre alt und kann damit nicht umgehen?" Ich hatte mich in Rage geredet, aber unerwarteterweise es tat gut, das alles mal auszusprechen.
Seufzend verließ ich die Küche.
„Ich denke, ich bin neidisch, weil du bestimmt doppelt so viel Zeit mit Emmett verbringst als ich." Ich fuhr noch einmal herum. Sie war ganz leise geworden. Ebenfalls unerwartet.
Ich bin neidisch auf dich, weil du erfolgreich im Leben bist; Spaß an dem hast, was du tust; so viele Handynummern hast, dass du sie nicht zu zählen weißt; so viele Freunde; dass du bei Einladungen nachzählen musst, um zu überprüfen, ob alle dabei sind und vor allem, weil du dein Leben selbst bestimmen kannst und deine Fäden selbst in der Hand hast, dachte ich. „Er ist ein freier Mann", sagte ich und verkroch mich - wie immer.
Manchmal hasste ich mich selbst. Das gerade war manchmal.
Alice' Point of View:
Isabella Marie Swan, du bist ein totes Menschenkind!
Seit Stunden bewachte ich mein Handy. Aber Nichts. Nicht einmal 'ne SMS. Was machte sie bloß?
Nervös lief ich auf und ab. Wenn ich eins hasste, dann nicht auf dem Laufenden zu sein. Eine meiner schlechtesten Eigenschaften, das wusste ich, aber verdammt... Was machte sie bloß?
Ich war kurz davor sie schon wieder anzurufen!
„Alice!", mahnte Jasper zum gefühlt tausendsten Mal.
Ich wusste nicht, was ich machen würde, wenn er nicht da gewesen wäre... entschuldigend sah ich ihn an. „Lange schaue ich mir das nicht mehr an, das ist dir klar, oder?" Eigentlich nicht... dennoch nickte ich verhalten. Lachend nahm er mich in den Arm und ich klammerte mich an ihm fest. Diese Unwissenheit machte mich einfach krank. „Ich meine es ernst, Al. Komm runter, du kannst es doch eh nicht beeinflussen. Außerdem wirst du mit deinen ständigen Anrufen auch keine Hilfe für Bella sein."
Er hatte Recht. Wie immer. „Ich weiß, aber...", gab ich verzweifelt von mir und wusste nicht richtig, was ich dem entgegen bringen sollte...
Rückwärts schob Jasper mich auf das Sofa. „Kein aber! Du schaust jetzt ein wenig fern, ich bestelle uns Pizza und dann machen wir uns einen gemütlichen Abend und lassen Bella Bella sein, mal ganz abgesehen davon, dass sie nicht einmal 24 Stunden weg ist. Punkt."
Wie es nun einmal meine Art war wollte ich munter drauf los plappern und ihm sagen, dass ich jetzt nicht ruhig sein konnte, doch sein Blick war vollkommen neu für mich und duldete absolut keine Widersprüche und so presste ich meine Lippen aufeinander und sah mir gequält das Fernsehprogramm an.
Edwards Point of View:
Nachdem seltsamen Gespräch mit Rosalie hatte ich mich mit meinem iPod und einem guten Buch im Badezimmer eingeschlossen und mich somit in eine andere Welt katapultiert.
Nicht gerade feinfühlig wurde ich dann allerdings mit einem aufdringlichem Klopfen an der Tür zurück in die Realität geschleudert. Seufzend stellte ich die Musik ab, klappte das Buch zu und merkte mir wie immer auswendig auf welcher Seite ich stehen geblieben war. 318.
Erneut klopfte es. Rosalie, Emmett oder... fuck! Bella! Die hatte ich ja schon ganz vergessen... obwohl... sie amüsierte sich bestimmt prächtig mit Rosalie.
„Verdammt, Eddie, alter Sack, ich pinkel mir gleich die Hose, also mach bitte die bescheuerte Tür auf oder ich geh in die Küchenspüle pissen!" Emmett.
Beim Verlassen des Badezimmers wich ich gekonnt dem Spiegel aus und wurde fast von Emmett umgerannt, als ich die Tür geöffnet hatte.
Hektisch verschwand er im Bad, doch ich war mir sicher, dass ihm ein dummer Kommentar schon auf den Lippen lag. Es war äußerst beruhigend zu wissen, dass die Blase meines besten Freundes auf meiner Seite war, dachte ich sarkastisch, obwohl ich gerade eigentlich so gar nicht dazu aufgelegt war.
Ich verstaute Buch und iPod im Nachttisch meines derzeitigen Schlafzimmers und wagte einen Blick auf den angrenzenden Balkon - und tatsächlich, Bella stand noch immer dort; mit der Hüfte am Geländer angelehnt, blickte sie von mir weg, hinunter auf die Straße, wie ich annahm.
Ob ich zu ihr gehen sollte? Sie war schließlich so etwas wie ein Gast... andererseits war sie eine erwachsene Frau und wenn sie nicht mehr allein sein wollte, dann würde sie schon hineinkommen, nicht wahr?
Hin und her gerissen stand ich unschlüssig in der Mitte des Zimmers und fühlte mich ziemlich verloren. Ich hatte mich gerade dazu entschieden, Bella sich selbst zu überlassen, als ich ihre gedämpfte Stimme wahrnahm. Erst jetzt fiel mir auf, dass sie zu telefonieren schien. Nun wollte ich mich erst recht zurückziehen, aber als sie lauter wurde und ich ein gedämpftes „Verdammt, Alice!" wahrnahm, erstarrte ich. 'Du, solltest gehen – du solltest gehen!', versuchte ich mir selbst einzutrichtern, konnte aber dennoch nicht verhindern, dass ich die Ohren spitzte.
„Ja, Al. Es ist alles in Ordnung... Die Wahrheit? Das war die Wahrheit... Schön! Dann eben die Wahrheit. Du hattest recht. Ich habe selbst keine Ahnung mehr, was ich hier überhaupt zu suchen hab! Das war total dumm von mir. Wir sind doch erwachsene Menschen, wie werden unsere Probleme selbst in den Griff bekommen. Das, was ich hier angefangen habe, war absolut kindisch. Ich hätte mit meiner Nase in meinem eigenen Leben bleiben sollen... Ja, ich denke, ich versuche mich morgen irgendwie in der Stadt zu beschäftigen und vielleicht noch Inspirationen zu anderen Artikeln zu suchen und übermorgen breche ich dann früh zum Flughafen auf..."
Das reichte mir. Mein Kopf schwirrte und ich hatte absolut keine Ahnung, was ich nun mit dieser Information anfangen sollte. Nahezu lautlos wollte ich das Zimmer wieder verlassen. Jetzt beim Lauschen erwischt zu werden, konnte ich überhaupt nicht gebrauchen!
Plötzlich klingelte mein Handy. Zischend zog ich Luft ein. Große Scheiße! Ich warf einen Blick über meine Schulter Richtung Balkon und begegnete Bellas Blick, den ich allerdings nicht ansatzweise deuten konnte. Schnell sah ich wieder weg und zog mein Handy aus der Hosentasche. Eigentlich wollte ich den Anruf wegdrücken, aber als ich sah, wer mich da gerade anruft, blieb mir nichts anderes übrig, als abzunehmen...
Flashback
Ein kleiner Junge stand mit seiner kleinen Schwester vor dem Eiswagen. Es war Mittag und die beiden kamen gerade aus der Schule. Ihren Tornister geschultert liefen sie durch den Park, der das zu Hause der beiden Kinder und deren Schule trennte. Es war Freitag, was den ganz bestimmten Enthusiasmus auf das Wochenende auslöste. Dieser Enthusiasmus konnte einzig und allein von den Schulkinder dieser Welt verspürt werden. Auch die Geschwister waren erfreut, denn an jedem Freitag stand der Eiswagen im Park. Die Mutter steckte dem Älteren dann morgens immer ein bisschen Geld, welches er besser behütete als seinen eigenen Augapfel. Stolz bezahlte er dann die beiden Eiskugeln – Schokolade für ihn und Erdbeere für seine Schwester – und der Verkäufer, für den die beiden seine 'Lieblingsstammgäste' waren, lächelte dann immer beinahe väterlich.
„Warte hier", forderte der Junge seine Schwester auf und ließ dann ihre Hand los. Sie wartete immer neben der Mülltonne, um dann die Servierten wegzuschmeißen, die sie immer zu dem Eis bekamen. Erwachsene waren komische Vögel. Wer brauchte schon Servierten? Wenn man sich den Mund nicht abwischte konnte man auch Minuten später noch die Süße vom Eis schmecken, sobald man sich über die Lippen leckte. Eine Weisheit, die jedem Kind klar war, die jedoch im voranschreitenden Alter verloren zu gehen schien...
Schüchtern und ein wenig verunsichert von der Entfernung zu ihrem Bruder – auch wenn die nur ein paar Schritte war – wartete das Mädchen ungeduldig und zupfte dabei an ihrer rosafarbenen Bluse. Eines ihrer Lieblingsstücke, schließlich war es rosa – das Gold der kleinen Mädchen!
Ein alter Mann mit weißem Vollbart, buschigen Augenbrauen und schmutzigen Klamotten musterte die Kleine. Ihre Blicke begegneten sich und sie nahm sein ungepflegtes Erscheinen in sich auf. Als er begann zu lächeln, wobei sich sein Bart seltsam mitbewegte, rannte sie panisch in Richtung ihres Bruders. So ein seltsamer Mann war ihr noch nie begegnet!
Der Junge fragte sie, was los sei und ihr kleiner Finger zeigte panisch auf den alten Mann. Auch ihr Bruder musterte ihn komisch, ehe ein wissender Ausdruck auf seinem Gesicht erschien und er erklärte seiner Schwester: „Das ist ein Mann ohne Haus." Dabei klang er so selbstsicher, dass sich die Jüngere nicht traute, nachzufragen, wie denn ein Mann kein Haus haben kann. Der Junge drückte ihr in die eine Hand das Eis und die andere nahm er selbst in die Hand. Dann flüsterte er ihr noch zu: „Wenn du dich von den großen Menschen bedroht fühlst, dann renn!" Nickend nahm sie es zur Kenntnis und nahm das ernster, als irgendjemand erwartet hätte...
Und? Was könnte denn das nun bedeuten? Spekulationen sind immer willkommen! ;)
Ich wünsche euch noch einen angenehmen Sonntagabend!
Nadine.
