Das Licht, das durch das Fenster hereinströmte, war unerträglich hell und jedes kleinste Geräusch bereitete ihr Höllenqualen. Als Hermine am nächsten Morgen die Augen aufschlug, hatte sie das Gefühl, ihr Kopf würde gleich platzen. Mühevoll quälte sie sich aus dem Bett und ging ins Bad, wo sie sich kaltes Wasser ins Gesicht spritze. Sie trug immer noch ihr Kleid vom gestrigen Abend, nur war es nach der Nacht völlig verknittert. Ihre Haare waren nur ein wildes Durcheinander. Irgendwer musste ihr die Kette abgenommen und die Schuhe ausgezogen haben. Sie hatte keine Ahnung, wie sie vom Esszimmer in ihr Zimmer und ins Bett gekommen war und wenn sie ehrlich war, wollte sie es auch gar nicht genau wissen.
Was sie jedoch noch ziemlich genau wusste, war, wie viel Alkohol sie getrunken und wie blöde sie sich in Gesellschaft der Todesser aufgeführt hatte. Sie konnte nicht fassen, wie sehr sie sich hatte gehen lassen. Das musste der peinlichste Abend ihres Lebens gewesen sein. Was man jetzt von ihr dachte, was Rabastan Lestrange jetzt von ihr dachte, wollte sie sich gar nicht ausmalen. Sobald sie aus dem Zimmer trat, musste sie ihm wahrscheinlich Rede und Antwort stehen.
Hermine war der vergangene Abend so peinlich, dass sie es kaum wagte, einen Schritt auf den Flur draußen zu setzen. Ihr Kopf dröhnte so stark, dass sie sich nur im Schneckentempo fortbewegen konnte. Nachdem sie sich gemütlichere Kleidung angezogen und sich gewaschen hatte, lugte sie vorsichtig aus dem Zimmer. Von unten war nichts zu hören.
Rabastan saß im Salon und las die Zeitung, als Hermine langsam in den Raum schlich. Wie ihr die Uhr auf dem Kaminsims verriet, war es schon weit nach Mittag. Sie hatte den halben Tag verschlafen.
„Guten Tag", sagte er grinsend und faltete den Tagespropheten zusammen. „Wie ich sehe, haben Sie Ihren Rausch ausgeschlafen."
Seine überschwänglichen Worte klangen wie dumpfe Hammerschläge in Hermines Kopf. Mit schmerzverzerrtem Gesicht griff sie sich an ihre Schläfen.
„Oh weh, da ist aber jemand verkatert. Ich hatte mir schon sowas gedacht, deshalb habe ich Ihnen einen Trank besorgt", sagte Rabastan und zog eine kleine Glasphiole aus seiner Umhangtasche. Er entkorkte sie und reichte sie Hermine.
„Was ist das?", presste sie mühevoll hervor.
„Ein Trank gegen die Kopfschmerzen."
Hermine schluckte den bitteren Trank in einem Zug hinunter. Vor Ekel verzog sie das Gesicht. Augenblicke später jedoch ließen ihre Schmerzen schon nach.
„Das funktioniert ja wirklich!", sagte sie überschwänglich. Sie fühlte sich wie neu geboren.
„Geht's Ihnen besser?", fragte Rabastan.
„Viel besser!" Verlegen sah sie nach unten und sagte kleinlaut: „Danke schön."
„Keine Ursache", meinte der Todesser nur. „Sie sollten vielleicht etwas essen. Gehen wir rüber ins Esszimmer. Ich gebe den Hauselfen Bescheid."
Kurz darauf machte sich Hermine gierig über eine Portion Rührei her. Rabastan leistete ihr am Tisch Gesellschaft. Zuerst las er noch die Zeitung, doch nach einiger Zeit legte er sie beiseite und betrachtete Hermine von der Seite. Er grinste.
„Ich muss schon sagen, Sie überraschen mich immer wieder, Ms. Granger."
Hermines Wangen wurden heiß. Plötzlich war ihr der Appetit vergangen und sie legte ihre Gabel beiseite.
„Das hätte ich wirklich nicht von Ihnen gedacht", meinte der Todesser sichtlich amüsiert.
„Sind Sie böse auf mich?", fragte Hermine kleinlaut.
Rabastan lächelte. „Nein, bin ich nicht." Er lachte leise auf.
„Ich hab mich… vollkommen daneben benommen, oder?"
„Ach, das würde ich jetzt nicht so streng sehen", meinte Rabastan ironisch. „Ja, haben Sie. Es war verdammt peinlich, allerdings weniger für Sie als für mich."
„Tut mir so leid", sagte Hermine schuldbewusst. „Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist. Ich trinke normalerweise keinen Alkohol. Ich hab mich da irgendwie… hinreißen lassen."
„Schon gut. Ich darf Ihnen sagen, dass Sie für viel Erheiterung am Tisch gesorgt haben."
Hermine begrub peinlich berührt das Gesicht mit den Händen. „Oh, nein! Ich hab doch nichts… Peinliches gesagt oder getan?"
„Nun ja... Nein, eigentlich nicht", sagte Rabastan, doch sein Grinsen verriet ihr, dass er wohl nicht ganz die Wahrheit sagte. „Diesen Geburtstag werde ich so schnell wohl nicht vergessen. Nehmen Sie es mir nicht übel, aber sollten Sie uns wieder einmal bei einem Abendessen Gesellschaft leisten, dann werden Sie Wasser trinken."
Bei diesem Stichwort fiel Hermine etwas ein. Erschrocken sah sie Lestrange an. „Was ist denn mit Amycus Carrow? Geht's ihm gut? Hat er nicht eine Flasche Allzweckreiniger getrunken?"
Rabastan lachte laut auf. „Ihm geht's gut, keine Sorge!" Er konnte kaum noch aufhören zu lachen.
Hermine ging hinter ihrer Serviette in Deckung. „Oh weia…"
„Machen Sie sich nichts draus, Hermine, wir hatten alle mal unseren ersten Rausch."
„Aber mir fällt gerade noch etwas anderes ein", sagte Hermine. „Ähm, ich… Ich hab Travers gefragt, warum er nur Wasser trinkt. Ich hab irgendwie das Gefühl, dass ich damit in ein ziemlich großes Fettnäpfchen getreten bin. Bin ich?"
Rabastan schien nach den richtigen Worten zu suchen. „Ich hab mich heute Morgen extra nochmal bei ihm entschuldigt, aber er hat gesagt, es ist in Ordnung. Machen Sie sich keine Vorwürfe, Hermine, Sie konnten das nicht wissen. Ich hätte es Ihnen vielleicht vorher sagen sollen."
„Und was genau?"
„Travers trinkt keinen Alkohol, weil… er trocken ist."
Das hätte Hermine nicht erwartet. „Das heißt, er war mal…"
„Ja. Travers war Alkoholiker, allerdings ist das über 20 Jahre her."
„Was… was ist passiert?"
„Das… soll er Ihnen irgendwann mal selbst erzählen."
„OK. Ich muss mich bei ihm wohl bei Gelegenheit entschuldigen, fürchte ich. Wie bin ich denn eigentlich ins Bett gekommen? Ich kann mich nicht erinnern, dass ich nach oben gegangen bin."
„Ach… Antonin und ich haben Sie nach oben gebracht", erklärte Rabastan. „Sie haben ihn und mich zu sich ins Zimmer eingeladen…" Hermine starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an, was ihn abermals zum Lachen brachte. „Er hat das Angebot dankend abgelehnt. Ich habe Ihnen dann die Kette abgenommen und die Schuhe ausgezogen."
„Verstehe."
„Sie haben mich aufgefordert…"
„Was?!"
„Ach nichts, schon gut."
Hermine wollte noch etwas sagen, als plötzlich ein Kratzen vom Fenster ertönte. Eine Eule mit einem Brief saß auf dem Fensterbrett.
„Na endlich", sagte Rabastan, erhob sich und öffnete seiner Eule das Fenster. „Hat er vielleicht endlich mal geantwortet."
Er kehrte mit seiner Eule an den Tisch zurück. Während die Eule an einem Stück Toast knabberte, nahm ihr Rabastan den Brief ab und entrollte das Pergament. Er sah kurz auf das Geschriebene, doch dann legte er die Nachricht nachdenklich beiseite. Sorge stand in sein Gesicht geschrieben. Hermine fiel sofort auf, dass etwas nicht stimmte.
„Was ist passiert?", fragte sie. „Irgendetwas Schlimmes?"
„Das ist der Brief, den ich Rodolphus geschrieben habe", sagte Rabastan und zeigte Hermine das Pergament. Tatsächlich war der Brief an Rabastans älteren Bruder adressiert.
„Die Eule hat meinen Brief zurückgebracht. Das heißt, Rodolphus hat ihn nicht mal angenommen." Er schüttelte den Kopf. „Irgendwas ist da nicht in Ordnung." Er erhob sich sofort. „Ich werde Sie wohl für einige Zeit alleinlassen müssen. Wenn Sie irgendetwas brauchen, dann rufen Sie bitte die Hauselfen. Ich werde zu meinem Bruder gehen und nach dem Rechten sehen. Es sollte nicht lange dauern", erklärte er Hermine, dann eilte er schon hinaus und ließ sie allein am Tisch sitzen.
Schon als Rabastan die lange Zufahrt zum Anwesen seines Bruders hinunterging, beschlich ihn das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmte. Auch wenn er und sein Bruder die letzten Monate kaum miteinander gesprochen hatte, war es doch äußerst ungewöhnlich für Rodolphus, nicht auf Briefe zu antworten und sie sogar ungeöffnet zurückzuschicken.
Als Rabastan die Eingangshalle betrat, fiel ihm sofort auf, dass ihn kein Hauself begrüßte. Das Haus war ungewöhnlich still und es war auf den ersten Blick zu erkennen, dass seit etlichen Wochen niemand mehr Ordnung gehalten hatte. Eine dünne Staubschicht hatte sich auf die Möbel gelegt. Obwohl es durch den wolkenverhangenen Himmel draußen recht düster war, hatte sich niemand die Mühe gemacht, das Licht einzuschalten. Instinktiv zog Rabastan seinen Zauberstab. Irgendetwas versetzte ihn in Alarmbereitschaft. Wenn er sich auf eines verlassen konnte, dann auf seine exzellente Intuition, die während seines Todesserdaseins geschult worden war.
Langsam schritt er die Räume im Erdgeschoss ab und horchte auf jedes Geräusch, doch er wurde nicht fündig. Die Einrichtung war so, wie sie immer war. Nichts fehlte, nichts war beschädigt. Er fand nur ein paar benutzte Gläser. Erleichterung durchströmte Rabastan, der schon an das Schlimmste gedacht hatte. Offenbar war niemand gewaltsam eingedrungen und es war auch nicht zu einem Kampf gekommen. Es blieb nur die Frage, wo Rodolphus war.
Rabastan versuchte es als nächstes im Obergeschoss in der Bibliothek, von der er wusste, dass sein Bruder dort oft anzutreffen war, doch auch dort fand er den älteren Lestrange nicht. Der Raum sah im Gegenteil eher danach aus, als hätte ihn seit einer Ewigkeit niemand mehr betreten. Auf dem Gang im ersten Stock fand er eine leere Flasche Feuerwhiskey und etliche leere Glasfläschchen, in denen Zaubertränke aufbewahrt worden waren.
„Rodolphus?!", rief er. „Wo bist du?" Er erhielt keine Antwort.
„Homenium Revelio!", sagte Rabastan schließlich, um nicht weiter sinnlos zu suchen. Es befand sich tatsächlich eine Person im Anwesen – in einem Schlafzimmer in der Nähe.
„Rodolphus, ich bin's", sagte Rabastan etwas ungeduldig, als er die Tür zu dem Zimmer aufstieß. „Warum antwortest du nicht? Rodolphus?"
Er konnte nicht weiterreden, denn in diesem Moment stieg ihm ein beißender Geruch von Alkohol und Erbrochenem in die Nase. Rodolphus Lestrange lag bewusstlos auf dem Boden, flankiert von allerlei leeren Flaschen und Glasphiolen. Augenscheinlich hatte er sich mehrfach übergeben, bevor er die Besinnung verloren hatte. Eine noch halbvolle Weinflasche hatte ihren Inhalt über den Teppich vergossen. Rabastans Herz setzte für einen Moment aus, als er seinen Bruder in diesem Zustand auf dem Boden liegen sah.
„Rodolphus!" Sofort ging er neben seinem Bruder in die Hocke und fühlte seinen Puls. Mit Schrecken dachte er schon, er sei tot, doch dann spürte er erleichtert die schwachen, aber regelmäßigen Pulsschläge am Hals.
„Verdammt!", knurrte er verärgert und rief abermals nach den Hauselfen, doch niemand kam. Schließlich eilte er zum nächstgelegenen Kamin und rief mit Flohpulver Heiler aus dem St. Mungo- Hospital. Rodolphus wurde sofort ins Krankenhaus gebracht. Bevor er selbst nach London apparierte, rief er seine eigene Hauselfe herbei und befahl ihr, das Chaos im Schlafzimmer zu beseitigen.
Nervös wartete Rabastan auf dem Gang der Station, bis endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, die ihm unerträglich vorgekommen war, die Heilerin aus dem Patientenzimmer kam.
„Und? Was ist mit meinem Bruder?", fragte er sofort.
Das Gesicht der Heilerin war ernst. „Der Zustand Ihres Bruders ist stabil, Mr. Lestrange. Er wird es überstehen."
Rabastan atmete auf. „Merlin sei Dank", sagte er und die Erleichterung war ihm sichtlich anzumerken. „Was war denn mit ihm los? Er lag da einfach auf dem Boden und… Es ist doch hoffentlich nichts Ernstes?"
Die Heilerin antwortete nicht sofort. „Das kommt natürlich darauf an, wie man es betrachtet."
„Das heißt was?"
„Ihr Bruder hatte eine Alkoholvergiftung. In seinem Blut haben wir darüber hinaus noch etliche andere Sachen gefunden", erklärte die Heilerin. „Er muss wohl ein paar Tränke durcheinander eingenommen haben. Wir haben seinen Magen ausgeräumt und ihm einen Trank gegeben, damit sein Körper den Alkohol und das Gift schneller abbauen kann."
Rabastan wusste nicht, ob er sich über diese Erklärung freuen sollte. Einerseits war er froh und über die Maßen erleichtert, dass Rodolphus nicht Schlimmes passiert war, andererseits war die Situation überaus beschämend und warf kein gutes Licht auf die Familie Lestrange. Dazu war Rabastan einfach nur fassungslos, dass sein Bruder offenbar derart die Kontrolle verloren hatte. Warum sollte er so viel trinken und noch dazu wahllos Zaubertränke einnehmen? Rabastan wurde daraus nicht schlau.
„Und wie geht es ihm jetzt?"
„Er braucht Ruhe, aber in paar Tagen wird sich sein Zustand gebessert haben. Er schläft jetzt. Ich denke, Sie können morgen schon zu ihm und mit ihm reden."
„OK, gut. Ich werde morgen da sein", sagte Rabastan, der nicht mehr viel zu sagen wusste. „Ich hätte noch eine Bitte. Behandeln Sie das mit Diskretion. Vielen Dank."
Er wollte schon gehen, als die Heilerin ihn zurückhielt.
„Ja?"
„Mr. Lestrange, ich würde gerne mit Ihnen über Ihren Bruder sprechen. Würden Sie mich in mein Büro begleiten?"
Das Büro der Heilerin war am Eingang zur Station. Sie schloss hinter Rabastan die Tür und bot ihm den Stuhl vor ihrem Schreibtisch an.
„Was wollen Sie mit mir besprechen?", fragte Rabastan.
„Mr. Lestrange, Ihrem Bruder geht es nicht gut, das ist offensichtlich", sagte die Heilerin ernst. „Die Alkoholvergiftung ist die eine Sache, das wird schnell vergessen sein, doch mir scheint, dass er auch persönlich ein paar Probleme hat. Probleme einer etwas anderen Art, die nicht einfach mit Heiltränken gelöst werden können."
Rabastan starrte die Frau an. Er konnte nichts sagen.
„Trinkt er schon länger viel Alkohol?", wollte die Heilerin wissen.
„Ja." Rabastans Mund war plötzlich trocken.
„Er hatte neben dem Alkohols auch noch ein paar Tränke durcheinander eingenommen. Deren Wirkung zusammen hätte gefährlich werden können. "
„Was wollen Sie damit sagen?", fragte Rabastan plötzlich laut. Er war erbost und er empfand die Andeutung der Heilerin als persönlichen Angriff.
„Die Wirkung der Zaubertränke zusammen war hochgiftig, vor allem auch mit dem hohen Alkoholpegel, den Ihr Bruder im Blut hatte. Um das zu erkennen, muss man kein Ass in Zaubertränke sein. Er hatte sehr viel Glück, dass er sich übergeben musste. Das hat die schädlichen Auswirkungen vermindert und ihm wahrscheinlich das Leben gerettet."
Rabastan fand keine Worte. Was wollte ihm die Heilerin damit sagen?
„Rodolphus hätte…"
„Ja, Mr. Lestrange. Ich will offen mit Ihnen sein. Wenn Sie Ihren Bruder nicht noch rechtzeitig gefunden hätten, dann hätte er diesen Rausch mit Sicherheit nicht überlebt."
Rabastans Gedanken rasten. Allmählich dämmerte es ihm. Die unbeantworteten Briefe, der viele Alkohol, das Gift. „Wollen Sie damit sagen, dass mein Bruder… Dass Rodolphus versucht hat…"
„Ja. Es sieht für mich ganz danach aus, als hätte Ihr Bruder versucht, sich das Leben zu nehmen."
„Nein…" Rabastan konnte, nein, wollte das nicht glauben. Das war nicht sein Bruder. „Das würde er niemals tun. Mein Bruder wollte sich nicht umbringen!", widersprach er. Er empfand diese Unterstellung als Beleidigung. Was erlaubte sich die Heilerin, so etwas zu behaupten? Am liebsten hätte Rabastan sie angeschrien. Doch er saß nur da und brachte kein Wort heraus. Und eine leise Stimme in seinem Hinterkopf sagte ihm, dass sie Recht hatte. Die bittere Erkenntnis traf ihm wie ein schwerer Schlag in den Magen und brachte seine Welt ins Wanken.
„Wenn ich nicht hingegangen wäre, dann…"
Was, wenn er ein paar Stunden länger gewartet hätte? Was, wenn er Tage gewartet hätte?
„Mr. Lestrange, könnten wir bitte mal über Ihren Bruder sprechen? Diese Angelegenheit hat einen Hintergrund, nehme ich an?"
Rabastan konnte ihr kaum zuhören. Gedanklich spielte er alle möglichen schrecklichen Szenarien durch, die hätten eintreten können. Schuldgefühle und Scham überkamen ihn. Warum hatte er nicht früher gehandelt? Er war noch wütend auf Rodolphus gewesen, weil dieser ihm nicht geantwortet hatte.
„Der Zustand Ihres Bruders ist doch nicht erst seit gestern so, oder?", deutete die Heilerin an. „Es geht ihm schon länger nicht gut, nicht wahr? Man sieht ihn seit über einem Jahr nicht mehr in der Öffentlichkeit, ist mir aufgefallen."
Rabastan nickte. „Ja, das stimmt. Er hat sich sehr zurückgezogen. Selbst mit mir hat er kaum noch Kontakt. Ich habe ihm in der letzten Zeit immer wieder Briefe geschrieben, aber er hat nie geantwortet. Heute Morgen kam die Eule mit einem Brief zurück, den ich ihm geschrieben hatte. Deshalb bin ich hin. Ich wollte sehen, ob alles in Ordnung ist", sagte Rabastan wie mechanisch. Er fühlte sich plötzlich erschöpft.
„Wann hat das angefangen?"
Rabastan atmete tief durch. Die Situation war ihm mehr als unangenehm. „Es hat ein paar Monate nach der Schlacht von Hogwarts angefangen", sagte er schließlich schweren Herzens. „Zuerst dachte ich, es wäre alles in Ordnung, aber mit der Zeit… Rodolphus hat viel getrunken und sich sehr zurückgezogen. Ich wollte mit ihm reden, aber… Er hat abgeblockt und irgendwann haben wir uns nur noch gestritten. Dann riss der Kontakt zwischen uns praktisch ab. Er wollte niemanden mehr sehen. Ich habe ihm immer wieder Briefe geschrieben, um mich mit ihm auszusöhnen, aber…"
Wenn Rabastan doch nur geahnt hätte, wie schlecht es seinem Bruder wirklich gegangen war. Jetzt, da die Heilerin ihn so direkt fragte, war alles so sonnenklar. Wie blind war er doch gewesen.
„Haben Sie eine Erklärung dafür? Was könnte der Grund dafür sein?", wollte die Heilerin wissen.
Rabastan überlegte. „Mein Bruder wurde… in der Schlacht, aber auch schon davor schwer verletzt und hat bleibende Schäden zurückbehalten. Er kann seitdem nicht mehr viel machen. Er sitzt nur die ganze Zeit allein in seinem Haus und…" Rabastan brach ab.
„Und?", hakte die Heilerin nach.
Rabastan hatte verstanden. Ihm war etwas klar geworden. „Ich vermute, dass es der Tod seiner Frau, meiner Schwägerin, war", sagte er schließlich.
Die Heilerin nickte. „Ich verstehe. Ja, ich erinnere mich. Ich hörte, dass Madame Lestrange bei der Schlacht ums Leben kam. Mein Beileid natürlich."
„Danke."
„Es könnte durchaus sein, dass Ihr Bruder den Tod seiner Frau nicht richtig verarbeiten und damit fertig werden kann. Das wäre eine plausible Erklärung für seinen Zustand. Wenn er aufwacht, dann werde ich mit ihm sprechen. Sie müssen sich bewusst sein, dass er definitiv Hilfe benötigt. Daran führt kein Weg vorbei."
„Ich habe es doch versucht", entgegnete Rabastan. „Ich habe immer versucht, für ihn da zu sein und ihm zu helfen, als ich gemerkt habe, dass es ihm nicht gut geht. Aber er hat das nicht angenommen. Und ich… ich weiß gar nicht, was ich tun soll."
„Mr. Lestrange", sagte die Heilerin ernst, „es ist gut, wenn Sie für Ihren Bruder da sind, denn Unterstützung durch die Familie ist sehr wichtig. Allerdings spreche ich nicht davon, dass seine Angehörigen ihm helfen sollen."
„Was meinen Sie damit?", fragte Rabastan, der sich nicht sicher war, wohin das Gespräch führte.
„Ich meine professionelle Hilfe", erklärte die Heilerin. „Ihr Bruder muss zu einem Heiler in eine Therapie gehen. Er muss vom Alkohol weg und braucht psychologische Betreuung."
Rabastan konnte darauf nichts erwidern. Er wusste, dass die Heilerin Recht hatte.
„Hören Sie, ich kenne eine sehr gute Heilerin, die hier in London ihre Praxis hat." Die Heilerin überreichte Rabastan eine Visitenkarte. „Sie hat leider eine sehr lange Warteliste, aber ich bin mir sicher, dass sie Ihrem Bruder helfen kann. Bisher habe ich nur Positives von ihr gehört. Viele Patienten haben sie schon empfohlen."
Etwas zögerlich nahm Rabastan die Visitenkarte und las den Namen.
„Wenn Ihr Bruder aufwacht, werde ich mit ihm darüber sprechen", fuhr die Heilerin fort. „Ich werde der Heilerin heute noch eine Eule schicken und ihr die Dringlichkeit der Situation schildern. Vielleicht hat sie aktuell ein paar Termine frei."
„Danke", sagte Rabastan, der sich völlig hilflos fühlte. „Was soll ich denn tun? Ich würde meinem Bruder gerne helfen."
„Das können Sie. Versuchen Sie, für Ihren Bruder da zu sein", riet ihm die Heilerin. „Er braucht jetzt den Rückhalt aus seiner Familie. Ich halte es für problematisch, wenn er weiterhin allein in diesem Anwesen lebt. Er sollte nicht allein bleiben, erst recht nicht in einem Haus, das ihn in jedem Winkel an seine verstorbene Frau erinnert."
„Ja, das ist wahr."
„Kann er einige Zeit bei Ihnen unterkommen?"
„Ja, natürlich, das ist kein Problem. Ich lebe in unserem Elternhaus", sagte Rabastan. „Er kann selbstverständlich zu mir ziehen."
„Das ist sehr gut. Holen Sie ihm am besten ein paar Sachen von Zuhause. Ich denke, dass er in ein paar Tagen entlassen werden kann."
„Gut. Sagen Sie mir Bescheid, wenn es soweit ist. Dann werde ich meinen Bruder abholen."
„Ich schicke Ihnen eine Eule."
Bevor Rabastan den Raum verlassen konnte, sagte die Heilerin: „Mr. Lestrange, die Opfer von Kriegen sind nicht immer nur die Gefallenen, die in der Schlacht ihr Leben lassen."
Er konnte nicht widersprechen.
Hermine sah Rabastan Lestrange erst am Nachmittag wieder. Sie saß gerade an ihrem Lieblingsplatz in der Bibliothek und las ein Buch, als sie seine Schritte auf der Wendeltreppe hörte. Sorge stand in sein Gesicht geschrieben und er wirkte erschöpft. Seit sie bei ihm eingezogen war, hatte sie ihn noch nie so aufgelöst und durch den Wind erlebt. Es beängstigte sie.
„Was ist denn passiert?", fragte Hermine. „Ist mit Ihrem Bruder alles in Ordnung, Rabastan?"
Er antwortete nicht sofort. „Mein Bruder hatte einen… kleinen Unfall. Er ist im Krankenhaus."
„Ihm geht's doch gut, oder?"
„Die Heiler sagen, es ist nichts Schlimmes. Er kann in ein paar Tage nach Hause", erklärte Rabastan. „Ähm, ich wollte Ihnen nur sagen, dass… mein Bruder wird auf unbestimmte Zeit bei uns einziehen. Also, richten Sie sich darauf ein."
Bevor sie noch etwas sagen konnte, war er schon wieder nach unten gegangen. Er war so kurz angebunden gewesen und hatte sie überhaupt nicht gefragt, was sie las, so wie er es sonst tat. Hermine beschlich das Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung war. Später saß Hermine allein beim Abendessen. Als sie im Bett lag, konnte sie unten immer wieder die Haustür hören. Sie lag lange wach und machte sich Gedanken über Rabastan. Es beschäftigte sie, dass er so besorgt war, und es ging ihr nah. Irgendetwas musste passiert sein. Sie nahm sich vor, der Sache am nächsten Tag auf den Grund zu gehen.
Schon lange hatte Rabastan nicht mehr so viel Angst vor einem Gespräch gehabt wie an diesem Morgen, als er das St. Mungo-Hospital betrat und zum Zimmer seines Bruders ging. Beim Frühstück war die Eule mit der Nachricht gekommen, dass Rodolphus das Bewusstsein wiedererlangt hatte und er ansprechbar war. Sofort hatte sich Rabastan auf den Weg gemacht. Hermine hatte versucht, mit ihm zu reden, aber Rabastan hatte sie vertröstet. Um seinen Gast wollte er sich später kümmern. Sein Bruder hatte jetzt erst einmal Vorrang. Vor der Zimmertür hielt er inne und atmete tief durch.
Rodolphus lag im Bett, als Rabastan eintrat. Am vergangenen Tag, als Rabastan seinen Bruder gefunden hatte, hatte er nur daran gedacht, möglichst schnell Hilfe zu holen. Er hatte keinen genauen Blick auf seinen Bruder geworfen. Nun hatte er die Gelegenheit dazu und er war geschockt, wie schlecht Rodolphus aussah.
Normalerweise kannte er seinen Bruder als jemanden, der Wert auf sein Äußeres legte und auf sich achtete, doch davon sah man nicht mehr viel. Rodolphus war merklich abgemagert, so als hätte er seit einer Ewigkeit keine anständige Mahlzeit mehr zu sich genommen. Er war blass und hatte dunkle Ringe unter den Augen. Dazu war er schlecht rasiert und wirkte ungepflegt. Er bot einen äußerst erbärmlichen Anblick und es schmerzte Rabastan, dass er seinen Bruder, einen stolzen Mann, so sehen musste.
„Hi", sagte Rabastan leise.
„Hey", sagte Rodolphus mit rauer Stimme.
Rabastan zog sich einen Stuhl heran und nahm neben dem Bett Platz. Einige Zeit herrschte Stille zwischen den beiden Brüdern.
„Wie geht's dir?", fragte Rabastan, obwohl er sich dämlich dabei vorkam. Die Frage war vollkommen idiotisch, aber ihm wollte nichts Besseres einfallen, wie er ein Gespräch beginnen konnte.
„Geht schon wieder", sagte Rodolphus schlicht. Er wich Rabastans Blick aus und sah nachdenklich durchs Fenster.
„Die sagen, dass… du bald hier raus kannst."
Rodolphus nickte.
„Hat… die Heilerin schon mit dir gesprochen?", wollte Rabastan wissen.
„Ja, hat sie." Rodolphus' Tonfall war abweisend.
„Ich… Du hast mir gestern einen ganz schönen Schrecken eingejagt", sagte Rabastan und sprach damit zum ersten Mal seine Gefühle aus. „Ich habe mir alles Mögliche ausgemalt, was passiert ist. Ich dachte, ich verliere dich. Und als sie mir das gesagt hat, dass du…"
„Tut mir leid", sagte Rodolphus leise. „Ich hab dich nicht drum gebeten, mich so zu sehen."
„Es tut dir leid?!" Rabastan musste sich zusammennehmen, dass er auf diese Bemerkung hin nicht vor Wut an die Decke ging. „Ich hab mir Sorgen um dich gemacht! Du bist mein Bruder! Ich hab dich da liegen sehen in diesem… Chaos und dachte schon, du bist tot! Ich verstehe nicht, warum du nicht zu mir gekommen bist. Du kannst mit mir doch über alles reden. Warum Rodolphus? Warum?"
Rodolphus antwortete nicht.
„Die Heilerin und ich sind uns einig, dass du nicht weiter allein in eurem Haus leben wirst. Du wirst zu mir ziehen. Ich habe gestern Abend noch deine Sachen zu mir gebracht."
Rodolphus nahm die Sache schweigend zur Kenntnis.
„Wir kriegen das hin, OK? Ich werde…"
„Was kriegen wir hin, Rabastan?", fragte Rodolphus und sah seinem Bruder zum ersten Mal ins Gesicht. „Kannst du mir damit helfen?" Er hob seinen rechten Arm. „Kannst du mir Bella zurückgeben? Nein, das kannst du nicht! Niemand kann das! Also hör auf und lass mich zufrieden. Verschwinde!"
Er drehte sich demonstrativ auf die andere Seite und zeigte Rabastan die kalte Schulter. Dieser wusste nicht, wie er mit seinem Bruder umgehen sollte. Worte brachten ihn nicht weiter. Er war verletzt, dass Rodolphus so mit ihm sprach, dabei wollte er nur helfen. Rabastan fühlte eine eisige Mauer zwischen sich und seinem Bruder, die sich wohl über die letzten zwei Jahre zwischen ihnen aufgebaut hatte. Die Geschwister, die immer eine enge Beziehung zueinander gehabt hatten, waren sich fremd geworden. Rodolphus hatte sich so stark verändert, dass Rabastan ihn kaum wiedererkannte. Ihm blieb jetzt nur die Hoffnung, dass die Heilerin helfen konnte. Er entschied sich, besser zu gehen. Er würde heute ohnehin nichts mehr erreichen können.
„Übrigens, Hermine Granger lebt bei mir. Ihr werdet euch mit Sicherheit früher oder später mal über den Weg laufen. Nur dass du Bescheid weißt."
Er bekam keine Antwort. Als die Tür ins Schloss fiel, hatte Rabastan das Gefühl, die ganze Welt hätte sich gegen ihn gewandt und eine schwere Last drücke auf seine Schultern.
Vorsichtig klopfte Hermine an die Tür des Salons. Rabastan Lestrange saß seit Stunden regungslos in einem Sessel vor dem Kaminfeuer und starrte ins Leere. Den ganzen Tag über hatte sie ihn nicht gesehen. Er hatte auch nichts gegessen. Er sah traurig aus.
„Rabastan?", fragte Hermine. „Geht es Ihnen gut?"
Sie riss ihn aus seinen Gedanken. „Oh, Ms. Granger… Ich hab Sie gar nicht bemerkt. Was sagten Sie gerade?"
„Ich wollte wissen, wie es Ihnen geht. Es ist doch was passiert, oder?"
Sie setzte sich neben ihn auf das Sofa.
„Ja. Es ist etwas passiert", sagte Rabastan nachdenklich.
„Hat es mit Ihrem Bruder zu tun?"
Er nickte. „Ja, hat es. Ich… will Sie damit nicht…"
„Nein, schon in Ordnung", sagte Hermine sofort. „Ich würde gerne wissen, was passiert ist. Ich sehe ja, dass… es Sie sehr beschäftigt und Sie… Sie sehen ein bisschen… traurig aus, wenn ich das bemerken darf. Ich hab mir Gedanken gemacht."
Er musterte sie ungläubig.
„Sie haben sich so gut um ich gekümmert, als es mir schlecht ging. Ich würde gerne etwas für Sie tun. Erzählen Sie mir, was los ist. Vielleicht kann ich ja helfen."
„Ich weiß Ihre Anteilnahme sehr zu schätzen, Hermine, aber… ich glaube nicht, dass Sie helfen könnten", sagte Rabastan und lächelte müde.
„Geben Sie mir wenigstens eine Chance." Sie lächelte ihn aufmunternd an.
„Also schön", sagte Rabastan schließlich. „Meinem Bruder geht es sehr schlecht. Schon seit längerem. Er hat… Er hat versucht, sich das Leben zu nehmen."
Hermine braucht einen Moment, bis sie die Bedeutung des Satzes wirklich verstand. „Er hat versucht…"
Rabastan nickte. „Deshalb kam die Eule mit meinem Brief zurück. Ich habe ihn bewusstlos in seinem Schlafzimmer gefunden. Die Heiler meinten, dass… wenn ich nur ein bisschen später gekommen wäre…"
„Das tut mir so leid", sagte Hermine aufrichtig. Zögerlich legte sie ihre Hand auf Rabastans Unterarm, um ihm ihr Beileid auszudrücken. „Was ist denn genau passiert?"
„Er hatte eine Alkoholvergiftung, weil er etliche Flaschen Feuerwhiskey und Wein getrunken hatte. Er hat etliche Zaubertränke wild durcheinander eingenommen. Die Heilerin hat gesagt, dass das giftig war. Er hätte daran sterben können."
„Er ist aber in Ordnung? Er wird wieder gesund, oder?", fragte Hermine, die mehr als betroffen war, von dem, was sie hörte.
„Ja. In ein paar Tagen wird er aus dem Krankenhaus entlassen. Die Vergiftung ist nicht das Problem."
„Die Frage ist, warum er das gemacht hat, oder?", schlussfolgerte Hermine.
„Es geht ihm nicht gut, Hermine. Seit der Schlacht von Hogwarts schon nicht. Ich könnte mich ohrfeigen, dass ich es nicht früher gesehen habe." Seine Hand ballte sich zur Faust. „Es ist wegen seiner Frau. Bellatrix. Sie starb ja in der Schlacht."
Hermine erinnerte sich dunkel. Molly Weasley hatte sich mit Bellatrix Lestrange duelliert. Ein Zauber hatte die Todesserin in die Brust getroffen, woraufhin sie zusammengebrochen war.
„Rodolphus… Er hat Probleme damit. Es ist einsam. Er verkraftet die Situation nicht."
„Ich verstehe."
Hermine musste zugeben, dass sie überrascht war. Sie hatte zwar gewusst, dass Rodolphus und Bellatrix Lestrange ein Ehepaar gewesen waren, allerdings hatte sie immer angenommen, dass beide keine Gefühle füreinander gehegt hatten. Bei Bellatrix war es immer offensichtlich gewesen, dass ihre Liebe ihrem Herrn, Voldemort, gegolten hatte. Rodolphus schien damit nie Probleme gehabt zu haben. Sie und ihr Mann mochten als Todesser ein perfektes Paar abgegeben haben, aber nicht in ihrer Ehe. Hermine wusste, dass arrangierte Ehen, die nicht aus Liebe geschlossen wurden, in vielen reinblütigen Familien vorkamen und hatte gedacht, das treffe auch auf die beiden Lestranges zu. Offenbar hatte sie sich getäuscht.
„Rodolphus kommt zu uns hierher, damit er nicht allein ist", erklärte Rabastan. „Ich habe gestern schon seine Sachen geholt. Er wird dann einige Zeit hier wohnen. Er ist ein netter Kerl, Sie werden sich sicher verstehen."
„OK", sagte Hermine nur. Sie hoffte, dass sie sich mit Rabastan Bruder verstehen würde. Ob er auch so nett und zuvorkommend mit ihr umgehen würde?
„Er muss zu einer Heilerin in Behandlung, damit es ihm besser geht", sagte Rabastan. „Ich hab den Hauselfen schon gesagt, dass sie sämtlichen Alkohol aus dem Haus entfernen sollen. Ich…" Er brach ab. Er wirkte niedergeschlagen.
„Das wird schon wieder", sagte Hermine. Sie versuchte, möglichst viel Zuversicht in ihre Worte zu legen. Dummerweise sah Rabastan nicht überzeugt aus.
„Ich habe mich noch nie so hilflos gefühlt", gab Rabastan zu. „Vielleich kennen Sie ja das Gefühl, Ms. Granger. Sie wollen irgendetwas tun, aber… können es einfach nicht. Sie sehen, wie es jemandem schlecht geht, der Ihnen sehr viel bedeutet. Sie wollen alles dafür tun, dass es demjenigen besser geht, aber… Es hilft nichts. Ihnen sind die Hände gebunden."
Hermine verstand ihn und sie konnte nachfühlen, was in ihm vorging.
