Kapitel 21
Geschockt sahen Lucius, Severus und Harrison auf Tom. Ein
dunkler Nebel war um ihn aufgezogen und verhüllte ihn. Nur
schemenhaft war seine Gestalt noch zu erkennen.
Draco achtete
nicht darauf. Er hatte nur Augen für das zitternde Bündel
in seinen Armen. Langsam öffnete der
schwarzhaarige Veela die Augen und starrte gebannt auf den
dunklen Nebel.
"Tommy...", flüsterte er, machte sich von
Draco los und krabbelte vorsichtig und langsam auf den Nebel zu. Zu
Tommy. Dem jungen Mann, der ihm als einziger in seiner Kindheit Liebe
und Geborgenheit geschenkt hatte. Zu Tommy, der ihm immer zugehört
hatte, wenn sein Onkel wieder gemein zu ihm war.
Als er Toms
Stimme hörte, die ihn schwarzer Panther nannte, wusste er
wieder, was geschehen war. Er wusste wieder, das Tom sein Tommy war.
Der Tommy, in den er sich schon mit gerade mal zehn Jahren verliebt
hatte. Der Tommy, der immer liebevoll und zärtlich zu ihm
gewesen war. Und der Tommy, der ihm in der vergangenen Nacht gezeigt
hatte, was Liebe war.
Er registrierte nicht die verwunderten
Blicke von Draco, Severus, Lucius und seinem Vater. Alles, was er
noch registrierte, war Tom, der unendliche Traurigkeit und Schuld
fühlte.
Langsam durchstieß er die dunkle Wolke, die Tom
umgab, krabbelte auf den Schoß des Älteren, schlang die
Arme um ihn und flüsterte ihm leise zu.
"Ich liebe dich,
Tom...mein Tommy.", dann barg er sein Gesicht in der Halsbeuge des
Älteren und kuschelte sich bei ihm ein.
Vorsichtig, wie in
Trance schloss Tom den Jüngeren in seine Arme. Nur langsam
tauchte er aus seiner Trauer auf und hörte die Worte des
Jüngeren, die sein Herz ohne umschweife erreichten und es in
einem sanften Licht heilen ließ. Dann fühlte er den zarten
Körper an sich. Er roch den unverwechselbaren Geruch seines
kleinen Panthers und in diesem Moment erwachte er vollkommen.
"Ich
liebe dich auch, Harry...mein kleiner Panther.", flüsterte er
und drückte den Jüngeren näher an sich.
Die dunkle
Wolke wurde von einem blendend weißen Licht verdrängt,
dass die beiden Liebenden zärtlich einhüllte. In diesem
Moment waren alle Zweifel, alle Ängste und alle Trauer von den
Zuschauern gewichen und es breitete sich ein Gefühl von Wärme,
Harmonie und Hoffnung in ihren Herzen aus.
Eine warme, sanfte,
freundliche und gänzlich unbekannte Stimme erfüllte den
Raum: "Nun sind die beiden Seelen vereint, die in Macht, Liebe und
Eintracht die Welt leiten werden, auf das der Schatten des Zweifels
von den Sterblichen verschwindet und das Licht der Hoffnung
zurückkehren kann, welches sie nur gemeinsam leuchten lassen
können."
Das Licht um die beiden Liebenden verblasste.
Stattdessen erstrahlte es golden in der Ecke der Halle und ein
Mädchen erschien. Silbernes Haar umrahmte ein zartes,
schneeweißes Gesicht und umspielte die sanften Rundungen, die
in beigefarbenen Stoff gehüllt waren und erreichten fast den
Boden. Ein warmes Lächeln lag auf den Lippen des Mädchens,
dessen goldene Augen dieselbe Wärme ausstrahlte.
"Wer bist
du?", fragte Draco argwöhnisch.
"Schicksal ist mein Name
und meine Bestimmung. Nun, da es sich erfüllt hat bin ich hier,
um euch alles zu erklären."
Tom löste sich leicht von
seinem Liebsten und sah das Mädchen ungläubig an.
"Du...du
hast mich damals zu ihm geführt."
"Ja."
"Warum?"
"Ich
bin hier, es euch zu erklären, aber ich denke es gibt einen
gemütlicheren Ort, als der Fußboden.", lächelte
sie.
"Leute, ich will ja nicht stören, aber die Prüfung.",
warf Harrison ein.
"Vater Zeit gestattet ihren Verlauf zu
bestimmen. Holt alle, mit denen ihr die Wahrheit teilen wollt, in
einen Raum. Zeit spielt dabei keine Rolle.", lächelte sie
weiter.
"Ist die Zeit wirklich dein Vater?", fragte Harry
verwundert, während er zusammen mit Tom aufstand.
"Ja.
Vater Zeit und Mutter Raum sind meine Eltern. Meine Brüder sind
Schatten und Tod. Meine Schwestern sind Licht, Zerstörung,
Hoffnung, Liebe und Leben."
"Was wollt ihr von uns? Nur für
eine Erklärung bist du bestimmt nicht hier.", meinte Tom und
zog Harry beschützend an sich.
"Wir benötigen Eure
Hilfe."
"Wobei?"
"Alles zu seiner Zeit."
"Gut.
Lucius, wecke Zissa und Pansy. Harrison, hol Jessmina und Blaise. Wir
treffen uns in der Bibliothek.", meinte Tom an Lucius und Harrison
gewand. Diese nickten nur und verschwanden dann. Der eine im
Speisesaal, der andere die Treppe Richtung Schlafzimmer. Dann blickte
Tom wieder zu dem Mädchen, Schicksal. "Komm."
Mit Harry
im Arm ging er dann Richtung Treppe. Das Mädchen folgte ihm ohne
zögern. Erst als sie vorbei war setzten sich auch Draco und
Severus in Bewegung um ein Auge auf diese merkwürdige Person zu
haben.
Keine zehn Minuten später kamen Harrison,
Jessmina, Blaise, Lucius, Narzissa und eine verschlafene Pansy die
Bibliothek. Harry hatte sich neben Tom auf dem Sofa gekuschelt, wo
auch Draco und Severus saßen. Schicksal stand vor dem Kamin.
Den Blick in die Flammen gerichtet.
Die Sechs ließen sich
auf zwei weiteren Sofas nieder und warteten, bis das Mädchen
begann zu sprechen. Harrison und Lucius hatten die anderen vier in
die neuesten Ereignisse eingeweiht.
"Ich habe Euch viel zu
erzählen und möchte Euch bitten, mich aussprechen zu
lassen. Sollten noch Fragen offen bleiben, sprecht mich bitte darauf
an, wenn ich mit meiner Erzählung geendet habe. Es ist äußerst
Wichtig. Für Euch, für uns und für das weitere
bestehen dieses Planeten. Bitte, lasst mich sprechen.", sagte
Schicksal und drehte sich mit bittenden Augen den Anwesenden
zu.
"Sprich. Wir würden gerne erfahren, was du zu sagen
hast.", meinte Tom und die anderen nickten nur.
