Auf ein Neues!

Tut mir Leid, dass es so lange gedauert hat! Aber man konnte ja eine Zeit lang nichts hochladen…-.-

Ich hoffe, aber bezweifle, dass ich es schaffe, das nächste und übernächste Chap auch rechtzeitig zu schicken, weil ich wahrscheinlich in nächster Zeit ziemlich viel zu tun habe…-.-

Naja, hoffe, ihr bleibt trotzdem dran…

All you need is love

6.Die Wahrheit um Harry

Nachdem sich Ginny, mit Marias Hilfe, trockene Kleidung angezogen hatte, ging sie nach unten zum Mittagessen. Elle war die einzige, die das Mahl mit Draco und Ginny teilte. Ginny starrte die ganze Zeit über auf ihren Teller und eine verlegene Stille lag in der Luft. Sie war immer noch wütend auf Draco. Wenn sie jemals heiraten sollten, ohne sich dabei gegenseitig umzubringen, dann musste er sich zuerst entschuldigen. Sie war bloß freundlich zu ihm gewesen und nur er hatte sich wie ein Idiot aufgeführt. Elle bemerkte die Spannung zwischen den beiden und versuchte, sich mit Draco zu unterhalten. Als er ihr nur knappe Antworten gab, wandte sie sich an Ginny und fragte, was sie über die Hochzeit wüsste. Das erste Mal blickte Ginny auf und sah Elle an. Sie bemerkte, dass sie Draco sehr ähnlich sah, nur wärmer, freundlicher.

„Ich will jetzt wirklich nicht über die Hochzeit reden, Elle," sagte sie sanft. Elles Miene verdüsterte sich sichtlich und der verletzte Ausdruck in ihren Augen, ließ sich Ginny leicht schuldbewusst fühlen. Aber sie war jetzt wirklich nicht in der Stimmung über die Hochzeit zu sprechen, also wandte sie sich wieder ihrem Essen zu und gab vor, nichts bemerkt zu haben. Draco verließ den Tisch, sobald er fertig war und ließ Ginny und Elle ohne ein Wort alleine. Elle sah ihm mit fast wehmütiger Miene und wandte sich dann wieder ihrem Teller zu; die Traurigkeit spiegelte sich auf ihrem Gesicht. Ginny tat ihr Leid und fragte, „Weißt du etwas über die Diener hier?"

Sie bemerkte, dass es eine komische Frage war, als Elle sie schief ansah, aber wenigstens unterhielt sie sich mit ihr. Und sie wollte herausfinden, ob Elle irgendetwas über Lily Potter und ihren Tod wusste oder warum Harry ihr gegenüber so hasserfüllt war.

„Nicht wirklich," sagte Elle langsam, „warum?"

„Hab nur überlegt," sagte Ginny und zuckte mit den Achseln. Dann versuchte sie eine andere Methode.

„Ist so etwas Tragisches wie heute schon öfters passiert?"

„Was denn?" fragte Elle und hörte sich etwas irritiert an, weil sie anscheinend nicht wusste, auf was Ginny hinauswollte. Ginny begriff plötzlich, dass Elle nichts von der ermordeten Familie wusste. Sie tat so, als sei sie beschäftigt, ihr Brot zu buttern und kam sich dabei absolut blöd vor. Hastig wechselte sie das Thema.

„Was willst du über die Hochzeit wissen?"

Elle vergaß sofort alles, was Ginny vorher gesagt hatte und ihre Miene hellte sich auf. „Was für ein Kleid trägst du?"

Die Wahrheit war, dass Ginny keine Ahnung hatte.

„Ich hab mich noch nicht entschieden," log sie.

„Du hast dich noch nicht entschieden? Die Hochzeit ist doch schon in drei Wochen!"

Die nächste halbe Stunde saß Ginny unbehaglich auf ihrem Stuhl und versuchte die Fragen über ihre Hochzeit zu beantworten. Es versetzte ihr einen traurigen Stich, als sie realisierte, dass sie keine Ahnung hatte, wie sie Draco heiraten würde. Sie wusste, dass alles schon genauestens geplant war und das machte sie wütend. Sie hatte ihre Hochzeit immer mit ihrer Mutter, Hermine (die schon ein paar Wochen, nachdem sie Hogwarts verlassen hatte, Ron geheiratet hatte) und ihrem zukünftigen Ehemann planen wollen.

Wenn man sich vorstellt, wie ich meine Hochzeit mit Malfoy plane, dachte sie erschauernd, er würde total fehl am Platze wirken, zwischen all den bunten Blumen und dem mit Pink behangenen Traualtar, den ich mir vorgestellt hatte.

Ginny schaffte es, vor Elles Fragen zu fliehen, indem sie sagte, sie müsse etwas erledigen. Die Wahrheit jedoch war, dass sie nichts zu tun hatte. Es war so langweilig, Prinzessin zu sein.

Kann es nicht wenigstens warm draußen sein?, fragte sie sich verbittert. Aber es musste ja verschneit und eisig sein.

Wenigstens passt es zu meiner Stimmung.

Für eine Weile wanderte Ginny im Schloss herum. Aber nun kannte sie ihr neues Zuhause schon ziemlich genau und kannte sich gut genug aus.

Was sollten Prinzessinnen in ihrer Freizeit machen?, dachte Ginny. Sie hatte viele Bücher über den Adel gelesen, aber hatte nie sehr darauf geachtet, wie sie ihre freie Zeit verbrachten. Natürlich hatten sie viel davon, weil sie, wenn überhaupt, nur ein paar Stunden in der Woche in die Schule gingen und keine Hausarbeit machen mussten. Die meisten der Helden in den Büchern machten immer Dinge draußen, wie zum Beispiel den Stallburschen treffen, weil sie ihn liebten, oder reiten und ihren Traumprinzen in einem Feld wilder Blumen treffen. Aber das spielte sich alles draußen ab. Doch Ginny war drinnen gefangen und konnte nichts tun, als herumlaufen. Und sie lief dabei die ganze Zeit Gefahr in Draco zu rennen, was sie nicht wollte. Schließlich entschloss sie sich dazu Harry zu suchen.

Ich werde versuchen, sein Vertrauen zu gewinnen, dachte sie. Ich werde mich um seine Freundschaft bemühen, vielleicht sagt er mir dann, warum er mich so hasst.

Nachdem sie ein paar Minuten gesucht hatte, brachte sie ihre Suche zur Bibliothek, aus der sie Harrys Stimme hören konnte. Sie steckte ihren Kopf zur Tür herein und sah ihn auf einer Leiter stehen, die auf der anderen Seite des Raumes an ein Bücherregal gelehnt war. Neben ihm, auf noch einer Leiter, war sein Vater. Die Beiden standen mit dem Rücken zu ihr und waren damit beschäftigt, jedes einzelne Buch im Regal einmal rauszuziehen und zuzuknallen, um es vom Staub zu befreien. Ginny stand dort für einen Moment unbemerkt und dachte, was das für eine langweilige Arbeit sein musste. Sie unterhielten sich miteinander und Ginny spürte einen Hauch von – was? Eifersucht? Verlangen? Da drehte Harry seinen Kopf seinem Vater zu, so dass Ginny sein Profil sehen konnte und er hatte diesen glücklichen, erfüllten Blick in den Augen. Dieser Blick, den er auch immer hatte, wenn er den Schnatz gefangen und ein Quidditchspiel gewonnen hatte. Er sah kaum jemanden so an, auch nicht in der Zukunft. Ginny hatte sich schon immer gewünscht, dass er sie so ansehen würde. Er war sichtlich glücklich mit seinem Vater und hatte in dieser Welt ein gutes Leben. Irgendetwas war passiert, dass ihm Gründe gab, zu manchen Leuten, besonders zu ihr selbst, sehr grob zu sein. Während sie zusah, schlug Harry noch ein Buch zu und der Staub wirbelte in sein Gesicht. Er nieste laut und die Brille rutschte ihm von der Nase. James Potter schaffte es gerade noch, sie aufzufangen, bevor sie auf den Boden fiel und kaputt ging. Harry grinste erleichtert und bemerkte Ginny, die im Türrahmen stand, immer noch nicht, obwohl er nur hätte aufschauen müssen und drehte sich zurück zum Regal.

„Danke Dir, Vater," sagte er in einer so altmodischen Weise, das Ginny fast kichern musste. Er langte nach seiner Brille, doch sein Vater hielt sie aus seiner Reichweite.

„Vater!" rief er aufgebracht, doch lächelte gleichzeitig. „Gib sie mir."

Aber James hielt sie über seinem Kopf und lachte, als Harry versuchte, sie zu bekommen. Harry sprang, doch weil er Angst hatte, von der Leiter zu fallen, nur ein paar Zentimeter hoch. Nach ein paar Augenblicken lachten sie beide hemmungslos, obwohl Harry versuchte, ernst zu bleiben.

„Du weißt doch, dass ich ohne sie nichts sehe," stöhnte er.

Ihr Gelächter erfüllte den Raum und Ginny hätte vor Traurigkeit weinen können.

Vielleicht ist diese Welt besser für Harry, dachte sie. Ein Diener zu sein, doch wenigstens einen Elternteil zu haben, war doch besser, als ein berühmter Zauberer, aber Waise, oder?

Ginny fühlte Zorn in sich hochsteigen, als sie daran dachte, wie viel der Harry in der Zukunft entbehren musste. Es war einfach nicht fair. In dieser Welt hatte eher sie Pech gehabt, mit den zwei Leuten, die ihre Eltern und schrecklich reich sein sollten und der Heirat mit Draco Malfoy. Doch trotzdem, Harry hatte hier einen Elternteil, war einigermaßen glücklich und es gab keinen Voldemort. Wenigstens soweit sie wusste.

Welche Welt ist besser?, fragte sie sich und beobachtete, wie James Harry seine Brille zurückgab und weiterarbeitete. Die Welt der Zukunft ist besser für mich, aber hier ist es besser für Harry. Will ich wirklich zurückkehren und Harry wieder elternlos sehen? Das ist wirklich abgedreht. Dieser Dienstjunge sieht aus wie Harry Potter und trägt seinen Namen, aber er verhält sich nicht wie er und hat auch nicht seine Lebensumstände.

Wenn er nicht den Namen und das Aussehen gehabt hätte, hätte Ginny schwören können, sie wären zwei vollkommen verschiedene Menschen. Wenn sie alles richtig verstand, würde immer noch ein Harry Potter in der Zukunft geboren werden, eine total andere Person, die zufällig denselben Namen und dasselbe Aussehen hatte, wie jemand vor 400 Jahren. Auch wenn es sehr unwahrscheinlich klang, war es möglich.

Aber Ginny wurde plötzlich klar, dass es nicht die reale Welt sein konnte.

Wenn das hier wirklich einmal passiert ist, warum hab ich dann nie von einer Hochzeit zwischen einer Virginia Weasley und einem Draco Malfoy gehört? Unsere Namen sind nicht gerade häufig und irgendjemand hätte es sicher einmal in einem Geschichtsbuch gelesen (zum Beispiel Hermine) und es mir gezeigt. Wenn diese Welt real wäre, hätte ich schon vorher davon gehört.

Gar nicht zu erwähnen, dass Muggel nie von der Zauberei gewusst hatten und Maria ihr gesagt hatte, dass sie von der Magie wusste und es eine Hexe in der Stadt gab. Das hörte sich alles sehr unwahrscheinlich an, aber es machte die Sache trotzdem nicht klarer. Also war diese Welt nur Schein und nichts davon war je passiert – was brachte ihr das? Es machte es nur noch unheimlicher, weil es den Ort, an dem sie sich befand, anscheinend gar nicht gab.

Sie seufzte laut auf und bemerkte erst gar nicht, dass sie es sehr laut getan hatte, bis James und Harry herumfuhren und sie anstarrten. Röte stieg ihre Wangen hinauf, während sie versuchte, sich etwas Kluges einfallen zu lassen, das sie sagen konnte. Weil James dabei war, wollte sie nicht fragen, ob sie Harry sprechen konnte. Nicht nach dem Blick, den er ihr an Tag zuvor in der Küche zugeworfen hatte.

„Ich wollte nur… nach einem Buch schauen," brachte sie schließlich heraus und ging zum erstbesten Regal zu ihrer Rechten. Sie nahm ein beliebiges Buch aus dem Regal und blätterte es durch. Die Augen zusammenkneifend, fragte sie sich, ob sie es falsch herum hielt. Nachdem sie es herumgedreht hatte, erkannte sie plötzlich, dass es in Latein geschrieben war.

Das erklärt alles, dachte sie und fühlte sich idiotisch. Sie stellte das Buch an seinen Platz zurück und las die Titel der anderen daneben.

Bin ich hier im lateinischen Regal, oder was?, fragte sie sich. Schreibt hier auch jemand in Englisch?!

Ginny bemerkte, dass James und Harry still geworden waren und als sie ihnen über die Schulter einen Blick zuwarf, sah sie, dass Harry sie aus den Augenwinkeln anstarrte. Als sich ihre Blicke trafen, wandte er sich sofort wieder dem Abstauben der Bücher zu, als wäre nichts gewesen.

Er ist misstrauisch, erkannte Ginny. Er traut mir nicht. Sie trauen mir beide nicht.

Ein paar Minuten später hatte sie endlich ein Buch gefunden, das in Englisch geschrieben war. Der Titel des Buches war jedoch in so verschlungener Schrift geschrieben, dass sie ihn nicht lesen konnte. Es sah aus wie ‚Juiehische Fhiiolophu' , aber der Text innen war englisch, also vermutete Ginny, dass es etwas anderes heißen musste. Vielleicht war es ein Name. Sie musste mit Harry sprechen, doch es sah so aus, als würden sein Vater und er den ganzen Tag Bücher abstauben.

Auch egal, dachte Ginny und ging zu den Sitzgelegenheiten in der Mitte der Bibliothek hinüber, ich setz mich einfach hierher und les ein bisschen ‚Juiehische Fhiiolophu'.

Keiner der beiden sagt etwas, als sie bemerkten, dass Ginny in der Bibliothek bleiben würde, aber sie hätte schwören können, dass sie ein leises missbilligendes Schnalzen mit der Zunge gehört hatte.

‚Juiehische Fhiiolophu' war schwer zu verstehen, aber nach einigen Seiten verstand Ginny endlich den Titel. Es hieß nicht ‚Juiehische Fhiiolophu', sondern ‚griechische Philosophie'. Stolz darauf, den Titel herausgefunden zu haben, las sie weiter und versuchte, Gefallen daran zu finden.

Draco hatte schlechte Laune. Egal, was er tat, nichts konnte seine Stimmung haben. Er hatte sogar Elle ärgerlich angefaucht, weil sie die ganze Zeit um ihn herumgeflattert war, wie eine nervige Fliege, und ihn gefragt hatte, was denn los sei. Als sie dann weggeschlichen war, fast in Tränen, hatte sich seine Laune nur noch verschlechtert.

Sogar als Prinz ist mein Leben scheiße, dachte er. Er lag auf seinem Bett und starrte auf den Baldachin seines Himmelbettes. Es war das Beste, wenn er von Leuten fernblieb, wenn er sauer war. Aber daran gab es auch die schlechte Seite, nämlich dass er so zu viel Zeit hatte, über alles nachzudenken und sich an Dinge zu erinnern, die ihn wütend gemacht hatten. Und in diesem Fall beinhalteten diese ‚Dinge' auch Ginny Weasley. Sie hatte etwas an sich, was seine Nerven schrecklich strapazierte. Vielleicht war es ihr Optimismus, wie hoffnungsvoll sie immer schaute, wenn er sie sah.

Für sie, dachte Draco verbittert, sieht alles erst mal nach Sonnenschein und Regenbogen aus und es schockt sie schrecklich, wenn es doch nur Gift und Regen ist.

Auch wie sie immer mit ihm sprach. Als ob sie versuchte, ihn zu ändern. Als ob sie ihn ändern könnte. Er wusste nicht, warum er das so empfand, aber es war einfach ihr Verhalten. Die Art, wie sie mit ihm sprach, war, als wollte sie ihn in das verwandeln, wie sie ihn gerne hätte, wie sie ihren Ehemann gerne hätte. Ihr Ehemann sollte Tee mögen. Ihrem Ehemann sollte es nicht egal sein, wenn 10 Menschen umgebracht wurden.

Dann sollte ihr verdammter Ehemann Harry Potter sein, dachte Draco wütend. Das erste Mal in seinem Leben sehnte sich Draco nach daheim. Zurück in seinem großen, kalten Malfoy Manor, wo sein größtes Problem war, ob er mit seiner Mutter oder im Bett frühstücken sollte. Er wäre sogar glücklich, wieder in Hogwarts zu sein, und sich darüber zu sorgen, wie er Potter im Quidditch schlagen könnte. Überall schien es besser zu sein als hier. Weil er wusste, wie er die Situationen bewältigen musste. Er würde mit seiner Mutter essen oder nicht – es war egal. Und wenn er gegen Potter verlöre, na und? Das tat er doch sowieso ständig. Aber hier waren er und alles andere immer unsicher. Zuerst einmal, warum er überhaupt hier war. Oder ob er jemals zurückkam. Aber die Sache, die ihn am meisten verwirrte, war, warum er, trotz der Tatsache, dass ihn Ginny nervte und aufregte, die ganze Zeit dachte, wie hübsch sie doch war und wie wundervoll es wäre, mit der Hand durch ihre Haare zu fahren. Diese Gedanken machten ihn nur noch wütender, am meisten auf sich selbst, und so zwang er sich, nur an die schlechten Seiten Ginny Weasleys zu denken.

Ginny saß bis zum Abend in der Bibliothek, las Griechische Philosophie und wurde langsam genervt, dass James und Harry so lange zum Bücher abstauben brauchten. Natürlich wusste sie, dass sie unfair war, weil die Bibliothek ungefähr so groß wie der Fuchsbau war und es wahrscheinlich länger als ein Tag dauern würde, ihre Aufgabe zu erfüllen. Aber es verärgerte sie trotzdem und sie ging schlecht gelaunt zum Abendessen. Wieder waren es nur Elle, Draco und sie, die an dem riesigen Tisch aßen. Im Gegensatz zum letzten Mal redete Elle mit jedem, der zuhören wollte, anstatt Fragen zu stellen. Diesmal war es Ginny, die sofort, als sie fertig gegessen hatte, den Tisch verlies und die Bibliothek zurückkehrte.

Sie hätte fast frustriert aufgestöhnt, als Harry und James immer noch Seite an Seite waren und Bücher abstaubten.

„Esst ihr eigentlich nie?" fragte sie schrill. Sie drehten sich um und starrten sie an. Ginny war wütend auf sich selbst.

Ich bin eine Prinzessin! Ich kann James befehlen wegzugehen. Ist doch egal, ob es ihm gefällt oder nicht, er ist ein Diener!

Sie wusste, dass sie gemein war, doch sie hörte sich selbst sagen, „Ähh… James? Könntest du bitte meine Eltern zu mir holen?"

Er sah sie finster an. „Wenn Ihr mir vergebt, Hoheit, aber Eure Eltern sind im Dorf."

„Ja, weiß ich," sagte Ginny unschuldig.

Deswegen sollst du sie ja holen. Damit du für eine Weile weg bist.

„Mit allem Respekt, könntet Ihr vielleicht jemand anderen finden, der sie holt? Wir müssen das noch fertig machen…" er gestikulierte in Richtung der Bücher, „bevor wir heute Arbeitsschluss haben." Seine Stimme war hart und kalt und er starrte sie mit ausdrucksloser Miene an. Sie fühlte sich scheußlich, weil sie ihn herumkommandierte, wenn er es doch nicht verdient hatte. Aber sie musste mit Harry sprechen und sie hatte das Gefühl, dass er, wenn sie das sagte, keinesfalls gehen würde. Sie konnte nicht mit Harry sprechen, wenn sein Vater dabei war.

„Bitte," sagte sie mit einem Hauch von Nachdruck in der Stimme.

James hielt seine Miene starr, doch Ginny konnte den Ärger fast spüren, der in ihm aufstieg.

„Ja, Eure Hoheit."

Er sah Harry an und Ginny sah den Blick, den sie austauschten, als er von der Leiter stieg. Ginny trat in den Raum und machte somit die Tür frei und James ging ohne ein weiteres Wort an ihr vorbei.

Er ist sehr mutig, dachte sie, er ist sichtlich unfreundlich zu mir. Ich könnte es meinen Eltern sagen und er würde rausgeschmissen werden. Natürlich würde ich nie so etwas tun, aber ich könnte.

Sie wartete bis seine Schritte verklungen waren, dann wandte sie sich Harry zu. Er hatte ihr wieder den Rücken zugekehrt und staubte Bücher ab. Doch nun gebrauchte er einen Lumpen, um den Staub abzuwischen, was, wie Ginny dachte, klüger war, als die Bücher auf- und zuzuknallen. Ginny trat vorsichtig vor und wrang nervös die Hände.

„Harry?"

„Ja, Majestät?" sagte er seufzend und ließ das Buch, das er in der Hand hatte, sinken, doch drehte nicht den Kopf.

„Kann ich mit dir sprechen?"

„Natürlich Hoheit," Sie bemerkte eine Spur von Sarkasmus und Bitterkeit in seiner Stimme, als er das Buch zurückstellte, von der Leiter stieg und sich ihr zuwandte.

„Du kannst deinem Vater sagen," sagte sie sanft, „dass er diese Bücher nicht mehr länger abstauben muss, Ich werde jemand anderen dafür finden."

Sein Gesicht blieb hart, aber seine Augen wurden weicher.

„Danke sehr, Hoheit," Er klang nicht sehr dankbar.

„Und du kannst dich bei ihm für mich entschuldigen," sagte sie und erlaubte sich ein Lächeln, „weil ich ihn zu meinen Eltern geschickt habe, nur weil ich mit dir alleine sprechen wollte."

„Also habt Ihr ihn ohne Grund ausgeschickt," Sein stumpfer, anklagender Blick war für sie wie ein Schlag ins Gesicht. Das hatte sie nicht erwartet und so starrte sie ihn für eine Minute mit offenem Mund an.

„Naja, nein, nicht wirklich…"

Er grinste freudlos und es erinnerte Ginny so sehr an Draco, dass es schon fast beängstigend war.

Oh Gott, Harry, warum hasst du mich so sehr? Was habe ich dir angetan?

Sie bemerkte nicht, dass sie die Worte laut ausgesprochen hatte, bis Harry hohl lachte. Röte stieg ihr in die Wangen und sie war verlegen, weil sie laut gedacht hatte.

„Was Ihr mir angetan habt?" wiederholte er, „Ihr habt mir nur meine Mutter genommen."

Ginny fühlte, als würde der Boden unter ihren Füßen wegkippen und sie blieb nur schwer auf den Beinen. In ihrem Kopf drehte sich alles.

„Aber Maria hat gesagt… sie hat mir erzählt, dass ich sie nicht umgebracht habe…"

"Ihr habt sie nicht umgebracht," sagte er scharf. Ginny versuchte, den Kloß in ihrem Hals herunterzuschlucken.

Ich hab sie nicht umgebracht. Also, warum hasst er mich dann?

„Was habe ich dann getan?" wisperte sie und betete, dass sie nicht zu weinen anfangen und ihre wahren Gefühle zeigen würde. Harry schüttelte einfach den Kopf.

„Wenn es das ist, worüber Ihr mit mir sprechen wollt, Hoheit, dann will ich es nicht. Ich habe Pflichten, die ich erfüllen muss…"

„Nein." Sogar sie selbst war von dem Nachdruck in ihrer Stimme überrascht. „Geh nicht, bevor du mir nicht gesagt hast, warum du mich so hasst. Ich werde dich nicht gehen lassen."

„Aber Ihr wisst warum," fauchte er abweisend.

„Tu ich nicht!" schoss sie wütend zurück. Er starrte sie so kalt an, dass ihr Blut zu gefrieren schien und aus irgendeinem Grund beruhigte sie sich.

„Sag mir warum, Harry Potter. Nur weil du denkst, ich weiß es, heißt das nicht, dass ich es wirklich tue. Ich bin nicht der Mensch, der du denkst, dass ich bin."

„Ihr seid genau der Mensch, der ich denke, dass ihr seid," zischte er, „genauso wie Eure Eltern. Ich hoffe, dass der, der heute diese Familie umgebracht hat, Euch auch tötet. Und ich hoffe, es wird langsam und schmerzhaft sein, denn Leute wie Ihr und Eure Familie verdienen es, langsam zu sterben und in der Hölle zu verrotten."

Damit stürmte er an ihr vorbei, aus der Bibliothek und ließ sie dort stehen, nicht fähig zu atmen oder sich zu bewegen. Ihre Augen füllten sich so schnell mit Tränen, dass sie nicht einmal blinzeln musste, damit sie ihre Wangen herunterrollten. Ihre Beine konnten sie nicht länger tragen und sie setzte sich schwer auf den Boden. Sie nahm eine Handvoll ihres bauschigen Rockes, der um sie ausgebreitet war, und schluchzte hinein. Sie wollte nicht schluchzen, wie ein kleines Kind, sie wusste, dass es lächerlich und kindisch war, aber sie konnte nichts dagegen tun. Diese Worte, die Harry zu ihr gesagt hatte… sie waren schlimmer als jede Beleidigung, die ihr Malfoy je an den Kopf geworfen hatte. Sie waren schlimmer, weil sie Harry liebte, sogar hier in der Vergangenheit, und jedes schreckliche Wort war wie ein Messer in ihrer Brust. Ginny weinte für lange Zeit. Als sie schließlich alle Tränen rausgeheult hatte, ließ sie sich auf den Rücken fallen und starrte stumpf an die Decke. Alles war so verkehrt! Diese Welt war nicht richtig, egal wie glücklich Harry mit seinem Vater war. Egal, wie wundervoll Maria, wie bewundernswert Elle oder wie reich Ginny war. Sie sehnte sich nach ihrem alten, klapprigen Haus, wünschte sich, das Heulen des Familienghuls über sich zu hören, der versuchte, so eklige Geräusche wie nur möglich zu erzeugen. Aber nichts davon kam, und die schon tiefstehende Sonne versank gänzlich und die Dunkelheit warf lange Schatten in die Bibliothek. Doch Ginny blieb auf dem Boden liegen und starrte wie versteinert nach oben, alles war völlig still. Sie hatte sich noch nie in ihrem ganzen Leben so allein, so verzweifelt gefühlt. Sogar während ihres ersten Schuljahres, als Tom Riddle sie benutzt hatte, um schreckliche Dinge zu tun, hatte sie immer die Sicherheit gehabt, dass sie es jemandem erzählen könnte, wenn sie nur den Mut dazu fände. Aber hier gab es niemanden, an den sie sich wenden könnte. Niemand würde es verstehen und auch wenn Maria sehr verständnisvoll war, würde sie trotzdem glauben, Ginny sei verrückt, wenn sie ihr weismachen wollte, sie käme aus der Zukunft. Der einzige, der sie vielleicht verstehen könnte, war Draco Malfoy, aber Ginny würde eher Dreck essen, als ihm ihr Herz auszuschütten.

„Ich hoffe, dass der, der heute diese Familie umgebracht hat, Euch auch tötet." Harrys Stimme hallte in ihrem Kopf wieder und sie blinzelte, als ihr plötzlich etwas einfiel. Könnte es Harry gewesen sein, der diese 10 Leute umgebracht hatte? Nein. Sie verwarf die Idee sofort wieder. Er konnte es nicht gewesen sein. Harry war vielleicht ein bisschen… depressiv und hatte seine Wut lange in sich hineingefressen, aber er war kein mordlustiger Killer. Doch es war trotzdem seltsam, so etwas zu jemandem Königlichen zu sagen.

Ginny wusste nicht, wie lang sie dort gelegen hatte, aber nach einer Weile verklangen die Schritte und gedämpften Stimmen der Diener, bis es vollkommen still im Schloss war. Als sie in ihr Zimmer zurückkehrte, saß dort Maria auf ihrem Bett. Sie stand auf, als Ginny eintrat, und eilte mit ernstem Gesicht zu ihr herüber.

„Wo seid Ihr gewesen?" fragte sie, „es ist fast Mitternacht. Ich habe mich zu Tode gesorgt – ich dachte, Ihr habt vielleicht das Schloss verlassen, während dieser Mörder immer noch auf freiem Fuß ist."

„Ich war in der Bibliothek," unterbrach sie Ginny leise. Maria sah verblüfft drein.

„Oh, na, dann ist es kein Wunder, dass Euch niemand finden konnte. Wer hätte gedacht, dass Ihr wirklich in die Bibliothek gegangen seid."

„Was meinst du?"

„Ihr hasst lesen," sagte Maria schlicht, „also, los, lasst uns Euch fürs Bett fertig machen…"

Auch wenn sie mich schon mein ganzes Leben lang kennt, dachte Ginny, während Maria sie auszog, merkt sie sicherlich nicht, wenn ich traurig bin, oder?

Ginny stieg ins Bett und Maria stopfte die Decken um sie herum fest.

„Was ist mit Lily Potter passiert?" fragte Ginny plötzlich. Maria hörte auf, die Kissen hinter Ginnys Kopf aufzuschütteln und mied ihren Blick.

„Sie ist tot, meine Liebe."

„Das weiß ich," fauchte Ginny ärgerlich, „wie ist sie gestorben?"

„Wenn Ihr Euch nicht erinnern könnt, sollte nicht ich die sein, die es Euch erzählt," sagte Maria und klopfte Ginny sanft auf den Kopf. Dann drehte sie sich um und ging zur Tür. Ginny setzte sich im Bett auf, entschlossen jetzt herauszufinden, was passiert war, bevor sie sich wieder hinlegte. „Wer soll es mir dann sagen? Meine Eltern?"

Maria blieb kurz vor der Tür stehen. Sie drehte sich um und Traurigkeit spiegelte sich in ihren schwarzen Augen. „Ich wünschte, Ihr würdet Euch nicht darum sorgen," sagte sie leise, „es ist vor Jahren passiert…"

„Sag es mir!" kreischte Ginny. Sie hatte genug vom freundlich sein. Wenn ihr freundlich sein nichts brachte, war sie eben nachdrücklich oder sogar gemein, wenn es sein musste.

Maria ließ die Schultern sinken, kehrte zu Ginnys Bett zurück und setzte sich neben sie. „Ihr ward erst fünf, als es passierte," sagte sie mit feuchten Augen und Ginny fühlte sich schuldig, weil sie sie so angemault hatte, „aber ich dachte, Ihr wüsstet…"

„Ich habe es vergessen," wisperte Ginny. Maria richtete sich seufzend auf und wischte sich die Augen. „Jeder hat Lily geliebt. Das ganze Personal, meine ich. Sie war wunderschön und strahlend und besserte immer deine Laune, wenn man sie sah. Sie heiratete James und bekam einen Sohn, es war die perfekte Familie. Ich muss zugeben, dass auch ich neidisch auf sie war, weil die drei so perfekt, so erfüllt wirkten…" Sie brach ab und musste sich noch einmal die Augen trocknen. „Lily war eine liebe Freundin. Eine gute Freundin."

Obwohl Ginny schon fast vor Erwartung starb, blieb sie geduldig, wartete, bis Maria fortfuhr und ließ sie sich die Zeit nehmen, die sie dazu brauchte.

„Ich glaube, Euer Vater war eifersüchtig," sagte Maria schniefend und starrte auf einen Punkt auf der Wand hinter Ginnys Kopf. „Er war schon damals ein Schürzenjäger und ist es eigentlich heute noch, wenn man darüber nachdenkt. Eines Tages rief er Lily zu sich und…"

Ginny hatte plötzlich eine schreckliche Ahnung, was Maria als nächstes sagen würde. Während sie darauf wartete, dass Maria sich wieder unter Kontrolle bekam, fühlte sie, wie eine Knoten sich in ihrem Magen bildete und sie nur schwer schlucken ließ.

„Natürlich war Lily danach nicht mehr so strahlend und glücklich wie vorher. Ein paar Leute versuchten sie zu fragen, was los sei, auch ich und ihr Ehemann, aber sie lächelte immer nur müde und sagte ‚Nichts ist. Mir geht es gut.' Aber nach ein paar Wochen stellte sich heraus, dass nichts gut war, denn sie sagte James, dass sie wieder schwanger war. Nur dass es nicht sein Kind war."

„Oh mein Gott," hauchte Ginny. Sie packte eine Handvoll ihrer Decke, ihre Fingerknöchel wurden weiß. Ihr Herz klopfte schmerzhaft und der Knoten in ihrem Magen wurde unerträglich. Sie fühlte sich übel.

„James war wütend," Maria lachte hohl, „aber es ist Untertreibung, James' Gefühl mit Wut zu beschreiben. Niemand hatte James je so… rasend gesehen. Er war sichtlich geladen, als er dann dem König, Eurem Vater, gegenübertrat. Er hat Euren Vater direkt vor Euer Mutter beschuldigt, und als Eure Mutter hörte, wie Euer Vater zugab, Lily vergewaltigt zu haben, wurde auch sie wütend. Nur nicht auf James oder Euren Vater, sondern auf Lily selbst. Als ob sich Lily selbst mit dem Kind des Königs geschwängert hätte. Zwei Tage später verschwand Lily. Ein paar Diener glaubten, sie sei abgehauen, aber ich habe es schon damals nicht geglaubt. Sie hatte einen Ehemann, einen sechsjährigen Sohn und war schwanger. Auch wenn der Vater des Kindes schrecklich war, wollte sie es trotzdem. Lily hat es mir selbst gesagt, mit der Begründung, dass es schließlich auch ihr Kind war."

„Was ist passiert?" fragte Ginny und hatte immer noch ihre Decke gepackt, „was ist mit ihr passiert?"

„Sie wurde ein paar Tage später gefunden," sagte Maria und heftete ihren leeren Blick auf Ginny, „im Wald nahe beim Schloss. Sie wurde mit Pfeilen erschossen. Mit gut einem Dutzend."

Ginny fühlte, wie das Blut aus ihrem Gesicht wich. Sie klappte die Hand vor den Mund und versuchte die Welle der Übelkeit, die sie überkam, herunterzuschlucken.

„Auch wenn es nie bewiesen wurde," fuhr Maria mit leiser Stimme fort, „war es offensichtlich, dass Eure Mutter es arrangiert hatte. Vor allem weil die Pfeile die der Schlosswache waren."

Kein Wunder, dass Harry mich hasst, dachte Ginny mit zugekniffenen Augen, Ich würde mich auch hassen, wenn ich er wäre. Wie schrecklich… er hatte Recht, meine Eltern verdienen es, in der Hölle zu verrotten.

„Hasst er mich deshalb?" flüsterte Ginny, ließ ihre Hand vom Mund sinken, doch hielt die Augen geschlossen.

„Wer?" Marias warme, weiche Hand umfasste Ginnys sanft.

„Harry." Sie öffnete die Augen und starrte Maria an, „Hasst Harry mich deshalb? Wegen dem, was meine Eltern seiner Mutter angetan haben?"

„Naja, seht es auch einmal von seinem Standpunkt," sagte Maria schnell, „Euer Vater misshandelt seine Mutter, Eure Mutter tötet sie. Und jetzt wollt Ihr plötzlich immer mit ihm sprechen, obwohl Ihr ihn vorher in einer Weise behandelt habt… wenn ich ehrlich bin, Hoheit, habt Ihr ihn vorher schrecklich behandelt. Er hält es wahrscheinlich für eine Falle…"

„Wie habe ich ihn vorher behandelt?" fragte Ginny und richtete sich auf, „sag mir, wie ich ihn vorher behandelt habe."

Maria starrte sie an. „Meine Liebe, manchmal besorgt Ihr mich. Wie kommt es, dass Ihr Euch an nichts erinnern könnt?"

„Sag es mir bitte einfach."

Maria seufzte. „Ihr habt ihn immer verspottet. Erinnert Ihr Euch nicht? Habt seiner Mutter schreckliche Namen gegeben. Habt ihm gesagt, er sei der Nächste."

Ginny hatte plötzlich ein Bild vor Augen.

Harry war auf den Knien und schrubbte den Boden mit einem Lappen, während sie mit einem dreckigen Grinsen über ihm stand.

„Deine Mutter war eine kleine Schlampe," sagte sie mit aalglatter Stimme, „sie ist zu meinem Vater gekommen, nicht andersrum…"

Harry biss nur die Zähne zusammen und antwortete nicht.

„Du bist der Nächste, Harry Potter. Meine Eltern haben schon Pläne für dich…"

Ginny schüttelte den Kopf um dieses Bild aus ihren Gedanken zu vertreiben. Es war so wirklich wie eine Erinnerung gewesen.

Mein Gott, was ist los? Ist diese Welt doch real? Ist all dies wirklich passiert?

„Versucht ein wenig zu schlafen," sagte Maria und Ginny kam es so vor, als wäre nur eine Sekunde vergangen, da waren alle Kerzen aus und Maria war gegangen. Langsam legte sich Ginny wieder hin. Jetzt wusste sie die Wahrheit, warum Harry sie hasste, aber sie fühlte sich dadurch nicht im Mindesten besser. Wie konnte sie selbst so grausam sein?

Es war nicht ich, versicherte sie sich selbst, ich würde nie so etwas zu Harry sagen. Niemals.

Sie hatte das Gefühl, dass sie nie einschlafen würde, doch der Tag war sowohl körperlich als auch geistlich sehr anstrengend gewesen. In dem Augenblick, als sie ihre Augenlider schloss, fiel sie in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Draco war nach dem Mittagessen im Schloss herumgewandert und hatte nach etwas zu tun gesucht, als er mit Ginny zusammentraf. Er hatte schon beim Frühstück bemerkt, als sie in ihrem Essen herumgestochert hatte, dass ihre Haut heute etwas fahl aussah. Ihre Augen schienen größer, dunkler und auf irgendeine Weise trauriger zu sein und unter ihnen waren bläuliche Schatten. Natürlich hatte er nichts gesagt – er vermutete, dass sie wahrscheinlich darüber nachgrübelte, wie sie nach Hogwarts zurückkommen könnte. Sie ging an ihm vorbei, ohne ihn zu beachten. Genervt drehte er sich um.

„Hungrig?" fragte er.

Sie hielt an, den Rücken zu ihm, dann drehte sie sich langsam, bis sie ihn ansah.

„Was?" fragte sie mit angesäuerter Stimme.

„Bist du nicht hungrig?"

Sie sah ihn ungläubig und verwirrt an.

„Lass mich einfach in Ruhe, Malfoy."

Sie drehte sie wieder um und ging weiter. Er runzelte die Stirn.

Nein, dachte er stur. Er wollte sie nicht in Ruhe lassen. Er wollte jetzt wissen, was mit ihr los war. Ihr nachgehend bohrte er nach.

„Du hast beim Frühstück und Mittagessen kaum etwas gegessen."

„Das ist meine Sache."

Sie beschleunigte ihre Schritte und sah nicht über die Schulter. Draco hielt an und sein Stirnrunzeln wurde zu einer Grimasse.

„Schön. Jetzt gehst du und denkst wieder drüber nach, wie wir zurückkommen können, oder?"

Als er das sagte, wirbelte sie herum, ihr Haar flog um ihren Kopf.

„Ich habe gedacht, dass es, deiner Meinung nach, gar keinen Weg zurück gibt," schnappte sie.

Wenigstens habe ich jetzt ihre Aufmerksamkeit, dachte er grinsend.

„Glaub ich auch nicht. Aber so wie du aussiehst, hast du wahrscheinlich die ganze Nacht darüber nachgedacht, wie du heimkommen könntest."

Sie verengte die Augen und trat ein paar Schritte näher. „Du denkst, du weißt alles, stimmt's?"

„Ich weiß soviel ich wissen muss," antwortete er mit öliger Stimme. Sie hatte die Arme fest über der Brust verschränkt und starrte ihn wütend an. „Weißt du, warum Harry mich hasst?"

„Nein, und ich will es auch nicht wissen."

„Weil ich gemein zu ihm war," sagte sie und beachtete ihn nicht, „in dieser Welt bin ich eine Art verwöhnte, grausame Prinzessin. Ich bin… Ich bin so wie du. Kein Wunder, dass sie wollen, dass wir heiraten. Wir sind hier anscheinend wirklich ein richtiges Traumpaar."

„Ich bin gemein?" grollte Draco.

„Ja, bist du."

Er bemerkte eine dünne Schicht Schweiß auf ihrer Stirn.

Mache ich sie wirklich so nervös?

„Und," fuhr sie fort, „ich fange an zu glauben, dass es dir hier gefällt. Endlich bist du ein Prinz. Du hast dich schon immer wie einer aufgeführt. Also, warum bleibst du nicht, wo du hingehörst?"

Er starrte sie an. „Was redest du da?"

Sie öffnete den Mund um zu antworten, aber dann sah sie aus, als würde sie ihre Meinung ändern. Sie leckte sich über die Lippen und schien auf ihren Füßen zu schwanken. Mit dem Ärmel ihres Kleides wischte sie sich die Stirn.

„Ist ziemlich heiß hier, oder?" murmelte sie.

Eigentlich war es eher kalt, weil sie auch in der Nähe hoher Fenster standen. Immer, wenn der Wind draußen blies, konnte Draco einen eisigen Luftzug spüren.

„Was ich sagen wollte," fuhr sie fort, doch nun schon viel ruhiger, „ist, dass, wenn ich einen Weg zurück in die Zukunft finden sollte, du besser hier bleiben solltest."

„Glaubst du wirklich den Weg alleine zu finden?" fragte er ungläubig. Sie begann zu husten. „Sieh es doch ein, Weasley. Du brauchst meine Hilfe, wie auch immer du den Weg in die Zukunft finden willst."

Sie hörte auf zu husten und starrte ihn müde, aber immer noch wütend an.

„Ehrlich, Draco, so wie du redest, könnte man meinen, dass du doch glaubst, dass es einen Weg zurück gibt."

Er trat näher.

„Hör mir genau zu," sagte er grinsend, „ich habe nie gesagt, dass ich nicht glaube, dass es einen Weg zurück gibt."

„Doch, hast du."

„Was ich gesagt habe, war, dass wir es nicht selbst tun können, weil wir uns nicht hierher gebracht haben. Vielleicht finden wir jemanden, der es für uns machen kann."

Ihre Augen leuchteten leicht auf.

„Ja, es gibt diese Hexe, über die ich dir gestern erzählt habe. Wir könnten sie besuchen…"

Sie hustete wieder, diesmal ein bisschen stärker.

„Fühlst du dich wohl, Weasley?" fragte er und achtete darauf, kein Gefühl in seine Stimme zu bringen.

„Mir geht's gut," sagte sie mit einem letzten Husten, „nicht dass es dich kümmert. Dich kümmert doch sowieso nichts."

Das ärgerte ihn. Er war so nett gewesen, sich nach ihrer Gesundheit zu erkundigen, vor allem weil ihre Augen immer dunkler wurden und sie sichtlich mehr schwitzte, und sie musste ihn natürlich sofort anfauchen. Sein Ärger verwandelte sich in Wut.

„Ich hab nie gesagt, dass mich nichts kümmert," schnappte er, „du legst mir ständig Worte in den Mund, Weasley."

Sie schloss kurz die Augen, dann öffnete sie sie wieder, um ihn anzustarren.

„Draco, du machst mir Kopfschmerzen."

„Gut," grinste er. Sie legte ihre Fingerspitzen an die Schläfen und schloss wieder die Augen, als ob sie ihn aus ihren Gedanken verbannen wollte. Sie schwankte noch einmal und musste schnell ihre Hand ausstrecken um sich abzufangen. Draco fing an zu glauben, dass irgendetwas mit ihr wirklich nicht in Ordnung war, aber sie sagte es ihm ja nicht.

Schön, dachte er, wenn sie unbedingt alleine leiden will, bitteschön.

„Ist der Boden etwas wackelig?" fragt er grinsend. Sie sah ihn ärgerlich an.

„Ich glaube, ich muss mich für eine Weile hinlegen," sagte sie und hustete kurz auf. Draco beobachtete leicht amüsiert, wie sie sich umdrehte und anfing, den Gang hinunterzustolpern, eine Hand auf die Brust gepresst.

Sie sieht besoffen aus, dachte er fast grinsend, als Ginny plötzlich anhielt. Dann gaben ihre Beine unter ihr nach. Sie fiel mit einem Wehen von roten Haaren und Röcken ohne einen Schrei aus Überraschung oder Schmerz. Draco war zuerst erschrocken, unsicher, was er tun sollte. Dann wurde ihm klar, dass etwas wirklich nicht okay mit ihr war und sie nicht extra gefallen war. In ein paar Schritten war er bei ihr und kniete sich an ihre Seite. Ihre Augen waren geschlossen, doch sie murmelte vor sich hin und schüttelte immer wieder den Kopf. Dann krümmte sie sich und hustete so stark, dass es Draco nicht gewundert hätte, wenn sie sich eine Lunge rausgehustet hätte. Sie begann schrecklich zu schwitzen, ihre Haare klebten an ihrer feuchten Stirn und Nacken.

Sie ist krank, dachte er und drückte seine Hand auf ihre Wange. Ihre Haut war kalt und feucht vom Schweiß. Sie stöhnte, als er sie berührte und drehte den Kopf in die andere Richtung. Draco hielt inne, unsicher, ob sie nun ohnmächtig war oder nicht. Sollte er sie hier lassen und Hilfe holen oder sie selbst in ihr Zimmer tragen? Panik stieg in ihm auf und er fühlte sich sehr unwohl dabei. Normalerweise wusste er, was in solchen Situationen zu tun war, aber sie sah wirklich krank aus. Als hätte sie schlechtes Fleisch gegessen oder so etwas.

„Ginny?" fragte er.

„Meine Brust schmerzt," murmelte sie mit zuckenden Augenlidern, doch öffnete sie nicht, „und… und mir ist so kalt…"

War ihr nicht vor fünf Minuten noch heiß?

Draco sah sich um, auch wenn er sich nicht sicher war, was er suchte. Zu seiner Erleichterung hörte er Schritte nahen und einen Augenblick später erschien Harry am Ende des Korridors. Dracos Erleichterung hielt nicht lange. Harry trat näher und öffnete schon den Mund, um etwas zu sagen, als er bemerkte, dass Ginny im Fiebertraum war.

„Geh und hol jemanden," befahl Draco. Er starrte zu Harry hoch und hätte schwören können, dass etwas in seinen grünen Augen aufblitzte. War es Besorgnis? Er konnte es nicht genau sagen, weil es sofort verschwand und Harry wieder denselben Weg zurückging, den er gekommen war, um Hilfe zu holen.

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At Bbabygirl90: mach ich, mach ich!! Hoffe, dass ich auch genug Zeit dazu habe… Schule und so halt…-.-

At Schwarzleser: Find ich schön!

At Sunnylein: Ich hatte erst Angst, dass niemand mehr meine Übersetzung mag, weil ich keine Reviews gekriegt hab, aber dann sind sie ja doch gekommen! Hab mich total gefreut, dass du dann extra nochmal zurückgekommen bist, um mir zu reviewn! DANKE! XD

At nachtschatten: Schon eher Zickenterror… bin bald mit N° 7 fertig… RiEsIgEs DaNkEsChÖn!!! Fürs Betalesen mein ich… XD

At Lara-Lynx: Die werden noch einige ‚Problemchen' in ihrer Beziehung haben, das stimmt… XD; darauf musst du halt noch etwas warten, aber wenigstens weißt du jetzt über Harry Bescheid!

D.V.G.M.1: Und? Hat das 6. Chap deine Erwartungen erfüllt? Ganz schön gemein, stimmt's? Dagegen ist Draco ja noch richtig mitfühlend! (gegen Ginnys Eltern mein ich…)

At Aldavinur: DANKE! Total lieb von dir, weil ich immer schon überlegt hab, ob das jetzt so schrecklich ‚übersetzt' klingt oder nicht!

At ArchAngelAzrael: Ich glaube, ich würde mich nicht so aufregen, wenn er mich heiraten wollte… XD;

At h0n3ymo0n: Ich beeil mich ja schon, aber leider muss ich ja auch noch andere Sachen machen…-.-; da hat man dann nie genug Zeit für die WIRKLICH wichtigen Sachen…XD

Falls jemand noch reviewt, während das Chap hochlädt, wird er/sie im Nächsten erwähnt!

(ich mach den Satzbau jedes Mal ein bisschen anders…XD; okay, ich weiß ich bin albern…)