Kapitel 27
"Komisches Mädchen", meinte Harry.
"Wie dem
auch sei. Lucius, Severus, Zissa, würdet ihr euch bitte um
unseren Plan kümmern. Ich kläre inzwischen das mit Bella.
Irgendwie kann ich nicht glauben, dass sie Menschen in den Wahnsinn
foltert. Dazu ist sie zu zart besaitet."
"Ja, klar.",
brummte Harry nur.
"Es stimmt. Tante Bella ist wirklich zart
besaitet. Nach der Sache im Ministerium war sie für einen Monat
nicht mehr ansprechbar. Eigentlich sollte das Ganze ja nur eine
Kurierarbeit werden, deshalb ist sie mitgegangen. Der Kampf hat sie
ziemlich fertig gemacht", meinte Draco und sah Harry ehrlich
an.
"Lasst mich bitte selbst ein Urteil fällen. Okay. Und
keine Angst, ich möchte versuchen alle Todesser noch mal ohne
Vorurteile und ohne Rücksicht auf das Vergangene kennen zu
lernen. Immerhin seid ihr alle auch ganz anders als ich gedacht
hätte", meinte Harry nach einer Weile.
"Natürlich,
Liebling", meinte Tom nur und gab Harry einen kurzen Kuss auf die
Stirn. "Ich rufe sie dann mal her. Und ihr drei, an die Arbeit, ihr
werdet nicht fürs nichts tun bezahlt."
"Nein. Wir werden
gar nicht bezahlt", grinste Zissa und verschwand. Lucius und
Severus folgten ihr kopfschüttelnd.
Als Harry die Beiden
nebeneinander sah, fiel ihm wieder ein, was Krenjo gesagt hatte.
"Du
Draco, sag mal, was für eine Beziehung haben Severus und dein
Vater eigentlich?"
"Sie sind seit Jahren die besten Freunde,
warum?"
"Hm. Nur so", meinte Harry und grinste.
'Was
hast du vor', wollte Krenjo wissen.
'Na ja, mal sehen, ob sie
nicht mehr als beste Freunde sind. Immerhin sind sie oft zusammen und
verstehen sich gut.'
"Harry, warum grinst du so komisch?"
fragte Tom.
'Darf ich's Tom sagen? Der könnte uns
helfen.'
'Von mir aus.'
'Danke.'
"Erkläre
ich dir später, wenn wir alleine sind. Ist ein Geheimnis. Rufst
du jetzt Bellatrix? Sonst verpasse ich meine Prüfung. Was habe
ich heute eigentlich und was ist mit der von gestern
gewesen?"
"Gestern hab ich übernommen. Heute hast du
Geschichte der Zauberei, Arithmantik und Runenkunde. Aber die letzten
beiden Fächer kannst du nicht, also werd ich das übernehmen
und du paukst das ganze bis Ferienende", meinte Tom.
'Ich
beherrsche Arithmantik und Runenkunde und kann dir bei der Prüfung
helfen.'
"Lass mal, Krenjo kann das auch und macht die
Prüfung. Somit ist es auch meine Leistung und nicht
deine."
"Okay. Dann rufe ich jetzt mal Bella her", meinte
Tom und konzentrierte sich wieder. Seine Augen wurden wieder rot.
Nach knapp einer Minute war es vorbei. Seine Augen wurden wieder
blau.
"Duhu Tohom", meinte Harry fragend.
"Ja.
Was?"
"Kannst du deine Augen nicht rot lassen?"
"Warum?"
"Ich
find sie rot cooler", grinste Harry.
"Heißt das, meine
blauen Augen gefallen dir nicht?"
"Doch, sie gefallen mir.
Aber die roten sind cooler."
"Aha. Die meisten haben Angst vor
roten Augen", meinte Tom und sah Harry verwirrt an.
'Ich mag
rote Augen. Sie erinnern mich an ihn', hörte Harry Krenjo
seufzen.
'An wen? Ich dachte du wärst nie verliebt
gewesen.'
'Zu Lebzeiten war ich nie verliebt. Du hast doch den
Brunnen im Garten gesehen. Durch den konnten wir auf diesen Planeten
blicken.'
'Und du hast dich in jemanden verliebt, den du im
Brunnen gesehen hast?'
'Ja', meinte Krenjo und klang
eindeutig verträumt.
Harry grinste. 'Wie hieß er
den?'
'Salazar.'
'Salazar Slytherin?'
'Ja, woher
weißt du das?'
'Salazar Slytherin war ein Gründer
von Hogwarts und ist Toms Vorfahre.'
'Echt?'
'Ja,
echt.'
"Harry?" fragte Tom vorsichtig. Sein Liebling wirkte
leicht weggetreten.
"Hm", machte Harry und seine Augen wurden
wieder klar.
"Was hast du gemacht? Du sahst irgendwie so aus,
als wärst du nicht wirklich hier."
"Habe mich mit Krenjo
unterhalten. Sorry. Aber er meinte, er
würde rote Augen auch lieben, weißt du, warum?"
"Nein,
warum?"
"Weil er sich in Salazar verknallt hat, als er ihn
durch den Brunnen, von dem ich euch erzählt habe, gesehen hat.
Sie konnten von dort aus nämlich auf unseren Planeten
blicken."
"Salazar Slytherin hatte rote Augen?" fragte Draco
verwirrt. Pansy und Blaise wirkten auch so, als hätten sie das
nicht gewusst.
"Ja. Wusstet ihr das nicht?"
"Nein, aber
warum hatte er rote Augen, wenn unsere Farben grün sind, das
beißt sich doch."
'Das war ein Zeichen des
Zusammenhaltes. Salazar hatte Rote Augen und Grüne Farben für
sein Haus. Godric Gryffindor hatte grüne Augen und Rote Farben.
Bei den Frauen war's das Gleiche. Sie haben die Augenfarbe des
jeweils anderen zur Hausfarbe gemacht.'
"Wow. Sie mussten echt
gut befreundet gewesen sein", meinte Harry laut, um den Kontakt zur
Realität nicht wieder zu verlieren, wenn er geistig
antwortete.
"Wer muss echt gut befreundet gewesen sein?, fragte
Pansy nach.
"Die Gründer von Hogwarts. Krenjo meinte, dass
sie die Augenfarbe des jeweils anderen zur Farbe für ihr Haus
gemacht haben. Also hatte Gryffindor grüne Augen und Slytherin
rote", klärte Harry sie auf.
"Sagt mal, habt ihr in
Geschichte der Zauberei geschlafen?" fragte Tom.
Ein
vierstimmiges "Ja, warum?" ertönte.
"Weil das Stoff der
dritten Klasse ist."
"Lass du dich mal von einem Geist
unterrichten. Da ist es interessanter, dem Gras beim wachsen
zuzusehen", meinte Harry nur.
Plötzlich klopfte es an der
Tür.
"Herein", meinte Tom.
Langsam ging die Tür
auf und Bellatrix Lestrange betrat den Raum. Vor Tom ging sie auf die
Knie und sagte.
"Ihr habt gerufen, My Lord."
"Ja, steh
auf und setzt dich", meinte Tom kalt.
Dafür verpasste Harry
ihm einen Stoß in die Rippen.
"Ein bisschen Freundlichkeit
hat noch niemanden umgebracht. Ihre Gefühle laufen so schon
Amok, da brauchst du nicht auch noch einen auf Eisklotz zu
machen."
Tom funkelte Harry beleidigt an.
"Sag du mir
nicht, wie ich meine Leute zu behandeln habe", zischte er.
Eine
Minuten funkelten sich beide böse an, ehe Tom den Blick abwandte
und beleidigt in die andere Ecke sah.
"Jetzt wissen wir
zumindest, wer in dieser Beziehung das Sagen hat", grinste
Draco.
Tom lief rot an und ließ ein Schnauben hören.
"Ähm",
machte Bellatrix wieder auf sich aufmerksam, die verwirrt auf Harry
und Tom blickte.
"Hallo Bella. Bitte setz dich doch. Beachte Tom
einfach nicht weiter, der schmollt nur" grinste Harry sie an.
Nach
einem kurzen, vorsichtigen Blick auf Tom setzte sie sich in den
Sessel, in dem Schicksal noch vor wenigen Minuten gesessen
hatte.
"Tante Bella, darf ich vorstellen, das ist Luzifer
Salazar Black. Vor wenigen Tagen noch Harry James Potter", lächelte
Draco sie verständnisvoll an.
"Das ist Potter? Du siehst
aus wie...", begann Bella, verstummte dann aber. Sie wusste ja
nicht, ob er Jessmina und Harrison schon kennen gelernt hatte. Diese
hatten nämlich kurz nach Lucius und Severus den Raum verlassen.
Jessmina fühlte sich nicht wohl und Harrison hatte seine Frau
begleitet.
"Wie meine Mutter? Keine Angst, ich habe sie schon
kennen gelernt", lächelte Harry die Schwarzhaarige aufmunternd
an.
"Okay" meinte Bella, betrachtete betreten ihre Hände,
die sie im Schoß gefaltete hatte. "Wegen...wegen
Sirius...es...es tu mir leid...das wollte ich nicht...",
flüsterte sie leise.
"Schon okay. Es war ein dummer
Unfall."
Überrascht hob die Schwarzhaarige den Kopf.
"Du
bist mir nicht böse?"
"Wenn ich auf dich sauer wäre,
müsste ich theoretisch auch auf mich, Sirius und Dumbledore
sauer sein. Auf mich, weil ich so dämlich war überhaupt ins
Ministerium zu gehen, ohne anständig nachzuprüfen, ob die
Vision auch stimmte. Auf Sirius, weil er mir gefolgt ist. Und auf
Dumbledore, was ich so oder so bin, weil er Sirius so lange im
Grimmauldplatz eingesperrt hat."
Bellatrix lächelte ihn
traurig an. "Du warst im Haus der Blacks?"
"Ja, Dumbledore
hatte da sein Hauptquartier für den Phönixorden. Jetzt
gehört es mir."
"Verstehe. Was wollt ihr von mir?"
Harry
seufzte tief. Irgendwie konnte er selbst nicht mehr glauben, dass sie
wirklich zu so einer Tat fähig gewesen wäre.
"Hast du
die Longbottems mit dem Cruciatus belegt?"
"Ja", hauchte
sie. "Aber ich stand unter dem Imperius."
"Von wem?"
"Ich
weiß es nicht."
"Warum hast du mir das nie gesagt?"
fragte Tom scharf nach.
"Ich...ich wollte es vergessen...",
flüsterte sie und Schmerz und Trauer zeichnete sich auf ihrem
Gesicht ab.
"Tom, es reicht. Wenn du es nicht schaffst, dich in
einem zivilisierten Ton zu unterhalten, dann geh" meinte Harry, als
Tom den Mund aufmachen wollte, um Bella anzufahren. Die Kälte in
der Stimme seines Liebsten ließ ihn inne halten. Dann nahm auch
er die Welle aus Schmerz, Trauer und Angst wahr, die von Bella
ausging. Er seufzte. Er setzte sein natürliches Veelagespür
eindeutig zu selten ein.
Er warf einen entschuldigenden Blick zu
Harry. Dieser lächelte ihm kurz leicht zu und wand sich dann
wieder an Bella.
"Du wolltest es nicht, oder?"
"Nein. Ich
hätte so etwas nie gewollt", flüsterte sie und Tränen
traten ihr ins Gesicht.
'Was genau ist eigentlich passiert?"
fragte Krenjo dazwischen.
'Nevilles Eltern wurden so lange mit
einem Folterfluch traktiert, bis sie wahnsinnig wurden.'
'Leben
sie noch?'
'Ja, aber sie sind total apathisch und erkennen
nichts und niemanden wieder. Nicht mal ihren einzigen Sohn. Sie
liegen in einem Zaubererkrankenhaus in Behandlung. Allerdings gibt es
kein Gegenmittel.'
'Ihr Sohn lebt?'
'Ja, warum fragst
du?'
‚Nun,
ich wüsste vielleicht einen Trank, der hilft. Allerdings
benötigt man dafür das Blut eines Verwandten. Da dieser
Junge ihr Sohn ist, kann er für beide angewandt werden. Hätten
sie keine Kinder, bräuchte man einen Blutsverwandten der Frau,
und einen des Mannes. Aber so wäre es einfacher, weil der Trank
nur einmal gebraut werden müsste.'
'Du kannst sie wieder
normal machen?'
'Ja. Ich kann ihnen zwar die Erinnerung an das
Erlebte nicht nehmen, aber ich kann ihrem Geist helfen, in die
Realität zurückzukehren.'
"Super.", rief
Harry.
Die anderen sahen ihn nur verständnislos an.
"Krenjo
kennt eine Möglichkeit, Nevilles Eltern zurückzuholen.",
grinste Harry.
"Echt?"
"Ja. Dazu brauche ich aber
Nevilles Hilfe."
"Ich glaube, der würde so ziemlich alles
mitmachen, wenn du ihm dafür seine Eltern zurückbringst.",
meinte Pansy. "Bei mir wär's zumindest so."
Die anderen
nickten nur zustimmend.
"Verzeiht, aber wer ist Krenjo?"
fragte Bella verständnislos.
Bevor jemand antworten konnte,
erschien ein Hauself.
"Master Tom, der Prüfer wartet auf
Master Luzifer", piepste sie und verbeugte sich tief.
"Danke.
Draco, erklär du es ihr. Sie ist deine Tante. Ich geh dann mal
den Prüfer nerven", meinte Harry, gab Tom einen kurzen Kuss
und verließ dann den Raum. An der Tür drehte er sich noch
mal um. "Ach ja, Bella, ich hoffe du bleibst zum Mittagessen. Ich
würde dich gern besser kennen lernen", damit war er
verschwunden.
"Tja, sieht aus, als hätte er dich gerade
eingeladen", meinte Draco und lächelte seine Tante an.
"Er
ist ganz anders als ich dachte", murmelte diese.
"Ja, weil er
jetzt er selbst ist. Etwas, dass er vorher nie sein konnte", meinte
Blaise mit trauriger Stimme.
