Kapitel 14
Besorgt betrat Draco das Esszimmer, in dem sein Vater,
Severus und inzwischen auch Jessmina, Harrison und Blaise
saßen.
"Leute, wir haben ein Problem", meinte er
nur.
"Wie meinst du das? Ist was mit Harry?" fragte Severus
nach.
"Komm Kleiner", meinte Draco nur und trat zur Seite, um
dem Schwarzhaarigen, der sich neugierig, aber dennoch ängstlich
umsah, und dabei weiterhin den Stoffbären an sich presste,
hereinzulassen.
Langsam betrat er den Raum, und blickte alle
Anwesenden kurz an. Dann sah er zu Draco.
"Sind das auch
Freunde?" fragte er im kindlich-naiven Tonfall.
"Ja. Keine
Angst. Sie tun dir nichts", meinte Draco. "Sagst du ihnen mal
bitte deinen Namen und wie alt du bist?"
"Draco, was soll
das...", begann Blaise. Ein Blick des Blonden brachte ihn zum
verstummen. Dann lächelte der Blonde aufmunternd dem
Schwarzhaarigen zu.
"Ich bin Harry und ich bin sieben Jahre alt,
meinte Harry und sah scheu in die Runde.
Ein aufkeuchen ging durch
die Runde.
"Soll das ein Scherz sein?" fragte Jessmina
verblüfft.
"Nein. Mir hat er auch gesagt das er erst sieben
ist. Ich habe ihn oben im Kinderzimmer gefunden, wo er auf dem Boden
saß und sich an dem Bären fest hielt", meinte Draco.
"Das ist aber noch nicht alles. Harry, würdest du den anderen
bitte erzählen, was du mir erzählt hast?"
"Was
meinst du?"
"Was dein Onkel gesagt hat, das du machen
musst."
"Muss ich das hier auch tun?"
"Nein. Aber
erzähl es bitte den anderen, ja."
"Okay. Onkel Vernon hat
gesagt, dass ich lieb zu den Fremden sein muss die in mein Zimmer
kommen, und alles machen muss, was sie sagen. Sonst haut er mich. Hat
er gesagt. Und die haben immer ganz eklige Sachen von mir verlangt.
Ich mag das nicht. Aber Onkel Vernon ist immer ganz böse
geworden, wenn ich es nicht gemacht habe, und er hat mich dann immer
ganz doll gehaun."
In Severus, Lucius, Blaise, Jessmina und
Harrison keimte ein grauenhafter Verdacht auf.
"Harry, was genau
wollten die Fremden denn, das du machst?" fragte Lucius
vorsichtig.
"Die wollten, dass ich sie da unten streichle und
küsse. Ich mag das gar nicht. Das ist voll eklig. Muss ich das
hier auch tun?"
"Nein, Kleiner. Musst du nicht", sagte Draco
nur.
Den anderen Anwesenden hatte es bei diesen Worten den Boden
unter den Füßen weg gerissen. Da stand ein, zumindest
seelisches, siebenjähriges Kind und erzählte, dass sein
Onkel ihn dazu gezwungen hatte, fremden Männern sexuelle Dienste
zu erweisen.
"Ich bring sie um", meinte Jessmina plötzlich
in einem aggressiven Tonfall, den bisher noch niemand von ihr gehört
hatte, und alle Anwesenden wussten, dass sie es ernst meinte. Niemand
konnte es ihr verübeln. Immerhin hatte sie gerade erfahren, dass
ihr einziges Kind schon in frühen Jahren auf verachtenswerte
Weise missbraucht wurde.
"Aber lass bitte was für uns
übrig", knurrte Blaise nur. Und jeder nickte nur
zustimmend.
"Seid ihr jetzt böse auf mich?" fragte Harry
scheu und ängstlich dazwischen.
Draco lächelte den
Schwarzhaarigen beruhigend an. "Nein, Kleiner. Keiner ist böse
auf dich."
"Ich glaube, wir sollten Tom Bescheid sagen",
meinte Lucius plötzlich.
"Wer ist Tom?" fragte
Harry.
"Tom ist auch ein Freund", lächelte Draco.
"Ach
so. Ist der auch lieb und tut mir nicht weh?"
"Ja. Er ist ganz
lieb und er mag dich ganz doll gern."
"Echt?" fragte Harry
und bekam große Augen.
"Ja, echt. Wir alle mögen dich
ganz doll."
Schüchtern sah Harry Draco an. So als wolle er
etwas fragen, traue sich aber nicht, weil er Angst hatte, bestraft zu
werden.
"Was ist denn?"
"Spielt ihr auch mit mir? Mein
Onkel und meine Tante haben Dudley ganz doll lieb und spielen mit
ihm, aber mich mögen sie nicht, und deshalb darf ich nicht
spielen."
"Wir spielen auch mir dir, wenn du magst",
lächelte Draco.
"Au ja, freute sich Harry und begann über
das ganze Gesicht zu strahlen. Mit so einer Kleinigkeit wie dem
Versprechen mit ihm zu spielen, konnte man ihm anscheinend eine
riesige Freude machen.
Mit einem lauten plopp erschien
plötzlich ein Hauself.
Harry machte einen ängstlichen
Ausruf, und versteckte sich dann schnell hinter Draco. Dann lugte er
vorsichtig auf das komische, kleine Wesen, dass auf dem Boden
stand.
"Der Prüfer aus dem Ministerium hat soeben Bescheid
gegeben, dass er in einer halben Stunde ankommen würde",
meinte der Hauself.
"Oh nein. Das haben wir komplett vergessen",
stöhnte Severus entnervt auf.
"Na toll. Und was machen wir
jetzt? So kann er keine Prüfung ablegen", meinte Draco.
"Kann
das nicht einer von uns übernehmen?" fragte Harrison
nach.
Severus schüttelte nur den Kopf.
"Dein Sohn hat
einen IQ von 214. Noch dazu ein fotografisches Gedächtnis.
Keiner von uns könnte eine Prüfung ablegen, bei der das
Ergebnis auch nur halb so gut ausfallen würde."
"Doch.
Tom ist auch hoch begabt. Ich glaube er hat auch einen IQ von über
200. Er könnte vielleicht die Prüfung machen", meinte
Lucius nachdenklich.
"Aber er ist nicht hier", meinte Draco
nur.
"Ich schreibe ihm eine Nachricht, in der ich die Situation
erkläre. Bis er da ist, müssen wir den Prüfer
ablenken. Und seht zu, das Harry dem Prüfer nicht über den
Weg läuft", meinte Severus und stand auf, um Tom eine
Nachricht zu schreiben. Dabei fiel der Blick des Tränkemeisters
auf Harry, der sich langsam und mit neugierigen Augen dem Hauselfen
näherte.
"Draco, Jessmina, ihr lenkt den Prüfer ab.
Lasst euren Charme spielen", meinte Lucius. Dann wandte er sich an
den Schwarzhaarigen, der den Hauselfen noch immer interessiert
musterte.
"Harry. Magst du mit mir in dem Zimmer spielen, in dem
du den Bären gefunden hast?" fragte Lucius lieb.
Harry sah
den Älteren groß an.
"Ich darf da spielen?"
"Ja,
wenn du magst."
"Und du spielst mit mir?"
"Ja, wenn du
mich mitspielen lässt."
"Au ja", rief Harry, lief auf
Lucius zu, nahm seine Hand und zog ihn, rückwärts laufend,
aus dem Zimmer in Richtung zweiten Stock. Die Zurückgebliebenen
mussten bei der Begeisterung des Kleinen leicht schmunzeln.
"Wie
kann man so einem lieben Kind nur so etwas Grauenhaftes antun?"
fragte Jessmina traurig in die Runde.
Harrison nahm seine
Partnerin sanft in den Arm, ehe er meinte.
"Ich weiß es
nicht, Liebes. Ich weiß es nicht."
