Kapitel 33
Draco und Harry gingen eine Weile schweigend weiter, ehe
Harry wieder den Mund aufmachte.
"Du, Draco, warst du auch schon
mal verliebt? So wie ich jetzt?"
"Ja.", meinte dieser nur
und sein Blick wurde leicht traurig.
"Junge oder Mädchen?"
"In
einen Jungen."
"Jemand aus der Schule?"
"Ja. Ein
Slytherin."
"Ist was draus geworden?"
Draco seufzte.
"Nein. Ich hab mich schon vor zwei Jahren in ihn verliebt, und ein
paar kleine Andeutungen fallen lassen. Aber er hat's nicht
begriffen."
"Bist du immer noch in ihn verliebt?"
"Ja.
Aber ich versuche es zu verbergen. Ich glaube er mag keine Jungs, und
ich will unsere Freundschaft nicht aufs Spiel setzten. Ich will
einfach nur, das er glücklich wird. Und wenn er das mit mir
nicht sein kann, dann lasse ich ihn."
"Wer?"
"Hm?"
"Wer
ist es. Es gibt viele Jungs in Slytherin."
"Ich sag's dir,
aber nur wenn du versprichst, nicht zu lachen und es ihm nicht zu
sagen, okay?"
"Versprochen. Ich werde weder lachen noch es ihm
sagen."
"Es ist Blaise. Ich kenn ihn schon mein halbes Leben,
und vor zwei Jahren habe ich mich dann in ihn verliebt."
"Aber
du hast Angst, dass er dich nicht mehr mag, wenn du es ihm sagst,
oder?"
"Ja. Lieber bin ich nur sein Freund, als dass er mich
hassen könnte."
"Und wenn er dich auch mag?"
"Er
ist auf keine meiner Anspielungen angesprungen."
"Das war aber
vor zwei Jahren. Vielleicht hat er sich in der Zwischenzeit auch in
dich verliebt, traut sich aber nicht, es dir zu sagen."
"Das
bezweifle ich. Er ist zwar definitiv verliebt, aber bestimmt nicht in
mich."
"Woher willst du wissen, dass er verliebt ist?"
"Er
ist in letzter Zeit merkwürdig ruhig geworden, und lacht nicht
mehr so viel wie früher. Ich glaube, er hat
Liebeskummer."
"Warum fragst du ihn nicht einfach mal?"
"Ob
er Liebeskummer hat?"
"Jep."
"Das kann ich doch nicht
machen. Wenn er einen Rat oder Hilfe braucht, kommt er schon zu mir.
Das war immer so."
"Du hast Angst, dass er dir bestätigt,
dass er in jemand anderen verliebt ist, oder?"
"Das auch",
meinte Draco und lächelte traurig.
'Und
was machen wir da? Sie haben beide Angst, dass der andere sie
abweisen könnte.'
'Ziemlich verfahrene Situation. Wenn
Draco jetzt schon seit zwei Jahren in Blaise verliebt ist, wird es
schwierig.'
'Warum?'
'Harry, er ist ein Veela, und
Veelas entscheiden sich nur einmal im Leben. Wäre es Seitens
Draco nur eine Schwärmerei, wäre sie längst vorbei.
Aber er hat in Blaise seinen Partner gefunden, bei dem er bis zu
seinem Lebensende bleiben möchte. Wenn wir das ganze falsch
anpacken, und Draco das Ganze falsch versteht, dann kann er daran
sterben.'
'Dann dürfen wir eben keinen Fehler
machen.'
'Du sagst das so leicht. Irgendwelche Ideen?'
'Wir
könnten versuchen Blaise eifersüchtig zu machen. Vielleicht
traut er sich ja dann, es Draco zu sagen.'
'Könnte
klappen und wie?'
'Hm, Liebesbriefe, Geschenke, so was eben.
Ich habe doch auch keine Ahnung. Du bist der Ältere von uns
beiden.'
'Falls du es vergessen haben solltest, das einzige
Mal, dass ich verliebt war, war, als ich schon tot war.'
'Ja,
ja. Schon gut. Vielleicht weiß Mama ja was.'
'Sag mal,
was wird das, wenn es fertig ist?'
'Ganz einfach, die Aktion
'bring Blaise und Draco zusammen'. Ich mag es gar nicht, wenn die
Beiden sich schlecht fühlen, und unerwiderte Liebe tut verdammt
weh.'
'Da fällt mir gerade was ein. Kana hat das mal in
einer ähnlichen Situation gemacht. Willst du wissen,
was?'
'Erzähl.'
'Also. Zwei unserer Krieger hatten
sich ineinander verliebt, trauten sich aber nicht, es dem jeweils
anderen zu sagen. Kana hat das bemerkt, und hat dann beide für
ein paar Tage zusammen in ein Zimmer eingesperrt. Wenn man längere
Zeit auf engem Raum miteinander zurecht kommen muss, kommt man sich
automatisch näher. Vielleicht bringt das ja die Beiden zusammen.
Damals hat's jedenfalls geklappt. Allerdings müsstest du das
mit Tom und den anderen klären.'
'Und wenn sie dann sauer
auf mich sind?'
'Wenn es wirklich klappt, sind sie nicht
sauer. Vertrau mir.'
'Okay, wir können es ja versuchen,
aber ich will das erst mit den anderen klären. Vor allem mit
ihren Eltern, nicht, dass die sich Sorgen machen.'
'Mach das.
Und jetzt versuche Draco ein bisschen abzulenken. Es tut weh ihn so
traurig zu sehen.'
'Mhm. Danke Krenjo.'
"Du
Draco, ich habe keine Ahnung, was ich jetzt machen
soll."
"Weswegen?"
"Wegen Tom und mir. Ich liebe ihn
ja, aber..."
"Du hast Angst, dass er dir wehtun könnte,
oder?"
"Ja. Er hat gesagt, dass er gerne wartet, bis ich auch
so weit bin, aber was ist, wenn ich mich nie traue, den nächsten
Schritt zu machen?"
"Es ist verständlich, dass du Angst
hast. Ihr müsst langsam an das Ganze ran gehen. Du kuschelst
doch gern mit ihm, oder?"
"Ja. Bei Tom fühle ich mich
immer so geborgen und beschützt. Es ist, als hätte ich
einen Ort gefunden, wo ich für immer bleiben dürfte."
"Und
Küssen?"
"Das ist auch schön, aber Tom hat, glaube
ich, Angst davor, weil er sich dann vielleicht nicht mehr
zurückhalten kann."
"Hm. Ihr könnt ja vielleicht mal
damit anfangen, euch gegenseitig zu streicheln. Nicht unter der
Gürtellinie, versteht sich. Einfach nur, damit du merkst, das
Berührungen nicht weh tun müssen. Und ich bin mir sicher,
dass es Tom auch gefallen wird. Aber du selbst musst auch noch was
anderes verstehen, und das wird dir dabei vielleicht auch
helfen."
"Was denn?"
"Dass du eben nicht klein und
hässlich bist. Ganz im Gegenteil. Du bist wunderschön. Aber
das musst du erst für dich selbst begreifen. Vorher kannst du
alles weitere gar nicht genießen."
"Hast du schon mal
mit einem Mann geschlafen?"
"Nein, aber fast. Ich war damals
so verzweifelt, dass ich mich irgend so einem Typen in die Arme
geworfen habe. Hab aber rechtzeitig nen Rückzieher gemacht. Wenn
ich mit jemandem schlafe, dann nur mit dem, dem auch mein Herz
gehört."
"Du scheinst ihn wirklich zu lieben.", stellte
Harry erstaunt fest.
"Ja. Mehr als mein Leben."
'Genau
das gleiche hat Tom auch zu mir gesagt.', schoss es Harry durch den
Kopf und er verstand die Beiden. Er selbst würde auch alles für
Tom tun. Egal was es war.
"Ich versteh dich, Draco.", seufzte
Harry nur. "Ich würde auch alles für Tom tun."
"Tja,
dann sind wir wohl schon mal zu zweit. Na komm Harry, ich zeige dir
mein Zimmer. Wir verliebten Trottel müssen zusammenhalten",
meinte Draco schelmisch grinsend und zog Harry in Richtung seines
Zimmers davon.
Keiner der beiden hatte Blaise bemerkt, der den
letzten Teil ihres Gespräches mitbekommen hatte, und traurig in
die entgegen gesetzte Richtung ging.
