Kapitel 42
In diesem Moment öffnete sich zum zweiten Mal an
diesem Tag die Abteiltür. Ron Weasley trat, gefolgt von Neville
Longbottom, Dean Thomas und Seamus Finnigan den Raum. Die Krönung
des Anblicks war allerdings der Junge in der Mitte. Verstrubbeltes,
schwarzes Haar, smaragdgrüne Augen, die hinter einer Brille
versteckt waren, und ein überhebliches Grinsen auf dem
Gesicht.
/So dämlich habe ich bestimmt nie geguckt./, meinte
Luzifer und schüttelte sich. Dann warf er einen kurzen Blick zu
Draco, der den falschen Harry Potter wütend musterte.
"Sag
mal, Ginny, kannst du mir mal sagen, was du da machst?", schrie Ron
wütend los, als er das Mädchen auf dem Schoß des
Schwarzhaarigen als seine Schwester identifiziert hatte. Diese warf
ihrem Bruder und dem falschen Potter nur einen abschätzigen
Blick zu, ehe sie spitz ein "Kuscheln, siehst du doch.",
erwiderte.
"Du kannst doch nicht einfach so mit einer Schlange
kuscheln."
"Zwei.", meinte Luzifer. "Sie kuschelt mit zwei
Schlangen. Du solltest mal zum Augenarzt, wenn du nicht richtig
siehst."
"Verschwinde, Wiesel.", zischte jetzt Draco von
Blaises Schoß aus. Dieser hielt seinen Liebsten fest, der sich
sonst schon längst auf Ron und den falschen Potter gestürzt
hätte.
"Oh man. Frettchen und Zabini. Ihr seid echt
abstoßend. Aber was sollte man schon von solchen Schleimbeuteln
erwarten. Aber von dir, Hermine, hätte ich mehr erwartet. Wie
kommst du dazu, uns an diese Schlangen zu verraten?"
"Ich habe
meine Freunde nicht verraten, da meine zwei besten Freunde hier sind.
Wenn du damit nicht umgehen kannst, bitte, da ist die Tür."
"Ron,
lass diese Verräter, sie werden es noch früh genug
bereuen.", meinte der falsche Harry und legte dem Rothaarigen
beruhigend eine Hand auf die Schulter. Dieser stieß die Hand
des anderen beiseite, drehte sich um, und stolzierte aus dem Abteil.
Der falsche Harry warf noch einen abschätzenden Blick auf die
Slytherins, Herm und Gin, ehe er seinem ‚Freund' folgte.
Neville,
Seamus und Dean blieben zurück und sahen Hermine und Ginny kurz
an.
"Warum?", fragte Dean plötzlich.
"Ist euch
nichts aufgefallen?", fragte Hermine.
"Harry ist komisch. Er
benimmt sich total anders als sonst. Richtig aufgeblasen.",
antwortete Seamus.
"Hey.", protestierte Luzifer, der sich
plötzlich angesprochen fühlte.
"Nicht du.", meinten
Herm, Gin, Dray, Pan und Bini im Chor.
"Oh.", meinte Luzifer
und lief tiefrot an. "Daran muss ich mich erst gewöhnen.",
nuschelte er dann.
"Harry?", fragte Neville unsicher.
Dieser
lächelte die drei Gryffindors etwas verunglückt an und
meinte: "Hi."
"Aber wie...? Du siehst ganz anders aus.",
meinte Seamus und die drei setzten sich.
"Dray?", fragte
Luzifer leicht quengelnd und sah den Blonden mit seinem besten
Hundeblick an.
"Warum ich?", fragte dieser zurück.
"Weil
ich keinen Bock mehr habe, das Ganze noch einmal zu erzählen."
"Na
von mir aus.", seufzte Draco und erzählte den dreien dann, was
sich in den Ferien ereignet hatte. Allerdings die abgeschwächte
Version, wo die zwei chaotischen Tage von Luzifers seelischer
Verjüngung und die Sache mit Krenjo, weg fiel.
"Woher
sollen wir wissen, das du wirklich der echte Harry bist?"
"Fragt
mich etwas, was nur ich wissen kann, aber vorher, Neville."
"Hm?",
der Angesprochene sah den Veela unsicher an.
"Ich habe eine
Möglichkeit gefunden deinen Eltern zu helfen. Dazu bräuchte
ich aber deine Hilfe.", lächelte Luzifer lieb.
"Du
hast...wie kann ich helfen?", fragte Neville aufgeregt.
"Ich
bräuchte ein bisschen Blut von dir. Damit der Trank auch wirkt,
brauche ich das Blut eines Blutsverwandten, sonst klappt es
nicht."
"Und es hilft ihnen wirklich?"
"Ja. Ganz
sicher."
"Dann nimm so viel Blut wie du brauchst.", meinte
Neville und begann zu strahlen. Es war ihm egal, woher der Trank kam,
wenn er dadurch seine Eltern zurück bekommen würde.
"Sag
das bloß nicht zu laut sonst missbraucht er dich als
Blutbank.", witzelte Herm. Sie wusste, das in Kürze Luzifers
erster Blutdurst erwachen würde. Blaise hatte ihnen nämlich,
zusammen mit Harrison, erklärt, dass ein geborener Vampir, egal
ob Halbvampir oder nicht, alle viertel Jahre etwas Blut benötigte.
Da Luzifer jedoch schon vor seinem Erwachen etwas von seinem eigenen
Blut getrunken hatte, hatte er den Blutdurst schon vorher gestillt.
Die Frage war bloß, wie lange.
"Werde ich nicht. Tom hat
sich freiwillig gemeldet.", grinste Luzifer seinen Liebsten an, der
immer noch schmollend in die andere Ecke blickte.
"Aber er ist
doch auch ein Vampir, oder habe ich das missverstanden?", fragte
Herm.
"Nein, hast du nicht, aber er hat einen Blutstein für
solche Fälle. Da Mum und Dad nicht wussten, ob ich bis dahin
wieder bei ihnen wäre, haben sie sich erst vor kurzem daran
gesetzt einen zu machen. Meiner dürfte bis Neujahr fertig
sein.", erklärte Luzifer.
"Und bis dahin benutzt du den
von Tom.", meinte Blaise.
Luzifer nickte nur.
"Ich wüsste,
ehrlich gesagt, nicht, was ich fragen könnte.", meinte Seamus
und sah Dean hilfesuchend an.
"Ich auch nicht.", ergänzte
dieser Schulterzuckend.
"Na toll. Ihr zwei seid echt
unfassbar.", brummte Luzifer, ehe ein unheilvolles Glitzern in
seine Augen trat.
"Seid ihr jetzt eigentlich zusammen oder
nicht?"
"Wie kommst du darauf?", stotterte Dean, der
feuerrot angelaufen war. Seamus sah nicht besser aus.
"Wenn ihr
das nächste Mal in der Dusche des Gemeinschaftsraums
übereinander herfallt, solltet ihr vorher abschließen. Ihr
könnt echt froh sein, dass Ron und Nev nicht da waren."
Beide
sahen sich kurz an, ehe sie wieder Luzifer fixierten.
"Du bist
es. Das kannst nur du wissen.", meinte Seamus und grinste Luzifer
an.
"Amen.", meinte Luzifer und lehnte sich im Sitz
zurück.
"Aber was ist dann mit dem Harry, der bei Ron
ist?", fragte Dean.
"Na ja, Dumbledore hat wohl angenommen,
dass ich tot bin. Der Meinung waren Gin und Herm ja auch. Er hat es
wohl den Leuten vom Phönixorden gesagt. Aber durch meinen Tod
hätte er ja seine Galionsfigur verloren, darum hat er einen
Zauberer aus einem Waisenhaus genommen, ihm sein Gedächtnis
gelöscht, und den Großteil meiner Vergangenheit
eingepflanzt, ihm eine Illusion von mir auferlegt, und gibt ihn jetzt
als Harry Potter aus.", meinte Luzifer schulterzuckend.
"Stört
dich das nicht?", fragte Dean.
"Nein, weil eine Kopie nie so
ist, wie das Original. Er konnte ihm zwar neue Erinnerungen geben,
aber seinen Charakter konnte er nicht verändern. Sogar euch ist
aufgefallen, dass ‚Harry Potter' sich anders verhält als
sonst. Vieles von mir ist verloren gegangen, da sie das erschaffen
haben, was sie sehen und nicht das, was ich wirklich bin."
"Klingt
einleuchtend. Den anderen wird bestimmt auch auffallen, dass er sich
nicht wie Harry Potter verhält. Alleine schon dieses
überhebliche Grinsen. Ekelhaft.", meinte Seamus und schüttelte
sich kurz.
"Mädels, wir müssen uns dringend was
einfallen lassen.", meinte Pansy plötzlich.
"Warum?",
fragte Herm.
"Na guckt doch mal. Wir haben hier drei Pärchen
und vier Singles, das geht doch so nicht.", meinte Pansy.
"Warum
drei Pärchen?", fragte Neville verwirrt.
"Moment.",
meinte Harry und versiegelte die Abteiltür mit einem Spruch,
gesponsert bei Krenjo, den außer Luzifer jetzt keiner mehr
aufheben konnte.
"Du kannst, Liebling."
Tom glitt von
Luzifers Schultern auf den Boden und verwandelte sich zurück in
einen Menschen. Noch immer wandte er Luzifer demonstrativ den Rücken
zu.
"Der schmollt immer noch.", seufzte Luzifer, schob Gin von
seinem Schoß und ging auf seinen Liebsten zu.
"Nicht
schmollen, bitte, das steht dir nicht.", meinte Luzifer und umarmte
Tom von hinten.
Tom reagierte nicht.
"Ich fass es nicht! Ein
schmollender Lord Voldemort. Dass ich das noch erleben darf.",
grinste Herm.
Vierfaches aufkeuchen durchbrach die Stille. Gin,
Nev, Seamus und Dean starrten Tom mit offenen Mündern und weit
aufgerissenen Augen geschockt an.
"Liebling, nicht schmollen,
sonst schläfst du heute Nacht auf der Couch im
Gemeinschaftsraum.", drohte Luzifer.
Das wirkte. Tom schnellte
herum und sah den Veela bittend an.
"Na also, geht doch.",
meinte Luzifer und zog seinen Liebsten in einen tiefen Kuss.
Dieser
ließ sich nicht lange bitten und intensivierte den Kuss,
während er seinen kleinen Panther näher an sich zog und ihm
sanft über den Po streichelte.
Ein Klopfen an der Abteiltür
ließ die beiden auseinander fahren.
"Ja?", fragte
Draco.
"Wir sind es.", ertönte die Stimme von Theodor
Nott.
"Moment. Luzifer, hebst du bitte den Bann auf."
"Na
wenn es sein muss.", grummelte dieser. Tom machte sich kurz
unsichtbar, damit ihn niemand, der zufällig vorbeiging während
die Tür offen war, sah.
Dann wischte Luzifer einmal kurz
durch die Luft und meinte: "Ist offen."
Die Abteiltür
öffnete sich und Theodor Nott, Vincent Crabbe und Gregory Goyle
traten ein. Nachdem die Tür wieder zu war, erneuerte Luzifer den
Bann, und Tom wurde wieder sichtbar.
Ein dreifaches "My Lord?",
ertönte.
Tom funkelte die drei Jugendlichen böse an. Es
war gerade so schön gewesen, und da mussten diese Kinder kommen
und stören!! Die Welt war unfair.
"Liebling, keine
Unverzeihlichen in Hogwarts oder auf dem Weg dorthin. Sonst schick
ich dich mit Üleus postwendend wieder nach Hause.", meinte
Luzifer nur und verdrehte die Augen.
"Du bist fies."
"Ich
weiß.", grinste Luzifer, positionierte seinen Liebsten auf
den Sitz und ließ sich auf seinem Schoß nieder. Hier war
es immer noch am gemütlichsten.
Dann wandte er sich an die
drei Neuankömmlinge.
"Setzt euch, wenn ihr noch einen Platz
findet. Die sollten größere Abteile bauen."
"Zu
meiner Zeit waren sie groß genug.", meinte Tom.
"Da
siehst du mal, wie alt du bist.", erwiderte Luzifer
ungerührt.
"Werde nicht frech."
"Sonst was?"
"Sonst
leg ich dich übers Knie."
"Das sage ich Mum."
"Oh
nein, bitte nicht.", meinte Tom und schluckte.
"Sag bloß
du hast Angst vor Jessmina.", meinte Herm verwirrt. Sie fand
Jessmina eigentlich einfach nur klasse.
"Hast du schon mal eine
wütende Veela erlebt?"
"Nein."
"Glaube mir, das
willst du auch nicht."
"Also sei lieb zu mir. Du weißt,
ich bin zu einem Teil Veela.", grinste Luzifer.
"Ich aber
auch."
"Ja und. Ich habe Krenjo und Draco."
"Eine Seele
ohne eigenen Körper und ein Teenager? Keine sehr guten
Argumente."
"Und was ist mit Herm, Gin, Nev, Bini, Mum, Dad,
Sev, Luc, Zissa und Bella? Bessere Argumente?"
"Du klaust mir
meine Leute!", quengelte Tom.
"Selbst Schuld. Wärest du
netter zu ihnen, würden sie dir auch helfen."
"Na toll
und das sagt er mir jetzt.", brummte Tom.
"Ich helfe Tom.",
meinte Gin plötzlich.
"Verräterin.", brummte
Luzifer.
"Warum würdest du mir helfen?", fragte Tom
verwirrt.
"Ich mag dich."
"Kleiner Panther, kneife mich
mal, ich glaub ich träum."
"Nein, ernsthaft."
"Sie
hatte dein Tagebuch. Da war dein sechzehnjähriges Ich drin, und
sie hat fast ein Jahr lang mit ihm Kontakt gehalten. Seit dem mag sie
dich. Wüssten Ron oder ihre Eltern das, wären die schon
längst ausgerastet. Sie fand dich nämlich nett."
"Ich
war mit sechzehn weit davon entfernt, nett zu sein.", meinte Tom
auf Harrys Erklärung.
"Aber du hast mich nicht wie ein
dummes, einfältiges, kleines, hilfloses Gör behandelt,
sondern ganz normal.", meinte Ginny dazu.
"Na, wenn du
meinst.", brummte Tom nur.
