Liebe oder Drachen
Kapitel 2
Erik Westwick saß in seinem Büro im Zaubereiministerium. Es lag im obersten Stockwerk bei all den anderen Räumlichkeiten der Führungsebene. Die Abteilung, der der junge Zauberer vorstand, beschäftigte sich mit der Pressearbeit des Ministeriums. Öffentlichkeitsarbeit, Planung und Organisation öffentlicher Auftritte das Ministers und anderer wichtiger Persönlichkeiten, Austausch und Information der Presse über wichtige Angelegenheiten, waren nur einige Themen mit den sich diese Abteilung auseinandersetzte.
Das Büro an sich, war rund und hatte eine große Tür aus dunklen, fast schwarzen Holz. Hinter dem Schreibtisch war ein Fenster, was zur Zeit eine Großstadt der Muggel bei Nacht zeigte. Die Bilder an den Wänden zeigten Hexen und Zauberer, die im Moment in ihren Sesseln oder auf ihren Stühlen schliefen. Über dem Kamin hing ein großes Porträt von Erik selbst, in einem dunkelblauen Festumhang der mit silbernen Fäden bestickt war. Es wirkte imposant und edel aber gleichzeitig auch kühl und distanziert.
Auf dem Schreibtisch hatten sich Berge von Berichten, Akten und anderen wichtigen Papieren angesammelt. Denn schon seit einiger Zeit konnte Erik keinen klaren Gedanken mehr fassen.
Vor genau einer Woche hatte er Charlie wiedergetroffen, sie hatten geredet, haben in alten Zeiten geschwelgt und sich auch geküsst.
Der Kuss war atemberaubend gewesen. So einen Kuss hatte er schon lange nicht mehr bekommen. Zwar hatte er im laufe der Zeit immer wieder eine Beziehung geführt aber für niemanden hatte er so tiefe und aufrichtige Gefühle empfunden wie für Charlie. Und das diese Gefühle, die er vor langer Zeit in einer Schachtel gepackt und ganz hinten in seinen Unterbewusstsein verstaut hatte, nun wieder da waren, hatte ihn aus der Bahn geworfen.
Immer wieder hatte er sich die Frage gestellt, wie wohl sein Leben verlaufen wäre, wenn er damals nicht mit Charlie Schluss gemacht hätte und ihm nach Rumänien gefolgt wäre. Hätten sie ein glückliches Leben geführt? Wäre es besser als jetzt? Oder wäre ihre Liebe irgendwann sowieso zerbrochen? All diese Fragen schwirrten durch seinen Kopf.
Ein lautes Klopfen aber holte ihn aus seiner Gedankenwelt zurück ins hier und jetzt. Er musste sich selbst erst einmal ordnen, stand dann auf und öffnete die Tür.
Draußen war Arthur Weasley, der anscheinend überrascht war, ihn noch hier anzutreffen.
„Schönen guten Abend Arthur. Was führt sie denn um diese Zeit noch zu mir?"
„Oh, schön das ich sie noch antreffe Erik. Ich war mir nicht sicher ob sie es sind oder schon die Putzfrau. Ich habe Licht durch ihren Türspalt gesehen und wollte nur wissen ob hier alles in Ordnung ist. In der heutigen Zeit kann man ja nie wissen." Mr. Weasley lachte leicht und grinste Erik an, der sich zu einem Lächeln durchrang.
„Aber eigentlich hatte ich gehofft sie noch anzutreffen."
„Ach ja, wieso denn?", fragte der junge Magier verwundert.
„Meine Frau und ich wollten sie morgen Abend zum Essen einladen. Aber ich in meiner Schusseligkeit habe natürlich vergessen sie heute Vormittag zu fragen. Und bevor ich sie morgen damit überfalle, wollte ich jetzt mein Glück noch einmal versuchen."
„Oh, das ist sehr freundlich von ihnen. Gerne nehme ich ihre Einladung an. Ich brauche sowieso etwas Ablenkung von dem ganzen Stress." Erik deutete auf den Berg Papiere auf dem Schreibtisch.
„Sehr gut," sagte Arthur. „Dann erwarten wir sie morgen um sieben bei uns."
Er reichte ihm die Hand und verschwand dann den Gang hinunter.
Erik schloss hinter sich die Tür, sah sich noch einmal in seinem Büro um, beschloss dann aber, dass es keinen Sinn mehr hatte heute noch weiter zu arbeiten, schnappte sich seinen Umhang und ging nach Hause.
Am nächsten Abend stand er mit einer Flasche Elfenwein vor der Tür der Weasley's.
Kurz nachdem er angeklopft hatte, öffnete auch schon eine etwas kleinere Frau mit roten Haaren und einer Schürze die Tür. Ihr Gesicht strahlte Herzenswärme und Freundlichkeit aus.
„Oh Erik mein Lieber, sie sind es. Ich freue mich das sie unsere Einladung angenommen haben. Aber kommen sie doch erst einmal rein." Mrs. Weasley nahm ihn den Umhang ab und hing ihn auf einen Hacken nahe der Tür. „Ich haben ihnen eine Kleinigkeit mitgebracht." Erik reichte ihr den Wein.
„Oh, vielen Dank. Das wäre doch nicht nötig gewesen. Wollen sie nicht schon einmal zu den anderen ins Wohnzimmer gehen."
Er musste einen kurzen Moment stutzen als sie andere erwähnte aber wollte auch nicht unnötige Fragen stellen.
Im Wohnzimmer saßen nicht nur Arthur Weasley, sondern auch Remus Lupin und seine Frau Nymphadora, Professor McGonagall, Kingsley Shacklebold und der Ex-Auror Mad-Eye Moody. Aber zu Erik's größter Überraschung war noch ein Weasley anwesend. Charlie.
„Westwick. Da sie nun auch endlich da sind können wir ja anfangen," polterte Moody.
„Jetzt machen sie mal nicht die Pferde scheu Alastor. Lassen sie den Jungen sich erst einmal hinsetzten," sagte McGonagall in einem strengen aber herzlichen Ton. Moody knurrte in sich hinein aber sagte nichts mehr.
Der einzige freie Platz im Raum war ausgerechnet neben Charlie. Erik nickte den anderen Gästen freundlich zu als er durchs Zimmer ging und sich neben den jungen Weasley setzte.
„Schön das du da bist," sagte Charlie mit einem Lächeln im Gesicht.
„Nun gut, da wir nun vollzählig sind, kann ich auch beginnen." Moody stand auf und wandte sich der Gruppe zu.
„Wie wir alle wissen, ist Harry Potter, unsere wichtigste Waffe im Kampf gegen Voldemort. Im Moment ist er im Haus seiner Verwandten sicher vor Gefahren. Aber sobald er 17 Jahre alt wir, erlischt der Zauber der ihn schütz und er schwebt in großer Gefahr. Aus diesem Grund, müssen wir ihn an einen sicheren Ort bringen, ohne ihn dabei in Gefahr zu bringen. Als Dumbledore noch lebte, hat er einen Plan erdacht, wie dies von satten gehen soll."
In diesen Moment wurde Mad-Eye unterbrochen. Erik war aufgestanden und hatte das Wort ergriffen. „Halten sie es für klug mir den Plan zu verraten?"
Die ganze Runde schaute ihn verdutzt an. Lupin sagte als erster etwas. „Ich bin mir sicher das wir ihnen vertrauen können, Dumbledore hat es schließlich auch getan."
„Nun ja, ich habe auch nicht vor euch zu verraten aber glaubt ihr nicht, dass der Feind versucht heraus zu bekommen wie wir Harry schützen wollen? Ich meine das letzte mal hat Voldemort auch viele Hexen und Zauberer mit einem Fluch belegt um an wichtige Information zu kommen. Und da ich dem Minister und anderen Führungspersönlichkeiten durch meine Arbeit nahe stehe, könnte man ja auch davon ausgehen, dass sie es bei mir versuchen. Da ist es doch besser wenn ich gar nichts weiß."
Alle waren etwas verwundert von den Gedanken die Erik äußerte.
„Nun gut, wenn sie das so wollen. Obwohl ich gedacht hätte, das jemand mit ihren magischen Qualitäten sich zu schützen weiß." Moody sah in streng an.
„Natürlich weiß ich das aber sie wissen genau so gut wie ich, dass man schon in einem winzigen Moment der Unaufmerksamkeit verflucht werden kann. Das ist auch schon Zauberern passiert, die weit mehr Erfahrung und Talent hatten als ich."
„Ich glaube wir sollten seinen Wunsch und seine Bedenken ernst nehmen Alestor. Man kann nie vorsichtig genug sein." Kingsley lächelte dem jungen Zauberer bestärkten zu.
„Da wir das geklärt hatten, werde ich solange vor der Tür warten."
Draußen setzte er sich auf eine Gartenbank und starrte in den Himmel. Die Nacht war sternenklar, keine Wolke am Himmel zu sehen und der Mond erhellte den Garten.
Auf der einen Seite bedauerte er es, dass er raus gegangen war, auf der anderen Seite hoffte er, dass dies die richtige Entscheidung war. Wie alles ablaufen sollte und was tatsächlich passiert kann er sich immer noch im Nachhinein berichten lassen.
Eriks Gedanken schweiften immer mehr ab und zogen ihre Bahnen durch die Nacht.
Das Geräusch von Schritten holte ihn wieder ins Jetzt zurück.
Er leuchtete mit seinem Zauberstab in die Dunkelheit, die sich zum Haus hinauf zog, hinein.
Charlie kam den Weg hinab gelaufen. „Hey, darf ich mich setzten?" Fragte er aber wartete nicht auf die Antwort und nahm neben Erik platz.
„Die sind da drinnen jetzt fertig. Du kannst jetzt wieder rein kommen wenn du willst aber meine Mum sagt, dass das Essen frühestens in einer Stunde fertig sein wird."
„Die Nacht ist eigentlich viel zu schön um sie im Haus zu verbringen. Aber mit der Zeit wird es schon ganz schön kalt." Erik rieb sich über die Arme.
„Da kann ich Abhilfe schaffen." Charlie schwang seinen Zauberstab und eine weiche wärmende Decke legte sich über sie.
„Schon viel besser," sagte der braunhaarige Zauberer und schmiegte sich an den kuscheligen Stoff.
Für einen kurzen Moment schwiegen sie und schauten in die Nacht.
„Da hat es ja doch keine acht Jahre gedauert bis wir uns wiedergesehen haben." Charlie musste lachen und fügte scherzend hinzu: „Aber den Kuss den du mir gegebne hast bekommst du trotzdem nicht wieder."
Beide mussten herzhaft lachen.
„Aber sag mal, warum bist du eigentlich noch hier? Müsstest du nicht schon längst wieder in Rumänien sein?"
„Ja eigentlich schon aber mein Bruder Bill wird schon sehr bald heiraten und da dachte ich mir, dass es sich nicht lohnt erst wieder zurück zu gehen."
„Oh das wusste ich gar nicht, wer ist denn die Glückliche?"
„Fleur Delacour. Du müsstest sie eigentlich kennen."
Erik überlegte einen kurzen Moment. „Ist das nicht die, die beim Trimagischen Tournier teilgenommen hat? Diese blonde Französin."
Charlie nickte ihm zu. „Ja genau. Ich habe sie erst einmal kurz kennengelernt aber sie schein sehr nett und freundlich zu sein."
Verträumt starrte Erik in die Sterne. „Es muss schön sein jemanden zu haben, der einen in dieser schrecklichen Zeit beisteht, einen beschützt und die schönen Dinge des Lebens zeigt." Seine Stimme war leise, trotzdem konnte Charlie alles hören.
„Wünschst du dir das?" Der Weasley schaute dem jungen Zauberer an aber er bekam keine Antwort. Erik rutschte nur näher an ihn heran und legte seinen Kopf ein Charlies Schulter.
„Ich verstehe das jetzt mal als ein Ja." Dann legte er seinen Arm um ihn und drückte ihn fest an sich.
Minutenlang saßen sie so da und schauten in die Sterne. Es war ein schönes Gefühl für beide, die wärme des anderen hatten beide schon lange nicht mehr gespürt aber war ihnen noch wohl bekannt.
Das Licht eines Zauberstabs durchbrach ihre Zweisamkeit.
Nymphadora stand nur ein paar Meter entfernt von ihnen entfernt. „Molly sagt ihr sollt wieder rein kommen, das Essen ist fertig."
„Wir kommen," sagte Charlie. Dann lösten die beiden Zauberer sich voneinander. Als Erik an Nymphadora vorbei ging, warf sie ihn einen wissenden und belustigten Blick zu, welcher ihn erröten lies.
Das Abendessen war sehr köstlich. Schon lange hatten viele von ihnen nicht mehr so gut gegessen.
Danach begaben sich alle wieder ins Wohnzimmer, wo einige von ihnen noch einen Cherry nahmen oder eine Zigarre rauchten.
Erik unterhielt sich angeregt mit Professor McGonagall als Charlie zu ihm kam. „Entschuldigen sie bitte Professor aber dürfte ich kurz mit Erik sprechen?"
„Oh natürlich, ich wollte Molly sowieso nach ihrem Rezept für den Kürbiskuchen fragen." Mit diesem Satz erhob sie sich und ging in Richtung der Küche.
Charlie setzte sich neben den etwas verdutzt dreinschauenden braunhaarigen Zauberer.
„Du Erik," begann der Weasley, „könntest du dir vorstellen, also würdest du gerne, also… ." Charlie atmete tief ein. „Also was ich eigentlich fragen will ist, ob du mit mir zu der Hochzeit meines Bruders gehen würdest?" Erik schaute ihn verwundert an. „Glaubst du nicht, das deine Eltern es nicht lieber sehen würden, wenn du dort mit einem netten Mädchen auftauchen würdest?"
„Ach sei nicht albern," entgegnete der rothaarige. „Was soll ich denn mit einem netten Mädchen wenn ich mit dir dort hin gehen kann. Ich will das du mit mir da hin gehst, ganz offiziell als mein Date."
Erik überlegte kurz, dann nickte er und strahlte sein Gegenüber an.
