Danke an alle, die meine Geschichte schon gelikt haben!


Neben der Presse, hatten sich auch unzählige Schaulustige auf den Zuschauerrängen des Gerichtssaals eingefunden, um Zeuge des langerwarteten Prozesses werden zu können. Antonin Dolohow hatte Rabastan einen Platz neben sich freigehalten.

„Ist sie schon da?", fragte Rabastan, als er sich setzte.

„Nein", sagte Dolohow.

Das gesamte Zaubertribunal hatte sich zusammengefunden. Pius Thicknesse, die Marionette des Dunklen Lords, die in dessen Auftrag den Posten des Zaubereiministers bekleidete, stand am Rednerpult. Hinter ihm saßen ungefähr dreißig Männer und Frauen in schwarzen Umhängen. Rabastan erkannte Dolores Umbridge, die erste Untersekretärin des Ministers, mit ihrer rosa Haarschleife auf dem Kopf. Die ganze Zeit über lächelte sie voller Genugtuung. Er hatte schon gehört, dass Hermine und ihre Freunde Umbridge in der Vergangenheit Ärger bereitet hatten. Es kursierte die Geschichte, dass das Granger-Mädchen dafür verantwortlich war, dass Umbridge eine Nacht in den Fängen einer Zentaurenherde verbringen hatte müssen. Dazu kamen der Einbruch ins Ministerium und der Diebstahl eines Medaillons, das Umbridge getragen hatte. Mit Sicherheit genoss sie es in vollen Zügen, dass ihrer verhassten, ehemaligen Schülerin der Prozess gemacht wurde.

Von ihrem Platz aus hatten die beiden Todesser einen guten Überblick über den gesamten Raum. Rabastan ließ seinen Blick über die Zuschauermenge gleiten. Er konnte nicht anders, als die Augen zu verdrehen, als er Rita Kimmkorn in der ersten Reihe erblickte. Die findige Zeitungsreporterin hatte augenscheinlich keine Mühen gescheut, sich bei den neuen Machthabern einzuschmeicheln und gut zu stellen. Rabastan konnte sich gut erinnern, wie sie vor etlichen Jahren angefangen hatte, zuerst für diverse Käseblätter und dann für den Tagespropheten zu arbeiten. Er kannte sie aus der Schule und wusste, dass sie für ein bisschen Aufmerksamkeit und eine gute Story nahezu alles tun würde. Während des ersten Krieges war sie in der Zeitung ein ums andere Mal mit Schmutzkampagnen gegen verschiedene Todesserfamilien aufgefahren. Nachdem sie aber jetzt selbstzufrieden zwischen ihren Reihen saß, hatten sich ihre Prioritäten offenbar geändert. Gespannt hielt sie ihren Schreibblock und eine Feder in der Hand und wartete auf ihre Gelegenheit, ein weiteres Menschenleben in den Schmutz zu ziehen und daraus Profit zu schlagen. Rabastan nahm sich vor, alsbald sein Abonnement des Tagespropheten zu kündigen.

Neben Rabastan und Dolohow waren auch einige andere Todesser als Zuschauer gekommen. Er war nicht überrascht, Thorfinn Rowle zu erblicken. Rowle hegte aufgrund der Geschichte in dem Café in der Tottenham Court Road immer noch einen gewissen Groll gegen Hermine Granger, weil sie sein Gedächtnis manipuliert und er dafür eine heftige Strafe vom Dunklen Lord bekommen hatte. Er unterhielt sich mit Travers, der eine Reihe unter ihm saß. Auch Travers hatte bereits mehrfach keine schöne Erfahrung mit Hermine Granger gemacht. Dass sie ihn in Gestalt von Bellatrix getäuscht hatte, ließ ihn auch heute noch vor Wut kochen, wie Rabastan genau wusste.

Allmählich fanden sich alle Leute auf ihren Plätzen ein und die lauten Unterhaltungen erstarben. Eine Seitentür neben der Tribüne, auf der das Tribunal saß, öffnete sich und zwei Auroren führten die Angeklagte herein.

„Da ist sie…", murmelte Rabastan.

Alle Blicke im Raum waren auf Hermine Granger gerichtet. Ihr braunes Haar war ungepflegt und struppig. Die übergroße Gefängniskleidung hing schlaff an ihrem Körper. Die beiden Auroren führten sie in die Mitte des Raumes, wo ein eiserner Stuhl stand. Sobald sie sich gesetzt hatte, bewegten sich die Ketten, die an den Armlehnen befestigt waren, klirrend von selbst und Fesseln legten sich um ihre Handgelenke. Der Anblick rief unangenehme Erinnerungen in Rabastan hervor. Es fühlte sich an, als wäre es erst gestern gewesen, als er, sein Bruder und Bellatrix an genau derselben Stelle Platz genommen hatten, wo jetzt Hermine Granger saß. Das Metall des Stuhles und der Ketten war eiskalt gewesen und heute noch durchfuhr ein kalter Schauer Rabastans Körper, wenn er daran dachte. Nur die Dementoren fehlten. Er war allerdings nicht traurig darüber, die scheußlichen Kreaturen nicht sehen zu müssen. Für den Rest seines Lebens, das hatte er sich nach seiner Flucht aus dem Gefängnis geschworen, würde er nie wieder in die Nähe eines Dementors kommen.

Thicknesse hielt sich seinen Zauberstab an den Hals, um seine Stimme magisch zu verstärken, dann verlas er die Anklageschrift.

„Hermine Jean Granger, Sie sind angeklagt..."

Rabastan hörte nicht zu. Sein Blick war nach wie vor auf Hermine Granger gerichtet, die teilnahmslos auf ihrem Platz saß. Sie erweckte den Eindruck, als bekäme sie überhaupt nicht mit, was um sie herum geschah, so als drängen die Worte des Ministers nicht zu ihr durch. Oder vielleicht ignorierte sie das falsche Spektakel auch bewusst. Ihr Gesicht war ausdruckslos und wie versteinert. Stur sah sie geradeaus. Rabastan fand, dass sie nicht gut aussah. Sie war dünn und blass und wirkte krank. Wahrscheinlich hatte man ihr seit ihrer Ergreifung übel mitgespielt. Er empfand beinahe Mitleid, als er das junge Mädchen dort unten sitzen sah. Aus der einst so tapferen Kämpferin war ein gebrochenes Häufchen Elend geworden. Alles an ihr, das damals den Wunsch in Rabastan geweckt hatte, sie kennenzulernen, war irgendwo in den vergangenen anderthalb Jahren seit ihrer Flucht verloren gegangen.

Ja, es stimmte, das musste sich Rabastan eingestehen, er hatte den Dunklen Lord darum gebeten, Hermine Granger als Belohnung zu bekommen, weil er fasziniert von dem Mädchen gewesen war. Er wollte sie unbedingt kennenlernen, wollte wissen, wer das Mädchen wirklich war, von der er so viele Geschichten gehört hatte. Schon damals bei dem Kampf in der Mysteriumsabteilung war er sehr beeindruckt von ihren Fähigkeiten gewesen. Dolohow zum Schweigen zu bringen und damit dessen tödlicher Waffe zu entgehen, war noch keinem anderen vorher gelungen. Selbst viele erwachsene Zauberer und Auroren hatten gegen die Todesser im Kampf verloren. Dass ein junges, minderjähriges Mädchen, das noch nicht einmal die Schule abgeschlossen hatte, solche Fähigkeiten besaß, hatte Eindruck bei Rabastan hinterlassen. Vor allem, wenn man bedachte, dass sie aus einer Muggelfamilie kam. Er brannte schon lange darauf, ihr endlich persönlich gegenüberstehen zu können. Nach seiner zweiten Inhaftierung in Askaban hatte ihr Gesicht ihn ständig in seinen Träumen verfolgt.

Hermine antwortete auf keine einzige Frage, die man ihr stellte. Rabastan, der selbst auf der Anklagebank gesessen hatte, konnte es ihr nachfühlen. Er selbst hatte auch nie auch nur ein einziges Wort vor Gericht ausgesagt, als er und seine Familie wegen des Verbrechens an den Longbottoms angeklagt gewesen waren. Es hätte nichts genützt. Die Beweislage war eindeutig gewesen und niemand hätte ihnen zugehört oder ihre Motive verstanden. Verbrechen war Verbrechen und nicht einmal die beste Verteidigung der Welt hätte ihnen helfen können. In Hermines Fall war es genauso. Das Mädchen tat besser daran, alles stillschweigend zu ertragen. So konnte sie sich zumindest etwas Ehrgefühl und Stolz bewahren. Hätte sie auch nur ansatzweise versucht, sich zu verteidigen, wäre sie dem Spott und der Häme des Gerichts und der gesamten Öffentlichkeit ausgesetzt gewesen. Am kommenden Tag war ohnehin Ritas Schmähschrift im ganzen Land zu lesen. Das bisschen Selbstachtung, das das Mädchen noch hatte, sollte sie davor bewahren, dass Kimmkorn die Gelegenheit bekam, auch noch ihre eigenen Worte zu verdrehen und zu entstellen.

„Zu welchem Urteil kommt das Tribunal?", fragte Thicknesse. „Wer stimmt für unschuldig?"

Keine einzige Hand ging nach oben. „Und wer stimmt für schuldig?"

Alle Hände gingen nach oben. Umbridge war die erste, die ihren Arm in die Luft streckte, und die letzte, die ihn wieder senkte. Rabastan schnaubte. Die Abstimmung hätte man sich schenken können. Es stand von Anfang an fest, dass man Hermine keinen fairen Prozess machen würde und ihr Urteil bereits bei ihrer Gefangennahme festgestanden hatte.

„Ausgehend von der Abstimmung des Tribunals verkünde ich hiermit folgendes Urteil: Hermine Jean Granger, Sie werden hiermit aller Verbrechen für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft in Askaban verurteilt."

Als Rabastan das Strafmaß hörte, zogen sich seine Augenbrauen zusammen. Dolohow musste seinen Gesichtsausdruck bemerkt haben, denn er legte ihm beschwichtigend eine Hand auf den Unterarm.

„Ruhig Blut, Rabastan. Das ist nur eine Schau für die Öffentlichkeit."

„Ich hoffe, du hast Recht. Der Dunkle Lord hat klare Anweisungen erteilt, dass ihr nichts geschehen darf."

„Warum interessiert dich das so sehr?", wollte Dolohow wissen. „Es kann dir doch gleichgültig sein, was mit ihr passiert."

Rabastan war sich nicht sicher, ob er seinem Freund die Wahrheit anvertrauen konnte. Andererseits war es schwierig, Antonin Dolohow etwas zu verheimlichen. Er entschied sich deshalb für einen Teil der Wahrheit. Niemand musste wissen, dass er ein persönliches Interesse an Hermine Granger hatte. Und erst recht musste niemand von seiner Bitte an den Dunklen Lord wissen.

„Der Dunkle Lord hat Pläne mit ihr. Deshalb soll ich sie zu mir nehmen. Ich soll sie… aufbewahren, bis der Dunkle Lord sie braucht."

Dolohow nickte. „Ich verstehe."

„Die Öffentlichkeit hat ihren Prozess bekommen. Jetzt bin ich an der Reihe."


Yaxley, der selbst im Zaubertribunal gesessen hatte, zog gerade die schwarze Robe aus und schlüpfte in seinen eigenen Umhang, als Rabastan ihn in seinem Büro fand.

„Rabastan Lestrange, was für eine Überraschung", sagte Yaxley und sie schüttelten sich die Hände. „Was führt dich hierher?"

Rabastan hatte sich mit Yaxley immer sehr gut verstanden. Er hätte den Leiter der magischen Strafverfolgung nicht als einen Freund bezeichnet, doch waren sie immer gut miteinander ausgekommen. Im Gegensatz zu vielen anderen Todessern, empfand Yaxley gegenüber Rabastan keine Feindseligkeit, weil dieser in der Gunst des Dunklen Lords einen hohen Stellenwert hatte.

„Ich habe den Prozess gesehen", erklärte Rabastan. „Eine gelungene Inszenierung."

„Ah, ich verstehe. Du warst also da. Hat es dir gefallen?"

Rabastan lachte leise auf.

„Wegen was bist du hier?", wollte Yaxley wissen.

Rabastan stellte sicher, dass die Tür geschlossen war und niemand mithören konnte. „Der Dunkle Lord hat mir Anweisungen erteilt."

Yaxleys Miene wurde sofort sehr ernst. „Um was geht es?"

„Hermine Granger. Wo ist sie jetzt?", wollte Rabastan wissen.

„Du hast doch das Urteil gehört. Sie ist gerade auf dem Weg nach Askaban", erklärte Yaxley.

„Der Dunkle Lord hat befohlen, dass ihr nichts geschehen darf", erinnerte Rabastan seinen Todesserkollegen.

„Sie ist unversehrt. Niemand hat sie angerührt."

Rabastan wurde ungeduldig. „Der Dunkle Lord hat angewiesen, dass sie in meine Obhut kommt. Wieso wird sie nach Askaban gebracht?"

„Rabastan, sie war die Unerwünschte Nummer 1. Man hat seit dem Ende der Schlacht wegen Widerstandes gegen die Regierung nach ihr gesucht und natürlich wollte man ein Exempel an ihr statuieren, um dem Widerstand zu schaden. Was hast du denn erwartet?" Yaxley blickte ihn voller Unverständnis an. „Sie wird medienwirksam zur Insel gebracht, damit die Presse ein paar schöne Fotos machen kann. Was danach mit ihr passiert, ist mir einerlei."

Rabastan wusste nicht, was er sagen sollte. Er schüttelte den Kopf. „Schon gut. Wann kann ich zu ihr?"

„Sie muss ein paar Tage dort bleiben. Ich werde selbst mit dem Dunklen Lord Rücksprache halten und die Sache klären", sagte Yaxley. „Wenn es war ist, was du sagst und daran habe ich keinen Zweifel, werden etliche Leute sehr… ungehalten sein."

Rabastan dachte an Dolores Umbridge, die sich vermutlich diebisch über das Urteil freute. Mit Sicherheit wünschten sich viele, dass das Schlammblut in Askaban sterben sollte. Es war nicht unwahrscheinlich, dass ihre Befreiung Unmut in der Bevölkerung nach sich ziehen würde. Die Familie Lestrange war innerhalb der Zauberergemeinschaft mächtig und hochangesehen und konnte dem Mädchen den nötigen Schutz bieten, wenn es sein musste. Außerdem handelte Rabastan auf Geheiß des Dunklen Lords. Niemand konnte sich dagegen stellen. Rabastan war sich jedoch einer anderen Sache durchaus bewusst, die man nicht leugnen konnte. Wenn es öffentlich bekannt wurde, und er hatte keinen Zweifel daran, dass dies bald der Fall sein würde, dass Hermine Granger in seinem Haus lebte, dann war es durchaus möglich, dass er selbst bei vielen, die das Mädchen im Gefängnis sehen wollten, in Ungemach fallen würde.

„Ich werde alles Nötige in die Wege leiten", sagte Yaxley. „Danach kannst du sie meinetwegen haben."

„Gut." Rabastan wandte sich zum Gehen.

„Hat dir der Dunkle Lord verraten, was er mit ihr vorhat?"

Rabastan, der gerade seine Hand auf den Türgriff gelegt hatte, hielt inne. „Nein. Die Pläne des Dunklen Lords sind manchmal unergründlich. Auch mir teilt er nicht alles mit. Beeil dich, Yaxley. Das Mädchen sah krank aus. Ich möchte sie schnell bei mir Zuhause wissen."

Yaxley nickte. „Was hast du für ein Interesse an ihr? Sag mir ja nicht, dass du dir Sorgen um ein Schlammblut machst."

„Es gibt gewisse Dinge zwischen uns, die noch geklärt werden müssen", sagte Rabastan schlicht. „Der Einbruch bei Gringotts", fügte er hinzu, dann schritt er hinaus.


Es dauerte fast eine ganze Woche, bis Rabastan eines Morgens eine Eule von Yaxley bekam, mit der Bitte, ihn in Askaban zu treffen. Ungeduldig hatte Rabastan die Nachricht erwartet. Eine Woche war seit dem Prozess vergangen und mittlerweile war es still um Hermine Granger geworden. Begierig hatte die Zaubererwelt die Meldungen von der Gefangennahme und Verurteilung aufgesogen, nur um schon kurz darauf das Interesse daran zu verlieren. Rabastan hoffte, dass ihm das zugutekommen würde.

Glücklicherweise musste Rabastan nicht mit dem Boot zur Insel übersetzen, wie Gefangene und Besucher es normalerweise taten, denn ein heftiger Schneesturm fegte über das Land. Er traf Yaxley in der Eingangshalle des Ministeriums und durfte mit ihm apparieren.

Wie immer war das alte Gemäuer zugig und kalt, doch in diesem Winter, der besonders viel Schnee und eisige Kälte über Großbritannien gebracht hatte, war es unerträglich. Rabastan musste sich Handschuhe anziehen, als sie die Treppen nach oben ins vierte Stockwerk erklommen, wo Hermine Granger in einer Einzelzelle untergebracht war. Sein Atem gefror in der kalten Luft und er fröstelte. Sein Vorsatz, nie wieder in die Nähe eines Dementors zu kommen, wurde zunichte gemacht, als sie durch die von zwei der Kreaturen flankierte Eisentür schritten und den Zellentrakt betraten.

Rabastan musste sich zur Ruhe mahnen, als er den kahlen, dunklen Gang und die vielen Zellentüren im Hochsicherheitstrakt sah. Es war genau derselbe Gang, in dem er und seine Familie selbst einst gefangen gewesen waren. Die Dementoren und der Anblick riefen schmerzliche Erinnerungen bei ihm hervor und er musste sich zusammenreißen, nicht von seinen Emotionen überwältigt zu werden. Er verbarg seine Gedanken und Gefühle mithilfe von Okklumentik in seinem Inneren und folgte Yaxley.

Sie hielten bei der letzten Zelle auf der rechten Seite. Yaxley nahm seinen Zauberstab und entriegelte das magische Schloss, sodass er die Tür öffnen konnte.

„Hier ist sie."

„Wie geht es ihr seit sie hier ist?", wollte Rabastan wissen.

„Sie isst seit ihrer Ankunft nichts", erklärte Yaxley, „und sie ist krank."

Durch das schmale Fenster drang etwas Licht in die dunkle Zelle. Draußen tobte ein Schneesturm und ein paar Flocken wirbelten in den winzigen Raum. Es gab eine Toilette, ein Waschbecken und eine einfach Pritsche als Bett. Hermine Granger lag zusammengekrümmt und leblos in der Ecke unter ihrem spärlichen Bett. Es versetzte Rabastan einen Stich, als er das junge Mädchen in so miserablem Zustand sah. Er ging neben ihr in die Hocke und betrachtete sie näher. Sie atmete flach, so als bekäme sie schwer Luft, und zitterte. Sie fror und ihre Stirn glänzte vor Schweiß. Immer wieder hustete sie stark. Es war offensichtlich, dass sie krank war. Unweigerlich wurde Rabastan an seine eigene Zeit in Askaban erinnerte. Er hatte sehr oft gesehen, wie Menschen hier krank und von der Kälte gebrochen wurden. Er wusste, dass, wenn sie weiter in der kalten Zelle im Gefängnis verbleiben würde, sie die nächste Woche wahrscheinlich nicht überleben würde.

„Yaxley, hilf mir mal."

Zusammen zogen sie das Mädchen unter dem Bett hervor. Behutsam und vorsichtig griff Rabastan mit einem Arm unter ihre Knie, den anderen legte er um ihre Schultern und hob sie vom Boden auf. Ihr Körper brauchte so verzweifelt Wärme, dass sie sofort die Nähe zu ihm suchte und sich an seine Brust schmiegte. Ihr Husten war rasselnd und bellend. Ihre Augenlider öffneten sich ein Stück und für einen Moment trafen sich ihre Blicke. Ihre Augen waren glasig und sie musterte Rabastan mit leerem Blick, bis sie schließlich wieder in die Bewusstlosigkeit glitt. Sie hatte nicht realisiert, in wessen Armen sie lag.

Rabastan wusste, dass er schnell handeln musste. Sie war so stark abgemagert, dass er ihre Schulterblätter und die Knochen ihrer Wirbelsäule selbst durch seinen Umhang spüren konnte. Ihr Gesicht war eingefallen und ihre Wangenknochen traten stark hervor. Sie war glühend heiß vor Fieber.

„Warum hat sich niemand um sie gekümmert? Sie glüht ja!", schimpfte Rabastan.

„Nimmst du sie jetzt mit?", fragte Yaxley.

„Ja", sagte Rabastan. „Sie muss hier raus."

„Was hast du denn genau mit ihr vor?"

„Ich nehme sie erst mal mit nach Hause, dass sie gesund wird. Dann sehen wir weiter."


Ungeduldig ging Rabastan vor dem Gästezimmer auf und ab und wartete auf die Heilerin, die gerade bei Hermine Granger war. Seit er mit dem Mädchen aus Askaban zurückgekehrt war, war bereits eine Stunde vergangen. Rabastan kam jede Minute unerträglich lang vor. Seine Hoffnung schwand mit jedem Augenblick und er befürchtete schon, dass die Heilerin ihm gleich mitteilen würde, dass das Granger-Mädchen es nicht geschafft hatte.

Als die junge Heilerin aus dem Zimmer trat und die Tür hinter sich schloss, fing Rabastan sie sofort ab.

„Wie steht es um Hermine Granger?", fragte er offen heraus. „Wie geht es ihr?"

„Ich habe ihr Tränke gegeben und sie schläft jetzt", erklärte die junge Frau. „Ich will offen mit Ihnen sein, Mr. Lestrange. Wenn Sie sie nicht da rausgeholt hätten, dann… hätte sie wahrscheinlich das Ende der Woche nicht mehr erlebt."

„Verdammt", murmelte Rabastan. „Wird sie durchkommen?"

„Sie hat eine schwere Lungenentzündung und sehr hohes Fieber", erklärte die Heilerin. „Außerdem ist sie unterernährt. Sie ist in einem miserablen körperlichen Zustand. Sie haben ja gesehen, wie abgemagert sie ist. Sie hat keine Substanz, auf die sie zurückgreifen kann. Die nächsten Tage werden entscheiden, ob sie es schafft. Wenn sie aufwacht, muss sie unbedingt etwas zu sich nehmen. Und sie muss an Gewicht zulegen."

„Ich werde den Hauselfen gleich Bescheid sagen", sagte Rabastan. „Sie sollen ihr etwas zu Essen geben."

„Ich kann nichts versprechen", sagte die Heilerin weiter. „Sie ist eine Kämpferin. Hoffen wir, dass sie ihren Kampfgeist noch nicht verloren hat."

Die Heilerin überreichte Rabastan eine Schatulle mit kleinen Glasphiolen, die alle mit starken Heiltränken gefüllt waren, dann verabschiedete sie sich. Rabastan blieb alleine zurück. Er rief die Hauselfen zu sich und ordnete an, dass sie Hermine etwas kochen und ihr das Essen, wenn sie aufwachte, auf ihr Zimmer bringen sollten. Die Hauselfen verbeugten sich tief und machten sich sofort in der Küche an die Arbeit.

Jetzt hieß es abwarten und hoffen.