So ich weiß, das hat diesmal sehr, sehr lange gedauert. Das Semester hat mich leider fest im Griff und dann hab ich mir ne fette Erkältung eingefangen und erstmal ne Weile flachgelegen v.v darum ist das Kapitel auch leider nicht so lang. Ich hoffe ihr habt trotzdem Freude daran ;) Und immer schön dran denken, Slash entwickelt sich bei mir langsam und gemächlich *g*

Disclaimer ist der selbe wie immer :P


Kapitel 5 Holding on and Letting go

"Nobody has ever measured, not even poets, how much the heart can hold."

Zelda Fitzgerald

Gut neunzig Minuten später hatte Potter den Tisch gedeckt und Draco ließ eine heiße Auflaufform mit herrlich duftender, heißer Lasagne auf den Tisch zu schweben, wo diese sich von allein mittig positionierte.

Schweigend taten sie sich jeweils eine Portion des Auflaufs auf und begannen zu essen. Tatsächlich musste Draco gestehen, dass ihm die Lasagne recht gut gelungen war. Er hatte zwar schon vor Jahren gelernt zu kochen, einfach weil er der Meinung war, das solche Fähigkeiten einen Mann attraktiver machten, aber er war dennoch etwas unsicher gewesen, was die Bechamelsoße betraf.

„Wieso kannst du so gut kochen, Malfoy?", fragte Potter einige Minuten später und sah von seinem Teller auf. Das Stück Lasagne auf seiner Gabel machte den Anschein, als würde es jeden Moment mit einem lauten Klatsch wieder auf den Teller fallen.

Draco zuckte mit den Schultern während er den Bissen im Mund herunterschluckte. „Weißt du, Kochen ist ein bisschen wie Zaubertränke brauen", antwortete er und grinste sein Gegenüber an.

„Das erklärt so einiges", gab Potter zurück und verzog das Gesicht.

Draco konnte nicht anders, als laut zu lachen. Als er Potter wieder ansah hatte dieser ein merkwürdiges Leuchten in den Augen und ein schiefes Lächeln zierte seine Lippen.

„Warum schaust du, als hättest du einen Geist gesehen?", wollte Draco wissen.

„Ich fürchte, das habe ich", sagte Potter belustigt. „Wo hast du in den ganzen Schuljahren dieses Lachen versteckt?".

Draco blinzelte und glaubte, er habe sich verhört. Nun war es seine Lasagne, die mit einem lauten ‚Klatsch' auf dem Teller landete. „Hast du mich gerade ernsthaft nach meinem Lachen gefragt?", wollte er wissen und beobachtete, wie sich Potters Wangen rot zu färben begannen.

„Sorry…", murmelte dieser, den Blick auf den Teller gesenkt.

Stille senkte sich über den Raum und Draco spürte den intensiven Blick seines Gegenübers brennend auf der Haut. Hatte Harry Potter ihm gerade ein Kompliment gemacht? Hatte sich die Welt wirklich gerade ein weiteres Mal auf den Kopf gestellt?

„War es nur Snape, der dir den Spaß dran genommen hat, oder kannst du wirklich so schlecht brauen?", fragte Draco, versucht zu einem unverfänglichen Thema zurück zu kommen.

„Ich habe lange meinen Frieden mit Snape geschlossen, aber er konnt in all den Jahren nie Frieden sich selbst und seinen Fehlern schließen, und das hat er an mir ausgelassen".

Draco hob eine Augenbraue. Snapes Fehler der Vergangenheit? Er war immer der Liebling der Potionsmasters gewesen, aber er wusste nichts Privates über seinen früheren Lehrer. Zwar hatte er nach dem Krieg gehört, dass Snape Dumbledore immer loyal gewesen war, aber mehr wusste er nicht über ihn.

„Fehler der Vergangenheit?", fragte er.

Potter seufzte und ließ seine Gabel auf den Teller sinken. „Er war nicht immer der verbitterte Mann, den wir in der Schule kennengelernt haben. Seine Kindheit war nicht sehr schön, weil die Ehe seiner Eltern nicht sehr glücklich war und er hatte Schwierigkeiten Freunde zu finden. Es dauerte lange, bis er überhaupt mit einem anderen Kind Freundschaft schloss. Sie war ein Mädchen aus der Nachbarschaft, eine Hexe, die in eine Mugglefamilie hinein geboren worden war. Als die beiden nach Hogwarts kamen, schickte der Hut sie nach Gryffindor, während Snape nach Slytherin kam. Zu Anfang änderte sich kaum etwas zwischen ihnen, aber mit den Jahren konnte Snape sich dem Einfluss der anderen Slytherins nicht mehr entziehen. Er war gefangen zwischen den Welten und hatte sich mittlerweile in das Mädchen verliebt. Gleichzeitig blieb er ein Außenseiter, der von seinen Mitschülern verspottet wurde. Als er fünfzehn war, kam der Tag, dem ihm alles zu viel wurde. In einem Moment der Wut und des verletzten Stolzes beschimpfte er sie als Mudblood. Diesen Ausrutscher hat sie ihm nie verziehen. In den Jahren, die folgten, musste er zusehen, wie sie mit dem Jungen zusammen kam, der ihn gehänselt hatte und diesen später sogar heiratete. Obwohl Snape sich immer wieder bei ihr entschuldigte, war der Bruch endgültig".

„Was wurde aus ihr?", fragte Draco, für den sich gerade tausend Puzzleteile zu einem großen Ganzen zusammensetzten.

„Sie starb wenige Jahre später, als sie das Kind, das in einer anderen Welt seines hätte sein können, vor Voldemort beschützte".

„Voldemort-", setzte Draco an, doch dann drangen die Worte mit der gesamten Gewalt ihrer Bedeutung zu ihm durch. „Sie war deine Mutter… er hat deine Mutter geliebt…", flüsterte er mit rauer Stimme.

Potter nickte bloß und sah ihn weiterhin an.

„Und er war nur so ungerecht zu dir weil… du ihn an den einen großen Fehler seines Lebens erinnert hast…"

„Ja… er konnte es sich nicht verzeihen und zugleich konnte er nicht damit umgehen, das Kind zu sehen, das genauso aussah wie der Mann, an den er sie verloren hatte. Er war kein Held, aber er war auch nicht das Monster, für das ich ihn eine Zeit lang hielt. Er war nur ein Mann, der nie aufgehört hat eine Frau zu lieben, die er nicht haben konnte", erklärte Potter und schob den Teller den nun leeren Teller ein Stück von sich weg.

Draco selbst schob sich das letzte Stück Auflauf in den Mund und betrachtete Potter eingehend. Er hatte schon häufiger gehört, dass er seinem toten Vater wie aus dem Gesicht geschnitten war. Natürlich kannte Draco James Potter nicht, aber wenn es stimmte, dann musste Potters Anblick die reinste Folter für Snape gewesen sein.

„Möchtest du noch was, oder kann ich den Rest der Lasagne in den Kühlschrank stellen?", wollte Potter wissen. Einen Moment fragte Draco sich, was noch mal gleich ein Kühlschrank war, bis ihm wieder bewusst wurde, dass es sich dabei um die Mugglemaschine handelte, die Potter zum Kühlen von Lebensmitteln verwendete.

„Für mich nichts mehr, danke", sagte er und als Potter sich erhob, um die Auflaufform zur Seite zu stellen, gab Draco dem benutzten Geschirr und Besteck den Befehl, sich zu selbst zu spülen.

Potter hatte derweil den Rest des Essens in den ‚Kühlschrank' befördert und drehte sich nun zu Draco um, die Hände wiedermal auf der nun glänzenden Arbeitsfläche abgestützt. „Ich schätze mal, du hast nicht vor, endlich zu gehen oder?", wollte er wissen, seine Augen funkelten einen Moment lang belustigt.

„Es ist früher Nachmittag, also habe ich noch viel Zeit, um die Gesellschaft zu leisten, Potter", gab Draco mit einem Grinsen zurück. Natürlich hätte er gehen können, immerhin sah die Wohnung wieder vorzeigbar aus und auch Potter schien sich gefangen zu haben, aber Draco hatte immerhin eine Mission und an dieser würde er solange festhalten, bis das Objekt seiner Begierde endlich zustimmen würde.

„Ganz wie du meinst. Was würdest du davon halten, wenn ich uns einen Tee koche und wir uns wieder ins Wohnzimmer setzen?", fragte Potter und strich sich gedankenverloren mit einer Hand durchs Haar.

„Das klingt ja fast wie eine Einladung. Man könnte meinen, dir gefällt meine Anwesenheit", erwiderte Draco, während Potter mit den Augen rollte.

„Als ob, Malfoy. Kräuter oder Früchte?"

Kopfschüttelnd beobachtete Draco wie Potter Tassen aus einem Hängeschrank fischte. „Kräuter. Früchtetee schmeckt immer als hätte jemand Zitronensaft hineingeschüttet. Ich hasse Dinge die sauer sind".

„Früchtetee schmeckt für dich sauer?", bemerkte Potter eindeutig belustigt.

„Ja… irgendwie komisch halt. Hör auf zu lachen und mach mir meinen Tee, Potter".

Die einzige Antwort, die er erhielt, war ein warmes Lachen.


Mit einer dampfenden Tasse Tee in der Hand saß Draco eine halbe Stunde später in einem der beiden gemütlichen Sessel und blickte zu seinem Gastgeber. „Also nachdem ich jetzt Snapes Lebensgeschichte kenne, fehlt mir doch immer noch die Geschichte für die ich eigentlich hier her gekommen bin".

Potter hob eine Augenbraue und nippte an seinem Tee. „Und welche Geschichte wäre das?"

„Deine natürlich", antwortete Draco und lehnte sich zurück. Potter wirkte angespannt, als er ihn über den Rand seiner Teetasse hinweg ansah.

„Es gibt nicht zu erzählen", sagte bestimmt und schloss für einen Moment die Augen.

„Natürlich nicht. Menschen trennen sich immer ganz ohne Grund", erwiderte Draco so trocken wie möglich. Er konnte sehen, wie sich Potter Hand um die Tasse versteifte und die Knöchel weiß durch die Haut zu scheinen begannen. Fast glaubte er, die Tasse würde jeden Moment im Griff des Mannes zerspringen. Draco seufzte leise und setzte erneut zum Sprechen an. „Hör zu, Potter. Davon dass du es in dich hineinfrisst, wird es nicht besser. Ich bin hier um dir zu helfen. Ich kann dich gesetzlich vertraten, aber ich kann dir auch genauso gut einfach nur zuhören".

Langsam öffnete sein Gegenüber die Augen und blickte ihn durchdringend an. „Ich sagte doch, ich brauche keinen Anwalt. Ginny und ich werden uns ohne Streit scheiden lassen".

„Das weiß ich Potter, aber du brauchst trotzdem einen gesetzlichen Zeugen, der deine Scheidungspapiere unterschreibt", erklärte Draco und nahm einen Schluck Tee, der mittlerweile zum Glück soweit abgekühlt war, dass man ihn trinken konnte, ohne sich dabei die Zunge zu verbrennen. Das Gebräu schmeckte angenehm herb und zugleich irgendwie süß, durch den Honig, den Potter beigemischt hatte.

„Ich werde darüber nachdenken, okay Malfoy?", gab dieser nach und schenkte Draco ein etwas schief geratenes Lächeln.

„Gut, und jetzt erzähl mir was passiert ist", beharrte dieser mit einem Grinsen, während er die Tasse zurück auf den kleinen Tisch stellte, auf dem noch immer die Falsche Firewhisky stand.

Potter seufzte und ließ einen Moment die Schultern hängen. „Es gibt nicht wirklich viel zu erzählen. Wir waren schon vor dem Krieg ein Paar und nachdem Voldemort endlich fort war, waren wir beide dankbar mit dem Leben davon gekommen zu sein. Wir dachten, unsere Liebe sei an den Strapazen gewachsen. Oder, in den Feuern des Krieges geschmiedet worden… wie Ron einmal sagte", Potter rollte kurz mit den Augen, ehe er weitersprach. „Aber wir entschieden uns dennoch zu warten… wollten, dass die Wunden des Krieges heilen und nach fünf Jahren lagen uns Freunde und Familie so sehr in den Ohren, dass wir schlussendlich doch noch heirateten".

Ein flüchtiges Lächeln huschte über Potter Lippen, während die Erinnerungen sich ihren Weg suchten. Für einen Moment konnte Draco sehen, wie glücklich sein Gegenüber einst gewesen war. Wie stark die Hoffnung gewesen war, nun endlich Glück gefunden zu haben. Ein Gefühl, das Draco selbst noch nicht für sich gefunden hatte, aber sich dennoch danach sehnte.

„Wir waren glücklich damals… wir beide… mit dem was wir hatten. Aber nach einer Weile, begann Ginny von Kindern zu sprechen. Ich habe mir immer eine eigene Familie gewünscht… ich… wir haben es versucht… am Anfang waren wir nicht in Eile, aber als Ginny nach über einem Jahr immer noch nicht schwanger war… sie wurde unruhig und irgendwann begann sie Tränke zu nehmen, die eine Schwangerschaft begünstigen sollte… doch auch dies blieb ohne Erfolg… von da an, gab es nur noch ein Thema… Kinder… Unser ganzes Leben drehte sich um nichts anderes mehr, als das. Am Schlimmsten wurde es, als Hermione zum zweiten Mal schwanger wurde. Schon beim ersten Mal war das der Grund, warum Ginny überhaupt mit den Tränken begann. Sie konnte es einfach nicht ertragen, zu sehen, wie ihr Bruder all das bekam, was sie sich wünschte. Und als Hermione mit Hugo schwanger wurde, war Ginny außer sich. Sie hat Tage lang kaum ein Wort mit mir gesprochen und als Hugo dann vor sechs Monaten geboren wurde, stand Ginny auf einmal mit einer neuen Idee vor mir. Sie hatte von einer Bekannten gehört, dass das St. Mungos eine neue Methode entwickelt hat, um kinderlosen Paaren zu helfen. Irgendwas mit Tränken und Zaubern, die wochenlang angewendet werden mussten. Aber… zu diesem Zeitpunkt wollte ich nicht mehr. Ich wollte kein Kind, das nur ein Resultat aus Magie war. Sie hat versucht mich dazu zu bringen, mich drauf einzulassen… und als ich es immer wieder abgelehnt habe… begann sie sich zu distanzieren. Sie war nur noch selten zu Hause und schlief oft auf dem Sofa… das sie jetzt ausgezogen ist und die Scheidung will… es sollte mich nicht überraschen…".

Als Potter geendet hatte, konnte Draco eine tiefe Traurigkeit in den grünen Augen sehen. Wie lange hatte er diese Dinge mit sicher herumgetragen, ohne mit jemandem darüber zu sprechen? Wie lange hatte er gehofft, alles würde wieder gut werden und wie lange hatte er versucht, den schönen Schein aufrecht zu halten, nachdem ihm klar geworden war, dass es nicht wieder gut werden würde?

„Es tut mir leid. Ich hätte nicht fragen sollen", murmelte Draco und hob die Teetassen wieder an seine Lippen, als könne er sich dahinter verstecken.

„Das muss es nicht. Es… tat eigentlich gut, darüber zu sprechen. Ich… habe das bisher noch nie gemach… zumindest nicht… so… Ron und Hermione konnte ich schlecht davon erzählen und Neville ist so glücklich mit Susan, dass ich es nicht übers Herz gebracht habe, ihn mit meinen Problemen zu belasten", erklärte Potter. Seine Stimme klang rau, als würde etwas ihm die Kehle zuschnüren.

„Du sollest dich häufiger fragen, was dir gut tut, statt immer nur auf andre zu achten, weißt du das?", antwortete Draco. Hatte Potter wirklich über Jahre hinweg alle Probleme nur in sich hinein gefressen, weil er geglaubt hatte, mit niemandem darüber sprechen zu können?

Potter schenkte Draco ein kurzes Lächeln, welches dieser so gut er konnte, erwiderte. „Ehrlich Malfoy, ich hätte auch nicht erwartet, dass es dich braucht, damit ich endlich mit jemandem spreche".

„Ich habe ja gesagt, ich bin hier, um dir zu helfen, auch wenn ich am Anfang tatsächlich eher an rechtliche Hilfe gedacht habe".

„Danke, dass du hier bist",

„Nichts zu danken. Wie lange hast du jetzt noch vor in der Wohnung zu sitzen?"

„Ich… weiß es nicht. Auf der Arbeit warten eine Menge Leute, die mich mit Fragen löchern werden, sobald ich durch die Tür komme. Ich weiß nicht, ob ich dazu bereit bin", antwortete Potter und griff statt nach dem Tee zum Firewhisky, welchen Draco ihm im letzten Moment vor der Nase wegschnappte. „Was soll das, Malfoy?"

„Ich glaube, davon hattest du in den letzten Tagen genug. Es wird Zeit dass du dich zusammen reißt. Nach der nächsten Woche gehst du wieder arbeiten, verstanden?", sagte Draco mit der Flasche in der Hand.

„Was bist du Malfoy? Mein Aufpasser? Meine Nanny? Ich bin erwachsen und kann selbst entscheiden, wann ich wieder zur Arbeit gehe!"

„Kannst du das? Deswegen hast du dich auch hier verschanzt und lehnst es ab nach draußen zu gehen. Du läufst vor der Realität davon, deswegen werde ich deinem Gryffindor-Hintern einen Tritt verpassen".

Potter wollte gerade zu einer Erwiderung ansetzen, als ein Klopfen aus Richtung des Kamins ihm das Wort abschnitt. Zwei Augenpaare richteten sich sogleich auf die knisternden Flammen, die sich smaragdgrün verfärbt hatten und einen Besucher ankündigten, der drauf wartete, herein gelassen zu werden. Kurz trafen sich ihre Blicke, als würde sie bei dem jeweils anderen nach der Antwort auf die Frage suchen, die unausgesprochen im Raum stand. Wer versuchte gerade durch den Kamin zu Besuch zu kommen?

Kaum einen Herzschlag später griff Potter zu seinem Zauberstab und ließ den wartenden Besucher herein. Aus den grünen Flammen trat kurz darauf eine wohlbekannte Gestalt, auf deren Anwesenheit Draco herzlich gerne hätte verzichten könnte – Ronald Weasley. Potters bester Freund hatte sich in den zehn Jahren seit Draco ihn zuletzt gesehen hatte, kaum verändert. Die roten Haare und das sommersprossige Gesicht, erinnerten ihn nur zu gut an den Schüler, den er vor so vielen Jahren gekannt hatte und wenn er ehrlich war, mochte er Weasley auch nach zehn Jahren noch kein Stück mehr, als in der Schule.

„Ron!", Potter war aus seinem Sessel aufgestanden und einen Schritt auf seinen Schwager und besten Freund zugegangen.

„Hey mate", sagte dieser und ließ den Blick kurz durch den Raum schweifen, wobei seine Augen an Draco haften blieben. „Was macht der denn hier?".

Potter schien einen Moment irritiert, ehe ihm klar wurde, wen Weasley meinte. „Oh… ähm… er…", setzte er an, wurde aber sofort wieder unterbrochen. „Du hast Malfoy hier? Warum zum Teufel sitzt das Frettchen in deinem Wohnzimmer? Hab ich was passt?".

Draco fragte sich, ob er selbst eingreifen sollte, aber er befürchtete, dass jedes Wort von ihm die Situation nur noch schlimmer machen würde, als sie ohnehin schon war. Natürlich war Weasley nicht sonderlich begeistert davon ihn zu sehen und wenn Draco ehrlich war, beruhte diese Abneigung auf Gegenseitigkeit. Und dennoch würde er erklären müssen, warum er an einem Sonntagnachmittag mit einer Flasche Firewhisky in der Hand im Wohnzimmer seines Schulrivalen saß.

Potter blinzelte kurz, ehe er die Schultern straffte und mit eine Bestimmtheit, die Draco überraschte, sagte: „Er ist mein Anwalt, deshalb ist er hier". Die Anspannung war seiner Stimme deutlich anzuhören, aber dennoch schien er Weasley überzeugt zu haben, da dieser nun zwischen den beiden hin und her blickte, den Mund leicht geöffnet.

„Du hast einen Anwalt?", wollte er mit schriller Stimme wissen.

„Natürlich habe ich einen Anwalt. Ich brauche einen gesetzlichen Zeugen, der die Papiere für mich unterschreibt", erklärte Potter, seine rechte Hand lag auf der Lehne des Sessel und hielt sie umschlossen, als brauche den Halt des Möbelstücks.

„Papiere? Was für Papiere?", fragte Weasley, der noch immer irritiert von Potter zu Draco sah und nicht so recht zu verstehen schien, was vor sich ging.

„Die Scheidungspapiere natürlich", warf Draco ein, dem langsam der Geduldsfaden zu reißen schien. Die Stimmung im Raum war so gespannt, man hätte sie schneiden können.

„Scheidung? Ich… ich dachte ihr kommt wieder zusammen… du und Ginny. Du willst dich wirklich scheiden lassen?".

„Nein, Ron. Ich will mich nicht scheiden lassen, ich will auch, dass alles wieder gut wird. Aber ich glaube nicht mehr daran. Es lief schon die ganzen letzten Monate nicht mehr gut und Ginny ist ausgezogen, falls es dir entgangen ist. Sie möchte nicht mehr mit mir zusammen sein", erklärte Potter, während sie seine Hand noch fester um die Lehne des Sessels schloss.

„Ja, schon, aber… ich dachte das wäre nur vorübergehend. Ich dachte ihr reißt euch irgendwann schon zusammen und dann… Hör zu Harry, wenn meine Eltern sich bei der ersten Kriese hätten scheiden lassen, dann gäbe es Ginny und mich gar nicht", Weasley trat nervös von einem Fuß auf den anderen und vergrub die Hände in seinen Hosentaschen.

„Ron, das ist nicht die erste Kriese… oder vielleicht ist es die erste aber die hält schon seit Jahren. Ohne Kinder werden Ginny und ich nicht wieder zueinander finden. Wir haben es so lange versucht und es hat nicht geklappt. Manchmal muss man einfach einsehen, dass etwas nicht funktioniert".

„Aber ihr habt doch noch gar nicht alles versucht, hat Ginny erzählt. Warum willst du denn nicht mit ihr ins St. Mungos gehen? Vielleicht würde die Therapie anschlagen und ihr könntet doch noch Kinder haben".

Potter seufzte und strich sich mit der freien Hand durch das immer unordentliche schwarze Haar. „Ich will es nicht. Ich kann einfach nicht mehr. Wir haben so viel versucht und jetzt ist endlich Schluss. Ich ertrage es einfach nicht, dass noch ein Versuch fehlschlägt. Ich ertrage es einfach nicht, wie vorwurfsvoll sie mich dann wieder ansehen wird und wie traurig sie sein wird, weil sie sich wieder einmal zu viele Hoffnungen gemacht hat und diese zerstört wurden. Ich habe genug davon. Und ohne Kinder will sie mich nicht. Also soll sie sich scheiden lassen und versuchen glücklich zu werden".

„Du hast also aufgegeben? Du willst gar nicht mehr um sie kämpfen", wollte Weasley wissen. Die Situation war ihm eindeutig unangenehm und seine Augen huschten immer wieder zu Draco herüber, der schweigend lauschte.

„Ich habe Jahre lang um sie gekämpft, leider ohne Erfolg. Ist das der Grund, warum du hier bist, Ron? Wolltest du mich dazu bringen, doch noch in die Therapie einzuwilligen?"

Weasleys Gesicht begann ich rot zu färben, während er zu Boden blickte. Irgendetwas war ihm eindeutig unangenehm. „Nun ich… Ginny hat mich geschickt… um Sachen abzuholen…".

Etwas in Potters Haltung schien sich zu ändern, als die Worte zu ihm durchdrangen. Seine Schultern versteiften sich und die Augen, vor einer halben Stunde noch voll belustigtem Funkeln, wurden dumpf. Draco musste den Impuls niederkämpfen aufzustehen und Weasley in den Kamin aus dem er gekommen war, zurück zu befördern.

„Dann würde ich vorschlagen, du suchst die Sachen, die Ginny haben will und verschwindest dann wieder von hier, bevor ich dich persönlich rausschmeiße", erwiderte Potter, die Stimme kalt und distanziert wie selten zuvor. Etwas Trauriges war in seine Augen gekrochen, das Draco entfernt bekannt vorkam. Irgendwo hatte er diesen Blick schon einmal gesehen. Diese Mischung aus Enttäuschung und Traurigkeit kitzelte in seinem Unterbewusstsein und füllte seinen Kopf mit Erinnerungen an einen feurigen Kelch, der Namen ausspuckte. Genauso hatte Potter ausgesehen, nachdem er zum unfreiwilligen vierten Champion geworden war und nicht mal sein bester Freund ihm geglaubt hatte.

„Ich… ich… bin mal oben… Sachen holen", stammelte Weasley und eilte aus dem Raum.

Potter seufzte und ließ sich wieder in seinen Sessel fallen. „Es ist schwer für ihn… er will nicht wahrhaben, dass das mit Ginny und mir nicht klappt… genauso wie ich es lange nicht wahrhaben wollte… und jetzt weiß er nicht, wem er loyal sein soll… sie ist immerhin seine Schwester", erklärte er und Draco fragte sich, wessen Verständnis er damit eigentlich erreichen wollte.

„Er ist ein beschissener bester Freund, zumindest im Moment", antwortete er trocken und stellte die Whiskyfalsche wieder auf den Tisch zurück.

Potter lächelte traurig und erhob sich wieder, um zwei Gläser aus dem Schrank zu holen. „Ich weiß, ich sollte die Finger davon lassen, aber… willst du auch ein Glas?".

Draco warf einen Blick auf seinen mittlerweile kalten Tee. „Ja, immer her damit. Ein Glas wird nicht schaden". Er konnte Potter leise lachen hören, als dieser mit den Gläsern zum Tisch zurückkehrte und jedem der beiden einschenkte.

„Ich dachte immer, Ginny und ich würden den Rest unseres Lebens miteinander verbringen. Nach dem Krieg konnte ich Snapes Immer einfach nicht aus dem Kopf kriegen und ich dachte meine Liebe zu Ginny wäre genauso ewig wie die seine für meine Mutter. Ganz schön naiv nicht wahr?", seine Stimme klang beinahe brüchig als er sich setzte und das Glas zu den blassen Lippen hob. Einen Moment beobachtete Draco, wie diese sich um den Rand des Glases schlossen und er fragte sich, wie sie sich wohl anfühlten.

„Malfoy? Hörst du mir noch zu?"

„Natürlich, Potter. Du bist nicht naiv. Du hast dir nur gewünscht, was du selbst nie hattest. Das ist ganz normal denke ich", antwortete Draco und nahm selbst einen Schluck vom wärmenden Getränk.

Ein leises Rumpeln gefolgt von Schritten im Flur zog die Aufmerksamkeit der beiden wieder zu Weasley zurück, der gerade durch die Tür am und einen kleinen Beutel um die Schulter trug. „Hermiones Tasche", sagte er, als würde das alles erklären und grinste Potter kurz an, nur um sofort festzustellen, das diesem nicht nach Lachen zumute war.

„Hast du alles?", Potters Stimme klang genauso kühl und reserviert wie wenige Minuten zuvor.

„Hör zu, Harry. Ich finde du solltest auf Ginnys Wunsch eingehen. So schwer ist das doch nicht. Ihr könnt wieder zusammen finden, wenn du dir nur einen Ruck gibst".

Draco wartete gar nicht, bis Potter antworten konnte sondern stellte sein Glas geräuschvoll auf den Tisch zurück. „Jetzt hör du mal zu, Weasel. Ich glaube es ist besser, wenn du jetzt gehst. Deine Anwesenheit ist im Moment nicht erwünscht".

Einen Moment sah der Angesprochene irritiert aus, dann zogen sich seine Brauen zusammen. „Was ist er? Dein Rausschmeißer? Deine Leibwächter? Hast du ihn dir als Schoßhund trainiert? Ist das der Grund, warum es im ganzen Haus nach Essen riecht? Kocht er für dich?".

„Er ist hier, um mir zu helfen, im Gegensatz zu dir. Er ist bereit mich zu unterstützen, weil ich jemanden brauche, der meine Scheidungspapiere für mich mitunterschreibt. Geh jetzt Ron, wir reden in den nächsten Tagen irgendwann, aber jetzt will ich allein sein", Potter war wieder aufgestanden und stand nun beinahe beschützend zwischen seinem besten Freund und Draco.

„Allein mit Malfoy…", knurrte Weasley und griff mit Floopulver, ehe er in die grünen Flammen trat und verschwand.

Potter seufzte und leerte sein Glas in einem Zug. „Sieht aus, als wärst du engagiert, Malfoy. Herzlichen Glückwunsch, du darfst meine Scheidungspapiere unterschreiben".

Draco schnaubte leise und schnappte Potter ein weiteres Mal die Flasche weg, als dieser sich ein weiteres Glas gönnen wollte.

„Zu gütig Potter. Ich werde meine beste Feder mitbringen". Der Angesprochene hob eine Augenbraue und warf kurz einen Blick auf die Flasche, welche sich nun außerhalb seiner Reichweite befand.

„Du hast Recht, Malfoy. Es wird Zeit, dass ich aufhöre mich zu verkriechen. Ich werde Montag arbeiten gehen und einfach weiter leben. Ich kann auch ohne sie glücklich werden".

„Gut, dass du es endlich verstehst".

„Sag mal, hast du Freitagabend schon was vor? Ich war ewig nicht mehr aus. Ich glaube es wird mal wieder Zeit dazu".

Kapitel 5 Ende