n Deckung
Klon Soldat Shen stand vor geschlossenen Tür der Sanitätsstation. Er hatte es aufgegeben, auf und ab zu laufen. Sanitäter Zero hatte es zweimal vergeblich versucht ihn wegzuschicken. Und so grimmig, wie er schaute, wagte es auch niemand sonst. Jeder von seinen Brüdern, der Shen so sah, zeigte Mitgefühl und hoffte, niemals an seiner Stelle zu sein zu müssen. Aber zu viele Brüder hatten mit guten oder mit schlechtem Ausgang an vor der Tür einer Sanitätsstation gestanden. Und viele anderen würden es noch nach ihm tun.
Shen lehnte nicht an der Wand. Er wagte es nicht, es sich bequem zu machen, als könne diese etwas an dem Geschehen hinter der Tür ändern. Er stand stramm, mit hinter dem Rücken verschränkten Armen. Eine Hand lag in der anderen, und Shen war sich nicht sicher, ob er jemals in der Lage sein würde, die andere Hand wieder loszulassen, so fest drückte er zu. Hinter der Tür kämpfte sein Bruder unter Brüdern Easy und die Sanitäter, die ihn behandelten, um sein Leben. Und Shen war sich sicher, dass er ohne Easy, nie wieder würde lächeln können.
Es war eine völlig ruhige Schicht gewesen. Easy, Mecky, Calm und er hatten Civvies kontrolliert, die das Regierungsgebäude und den Senat besichtigen wollten. Ein Dieb hatte einer Frau die Tasche geklaut. Ein weitere Civvie hatte sich eingemischt. Als Easy dazwischen ging, hatte der Dieb plötzlich einen Blaster in der Hand und aus sehr kurzer Entfernung geschossen. Easy hatte nicht einmal Zeit seinen eigenen Blaster hoch zu bringen, da lag schon mit einem Loch in Bauch auf den Boden. Der Dieb konnte ein paar Meter fliehen, aber Calm und Mecky waren schneller. Der Dieb war nun mit einer paar gebrochenen Rippen, einer schiefen Nase, ohne ein paar Zähnen und einem zerschmetterten Handgelenk in Gewahrsam. Shen war nicht an die Reihe gekommen, denn er hatte sich um Easy gekümmert. Die Sanitäter hatten Shen versprochen, den Dieb nicht eher zu behandeln, ehe sie mit Easy fertig waren. Und dann auch dann würden sie die Schmerzmittel aus Versehen vergessen. Klone nahmen so etwas sehr persönlich. So war das, wenn alle Soldaten einer Armee eben Brüder waren.
Dann plötzlich ging die Tür auf und Zero kam Shen entgegen.
„Okay. Wir sind fertig. Der Rest liegt an Easy."
Shen nickte stumm. „Kann ich nach ihm sehen?"
„Ja, er ist nicht in einem Bakta Tank, da die Wunde nicht zu großflächig ist. Wir haben ihn wieder richtig zusammen geflickt und das verlorene Blut ersetzt. Du darfst bleiben, aber du verhältst dich ruhig. Er ist im Bett auf der rechten Seite." Shen war schon halb an ihm vorbei, als er nochmal stehen blieb und Zero die Hand auf die Schulter legte. „Danke, Zero." Der Sanitäter lächelte halbseitig. „Das ist mein Job, Bruder."
Die Sanitätsstation war halb belegt. Zwei Klone schienen zu schlafen, einer starrte mit offenen Augen an die Decke, ein Bruder ohne Bein versuchte mithilfe eines anderen Sanitäters ein paar Schritte mit Hilfe einer Krücke zu gehen und zwei Klone hatten ebenfalls Besuch. Jahrelange Übung sorgte dafür, dass Shen seine Umgebung genau wahrnahm, obwohl er mit den Gedanken woanders war. Ganz hinten in der Ecke lag Easy in einem Bett, untypisch still. Shen war klar, dass er immer noch narkotisiert war, trotzdem war das nicht Easy. Shen blieb am Bett stehen.
Easy schien ruhig und am Schlafen. Er war gut zugedeckt, aber Shen konnte an der unbedeckten Schulter sehen, dass er zumindest sein Oberkörper frei war. Ein Schlauch mit einer durchsichtigen Flüssigkeit führte unter die Decke, wahrscheinlich eine Infusion. Ein Monitor überwachte Easys Herzschlag und Atmung. Er war kalkweiß. Shen hob die Decke etwas an. Ein sehr großes Baktapflaster verdeckte den Bauchnabel und den Bereich rechts und oberhalb davon. Shen ließ die Decke wieder sinken und nahm sich einen Stuhl, der neben den Bett stand und rückte näher an das Bett. „Wenn du stirbst, bring ich dich um." Sagte Shen halblaut und griff nach der Hand seines Brudes. „Wag es nicht, mich hier allein zu lassen." Shens nächste Schicht begann erst um null siebenhundert. Solange würde er hier ausharren. Ob er das morgen bereuen würde, oder nicht. Kein Sanitäter wagte es, einen Klon von Bett seines Bruders zu vertreiben. Da war es einfacher, einem Bantha das Laufen auf zwei Beinen beizubringen.
Nach 2 Stunden und einer gefühlten Ewigkeit war es auf der Sanitätsstation erheblich ruhiger. Die Besucher waren verschwunden, die meisten Patienten schliefen, zwei spielten Karten, einer las auf einem Datapad. Zwischendurch war ein Klon mit einem gebrochenem Arm versorgt worden.
Zero trat an Easys Bett heran und überprüfte die Vitalzeichen und das Baktapflaster. „Sieht gut aus. Das wird schon." Er klopfte Shen auf die Schulter. „Ich habe jetzt Schichtende, Breaker übernimmt. Er ist besser, als sein Name vermuten lässt." Das klang nach einem Witz, den Zero wahrscheinlich ständig machte. Shen lächelte etwas gezwungen. Zero nahm einen Rationsriegel aus seine Gürteltasche und überreichte ihn an Shen. „Frag Breaker nach Wasser. Und leg dich ruhig auf ein leeres Bett. Du wirst schon wach werden, wenn sich was tut. Oder Breaker weckt dich."
Shen nickte. „Danke. Ich denke, ich bleibe noch eine Weile hier sitzen." Shen drehte sich nochmal um, als Zero Anstalten machte, zu gehen. „Wirklich Danke, Zero. Ich weiß das alles zu schätzen." Er winkte mit dem Rationsriegel. Zero grinste, wandte sich ab und verließ die Station.
Der kahlgeschorene Klonsoldat wurde wach, als sich etwas in seiner Hand regte. Als er aufwachte, brauchte er einen Moment zu realisieren, wo er war und warum. Die Sanitätsstation war sehr ruhig, bis auf den Schnarchen eines schlafenden Bruders. Das Licht war gedämpft worden. Jemand hatte ihm eine Decke übergelegt, obwohl er die volle Rüstung trug. Und Easy grinste ihn an.
Ein enormer Stein fiel ihm vom Herzen. Shen drückte Easys Hand.
„Du bist ein Idiot." Krächzte Easy.
„Warum?" fragte Shen verwirrt.
„Das ist doch unbequem." Easy rutschte vorsichtig beiseite, ohne den Alarm des Monitors auszulösen, der seine Vitalzeichen überwachte. Easy hob seine Decke an und grinste blöd.
„In Deckung!" befahl Easy. Shen schnaubte, folgte aber der Einladung.
Es war kein seltener Anblick, wenn zwei Klone ein Bett, oder eine Mahlzeit, oder sonst was teilten. Keiner würde sich wundern, einfach nur zwei Brüder sehen, die sich fast verloren hätten.
