Kapitel 40
Als Harry wieder klar sehen konnte, sah er in das Gesicht
seiner besten Freundin, die drohend ihren Zauberstab gehoben hatte,
und ihn misstrauisch anfunkelte. Sie standen mitten in einem
Hotelzimmer.
"Herm, nimm den Zauberstab runter. Du wolltest mich
doch sehen.", meinte Harry nur.
"Harry?", fragte Hermine
vorsichtig, blieb aber in der vorherigen Position.
"Ja, ich
sagte doch, dass ich mich verändert habe.", grinste
dieser.
"SAG MAL SPINNST DU! DU KANNST DOCH NICHT EINFACH SO
VERSCHWINDEN!!! TOM DREHT DURCH, WENN ER DAS HÖRT!!", Draco
war soeben angekommen und funkelte Harry sauer an.
Dieser zuckte
nur zusammen und verkroch sich sofort hinter Hermine.
"Malfoy?",
fragte diese nur baff.
Der Blonde hatte aber nur noch Augen für
seinen kleinen Bruder, der ihn ängstlich ansah.
"Sorry
Kleiner, ich wollte dich nicht erschrecken. Ich habe mir nur Sorgen
gemacht. Tut mir leid, ehrlich.", meinte Draco sofort
reuevoll.
Vorsichtig sah Harry Draco über Hermines Haarschopf
an. Dumm nur, das er inzwischen ein paar Zentimeter größer
war als sie. Da funktionierte das hinter ihr verstecken nicht so
ganz.
"Echt?", fragte der Schwarzhaarige zögernd
nach.
"Echt. Und jetzt komm her.", meinte der Blonde und
lächelte seinen Bruder aufmunternd an.
Das war zu viel für
Hermine.
"Könnte mir einer von euch bitte mal sagen, was
hier los ist! Malfoy, was machst du hier? Und Harry, solltest du das
wirklich sein, warum siehst auf einmal ganz anders aus?"
"Ich
bin hier, weil Harry mich unbedingt mitnehmen wollte.", meinte
Draco ruhig. Er hatte Harry ja versprochen nett zu ihr zu sein.
"Und
das soll ich glauben?", fragte Hermine, zog ganz Malfoy-like eine
Augenbraue noch oben und sah ihren Gegenüber abschätzig
an.
'Das ist sie!! Meine Kana!!!', rief Krenjo
innerlich.
Harry zuckte zusammen.
"Warum schreien mich heute
eigentlich alle an.", brummte er.
'Sorry.', meinte Krenjo
sofort.
"Hä?", war Dracos Kommentar dazu.
"Erst du,
dann Krenjo und später vermutlich auch noch Tom. Ich bleibe
hier, da bin ich sicher.", brummte Harry.
"Stopp! Ich verlange
eine Erklärung.", meinte Hermine. "Aber erst mal, beweise
mir, das du Harry bist."
"Und wie?", fragte dieser und legte
den Kopf schief. "Im übrigen. Du solltest aufhören Ron in
deinen Briefen zu beleidigen, denn eigentlich ist das nur eine
Beleidigung der Tiere."
"Okay, der Brief war schon mal von
dir. Aber das beweist gar nichts."
"Frag etwas, das nur ich
wissen kann?"
"Wie haben wir im dritten Jahr Sirius helfen
können?"
"Mit dem Zeitumkehrer, den du bekommen hast,
weil du so viele Fächer auf einmal belegt hattest.", grinste
Harry. "Du wolltest mich davon abhalten, dass ich mich selbst sehe
und bist grandios gescheitert."
"Hey, was kann ich denn dafür,
wenn du so stur bist. Vor allem hast du ja erst verstanden, dass du
selbst es warst, nachdem wir den Zeitumkehrer benutzt hatten.",
grinste Hermine. Das konnte wirklich nur Harry wissen. "Aber sage
mal, was ist passiert? Du siehst echt toll aus!"
"Na ja.
Setzen wir uns, ist eine lange Geschichte.", meinte Harry und
setzte sich aufs Bett, das im Zimmer stand. Hermine tat es ihm
gleich. Ebenso wie Draco nach anfänglichem zögern.
Dann
begann Harry Hermine zu erklären, was alles passiert war,
während sie in Ägypten war.
Nach knapp einer Stunde, in
der Hermine gespannt gelauscht hatte, beendete Harry seine
Erzählung.
"Okay, nur damit ich das richtig verstanden
habe. Du bist von den Dursleys abgehauen, wurdest von Lucius Malfoy
gefunden und von Severus Snape und Voldemort gesund gepflegt.
Währenddessen hast du dich mit Draco Malfoy, Pansy Parkinson und
Blaise Zabini angefreundet. Zu deinem siebzehnten Geburtstag bist du
als Veela-Vampir-Mix erwacht und hast am gleichen Tag deine Eltern,
die gar nicht Lily und James Potter, sondern Jessmina und Harrison
Potter, sind. Du bist mit Voldemort zusammen und hast vom Schicksal
erfahren, dass in dir eine alte Seele, Krenjo, schläft und sie
wurde wiedererweckt. Dann hast du Malfoy und Zabini zusammengebracht
und bist jetzt hier, weil dieser Krenjo meinte, ich könnte auch
eine wiedergeborene Seele sein. Hab ich das richtig
verstanden?"
"Ähm, ja.", meinte Harry nur.
"Okay,
das ist verrückt. Vollkommen unglaubwürdig und
hirnrissig."
"Glaubst du wirklich, ich könnte mir so was
ausdenken?"
"Nein, dazu ist es zu verrückt. Muss wohl
stimmen. Aber, Harry, Voldemort? Ich bitte dich."
"Er ist echt
voll nett. Wenn man ihn erst kennt, glaubt man gar nicht, dass er so
grausam sein soll."
"Tut mir leid, aber das kann ich dir nicht
glauben."
"Willst du ihn kennen lernen? Du könntest die
nächsten Wochen bis Schulbeginn bei uns bleiben. Ich verspreche
dir auch, dass dir nichts passiert. Ehrenwort."
Hermine dachte
eine Weile nach.
"Na gut. Ich vertraue dir, aber ich muss erst
noch meinen Eltern Bescheid geben. Wartet bitte kurz.", damit
verließ Hermine das Zimmer.
"Ich sage Dad er soll Tom
vorwarnen.", meinte Draco und nahm telepatischen Kontakt mit seinem
Vater auf, um ihm die derzeitige Lage zu erklären.
Derweil
unterhielt Harry sich mit Krenjo.
'Bist du dir wirklich sicher,
dass Hermine Kana ist?'
'Ganz sicher. Ich wette mit dir, dass
sie ihre Freizeit am liebsten in der Bibliothek verbringt, aber
trotzdem jederzeit zur Stelle ist, wenn einer ihrer Freunde Hilfe
braucht oder Sorgen hat.'
'Ja, schon.'
'Sie wirkt
beruhigend auf andere und hat zeitweise ein sehr einnehmendes Wesen,
kann aber auch recht witzig sein. Wird jemand von ihren Freunden
verletzt, setzt sie alles daran, diesen zu rächen. Sie ist
aufgeschlossen gegenüber neuen Bekanntschaften und nicht sehr
nachtragend. Wenn allerdings jemand den Bogen überspannt hat,
kann sie sehr bissig und ausfallend werden, auch wenn sie eigentlich
eher ruhig und besonnen ist.'
'Stimmt. Hört sich so an,
als würdest du sie schon seit Jahren kennen.'
'Jahrhunderte
trifft es wohl eher.', lachte Krenjo gedanklich. 'Ich liebe sie
wie eine Schwester und ich weiß, dass das auf Gegenseitigkeit
beruht.'
'Ich freue mich für dich, Krenjo.'
In
diesem Moment kam Hermine zurück.
"Geht klar. Ich muss nur
noch schnell packen und dann kann es los gehen. Meine Eltern haben
nichts dagegen, dass ich die restlichen Ferien bei einem Schulfreund
verbringe."
"Sehr gut. Warte, ich übernehme das mit dem
Packen.", meinte Harry und mit einer Handbewegung seinerseits waren
Hermines Sachen gepackt und lagen, in drei Koffer verteilt, vor
ihnen.
"So viel Gepäck?"
"Na ja, einer für
meine Schulsachen, wegen den Hausaufgaben, einer mit Klamotten und
der dritte ist im Laufe des Aufenthalts hier entstanden.", grinste
die Braunhaarige zurück.
"Na dann. Draco, wie teilen wir
das auf?"
"Einer nimmt Granger und einen Koffer mit, der
andere das restliche Gepäck und da ich bezweifle, dass sie so
viel Vertrauen zu mir hat, schlage ich vor, sie reist mit dir."
"Gut.
Hermine, komm her.", meinte Harry und streckte seiner langjährigen
besten Freundin eine Hand entgegen. Diese nahm die Hand ohne zu
zögern an und hielt sich an Harry fest. Der Veela schnappte sich
noch einen Koffer. Dann dachte er an Riddle Manor und war wenig
später samt Hermine und Koffer verschwunden.
Die beiden
landeten direkt in der Eingangshalle des Manors. Mit einem lauten
"Bin wieder da!", kündigte Harry sie an. Keine zwei Sekunden
später wurde eine Tür rechts aufgerissen, und Tom kam auf
sie zu. In seine Zügen spiegelte sich Erleichterung. Ohne auf
Hermine zu achten krallte er sich Harry, und drückte ihn
erleichtert an sich.
"Ich habe mir solche Sorgen gemacht. Was
wenn jemand vom Orden dort gewesen wäre. Mach das bitte nie
wieder, ich will dich nicht verlieren, mein kleiner
Panther."
"Tommy...Luft.", brachte Harry gerade so noch
hervor, da Tom Umarmung doch ziemlich fest war. Dieser lockerte
seinen Griff sofort, weigerte sich aber, Harry wieder los zu
lassen.
Unbemerkt von den beiden waren auch Severus, Lucius,
Jessmina und Harrison in die Eingangshalle getreten, und blickten
jetzt erleichtert auf Harry.
Blaise und Pansy, die auf der Treppe
standen, grinsten nur.
Dann erschien Draco hinter Harry und
Hermine. Die Braunhaarige besah sich nur ungläubig das Bild. Da
standen zwei, nein, vier Todesser, drei Slytherins und Lord Voldemort
höchstpersönlich und waren erleichtert und erfreut Harry
gesund wieder zu sehen. Irgendwie stand ihr Weltbild gerade Kopf.
Aus
den Augenwinkeln sah Harry den ungläubigen Blick seiner
Freundin. Lächelnd löste er sich von Tom.
"Ich habe
dir doch gesagt, dass sie ganz anders sind, als du glaubst."
"Ich
sehe es, aber glauben kann ich es trotzdem nicht.", meinte Hermine
baff.
"Miss Granger, herzlich Willkommen in Riddle Manor, fühlen
sie sich wie zu Hause.", meinte Tom und lächelte die
Braunhaarige an.
"Warum bist du so freundlich?", fragte
Harry.
"Wenn du ihr wirklich vertraust, dann tu ich es
auch."
"Nach dem Motto deine Freunde sind meine Freunde, oder
wie?"
"Ich glaube, er hat eher Angst, dass du sauer auf ihn
sein könntest, sollte er deine Freunde schlecht behandeln.",
grinste Draco.
Tom lief leicht rot an und murmelte etwas
unverständliches. Das brachte die Erwachsenen zum schmunzeln und
die Jugendlichen zum lachen. Wann bitteschön sah man sonst einen
verlegenen Lord Voldemort?
Auch Hermine musste leicht lächeln.
Harry schien es hier wirklich gut zu gehen, und das war im Moment das
Wichtigste für sie. Ihr Freund musste schon genug ertragen. Im
Stillen nahm sie sich vor, die anwesenden erst einmal neu kennen zu
lernen. Wenn Harry sie mochte und sie nett zu ihm waren, konnten sie
gar nicht so schlecht sein, wie immer behauptet wurde.
Nach dem
Harry sich wieder beruhigt hatte, schnappte er sich Hermines
Hand.
"Also Herm, das hier ist mein Tom. Sei nett zu ihm und er
ist nett zu dir.", dann führte er sie zu den anderen vier
Erwachsenen. Vor Jessmina und Harrison blieb er als erstes
stehen.
"Das sind meine Eltern. Jessmina und Harrison. Mum, Dad,
das ist Hermine Granger, meine beste Freundin aus Hogwarts."
"Hallo
Hermine, sehr erfreut dich kennen zu lernen.", antwortete Jessmina
lächelnd. Harrison nickte ihr lächelnd ebenfalls zur
Begrüßung zu.
"Sehr erfreut.", antwortete
Hermine.
"Das hier sind Lucius und Severus. Du kennst die beiden
ja schon. Aber glaube mir, eigentlich sind sie ganz anders."
"Mister
Malfoy, Professor Snape.", grüßte Hermine höflich.
"Lass
mal, Mädchen. Solange du hier bist, nenn mich Lucius. Bei Mister
Malfoy muss ich immer an meinen Vater denken.", grinste Lucius.
"Du
kannst mich Severus nennen, aber denke daran, das ich in Hogwarts
wieder dein Professor bin.", lächelte Severus.
Hermine sah
nur baff von einem zum andern. Seit wann bitteschön konnten ein
Malfoy und Professor Snape so nett lächeln.
"Ich glaube,
das war für sie der Schock des Tages.", grinste Pansy, die
sich, nach dem Blaise sich zu seinem Schatz verzogen hatte, zu Harry
gesellte. Dann wandte sie sich an Hermine.
"Hallo. Ich bin
Pansy, seit kurzem Pan. Freut mich dich kennen zu lernen, jetzt bin
ich wenigsten nicht mehr das einzige Mädchen in dieser Gruppe
aus Jungs."
"Hallo, ich bin Hermine, aber nenn mich Herm.",
meinte die Braunhaarige leicht überrumpelt.
"Also darf ich
Pan zu dir sagen?", fragte Harry mit leuchtenden Augen.
"Ja,
warum nicht. Hört sich doch nicht schlecht an."
"Yes.",
damit fiel Harry Pansy um den Hals. Diese war erst etwas erschrocken,
war es doch das erste Mal, dass Harry sie umarmte oder umgekehrt,
aber schon bald erwiderte sie die Umarmung lächelnd. Hatte sie
doch so sehr gehofft, dass sie ihn irgendwann auch mal knuddeln
konnte.
