Kapitel 38

"Duhu Tommy?", meinte Harry nach einer Weile.
"Ja, Liebling."
"Kannst du nicht mit nach Hogwarts kommen?"
"Nein, mein Kleiner. Aber Harrison wurde gestern vom Minister als Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste eingestellt, da Dumbledore es bis jetzt nicht geschafft hat, jemanden zu finden und die Schule ja bald schon beginnt. Du siehst, du bist in Hogwarts nicht alleine."
"Aber ich möchte dich bei mir haben."
"Und wie stellst du dir das vor? Der Alte würde mich wieder erkennen."
"Nicht unbedingt.", meinte Harry listig grinsend.
"Was hast du dir nun schon wieder ausgedacht?", fragte Tom seufzend.
"Na ja. Erst mal, willst du überhaupt mit?"
"Ich würde dich schon gerne begleiten, aber ich weiß beim besten Willen nicht, wie."
"Nun ja, du könntest dich doch in eine Schlange verwandeln und so mitkommen."
"Du meinst in einer Animagusform?", fragte Tom interessiert.
"Ja und wenn ich nach Slytherin komme und wir die Schüler dort einweihen, kannst du innerhalb des Gemeinschaftsraumes auch als Mensch durch die Gegend rennen."
"Hm. Könnte hinhauen. Ich wär bei dir und in der Nähe des Alten. Aber wenn uns jemand verpfeift."
"Hm. Ein Geheimniszauber."
"Was ist denn das?"
"Krenjo hat mir davon erzählt. Es ist ein Zauber, bei dem die Person, auf die er ausgesprochen wird, absolutes Stillschweigen über ein bestimmtes Thema halten muss. Versucht er oder sie mit jemandem darüber zu reden, der nicht als Vertrauenswürdig, bei der Aussprache des Zauber oder später, genannt wurde, oder aber jemandem, der nicht dem selben Zauber unterliegt, wird sofort ein Schweigezauber über denjenigen verhängt, der nur vom Sprecher des Geheimniszaubers wieder gelöst werden kann. Sollte jemand versuchen mit Hilfe von Leglimentik in die Gedanken von jemandem einzudringen, der mit diesem Zauber belegt ist, wird derjenige, der versucht in den Geist des anderen einzudringen, auf Dunkelheit stoßen, da alle Gedanken und Erinnerungen sofort für Fremde versperrt werden. Die Blockade ist noch schwerer zu überwinden, als normale Okklumentik."
"Wie konnte der sprechende Hut es überhaupt wagen, in Erwähnung zu ziehen, dich nach Gryffindor zu schicken? Du bist Slytherin durch und durch.", meinte Draco kopfschüttelnd.
"Nicht unbedingt. Kommt auf die Situation an.", meinte Harry nur.
"Wie meinst du das?", klinkte sich jetzt auch Pansy in das Gespräch ein.
"Nun, wenn ich eine direkte, unvorhergesehene Konfrontation mit einem Problem habe, handle ich impulsiv und wie ein Gryffindor. Hab ich jedoch genug Zeit mir das Pro und Kontra der Sache zu überlegen, handle ich überlegt, vorausschauend und listig. Hermine nannte diese Phasen immer meine Slytherinphasen.", meinte Harry.
"Was ist jetzt eigentlich mit der Granger?", fragte Blaise plötzlich. "Ihr wart doch so gut befreundet."
"Hermine ist dieses Jahr in den Ferien mit ihren Eltern in Ägypten. Sie hätte mir nicht helfen können. Aber Ron ist seit Ende letzten Jahres im Orden. Er hätte mir helfen können und, wenn er ein echter Freund wäre, auch müssen. Ich werde abwarten, wie es sich entwickelt. Ich werde niemandem sagen, wer ich bin, aber ich denke, dass Hermine von selbst drauf kommen wird. Ron ist bei mir auf jeden Fall unten durch. Aber die Sache mit Hermine lass ich erst mal auf mich zu kommen. Ebenso die anderen Gryffindors. Und Draco, ich möchte dich bitten, Hermine nicht mehr zu beleidigen, denn ich seh sie immer noch als Freundin an. Ob sie das noch sein will, weiß ich nicht, aber ich mag es nicht, wenn du ihr weh tust, okay?"
"Muss das sein?"
"Was hast du eigentlich gegen Hermine?"
"Sie ist so besserwisserisch und eine Mugglegeborene."
"Eben deshalb ist sie ja besserwisserisch. Überleg doch mal, als Mugglegeborene musste sie sich von Anfang an behaupten. Hermine musste hart dafür kämpfen, als Hexe anerkannt zu werden. Sie hat nur so viel gelernt, damit niemand von ihr behaupten könnte, sie wäre schlecht, weil sie aus einer Familie von Mugglen kommt. Sie wollte zeigen, dass auch jemand, der keine magischen Eltern hat, mit Magie umgehen und anständig zaubern kann."
"Aber sie ist immer noch so."
"Das liegt, glaub ich, an Ron."
"Wie meinst du das?"
"Na ja, Ron ist nicht so begeistert davon, lernen zu müssen, was man an seinen Noten ja sieht, und er versteht vieles nicht aufs erste Mal, darum hat er sich seit Anbeginn unserer Freundschaft darauf gestützt, dass Hermine ihm immer helfen kann, wenn er mal nicht weiter kommt. Sie hat wohl, aus Angst davor ihre einzigen Freunde zu verlieren, immer mehr gebüffelt, um ihm auch helfen zu können, obwohl ich ihr schon ziemlich oft gesagt hab, dass sie ihn mal selber machen lassen soll."
"Was glaubst du passiert, wenn sie bemerkt, dass du nicht nach Hogwarts kommt?"
Harry grinste.
"So wie ich Hermine kennen, wird sie erst mal bei Dumbledore und McGonagall nachfragen, warum ich nicht da bin. Wenn die beiden ihr keine zufrieden stellende Antwort geben können, wird sie auf eigene Faust recherchieren."
"Und Weasley?"
"Der dürfte schon längst mitbekommen haben, dass ich weg bin. Steht dazu nicht was im Tagespropheten? Immerhin bin ich seit über einer Woche spurlos verschwunden."
"Der Alte hat bis jetzt alles daran gesetzt, zu vertuschen, dass du verschwunden bist.", warf Severus ein.
"Aber es wird auffallen, sobald die Schule beginnt.", meinte Harry.
"Es sei denn, er lässt sich irgendeine wahnwitzige Geschichte einfallen."
"Hm. Planänderung.", meinte Harry dazu nur.
"Welcher Plan und wieso Änderung?", fragte Tom misstrauisch.
"Das, mein Schatz, erzähl ich dir erst, wenn nur Leute anwesend sind, die zum Plan gehören. Und wenn es dazu an der Zeit ist.", grinste Harry geheimnisvoll.
"Ich ahne schlimmes.", meinte Draco dazu nur.
"Dann ahne nicht länger, sondern komme mit. Blaise, du bitte auch, ebenso Pansy.", meinte Harry, griff sich noch schnell ein Brötchen vom Tisch und ging dann aus dem Raum.
Draco, Blaise und Pansy folgten verwirrt.
"Muss ich mir jetzt Sorgen machen?", fragte Tom verwirrt an Severus gewandt.
"Bei meiner jahrelangen Erfahrung muss ich sagen, ja. Er plant irgendwas und so wie ich ihn kenne, wird sein Plan voll aufgehen.", meinte Severus nur.

In Harrys Zimmer angekommen verteilten sich die drei Jugendlichen auf der Sitzecke beim Kamin.
"Okay Harry, was willst du?", fragte Draco.
"Ganz einfach. Ich hab mir Gedanken über die derzeitige Situation in Hogwarts gemacht. Dabei meine ich nicht den Unterricht, sondern das Verhältnis unter den Schülern. Wie würdet ihr es bezeichnen."
"Na ja. Eben nach Häuser verteilt, wobei bestimmte Häuser unterschiedlich beliebt sind.", antwortete Pansy.
"Und warum sind sie unterschiedlich beliebt?", fragte Harry grinsend weiter. Er wollte die anderen drei wohl noch eine Zeit lang schmoren lassen, ehe er ihnen erzählte, was er wollte.
"Weil jedes Haus einen gewissen Ruf hat.", meinte Draco dazu.
"Von wem wird der Ruf gemacht?"
"Von den Schülern des jeweiligen Hauses.", meinte Blaise nur.
"Falsch. Von den Lehrern."
"Wie meinst du das?"
"Nun ja, jeder Lehrer hat eine gewissen Vorstellung davon, wie die Mitglieder der jeweiligen Häuser so sind. Vom Charakterlichen her. Gryffindors sind mutig, abenteuerlustig und überschreiten auch gerne Grenzen. Ravenclaws sind wissbegierig, aber sonst recht verschlossen. Vor allem sind sie peinlich darauf bedacht, ja keine Regel zu verletzten. Hufflepuffs sind freundlich, hilfsbereit und ein bisschen naiv und merken es meist gar nicht, wenn sie sich doch mal etwas zu weit gegangen sind. Und Slytherins schließlich sind kaltschnäuzig, arrogant und hinterlistig. Sie gehen nach ihren eigenen Regeln und hören auf niemanden. Das ist die Ansicht der meisten Lehrer, wenn sie nicht gerade Hauslehrer eines der vier Häuser sind. Wenn dann also bei der Einteilung durch den sprechenden Hut das Haus aufgerufen wird, stecken sie den betreffenden gleich in ein Raster mit groben Charakterzügen. Jeder neue Schüler wird, durch den sprechenden Hut, schon Anfang des Jahres auf gewisse Eigenschaften, die in den Häusern vorherrschend sind, hingewiesen und verhalten sich dann schlussendlich so, dass sie ihrem Haus entsprechen, da sie sonst von eben jenem ausgeschlossen werden.
Was aber passiert, wenn das Haus an sich, also alle Mitglieder, anfangen sie so zu geben, wie sie wirklich sind?"
"Alle anderen wären verwirrt.", meinte Pansy nach einer Weile, in der sie, ebenso wie die anderen beiden, das Gesagte auf sich hat wirken lassen.
"Und würden schlussendlich auch anfangen, sich so zu geben, wie sie wirklich sind. Natürlich sind die genannten Eigenschaften in dem Schüler vorhanden, aber nicht nur. Sie sind nur am stärksten ausgeprägt. Zum Beispiel Draco.
Hättest du mich vor zwei Jahren gefragt, was ich von ihm halte, hätte ich dir eiskalt ins Gesicht gesagt, dass ich ihn für einen arroganten, eingebildeten Schnösel halte, der sich über allen sieht und nur wegen seinem Vater so weit gekommen ist.
Jetzt, da ich ihn aber besser kenne, kann ich mir den alten Draco gar nicht mehr wirklich vorstellen. Weil ich jetzt weiß, dass er nett ist, Humor hat und für seine Freunde alles tun würde.
Versteht ihr was ich meine?"
"Wir verhalten uns gegenüber jemanden, dem wir eine Maske zeigen so, wie derjenige es durch seine Maske bezweckt.", meinte Draco.
"Genau. Wenn wir, und damit meine ich alle Slytherins, anfangen unsere Masken nicht nur innerhalb unseres Hauses, sondern in ganz Hogwarts, abzulegen, werden andere nachziehen und sich ebenfalls so geben, wie sie wirklich sind."
"Damit wäre unser Ruf ruiniert."
"Nein. Er würde sich ändern, aber er wäre nicht ruiniert. Es würde natürlich eine Zeit lang dauern, bis sich das Ganze verbreitet und auch durchgesetzt hat, aber dann gäbe es endlich ein Hogwarts und nicht ein in vier Teile geteiltes Hogwarts.", meinte Harry ruhig.
"Ob da alle mitziehen.", kommentierte Blaise.
"Ich werde mich nicht mehr hinter irgendeiner Maske verstecken, egal in welches Haus ich komme und egal, was andere von mir denken. Ich hab lange genug in Lügen gelebt. Jetzt möchte ich endlich so sein, wie ich bin und das nicht nur vor Freunden, sondern immer. Es gibt natürlich Dinge, die man nur mit Freunden teilt, so wie ich meine Vergangenheit mit euch teile, aber das heißt nicht, dass ich nicht offen auf andere zu gehen kann."
"Ich mach mit.", meinte Draco plötzlich. Dann grinste er. "Schon alleine der dummen Gesichter wegen."
"Ich auch.", meinte Blaise sofort und schloss seinen Schatz noch fester in die Arme. "Wenn auch nur, um jedem auf die Nase zu binden, dass ich mir den süßesten Veela auf der Welt geangelt habe."
Draco verdrehte kurz die Augen und gab seinen Liebsten einen kurzen Klaps. "Lern endlich Taktgefühl."
"Wieso sollte ich. Ich hab doch dich. Das ist genug Taktgefühl für zwei."
"Vor allem dürftest du ihn dann nicht mehr haun.", grinste Harry.
"Dann bleib wie du bist.", meinte Draco, ebenfalls grinsend.
"Ich mach auch mit.", meinte Pansy.
"Sehr schön. Da ich das Vorbild aller Slytherins auf meiner Seite habe, werden die übrigen nach einiger Zeit auch mitmachen."
"Vorbild...meinst du Tom?", wollte Pansy wissen.
"Nein, ich mein Draco. Die meisten Slytherins richten sich nach ihm."
"Aber nur bis sie dich richtig kennen.", meinte Draco nur.
Harry zuckte nur mit den Schultern.
"Wenn du meinst."

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Hey Leute,
ich danke allen, die bis hier hin durchgehalten haben und wünsche euch allen schon mal Frohe Weihnachten und schöne Feiertage.
Knuddel
Eure alika-chan