Kapitel 37
Draco und Blaise saßen aneinandergekuschelt auf der
Couch. Keiner von beiden hatte mitbekommen, dass die Zimmertür
sich wieder geöffnet hatte. Ein zaghaftes Klopfen ließ sie
aufhorchen.
"Ja?", fragte Draco.
Langsam öffnete sich
die Tür und Harry streckte den Kopf herein.
"Seit wann geht
die Tür wieder auf?", fragte Blaise verwirrt.
"Seit heute
morgen.", meinte Harry schüchtern.
Draco sah seinen den
Schwarzhaarigen durchdringend an.
"Hast du irgendwas damit zu
tun, das wir hier eingesperrt waren?"
"Ja.", meinte Harry
leise.
"Komm erst mal rein.", meinte Blaise mit beruhigender
Stimme.
Zögernd trat Harry ein, hinter ihm ein grinsender
Tom.
"Hey Tom. Was machst du hier?", wollte Draco verwirrt
wissen.
"Seelischer Beistand.", meinte Tom nur.
"Wozu?"
"Er
hat Angst, dass ihr sauer auf ihn seid."
Draco löste sich
von Blaise, stand auf und ging auf den Schwarzhaarigen zu, der mit
hängenden Schultern und ängstlichen Augen im Zimmer
stand.
Vor Harry angekommen fragte er:
"Warum hast du das
gemacht?"
"Ich...ich wollte, dass ihr glücklich seid. Ihr
wart alle die ganze Zeit so nett zu mir und habt mir geholfen, da
wollte ich euch auch helfen.", meinte Harry leise.
Auf Dracos
Gesicht breitete sich ein Lächeln aus. Dann zog er Harry in
seine Arme.
"Danke, mein Kleiner. Wärst du nicht gewesen,
wären wir jetzt bestimmt nicht zusammen. Ich bezweifle, dass wir
je über unseren Schatten hätten springen können."
"Ich
seid...nicht böse auf mich?"
"Nein, wir sind dir sogar
dankbar.", lächelte Blaise ihn von der Couch aus an.
"Sag
mal, Kleiner, hast du heute nicht noch Prüfungen?", meinte
Draco nach einigen Minuten und sah Harry fragend an.
"Doch,
in...", Harrys Blick wanderte durchs Zimmer und blieb an der Uhr
auf Dracos Schreibtisch hängen. "...scheiße.", meinte
er nur, ehe er sich von Draco los machte und mit einem "Bis
später.", aus dem Raum hetzte.
"Was hat er denn?",
fragte Tom, während er seinem Liebsten hinterher blickte.
Draco,
der inzwischen ebenfalls einen Blick auf die Uhr geworfen hatte
grinste.
"Na ja, in zwei Minuten beginnt seine Prüfung. Das
hat er."
"Oh.", war Toms einziger Kommentar dazu.
Harry
kam vor seinem Zimmer schlitternd zum Stehen. Dann atmete er noch ein
paar Mal tief durch, um sich zu beruhigen und öffnete, mit
seiner Maske aus gelangweilter Überheblichkeit, die
Zimmertür.
Der Prüfer stand, wie am Vortag, beim
Schreibtisch um so viel Abstand wie möglich zu Alisa und Üleus
zu haben.
"Guten Morgen.", meinte Harry kalt.
Der Prüfer,
der mit dem Rücken zur Tür stand, zuckte auf Grund der
Kälte in der Stimme des Schwarzhaarigen kurz zusammen, ehe er
sich umdrehte und ein unsicheres "Guten Morgen, Mister Black.",
murmelte.
Harry ging zu aller erst direkt zu Alisa und Üleus.
Vor Alisa ging er in die Knie.
Alissa ich möchte, dassss
du bei mir bleibsssst. Tom meinte gesssstern, der Prüfer hätte
sssich an ihn rangemacht, als er hier meine Prüfung
absssolvierte. Da er Angssst vor dir hat, denke ich, dassss er mich
in Ruhe lässsst, wenn du bei mir bissst. Dasssselbe gilt für
Üleussss.
Bei Harrys Worten hob Alisa den Kopf und
zischte den Prüfer kurz wütend an, dieser versuchte
ängstlich ein paar Schritte weiter nach hinten zu gehen, stieß
allerdings an den Schreibtisch.
Sssoll ich ihn
beissssen?
Nein, noch nicht. Aber sssollte er sso etwass
noch mal probieren, darfssst du ihn beisssen.
Gut, wie du
meinsssst. , mit diesen Worten wandte Alisa sich wieder an Harry
und kroch über seinen zu ihr ausgestreckten Arm auf seine
Schultern, wand sich um den Hals und legte ihren Kopf dann auf seine
Schulter, den Prüfer nicht aus den Augen lassend und bedrohliche
Laute ausstoßend.
Harry schmunzelte innerlich. Sah so aus,
als hätte er eine wirklich gute Beschützerin. Aber auch
Üleus hatte Harrys Worte verstanden, erhob sich in die Luft,
flog einen kurzen Kreis um seinen Schützling, flog dann zum
Schreibtisch, den der Prüfer fast fluchtartig verließ und
setzte sich auf die Tischplatte, neben die dort liegenden Aufgaben.
Dann fixierte er den Prüfer mit einem bedrohlichen Blick, der zu
sagen schien: ‚Wehe du kommst ihm zu nahe!'
Harry ging nun
ebenfalls zum Schreibtisch.
"Wie lange hab ich Zeit?", fragte
er kühl, während er sich, den Prüfer nicht eines
Blickes würdigend, setzte.
"E-eineinhalb Stunden...dann
der Praktische Teil. Der Trank wird über Mittag köcheln und
danach wird die letzte Zutat hinzugefügt. Danach die nächste
Prüfung.", meinte der Prüfer ängstlich.
Harry
nickte nur, zum Zeichen, dass er verstanden hatte und wand sich dann
seinen Aufgaben zu, während Üleus und Alisa mit
mörderischen Blicken dafür sorgten, dass der überängstliche
und äußerst nervöse Prüfer ihrem Schützling
nicht zu nahe kam.
"So
ein Trottel.", mit diesen Worten betrat Harry, knappe drei Stunden
später, den Speisesaal, in dem Tom, Narzissa, Lucius, Severus,
Jessmina, Harrison, Draco, Blaise, Pansy, Bellatrix und Devon Zabini,
Blaises Vater, saßen.
"Wer?", fragte Tom schmunzelnd,
nachdem er sich einen kurzen Kuss von seinem Liebsten geben
ließ.
"Der Prüfer."
"Warum?"
Harry
grinste fies. "Na ja, nachdem ich Alisa und Üleus erzählt
hab, was du uns gestern gesagt hast, das er gemacht hat, blieben sie
natürlich bei mir. Die beiden haben ihm genug Warnungen gegeben,
auf Abstand zu bleiben. Tja, wer nicht hören will, muss fühlen,
deshalb liegt er jetzt mit einem Betäubungsgift gelähmt in
Keller."
Toms Augen wurden bei Harrys Worten rot und spiegelten
unendliche Wut wieder.
"Was ist passiert?", zischte er
bedrohlich.
"Na ja, ich war grad dabei den Trank zu brauen,
übrigens einen Trank, der weit über dem Niveau des ZAG's
liegt, und der gnädige Herr hatte nichts besseres zu tun, als
mich mit Blicken auszuziehen. Als er mir dann zu nahe kam, hat Alisa
ihn gebissen. Weil sie aber noch so jung ist, ist ihr Gift ja nicht
tödlich, sondern hat ihn nur gelähmt."
"Dieser
Miese, kleine, unwürdige...", zischte Tom wütend, wurde
aber von Severus unterbrochen.
"Wie fühlst du dich?",
fragte er besorgt. Der Tränkemeister hoffte nur, dass Harry
damit klar kam und nicht wieder irgendwelche alten Wunden bei ihm
aufgebrochen waren.
"Ganz gut. Krenjo hat mich beruhigt und mir
geholfen, nicht in alte Muster zurückzufallen.", meinte Harry
leise, als er verstand, worauf Severus hinauswollte.
Tom, der
wieder etwas ruhiger wurde, zog seinen Liebling an sich.
"Das
habt ihr gut gemeistert.", meinte Tom.
"Hm?", fragte Harry
und sah seinem Liebsten in die, inzwischen wieder blauen, Augen.
"Du
hast es ganz alleine geregelt, zwar mit Hilfe von Krenjo, aber da er
ja irgendwie du ist, ist das nebensächlich. Und du frisst es
nicht in dich hinein, sondern sagst uns, was passiert ist.",
lächelte Tom.
'Aber erst, nachdem ich ihm gedroht hab, es
dir zu sagen.', grummelte Krenjo innerlich. Ihn schien die Sache
mit dem Prüfer auch ziemlich sauer zu machen.
"Trotzdem.
Ich bin stolz auf dich. Das Einzige, was mir nicht passt, ist, dass
du ja noch zwei Prüfungen bei ihm hast."
"Die
schriftlichen hab ich schon geschrieben. Ich hab die Zeit still
stehen lassen, die schriftliche Prüfung nach der Zeitvorgabe
geschrieben und die Zeit dann wieder weiterlaufen lassen. Bei den
Praktischen kann ja eine dritte Person anwesend sein. Ähm,
Severus, ich würde den Prüfer gern noch ein Weilchen so
liegen lassen. Gegen halb fünf holen wir ihn zurück und
geben ihm die zwei schriftlichen Prüfungen. Wir sagen einfach,
du hättest die Aufsicht gemacht. Da du ja Lehrer bist, dürfte
das hinhaun. Dann noch der praktische Teil. Morgen früh erhalte
ich die Ergebnisse und dann können wir ihn rausschmeißen.
Ach ja, Tom, du wirst nicht deine Todesser auf ihn hetzen.", meinte
Harry noch und sah Tom bestimmend an.
"Warum nicht? Er hat seine
Kompetenz weit überschritten."
"Ganz einfach. Wenn ihn
jemand bestraft, dann ich. Aber es wäre zu auffällig es
gleich zu tun, deshalb warten wir noch, bis er nächstes Jahr in
Hogwarts ist, um die Prüfungen dort abzunehmen. Dann ist er
fällig.", meinte Harry mit drohender, kalter Stimme, die in
sämtlichen Anwesenden einen Fluchtreflex einsetzten ließ,
dem sie nur sehr schwer widerstehen konnten.
"Kleiner, du machst
mir Angst.", sprach Draco das aus, was alle anderen dachten.
Harry
grinste nur fies.
"Liebling, keine Unverzeihlichen in
Hogwarts.", meinte Tom streng, nachdem er sich wieder einigermaßen
unter Kontrolle hatte und nicht mehr am liebsten aufspringen und
davonrennen wollte.
"Wozu gibt es Gifte?", fragte Harry, mit
hochgezogener Augenbraue.
"Keine Morde in Hogwarts."
"Och
man. Dabei wollt ich mich mit einem knall von Dumbledore
verabschieden.", meinte Harry und begann gespielt zu schmollen.
"Du
wolltest was?", fragte Severus ungläubig.
"Na ja, ich
dachte mir, nachdem ich meinen Abschluss in der Tasche habe, könnte
dem Direktor ja ein kleiner Unfall passieren, der für ihn
tödlich endet. Natürlich so, dass man es mir nicht
nachweisen kann.", grinste Harry diabolisch.
"Und wie genau
hast du dir das vorgestellt?"
"Wer von den Anwesenden hat
jemals einen Mugglekrimi gelesen?", wechselte Harry abrupt das
Thema.
"Ich.", meldete Tom sich als einziger.
"Was glaubt
ihr, wie viele Auroren, oder aber überhaupt Zauberer,
Mugglekrimis kennen?"
"Nicht viele bis gar keine.", meinte
Blaise.
"Eben. Muggle können zwar nicht zaubern, aber sie
haben sich ziemlich raffinierte Techniken einfallen lassen, ihre
Ziele trotzdem zu erreichen. Führt man einen Mord aus, der wie
die Tat eines Muggles aussieht, und das in einer Zaubererschule, wer
wird dann verdächtigt?"
"Mugglegeborene.", meinte Tom
sofort.
"Eben, somit wären die Auroren auf einer vollkommen
falschen Fährte.", grinste Harry.
"Ich bezweifle, das es
so viele Mugglemöglichkeiten gibt, jemanden umzubringen, und das
auch noch unbemerkt.", meinte Draco nur.
"Oh Draco, du
solltest mehr lesen. Die Muggle haben sich in dieser Beziehung
einiges einfallen lassen. Natürlich haben sie auch giftige
Substanzen, so wie wir, aber das meine ich nicht. Richtig
durchgeführt, kann ein akkurat geplanter Mord auf Mugglebasis,
wie ein Unfall oder Selbstmord getarnt werden. Man kann keine Magie
nachweisen und somit wird es für die meisten Zauberer schwer,
die Todesursache nachzuweisen. Wenn dann auch keine Anzeichen eines
Giftes gefunden werden, was glaubt ihr, was dann als Todesursache
angegeben wird?"
"Ein natürlicher Tod? Immerhin ist der
Kerl schon verdammt alt und könnte jederzeit ins Gras beißen.",
meinte Tom und sein Gesicht hellte sich auf. "Kleiner Panther, du
bist genial."
"Schön, dass das auch mal jemand bemerkt.",
brummte Harry und kuschelte sich auf Toms Schoß ein.
