Hallo zusammen!

Ich weiß es ist lange her, aber meine Forschungsarbeit hat mich doch vom Schreiben abgehalten. Aber Sie ist bestanden! Meine Dozentin war zufrieden! Ich hoffe, ihr vergebt mir, dass ihr deswegen so lange auf das neue Kapitel warten musstet. Falls es euch tröstet, auch ich habe eigentlich schon die ganze Zeit auf diese bestimmte Szene gewartet und hab ein bisschen gelitten, weil ich sie einfach nicht schreiben konnt.
Nun ist sie endlich fertig und ich hoffe, dass ich mehr Zeit zum Schreiben haben werde!

Die Gerichtsszene hat mich auch sehr lange beschäftigt, weil hier so viel Handlung nur am Gespärch hängt. Ich hoffe es nicht zu steif geworden.

Habt ganz viel Spaß!


Kapitel 12 It doesn't rain, it always storms

Love is an untamed force. When we try to control it, it destroys us. When we try to imprison it, it enslaves us. When we try to understand it, it leaves us feeling lost and confused.

Wenige Minuten später hatte Draco dann doch einen der Hauselfen, die in der Küche von Malfoy Manor arbeiteten, mit dem Einkauf beauftragt, sodass er selbst Zeit haben würde gleich mit Harry zu reden und den Termin für die Gerichtsverhandlung zu besprechen, bevor er zum… gemütlichen… Teil des Abends überging. Wieso nur klang das in seinem Kopf so merkwürdig? Vermutlich hätte jeder vernünftige Mensch schon lange verstanden, dass es für zwei Menschen, die so unterschiedlich waren, wie er und Harry keine Zukunft gab, aber ein kleiner Teil seiner selbst, den er nicht beeinflussen konnte, wollte einfach nicht loslassen.

Als er in Harrys Wohnzimmer aus dem Kamin trat, lag dieser ausgestreckt auf dem Sofa und hatte den Blick auf einen merkwürdigen Kasten gerichtet, über dessen Oberfläche Bilder wanderten, als blickte man in ein Denkarium. Was so unglaublich toll an den Erfindungen von Muggeln sein sollte, konnte Draco immer noch nicht verstehen, weswegen er froh war, als Harry den Kasten ausschaltete und sich aufsetze, als er Draco bemerkte. Das schwarze Haar war unordentlich wie immer, aber dennoch wirkte Harry erholter und ausgeschlafener, als Draco ihn in den letzten Wochen erlebt hatte.

„Weißt du, es hat durchaus seine Vorteile, du zu sein", sagte Draco und wedelte mit dem Briefumschlag vor herum. Harry hob eine Augenbraue und setzte sich noch ein wenig aufrechter auf das Sofa. „Wie meinst du das?", wollte er wissen.
„Naja, Golye musste Wochen warten, um einen Gerichtstermin für seine Scheidung zu bekommen und dieser wurde dann auch erst mit einigem zeitliche Abstand gewehrt, du hingegen hast sofort einen bekommen, und zwar für kommenden Montag", erklärte Draco, während er sich neben Harry setzte und ihm den Brief reichte. Dieser blinzelte kurz, ehe er das Schriftstück entgegennahm und zu lesen begann.

„Ich wollte nie besonders behandelt werden…", flüsterte er, als er nach einer kleinen Weile den Brief auf seine Knie sinken ließ. „Ich wollte immer nur normal sein… ein normales Kind, mit einer normalen Familie… und selbst als klar war, dass ich nie ‚normal' im herkömmlichen Sinne sein würde, weil ich ein Zaubrer bin… bin ich besonders geblieben… sogar unter uns Zauberern".
Draco seufzte und lehnte sich leicht vor. Nur so nah, um Harry beistehen zu können aber nicht so nah, dass er in Versuchung geraten konnte. „Hör zu… du, mehr als jeder andere, solltest wissen, dass man seinem Schicksal nicht entkommen kann. Lass dich nicht davon aus der Bahn werfen, sondern versuch die positiven Seiten zu sehen. Ich weiß du wolltest die Aufmerksamkeit nie haben, aber es lässt sich auch nicht ändern".

Harry seufzte und wandte den Blick ab. „Immerhin ist es Montag dann endlich vorbei, nicht wahr? Dann ist Ginny endlich frei, um doch noch jemanden zu finden, der ihr all ihre Wünsche erfüllt", seine Stimme klang bitter und doch konnte Draco den Gedanken nicht abschütteln, dass ab Montag auch Harry wieder frei sein würde – frei sich neu zu verlieben.
„Wie auch immer es ausgehen wird, danach kannst du abschließen mit dem was war", gab Draco zurück und erhob sich vom Sofa. „Ich glaube ich habe dir ein Dinner versprochen und das lasse ich mir nicht von einem Gerichtstermin vermiesen". Einen Moment schien Harry über Dracos Worte nachzudenken, ehe ich ein kleines Lächeln auf seine Züge stahl. „Stimmt. Außerdem habe ich seit dem Frühstück nichts gegessen nur deinetwegen, wenn dein Dinner also ausfällt trägst du die Verantwortung dafür, dass ich verhungere".
„Nicht meine Schuld, eher Zolbys", gab Draco im Türrahmen stehend zurück. "Ich habe ihn zum Einkaufen geschickt, weil ich den Brief mit dir besprechen wollte. Also wenn du verhungerst musst du das mit ihm klären".
„Wer zum Teufel ist Zolby?", wollte Harry wissen, während er in fast kindlicher Manier den Kopf schief legte.
„Mutters Hauself. Den letzten vorher hast du uns ja streitig gemacht", antwortete Draco leicht amüsiert und ließ das Wohnzimmer endgültig hinter sich, um in die Küche zu gehen und wenigstens schon mal alles vorzubereiten.

Wenn Draco ehrlich war, hasste er es, in fremden Haushalten zu kochen, weil er nicht wusste, wo welche Utensilien zu finden waren und langes Suchen machte ihn nervös. In seiner Kanzlei, genau wie in seinen privaten Räumlichkeiten in Malfoy Manor hatte alles seinen angestammten, festen Platz und seit jeher wussten die Hauselfen, dass es nicht zu empfehlen war, Dracos Ordnung durcheinander zu bringen.

Mit einem Seufzen also begann er die Schränke zu öffnen und nach Töpfen, Pfannen, Schüsseln und allem was man so brauchte, um ein Drei-Gänge-Menü auf die Beine zu stellen, zu suchen. Wann immer er etwas fand, das er brauchen konnte, nahm er es aus dem Regal und stellte es auf die Arbeitsfläche. Töpfe und Pfannen hier hin – Salz, Pfeffer, Salbei und Zucker dort hin – Löffel, Pfannenwender und Schüsselchen in die nächste Ecke. Als er fertig war stand alles zur Benutzung bereit und er würde nur schnell danach greifen müssen.

Zufrieden mit seinem Werk lehnte Draco sich gegen die Ablage und strich sich mit der rechten Hand durch das feine blonde Haar, als ihn ein lautes Krack aufblicken ließ. Neben ihm in der Küche stand Zolby – klein, dürr, mit einer großen Nase, riesigen Augen und fledermausartigen Ohren – bepackt mit mehr Tüten als er tragen konnte.
„Master Malfoys Einkaufe, Sir. Zolby hat alles bekommen, was Master Malfoy braucht", quiekte der kleine Elf, ehe er sich tief verbeugte und das Gewicht der Tüten ihn beinahe zu Boden gezogen hätte.

Draco machte einen Schritt nach vorne und befreite den kleinen Elfen von seiner Last. „Danke Zolby. Du kannst wieder nach Hause zurückgehen". Ein weiteres tiefes Verbeugen, gefolgt von einem Krack und Draco war wieder allein in der Küche. Er fragte sich, was Harry wohl gerade tat, beschloss aber nicht nachzusehen, sondern die Einkäufe auszupacken, die Zolby beinahe erdrückt hätten.

Während er die Einkäufe auf dem Tisch ausbreitete und zu sortieren begann hörte ein leises Räuspern hinter sich und drehte sich um.
„Hey, ich wollte nur sehen, ob ich bei irgendwas helfen kann", sagte Harry mit einem leichten Grinsen. Vermutlich wusste er genau, was Draco von seinen Kochkünsten hielt. Dieser schüttelte den Kopf, konnte aber ein Lächeln nicht unterrücken. „Ich würde sagen, du setzt dich auf dein Sofa, entspannst und lässt dich von mir überraschen. Ich rufe dich schon, wenn das Essen fertig ist".

Harry nickte verstehend. „Aber falls du doch irgendwas brauchst… suchst… es ist immerhin meine Küche… ich hoffe, ich finde alles in Ginnys Ordnung".
„Ordnung nennst du das? Ich würde sagen, eure Schränke sind der Vorhof zur Hölle", erwiderte Draco lachend und machte eine verscheuchende Bewegung, um Harry aus der Küche zu dirigieren. Dieser streckte ihm kurz die Zunge raus, verschwand dann aber brav Richtung Wohnzimmer und ließ Draco mit Töpfen und Pfannen allein.

Eine halbe Stunde später griff Draco gerade nach Pfeffer und Salz, während das Fleisch mit dem Salbei in der Pfanne langsam Farbe annahm. Hinter sich konnte er Schritte hören als Harry die Küche betrat.

„Habe ich nicht gesagt, du sollst dich überraschen lassen?", fragte Draco leicht belustigt, und wendete das Fleisch mit einem Wink seines Zauberstabs.

„Entschuldige, der Geruch hat mich angezogen", antwortet Harry hinter seinem Rücken. Es folgten weitere Schritte und plötzlich spürte Draco ein unerwartetes Gewicht auf seiner linken Schulter. Harry hatte sein Kinn darauf abgelegt und betrachtete neugierig den Inhalt der Pfanne.

„Was wird das?", wollte Draco wissen, bemüht seine Stimme ruhig zu halten. Mit so viel Vertrautheit wusste er nicht umzugehen und fürchtete, dass sein Körper ihn einfach betrügen, und Dinge tun würde, die alles verändern würden.

„Ich wollte nur wissen, was da in der Pfanne so gut riecht", antwortete Harry sichtlich amüsiert.

„Ach, und das kannst du nur tun, wenn du mir auf die Pelle rückst?", fuhr Draco ihn an. Die Worte entkamen seinen Lippen viel härter als beabsichtigt und für einen Moment konnte er Schmerz in den Augen des anderen Mannes erkennen. „Entschuldige, ich wollte dich nicht bedrängen... am besten lasse ich dich jetzt in Ruhe", sagte dieser in bemüht neutralem Ton und rannte förmlich aus der Küche.

Für einen Moment verharrte Draco vor dem Herd und fasste sich mit der Hand an die Stirn. Warum musste alles immer in die falsche Richtung laufen? Warum konnte er nicht einfach ruhig bleiben, egal wie nah Harry ihm kam? Warum konnte er nicht einfach zufrieden sein mit der Freundschaft, die er sich mit Harry aufgebaut hatte? Es dauerte eine Sekunde, ehe er den Herd abstellte und aus der Küche eilte, um sich zu entschuldigen.

Harry saß im Wohnzimmer auf einem der Sessel. Er hatte die Knie vor die Brust gezogen und die Arme um die Beine geschlungen. Seine Stirn ruhte auf den Knien, sodass sein Blick nach unten gerichtet war. Draco ging vor dem Sessel in die Hocke, positionierte sich so, dass Harry nicht zu ihm würde aufsehen müssen, sobald er ihn ansprach.

„Es... tut mir leid... ich hätte nicht... keine Ahnung warum ich so reagiert habe...", begann er mit leiser Stimme. Einen Moment fragte er sich, ob Harry ihn überhaupt gehört hatte, da dieser keine Regung zeigte ehe eine kaum vernehmbare Stimme antwortete: „Ich dachte... wir wären sowas wie Freunde".

Draco konnte den Schmerz in den Worten hören und hätte sich am liebsten selbst geohrfeigt für seine unüberlegte Reaktion ein paar Minuten zuvor.

„Das sind wir... ich will dass wir Freunde sind... ich will..." alles, flüsterte die Stimme in seinem Kopf, aber er brachte das letzte Wort nicht über seine Lippen.

Harry hob den Kopf und lehnte sich ein wenig vor. Leuchtend grüne Augen schienen sich in Dracos zu bohren. Unfähig den Blick abzuwenden, fühlte er sich, als würde er in einen Abgrund gezogen. Sein Verstand war wie leer gefegt und er wusste, dass seine Selbstbeherrschung unweigerlich brechen würde.

Der Duft von Minze wehte ihm entgegen, prickelte in seiner Nase und löschte endgültig alles andere aus. Die Welt war verschwunden und seine Kontrolle gebrochen. Als er sich nach vorne lehnte, wusste er, dass er entweder alles verlieren oder alles gewinnen würde, doch es interessierte ihn nicht länger. Er hätte alles aufgegeben, für einen einzigen Kuss. Diesen einen Kuss, den er Harry stehlen würde, bevor die Illusion von Freundschaft für immer zerbrach.

Sein Herz raste, als wolle es aus seiner Brust springen, als er sich vor lehnte und die Augen schloss. Jede Sekunde würde es soweit sein. Nur noch ein Herzschlag trennte ihn davon, den größten Fehler seines Lebens zu begehen.

„Wa... was hast du vor...? Was wird das...?"

Entsetzen ran wie flüssiges Eis durch Dracos Adern, als er die Augen aufriss und sich seiner Umwelt bewusst wurde. Der Bann war gebrochen und die Welt stürzte auf ihn hernieder. Grüne Augen betrachteten ihn mit einer Mischung aus Unglauben und Verwirrung. Draco schluckte hart. Seine Eingeweide schienen sich zu verknoten. „Ich... ähm... es tut mir leid... ich... ich weiß es nicht", brachte er heraus, seine Stimme erstickt und rau. Er würde sich nicht die Blöße geben, vor Harry Potter zu weinen, weil er eine einmalige Chance verpasst hatte. Er würde nicht auch noch das letzte Bisschen Kontrolle, das ihm geblieben war aufgeben.

Harry richtete sich im Sessel auf und schloss für einen Moment die Augen. Ein tiefes Seufzen entkam seinen halb geöffneten Lippen. „Ich glaube es ist besser, wenn du jetzt gehst", sagte er mit ruhiger Stimme. Draco konnte nicht einschätzen, ob es ihn Mühe kostete so ruhig zu bleiben, oder ob ihn die Situation einfach wirklich kalt ließ und er nur eine rationale Entscheidung traf, die notwendig war.

Draco erhob sich aus seiner knienden Position und nickte leicht. Sein Hals war trocken und seine Augen brannten, aber er würde die Fassung bewahren, wenigstens so lange bis er in Mafoy Manor aus dem Kamin trat. Er schluckte hart. „Ich seh dich dann Montag bei der Anhörung, Potter".

Er blickte nicht zurück, sondern trat in die smaragdfarbenen Flammen, die ihn in seine privaten Räumlichkeiten in Malfoy Manor zurück brachten.

Was hatte er erwartet? Nach Hause zu kommen und die Welt wäre wieder wie zuvor? Eis hatte sich in seine Eingeweide gesenkt und legte eine Hand auf seine Brust, an die Stelle unter der sein Herz lag. Es tat weh. Aber es würde heilen. Es würde eine Zeit dauern, aber er hatte die letzten 20 Jahre in dem Wissen gelebt, dass Harry Potter für ihn unerreichbar war. Zu diesem Punk musste er einfach nur zurück finden.

Was man nicht kennt, vermisst man auch nicht, gab die Stimme in seinem Kopf zu bedenken. Draco schluckte hart. Konnte er so tun, als wären die vergangenen Wochen nie geschehen? Konnte er nach Montag einfach zurück in sein altes Leben? Oder würde er ab jetzt für immer dem Gedanken nachhängen, was gewesen wäre, wenn er diesen einen besonderen Abend nicht in den Sand gesetzt hätte?

„Ich hätte nicht erwartet, dich so früh zu sehen", verkündete eine leicht besorgte Stimme aus Richtung des Sofas. Ausgestreckt auf dem Polstermöbel, ein Buch in den Händen, lag Astoria. Sie hatte die Stirn leicht in Falten gelegt und ließ das Buch langsam sinken, während ihre Augen über Dracos Gesicht wanderten. Er konnte ihren Blick auf sich spüren und wusste nicht, ob er dankbar war, dass sie da war, oder ob er lieber mit seiner Enttäuschung allein gewesen wäre

„Was machst du hier?", fragte er mit verräterisch rauer Stimme.

Astoria hob eine Augenbraue, während Draco auf sie zuging.

„Ich dachte ich warte hier auf dich. Ich wollte doch wissen, wie euer Abendessen gelaufen ist", erklärte sie, und trotz aller Leichtigkeit schwang ein Hauch Vorsicht in ihrer Stimme mit.

„Es war...", setzte Draco an, unfähig die richtigen Worte zu finden. „Ich hab's versaut".

„Was?"

„Ich habe die Chance auf einen tollen Abend vermasselt", wiederholte er, und spürte, wie nun da er es aussprach, die Tränen hinter seinen Lidern zu brennen begannen und sein Hals sich zuschnürte. Er würde nicht weinen, nicht wegen Harry Potter und nicht vor Astoria. Er würde niemanden sehen lassen, die tief der Schmerz ging, denn dann wäre die Chance, die Maske der Gleichgültigkeit wieder aufzusetzen, endgültig vertan.

„Was ist passiert?", wollte Astoria wisse, während sie sich aufsetzte, um Draco auf dem Sofa neben ihr Platz zu machen, und das Buch auf den Beistelltisch legte. Sie sah nun ernsthaft besorgt aus.

„Keine Ahnung... ich hab überreagiert... er hat sein Kinn auf meine Schulter gelegt, während ich gekocht hab... das war... ich war überfordert... ich hatte solche Angst die Kontrolle zu verlieren... ich hab ihn angefahren, dass er das lassen soll... Ich... hab ihn verletzt damit... und als ihn... nicht trösten... aber... als ich mit ihm darüber reden wollte... war er plötzlich so nah... so erreichbar... ich dachte für den Bruchteil einer Sekunde, dass er mich mag und ich... ich hab versucht ihn zu küssen... er hat mich rausgeworfen...", die Worte waren wie ein Wasserfall. Er konnte sie nicht zurückhalten, kaum hatte er den ersten Satz gesprochen, auch wenn er zuweilen gar nicht wusste, was er da eigentlich sagte.

Astoria betrachtete ihn eine Weile lang schweigend, dann sagte sie mit leichter Belustigung in der Stimme: „Er steht auf dich".

Draco blinzelte einmal... zweimal... dreimal... „Bitte?"

„Du hast schon richtig gehört! Harry Potter steht auf dich. Er ist nur genau wie du, heillos überfordert mit der ganzen Sache".

„Er hat mich rausgeworfen..."

„Ja, nachdem du ihn erst angemault hast, weil er deine Nähe gesucht hat und ihn zwei Minuten später küssen wolltest. Meinst du nicht, dass das für jeden zu viel wäre? Zwei so völlig unterschiedliche Signale zu empfangen, wenn man vielleicht selbst noch damit kämpft, sich seine Gefühle einzugestehen. Es ist kein Wunder, dass er dich rausgeworfen hat", führte Astoria weiter aus. Etwas Unergründliches glitzerte in ihren Augen.

Draco war noch immer nicht überzeugt. Wenn Harry ihn mochte, wieso hatte er dann so ablehnend auf den Versuch ihn zu küssen reagiert? Wirklich nur, weil Draco sich zuvor… wie ein Arsch… verhalten hatte? „Ich bin ein Idiot… ich hatte mir geschworen ich würde den Fehler aus dem Zug nicht wieder begehen, wenn ich jemals die Chance bekommen würde".

„Draco…", setzte Astoria an und legte den Kopf auf seine Schulter. „Du hast einen Fehler gemacht, aber Potter ist nicht die Art Person, die dir niemals vergeben wird".
„Ach? Wirklich? Das habe ich leider ganz anders in Erinnerung. Beim letzten Mal folgten auf meinen Fehler sieben Jahre Feindschaft", erwiderte Draco mit einem Seufzen. Auch wenn seine wiedergewonnene Freundschaft mit Astoria noch neu war, fühlte sich ihre Nähe vertraut und angenehm trostspendend an.
„Damals seid ihr beide elf Jahre alt gewesen und du hast Potters ersten und einzigen Freund beleidigt, noch bevor er wusste, wer du überhaupt bist. Aber diesmal kennt ihr euch. Er vertraut dir. Also wird er es auch schaffen, über die Sache hinweg zu kommen", führte sie aus. Ihre Stimme war ruhig und sachlich.
„Ich hoffe du hast Recht…", flüsterte Draco in den Raum hinein, ohne Astoria anzusehen. Seine Gedanken drehten sich noch immer um diesen einen Moment, als alles zu Scherben zersprungen war.

„Weißt du was du tun wirst?", fragte Astoria in einem Ton, der keinen Zweifel daran ließ, dass sie wusste, was er zu tun hatte. Draco hingegen schüttelte nur den Kopf. Eigentlich war ihm gar nicht nach Reden zu Mute und wenn ihre Anwesenheit nicht so tröstlich gewesen wäre, hätte er sie bereits gebeten zu gehen. „Du wirst diesen Fall gewinnen".

„Was hat das eine mit dem anderen zu tun?"

„Na ist doch ganz simpel. Dieser Fall war der ursprüngliche Grund, warum ihr überhaupt eine Beziehung zu einander aufgebaut habt. Du hast Potter mit deinen Reaktionen vermutlich überrumpelt und enttäuscht, jetzt musst du ihm zeigen, dass er sich auf dich verlassen kann. Und was wäre besser, um das zu tun, als diesen Fall zu gewinnen? Damit beweist du ihm, dass sein Vertrauen in dich nicht unbegründet war und du noch immer der gleiche Mann bist, der du vor dem heutigen Abend warst", führte Astoria aus und schüttelte dabei leicht belustigt den Kopf.

Konnte sie Recht haben? Konnte es wirklich sein, dass Harry seine Meinung über Draco revidieren würde? Würde er nur beweisen müssen, dass man sich auf ihn verlassen konnte?
„Die Anhörung ist Montag…", flüsterte Draco, als würde das etwas zum Thema beitragen.
„Umso besser! Das heißt es bleibt weniger Zeit, um sich zu entfremden!"

Draco nickte leicht. Vielleicht stimmte es ja wirklich… Vielleicht war die Sache noch nicht endgültig verloren, wenn er am Montag sein Bestes gab und Harry zeigte, wie sehr er gewillt war, für ihn zu kämpfen.


Das Wochenende verging für Draco wie eine verschwommene Masse aus Akten, Tee und gelegentlichen Mahlzeiten, die Zolby ihm direkt in sein Arbeitszimmer brachte, und die nicht selten kalt und unangetastet wieder in die Küche zurückgingen. Er war fest entschlossen, Astorias Rat zu befolgen und dafür musste er besser vorbereitet sein, als je zuvor für einen Fall. Er würde nicht zulassen, dass Vigil Thurgood ihn im Gerichtssaal schlug, schon gar nicht, wenn davon vielleicht Dracos Freundschaft mit Harry abhing.

Er hatte beschlossen, es erst einmal auf Freundschaft abzuzielen, um nicht wieder zu viel auf einmal zu wollen und dann enttäuscht zu werden. Er musste es langsam angehen und seine Gefühle kontrollieren, nur dann hatte er eine Chance, wieder aufzubauen, was er an einem einzigen Abend beinahe verloren hätte.

So stand Draco am Montagmorgen in einem kleinen Nebenraum des Gerichtssaals und legte die üblichen schwarz-grauen Roben an, die Anwälte während einer Anhörung trugen. Neben ihm an die Wand gelehnt stand ein stiller, recht ungesprächiger Harry Potter, dem deutlich anzumerken war, dass er mit starker Nervosität zu kämpfen hatte. Bisher hatten die beiden Männer noch nicht viele Worte gewechselt, doch Draco hatte nicht vor, dies so bald zu ändern. Er wollte das unangenehme Thema nicht vor der Verhandlung auf den Tisch bringen, sondern durch seine Performance vor dem Richter überzeugen. Erst wenn der Fall gewonnen war, würde er auch die Zeit finden, um über das zu sprechen, was zwischen ihnen beiden vorgefallen war.

„Den Vorsitz hat Richter Myerscough. Ich habe schon den einen oder anderen Fall mit ihm bearbeitet", erklärte Draco sachlich, mit einem kurzen Seitenblick zu Harry, der nur verstehend nickte.

Einige weitere Minuten vergingen schweigend, während Draco seine Papiere und Notizen noch einmal durchblickte und sortierte. Er wusste bereits, welche Zeugen er vorladen würde und wie er vorhatte, Thurgoods Argumente zu widerlegen und doch konnte er die nagende Angst nicht ganz verleugnen. Wenn er verlieren würde, wäre nicht nur ein Fall verloren, sondern so viel mehr. Und das ‚viel mehr' war ihm mittlerweile unendlich viel wichtiger, als das Prestige dafür, Harry Potters Anwalt' zu sein.

„Wir sollten reingehen, es wird jeden Moment anfangen", sagte er ruhig, ruhiger zumindest als er sich fühlte und öffnete die Tür zum Gerichtsaal, damit Harry hindurch gehen konnte. Auf der anderen Seite des Raumes kamen Ginny Potter-Weasley und Virgil Thurgood gerade durch eine sehr ähnliche Tür.
Der Gerichtssaal war einfach gehalten. Es gab keine Ränge mit Plätzen für die Mitglieder des Zaubergarmots, sondern drei Gerichtspulte, eines jeweils für die beiden klagenden Parteien und deren Anwälte, die einander gegenüber lagen. Dazwischen, an der Stirnseite des Raumes, befand sich das Pult für den Richter, etwas größer und reichhaltiger verziert, aber ansonsten nicht anders als die anderen beiden. In der Mitte, zwischen den drei Pulten und zugleich dem Richtertisch zugewandt befand sich der Zeugenstuhl, auf dem eventuelle Befragte, Platz zu nehmen hatten. Dahinter, mit dem Rücken zum Ausgang standen einige Stühle, auf denen die Zeugen nach der Befragung platznehmen konnten.

Draco nickte Thurgood kurz höflich zu, dann ließ er sich mit Harry zusammen am Pult nieder und breitete die Akten vor sich aus. Richter Myerscough war noch nicht eingetroffen, sodass den Parteien noch etwas Zeit blieb, sich auf die kommende Situation einzustellen.

Während Draco einen letzten Blick auf Akten und Fotos warf, entging ihm nicht, dass Harry wie magnetisiert zu seiner Noch-Ehefrau blickte. Wer konnte es ihm verdenken? Nach zehn Jahren mit dieser Frau und der Illusion, dass diese Ehe für immer halten würde, musste der endgültige Schlussstrich schmerzhaft sein. Noch zu gut konnte Draco sich an den achtzehn Jahre alten Harry Potter erinnern, der während der Feierlichkeiten nach dem Krieg vor dem versammelten Ministerium und den Vertretern diverser Staaten, dieser Frau die ewige Liebe versprochen hatte. Was würde der Junge von damals sagen, wenn er den Mann von heute sehen könnte? Den desillusionierten Harry Potter, der versucht die Scherben seiner Ehe zusammen zu suchen, um sich daraus ein neues Leben aufzubauen?

Draco seufzte. Bei aller Eifersucht, die er damals empfunden hatte, für Harry und für Ginny, er würde es hinnehmen, dass die beiden noch immer ein glückliches Paar wären, wenn Harry dafür dieser Schmerz erspart bleiben würde. Was das Liebe? Selbst zu verzichten, um den anderen glücklich zu wissen? Vielleicht….

Ein Räuspern riss ihn aus seinen Gedanken und er blickte zum Richterpult hinter dem gerade Myerscough platzgenommen hatten. Der Richter war ein Mann in seinen Fünfzigern, dessen dunkles Haar die ersten grauen Strähnen aufwies. Er hatte ernste, dunkle Augen und ein markantes Kinn, meist mit leichten Bartstoppeln versehen. In den langen, silbernen Richterroben wirkte er beinahe furchteinflößend.

„Werte Anwälte, Mrs. Potter-Weasley, Mr. Potter", begrüßte er die Anwesenden. „In der heutigen Sitzung am Montag den 12. Mai. 2008, soll die Ehe der Parteien Potter-Weasley und Potter rechtskräftig geschieden werden. Weiterhin soll auch festgestellt werden, bei wem die Schuld für das Scheitern der Ehe zu finden ist, um die Höhe der Abfindungen bestimmen zu können.
Werte Anwälte, welche Position beziehen ihre Mandanten? Mr. Thurgood bitte", begann der Richter und nickte zu seiner Linken Ginnys Anwalt zu, der sich von seinem Stuhl erhob und sich dem Vorsitzenden zuwandte.

„Euer Ehren, meine Mandantin Mrs. Ginevra Molly Potter-Weasley war die letzten Jahre mit dem Mandaten der Gegenseite verheiratet und wünscht nun eine Scheidung dieser Ehe. Als Grund für diesen Wunsch gibt sie an, dass, als die Ehe geschlossen wurde, die beiden sich darauf geeinigt hatten, dass sie gemeinsame Kinder wollten. Mr. Potter jedoch hat vor einiger Zeit eigenmächtig entschieden, dass er den Wunsch, mit seiner Frau Kinder zu haben, aufgegeben hat", erklärte Thurgood, ehe er sich wieder setzte.

Neben Draco hatte Harry die Hände zu Fäusten geballt, doch er ließ sich weiter nichts anmerken. Anscheinend war Draco nicht einzige, der im Leben gelernt hatte, seine Emotionen im richtigen Moment zu kontrollieren und professionell zu wirken, wenn es darauf ankam.

Myerscough nickte verstehend, und wandte sich nach rechts zu Draco. „Mr. Malfoy, wie steht Ihr Mandant zu den Anschuldigungen seitens Mrs. Potter-Weasley?".

Draco erhob sich nun ebenfalls von seinem Stuhl und holte Luft. Er konnte Harrys Blick auf sich spüren, war aber entschlossen ihn zu ignorieren. „Euer Ehren, Mr. Potter wünscht ebenso wie seine Frau, dass die Ehe der beiden vom heutigen Tag an aufgehoben werden soll, jedoch weißt er die Beschuldigung, die Alleinschuld am Scheitern der Verbindung mit Mrs. Potter-Weasley zu tragen, entschieden von sich. Vielmehr ist es so, dass unserer Auffassung nach, beide Parteien zu gleichen Teilen daran schuld sind, dass die Ehe gescheitert ist. Mein Mandant lehnte zwar eine weitere Behandlung ab, die dazu führen sollte, dass seine Frau schwanger werden kann, er wollte jedoch stattdessen ein Kind adoptieren, um so dem gemeinsamen Wunsch nachzukommen. Dies lehnte jedoch Mrs. Potter-Weasley ab", trug Draco vor. Er klang gefasst und sicher. Sein Auftritt war perfekt. Er war sich sicher, dass niemand im Raum auch nur erahnen konnte, wie aufgewühlt er im Inneren wirklich war.

„Ist dem so, Mrs. Potter-Weasley? Haben Sie es abgelehnt, ein Kind zu adoptieren?", fragte Richter Myerscough nun in die andere Richtung und Draco nutzte die Gelegenheit, um sich wieder zu setzen. Seine Aufmerksamkeit war auf die junge Frau am anderen Ende des Raumes gerichtet.

„Nein, euer Ehren. Harry hat mir nie den Vorschlag unterbreitet, ein Kind zu adoptieren. Er wollte nur nicht weiter versuchen, eines zu bekommen", erklärte Ginny mit eine Gefasstheit, die Draco staunen ließ.

Sie lügt. Die Schlampe lügt!, spie sein Verstand. Es war nicht zu leugnen. Harrys bald Ex-Frau schien keine Skrupel zu haben, wenn es darum ging, ihrem Mann die Schuld anzuhängen. Oder vielleicht war sie auch einfach so enttäuscht nach all den verzweifelten Jahren, dass sie es als gerecht erachtete, wenn sie heute als Siegerin vom Platz gehen würde.

„Mr. Malfoy, haben Sie einen Zeugen, der Mr. Potters Behauptungen bestätigen kann? Denn hier steht zurzeit Aussage gegen Aussage. Sie brauchen Beweise", fragte Myerscough, während eine Feder vor ihm Notizen auf ein Blatt Pergament kritzelte.

„In der Tat, euer Ehren, es gibt einen Zeugen, der bestätigen kann, dass mein Mandant vorhatte, mit seiner Frau ein Kind zu adoptieren. Ich bitte darum, Mrs. Hermione Jean Weasley in den Zeugenstand zu rufen", antwortete Draco innerlich grinsend. Er hatte niemandem gesagt, dass er am Wochenende Kontakt zu Harrys engster Freundin aufgenommen und sie gebeten hatte, eine Aussage zu machen. Natürlich wusste er, in welche Situation er die junge Frau brachte, doch Hermione war bereit gewesen, einen Disput mit ihrer Familie in Kauf zu nehmen, um sich auf Harrys Seite zu stellen.

An der Wand gegenüber dem Richterpult öffnete sich eine Tür und hindurch trat, in aquamarinblauen Roben, Hermione Weasley und ging zielsicher auf den Zeugenstuhl zu, wo sie platznahm und ihren Blick auf den Richter richtete.
„Mrs. Weasley, sie sind die Schwägerin von Mrs. Potter-Weasley und eine enge Vertraute von Mr. Potter, was können Sie uns über den Verlauf der Ehe der beiden erzählen?", wollte Myerscough wissen.

„Harry und Ginny waren zu Beginn ein sehr glückliches Paar, euer Ehren. Der Krieg hat sie zusammen geschweißt und ich glaube wir alle dachten, dass nichts diese Verbindung je trennen könnte. Aber nach einiger Zeit wollten die beiden Kinder haben. Als es nicht klappte, wurde die Ehe der beiden zusehends angespannter. Ginny probierte immer neue Methoden aus, um doch noch schwanger zu werden und Harry hat sie dabei immer unterstützt, bis auch er zuletzt nicht mehr daran glauben konnte, dass die beiden noch Kinder haben würden", führte Hermione aus. Kurz huschten ihre Augen zu Draco, als wollte sie seine Zustimmung zu ihren Worten haben, aber er ließ sich nicht anmerken, dass ihm diese Geste überhaupt aufgefallen war.

„Was wissen Sie über eine geplante Adoption, Mrs. Weasley?", fragte Myerscough weiter. Er hatte seine Aufmerksamkeit nicht einen Moment von seiner Zeugin abgewandt und schien sie mit den dunklen Augen förmlich durchbohren zu wollen.

„Nun, nachdem wieder einmal eine Behandlung bei Ginny nicht angeschlagen hatte, war Harry es leid, sich immer wieder Hoffnungen zu machen, die am Ende enttäuscht wurden. Also kam er einige Tage später bei mir vorbei und fragte mich nach meiner Meinung. Er hatte sich überlegt, Ginny den Vorschlag einer Adoption zu unterbreiten und wollte wissen, was ich davon halte. Ich habe ihn bei seinem Bestreben unterstützt, da auch ich der Meinung war, dass eine weitere Behandlung vermutlich genauso wenig Erfolg haben würde, wie all die anderen zuvor".

„Vielen Dank, Mrs. Weasley. Sie können hinten auf einem der Stühle platznehmen, wenn Sie wollen", sagte Richter Myerscough, ehe er sich wieder Thurgood und seiner Mandantin zuwandte. „Was haben Sie dazu zu sagen?", fragte er, während Hermione sich einen der Stühle nahe dem Ausgang suchte und von dort aus dem weiteren Geschehen mit besorgtem Blick folgte.

„Die Zeugin der Gegenseite ist ja schön und gut, euer Ehren, aber alles was wir erfahren haben, ist, dass Mr. Potter vor hatte, mit seiner Frau über eine Adoption zu sprechen, nicht aber dass dies wirklich gesehen ist. Außerdem zweifeln wir an Mrs. Weasleys Aussage, bezüglich der Unterstützung, die meine Mandantin von ihrem Ehemann erhalten hat. Um diese Zweifel zu bestätigen, haben auch wir einen Zeugen geladen. Rufen Sie doch bitte Heiler Ceolmund Tattersall auf", antwortete Thurgood. Ihm war anzumerken, wie sicher er sich war, dass er den Fall gewinnen würde, aber Draco hatte nicht die Absicht, ihn damit durch kommen zu lassen. Er hatte noch einen letzten Trumpf im Ärmel, den er am Wochenende erarbeitet hatte und diesen würde er sich bis ganz zum Schluss aufheben.

Während alle Anwesenden nun wieder zum Ausgang blickten, betrat Heiler Tattersall den Raum und setzte sich auf den Zeugenstuhl.
„Heiler Tattersall, Sie haben Mrs. Potter-Weasley in den letzten Jahren bei ihrem Wunsch Kinder zu bekommen unterstützt?", fragte Richter Myerscough.
„Ja, dem ist so, euer Ehren. Mrs. Potter-Weasley ist seit einiger Zeit meine Patientin. Sie kam zu mir, weil sie auch nach wiederholtem Versuchen nicht schwanger wurde und ich bot ihr einige Behandlungen, sowie Ratschläge an, um ihr doch noch zur Schwangerschaft zu verhelfen", antwortete Tattersall und warf Ginny ein Lächeln zu.
„Sagen Sie, Heiler Tattersall, wie haben Sie Mr. Potters Beteiligung an diesen Behandlungen empfunden?"
„Nun ja, ich muss gestehen, dass ich Mr. Potter nur ein einziges Mal zu sehen bekommen habe – beim ersten Gespräch. Er schien schon damals nicht sehr aufgeschlossen meinen Methoden gegenüber zu sein und wirkte eher ablehnend. Auch in den Jahren, die folgten, hat Mr. Potter nie großes Vertrauen in einen Erfolg gehabt und es schien, als wäre es ihm nicht so wichtig, Kinder zu haben. Zumindest nicht so wichtig, wie es seiner Frau war", erklärte Tattersall. Dass er nicht sonderlich gut auf Harry zu sprechen war, versuchte er dabei gar nicht erst zu verbergen.
„Wissen Sie etwas darüber, dass Mr. Potter seiner Frau den Vorschlag unterbreitet hat, ein Kind zu adoptieren?"
„Eine Adoption?", fragte Tattersall erstaunt. „Nein, davon weiß ich nichts. Mrs. Potter-Weasley und ich haben ein sehr enges Verhältnis, wenn ihr Mann ein Kind hätte adoptieren wollen, hätte sie mir mit Sicherheit davon erzählt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen solchen Vorschlag gegeben hat".

„Vielen Dank, Heiler Tattersall. Wenn Sie möchten können Sie sich zu Mrs. Weasley nach hinten setzen", entließ Myerscough den Zeugen.

„Sehen Sie, euer Ehren. Es gibt keine Beweise dafür, dass es einen solchen Vorschlag jemals gegeben hat. Es steht immer noch Aussage gegen Aussage und Mr. Malfoy kann nicht glaubhaft untermauern, dass sein Mandant jemals das Gespräch mit seiner Frau gesucht hat", argumentierte Thurgood mit einem leichten Grinsen.

Am liebsten hätte Draco ihm das Grinsen aus dem Gesicht gehext, doch stattdessen blieb er ruhig und erhob ebenfalls die Stimme: „Das stimmt so nicht ganz, euer Ehren. Wir haben noch einen weiteren Zeugen, der zweifelsohne bestätigen kann, dass dieses Gespräch wirklich stattgefunden hat. Ich bitte darum, Mr. Ronald Bilius Weasley aufzurufen". Kurz huschte Dracos Blick zu Harrys Ehefrau am anderen Ende des Raumes, die mit einem Mal alles andere als erfreut aussah, ehe die Tür ein drittes Mal aufging und Ron Weasley sich in den Zeugenstand begab.

„Mr. Weasley, Sie sind der Bruder von Mrs. Potter-Weasley und Schwager von Mr. Potter. Mr. Malfoy behauptet, Sie könnten bestätigen, dass Mr. Potter seine Frau um eine Adoption gebeten hat", begann Richter Myerscough.

Weasley warf einen kurzen Blick zu Draco, dann zu Harry und zu Letzt zu seiner Schwester, ehe er sich etwas aufrechter hinsetzte und dem Richter antwortete: „Ja, euer Ehren, das kann ich. Es tut mir leid, Ginny, aber Malfoy hat Recht, es geht hier nicht um Rache oder sowas. Ihr habt einander einmal sehr geliebt und meiner kleinen Schwester von damals schulde ich die Aussage hier.
Einige Wochen vor der Trenunng kam meine Schwester abends in unser Haus. Meine Frau und die Kinder waren bei den Eltern meiner Frau, sodass ich allein war, mit meiner Schwester. Sie erzählte mir von einem Streit mit Harry, weil er nicht gewillt sei, noch eine weitere Behandlung mitzumachen. Weiterhin sagte sie, dass Harry ihr den Vorschlag gemacht habe, Kinder zu adoptieren. Doch das kam für Ginny nicht in Frage. Sie sagte sie wolle ‚schwanger sein' und das Kind fühlen".

Richter Myerscough hob eine Augenbraue und wandte sich wieder nach links. „Stimmt das, Mrs. Potter-Weasley? Haben Sie den Vorschlag ihres Mannes abgelehnt, weil Ihnen dadurch die Erfahrung der Schwangerschaft entgangen wäre? Und jetzt will ich die Wahrheit hören".

Einen Moment herrschte Schweigen im Raum, während alle Augen auf Ginny gerichtet waren, die beinahe hilfesuchend zu ihrem Anwalt blickte, ehe sie ein Stück in sich zusammensackte und nickte. „Ja, es stimmt. Harry hat mir diesen Vorschlag gemacht…. Und ich wollte es nicht… Er hat mich einfach nicht verstanden… es wäre doch nur noch die eine Behandlung gewesen…. Ich war mir so sicher, dass es diesmal klappen würde… Ich wollte ein eigenes Kind…", ihre Stimme klang erstickt und traurig, aber Draco stellte fest, dass er nicht in der Lage war, Mitgefühl für sie zu empfinden. Sie hatte Harry zu sehr wehgetan und sogar noch heute versucht, ihre egoistischen Interessen durchzusetzen.

„Gut. Da das Gericht festgestellt hat, dass nicht nur Mr. Harry Potter eine weitere Behandlung abgelehnt hat, sondern dass seine Frau einer Adoption nicht zustimmte, wird die Ehe auf Wunsch der beiden Parteien am heutigen Tage geschieden. Die Schuld für das Scheitern wird beiden Parteien zu gleichen Teilen zugesprochen, daher gibt es keine Ansprüche auf Abfindungen. Die Sitzung ist geschlossen".

„Ich kann es immer noch nicht glauben! Wir haben gewonnen", bemerkte ein sichtlich erleichterter Harry Potter eine halbe Stunde später, als er und Draco aus dem Kamin im Wohnzimmer von Potters Haus traten. „Wir sollten das feiern, meinst du nicht?".

„Äh, ja sollten wir", antwortete Draco und nahm auf dem Sofa Platz. Er war zwar ebenfalls mehr als erleichtert darüber, dass der Fall der gewonnen war, aber der Vorfall der vergangenen Woche lag ihm immer noch im Magen, auch wenn Harry im Moment zu glücklich war, um daran auch nur zu denken, wie es schien.

Einen Moment später bekam Draco ein Glas mit Feuerwhiskey in die Hand gedrückt und ein absolut bestgelaunter Harry Potter setzte sich neben ihn. „Du hast es wirklich geschafft!", sagte er und nahm einen tiefen Zug aus dem Gals, ehe er es zur Seite stellte und sich wieder Draco zuwandte. In den grünen Augen lag ein Glanz, den Draco so noch nie gesehen hatte und etwas Warmes breitete sich in seinem Magen aus, das rein gar nichts mit Feuerwhiskey zu tun hatte.
Ihre Blicke trafen sich – grün auf grau – und einen Herzschlag später hatte Harry den Abstand zwischen ihnen überwunden und Draco spürte weiche, sanfte, unendlich süß Lippen auf den Seinen, während die Welt in Flammen aufging.

Kapitel 12 Ende