Kapitel 41

Die nächsten Wochen vergingen ruhig.
Hermine staunte anfangs noch, wie nett und offen hier alle miteinander umgingen. Auch wurden ihr die drei Slytherins immer sympathischer. Sie waren witzig, liebevoll und warmherzig. Auch konnte man mit ihnen wunderbare Gespräche führen. Erst jetzt wurde ihr bewusst, wie oberflächlich doch die ganze Zeit die Freundschaft zwischen ihr, Ron und Harry war. Die drei hatten sich nie einfach so zusammengesetzt und über Gott und die Welt geredet. Auch musste man immer aufpassen, was man sagte, da Ron jedes Wort auf die Goldwaage gelegt hatte und jedes mal ausrastete, wenn man eine andere Meinung hatte, als er selbst. Hier war das nicht der Fall. Man konnte offen und ehrlich seine Meinung sagen, und sie wurde von den anderen akzeptiert. Auch Tom, Severus und Lucius waren ganz anders, als sie es sich vorgestellt hatte. Tom schien wirklich nichts gegen sie zu haben. Er mochte Muggle zwar nicht sonderlich, aber er hasste einen Menschen nicht gleich, weil er oder sie mugglegeboren war. Er gab ihnen eine Chance wie jedem anderen auch, und wenn er sie trotzdem nicht mochte, ging er ihnen aus dem Weg. Hermine schien er jedoch zu mögen, spätestens, nach dem er den Brief von ihr gelesen hatte, und sich vor Lachen kaum noch halten konnte. Severus war hier auch ganz anders als in der Schule. Man konnte ruhig und vernünftig mit ihm reden und er war immer zur Stelle, wenn jemand Sorgen oder Schmerzen hatte, und half diesem so gut er konnte. Draco hatte ihn mal als Hauseigenen Kummerkasten bezeichnet und Hermine musste feststellen, dass er damit gar nicht so falsch lag. Und Lucius Malfoy, er war einfach nur nett. Man konnte mit ihm reden, und er hatte eigentlich immer ein paar nette und aufmunternde Worte für jeden. Ebenso wie Narzissa, die mit den Kindern gegen Ende der Ferien einkaufen ging, sehr zu Harrys Leidwesen, denn Zissa, wie Herm sie nennen durfte, schleifte die Jugendlichen ohne Rücksicht auf Verluste von einem Geschäft zum nächsten, und schien bei der Shoppingtour regelrecht aufzublühen. Am Ende hatte Herm nicht nur haufenweise neue Bücher für die Schule und auch sonst zum lesen, sondern auch eine komplette Garnitur neuer Umhänge und Klamotten, gesponsert von der Familie Malfoy. Harrys Schrank war danach zu klein geworden, und er musste ihn per Zauber auf sein doppeltes Fassungsvermögen ausweiten. In seinem Zimmer standen inzwischen auch schon fünf randvolle Regale mit Büchern. Den Rest seiner Bücher stellte er einfach in die Bibliothek, da fielen fünfzig Bücher mehr oder weniger auch nicht auf.
Harry hingegen hatte, wenn er nicht gerade von seinen Freunden oder seinem Liebsten in Beschlag genommen wurde, angefangen, seine Eltern besser kennen zu lernen. So hatte er erfahren, dass sie ihm den Namen Jonas geben wollten und sich immer eine große Familie gewünscht hatten. Die beiden waren einfach nur herzensgute Menschen, die von ihrem Umfeld dafür bestraft wurden, dass sie sich liebten.
Auch Harrys Plan nahm immer mehr Gestalt an. Er hatte Severus, nach einem mehrstündigen Gespräch dazu gebracht, seine Maske wenigstens im Unterricht fallen zu lassen, und fairer zu anderen Häusern zu sein. Nur bei Ron durfte er eine Ausnahme machen, meinte Harry zwinkernd, was Severus ein diabolisches Grinsen entlockte.
Durch den Zauber hatte er erfahren, dass Dumbledore einem Zauberer sein Gedächtnis gelöscht, und mit den Informationen über Harrys Leben, bei deren Auswahl ihm Ron helfen musste, zu füllen. Dann hatte er ihm eine Illusion auferlegt, und schickte ihn nun als Harry Potter zurück zur Schule. Da der Junge in einem Waisenhaus aufgewachsen war, würde ihn auch niemand vermissen.
Tom war, als er das erfahren hatte, stinksauer geworden, und hatte sein komplettes Arbeitszimmer verwüstet. Wie konnte dieser alte senile Schwachkopf es nur wagen, einen so vielschichtigen Menschen wie Harry einfach so ersetzen zu wollen!! Harry hingegen hatte ruhig reagiert, und seinen Plan den neuen Umständen entsprechend angepasst. Er wusste genau, dass diese Kopie von ihm sehr viele Lücken in seiner Erinnerung haben würde. Immerhin wussten Ron und Dumbledore nur von den Begebenheiten etwas, von denen er ihnen erzählt hatte, oder bei denen sie anwesend waren. Dabei war vieles untergegangen.
Auch hatte Harry angefangen zu schreiben. Er schrieb täglich etwas aus seinem Leben, begonnen bei den Dursleys. Es half ihm, die ganze Sache zu verarbeiten und er hatte vor, das Ganze irgendwann zu veröffentlichen. Das war der Abschluss seines Plans. Erst die Menschen durch leichte Veränderungen aufrütteln und ihnen zu zeigen, dass nicht immer alles so ist, wie es scheint. Dann ihr Vertrauen gewinnen, und zum Schluss noch die Karten offen auf den Tisch legen. Zwar schmerzten ihn die Erinnerungen an seine Kindheit, aber zum Glück hatte er Krenjo, der ihm half, und Tom und seine Freunde, die ihn aufbauten, wenn er traurig war.

Die Zeit verging wie im Flug, und am nächsten Morgen sollte der Hogwarts-Express abfahren. Harrys ZAG Ergebnisse waren, wie nicht anders zu erwarten, hervorragend. Er hatte in jedem der Prüfungsfächer ein Ohnegleichen eingeheimst, und in seiner geringen Zeit in den Ferien noch den Stoff in Runen und Arithmantik gepaukt. Nach dem Abendessen wurden die Jugendlichen in ihre Zimmer geschickt, um zu packen. Man wollte ja nicht, dass am nächsten Morgen alle wie aufgescheuchte Hühner durch die Gegend liefen, weil noch irgend etwas vergessen worden war.
Als sich dann alle langsam verabschiedeten und ins Bett gingen, standen sämtliche Koffer, nachdem jeder noch mal alles durchgegangen war, damit nichts vergessen wurde, in der Eingangshalle bereit, und die Bewohner des Manors drifteten langsam ins Reich der Träume ab.

Der Morgen begann, im Gegensatz zu Harrys sonstigen Morgenden zu Schulbeginn, gelassen. Um neun versammelten sich alle Bewohner, um ein letztes Mal gemeinsam zu frühstücken und sich danach ausgiebig zu verabschieden. Jessmina würde, zusammen mit Harrison und Severus, die Jugendlichen nach Hogwarts begleiten, da sie ja die Frau eines Lehrers war. Tom hatte es sich als Schlange bei Harry gemütlich gemacht, auch wenn Alisa das gar nicht so toll fand, ihren Harry jetzt mit ihm teilen zu müssen. Üleus nahm es da lockerer und setzte sich einfach auf Dracos Schulter, was diesen nur ungläubig blinzeln ließ. Immerhin war er der erste außer Harry, dem der Vogel sich freiwillig mehr näherte, als unbedingt nötig. Hermine war zutiefst betrübt, da ihre neuen Freunde ja in Hogwarts in ein anderes Haus gingen, wurde jedoch von Pansy getröstet, sie könnten sich ja jederzeit in der Bibliothek oder auf dem Schlossgelände treffen, während Severus ihr, in einem unbeobachteten Moment, das Passwort zum Slytheringemeinschaftsraum zuraunte, nur um dann, unschuldig aus der Wäsche guckend, mit Harrison und Jessmina nach Hogsmead zu apparieren. Blaise hingegen versuchte Üleus mit eifersüchtigen Blicken dazu zu bringen, seinen Platz auf Dracos Schultern aufzugeben, was dieser allerdings gekonnt ignorierte, bis es Draco zu blöd wurde, und er seinen Schatz in einen leidenschaftlichen Kuss zog.
Um halb elf wurden die Jugendlichen dann von Lucius und Zissa zum Bahnhof begleitet, und direkt dort verabschiedet. Die Jugendlichen mussten sich ein Lachen verkneifen, auf Grund der dämlichen Gesichter, die ihre Schulkameraden zogen, als Zissa einen nach dem anderen in den Arm nahm und mit einem Kuss auf die Stirn verabschiedete, während Lucius jedem einzelnen noch mal freundlich zulächelte.
Als dann um Punkt elf die rote Lok den Bahnhof verließ, saßen die fünf Jugendlichen zusammen in einem Abteil, und amüsierten sich königlich über die Gesichter der anderen.
"Oh man. Habt ihr das Gesicht von dem Wiesel gesehen, als meine Mum Herm umarmt hat.", grinste Draco.
"Ja. Ich hatte schon Angst, ihm fallen gleich die Augen raus.", gigelte Pansy.
"Aber Ginny hat dich ziemlich genau gemustert, Luzifer.", meinte Herm plötzlich.
"Stimmt, sie ist ja nicht blöd."
"Wie meinst du das?", fragte Blaise und zog Draco auf seinen Schoß.
"Na ja, der einzige Grund, warum Herm was mit euch zu tun haben sollte, wäre nun mal ich.", meinte Luzifer nur (A.d.A.: Ich nenn Harry ab jetzt nur noch Luzifer, sonst wird's zu verwirrend.)
"Stimmt, und da du der einzige warst, den sie nicht kannte, hat sie sich wahrscheinlich gefragt, ob du nicht Harry sein könntest, und dich deshalb genau gemustert.", meinte Herm. "Sie war, nach dem was Ron geschrieben hatte, echt fertig als es hieß, du seiest tot."
"Mal sehen ob sie kommt. Wenn sie wirklich glaubt, ich sei Harry und sich ernsthaft Sorgen um mich gemacht hat, wird sie kommen. Tom, hör auf.", die letzten Worte richtete Luzifer direkt an seinen Liebsten, der immer noch in Schlangengestalt um seinen Hals geschlungen lag und mit seiner Zunge Luzifers Ohr kitzelte, während sein Schwanz den Veela sanft unter dessen Kleidung streichelte.
Gefällt esss dir nicht? , fragte dieser und ließ seine Zunge über Harrys Ohr streichen.
Darüber können wir reden, wenn wir alleine sind. Nicht jetzt. , meinte Luzifer nur.
Ich nehme dich beim Wort, kleiner Panther.
/Was habe ich da nur angerichtet/, dachte Luzifer und verdrehte dich Augen. Er verstand zwar, dass seinem Liebsten die Streichel- und Kuscheleinheiten der beiden nicht reichten, aber er fühlte sich noch nicht dazu bereit, mit Tom zu schlafen. Er zuckte zwar nicht mehr bei jeder Berührung ängstlich zusammen, aber trotzdem fürchtete er sich vor dem nächsten Schritt. In Gedanken nahm er sich vor, einmal mit Draco zu reden. Den Geräuschen, die aus dem Zimmer von Draco und Blaise zu hören waren, waren die beiden ja schon weiter als er und Tom.
Der Schlangenanimagus stellte seine Streicheleinheiten ein, und kuschelte sich näher an Luzifer. Alisa hatte sich in dessen Schoß zusammengerollt und döste vor sich hin, während Üleus auf der Lehne des Sitzes saß und ebenfalls döste.
Plötzlich ging die Abteiltür auf und ein roter Haarschopf war zu erkennen. Ginny Weasley blickte sich im Abteil um. Als ihr Blick auf Hermine fiel, trat sie ganz ein, und schloss die Tür hinter sich. Zögernd ging sie auf die fünf zu und blieb direkt vor Luzifer stehen.
"Harry?", fragte sie unsicher und mit einer stummen Bitte in den Augen.
Luzifer betrachtete sie eingehend. Ihre Wangen wirkten eingefallen, sie hatte dunkle Ringe unter den Augen und ihre Haut war fast so blass wie die von Severus. Sie schien wirklich fertig gewesen zu sein, als sie erfuhr, dass Harry Potter tot war.
"Hey, Gin. Ich habe gehofft, das du mich trotzdem erkennst.", lächelte er sie vorsichtig an.
Mit einem kleinen Aufschrei fiel Ginny Luzifer um den Hals, wobei es sie nicht sehr zu interessieren schien, dass sie Tom dabei fast erdrückte. Alisa war vorsichtshalber von Luzifers Schoß geflüchtet, und hatte sich bei Hermine in Sicherheit gebracht. Jetzt hatte Luzifer eine schluchzende Rothaarige auf dem Schoß, die ihn fast erdrückte, und um den Hals hing sein Geliebter in Atemnot, da Ginnys Umarmung ihm die Luft nahm.
Vorsichtig löste Luzifer Ginnys Griff. "Hey, Kleines, ganz ruhig. Mir geht's gut. Ich bin ja wieder da.", meinte Luzifer und schloss das aufgelöste Mädchen in seine Arme. Tom hing tief nach Luft schnappend an seinem Hals und war nur froh, dass sein kleiner Panther den Würgegriff des Mädchens gelöst hatte.
Bei Salazar, die Kleine hat ganz schön Kraft. , zischelte Tom.
"Was dachtest du denn? Dummkopf.", meinte Luzifer nur grinsend.
Ginny sah den Veela aus unsicheren, verweinten, aber glücklich strahlenden Augen an.
"Nicht du, Gin. Tom hier. Du hättest ihn fast erwürgt.", grinste Luzifer.
Rührend, wie besorgt du um mich bist. , meinte Tom und blickte pikiert in die andere Richtung.
"Als ob man dich so einfach los werden könnte.", meinte Luzifer nur und wandte dann seine ganze Aufmerksamkeit dem Mädchen auf seinem Schoß zu. "Hey, meine Kleine."
"Warum haben alle gesagt, du wärest tot?", flüsterte Ginny.
"Hätte Lucius mich nicht gefunden, wäre ich jetzt tot. Die Dursleys waren diesen Sommer schlimmer als sonst. Kaum hatte ich ihr Haus betreten, haben sie all meine Sachen an sich genommen und sie verbrannt. Danach wurde ich in einem kleinen Raum in den Keller geschmissen...", so begann Luzifer langsam von den Ereignissen des Sommers zu berichten. Ginnys Augen wurden immer größer und sie lauschte gebannt der Erzählung.
"Und wie geht es dir jetzt? Sind auch alle lieb zu dir?", fragte sie dann vorsichtig. Ihr schien alles andere egal zu sein, Hauptsache sie hatte ihren Bruder wieder, und diesem ging es gut.
"Ja. Alle sind lieb zu mir. Ich war in meinem ganzen Leben noch nie so glücklich wie in den Wochen, seit ich in Riddle Manor war. Gin. Ich habe Eltern, die mich lieben. Freunde, die mich so akzeptieren, wie ich bin und Tom, der mir mehr bedeutet als alles andere auf der Welt. Und ich habe Hermine und dich, die mir zeigen, dass ich wenigstens ein paar Menschen habe, die schon immer hinter mir standen und es ernst mit mir meinten. Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich wirklich sagen kann, ich bin restlos glücklich und zufrieden.", lächelte Luzifer.
"Wir sind noch immer Freunde?"
"Nein, du bist wie eine Schwester für mich. Wir sind mehr, als nur Freunde."
"Du musst es Remus sagen. Er verweigert inzwischen sogar seinen Trank, weil er hofft, dass die Schmerzen bei der Verwandlung ihn irgendwann umbringen werden. Und Fred und George sind total fertig. Sie haben in den letzten Wochen nicht gelacht und nicht einen Streich gespielt. Bitte, melde dich bei ihnen."
"Das werde ich. Versprochen."