Kapitel 43

Den Rest der Fahrt unterhielten sich alle und Nev, Dean und Seamus stellten erstaunt fest, dass der allseits gefürchtete, grausame Lord Voldemort eigentlich ein ganz netter und lustiger Geselle war. Allerdings würden sie sich hüten, das auch auszusprechen. Man wusste ja nie, ob er das nicht als Beleidigung auffassen würde.
Nott, Crabbe und Goyle kannten Tom zwar schon, zumindest vom sehen her, aber so richtig kennen gelernt hatten sie ihn bis jetzt nicht. Die Nachricht, dass er das gesamte Schuljahr wahrscheinlich im Slytheringemeinschaftsraum war, bereitete ihnen anfangs noch Unbehagen. Später jedoch, als sie ihn etwas besser kannten, freuten sie sich schon darauf.
Als der Zug sich seinem Ziel allmählich näherte, zogen sich die Schüler um. Tom verwandelte sich und machte es sich, da er mal wieder schmollte, bei Draco gemütlich. Alisa wurde an Pansy übergeben und Üleus setzte sich auf Luzifers Schulter.
Die restlichen Hogwartsschüler schauten nicht schlecht, als eine Gruppe, bestehend aus Slytherins und Gryffindors, sich lachend und scherzend auf den Weg zu den Kutschen machte, die sie ins Schloss bringen sollten.
Gezwungenermaßen trennten sie sich, warteten aber bei der Ankunft am Schloss aufeinander, um die Schule gemeinsam zu betreten. Draco und Blaise gingen Arm in Arm. Dean und Seamus folgten ihrem Beispiel, anfangs leicht zögernd. Die anderen ließen sich nicht davon stören, sondern gingen einfach weiter. Am Portal wurden sie allerdings kurz von Professor McGonagall aufgehalten, die den Trupp misstrauisch beäugte.
"Mister Black, sie müssen noch eingeteilt werden. Würden sie bitte noch mit mir auf die Erstklässler warten."
"Natürlich, Professor.", antwortete Luzifer und lächelte McGonagall freundlich an. Er mochte sie. Sie war immer fair zu ihm gewesen. Mit einem kurzen Nicken verabschiedete er sich von seinen Freunden, die sich danach munter weiterschwatzend in die große Halle begaben.
"Alle Achtung, Mister Black. Ich hätte wirklich nie gedacht, dass ich es jemals erleben würde, dass Schüler aus Slytherin und Gryffindor aufeinander treffen, und nicht versuchen sich gegenseitig umzubringen."
"Und warum glauben sie, ich hätte was damit zu tun, Professor?"
"Nun, sie sind neu hier. Ich dachte eigentlich immer, dass Mister Potter das tun würde, aber ich habe mich wohl geirrt.", meinte McGonagall und ihr Ausdruck wurde kurz traurig.
"Wie meinen sie das, Professor?"
"Sie sind äußerst neugierig, Mister Black. Ich hoffe, es wird ihnen eines Tages nicht zum Verhängnis.", flüsterte die Professorin und sah Luzifer einfach nur an.
Dieser wurde dadurch, wie sollte es auch anders sein, erst recht neugierig und setzte vorsichtig seine Fähigkeiten ein. Er blickte seiner Professorin direkt in die Augen.
/...ist ihm irgendwie ähnlich. Ich kann mir einfach nicht helfen, aber dieser Blick, dieser Gesichtsaudruck, genau wie Harry. Wie kann Albus es nur wagen, das Andenken an den Jungen so dermaßen in den Schmutz zu ziehen. Das hat der Junge nicht verdient. Nichts von dem, was er erlebt hatte, hat er verdient. Ich wünschte, er hätte ein ganz normales Leben gehabt./
Luzifer zog sich wieder zurück und schluckte kurz. DAS hätte er nicht erwartet. McGonagall schien ihn wirklich gemocht zu haben.
"Professor, die Erstklässler sind da.", meinte Luzifer sanft und holte McGonagall so aus ihren trüben Gedanken zurück.
"Oh...ja. Folgt mir, bitte."

Wenig später betrat Luzifer die große Halle. Kurz ließ er seinen Blick schweifen. Dean, Seamus, Nev, Gin und Herm saßen etwas abseits ihrer Klassenkameraden. Ron und die anderen warfen ihnen immer wieder giftige Blicke zu.
Dray versuchte, allen Anschein nach, Tom davon abzuhalten, Richtung Gryffindortisch zu schlängeln, und die Schüler dort etwas zu ärgern, während Bini, Pan, Theodore, Vincent und Gregory sich angeregt unterhielten, und dabei immer wieder ein Lächeln mit den Gryffindors tauschten.
Vor dem Lehrertisch blieben sie stehen.
Hagrid wirkte betrübt, Professor Flitwick traurig, Professor Trelaway nicht mehr ganz nüchtern, Severus unterhielt sich mit Harrison, seine Mutter grinste, Dumbledore sah Luzifer leicht geschockt an, so ging es weiter. Bis auf den Direktor, Severus und Harrison schienen alle Lehrer, sogar Madame Pomfrey, irgendwie neben der Spur.
'Habe ich echt so viel Eindruck hinterlassen?', fragte Luzifer sich im stillen.
'Nach dem, was ich gesehen habe, ja. In deiner Nähe war immer etwas los.', grinste Krenjo innerlich zurück.
'Mal sehen, wie gut sie mich wirklich kennen.'
'Wie meinst du das?'
'Na ja, sie wissen ja, dass ‚Harry Potter', offiziell zumindest, tot ist. Ich sehe aber nicht ein, das ich mich deswegen jetzt anders benehmen werde.'
'Die armen Lehrer.'
'Sei bloß ruhig du...'
"Luzifer Salazar Black.", wurde das geistige Gespräch von Professor McGonagall unterbrochen. Luzifer hatte gar nicht bemerkt, dass die Auswahl schon fast vorbei war. Innerlich mit den Schultern zuckend, ging er auf den dreibeinigen Stuhl zu, setzte sich darauf, und ließ sich von McGonagall den Hut aufsetzten. Wie beim ersten Mal rutschte er ihm über die Augen.
Ah, Harry Potter. Schön dich wieder zu sehen. Und wie ich sehe, ist auch dein Schatten erwacht.
'Krenjo ist nicht mein Schatten.'
Schon gut. Nun, wirst du dieses Mal nach Slytherin gehen?
'Ja. Würde auffallen, wenn Tom in Gryffindor rumspazieren würde.'
Sie haben Mister Riddle mitgebracht, ohne dass der Direktor es bemerkt hat?
'Ja. Irgendwie überprüft niemand ob die Tiere auch echte Tiere sind. So kann man einen Animagi recht leicht reinschmuggeln, aber wehe du sagst das dem Direktor.'
Ich werde mich hüten den letzten Erben Hogwarts' zu verraten. Nun denn, ich wünsche euch beiden viel Spaß und Glück in... "...Slytherin.", das letzte Wort rief der Hut in die Halle.
Der Slytherintisch klatschte verhalten. Bis auf seine Freunde. Auch Gin, Seamus, Dean, Nev und Herm klatschten, was ihnen noch mehr giftige Blicke ihrer Hauskameraden, und verwunderte Blicke aller anderen einbrachte.
Luzifer stand auf, setzte den Hut ab und ging zu seinen neuen Hauskameraden. Dort angekommen, setzte er sich zwischen Dray und Pan. Alisa und Tom wechselten schnell ihre Plätze und blitzten sich dann giftig an. Luzifer verdrehte nur genervt die Augen. Das konnte noch lustig werden.
Üleus, der seinen Platz auf Harrys Schultern die ganze Zeit nicht verlassen hatte, knabberte beruhigend am Ohr seines Herrchens, welcher ihm einen dankbaren Blick zuwarf.
Dumbledore erhob sich kurz und meinte: "Ich heiße euch alle herzlich Willkommen und wünsche einen guten Appetit.", Damit setzte er sich wieder und das Essen erschien.
Luzifer begann zu essen, während er seine Blicke immer wieder in der Halle umherschweifen ließ.
"Hey, Lu, was hast du?", fragte Dray irgendwann.
"Ich weiß nicht. Irgendwas ist hier faul, das spüre ich."
"Wie meinst du das?"
"Ich kann es nicht erklären. Es ist nur so ein Gefühl, dass irgendwas nicht stimmt."
"Herm denkt genauso.", mischte Pan sich plötzlich ein. "Wir haben die Halle ja gemeinsam betreten und waren einige der letzten. Sie ist stehen geblieben und meinte, dass hier irgendwas nicht stimmt, konnte aber auch nicht sagen, was."
"Lassen wir das jetzt. Das klärt sich bestimmt noch auf.", seufzte Luzifer und reichte Üleus auf seiner Schulter ein Stück Brot.
Nach einiger Zeit verschwand das Essen wieder. Dumbledore erhob sich und die gesamte Halle wurde still.
"Wie ihr alle sicherlich schon gemerkt habt, wurde dieses Jahr auch ein Schüler in die Siebte Klasse neu eingeteilt. Aus persönlichen Gründen musste Mister Black nach Hogwarts wechseln und ich hoffe, dass seine neuen Hauskameraden ihn gut aufnehmen.", der Ausdruck in Dumbledores Augen strafte seiner Worte Lügen, doch das schien nur den Slytherins aufzufallen. "Des weiteren möchte ich einen neuen Lehrer für Verteidigung hier willkommen heißen. Harrison Potter, zusammen mit seiner Frau Jessmina. Mrs. Potter wird nicht unterrichten, sondern ist nur auf Wunsch ihres Mannes hier.", Applaus brannte auf. Am stärksten am Tisch der Slytherins. Jeder, dessen Eltern Todesser waren, kannte Harrison und Jessmina Potter und alle mochten sie. Luzifer musste bei den geschockten Gesichtern seiner Freunde am Gryffindortisch schmunzeln. Herm kannte die beiden ja schon, aber die anderen vier sahen Luzifer aus großen Augen an. Dieser nickte nur kurz mit leuchtenden Augen.
"Des weiteren...", die Halle verstummte wieder. "..möchte ich daran erinnern, dass der Verbotene Wald genau das ist, verboten. Ebenso wie das zaubern auf den Gängen. Die Liste aller weiteren verbotenen Dinge und Gegenstände ist bei Mister Filch einzusehen. Nun möchte ich die Vertrauensschüler bitten, die Erstklässler in die Gemeinschaftsräume zu führen, und wünsche eine gute Nacht.", Mit diesen Worten setzte sich Dumbledore wieder. Die Schüler erhoben sich, und die Vertrauensschüler trommelten die Erstklässler zusammen. Pan, Bini, Theodore, Vincent und Gregory blieben kurz vor der Hallentür stehen und warteten dort auf Gin, Dean, Seamus und Nev. Dray und Herm währenddessen gingen mit den Erstklässlern schon mal voraus. Beide warfen der Gruppe noch ein Lächeln zu und ein "Nacht.", für die, die sie später nicht mehr sehen würden.
"Das ist nicht dein Ernst, oder Lu?", fragte Gin, als sie die Slytherins erreicht hatte.
"Doch, warum...", weiter kam Luzifer nicht, da er von hinten ein eine feste Umarmung geschlossen wurde. "Mum...bitte...Luft.", brachte er gerade noch hervor. Mit einem entschuldigenden Gesicht ließ Jessmina ihn wieder los.
"Sorry, ich habe dich einfach nur so vermisst."
"Wir haben uns doch erst heute morgen gesehen?", meinte Luzifer entrüstet, während er nach Luft schnappte.
"Ja aber...ich hatte trotzdem Angst, dich nicht wieder zu sehen.", meinte Jessmina traurig lächelnd.
"Tja, Kleiner, damit musst du klar kommen.", grinste Harrison, der neben seiner Frau stand, und wuschelte Luzifer kurz durch die Haare.
"Hey, meine Frisur!", rief dieser empört.
Welche Frisur? , zischte Tom.
"Sei du bloß ruhig. Sonst kommst du morgen in die Suppe."
Tom, immer noch als Schlange, sah Luzifer mit großen Augen schockiert an, hielt aber lieber den Mund, ehe dieser seine Drohung noch wahr machte.
"Ähm, ich versteh das nicht ganz.", meldete Nev sich zu Wort und sah Jessmina und Harrison schüchtern an.
"Kommt mit, hier redet sich's schlecht.", meinte Harrison nur und führte die Gruppe aus der großen Halle. Vor der Tür schloss sich auch Severus an, was die Gryffindors kurz ängstlich schlucken ließ. Sie hatten zwar gehört, das er eigentlich ganz nett sein sollte, aber glauben konnten sie es trotzdem nicht.
"Was hast du so lange mit der Auswahl gebraucht?", fragte der Tränkemeister an Luzifer gewandt.
"Habe noch ein bisschen mit dem Hut geredet.", meinte dieser nur achselzuckend.
"Aha. Ich dachte schon, der steckt dich wieder nach Gryffindor.", meinte Severus erschaudernd, womit er sich einen Schlag von Luzifer einhandelte.
"Kein Wort gegen Gryffindor, sonst bereust du's", zischte Luzifer gefährlich leise.
"Schon gut, ich hab's kapiert.", brummte Severus beleidigt.
"Und du auch.", meinte der Veela dann an Tom gewandt, der gerade etwas sagen wollte. Daraufhin wechselte dieser beleidigt seinen Platz und ging, aus Mangel an näherer Auswahl, zu Jessmina.
"Warum geht er eigentlich immer nur zu Leuten, die ihn schlagen?", fragte Harrison schmunzelnd.
"Häh?", war Luzifers Kommentar.
"Na ja, du knuffst ihn, wenn dir was nicht passt, Draco hat ihm auch schon mal eine gescheuert, ebenso wie Jessmina."
"Masochist.", zischte Lu Tom entgegen, welcher daraufhin beleidigt seinen Kopf weg drehte.
"Vielleicht weil ihr den Mut aufbringt, ihn zurecht zu weisen. Ich hätte ehrlich gesagt, Schiss davor, dass er mich umbringt, sollte ich ihm jemals eine runterhauen.", meinte Severus nachdenklich.
"Oder er mag nur Veelas.", grinste Jessmina.
"Ehrlich gesagt, es ist mir scheißegal.", beendete Luzifer die Diskussion. Er hatte jetzt keine Lust darauf, Toms Motive zu hinterfragen.
"Kein Benehmen der Junge", meinte Harrison und grinste seinen Sohn verschmitzt an.
"Habe nie eine ordentliche Erziehung genossen, also was erwartest du, Dad?"
Wie immer, wenn Luzifer ihn Dad nannte, begann Harrison von einem Ohr zum andern zu strahlen.
"Du bist genau so richtig, wie du bist, mein Kleiner.", meinte Jessmina dazu und legte einen Arm um Luzifers Schultern.
"Dann ist es ja gut."