Rabastan und Rodolphus schliefen bereits, als Hermine spätabends noch einmal aus dem Bett schlüpfte, sich anzog und das Strandhaus verließ. Ginny hatte das Treffen, von dem sie weder Rabastan noch Rodolphus erzählt hatte, vorgeschlagen. Hermine hatte anfangs abgelehnt, doch schließlich hatte sie sich doch zu einem Gespräch bereit erklärt. Sie verdankte ihren Freunden vom Widerstand viel; ohne ihre Hilfe hätte Voldemort aller Wahrscheinlichkeit nach seinen teuflischen Plan in die Tat umsetzen können. Zudem hatten sie Lucius und Amycus auf ihrer Seite aufgenommen und ohne lange zu überlegen mit Rabastan, Rodolphus und sogar Dolohow zusammengearbeitet. Hermine fand es deshalb nur angebracht, dass sie Ginny und den anderen als Gegenleistung für ihre Hilfe entgegenkam.
Als sie vor dem Fuchsbau aus dem Nichts erschien, wartete Ginny schon vor der Tür auf sie. Sie waren heute nur eine kleine Runde, die sich in der Küche versammelt hatte. Abgesehen von Ginny, waren nur Arthur, George und Kingsley da. Hermine wurde einmal mehr schmerzlich bewusst, welche Spuren der Krieg an den Weasleys hinterlassen hatte. Mrs. Weasley und zwei ihrer Söhne waren nicht mehr unter ihnen.
„Hallo, Hermine, schön, dass du gekommen bist", sagte Arthur und lächelte freundlich. Jetzt, da sie allein in einer kleinen familiären Gruppe zusammensaßen und die Todesser nicht dabei waren, war die Atmosphäre deutlich lockerer und entspannter. Die Weasleys schienen sich Hermine gegenüber wieder erwärmt zu haben und hatten ihre distanzierte Haltung abgelegt.
„Ich freue mich, dass ihr überhaupt mit mir reden wollt", sagte Hermine. Ginny stellte ihnen Getränke auf den Tisch, dann zog sie sich einen Stuhl heran. „Es sind ja doch einige Dinge passiert und ich dachte eigentlich, dass... dass ihr nichts mehr mit mir zu tun haben wollt."
„Du musst uns verzeihen, dass wir so abweisend waren. Es hat uns sehr getroffen, dass wir die Schlacht und so viele unserer Leute verloren haben, natürlich allen voran Harry und Ron", sagte Mr. Weasley. „Und dann bist du einfach verschwunden. Wir haben uns große Sorgen um dich gemacht und versucht, dich zu finden. Natürlich wurde uns irgendwann klar, dass du nicht gefunden werden wolltest, deshalb haben wir die Suche irgendwann eingestellt. Glaub mir, wenn ich sage, dass wir mehr als nur schockiert waren, dich bei Rabastan Lestrange zu sehen. Wir haben uns alles mögliche schreckliche ausgemalt, was er mit dir angestellt haben könnte."
„Ich verstehe das. Ich bin euch auch nicht böse. Wahrscheinlich wäre es mir auch so gegangen. Ich weiß, dass ihr es nur gutgemeint habt, als ich mich entführt habt. Es tut mir heute so unendlich leid, dass ich euch enttäuscht und hängen lassen habe."
„Du hast uns nicht enttäuscht, Hermine, wir haben einfach zu viel von dir erwartet. Harry war immer eine Figur der Hoffnung für uns, die uns Kraft für den Kampf gegeben hat. Nachdem wir ihn verloren hatten, haben wir diese Hoffnung in dir gesehen. Wir wissen heute, dass du diese Rolle nicht erfüllen wolltest, weil du... die Vergangenheit hinter dir lassen wolltest."
„Das wollte ich wirklich", sagte Hermine. „Ich wusste aber einfach nicht wie. Bis ich Rabastan traf. Bei ihm habe ich ein neues Leben beginnen können. Eines, das ich mir zugegeben nie auch nur im Traum vorstellen wollte, aber eines, das ich nie wieder aufgeben möchte. Ich bin wirklich glücklich mit ihm, das müsst ihr mir glauben."
„Das tun wir jetzt, nachdem wir euch beide gesehen haben", sagte Arthur. „Zuerst dachten wir, Rabastan hätte dich verhext und in seiner Gewalt. Wir konnten nicht wissen, dass du... dass du freiwillig bei ihm bist."
„Ich liebe ihn, ich liebe Rabastan wirklich", sagte Hermine ernst. „Ich hätte niemals gedacht, dass das so kommen würde, aber es ist tatsächlich passiert. Und er liebt mich, das müsst ihr mir glauben."
„Wir haben gesehen, was er alles für dich getan hat", sagte Arthur. „Er habt sich von Voldemort losgesagt. Nur deinetwegen. Wenn er dich nicht aufrichtig lieben würde, dann hätte er so einen Schritt niemals gewagt."
Hermine nickte.
„Ich kenne die beiden Lestrange-Brüder aus meiner Schulzeit", fuhr Arthur fort. „Und wir standen uns ein ums andere Mal im Kampf gegenüber. Sie waren immer Voldemorts treueste Anhänger. Nie im Leben hätten wir uns träumen lassen, dass ausgerechnet sie die Seiten wechseln würden."
„Und auch noch wegen eines Schlammbluts", fügte Hermine mit einem Lächeln hinzu.
„Das zeigt, dass Menschen sich ändern können. Das hat uns schwer beeindruckt. Ebenso die Geschichte von Regulus. Ich muss heute zugeben, dass wir die Welt zu schwarz-weiß gesehen haben und damit falsch lagen."
„So ging es mir und den Todessern auch", sagte Hermine. „Am Anfang war alles noch so klar voneinander abgegrenzt, ohne Spielraum und ohne Graustufen in dieser schwarz-weißen Welt, aber im Laufe der Zeit sind die klaren Grenzen immer mehr verwischt. Voldemort hat seinen Anhängern schlimme Dinge angetan. Das hat viele nicht nur zutiefst erschüttert, sondern auch erkennen lassen, wem sie da eigentlich zum Sieg verholfen haben. Ihre Familien waren ihnen schließlich doch wichtiger."
„Was du geschafft hast, Hermine, hat weder Harry noch Dumbledore geschafft", sagte Kingsley beinahe ehrfürchtig. „Ohne dich wäre der Widerstand verloren gewesen, denn allein hätten wir gegen Voldemort niemals eine Chance. Dank dir kämpfen wir mit den Todessern zusammen."
„Wisst ihr, was das komische daran ist? Wäre Voldemort nicht schon wieder einer Prophezeiung gefolgt, dann wären wir nicht da, wo wir heute sind. Dann wären Rabastan und ich niemals zusammengekommen und die Todesser würden heute nicht mit uns zusammenarbeiten."
„Es ist schon verrückt mit diesen Prophezeiungen", sagte George.
„Wie geht es dir denn gerade?", fragte Ginny vorsichtig. „Geht es deinem Kind gut?"
„Unserem Kind geht es sehr gut." Hermine lächelte zufrieden.
„Stimmt, es, dass ihr wirklich heiraten wollt?"
„Ja, sobald unser Kind da ist, werden wir heiraten", sagte Hermine voller Stolz und zeigte ihnen ihren Verlobungsring. „In unser neues Haus sind wir notgedrungen schon gezogen, auch wenn es noch einer Baustelle gleicht."
„Glaub mir, wir freuen uns für dich. Es freut uns, dass du glücklich bist, Hermine. Mich würde jetzt noch interessieren, wie die Beziehung zwischen dir und Rodolphus ist", sagte Arthur. „Er lebt doch mit Rabastan und dir zusammen, oder?"
„Ja, fast von Anfang an", erklärte Hermine. „Er hat zuerst in seinem Haus allein gelebt und hat zu Rabastan den Kontakt abgebrochen. Es ging ihm sehr schlecht wegen Bellatrix' Tod."
Sie begegnete Arthurs Blick. „Was ist passiert?"
„Rodolphus hat ihren Tod nicht verkraftet und ist dem Alkohol verfallen. Nach einem zum Glück misslungenen Selbstmordversuch ist er dann zu uns gezogen."
„Rodolphus hat versucht, sich das Leben zu nehmen?"
„Ja. Er musste deswegen zu einer Heilerin in Therapie. Inzwischen geht es ihm aber wieder sehr gut. Wir verstehen uns hervorragend und ich habe ihm sehr geholfen. Rodolphus ist wunderbar. Wir machen viel zusammen. Ich glaube, er sieht in mir so was wie eine Tochter, die Tochter, die er selbst nie hatte."
„Du meine Güte", meinte Arthur und schüttelte den Kopf. „Das hätte ich nicht erwartet. Ich weiß, wie schlecht es Lucius ging, der ist nämlich wegen Narcissas Tod ebenfalls in den Alkohol abgerutscht, ohne Aussicht, dass es jemals wieder bergauf gehen würde. Andromeda hat ihm wieder auf die Beine geholfen. Sie war es nämlich auch, die ihn überzeugt hat, für uns zu kämpfen. Ich selbst sehe seit Mollys Tod auch kaum noch Hoffnung. Der Kampf gegen Voldemort hält mich irgendwie am Leben und die Aussicht, ihn endgültig zu vernichten, gibt mir Genugtuung. Es freut mich zu hören, dass Rodolphus offenbar den Weg zurück ins Leben dank dir gefunden hat."
„Ich konnte Ihnen nie sagen, wie leid mir das alles tut, Mrs. Weasley", sagte Hermine. „Es tut mir leid, was mit Ihrer Frau passiert ist."
„Danke, Hermine."
Der Abend verlief besser, als Hermine erwartet hatte. Sie und die Weasleys sprachen sich aus und schafften es, ihre gute Beziehung von früher wiederherzustellen. Als sie und Ginny einmal draußen im Garten allein waren, gestand Ginny ihr, wie neidisch sie auf Hermines Glück war und wie aufregend sie es fand, dass Hermine ein Kind bekam. Sie fragte sogar, ob sie ihre Hand auf Hermines Bauch legen durfte.
„Spürst du das Kind schon?", wollte sie von Hermine wissen.
„Nein, noch nicht. Es ist wohl noch zu früh."
„Ich wünsche mir auch irgendwann eine Familie", sagte Ginny, „aber mir fehlt noch der Mann dazu. Ich weiß, ich fand es am Anfang nicht gut, dass du mit Rabastan zusammen bist, aber...", sie grinste verschlagen, „ein gutaussehender Mann ist er schon. Ist sein Bruder noch zu haben?"
Das Lachen war befreiend für Hermine. Erleichtert und überglücklich über die Aussöhnung mit ihren Freunden kam sie später nach Hause zurück und schlüpfte neben den immer noch schlafenden Rabastan, der von ihrem kurzen Ausflug nichts bemerkt hatte, in den Schlafsack. Sie hauchte ihrem Verlobten einen Kuss auf die Wange, schloss die Augen und war kurz darauf eingeschlafen.
Der Plan für ihren Angriff stand. Nach der Besprechung mit dem Widerstand hatte Antonin darauf bestanden, Melinda auf ein Glas Wein einzuladen. Sie wollte eigentlich nach Hogwarts zurückkehren, doch schließlich ließ sie sich doch von Antonin überreden, noch etwas zu bleiben.
Sie saßen in dem kleinen Wohnzimmers seines vorübergehenden Verstecks, in dem er aus Vorsicht Zuflucht gesucht hatte, nachdem er Rabastan bei Hermines Rettung geholfen hatte. Antonin schenkte Melinda Elfenwein ein und sie stießen an.
„Bald ist es soweit", sagte Antonin. „Bald findet der letzte große Kampf und diesmal stehe ich auf einer völlig anderen Seite als beim letzten Mal und finde mich mit Menschen auf einer Seite wieder, mit denen ich nicht nur keine Gemeinsamkeiten habe, sondern die ich einmal bekämpft habe. Obendrein verrate ich alles, wofür ich jemals stand. Und das alles, obwohl ich mich nicht verändert habe. Es ist verrückt."
„Die äußeren Umstände haben sich gerändert, Antonin", sagte Melinda und nahm einen Schluck ihres Weins. Der Elfenwein schmeckte ungewöhnlich süß und entfaltete sogleich seine berauschende Wirkung. „Das passiert."
„Rabastan hat sich verändert", meinte Antonin. „Und Rodolphus auch. Sie haben beide dem Dunklen Lord wirklich abgeschworen. Wer hätte das von den Lestranges gedacht. Wenn ich an Bellatrix zurückdenke..."
„Du hast dich auch verändert, Antonin", meinte Melinda mit einem vielsagenden Lächeln. „Als ich mich euch angeschlossen habe, warst du einer der treuesten und ergebensten Anhänger des Dunklen Lords. Du hast seine Befehle und Absichten nie in Frage gestellt. Heute ist das anders. Du hast Grenzen gezogen und hast für dich die Entscheidung getroffen, dem Dunklen Lord nicht überallhin folgen zu wollen."
„Das stimmt. Allerdings weiß ich noch nicht, welchen Weg ich stattdessen einschlagen soll", musste Antonin zugeben und leerte sein Glas in einem Zug. Er nahm die Flasche und schenkte sich sofort nach. „Ich habe Hermines Vereinbarung zugestimmt. Wenn der Dunkle Lord vernichtet ist, dann muss ich ins Ausland gehen, genau wie alle anderen."
„Weißt du schon, wohin du willst?", fragte Melinda.
„Ich werde in meine alte Heimat, nach Russland, zurückgehen", erklärte er. „Einen anderen Ort kann ich mir nicht vorstellen. Aber ich werde Großbritannien natürlich vermissen, wenn auch nicht gerade die Küche. Ich habe hier den größten Teil meines Lebens verbracht, alle meine Freunde und Bekannten leben hier. Ich werde sie nie wiedersehen. Das bedauere ich."
„Das verstehe ich. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Schreibt euch. Der Vertrag gilt nicht für Eulenpost."
Sie schwiegen für einen Moment, dann ergriff Antonin das Wort. Seine Stimme war sanft. „Was wirst du tun, Melinda, wenn der Dunkle Lord vernichtet ist? Dein Auftrag ist dann zu Ende. Wirst du zu deiner Organisation zurückkehren?"
„Ich weiß noch nicht", sagte Melinda. „Ich habe mit meinen Auftraggebern Rücksprache gehalten. Sie wollen die ägyptischen Artefakte haben, das ist meine letzte Aufgabe. Sie geben mir die Wahl, ob ich weiter für sie arbeiten will oder nicht. Ich habe allerdings noch keine endgültige Entscheidung getroffen."
„Habe ich irgendeinen Einfluss auf deine Entscheidung?", fragte er vorsichtig.
Sie wusste, dass die Frage früher oder später kommen würde. „Antonin, ich..."
„Du könntest mit mir nach Russland kommen", schlug Antonin vor. „Du sprichst die Sprache. Wir könnten uns zusammen ein Haus suchen und neu anfangen."
„Ich weiß noch nicht, was ich tun soll", sagte Melinda.
Antonins Hand wanderte langsam zu ihrem Oberschenkel, wo das Zeichen ihrer Organisation in ihre Haut eingebrannt war. „Das sollte nicht deine Zukunft sein." Ein wohliger Schauer durchfuhr sie auf seine Berührung hin. Erinnerungen ihrer gemeinsamen Nacht erschienen vor ihrem geistigen Auge. Sie war es nicht gewohnt, dass ein Mann eine solche Wirkung auf sie hatte, aber Antonin Dolohow vermochte es tatsächlich, ihr Blut in Wallung zu bringen.
„Ich fühle mich wirklich geschmeichelt, Antonin, das weißt du, aber..."
„Kein Aber, Melinda. Du weißt, wie ich zu dir stehe und ich weiß, dass da auch etwas bei dir ist. Du willst es dir nur nicht eingestehen."
„Ich sollte gehen, Antonin. Ich darf nicht zu lange wegbleiben, sonst wird der Dunkle Lord misstrauisch."
Sie schob seine Hand von sich und erhob sich, um zur Tür zu gehen.
„Melinda, warte bitte!" Antonin folgte ihr. An der Haustür fing er sie ab.
„Es tut mir leid", sagte er schuldbewusst. Seine Stimme war nur mehr ein heiseres Flüstern. Er war vom Englischen ins Russische gewechselt. „Ich wollte dich nicht bedrängen. Du musst mir verzeihen, es ist lange her, dass ich eine Frau so sehr begehrt habe wie dich."
„Schon gut. Ich mag dich wirklich Antonin. Glaub mir, es ist bei mir sehr lange her, dass ich so einen wunderbaren Mann wie dich getroffen habe."
„Wieso zögerst du dann?"
„Gib mir einfach noch ein bisschen Zeit. Wenn der Kampf vorbei ist, dann werde ich dir meine Entscheidung mitteilen."
Sie wollte gehen, doch sie spürte Antonins Hand an ihrer Taille. Er zog sie an sich und versiegelte ihre Lippen mit einem leidenschaftlichen Kuss. Melinda unternahm gar nicht mehr den Versuch, sich gegen ihn zu wehren. Sie war seinem Charme erlegen und der Wein tat sein übriges. Für die verbliebenen Stunden bis zum Morgengrauen wollte sie an nichts anderes mehr denken als an den Mann, mit dem sie in dieser Nacht das Bett teilte.
Als Melinda zurück nach Hogwarts kam, wurde es gerade hell. Leise schlich sie als Katze durch die Gänge zu ihrem Büro. Vor der Tür verwandelte sie sich zurück. Als sie ihre Räumlichkeiten betrat, erstarrte sie. Der Dunkle Lord erwartete sie. Bevor sie etwas tun konnte, wurde sie von einem hellen Lichtblitz geblendet und versank in Dunkelheit.
Es war die letzte Nacht vor der großen Schlacht und Hermine und Rabastan begaben sich früh auf ihr Zimmer, um bald schlafen zu gehen und für den nächsten Tag ausgeruht zu sein. Während Hermine sich die Zähne putzte, überlegte sie, ob sie Rabastan von ihren Träumen erzählen sollte, die sei seit geraumer Zeit plagten und die jetzt, da sie sich entschlossen hatten, den Dunklen Lord zu vernichten, von Nacht zu Nacht stärker wurden. Rabastan starb in ihren Träumen durch Voldemorts Hand und Hermine hatte große Angst, dass ihr Traum Wirklichkeit werden könnte. Sie wollte nicht, dass er kämpfte und am liebsten hätte sie ihn gar nicht gehen lassen, auch wenn sie natürlich wusste, dass sie ihn niemals davon abhalten könnte, sich in Gefahr zu begeben.
Rabastan lag schon in seinem Schlafsack und hatte die Augen geschlossen, als Hermine aus dem Bad kam. Nachdem sie sich hingelegt hatte, rückte Rabastan nah an sie heran und legte einen Arm um sie. Er küsste sie auf den Hals. Seine Hand wanderte zu der Rundung an ihrem Bauch, die mittlerweile deutlich spürbar war.
„Du bist die ganzen letzten Tage schon so komisch. Was ist los?", fragte er mit heiserer Stimme.
„Ich mache mir einfach Gedanken wegen unseres Plans. Ich habe Angst, dass dir oder jemand anderem etwas passiert", sagte Hermine leise. „Ich will dich nicht verlieren."
„Mach dir bitte keine Sorgen, Hermine. Ich pass schon auf mich auf. Ich lass dich und unser Kind nicht allein, versprochen."
„Ich habe nur ein schlechtes Gefühl", meinte sie. „Das ist alles." Sie ergriff fest seine Hand.
„Wir haben uns sehr gut vorbereitet", erklärte Rabastan. „Dolohow und Melinda haben es geschafft, fast alle Todesser auf unsere Seite zu ziehen, sodass wir zusammen mit dem Widerstand eine sehr solide Truppe aufgestellt haben. Es wird alles gut gehen."
Sie war kurz davor, ihm die Wahrheit zu erzählen, doch im letzten Moment entschied sie sich dagegen. Die Bilder aus ihrem Traum erschienen vor ihrem geistigen Auge, aber sie brachte es nicht über sich, die schrecklichen Erlebnisse in Worte zu fassen. Sie wollte Rabastans Zuversicht nicht zerstören und ihn am morgigen Tag nicht mit Sorgen in den Kampf schicken. Stattdessen drehte sie sich um, begegnete seinem Blick und streichelte über seine Wange.
„Rabastan, ich will dich heute Nacht. Nimm mich. Nimm mich, als wäre es unsere letzte gemeinsame Nacht", sagte sie schließlich in der Hoffnung, Rabastan möge ihre Gefühle, ihre Sorgen, ihre Ängste, die sie in ihre Bitte legte, auch ohne Worte verstehen.
Sogar im Dunkeln sah sie, dass Rabastan grinste. „Wie die Lady befiehlt."
Sie mussten nach außen hin ein seltsames Bild abgeben, als sie geschlossen in Richtung Hogwarts ihrem letzten Gefecht entgegen schritten. Hermine und Rabastan führten gemeinsam ihre Streitkraft, bestehend aus Widerstandskämpfern und Todessern an, als sie Hogsmeade durchquerten, die Anhöhe vor dem Schloss erklommen und das von zwei geflügelten Ebern bewachte Tor erreichten.
Die Todesser waren alle in ihre schwarzen Umhänge gekleidet, manche waren auch maskiert. Die Widerstandskämpfer zeigten ihr Gesicht. Aberforth hatte dafür gesorgt, dass alle Bewohner das Dorf verlassen hatten und so niemand in Gefahr geraten würde, sollte sich das Kampfgeschehen vom Schlossgelände hinunter nach Hogsmeade verlagern.
Als sie direkt vor dem Tor standen, hob Rabastan die Hand und die Gruppe blieb stehen. Er drehte sich um und sah alle Kämpfer der Reihe nach an.
„Jetzt ist es so weit", sagte er. „Wir ziehen gemeinsam in den Kampf, in den letzten Kampf für uns alle. Ungewöhnliche Umstände haben unser Schicksal miteinander verwoben. Auch wenn wir sehr verschieden sind und nicht durch Freundschaft verbunden sind, so haben wir uns doch alle für eine bessere Zukunft für uns und unsere Familien entschieden. Ziehen wir mit diesem Gedanken in die Schlacht und beenden wir die Herrschaft das Dunklen Lords. Hier und heute."
Alle Versammelten hoben als Zeichen ihrer Zustimmung ihre Zauberstäbe in die Luft.
„Packen wir es an!", sagte Arthur Weasely.
Die Menge schritt nach vorne auf das Tor zu.
Rabastan wandte sich an seinen Bruder. „Rodolphus, bitte beschütze Hermine", sagte er mit ernster Miene. „Ich will nicht, dass du mit deinen Verletzungen kämpfst und in Gefahr gerätst. Bitte, bleibe mit Hermine hier und beschütze sie."
„Rabastan, ich will mitgehen! Ich lass dich nicht allein!" Wie zu erwarten protestierte Hermine sofort, doch Rabastan blieb hart. Er schüttelte energisch den Kopf.
„Hermine, ich will dich und unser Kind nicht in Gefahr bringen. Hier bei Rodolphus bist du in Sicherheit."
Sie wollte widersprechen, doch Rodolphus legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Rabastan hat Recht, Hermine", sagte er. „Die anderen machen das schon. Vertrau ihnen."
Sie hatte Tränen in den Augen, als sie Rabastan umarmte und ein letztes Mal küsste. „Bitte, pass auf dich auf."
„Das werde ich, mach dir bitte keine Sorgen."
„Bruder, bitte, sei vorsichtig."
„Natürlich, versprochen."
Entschlossenheit stand auf Rabastans Gesicht geschrieben.
„Ich werde mir den Dunklen Lord persönlich vornehmen", sagte er entschieden.
„Du kannst ihn nicht alleine besiegen", mahnte Lucius. „Auch wenn der Dunkle Lord geschwächt ist, ist er immer noch sehr stark und gefährlich. Er ist zu stark, als dass du ihn allein besiegen könntest. Lass uns dir helfen."
Lucius und Antonin traten an seine Seite. „Wir helfen dir. Ich habe mit dem Dunklen Lord noch eine Rechnung offen", sagte Lucius. Er sah seinen Schwager vielsagend an. Rabastan verstand die Anspielung sofort auch ohne Worte. Lucius wollte Rache für den Mord an seiner Frau.
„In Ordnung", sagte Rabastan schließlich. „Dann erledigen wir das zusammen."
„Ich kümmere mich um Greyback", sagte Amycus.
„Bitte sei vorsichtig, Amycus", ermahnte Vanessa ihn. Auch sie umarmte ihren Mann ein letztes Mal. „Greyback ist sehr gefährlich."
„Keine Sorge, ich weiß, was ich tue. Ich habe eine Strategie."
„Mit wem genau werden wir es noch zu tun bekommen?", fragte Arthur, während er seinen Blick über die Menge der anwesenden Todesser schweifen ließ. „Wie viele haben nicht zugesagt?"
„Abgesehen von Greyback sind nur noch die ganz neuen, jungen und unerfahrenen Rekruten übrig", sagte Antonin. „Mit denen haben wir leichtes Spiel. Rookwood ist schon länger weg. Selwyn will nicht kämpfen und Crabbe, Goyle und Nott haben gesagt, dass sie sich raushalten werden. Sie sind schon auf dem Weg ins Ausland. Alle anderen sind hier bei uns. Wir dürften also nicht auf viel Widerstand stoßen."
„Gut. Hat Melinda uns den Weg freigemacht?"
„Das werden wir gleich sehen."
Das Tor, das normalerweise fest verschlossen war, um Unbefugten den Zutritt zum Schulgelände zu verweigern, gewährte ihnen widerstandslos Einlass. Melinda hatte die Schutz- und Abwehrzauber aufgehoben und die Wachen abkommandiert.
Rabastan warf einen letzten Blick auf seine Kameraden. Alecto stand dicht neben Macnair. Sie warf ab und zu verstohlene Blicke zu ihrem Bruder Amycus, der neben seiner Frau stand, sagte aber nichts. Rowle, Jugson und Mulciber machten sich bereit. Travers hatte es vorgezogen, in Verwandlung zu bleiben. Er glitt leise über ihre Köpfe hinweg und erreichte als erster das Schulgelände.
„Also dann, bringen wir es hinter uns." Und so begann die zweite Schlacht von Hogwarts.
Amycus wich einem Schockzauber aus und streckte einen jungen Todesser nieder, dann bog er um eine Ecke und eilte einen Gang hinunter. Es war nicht ganz einfach Greyback im Getümmel zu finden. Der Werwolf duellierte sich zuerst mit einem maskierten Todesser, von dem sich Amycus sehr sicher war, dass es Travers war, und dann mit einem Ordensmitglied. Amycus feuerte einen Ganzkörper-Fluch ab, um Greybacks Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Als der Werwolf ihn erblickte, grinste er.
„Da ist ja der Verräter", sagte Greyback siegessicher und leckte sich widerlich mit der Zunge über die Lippen. „Wenn ich dich erledigt habe, dann werde ich mich gut um deine kleine Frau kümmern."
Wut und Ekel stiegen in Amycus auf, doch er durfte sich jetzt nicht von seinen Emotionen aus der Ruhe bringen lassen. Sein Plan verlangte höchste Konzentration. „Das werden wir noch sehen."
Der Kampf war in vollem Gange und überall waren Explosionen zu hören. Rabastan, Lucius und Antonin ließen die Kämpfenden hinter sich und eilten zum Büro des Schulleiters, wo sie wussten, dass sich der Dunkle Lord aufhalten würde. Auf dem Weg dorthin wollten sie sich mit Melinda treffen, doch sie wartete nicht am vereinbarten Treffpunkt.
„Da stimmt was nicht", meinte Lucius beunruhigt. „Wir müssen vorsichtig sein."
Sie positionierten sich mit erhobenen Zauberstäben vor der Bürotür. Rabastan ergriff den Türklinke und nickte den anderen zu. Dann stürmten sie gleichzeitig nach drinnen.
Hermine ging nervös auf und ab. Die Ungewissheit schnürte ihr fast die Luft zum Atmen ab. Immer wieder blieb sie vor dem offenen Tor stehen und sah auf das Schulgelände. Bei jeder Bewegung, bei jedem Schatten hoffte sie, dass es Rabastans war, der heil aus der Schlacht zurückkam. Bei jeder Enttäuschung, weil er nicht aus der Dunkelheit auftauchte, wurde sie noch unruhiger.
„Es wird alles gut gehen", versicherte Rodolphus ihr. „Ich kenne meinen Bruder. Er ist ein fähiger Kämpfer. Sie schaffen das."
„Sie stellen sich dem Dunklen Lord, Rodolphus", warf Vanessa ein. „Das wird kein leichter Kampf werden."
„Ich habe Angst um Rabastan", sagte Hermine mit Tränen in den Augen. Vanessa schloss sie in die Arme, um sie zu trösten.
Sie waren sich im Kampf ebenbürtig. Amycus musste zugeben, dass er den Werwolf unterschätzt hatte. Greyback hatte durchaus passable Fähigkeiten als Duellant, aber mit der Zeit wurde er nachlässig. Seine Siegessicherheit ließ ihn unvorsichtig werden. Amycus schaffte es, ihn mit einem Schockzauber direkt in die Rippen zu treffen. Der Werwolf wurde zurückgeworfen und prallte mit schmerzverzerrtem Gesicht gegen eine Mauer.
Jetzt war der Moment gekommen, in dem Amycus seinen Triumph ausspielen konnte. Er richtete seinen Zauberstab auf Greyback, konzentrierte sich und sprach die Zauberformel, die er so lange trainiert hatte. Die Wirkung des Spruchs ließ nicht lange auf sich warten. Langsam fraß sich das Silber durch den Körper des Werwolfs. Greyback schrie vor Schmerz auf, als sich die Blutgefäße unter seiner Haut schwarz färbten. Der Todeskampf dauerte nur wenige Augenblicke. Fenrir Greyback starb durch den allergischen Schock auf die Silbervergiftung.
„Melinda!"
Rabastan, Lucius und Antonin erstarrten bei dem Anblick, der sich ihnen bot. Melinda war in ihrer Animagus-Form. Die schwarze Katze wurde durch einen Fluch, mit dem der Dunkle Lord sie belegt hatte, flach auf den Boden gedrückt und gab klagende Laute von sich. Sie warf den drei Männern einen flehenden Blick zu und versuchte, dem Dunklen Lord zu entkommen. Dieser hatte nur ein höhnisches Lachen für die falsche Todesserin übrig.
„Melinda!"
„Meine eigenen Todesser hintergehen mich", sagte der Dunkle Lord kalt. „Offenbar habe ich mein Vertrauen in die Falschen gesetzt."
Rabastan hätte ob dieser zynischen Bemerkung am liebsten laut losgelacht. „Dein Problem ist, dass du überhaupt noch nie Vertrauen in irgendwen gesetzt hast. Du weißt gar nicht, was Vertrauen heißt", sagte er ernst. „Er ist vorbei."
„Gerade von dir, Rabastan, hätte ich mehr erwartet", erwiderte der Dunkle Lord. „Aber du hast mich wegen eines Schlammbluts, das dir den Kopf verdreht hat, verraten."
„Lassen Sie Melinda gehen!", forderte Dolohow.
Der Dunkle Lord grinste. „Ich sehe, da hat wohl jemand eine Schwäche für unsere Spionin. Ich hätte Besseres von dir erwartet, Dolohow."
Er verstärkte den Fluch auf ihr und die Katze gab vor Schmerz ein wehklagendes Miauen von sich. Der Anblick war schwer zu ertragen und Wut stieg in Rabastan auf. Seine Hand verkrampfte sich um seinen Zauberstab und er musste sich mit all seiner Willenskraft, die er aufbringen konnte, zurückhalten, nicht gleich loszuschlagen und der Sache ein für alle mal ein Ende zu bereiten.
„Wir werden Eurem Treiben ein Ende setzen", sagte Lucius. „Ihre Herrschaft über uns ist vorbei."
Der Dunkle Lord lachte. „Und dann? Was soll dann aus euch werden? Glaubt ihr der Orden hält einen Platz für euch bereit? Ohne mich seit ihr doch nichts."
„Das stimmt nicht", widersprach Rabastan sogleich. „Du bist nichts ohne uns. Wir haben sehr viel, aber du", er schüttelte den Kopf, „du hast gar nichts."
„Das ist die letzte Warnung", knurrte Dolohow. „Lassen Sie Melinda gehen!"
„Du willst diesen Abschaum zurück?", fragte der Dunkle Lord, trat mit einem Fuß auf die Katze und drückte Melinda fest auf den Boden. Melinda gab erneut ein schmerzerfülltes Miauen von sich. Rabastan dachte, im Brustkorb der Katze etwas knacken gehört zu haben. Im nächsten Moment schwang der Dunkle Lord seinen Zauberstab und Melinda flog durch die Luft.
„Da habt ihr sie zurück."
„Nein!"
Melinda verwandelte sich im Flug zurück und schlug in Menschengestalt vor ihnen auf dem Boden auf. Antonin war augenblicklich an ihrer Seite. Melinda blutete stark. Am ganzen Körper trug sie Spuren der Folter. Sie war kaum noch bei Bewusstsein.
„Melinda, bring dich hier raus", sagte Antonin und streichelte über ihren Kopf. „Versprochen. Halte noch etwas durch."
„Antonin..."
Rabastan hob seinen Zauberstab und trat auf den Dunklen Lord zu.
„Was willst du tun, Rabastan? Glaubst du, du kannst es mit mir, Lord Voldemort, dem mächtigsten schwarzen Magier aller Zeiten, aufnehmen?"
Lucius schloss sich ihm an, ebenso Antonin, nachdem er Melinda geholfen hatte, sich an der Wand neben der Tür abzustützen.
„Ihr seid mutig, aber euren Übermut werde ich euch gleich austreiben."
Der Kampf begann. Rabastan dachte nicht mehr wirklich nach, nur noch sein Körper und sein Instinkt arbeiteten. Er schoss Zauber um Zauber auf den Dunklen Lord ab, doch dieser wehrte alle Angriffe mühelos ab und konterte mit gewaltiger Kraft. Rabastan, Lucius und Antonin hatten ihrerseits Mühe, die Zauber ihres übermächtigen Gegners abzuwehren. Obwohl sie zu dritt und erfahrene Todesser waren, waren sie dem Dunklen Lord geradeso ebenbürtig, doch schon nach kurzer Zeit neigte sich die Waage immer mehr zugunsten des Dunklen Lords.
Rabastan schwitzte und die vielen bunten Lichtblitze, die das Büro erhellten, blendeten ihn. Es kostete ihn zunehmend mehr Kraft, den Angriffen standzuhalten. Der Raum war bereits sichtlich demoliert. Ein paar Fensterscheiben waren klirrend zersprungen. Seinen beiden Mitstreitern schien es ähnlich zu ergehen. Sie konnten gegen die gewaltigen Kräfte des Dunklen Lords nichts ausrichten. Obwohl ihr Meister körperlich so stark geschwächt war, war er keineswegs weniger gefährlich geworden. Irgendwann konnten sie seine Zauber nur noch abwehren, dann holte der Dunkle Lord zu einem mächtigen Schlag aus.
Eine Energiewelle fegte über sie hinweg. Rabastan riss es nach hinten und er schlug mit dem Rücken gegen ein Bücherregal. Antonin schlitterte über den Boden, bis ihn die Wand unter einem Fenster stoppte, und Lucius fiel in den Glaskasten, in dem das Schwert von Gryffindor lag. Das Glas brach und das Schwert krachte mit einem lauten metallischen Scheppern auf den Steinboden. Lucius schnitt sich an den Scherben den Unterarm auf.
Der Dunkle Lord lachte. „Meine eigenen Todesser, ein Haufen Schwächlinge."
Er trat auf Dolohow zu. „Einer nach dem anderen werdet ihr für euren Verrat bezahlen." Er hob seinen Zauberstab, um Dolohow zu töten, doch in dem Moment traf ihn ein blauer Lichtblitz in den Rücken. Melinda hatte sich aufgerichtet und zielte mit ihrem Zauberstab auf Dunklen Lord. Wutentbrannt drehte dieser sich um. Melinda blieb keine Zeit, einen Schutzschild zu errichten. Wie von unsichtbaren Schnüren gezogen flog Melinda durch die Luft und schlug auf dem Schreibtisch auf. Der Dunkle Lord feuerte ein weißes Licht auf sie ab. Dolohow schrie irgendetwas dazwischen und sendete ein grünes Licht aus, um Melinda zu helfen. Bevor irgendjemand etwas tun konnte, leuchtete der ganze Raum hellrot und es gab eine mächtige, ohrenbetäubende Explosion, die wie ein Donnergrollen über sie hinwegfegte.
Rabastan konnte kurzzeitig nichts mehr sehen und hören und er dachte im ersten Moment schon, er sei tot. Als der Staub sich lichtete, sah er, was passiert war. Die Wucht der aufeinanderprallenden Zauber hatte das halbe Büro weggesprengt. Ein eisiger Wind fuhr ihnen durch die Haare. Sie standen im Freien auf dem höchsten Turm, rings um sich herum nichts mehr außer der weite Himmel und unter ihnen die unendliche Tiefe.
Melinda, die direkt der Explosion ausgesetzt gewesen war, war schwer verletzt und rang nach Luft. Der Dunkle Lord, der überhaupt keinen Schaden genommen hatte, hob erneut seinen Zauberstab und diesmal konnte niemand dazwischen gehen.
„Ich werde deiner Organisation deine Überreste schicken."
Das nächste, was Rabastan hörte, war Melindas markerschütternder Schrei, als sie in die Tiefe stürzte.
„Nein! Melinda!" Dolohow konnte nicht aufstehen, weil sich etwas spitzes Metallteil in seinen Oberschenkel gebohrt hatte. Aus er auftreten wollte, verzog er vor Schmerz das Gesicht. Lucius kämpfte sich unter ein paar Gesteinsbrocken hervor. Seine Wange war aufgerissen und blutete.
„Melinda!"
Melindas Schrei erstarb jäh, als sie unten auf dem Boden aufschlug und ihr Körper durch den Aufprall zerschellte.
„Und nun zu dir", sagte der Dunkle Lord mit einem siegessicheren Grinsen.
Selbst wenn er es gewollt hätte, hätte Rabastan sich nicht wehren können. Ein Zauber lähmte ihn und er musste hilflos zusehen, wie der Dunkle Lord ihn am Hals packte und nach oben zog. Die langen, knochigen Finger bohrten sich in seine Luftröhre. Der Dunkle Lord dirigierte ihn mit Leichtigkeit an den Rand des Abgrundes. Hilfesuchend tastete Rabastan nach allen Seiten. Als sie den Schreibtisch passierten, schlossen sich seine Finger um irgendetwas Festes, Kaltes.
„So ergeht es immer den Verrätern", sagte der Dunkle Lord, dann hob er seinen Zauberstab und im nächsten Moment durchfuhr ein brennender Schmerz Rabastans Brust wie ein glühendes Eisen. Ein stummer Schrei entfuhr Rabastan und er schmeckte Blut in seinem Mund. Sein Körper wurde von dem Schmerz taub. Die Hand um seinen Hals drückte fester zu und Sterne tanzten vor seinen Augen. Er drohte, das Bewusstsein zu verlieren. Er glitt bereits in Dunkelheit, als er aus dem Augenwinkel einen silbernen Schimmer und eine ausladende Bewegung wahrnahm. Im nächsten Moment stöhnte der Dunkle Lord auf und die Hand um Rabastans Hals löste ihren Todesgriff. Der Sauerstoff ergoss sich wie eine Flutwelle in Rabastan Lungen und Gehirn. Sein Bewusstsein für das Geschehen um ihn herum schärfte sich augenblicklich, als hätte ihm jemand aus der stillen, dunklen Tiefe des Meeres mit einem heftigen Ruck ins Tageslicht an die Oberfläche gezogen. Der Schmerz in seiner Brust traf ihn wie ein Schlag und er schnappte nach Luft. Tausend Nadeln traktierten seine Lungen.
Er war auf den Boden gesunken und sah von dort, was passiert war. Lucius hatte das Schwert von Gryffindor genommen und dem Dunklen Lord einen Arm abgetrennt. Aus der Wunde floss kein Blut, sondern ein feiner, schmutziger Sand. Wut und Wahnsinn hatten ihren Meister ergriffen. Er wirbelte herum und im nächsten Moment wurde Lucius herumgerissen, schlug auf dem Boden auf und blieb bewusstlos liegen.
Rabastan begegnete kurz Dolohows Blick. Antonin kämpfte sich nur mit Mühe auf die Beine. Nachdem er Lucius ausgeschaltet hatte, wandte sich der Dunkle Lord erneut Rabastan zu. Rabastan verstand sofort, dass er nur eine Chance hatte, die über Leben und Tod entscheiden sollte. Erst jetzt bemerkte er, was er eigentlich in der Hand hielt. Es war ein Dolch mit ägyptischen Hieroglyphen, eines der Artefakte, die der Dunkle Lord für das Ritual benutzen wollte.
Er musste aufstehen, doch Übelkeit überkam ihn und er spuckte Blut. Er atmete schwer und seine Beine zitterten. Er kannte den Fluch nicht, den der Dunkle Lord bei ihm angewendet hatte, doch er verstand sofort, dass es ein tödlicher Zauber gewesen war. Als der Dunkle Lord ihn abermals am Hals packte und hochriss, wurde Rabastan augenblicklich bewusst, dass er es nicht schaffen würde. Sie hatten keine Chance, selbst mit vereinten Kräften nicht, aber zumindest wollte er dem Dunklen Lord noch so viel Schaden wie möglich zufügen, sodass vielleicht andere ihr Werk vollenden konnten.
Der Dunkle Lord grinste. „Jeder bekommt das, was er verdient, nicht wahr, Rabastan?"
Hermine erschien vor seinem geistigen Auge, wie sie ihr Kind auf dem Schoß hielt und ihm zulächelte. Er musste etwas tun, das war er Hermine schuldig.
„Ja, jeder bekommt, was verdient."
Rabastan stieß dem Dunklen Lord den Dolch von unten durch das Kinn, sodass die Klinge den gesamten Schäden durchbohrte und die Spitze oben am Kopf wieder austrat. Sand und eine widerliche schwarze Flüssigkeit sickerten über Rabastans Hand. Er ließ den Griff des Dolchs los. Im nächsten Moment rammte Antonin dem Dunklen Lord das Schwert von Gryffindor senkrecht durch den Oberkörper. Mit dem letzten Rest Kraft, der ihm noch geblieben war, sagte Rabastan: „Jetzt schicke ich dich da hin, wo du hingehörst." Dann hob er den Dunklen Lord über den Rand des Turms.
Der Dunkle Lord fiel und im Flug wurde er von einem leuchtend grünen Licht erfasst und löste sich in Sand und schwarzen Rauch auf. All das sah Rabastan jedoch nicht mehr. Der Schmerz hatte ihn übermannt. Er war zur Seite gekippt und gab sich der Dunkelheit hin.
Der Kampf war zu Ende. Der Tumult hatte sich beruhigt und keine Lichtblitze schossen mehr durch die Luft. Überall loderten kleine Feuer, von denen schwarzer Rauch aufstieg. Das Schloss hatte einigen Schaden genommen, wenn auch nicht so schlimm wie in der ersten Schlacht von Hogwarts vor ein paar Jahren. Das Eingangstor hatte Brandflecken, eine Figur am Brunnen im Innenhof war weggesprengt worden und Steine waren aus den Mauern ringsum herausgebrochen. Als Hermine zusammen mit Rodolphus und Vanessa das Schlossgelände betrat und in den Innenhof ging, sahen sie vereinzelt Leichen auf dem Boden. Glücklicherweise war niemand von ihrer Seite unter den Toten.
Der Erste, den ihnen entgegenkam, war Amycus. Vanessa stürmte sofort auf ihn zu und fiel ihm erleichtert um den Hals. Ihr Mann war nur leicht verletzt. Er hinkte und hielt sich die Seite.
„Ist dir auch nichts passiert?", fragte Vanessa besorgt. „Hast du Greyback erwischt?"
„Habe ich, der wird uns keinen Ärger mehr machen."
Nach und nach versammelten sich alle Kämpfer im Innenhof. Hermine sah erleichtert, dass kaum jemand schwere Verletzungen davongetragen hatte. Manche hatten ein paar Kratzer im Gesicht, bei anderen war nur der Umhang zerrissen. Andromeda blutete am Arm, war aber sonst unversehrt. Sie umarmte Hermine.
„Es ist vorbei", sagte sie.
„Wo sind Antonin, Lucius und Rabastan?", fragte Rodolphus. „Und wo ist Melinda?"
„Ich weiß es nicht. Sie sind zu dritt rauf, um den Dunklen Lord zu töten. Melinda wollte sich mit ihnen auf dem Weg treffen. Ich habe sie nicht gesehen."
„Weiß irgendjemand von euch, was mit Rabastan und den anderen passiert ist?", fragte Hermine, die sofort ein schlechtes Gefühl beschlich.
Die Todesser und Widerstandskämpfer sahen sich fragend an und schüttelten den Kopf. Da stieß Macnair zur Gruppe.
„Ich glaube, eine Antwort habe ich." Er trug den leblosen und geschundenen Körper von Melinda Vermont in seinen Armen. Vorsichtig legte er die Leiche auf den Boden. Ein Raunen ging durch die Anwesenden.
Hermine schlug sich vor Schreck die Hand vor den Mund. „Melinda!"
„Sie ist tot. Ich habe sie am Fuße eines Turms gefunden. Sie muss runtergestürzt sein", erklärte Macnair. „Oben in dem Turm, wo das Schulleiterbüro war, hat es eine Explosion gegeben. Der halbe Turm ist weggesprengt worden. Ich habe es am Rande mitbekommen, als ich ein paar der neuen Rekruten verfolgt habe."
„Eine Explosion?! Bei Merlin, Rabastan!" Panik überkam Hermine.
„Was ist mit Voldemort? Weiß jemand etwas?"
„Keine Ahnung."
„Hermine, wir müssen..." Rodolphus wollte schon ins Schloss laufen, um seinen Bruder zu suchen, als drei Gestalten durch das Tor nach draußen kamen. Er erstarrte auf der Stelle.
Als Hermine die drei Männer erkannte, wurde ihr ganzer Körper taub. Lucius Malfoy und Antonin Dolohow, die beide verletzt waren, stützten den halb bewusstlosen Rabastan, der sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Sie zogen eine Blutspur hinter sich her.
„Rabastan! Nein!"
Hermine stürmte nach vorne. Lucius und Antonin legten Rabastan auf den Treppenstufen vor der Eingangshalle ab. Beide atmeten schwer und ließen sich erschöpft auf den Stufen nieder. Andromeda kümmerte sich sogleich um Lucius, der einen tiefen, blutigen Schnitt am Unterarm hatte. Madame Pomfrey wagte sich an Dolohow und versorgte die Wunde an seinem Oberschenkel.
Hermine fühlte sich völlig hilflos. Langsam sank sie neben ihrem Geliebten auf die Knie und befühlte mit zittrigen Händen Rabastans Oberkörper. Sein Umhang hatte sich mit Blut vollgesogen und sein Herzschlag war schwach und unregelmäßig.
„Was ist passiert?", fragte Andromeda.
„Der Dunkle Lord ist tot", erklärte Lucius, „aber er hat Melinda getötet."
„Das wissen wir, sie ist hier", sagte Professor McGonagall tief betroffen und deutete auf Melindas leblosen Körper, den Macnair auf den Boden zwischen ihnen gelegt hatte.
„Was ist mit Rabastan?", fragte Hermine völlig verzweifelt. Heiße Tränen liefen ihr Gesicht hinab.
„Der Dunkle Lord hat irgendeinen Fluch auf ihn angewendet, den wir nicht kannten. Es war derselbe, der auch meine Frau getötet hat", sagte Lucius.
Rabastan öffnete die Augen einen Spalt breit und berührte Hermines Hand. Sein Griff war schwach und seine Finger zitterten.
„Rabastan..."
„Es tut mir leid, Hermine", sagte Rabastan leise. „Ich hab es leider nicht geschafft. Ich habe mein Versprechen gebrochen."
„Nein! Sag so was nicht! Du wirst wieder gesund, Rabastan! Wir bringen dich zu einem Heiler und dann wird alles wieder gut! Du darfst mich nicht allein lassen!"
Hilfesuchend sah sie sich um. „Madame Pomfrey, bitte helfen Sie Rabastan!"
„Es tut mir leid, Ms. Granger, aber gegen solche schwarze Magie komme ich nicht an", sagte die Schulkrankenschwester und sah Hermine mitleidig an.
Der Schmerz überwältigte sie und schnürte ihr die Luft zum Atmen ab. Der Traum, der sie monatelang heimgesucht hatte, war doch wahr geworden. Ihre Vision hatte sich als richtig erwiesen. Ihre schlimmste Angst hatte sich bewahrheitet. Schuldgefühle plagten sie. Warum nur hatte sie es zugelassen, dass Rabastan kämpfte? Warum nur hatte sie die Warnungen ignoriert?
„Bitte, verlass mich nicht! Was soll ich nur ohne dich tun?"
„Ich liebe dich, Hermine", raunte Rabastan, dann schlossen sich seine Augen, sein Kopf sank zur Seite und der schwache Griff um Hermines Hand löste sich.
„Nein!"
Sie schrie und doch schien die Stimme, die aus ihrem Mund kam, fremd und weit weg zu sein. Starke Arme schlossen sich um sie und fingen sie auf. Sie schlug um sich, wehrte sich, wollte weg, sie wollte zerstören, die Welt um sie herum hätte in einem Flammeninferno zugrunde gehen können und es wäre ihr völlig gleichgültig gewesen. Wenn die Welt in diesem Moment ihr Ende gefunden hätte, sie hätte es begrüßt.
Die starken Arme umschlossen sie solange, bis sie sich beruhigt hatte und ihre Beine vor Erschöpfung nachgaben. Sie sanken auf den Boden.
„Es tut mir so leid", flüsterte ihr Rodolphus zu und streichelte über ihren Rücken.
„Ich wusste es", sagte Hermine mit erstickter Stimme. „Ich wusste, dass das passieren würde. Warum habe ich ihn gehen lassen?"
Rodolphus blickte sie ernst an, doch auch auf seinem Gesicht standen Schmerz, Wut und Hilflosigkeit.
„Er musste gehen, Hermine. Er hat gekämpft, damit ihr ein gutes Leben habt. Du musst dich jetzt um euer Kind kümmern."
„Das ist nicht fair", sagte Hermine und schüttelte den Kopf.
Lucius Malfoy legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Tut mir so leid." Er nahm Andromeda in seine Arme, die auf der Treppe zusammengesunken war und weinte.
Hermine näherte sich Rabastans leblosem Körper, nahm seine Hand und drückte sie fest. Dann berührte sie ihn vorsichtig an der Wange. Er strahlte immer noch die Wärme aus, die ihr so viel Geborgenheit gegeben hatte. Sie schmiegte sich an ihn und legte ihren Kopf auf seine Brust, in der das gleichmäßige Schlagen seines Herzens erloschen war. Tränen liefen ihre Wangen hinab und fielen auf die Wunde an seiner Brust.
Hermine wusste, dass sie für ihr Kind stark sein und weitermachen musste, aber in jenem Moment raubte ihr der Schmerz jede Lebenskraft. Die Welt um sie herum kam zum Stillstand. Alles verlor an Bedeutung. Ein schwarzer Schatten legte sich über Hermine. Wenn ihr Kind nicht gewesen wäre, dann hätte sich Hermine gewünscht, Rabastan folgen zu können.
Es war ein wohliger Klang, der die Luft über dem Schloss erfüllte und der Hermine die Kraft gab, sich von der Dunkelheit loszureißen, ihren Kopf zu heben und nach der Quelle des wunderschönen Gesangs zu suchen.
Fawkes, der Phönix, schwebte über dem Schlossgelände und sang. Die sanften Töne, die in jeden Winkel des Schlosses vorzudringen schienen, erfüllten sie alle nach den Strapazen des Kampfes mit neuer Kraft.
„Ist das ein Phönix?", fragte Lucius Malfoy.
„Das ist der aus Melindas Büro. Er gehörte Dumbledore", sagte Amycus.
Jeder sah nach oben und lauschte andächtig dem beeindruckenden und unvergleichlichen Lied.
Fawkes zog erst Kreise über ihre Köpfe, dann steuerte er den Hof an und landete neben Hermine und Rabastan. Es war genau wie in Hermines Traum. Rabastan starb und Fawkes erschien.
„Hallo, Fawkes", sagte Hermine leise und streichelte dem Vogel über den Kopf. In dieser düsteren Stunde war Fawkes wie ein helles, wohltuendes Licht, das in der Dunkelheit für sie erstrahlte. Der Phönix sah Hermine einen Moment an, dann senkte er seinen Kopf.
„Was macht er da?", fragte Andromeda. Vor Ehrfurcht sprach sie so leise, dass ihre Stimme kaum zu vernehmen war. Niemand wagte es zu atmen. Alle Blicke waren gebannt auf den mystischen Vogel gerichtet. Dicke Tränen quollen aus seinen Augen und fielen auf Rabastans Wunde.
„Er weint."
„Phönixtränen haben Heilkräfte", raunte Rodolphus.
Die klaffende Wunde in Rabastans Brust schloss sich allmählich. Hermines Augen weiteten sich. Sie konnte nicht glauben, was sie sah. Plötzlich verstand sie die Bedeutung ihres Traums.
Als Fawkes Rabastans Wunden geheilt hatte, sah er Hermine ein letztes Mal an und erhob sich schließlich erneut in die Luft. Alle sahen ihm nach, als er über das Schlossgelände davonflog. Er landete auf Dumbledores Grabmal, wo er in Flammen aufging. Doch anstatt aus der Asche wiedergeboren zu werden, erstarrte er schließlich zu Stein. Der Phönix starb. Für ihn war der lange Kreislauf aus Entstehen und Vergehen zu Ende gegangen, weil er sich entschieden hatte, seinem alten Herrn zu folgen.
„Deshalb war er die ganze Zeit über noch hier. Er hat auf seine Aufgabe gewartet, die er noch erledigen musste", meinte Rodolphus.
„Hermine...", ertönte plötzlich eine schwache Stimme neben Hermine.
„Rabastan?"
Unter ihrer Handfläche, die auf seiner Brust ruhte, spürte sie wieder einen regelmäßigen Herzschlag. Rabastan hatte die Augen geöffnet und sah sie lächelnd an.
„Rabastan, du lebst!"
„Wie ist das möglich?", fragte Rodolphus.
Hermine umarmte Rabastan fest. Dieser erwiderte ihre Geste.
„Ich bin so froh. Aber wie ist das möglich? Ich verstehe das nicht. Ich dachte, du bist..."
Tränen der Freude stiegen in ihre Augen.
„Ich war für einen Moment tot, glaube ich", sagte Rabastan. „Ich habe Bella gesehen und Narcissa und unsere Eltern. Sie haben auf mich gewartet, aber ich habe ihnen gesagt, dass ich noch etwas zu erledigen habe. Ich wusste, dass ich zu dir zurückkommen musste."
„Der Phönix hat dich geheilt und zurückgebracht", erklärte Hermine.
„Der Phönix? Dann bin ich ihm wohl etwas schuldig. Wo ist er? Ich würde ihm gerne danken."
„Er ist tot. Er hat sein Leben für deines gegeben."
Hermine und Rodolphus halfen Rabastans auf die Beine.
„Geht es dir gut, Bruder? Wie fühlst du dich?"
„Es geht mir gut."
Rabastan griff sich an die Brust, wo zuvor noch seine Verletzung gewesen war.
„Der Phönix hat mich gerettet und ist meinetwegen gestorben?"
„Ja. Es war seine Aufgabe, auf die er gewartet hat. Deshalb war er noch da." Hermine deutete in der Ferne auf Dumbledores Grab. „Ich bin so froh, dass ich dich wiederhabe." Sie umarmte Rabastan.
Die Todesser und die Widerstandskämpfer schlossen einen Kreis um sie.
„Schon, dass du wieder unter uns bist", sagte Amycus.
„Geht es allen gut?", fragte Rabastan und sah in die Runde.
„Es gab ein paar Verletzte, aber keine Toten. Außer..."
„Melinda, ich weiß. Der Dunkle Lord hat sie getötet."
Travers stützte Antonin, als dieser zu Melindas Leiche schritt und neben ihr auf die Knie sank. Zärtlich nahm er sie in die Arme und streichelte ihr über die Haare.
„Rabastan, was ist passiert?", fragte Arthur Weasley.
„Der Dunkle Lord wusste, dass wir kommen würden. Er hatte Melinda in seiner Gewalt und hat sie gefoltert. Wir wollten ihr helfen, aber wir hatten keine Chance. Er hat sie kaltblütig vor unseren Augen ermordet. Wir haben uns duelliert, aber waren ihm hoffnungslos unterlegen, selbst zu dritt."
„Wie habt ihr ihn vernichtet?"
„Er wollte auch mich töten. Der Dunkle Lord hat irgendeinen Fluch bei mir angewendet, den ich nicht kannte. Lucius hat das Schwert von Gryffindor genommen und mich damit gerettet, sonst wäre ich auch in die Tiefe gestürzt. Antonin und ich haben ihn dann mit einem Dolch und dem Schwert erstochen. Er stürzte den Turm hinunter in den Tod."
„Ist es wirklich vorbei? Ist Voldemort wirklich tot?" Es war Professor McGonagall, die fragte. Offenbar konnte sie es noch nicht glauben, dass der Schrecken endlich ein Ende gefunden haben sollte.
„Ja, der Dunkle Lord ist tot", sagte Rabastan. „Es ist geschafft."
Erleichterung trat auf ihr Gesicht.
„Jetzt können wir endlich in Frieden leben", sagte Hermine und küsste Rabastan voller Leidenschaft. Die Umstehenden klatschten. In dem tosenden Beifall, den sie bekamen, raunte Rabastan Hermine zu: „Ich glaube, ich habe unsere Tochter gesehen. Sie hat mich daran erinnert, welche Aufgabe noch auf mich wartet."
Als der Jubel über ihren Sieg verstummte, trat Yaxley nach vorne. Alle wurden ernst. Sie wussten, was nun bevorstand.
„Es ist soweit. Voldemort ist vernichtet", sagte Hermine.
Der ehemalige Leiter der Strafverfolgungsbehörde nickte. „Wir werden unseren Teil des Vertrages erfüllen. In drei Tagen werden wir das Land verlassen haben." Er lächelte. „Es war mir eine Ehre an Ihrer Seite zu kämpfen, Ms. Granger." Er schüttelte Hermine die Hand.
„Wir danken Ihnen für Ihre Hilfe. Ohne Sie alle hätten wir das niemals geschafft."
Die Todesser disapparierten nach und nach, bis schließlich nur noch Rabastan, Rodolphus, Lucius, Amycus und Antonin übrig waren. Bevor sie verschwand, umarmte Alecto kurz ihren Bruder. „Leb wohl, Amy", sagte sie, dann ergriff sie Macnairs Hand und die beiden disapparierten zusammen.
Antonin saß immer noch neben Melindas Leiche, als Rabastan und Rodolphus sich ihm langsam näherten. „Antonin, es ist Zeit."
„Ich weiß", sagte Antonin und erhob sich. Er und Rabastan gaben sich die Hand.
„Du wirst mir fehlen, alter Freund", sagte Rabastan und die beiden Männer gaben sich die Hand. „Was hast du jetzt vor?"
„Ich werde in meine Heimat zurückgehen. Du wirst mir ebenfalls fehlen, Rabastan. Es schmerzt mich, dass unsere Freundschaft so ihr Ende findet." Er nickte Rodolphus zu. „Ms. Granger."
Hermine kam auf Antonin zu und schüttelte ihm die Hand. „Ich wünsche Ihnen alles Gute auf Ihrem weiteren Weg, Ms. Granger. Ich kann mich Yaxley nur anschließen, es war auch mir eine ganz besondere Ehre, an Ihrer Seite zu kämpfen."
„Danke für Ihre Hilfe, Antonin."
Dolohow hob sanft Melindas leblosen Körper vom Boden auf. „Ich werde sie mitnehmen und mich um eine Bestattung kümmern."
„Es tut uns so wahnsinnig leid. Wir wissen, wie viel sie dir bedeutet hat."
„Danke. Es war nur von kurzer Dauer mit uns beiden, aber ich werde mich immer an die schönen Momente erinnern, die wir hatten. Ich verdanke Melinda sehr viel."
„Das tun wir alle. Ich wünschte, wir könnten ihr noch sagen, wie dankbar wie ihr sind."
„Wo auch immer sie jetzt ist, sie weiß es bestimmt. Also dann, lebt wohl."
„Irgendwann sehen wir uns wieder, Antonin. Mach's gut."
Dolohow verschwand vor ihren Augen.
„Nach der ganzen Aufregung möchte ich nur noch nach Hause", sagte Hermine.
„Das ist eine gute Idee", meinte Rabastan, lächelte und küsste Hermine.
