Kapitel 6 Everybody lies

Should I hate you because you hurt me?

Or should I love you because you made me feel special?

„Du bist spät, es ist bereits dunkel draußen". Die Stimme seiner Mutter empfing Draco als er in der Eingangshalle von Malfoy Manor aus den grünen Flammen trat.
„Ja, ich… hatte noch ein paar Dinge mit meinem Mandaten zu besprechen", erklärte er und schenkte seine Mutter ein Lächeln. Warum brachte er es einfach nicht über sich, ihr zu sagen, dass es Harry Potter war, mit dem er sich traf? Immerhin war dieser nun wirklich sein Mandant, auch wenn es keinen wirklichen Fall dahinter gab.

„Das scheint ein besonderer Mandant zu sein, wenn mein Sohn seinen kompletten heiligen Sonntag dafür einsetzt", sagte sie mit einem süffisanten Lächeln auf den blassen Lippen. Draco seufzte und strich sich einige lose blonde Strähnen aus der Stirn. „Ja, es ist ein wichtiger Mandant, der absolute Diskretion benötigt. Deswegen treffen wir uns am Wochenende, statt du den normal Zeiten, um seinen Fall zu besprechen". Natürlich war das nur teilweise wahr. Potter war ein besonderer Mandant und er benötigte tatsächlich einen diskreten Umgang mit der aktuellen Lage, aber machte sie Sache nicht besser.
Irgendwie musste Draco ihn dazu bekommen, doch noch einen richtigen Fall aus dieser Scheidung zu machen. Natürlich würde es seinem Ruf bereits gut tun, wenn der Prophet ein Bild vom Unterschreiben der Papiere veröffentlichen würde und darauf Draco als Potters gesetzlicher Vertreter zu sehen wäre, aber das konnte einen öffentlichen Prozess in dem es um Besitz und eine Menge Geld ging, nicht ersetzen. Und Draco wollte alles, wirklich alles. Er würde sich diesmal nicht mit einem kleinen Brocken zufrieden geben. Er wollte diesen Fall und er wollte Potter als Sprungbrett und auf gewisse Weise wollte er auch Potter.
„Schon gut, ich verstehe es, wenn du nicht darüber sprechen kannst. Wirst du morgen früh zum Frühstück anwesend sein?", Narcissas Worte rissen Draco aus seinen Gedanken und er nickte seiner Mutter kurz zu. „Ja, ich werde da sein".
„Dann ziehe ich mich jetzt zurück. Hab einen schönen Abend".

Draco war seiner Mutter dankbar, dass sie das Verständnis besaß, ihn allein zu lassen, wenn er über etwas nicht sprechen wollte. Er drückte seine Jacken schnell einem Hauselfen in die Hand, ehe er sich auf den Weg in seine privaten Räume machte. Es war bereits nach neun und Draco wusste, dass er morgen Vormittag ein Treffen mit Goyle haben würde, um noch einmal mit ihm die erste Anhörung durchzugehen. Dennoch konnte er sich nicht dazu durchringen, die Akten noch einmal einzusehen. Der vergangene Tag drehte sich Moment um Moment durch Dracos Verstand und ließ ihn nicht mehr los.

Er konnte mit Potter lachen und es war ihm irgendwie gelungen den Lebensmut des Mannes zu wecken, so unwahrscheinlich es auch klang. Noch lange lag er in jener Nacht wach, während sein Geist gefüllt war mit dem Klang warmen Lachens und dem Funkeln grüner Augen.
Wie sollte er nur jemals weitermachen, wenn der Fall abgeschlossen war und Potter wieder ohne in zurechtkam?

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Montagmorgen kam schneller als Draco lieb war und ehe er sich versah, saß er bereits mit seiner Mutter am reichlich gedeckten Frühstückstisch. Narcissa selbst war ebenfalls bereits ausgehfertig gekleidet, in weinrote Seidenroben mit dunkelgrünen Applikationen. Draco selbst hatte seiner Mutter das teure Kleidungsstück vor zwei Jahren zu Weihnachten geschenkt und seither trug sie es regelmäßig wenn sie im Ministerium zu tun hatte.

Der Weg der Malfoys zurück zum Einfluss war lang und steinig gewesen, aber Mutter und Sohn war es gemeinsam gelungen den alten Ruf der Familie zumindest soweit wiederherzustellen, dass man sie als gerngesehene Mitglieder der Zauberergemeinschaft ansah.

Direkt nach dem Krieg hatte die Welt ganz anders ausgesehen. Hätte Potter die beiden nicht verteidigt, wären Draco und Narcissa Lucius auf erstem Wege nach Azkaban gefolgt. Doch auch die Haftverschonung, ja sogar der Freispruch vom Vorwurf der freiwilligen Beteiligung am Krieg, hatte nicht gereicht, um Dracos Leben wieder in gewohnte Bahnen zurückkehren zu lassen. Natürlich war er nach Hogwarts zurückgegangen und hatte seine NEWTs nachgeholt, aber trotz exzellenter Noten war es ihm an Anfang nicht gelungen sofort einen Mentor zu finden, der ihn in den Wegen des magischen Rechts unterweisen würde. Ein alter Freund seines Vaters hatte sich schließlich halbherzig dazu bereiterklärt, Draco auszubilden. Von da an jedoch war es tatsächlich bergauf gegangen. Er hatte gute Leistungen gebracht und kurz nachdem er seine Lehrzeit beendete hatte, sprach sich bereits herum, dass Draco Malfoy ein außerordentlicher Anwalt war. Er hatte es seinen eigenen guten Leistungen zu verdanken, dass er heute unabhängig vom Vermögen der Familie, das auch erst seit 5 Jahren wieder freigegeben war, ein eigenständiges Leben würde führen können.

„Woran denkst du?", fragte Narcissa mit einem Löffel voll frischer Erdbeeren in der Hand. Ihre blauen Augen musterten Draco leicht besorgt, doch ihr aristokratisches Gesicht zeigte keinerlei Regung.
„Ich musste gerade daran denken, wie oft du diese Roben trägst, wenn du ins Ministerium gehst", antwortete Draco, während er sich Quark in eine kleine Schale häufte. Er selbst hatte sich für ein weißes Hemd, eine ärmellose Anzugweste und schwarze Hosen entschieden.
„Naja, es war ein Geschenk von dir, nicht wahr? Und ich weiß sehr genau, wie hart du gearbeitet hast, um mich hiermit überraschen zu können", erwiderte Narcissa, das erste warme Lächeln des Tages auf den Lippen.

Draco griff zur Marmelade und nickte seine Mutter kurz zu. „Du hast ja schon den ganzen Sommer über immer wieder sehnsüchtig den roten Stoff bei Madam Malkins betrachtet, wie konnte ich da nicht versuchen dir die Robe schneidern zu lassen".
„Du hättest es nicht tun sollen. Der Stoff hat ein Vermögen gekostet", antwortete sie und schob sich mit einer eleganten Bewegung eine ihrer blonden Haarsträhnen hinter das Ohr. Ihr Haar hatte einen goldeneren Ton als das ihres Sohnes, der optisch dem Vater so ähnlich war, während sein Herz eher dem der Mutter glich.
„Das hätte dich früher nicht interessiert", sagte Draco, ein Toast mit Quark und Himbeermarmelade bestreichend.
„Nun, die Zeiten haben sich für uns alle geändert, nicht wahr? Sag mir, wie geht es Mr. Potter?", sagte sie, als rede sie über das Wetter.

Draco kostete es einige Mühe nicht vor Schreck sein eben erst bestrichenes Brot wieder fallen zu lassen. Einen Moment suchten seine Augen die seiner Mutter und er konnte eine gewisse Belustigung in ihnen erkennen.

„Hast du wirklich geglaubt, ich wüsste nicht, wer dein wichtiger Mandant ist? Seine Scheidung ist in allen Zeitungen und auf einmal arbeitest du am Wochenende. Das ist schon ein ziemlich großer Zufall, findest du nicht? Also, wie geht es ihm?", setzte sie nach, diesmal spiegelte sich die Belustigung auch auf ihren Zügen wieder.
„Es geht ihm… besser. Besser zumindest als noch vor ein paar Tagen", erklärte Draco vorsichtig. Irgendwie war ihm gerade der Appetit vergangen.
„Willst du dich erkenntlich zeigen, für das, was er vor Zehn Jahren getan hat?", fragte Narcissa, die Erdbeeren auf dem Teller vor ihr waren vergessen.

Flashback

Es war vorbei… wirklich vorbei… Der Dunkle Lord war nicht mehr. Potter hatte es tatsächlich geschafft, Lord Voldemort ein für alle Mal zu vernichten und Draco war ihm dankbar dafür. Vermutlich war er nie für irgendetwas dankbarer gewesen, außer vielleicht vor Crabbes Fiendfire gerettet worden zu sein.
Der Morgen graut und es war der erste Morgen, an dem Voldemort nicht mehr existierte. Er erste Morgen seit jener Nacht im Ministerium vor zwei Jahren, an dem Draco wirklich die Sonne aufgehen sehen konnte. Würde jetzt endlich alles gut werden? Nachdem er zwei Jahre lang für das Versagen seines Vaters bezahlt hatte, war er zum ersten Mal endlich frei von der Last dafür büßen zu müssen.

Schaudernd zog er die Decke fester um seine Schultern, die ihm Professor Sprout vor einiger Zeit gereicht hatte. Er saß auf einer der Bänke in der großen Halle, seine Mutter neben ihm, ebenfalls in Decken gehüllt. Die feinen blonden Haare hatten sich aus ihrer sonst so perfekten Frisur gelöst und hingen ihr offen im Gesicht, wodurch sie jünger und verletzlicher aussah, als Draco sie je zuvor gesehen hatte.
Wo sein Vater war wusste Draco nicht. Er hatte Lucius nicht mehr gesehen seit Potter ‚von den Toten zurückgekehrt' war. Seitdem hatte er sich einzig und allein an seine Mutter gehalten, während Lucius irgendwo in den kämpfenden Mengen verschwunden war.

„Hier, das solltest du trinken", sagte eine warme Stimme während ihm eine Tasse mit einem dampfenden Gebräu in die Hand gedrückt wurde. Als Draco aufsah blickte er in die müden Augen von Hermione Granger. Das lange lockige Haar war wild zerzaust und ihre Kleidung wies an einigen Stellen Risse und Brandspuren auf. Auf ihren Wangen konnte Draco noch die Wege erkennen, welche die Tränen auf ihrem Weg zum Boden genommen hatten.

„Danke…", flüsterte er und hob die Tasse zu den Lippen. Der Inhalt schmeckte herb aber nicht schlecht und die Wärme schien sich irgendwo in seinem Magen zu sammeln und das Zittern zu vertreiben. Er wollte die Tasse gerade an seine Mutter weiterreichen, als die Tür zur großen Halle aufschwang und eine ganze Einheit Auroren den Raum betrat.

Angst schnürte Draco die Kehle zu, als einen Blick mit seiner Mutter tauschte. Auroren… es hatte also begonnen. Man würde alle verbleibenden Death Eater zusammen treiben und wegsperren. Sich des Mals auf seinem Arm mit einem Mal überdeutlich bewusst, versuchte Draco gelassen zu wirken, als fünf Auroren zugleich auf ihn und seine Mutter zukamen.
Granger stand noch immer neben ihm und betrachtete die Neuankömmlinge mit einer Mischung aus Neugier und Abneigung.

„Mr. Malfoy, Mrs. Malfoy. Mein Name ist Liam Galloway, Head of the Auror Office. Meine Aufgabe ist es, Sie und ihre Mutter ins Ministerium zu begleiten, wo man eine erste Einschätzung Ihres Falls vornehmen wird. Anschließend werden Sie beide nach Azkaban gebracht, von wo aus sie den Beginn ihres Prozesses abwarten werden", erklärte der Mann, der die fünf anführte. Er war hochgewachsen und breitschultrig. Die dunklen Haare hatte er zu einem Pferdeschwanz gebunden und die dunklen Augen musterten Draco eingehend.

Aus den Augenwinken konnte er sehen, wie Ganger eiligen Schrittes die Halle verließ und einen Moment fragte er sich, ob sie wirklich nicht mitansehen konnte, wie zwei Unterstützer Voldemorts vom Ministerium in Gewahrsam genommen wurden.

Neben ihm erhob sich Narcissa und straffte sie Schultern. Ihre Haltung sprach von Stolz und Unnachgiebigkeit während die blauen Augen die fünf Auroren kühl musterten. „Auror Galloway, bei allem Respekt, mein Sohn ist noch Schüler und ich trage nicht mal ein dunkles Mal. Sie können unmöglich davon ausgehen, dass es wirklich nötig sein wird, uns in Gewahrsam zu nehmen. Wir hätten schon vor Stunden das Land verlassen können, aber wir sind noch immer hier. Denken Sie wirklich, wir würden uns der Hand des Gesetzes entziehen wollen?". Ihre Stimme klang fest und kühl, so wie es von klein auf gelernt hatte und Draco kam nicht umhin seine Mutter für ihre Stärke zu bewundern.

„Ich glaube kaum, dass Sie das in der Lage sind das einzuschätzen, Mrs. Malfoy. Außerdem wurden wir dazu angehalten alle Gefolgsleute von ihm unverzüglich ins Ministerium zu bringen. Ohne Ausnahme. Ihr Mann befindet sich ohnehin bereits dort und wartet auf ihr Eintreffen", antwortete Galloway ebenso kühl. Draco glaubte die Luft um ihn herum würde sekündlich kälter und er zog noch fester an der Decke um seine Schulter, als könne sie ihn von den Schrecken bewahren, die nun auf ihn zukommen würden.
Azkaban… es war immer klar gewesen, dass er genau dort verrotten würde, wenn Voldemort fallen sollte und nun war es wirklich soweit. Bisher hatte er den Gedanken von sich geschoben, hatte gehofft sein Name würde wieder einmal dafür sorgen, dass er glimpflich aus einer Sache heraus kam, aber diesmal nicht. Diesmal musste er den Preis für seine Sünden zahlen.
„Auror Galloway-", setzte Narcissa erneut an, wurde aber von dem Mann sogleich unterbrochen.
„Keine weitere Diskussion, Mrs. Malfoy. Sie werden uns jetzt begleiten, freiwillig oder unter Zwang", sagte er und griff nach ihrem Oberarm.

„Lassen Sie sie sofort los!", rief eine andere Stimme und als Draco sich umwandte erblickte er niemand anderen als Harry Potter, der gefolgt von Granger auf die Auroren zukam.

„Mr. Potter, was kann ich für Sie tun?", fragte Galloway, ohne Narcissas Arm loszulassen. Seine dunklen Augen glitten über die schmale Gestalt des Jungen, der sie gerade alle gerettet hatte.

„Sie können Mrs. Malfoy loslassen und aufhören sie und ihren Sohn zu belästigen. Ohne die Hilfe der beiden, würde ich heute nicht hier stehen und hätte gewiss ihren Hintern nicht vor Voldemort beschützen können", erklärte Potter, die Hände in den Hosentaschen seiner abgetragenen Jeans. Er sah alles andere als heldenhaft aus. Eher wie müder Junge, der viel zu lange nicht geschlafen hatte und von Schatten gejagt wurde, denen er nicht mal Traum entkam.

„Aber Mr. Potter, diese beiden sind erwiesene Unterstützer von… ihm", erwiderte Galloway.

„Sind sie nicht. Mr. Malfoy hat mir das Leben gerettet, als seine Tante mich an Voldemort ausliefern wollte vor einigen Wochen. Wenn er nicht gewesen wäre, wäre ich schon eine ganze Weile tot und Mrs. Malfoy hat erst heute Nacht ihr eigenes Leben riskiert, um das meine zu schützen, indem sie Voldemort belog. Ohne ihr Opfer hätte er mich einfach getötet und würden jetzt alle nicht hier stehen. Sie sehen also, es gibt keinen Grund die beiden wie Verbrecher zu behandeln, denn das sind sie nicht", als Potter geendet hatte ließ Galloway endlich von Narcissa ab, sah aber noch immer skeptisch aus.

„Aber Kingsley-", begann er, doch Potter fiel ihm ins Wort.

„Kingsley und ich haben Seite an Seite gekämpft in diesem Krieg, Mr. Galloway. Ich bin sicher, er wird meinem Urteil vertrauen, aber wenn sie so sehr darauf bestehen, kann ich gerne mit ihm darüber sprechen, dass sie dem Urteil ihres ‚Retters' nicht glauben wollten und mein Wort als unehrenhaft ansehen"
Etwas in Galloways Gesicht änderte sich und er trat einen Schritt zurück. „Nun, wenn das so ist, Mr. Potter, dann gibt es sicherlich keinen Grund die beiden Herrschaften noch länger zu belästigen. Ich entschuldige mich für das Missverständnis. Einen schönen Tag noch". Er gab seinen vier Kollegen einen kurzen Wink und sie verließen die Halle auf demselben Weg, auf dem sie gekommen waren.

„Lass es mich wissen, falls die Herrschaften zurückkommen, Malfoy", sagte Potter. Seine Stimme klang plötzlich unendlich müde und Stärke, die er eben noch ausgestrahlt hatte, verschwand langsam aus seiner Haltung.

„Das werde ich… Danke Potter…"

Flashback Ende

„Vielleicht Mutter… Vielleicht", antwortete Draco ruhig. Die Erinnerung an jenen Tag versuchte er beiseite zu schieben. Damals hatte Potter ihn gerettet, vielleicht war es wirklich an der Zeit ihm dafür angemessen zu denken.
„Vielleicht? Wir verdanken ihm unsere Freiheit. Welchen besseren Grund sollte es geben, ihm zu helfen als diesen?", wollte Narcissa wissen. Ihre Stimme hatte einen dezent scharfen Ton angenommen.
„Braucht man für alles ein Motiv oder einen Grund, Mutter?", gab Draco zurück. Natürlich hatte eigensinnige und egoistische Gründe dafür Potter helfen zu wollen, anstatt nobel und gut zu sein. Er war eben kein Gryffindor-Held sondern noch immer ein Mann, der vor allem anderen auf seinen Vorteil bedacht war und er verachtete sich selbst dafür.

„Nein Draco, braucht man nicht. Aber ich kenne dich. Du tust nichts ohne Grund", sagte Nacissa, ihre blauen Augen schienen direkt in ihn hinein zu blicken.
„Vielleicht geht es mir ja har nicht um Potter. Vielleicht mache ich das nur für mich selbst, weil mein Name dann in der Zeitung erscheint und mir die Mandanten die Tür einrennen werden, um von mir vertreten zu werden", entgegnete Draco trotzig.
Er sah, wie eine Augenbraue seine Mutter unter den blonden Haaren verschwand und sie den Kopf leicht schief legte. „Ist das die Lüge, die du dir selbst erzählst?".
„Bitte?"

„Du lügst dich selbst an. Wenn es dir um nichts anderes als Reputation ginge würdest du dich ganz normal mit Mr. Potter in deinem Büro treffen, wie bei jedem anderen Mandanten auch. Aber stattdessen suchst du ihn zu Hause auf und verzichtest auf dein Wochenende", erklärte Narciassa, die Hände auf dem Tisch gefaltet.

„Harry Potter ist ja auch nicht wie jeder andere Mandant", antwortete Draco. Er konnte spüren, wie die Wut langsam in hoch zu kochen begann. Es war selten, dass er mit seiner Mutter stritt, aber ab und an schaffte sie es mit ihrer direkten Art ihn zum Explodieren zu bringen.

„Da hast du Recht. Er ist viel mehr als das, nicht wahr? Er war alles was du jemals wolltest. Er ist der Grund warum du hier sitzt, erfolgreich und unverheiratet und jetzt bietet sich dir die Gelegenheit alles nachzuholen, das du schon verloren geglaubt hattest, nachdem er deiner Freundschaft ablehnte".
Draco schluckte. Sie hatte Recht, natürlich hatte sie das. Genau wie Blaise. Sie beide hatten ihn von Anfang an durchschaut und doch hatte er es vorgezogen, sich selbst zu belügen, statt der Wahrheit ins Auge zu sehen. Genervt ließ er den Rest seines Toasts auf den Teller fallen und schob eben diesen von sich.

„Mir ist der Appetit vergangen, ich gehe arbeiten", sagte er und erhob sich vom Tisch. Natürlich verhielt er sich ungehobelt, aber er konnte es nicht länger ertragen, wie seine Mutter immer wieder den wunden Punkt in seinem Inneren traf und ihn an Gefühle erinnerte, die er zu verdrängen suchte.

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Eine halbe Stunde später saß er an dem vertrauten Schreibtisch in seinem Büro und suchte die Akten zusammen, die er für seinen Termin mit Gregory Goyle um 9 Uhr brauchte. Große Lust hatte er nicht auf den Termin, aber er wusste, dass er seinem Schulfreund würde erklären müssen, wie ihre Strategie für die Anhörung aussah, ansonsten musste er fürchten, dass Gregory die Sachen in den Sand setzen würde, noch bevor sie im Gerichtssaal waren.

Leise klopfte es an der Tür und Mafalda streckte den Kopf in den Raum. „Mr. Malfoy, Mr. Goyle ist jetzt hier für Ihren Termin", sagte sie und ließ zwei Tassen mit dampfendem, heißem Kaffee zu seinem Tisch schweben.

„Danke, Mafalda. Schicken Sie ihn herein", sagte Draco und erhob sich, um seinen Gast zu begrüßen. Einen Moment später trat Gregory Goyle durch die Tür. Er war noch immer groß wie ein Schrank und hatte breite Schultern. Das Haar war dunkelbraun und kurz gehalten. Um die Augen hatten sich die ersten kleinen Krähenfüße gebildet. Der Händedruck seines früheren Schulfreundes war noch immer kräftig und dem bulligen Eindruck von früher war der Mann nie ganz entwachsen. „Gregory, gut dich zu sehen. Setz dich", sagte Draco mit einer ausladenden Geste.

„Danke Draco. Ich hatte gehofft, wir würden uns schon früher sehen, aber im Moment kommt ständig was dazwischen", sagte Gregory, als er sich setzte. Draco selbst nahm seinen Platz hinter dem Schreibtisch wieder ein. „Schon gut, wir haben eh noch keinen Termin für eine Anhörung. Ich habe ihn zwar schon vor Wochen beantragt, aber die Wege des Ministeriums sind unergründlich, genauso wie seine Raumvergabetermine".
Gregory lachte kurz ehe, er nach der Kaffeetasse griff, die noch immer dampfend vor ihm stand.
„Dennoch müssen wir uns zumindest kurz über ein paar Grundlegende Dinge unterhalten, damit diese ganze Scheidungssache wie gewünscht über die Bühne geht", fügte Draco hinzu ohne den Blick von seinem Gegenüber abzuwenden.
„Warum hast du mir nicht einfach eine Eule geschickt?", wollte Gregory wissen.
„Eulen werden abgefangen. Ich will deiner Frau und ihrem Anwalt keine Gelegenheit geben, zu wissen, wie wir vorgehen werden", erklärte Draco.

„Ich verstehe. Wie sieht der Plan aus?".

Draco faltete die Hände vor sich auf dem Tisch. „Hör zu, Greg. Keine Geheimnisse. Ich weiß, dass du deiner Frau nicht treu warst. Aber so wie es scheint, weiß sie das noch nicht und wenn du willst, dass es so bleibt, solltest du deine kleine Gespielin in der nächsten Zeit nicht besuchen".
„Ist das der Grund, warum du mich hergebeten hast? Um mir zu sagen, dass ich wie ein braver Ehemann zu Hause sitzen soll?", Gregory klang gereizt und stellte die Tasse auf den Tisch zurück.
„Ich bitte dich lediglich darum, nichts… Unüberlegtes… zu tun, das dich hinterher Haus und Hof kosten kann", erwiderte Draco gelassen.

„Unüberlegtes?"

„Ja, Unüberlegtes. Du willst diesen Prozess doch gewinnen oder nicht? Du willst doch, dass sie die Schuld bekommt, am Scheitern eurer Ehe, oder nicht? Wenn sie herausfindet, dass du ihr untreu warst, wird sie den Spieß umdrehen und wenn du Pech hast, verlierst du einen großen Teil deines Besitzes".
„Ganz wie du willst. Hast du mir noch mehr zu sagen, oder kann ich wieder gehen? Ich habe noch andere Termine", Gregory klang als hätte man ihm ein Schokotörtchen weggenommen und eigentlich hätte Draco noch einige andere Dinge zu besprechen gehabt, doch er wollte den ohnehin kurzen Geduldsfaden des Mannes nicht übermäßig strapazieren.

„Das wäre alles für heute. Ich lasse dich wissen, wenn ich noch etwas mit dir besprechen muss oder wenn wir endlich einen Termin für die Anhörung haben. Ich glaube nicht, dass wir mehr als einen Tag für die Verhandlung benötigen werden".
Gregory erhob sich von seinem Stuhl. Er wirkte alles andere als glücklich, aber früher oder später würde er schon merken, dass Draco ihm einen Gefallen getan hatte.

„Bis zum nächsten Mal, Draco", sagte er und verließ das Büro.

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„Du siehst aus, als hättest du einen harten Morgen hinter dir", sagte Blaise, als er sich an den reservierten Restauranttisch setzte. Es kam häufig vor, dass die beiden ihre Mittagspause miteinander verbrachten und essen gingen.
„Greg Goyle ist nicht glücklich darüber, dass ich ihm ein Zölibat auferlegt habe für die Wochen bis zur Anhörung", antwortete Draco, während ihm eine junge Bedienung die Menükarte reichte.
„Ich frage mich ohnehin, wie es Greg geschafft hat, gleich zwei Frauen für sich zu begeistern", sagte Blaise belustigt ohne die Augen von der Menükarte zu heben.

Draco zuckte mit den Schultern. „Ich versteh das auch nicht, glaub mir. Aber ich kann verstehen, warum seine Frau genug von ihm hat". Er schloss die Menükarte wieder als die junge Bedienung zurückkam und ihre Bestellung aufnahm. Draco liebte asiatisches Essen und bestellte die Knoblauchente mit Sojasprossen, während Blaise sich für Meeresfrüchte entschied.
„Also", setzte Blaise an, als die Bedienung gegangen war, „wie ist es um dein Projekt-Potter bestellt?"
Draco rollte mit den Augen, ehe er sich frischen Ingwertee aus einem Kännchen in seine Tasse goss. „Was habt ihr bloß alle mit Potter?", fragte er in den Raum hinein, wartete aber nicht auf eine Antwort seitens Blaise. „Ich bin sein Anwalt und werde seine Papiere unterschreiben, wenn es soweit ist, mehr nicht. Es gibt keinen Scheidungsstreit zwischen ihn und seine noch-Frau".
„So, so. Bei den perfekten Gryffindors einigen sich also alle ganz freundschaftlich. Entschuldige, aber das klingt ziemlich heuchlerisch, wenn du mich fragst. Die beiden waren zehn Jahre zusammen und Potter nimmt diese Trennung jetzt einfach so hin, ohne wütend zu sein?", wollte Blaise wissen, die Hände um sein Glas mit Soda geschlossen.
„Er ist tatsächlich nicht wütend. Nur verletzt", entgegnete Draco.
„Schmerz kann schnell in Wut umschlagen, weißt du. Wenn ich du wäre, würde ich versuchen dieses Feuer zu nähren. Vielleicht wird doch noch ein richtiger Fall draus. Also einer, bei dem du mehr zu tun hast, als nur ein Stück Pergament zu unterschreiben".
„Lass es gut sein Blaise. Wenn die beiden sich freundschaftlich einigen wollen, sollen sie es tun. Ich werde Potter da nicht reinreden".

Der Angesprochene hob erstaunt beide Augenbrauen, wartete aber mit seiner Antwort ab, da just in diesem Moment die Kellnerin mit ihren Tellern zum Tisch zurückkam. Der Geruch von Knoblauch und Ingwer stieg Draco in die Nase und griff nach seinen Essstäbchen, um den ersten Bissen zu probieren.
„Was ist los mit dir? Hast du plötzlich ein Gewissen bekommen? Ehrlich, dafür ist es etwas zu spät, wenn du mich fragst".
„Gut, dass dich keiner gefragt hat".
„Jetzt mal ehrlich Draco, bei keinem anderen Mandanten hättest du Gewissensbisse deinen Vorteil aus seiner Misere zu ziehen, aber bei Potter hast du auf einmal Skrupel? Warum? Weil er Potter ist? Oder weil du auf ihn stehst und es nicht zugeben willst?"

Draco ließ seine Stäbchen sinken und dachte für einen Moment darüber nach einfach aufzustehen und zu gehen, aber was würde ihm das bringen? Konnte er ewig davon laufen, vor den Dingen, die er nicht hören wollte? Vielleicht hatte Blaise Recht und er musste sein Gewissen über Bord werfen, aber immer wenn darüber nachdachte Potters Situation doch noch für seine Zwecke zu nutzen, musste er an die Traurigkeit denken, mit der dieser von seiner gescheiterten Ehe erzählt hatte und es schnürte Draco förmlich die Kehle zu.

Du wirst langsam weich. Potter färbt mit seiner Schwäche auf dich ab, spottete seine innere Stimme, deren Tonfall schmerzlich an Lucius erinnerte.

„Ich weiß es nicht, Blaise. Irgendetwas hält mich davon ab, dieses Spiel zu spielen. Ohne Potter würde ich in Azkaban verrotten, für dieses verfluchte Mal auf meinem Arm. Wenn er damals nicht eingeschritten wäre, würde ich heute genau wie mein Vater darauf warten, endlich wieder frei zu kommen nach Zehn Jahren Haft. Ich sollte dankbar sein und Potters Wünsche bezüglich dieser Sache akzeptieren", erklärte Draco schlussendlich, bevor er seine Essstäbchen wieder aufnahm und weiter aß.
„Ich verstehe. Du willst nicht mehr in seiner Schuld stehen. Er hat dich vor Azkaban bewahrt und als Gegenleistung wirst du darauf verzichten, seine Situation auszunutzen", fasste Blaise zusammen, ehe er sich einen Scampi in den Mund schob.
„So kann man es sagen, ja. Ich werde ihm helfen, solange er meine Hilfe braucht und vielleicht habe ich ja das Glück, dass du mir beim Unterzeichnen der Papiere einen Reporter vom Prophet vorbei schickst, sodass doch noch ein Foto von mir als Potters Anwalt in der Zeitung landet".

„Potter, immer wieder Potter. Es ist faszinierend wie es immer wieder auf ihn hinauszulaufen scheint. Zehn Jahre lebst du dein Leben und kaum taucht er auf steht alles Kopf. Was machst du, wenn dieser Fall abschlossen ist? Kannst du dann einfach wieder so weiterleben, als wäre nichts passiert?".
Draco seufzte und fuhr sich mit der freien Hand durch das blonde Haar. „Ich weiß es nicht, um ehrlich zu sein. Ich weiß nicht, was ich tun werde, wenn das alles vorbei ist und ich will im Moment auch eigentlich nicht drüber nachdenken".
„Ganz wie du willst. Also, Potter hat dir doch sicher das eine oder andere erzählt, warum lassen er und Weaselette sich scheiden?", Blaise grinste leicht in sein Glas hinein, während er sprach, die dunklen Augen funkelten einen Moment belustigt.
„Er ist mein Mandant, Blaise. Du weißt, dass ich nicht darüber sprechen darf. Und selbst wenn ich dürfte, würde ich es dir nicht sagen. Du bist praktisch der Prophet. Was ich dir heute erzähle kann morgen ganz England lesen", entgegnete Draco und legte die Stäbchen neben seinen nun leeren Teller.

Blaise verzog das Gesicht und schüttelt kurz den Kopf. „Merlins Bart, du bist so korrekt, das ist ja nicht zum Aushalten. Ich glaube du brauchst mal wieder Entspannung. Ich hole dich Freitagabend ab und wir gehen in diese neue Bar, die oberhalb von Gringotts auf gemacht hat".
„Ich fürchte ich habe Freitagabend bereits etwas vor, tut mir leid Blaise".
Dunkle Brauen zogen sich fragend zusammen. „Was? Abendessen mit deiner Mutter? Dann komme ich eben danach".
„Nein, ich bin schon verabredet, okay?", Draco rollte mit den Augen. Blaise würde nicht begeistert sein, aber er konnte sich selbst einfach nicht dazu bringen, sich deswegen schlecht zu fühlen.
„Mit wem?"
„Potter hat mich gefragt, ob ich mit ihm weggehen würde und ich habe zugestimmt. Er braucht Gesellschaft und seine beiden Freunde machen da gerade einen miesen Job". Draco wusste nicht, wie er den Ausdruck auf Blaise attraktivem Gesicht deuten sollte. Es spiegelte eine Mischung aus Verärgerung und Belustigung zugleich wider.
„Wenn das so ist, werde ich der jungen Liebe natürlich nicht im Wege stehen", antwortete er mit etwas rauer Stimme.

Draco verbiss sich eine Antwort.

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Draco warf einen Blick auf die magische Uhr an der Wand auf der anderen Seite seines Büros. Es war kurz nach vier und der Tag wollte einfach kein Ende nehmen. Er war gerade dabei sämtliche Post mit Anfragen auf ein Mandat durchzugehen und die einzelnen potentiellen Fälle zu bewerten. Es war eine lästige Arbeit und er hatte Mafalda gesagt, dass er nicht gestört werden wollte, sie um halb fünf aber gerne Feierabend machen konnte.

Er war gerade dabei, sich in einen Erbschaftsstreit um einen alten Profirennbesen einzulesen, dessen Besitzer früher in der Nationalmannschaft Quidditch gespielt hatte und kürzlich verstorben war, als es an der Tür klopfte. Ein genervtes Seufzen entkam seinen Lippen, aber er schenkte seiner Sekretärin ein Lächeln, als diese den Kopf in den Raum streckte.

„Entschuldigen Sie, Mr. Malfoy, ich weiß Sie wollen nicht gestört werden, aber Mr. Potter ist hier und er besteht darauf, Sie zu sehen", erklärte sie mit einem entschuldigenden Lächeln.
Draco glaubte sein Herz würde einen Moment lang aussetzen, als die Worte zu ihm durchsickerten. Potter war in seinem Büro und wollte mit ihm sprechen! Er räusperte sich kurz und straffte die Schultern ehe er Mafalda zunickte: „Kein Problem, meine Liebe. Schicken Sie ihn herein. Und wären Sie so gut, uns einen Tee zu machen? Danach können Sie gerne nach Hause gehen".
„Aber natürlich, Mr. Malfoy", antwortete Mafalda und schloss die Tür hinter sich.

Einen Moment später betrat Harry Potter das Büro. Sein Gesichtsausdruck war nicht zu lesen, aber seine Schultern bebten.
„Sie hat mich angelogen. Sie hat mich angelogen und mir das hier geschickt", sagte er ohne Umschweife und ohne sich zu setzen. Stattdessen warf er Draco einen Bogen Pergament zu und wartete, bis dieser nach dem Papier griff. Mit zusammengezogenen Augenbrauen begann er zu lesen.

Sehr geehrter Mr. Potter,

im Namen Ihrer Frau, Mrs. Genevra Potter-Weasley möchte ich Ihnen mitteilen, dass wir einen Antrag auf Feststellung der Schuld am Scheitern der seit Fünf Jahren bestehenden Ehe zwischen den Parteien Potter und Potter-Weasley gestellt haben. Sollte Ihnen die Schuld für das Scheitern zufallen, so werden wir entsprechend Ihrem Besitz und Einkommen eine Scheidungsentschädigung verlangen, über deren Höhe Sie zu entsprechendem Zeitpunkt noch informieren werden.
Bitte teilen Sie uns mit, ob Sie die Scheidungsschuld ohne Feststellungsverfahren auf sich nehmen wollen, oder ob wir beim Ministerium einen Termingesuch einreichen müssen.

Mit freundlichen Grüßen
Virgil Thurgood

Nachdem er geendet hatte, ließ er das Blatt sinken und blickte zu Potter, der immer noch vor seinem Schreibtisch stand und mit beiden Händen die Lehne des Besucherstuhls umklammert hielt.
„Setz dich", sagte Draco und deutete auf den Stuhl. Potter hob eine Augenbraue, tat aber wie ihm geheißen. „Kein ‚Ich hab's dir doch gesagt'?", fragte er mit rauer Stimme.
„Bitte?"
„Naja, ich hatte erwartet, dass du mir meine Naivität vorhalten würdest".
Draco schnaubte und schüttelte den Kopf. „Ich habe es nicht nötig, Salz in deine Wunden zu streuen. Immerhin habe ich versprochen, dir zu helfen".

„Warum tut sie das? Warum tut sie mir das an?", wollte Potter wissen und zum ersten Mal war seiner Stimme wirklich anzuhören, wie sehr ihn diese Scheidung schmerzte. Aber seine Frage war berechtigt. Warum taten zwei Menschen, die einander zumindest einst geliebt hatten, ihren Partnern so etwas an? Bisher hatte Draco dieses Handeln nie hinterfragt, sondern es immer nur dazu genutzt, sich selbst einen Vorteil zu verschaffen.
„Ich weiß es nicht, Potter. Ich kann dir nicht sagen, was sie dazu bewegt. Aber ich kann dir versprechen, dass ich versuchen werde, das hier zu verhindern. Ich kann versuchen, die Sache für dich nicht noch schlimmer zu machen, als sie eh schon ist. Ich kann dich… beschützen, wenn du mich lässt".

Potter schloss für einen Moment die Augen und atmete durch. „Es geht mir nicht um das Geld oder die Häuser… Ich… ich will nur nicht… ich weiß es nicht... bisher dachte ich, unsere Ehe habe eben einfach nicht funktioniert. Ich dachte wir hätten beiden unseren Anteil daran gehabt… Aber jetzt gibt sie mir die Schuld! Warum? Weil ich keine weitere Therapie wollte, die zum Scheitern verurteilt war? Sie wollte doch schließlich auch keine Adoption! Sie-"
„Was? Sie wollte was nicht?", unterbrach Draco den Redeschwall.
„Sie… sie wollte keine Adoption… ich dachte… naja wenn wir keine eigenen Kinder haben können, wäre es doch schön ein Kind zu adoptieren… aber sie wollte nicht. Sie sagte, sie wolle richtig schwanger sein, mit allem was dazu gehört", führte Potter aus. Er hatte den Kopf leicht schief gelegt und seine Stimme klang brüchig und erstickt.
Draco lehnte sich ein Stück nach vorn über den Tisch und blickte in schmerzerfüllte grüne Augen. „Ich sag dir was, wir bekommen das hin. Ich werde dich da raushauen. Versprochen", sagte er, ohne den Blick abzuwenden.

„Danke… Draco", sagte Potter leise.

„Dank mir, wenn wir gewonnen haben… Harry".

Diesen Fall konnte er nicht verlieren, da war er sicher und ob er sich selbst dabei verlieren würde war im Moment nicht wichtig.

Kapitel 6 Ende