Hallihallo!
Es scheint ich schaffe es hin und wieder doch noch zu schreiben, obwohl ich nebenbei eigentlich fürs Examen lernen sollte *g* Hier kennt sich nicht zufällig einer von euch mit den zehn Kriterien guten Unterrichts aus? :P Hust... egal, zurück zur Story:
Nachdem das letzte Kapitel ja sehr wenig zur Story beigetragen hat, wollte ich hier jetzt den Grundstein für gleich 3 weitere wichtige Aspekte legen. Wobei mir eine Szene besonders wichtig war und ich mich schon sehr lange auf diese gefreut habe. Für mich passt es zu den Malfoys, dass nie darüber gesprochen wurde und Draco unwissend in die Situation fällt. Falls ihr das anders seht, interessiert mich eure Meinung aber sehr! Lasst sie mich wissen!
Ich hoffe ihr habt so viel Spaß beim Lesen, wie ich es beim Schreiben hatte!
Kapitel 15 Waking Light
There is always some madness in love. But there is also always some reason in madness.
Es war Montagmorgen, 6:42 und Draco Malfoy stand fertig bekleidet in seinen neuen Roben vor dem Spiegel im Schlafzimmer, während er an den Ärmeln seines Hemdes herum zupfte.
„Kein Grund nervös zu sein, Liebes. Du siehst gut aus", bemerkte der Spiegel mit belustigter Stimme. Hätte er ein Gesicht würde er vermutlich sehr amüsiert schmunzeln.
„Ich bin nicht nervös. Ich will nur einen guten ersten Eindruck machen", gab Draco zurück und ließ schlussendlich doch von seinem Hemd ab.
„Ganz wie du meinst", antwortete der Spiegel, ehe sein Besitzer sich abwandte, um nach unten zum Frühstück zu gehen. Er wusste, dass er viel zu früh fertig war und nicht vor 8Uhr im Ministerium erwartet wurde, aber die Aussicht auf seinen ersten offiziellen Arbeitstag als Anwalt für das Zaubergarmot machte ihn doch deutlich nervös. Mehr zumindest als er je zugeben würde. In der vergangenen Nacht hatte er kaum ein Auge zubekommen und hatte entsprechend früh, den Versuch nochmal einzuschlafen, aufgegeben, um sich fertig machen. Weswegen es nun erst kurz vor sieben und Draco trotzdem eigentlich schon bereit für die Arbeit, war. Das einzig Positive daran war, dass er nun in aller Ruhe würde frühstücken können, vorausgesetzt er bekam überhaupt einen Bissen runter.
Stell dich nicht so an, es ist nur ein Job, ermahnte ihn die immer währende innere Stimme.
Natürlich war es nur ein Job, aber dieser bedeutete ein ganz neues Leben für Draco. Er stand plötzlich auf der Seite des Gesetzes, anstatt für Geld Interessen von Menschen zu vertreten, die er eigentlich nicht leiden konnte. Aber schlimmer als das, war die Tatsache, dass er von nun an täglich mit Harry würde zusammenarbeiten müssen, seinem seit einigen Tagen festen Freund.
Noch hatten die beiden mit niemandem über ihre Beziehung gesprochen, aber für beide war klar gewesen, dass sie sich nicht auf irgendetwas anderes einlassen konnten. ‚Freunde mit Bonusleistungen' funktioniert nur in Büchern, aber im echten Leben führen solche Arrangements nur dazu, dass man sich gegenseitig verletzt. Also stand fest: alles oder nichts und sie hatten sich beide für alles entschieden. Auch wenn sie ihre Beziehung für den Moment noch nicht öffentlich machten. Keiner von beiden wusste, was die Zeit wirklich bringen würde und ob eine Beziehung zwischen zwei Menschen, die ihr halbes Leben damit verbracht hatten einander auf die eine oder andere Weise das Leben schwer zu machen, überhaupt funktionieren konnte. Es war nur vernünftig noch zu warten, ehe sie Freunden und Familie davon erzählten, dass sie mehr waren als Freunde.
Jeden Tag in einem Büro auf einander zu treffen und den Schein der normalen Freundschaft aufrecht zu erhalten, würde das ganze Unterfangen nicht einfacher machen, aber Draco hatte Harrys Jobangebot angenommen und er war bei weitem nicht gewillt, es aufzugeben, noch nicht mal für seine Beziehung. Es musste einfach einen Weg geben, beides zu händeln, egal wie egoistisch der Gedanke auch sein mochte. Und so konnte Draco nun sagen, dass er zum ersten Mal seit langem wieder nervös war, wenn es um seinen Job ging. Normalerweise war er stolz auf seine eigene Gelassenheit, mit der er die Spannungen im Gerichtssaal abtat, aber diese neue Situation war doch mehr als ungewohnt.
Seufzend machte er sich auf den Weg nach unten zum Frühstück. In seinen Räumlichkeiten rumzusitzen würde die Sache auch nicht besser machen und so konnte er wenigstens versuchen ein paar Bissen herunter zu würgen, bevor sein erster Arbeitstag im Ministerium beginnen würde.
In Anbetracht der frühen Stunde fand Draco den Speisesaal noch gänzlich leer vor, da Narcissa selten vor 9 Uhr im Ministerium erschien, und entsprechend keinen Grund hatte, so früh bereits fertig zu sein. Draco zweifelte dennoch keinen Moment daran, dass seine Mutter bereits wach war, doch er kannte sie gut genug um zu wissen, dass Narcissa nichts mehr liebte, als nach dem Aufwachen noch eine Weile im Bett zu liegen und zu lesen.
Kaum hatte Draco am ausladenden Tisch platzgenommen, da erschien auch schon eine Auswahl an Speisen vor ihm. Da sein Magen so früh am Morgen meistens kein großer Freund von Essen war, griff er nach Joghurt und Obst, anstatt Toast und Wurst – leichte Mahlzeiten helfen ja bekanntlich am ehesten gegen Übelkeit. Während er auf seinem Teller Erdbeeren und Bannen klein schnitt, schweiften seine Gedanken langsam zurück den vergangenen Tagen.
Flashback
Es war früh am Mittwochmorgen, doch die Sonne schien bereits durch die Vorhänge und tauchte den Raum in warmes Licht, als Draco blinzelnd erwachte. Einen Moment dachte er darüber nach, wo genau er sich befand, als die Erinnerungen an die Nacht zuvor sich langsam in sein Bewusstsein vordrängten. Nach und nach wurde er sich seiner Position im Bett bewusst, umgeben von einer Wärme, die nicht gänzlich von der Decke zu kommen schien sondern viel mehr von der Person neben ihm. Ein sonnengebräunter Arm hatte sich um seine Taille geschlungen und weiche schwarze Haare kitzelten ihn an der Schulter, während heißer Atem über seine Schulter strich.
Seufzend schloss Draco die Augen, versucht den anbrechenden Tag auszublenden. Er war nicht im Geringsten gewillt, seine angenehme Position neben Harry aufzugeben, um arbeiten zu gehen. Langsam hob er eine Hand und ließ sie durch schwarzes Haar gleiten, worauf Harrys Augenlider leicht flackerten, ehe müde grüne Pupillen ihn irritiert ansahen.
„Ist schon Morgen?", flüsterte Harry leicht verschlafen.
„Ich fürchte ja. Zeit aufzustehen. Möchtest du zuerst unter die Dusche? Ich kann in der Zeit Kaffee machen", antwortete Draco schmunzelnd. Er hatte immer angenommen, Harry sei eher eine 'Morgenperson', aber scheinbar hatte er ich da geirrt.
„Du kannst auch einfach mit unter die Dusche kommen", erwiderte dieser mit einem Grinsen und stützte sich auf die Ellenbogen.
Draco hob eine Augenbraue, begann aber erneut zu schmunzeln. „Verlockend, aber ich glaube nicht, dass wir es dann noch rechtzeitig zur Arbeit schaffen heute".
„Vermutlich hast du Recht", Harry beugte sich vor und hauchte Draco einen flüchtigen Kuss auf die Lippen, wobei dieser aufpassen musste, dass er es sich nicht doch wieder anders überlegte und Harry mit sich auf die Matratze zog. Stattdessen suchte er seinen letzten Rest an Selbstbeherrschung zusammen, und schob sich aus dem Bett, nur um dann festzustellen, dass er keine Kleidung zum Wechseln mitgebracht hatte. Irgendein Teil seines Hirns hatte wohl geglaubt, er würde nochmal in sein eigenes Bett zurückkehren.
„Such dir einfach was aus meinem Schrank raus, auch wenn dir mein Modegeschmack vermutlich nicht ganz so sehr zusagt", sagte Harry, dem der suchende Blick seines Freundes aufgefallen war, von der anderen Seite des Bettes her.
„Dein Modegeschmack lässt zwar wirklich zu wünschen übrig, aber ich denke selbst das ist besser, als entweder nackt oder in den Klamotten von gestern – die auch teilweise gar nicht mehr tragbar sind, im wahrsten Sinne des Wortes - im Büro aufzutauchen", antwortete Draco und öffnete Harrys Schrank, um sich funktionstüchtige Kleidung für den Tag zu suchen.
Besagter Besitzer des Schrankes stellte sich neben ihn und begann ebenfalls nach etwas tragbarem zu suchen. Während Harry nach relativ kurzer Zeit mit einigen Kleidungsstücken nach unten ins Bad verschwand, fiel es Draco deutlich schwerer, sich überhaupt für irgendetwas zu begeistern. Baumwollhemden oder Shirts fanden unter normalen Umständen nie einen Weg in seine Garderobe. Aber wie es schien musste man Opfer bringen, wenn man mit Harry Potter liiert sein wollte. Andererseits war Harrys Schrank kaum zur Hälfte gefüllt, da seine Ex-Frau alle ihre Sachen bereits mitgenommen hatte, es gab also folglich genug Platz für Dracos Kleidung. Vielleicht würde er demnächst mal ein paar Stücke mit herbringen, nur um sicher zu gehen.
Einige Zeit später, hatte sich Draco etwas missmutig für einige Teile aus Harrys Garderobe entschieden und machte sich auf den Weg in die Küche, um Kaffee aufzusetzen und ein schnelles Frühstück vorzubereiten. Für ihn selbst machte es nicht wirklich viel aus, wenn er etwas später im Büro auftauchte, aber Harry hatte feste Arbeitszeiten im Ministerium, die er einhalten musste.
Während die Pfanne sich von allein um die Pfannkuchen kümmerte, deckte Draco den Tisch und wartete anschließend darauf, dass das Bad frei wurde, sodass er eine schnelle Dusche nehmen konnte, bevor er Büro musste. Einige Minuten später trat ein frisch geduschter, aber immer noch etwas müde aussehender Harry, durch die Küchentür und betrachtete, das gerade entstehende Frühstück.
„Die Pfannkuchen sollten gleich fertig sein und der Kaffee ist auch so gut wie durchgelaufen. Wenn du willst, kannst du uns beiden gleich einschenken. Ich bin kurz unter der Dusche", verkündete Draco, während er an Harry vorbei ins Badezimmer ging. Da er kein großer Freund von Küssen vor dem Zähneputzen war, unterdrückte er den Drang danach und verschwand lieber gleich ins Bad.
Heißes Wasser am Morgen war tatsächlich eine der besten Erfindungen überhaupt, wenn es nach Draco ging, obwohl er gestehen musste, dass er an diesem Morgen eigentlich recht entspannt aufgewacht war, obwohl er wenig Schlaf bekommen hatte. Es war nicht so, als hätte er in seinem Leben zuvor nie guten Sex gehabt, aber der einzige Mensch, dem er sich bisher geöffnet hatte war Blaise gewesen und in seinem Fall, verband die beiden eher eine Art Freunde mit Bonusleistungen. Harry auf der anderen Seite, war der Mann, der Draco durch den Kopf geisterte, seit er seine Libido entdeckt hatte. Vermutlich lag es daran, dass sich alles irgendwie nach mehr angefühlt hatte, als je zuvor.
Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen stieg Draco aus der Dusche und griff nach einem der weichen Handtücher, die er sich vorher bereit gelegt hatte. Natürlich würde es ein Trockenzauber auch tun, aber aus irgendeinem Grund mochte er das Gefühl des weichen Stoffs auf der Haut. Entsprechend sah er von dem praktischen Zauber ab und nutze das Handtuch um trocken zu werden ehe er in Harrys Kleidung schlüpfte, die erstaunlich bequem war.
„Du siehst gut aus in meinen Sachen", bemerkte Harry schmunzelnd, als Draco mit noch leicht nassen Haaren kurze Zeit später in die Küche kam.
„Ich sehe in allem gut aus", gab dieser zurück, und hauchte seinem Freund einen leichten Kuss auf die Lippen, als er zum Tisch ging. Wenn es nach Draco ging, konnte so ab jetzt jeder Morgen beginnen.
Als Draco sich setzte, standen Kaffee und Pfannkuchen bereits auf dem Tisch und Harry nahm ihm gegenüber Platz, den aktuellen Prophet neben sich ausgebreitet. Ein kurzer Blick auf die Titelseite war genug, um Draco zu verraten, das natürlich genau das eingetroffen war, das er vermutet hatte. Harrys Scheidung war die Schlagzeile überhaupt. Eigentlich war es schon verwunderlich, dass Blaise überhaupt noch einen Tag länger gewartet hatte, ehe er die große Nachricht verkündete.
„Sieht so aus, als wüsste jetzt jeder, dass der große Harry Potter nicht in der Lage war eine funktionierende Ehe zu führen", seufzte Harry, während sein Blick über den Artikel auf der Seite huschte. Das Bild drüber zeigte das Ex-Ehepaar zusammen mit ihren beiden Anwälten beim Verlassen des Gerichtssaals. Zum Glück waren im Inneren des Saals keine Reporter erlaubt gewesen, sonst hätte Rita Skeeter vermutlich versucht, noch während der Verhandlung ein Exklusiv-Interview zu bekommen.
„Wenn du willst rede ich mit Blaise. Vielleicht kann ich ihn dazu überreden, sein Augenmerk für die nächsten Wochen auf wirklich wichtige Nachrichten zu lenken, anstatt seine Zeitung zum Klatschblatt verkommen zu lassen", schlug Draco vor, während er Bananenscheiben auf seinem Pfannkuchen verteile.
„Schon gut. Mein Privatleben war schon immer die saftigste Nachricht des Tages. Wenn es die Leute glücklich macht, zu lesen, wie mein Leben läuft, anstatt sich mit dem eigenen zu beschäftigen, soll es mir recht sein", erwiderte Harry, mit einem Lächeln über den Rand seiner Kaffeetasse hinweg.
Draco nickte verstehend, setzte aber dennoch in leicht verschwörerischem Ton nach: „Ganz wie du willst. Aber lass es mich wissen, wenn du deine Meinung ändern solltest. Ich bin noch immer dein Anwalt und kann versuchen, deine Rechte durchzusetzen".
Harry lachte amüsiert und schloss für einen Moment die Augen. „Ich werde es im Hinterkopf behalten, vielen Dank".
Flashback Ende
Es war Dracos erster Morgen mit Harry gewesen und doch hatte er sich zugleich so angefühlt, als wäre es schon immer so gewesen. Hatte er wirklich sein ganzes Leben heimlich damit verbracht, sich genau diese Form des Zusammenseins zu wünschen? Was auch immer der Fall war, Zeit mit Harry zu verbringen fühlte sich unendlich normal an und hinterließ zugleich ein bittersüßes Gefühl der Nostalgie. Immer wieder kam die Frage auf, wie viel früher die beiden zumindest hätten Freunde werden können, wenn die äußeren Umstände nur ein wenig anders gewesen wären.
Und doch musste Draco auch jetzt noch erkennen, wie wenig er zuweilen über Harrys Leben wusste. Natürlich hatte er seine gesamte Schulzeit über ein Auge auf seinen Rivalen gehabt und aus irgendeinem Grund hatte er geglaubt, nahezu alles über ihn zu wissen, aber nun, da er dem Mann wirklich näher gekommen war und sein Leben nicht mehr aus der Ferne beobachtete, stieß er immer wieder auf Dinge, die für ihn völlig neu und überraschend waren.
Flashback
Freitagabend trat Draco nach dem letzten Tag in seiner eigenen Kanzlei aus dem Kamin in Harrys Wohnzimmer. Er würde im Laufe des Wochenendes noch einige wenige Dinge regeln müssen und noch immer stand auch sein Termin für Goyles Scheidung an, aber für die wenigen Einzelheiten, mit denen er sich für die alten Fälle noch befassen musste, würde es vollkommen ausreichen, abends hin und wieder einen Blick in die Akten zu werfen. Seine sonstigen Aufzeichnungen über voran gegangene Fälle hatte er bereits nach Malfoy Manor gebracht, um sie dort sicher zu verwahren. Man weiß ja nie, ob man alte Akten nicht doch irgendwann wieder brauchen kann.
Kurz blickte Draco sich im Raum um, um festzustellen, dass Harry nirgendwo zu sehen war, allerdings konnte er leise Stimmen aus Richtung der Küche vernehmen. Einen Moment zögerte Draco, den Stimmen zu folgen, denn eigentlich wollte er nicht lauschen, doch diesmal gewann die Neugier eindeutig gegen die guten Vorsätze und er entschloss, doch herauszufinden wer da zu Besuch war. Als er in den Flur trat fand er die Küchentür einen Spalt breit offen vor, sodass die Stimmen der beiden Personen im Inneren deutlich hörbar zu ihm nach draußen drangen.
„Warum hast du denn nichts gesagt? Ihr seid so oft zum Essen bei uns, und ich hätte sicher ein offenes Ohr für euch gefunden", sagte eine weibliche Stimme, die Draco wage bekannt vorkam, die er aber, egal wie sehr er sich auch bemühte, keinem Gesicht zuordnen konnte. Es war als, als juckte etwas in seinem Gehirn, auf der Suche nach einer Person, die er mit dieser Stimme verband, aber es ließ sich keine Übereinstimmung finden.
„Ich glaube nicht, dass Ginny das gewollt hätte… Sie wollte unsere Probleme selbst lösen", hörte er Harry antworten, ein deutliches Seufzen in der Stimme.
„Ach Kinder, so kann eine Ehe aber doch nicht funktionieren. Man muss auch mal Ratschläge annehmen", erwiderte die weibliche Stimme etwas niedergeschlagen. Der Tonlage nach zu urteilen, schätze Draco die Frau auf das Alter seiner Mutter.
„Es tut mir leid, falls wir dich enttäuscht haben sollten, das war nie meine Absicht", antwortete Harry. Zu gerne hätte Draco das Gesicht seines Freundes gesehen, dann was er in seiner Stimme da hörte, gefiel ihm eigentlich ganz und gar nicht.
„Unsinn! Ihr habt niemanden enttäuscht! Ich hätte mir nur so sehr gewünscht, dich endlich glücklich zu sehen. Du hast so viel für uns getan in den letzten zehn Jahren, da verdienst du auch endlich mal ein Stück vom Regenbogen".
Einen Moment dachte Draco darüber nach, ob die Sprecherin Molly Weasley war. Er hatte die Frau nur wenige Male in seinem Leben wirklich gesehen und gehört, sodass er sich nicht sicher sein konnte. Und obwohl er sich nicht sicher sein konnte, spürte er ein düsteres Gefühl der Eifersucht in seinen Eingeweiden keimen. Wenn es wirklich Molly Weasley war, gab es nur einen Grund, warum sie Harry aufsuchen sollte, nämlich um ihn zu einem neuen Versuch mit seiner Exfrau zu überreden.
„Ich will keinen Dank von dir, das weißt du. Er hat mir immer am Herzen gelegen und ich wollte, dass er es besser hat als ich", Harrys Stimme klang sanft, beinahe liebevoll und Draco wunderte sich, über wen er da sprach.
„Ach Harry. Er ist noch so jung. Manchmal glaube ich, du bist der einzige, der seinen Schmerz vollends verstehen kann. Es ist nicht so, dass er kein glückliches Kind ist, aber die Großmutter allein, kann nie die Eltern ersetzen", ein Seufzen hing in der Luft und Kleidung raschelte leise, sodass Draco annahm, dass Harry die Frau, wer auch immer sie war, denn er hatte mittlerweile doch Zweifel, dass es sich um Molly Weasley handelte, in den Arm genommen hatte.
„Ich habe damals mein Versprechen geben, mich um ihn zu kümmern. Du kannst ihm sagen, dass sich nichts ändern wird und ich in Zukunft wieder jedes Wochenende vorbei komme, um Zeit mit ihm zu verbringen"
Draco zog die Brauen zusammen, als Eis durch seine Venen zu fließen schien. Jung? Kümmern? Besuche am Wochenende? Was war hier los? Der einzige Gedanke, der auf all die Beschreibungen passte, war die Annahme, dass Harry bereits ein Kind hatte, und zwar von einer Frau, die nicht Ginny Weasley war. Gerade als er versucht war, nun doch in die Küche zu gehen und Harry zu konfrontieren, begann die weibliche Stimme wieder zu sprechen: „Ich bin sicher, Nymphadora und Remus würden verstehen, dass du im Moment etwas Zeit brauchst, um deine Gedanken zu sammeln".
Nymphadora und Remus? Zwei Kinder? Oder war Draco jetzt komplett auf dem falschen Besen? Irgendwas stimme hier nicht, und er war absolut gewillt, noch an diesem Abend sämtliche Information aus seinem Freund, wenn nötig heraus zu pressen.
Von innen konnte Draco ein trauriges, leises Lachen hören. „Ich hab Remus damals einen Feigling genannt, als er bei uns auftauchte, um auf der Suche nach den Horcruxen zu helfen. Ich konnte damals nicht verstehen, wie schwierig Situationen zwischen zwei Menschen sein können. Heute würde ich seine Taten vielleicht anders sehen. Er hatte immerhin den Mut, zurück zu gehen. Ich bin von hier geflohen, als Ginny ausgezogen ist".
„Du kannst die Situationen nicht vergleichen, Harry. Remus hatte Angst vor dem, was mit Teddy passieren würde, wenn bekannt würde, wer sein Vater ist. Er wollte dem Jungen den Schmerz ersparen. Aber dank dir, war er da und er war ein wunderbarer Vater. Aber Ginny hatte keinen noblen Grund zum Gehen. Sie wollte die Scheidung einfach nur weil sie unglücklich war. Das hättest du nicht ändern können", erklärte die unbekannte Frau mit sanfter Stimme.
Langsam sanken die Worte in Dracos Bewusstsein. Remus? Etwa wie in Remus Lupin? Hatte Lupin einen Sohn? Dunkel erinnerte Draco sich daran, dass sein Vater und Bellatrix vor vielen Jahren über ein Mischlingskind, ein Halbblut gesprochen hatten, aber damals hatte Voldemort Dracos Welt so sehr beherrscht, dass er sich an kaum etwas anderes erinnern konnte. Ging es nun um dieses Kind? War diese Nymphadora die Mutter?
„Vielleicht hätte ich mutiger sein müssen", antwortete Harry noch immer etwas niedergeschlagen.
„Unsinn, Junge. Niemand in diesem ganzen Land war je mutiger als du. Mach dir keine Vorwürfe. Was würdest du davon halten, wenn du nächstes Wochenende zur mir und Teddy zum Essen kommst? Und bring doch deinen Anwalt mit, der schon seit einiger Zeit vor der Küchentür steht und sich scheinbar nicht traut rein zu kommen".
Draco machte einen entsetzten Schritt zurück, als sich die Tür von allein zur Gänze öffnete und den Blick auf Harry frei gab, der irritiert zu Draco blickte, während die Hand einer Frau auf seiner Schulter lag, deren Anblick Entsetzen durch Dracos Körper jagte.
Sie war etwas kleiner als Harry und trug Roben in einem zarten Grün, ihr Haar war heller, als Draco es je zuvor gesehen hatte, aber die Locken waren noch immer vorhanden und auch ihr Gesicht schien weicher, die Augen freundlicher und doch… sie konnte niemand anderes als seine eigene Tante Bellatrix sein. Doch Bellatrix… war tot… seit zehn Jahren. Langsam begann Draco an seiner geistigen Gesundheit zu zweifeln. Was für ein Zauber war das?
„Draco? Warum hast du nicht geklopft?", fragte Harry, während Bellatrix ihre Hand von seiner Schulter gleiten ließ und mit einem Lächeln den Kopf schüttelte.
„Ich mache mich auf den Weg nach Hause. Teddy sollte nicht so lange allein sein, auch wenn er jetzt schon zehn ist", den letzten Teil des Satzes sagte sie in leicht spöttischem, aber freundlichem Ton, ehe sie an Draco vorbei zum Wohnzimmer ging. Dieser starrte der Reinkarnation seiner eigenen Tante hinterher als hätte er einen Geist gesehen, während sein Gehirn verzweifelt versuchte, irgendeine logische Erklärung die diesen Moment zu finden und daran scheiterte.
Langsam, als erwarte er gleich die nächste böse Überraschung, drehte er sich zu Harry um. Dieser hatte den Kopf leicht schief gelegt und schien deutlich irritiert durch Dracos Verhalten. Gerade so, als sei es völlig normal seine tote Tante im Zwiegespräch mit seinem Liebhaber zu sehen. Eine tote Tante, die dazu zu Lebzeiten auch noch versucht hatte, eben diesen Liebhaber wiederholt zu töten.
„Was zum Besen ist hier los?", fragte er mit leicht panischer Stimme, während sein Hirn noch immer nicht in der Lage war, die Eindrücke in einen logischen Zusammenhang zu bringen.
„Andromeda war hier, weil sie sich Sorgen gemacht hat. Ist alles in Ordnung mit dir? Du siehst aus als wäre Voldemort vor dir aus dem Grab gekrochen", antwortete Harry, leicht besorgt, aber trotzdem irgendwie belustig.
„A… Andromeda?", stammelte Draco, nun vollends verwirrt. Hatte er nicht grade seine Tante Bellatrix gesehen? Oder wurde es wirklich Zeit, sich von einem der Heiler in St. Mungos begutachten zu lassen?
„Ja, Andromeda Tonks. Wer denn sonst?"
„Wer sonst? Falls es dir nicht aufgefallen ist, die Frau in deinem Haus eben war meine Tante Bellatrix! Meine tote Tante Bellatrix, die vor ihrem Ableben versucht hat dich zu töten!".
Für einige Sekunden herrschte Stille nach Dracos Ausbruch. Smaragdgrüne Augen betrachteten ihn verwirrt, ehe Harry leise zu lachen begann.
„Was zum Besen ist hier so lustig?", fauchte Draco, der sich langsam irgendwie blöde vorkam.
„Entschuldige, ich sollte nicht lachen, immerhin ist mir derselbe Fehler auch passiert und auf Grund der Regeln in deiner Familie, hätte ich damit rechnen müssen, dass du sie nie persönlich getroffen hast. Das war deine Tante Andromeda und ja, sie sieht Bellatrix sehr ähnlich, aber wie du schon sagtest, Bellatrix ist tot", erklärte Harry, nun deutlich gelassener als zuvor. Aber irgendwie half Draco das alles nicht.
Tante Andromeda?
„Ähm… bist du sicher, dass du da nicht etwas vertauschst? Ich habe keine Tante namens Andromeda. Mein Vater ist ein Einzelkind und meine Mutter hatte nur eine Schwester, Bellatrix", gab Draco zurück und lehnte sich gegen den Türrahmen. Aus irgendeinem Grund brauchte er ein stabiles Stück Holz, das ihm Halt geben würde.
Nun war es an Harry, verwirrt auszusehen, ehe sich stattdessen so etwas Traurigkeit in seine Augen schlich. „Sag bloß, deine Mutter hat nie von ihr gesprochen?", fragte er mit leiser Stimme.
„Warum sollte sie? Wer ist diese Frau?"
„Sie… ist deine Tante- ", Harry hob eine Hand, als Draco ansetzte um ihm zu widersprechen, sodass dieser sich zurückhielt und seinen Freund weitersprechen ließ. „Deine andere Tante. Deine Mutter hat zwei ältere Schwestern, Bellatrix und Andromeda. Aber Andromeda hat nach ihrer Zeit in Hogwarts Ted Tonks geheiratet. Seine Eltern waren Muggle und deswegen wurde Andromeda aus dem Stammbaum der Blacks herausgebrannt. Hat deine Mutter nie von ihr gesprochen?".
Draco blinzelte leicht, während die Worte langsam ihre Bedeutung in seinem Gehirn entfalteten. „Meine Mutter hat eine zweite Schwester? Die unehrenhaft geheiratet hat und deswegen enterbt wurde? Nein… sie hat nie von ihr gesprochen. Immer nur von Bellatrix", antwortete er und schloss für einen Moment die Augen.
„Das tut mir leid. Mir war nicht klar, dass du von Andromeda gar nichts weißt, sonst hätte ich euch einander ganz anders vorgestellt. Dann… weißt du auch nichts von… deiner Cousine?", Harrys Stimme klang vorsichtig, so als wolle er Draco nicht überfordern mit dem, wovon er da sprach.
„Ich… habe eine Cousine?", fragte er nach, unschlüssig was er fühlen sollte. Wut, weil nie jemand mit ihm gesprochen hatte, über diesen Teil der Familie oder Erleichterung, dass er nun doch noch eine Gelegenheit bekam, diese Menschen kennenzulernen.
„Du…", Harry wandte den Blick an und starrte aus dem Fenster. „Du hattest… eine Cousine… sie ist vor zehn Jahren gestorben… bei der Schlacht".
Draco schluckte hart und nickte. Sein Hals fühlte sich eng an, als würde ihm eine unsichtbare Hand die Luft abschnüren. Er war fast 28 Jahre alt und erfuhr erst jetzt, es noch einen ganzen Zweig seiner Familie gab, den er nicht kannte und nun auch nicht mehr die Chance hatte jemals wirklich kennen zu lernen. Als Kind hatte er seine Freunde beneidet, die Geschwister oder Cousinen hatten, mit denen sie spielen konnten, denn er selbst war oft sehr allein gewesen, in diesem riesigen Haus. Nun erfuhr er, dass es die ganze Zeit eine Cousine gegeben hatte, die man ihm vorenthalten hatte. Dennoch wusste ein kleiner Teil von ihm, dass er unter Umständen nichts mit ihr hätte zu tun haben wollen, eben weil sie die Tochter eines ‚Schlammbluts' war.
„Wer ist Teddy?", brachte er erstickt hervor.
„Tonks Sohn. Also, der Sohn deiner Cousine. Sie hieß eigentlich Nymphadora, aber sie mochte den Namen nicht sonderlich, weswegen jeder sie nur Tonks genannt hat", erklärte Harry mit einem leichten Lächeln auf den Lippen, als erinnerte er sich an eine ganz bestimmte Begebenheit.
„Und der Vater?", wollte Draco weiter wissen. Nun, da der Damm gebrochen war, wollte er die ganze Wahrheit.
„Remus Lupin. Die beiden haben sich beim Orden kennen gelernt. Teddy wurde im April geboren, also kaum einen Monat vor der Schlacht, bei der seine Eltern beide starben. Vor seinem Tod, hatte Remus mich gebeten, Pate für seinen Sohn zu werden und ich stimmte zu. Andromeda hat ihn aufgezogen und Ginny und ich haben versucht ihr so viel wie möglich zu helfen. Am Anfang war es nicht leicht für sie, musst du wissen. Andromeda hat in diesem Krieg alles verloren. Ihr Mann, ihre Tochter und ihr Schwiegersohn wurden getötet und nur sie und ihr gerade mal einen Monat alter Enkel blieben zurück. Teddy ist zehn geworden kurz bevor Ginny sich von mir getrennt hat", erklärte Harry, scheinbar versucht diesmal keine Fragen mehr offen zu lassen.
Ohne ein Wort zu sagen, ging Draco ins Wohnzimmer und ließ sich auf das Sofa sinken. Der Sohn seiner Cousine… ein kleiner Junge, der ohne Eltern aufwuchs. Nie hatte Narcissa auch nur ein Wort über ihn verloren, geschweige denn über ihre Schwester. Diese Frau, die Bellatrix so ähnlich sah und doch so völlig anders war, mit ihren warmen Augen und Lachfalten im Gesicht. Hätte Draco ihr helfen können? Hätte er versuchen können, an ihr einen Teil seiner Schuld wieder gut machen zu können?
Er spürte eine Hand auf der Schulter und lehnte sich leicht in die warme Berührung, während sein Geist versuchte zu begreifen, was er gerade erfahren hatte. Es gab eine Cousine, doch sie war ihm wie Sand durch die Finger geglitten. Alles was blieb, war ein kleiner Junge, dem er vielleicht würde beweisen können, dass es noch andere Teile der Familie gab, denen er wichtig war.
„Whiskey?", fragte Harry neben ihm, doch Draco schüttelte den Kopf. Vermutlich würde ihm der Alkohol zwar helfen, den Kopf frei zu brennen und die aufgewühlten Gefühle zu beruhigen, aber im Moment wollte er lieber selbst versuchen, zu begreifen, wie sehr die alten Vorstellung vom reinen Blut sein Leben doch noch bis heute beeinflussten.
„Ich will ihn sehen…", flüsterte Draco nach einer Weile des Schweigens. Er hatte sich mittlerweile vollständig an Harry angelehnt und genoss die Wärme, die von dem vertrauten Körper ausging.
„Das wirst du, versprochen. Wir gehen die beiden nächstes Wochenende besuchen und dann hast du Zeit, um in Ruhe mit Andromeda über alles zu reden und die beiden kennen zu lernen".
„Er hatte Geburtstag?"
„Ja, Anfang April. Nächstes Jahr kommt er nach Hogwarts, dann bekommen wir ihn nur noch in den Ferien zu Gesicht. Also sollten wir jede Gelegenheit nutzen", erklärte Harry mit einem Schmunzeln.
„Was schenkt man einem Zehnjährigen zum Geburtstag?"
Flashback Ende
Gerade, als Draco endlich Bananen und Erdbeeren mit seinem Joghurt vermischte, hörte er, wie die Tür zum Speisesaal geöffnet wurde, und seine Mutter hereinkam. Trotz der frühen Stunde war sie bereits perfekt in aquamarinfarbene Roben gekleidet, das Haar war zu einem eleganten Knoten gebunden.
„Du bist aber früh wach", bemerkte sie, als sie am Tisch Platz nahm und nach dem Räucherlachs griff.
„Erster Arbeitstag im Ministerium. Ich wollte nicht zu spät kommen und habe es dabei wohl ein wenig übertrieben", antwortete Draco, ehe er endlich den ersten Bissen seines Frühstücks zu sich nahm.
„Ah ja, erste Arbeitstage. Am besten versuchst du zehn Minuten zu früh dazu sein, das hinterlässt einen guten Eindruck", erklärte Narcissa, während sie ihren Lachs kunstvoll auf einer Scheibe Brot drapierte.
„Danke für den Rat, Mutter, aber ich arbeite schon eine Weile immer wieder im Ministerium. Ich weiß, was sich gehört", gab Draco zurück, versucht sich nicht, wie ein Teenager bevormunden zu lassen.
Narcissa lachte leise, die blauen Augen amüsiert funkelnd. „Ich nehme an, du hast das Wochenende bei Mr. Potter verbracht?", fragte sie, mit höflicher Neugier.
„Ja, ich war bei Harry bis gestern Abend. Aber da ich heute eine neue Stelle antrete, dachte ich, es sei besser diese Nacht hier zu verbringen und mich in Ruhe auf meine neue Aufgabe vorzubereiten", antwortete Draco beinahe sachlich. Aus irgendeinem Grund mochte er es nicht so sehr, sein Liebesleben mit seiner Mutter zu besprechen.
„Das ist sehr vernünftig von dir, Draco. Du solltest Mr. Potter demnächst hier her einladen. Ich würde mich sehr freuen, wenn du ihn mir vorstellst. Als den Mann mit dem mein Sohn ausgeht versteht sich. Nicht als ‚Retter' oder ‚Auserwählter' oder wie auch immer man ihn dieser Tage nennt".
Einen Moment fürchtete Draco, er würde an seinem Frühstück ersticken, ehe er sich wieder fing und den Blick seiner Mutter ruhig, aber ernst erwiderte. „Ich stelle ihn dir nur unter einer Bedingung vor, Mutter".
„Und welche Bedingung wäre das, mein Lieber?", wollte Narcissa wissen. Scheinbar war sie doch etwas irritiert vom Verhalten ihres Sohnes, der selten solch ein Ultimatum gestellt hatte. Zuletzt im Alter von zwölf, als er unbedingt Sucher in der Quidditchmannschaft von Slytherin hatte werden wollen.
„Du erzählst mir von meiner Tante Andromeda"
Kapitel 15 Ende
