Hey, und wieder! Und sogar rechtzeitig…

Ich versuche, so regelmäßig wie möglich weiterzumachen, aber manchmal hab ich einfach keine Zeit. Ich hoffe, ihr versteht das und seid nicht sauer! Find ich total lieb von euch, dass ihr so viele Reviews schreibt! xfreux

All You Need Is Love

7. Doktor Thomas

Als Ginny aufwachte, brauchte sie einen Moment, um zu erkennen, wo sie war. Zuerst, als sie eine verschwommene Person über sich sah, die ihr einen feuchten Lappen auf das Gesicht presste, dachte sie, es sei ihre Mutter und sie sei daheim im Bett. Aber als sie blinzelte, sich ihre Sicht langsam verschärfte und sie die Stimmen verstand, erkannte sie, dass sie nicht daheim war. Sie versuchte sich schnell aufzusetzen.

„Mum?" fragte sie mit belegter Stimme, obwohl eine sanfte Hand sie wieder in eine liegende Position schob. „Wo bin ich?"

„Eure Mutter schläft, meine Liebe," hörte sie eine bekannte Stimme sagen und wieder wurde der nasse Lappen gegen ihre Stirn gedrückt. „Es ist mitten in der Nacht."

Es war Maria. Alles brach wieder auf Ginny herein und mit einem Seufzer der Verzweiflung ließ sie sich wieder in die Kissen sinken. Ihr Kopf pochte, ihr Körper schmerzte vom Fieber, und ihre Haut brannte. Als sie versuchte wieder zu sprechen, überkam sie ein gewaltiger Hustanfall. Ihre Kehle, die sowieso schon so trocken wie nur möglich war, brannte wie Feuer, aber sie konnte nichts dagegen tun. Sie war fast erleichtert, als es vorbei war und sie die Hand vom Mund nahm, aber jetzt war sie nur noch erschöpfter als vorher.

„Was hab ich?" krächzte sie.

Maria lächelte sie sanft an, doch in ihren Augen spiegelte sich Besorgnis. Sie tunkte den Lappen in einen Bottich mit kaltem Wasser, wrang ihn aus und drückte ihn dann wieder auf Ginnys Haut.

„Wir sind uns nicht sicher, meine Liebe," antwortete sie.

Nicht sicher? Ginny starrte sie für einen Moment mit offenem Mund an, doch die Luft musste ihre Kehle wieder gereizt haben, denn sie begann zu husten. Sie erschauerte kurz und die Gänsehaut ließ sie zittern, aber einen Moment später war ihr wieder brennend heiß.

Husten, Schüttelfrost, Halsentzündung, Fieber, zählte Ginny in ihrem Kopf ab. Es hörte sich wie eine Art Erkältung an, doch Ginny hatte schon vorher Grippe gehabt und es war nie so wie dies hier gewesen. Sie hörte auf, sich darum zu sorgen und blickte Maria an.

„Werde ich sterben?" fragte sie mit kratzender Stimme.

Marias Besorgnis verschwand von ihrem Gesicht und wich Empörung.

„Natürlich nicht," sagte sie scharf, „ich werde Euch nicht sterben lassen, Hoheit. Das verspreche ich."

Sie drückte kurz Ginnys Hand, stand auf und ging zur Tür.

„Ich werde gleich mit etwas Warmen für Eure Kehle zurück sein," sagte sie und warf Ginny über die Schulter ein dünnes Lächeln zu.

Ginny stöhnte auf und ließ ihren Kopf ins Kissen zurücksinken. Sie wollte nichts Warmes – sie verkochte schon so fast. Sie kickte die Decke von sich, legte sich still hin und versuchte die Schmerzen in ihrem Körper zu ignorieren. Marias Versprechen hatte sie auch nicht viel besser fühlen lassen. Es war eine nette Geste, natürlich, aber Ginny war kein Idiot. Sie wusste, dass die medizinische Verpflegung im 17. Jahrhundert nicht besonders gut war. Leute konnten an einer einfachen Erkältung sterben und das hier war viel schlimmer. Sie schloss die Augen, leckte sich die trockenen Lippen und versuchte sich ihr eigenes Bett daheim vorzustellen. Immer wenn sie krank war, saß ihre Mutter an ihrer Bettkante und wenn sie nicht konnte, dann waren es ihr Vater oder einer ihrer Brüder. Ginny wusste, dass sie in Familiensachen ziemlich verwöhnt war – auch wenn sie es manchmal nervte, immer und überall von einem großen Bruder überwacht zu werden. Jedoch fand sie es immer angenehm, wenn sie nicht alleine herumliegen musste, wenn sie krank war. Jetzt war sie ganz allein und die Stille schrie in ihren Ohren. Ihr war unangenehm heiß, offensichtlich vom Fieber und ihre Kehle war rau und trocken. Es schmerzte zu schlucken und natürlich musste sie es erst recht tun, wenn sie sich darauf konzentrierte es nicht zu tun. Mehrere Male musste sie husten, doch nicht so stark wie zuvor, doch es tat trotzdem höllisch weh. Sie war erschöpft, doch hielt sich mit aller Macht wach. Nicht weil sie unbedingt auf Maria warten wollte, sie war nämlich überhaupt nicht hungrig. Der Grund war, dass sie wegen Draco fragen wollte. Ginny konnte sich erinnern, dass sie mit ihm in der Halle geredet hatte und dann zusammengebrochen war. Sie konnte sich schwach erinnern, dass er sie im Gesicht berührt hatte, aber es konnte auch nur ein Traum gewesen sein. Sie wusste nicht, was beunruhigender war – zu träumen, dass Draco sie berührte oder dass er es wirklich tat. Es war nicht so, dass es nicht schön gewesen war, seine kühle Hand auf ihrer Haut war ziemlich erfrischend gewesen, und sie war sich sicher, wenn sie nicht krank gewesen wäre, hätte sie sicher etwas zwischen ihnen gespürt.

Gott sei Dank war ich krank, dachte sie dankbar. Aber was hatte er getan, nachdem sie umgekippt war? Hatte er sie dort gelassen, um Hilfe zu holen oder selbst irgendwohin getragen? Sie erwischte sich dabei, das zweite zu wünschen, auch wenn sie wusste, dass sie es nicht sollte. Der typische Draco Malfoy hätte sie dort gelassen, auch wenn sie schon fast starb, um Hilfe zu holen, damit er nicht selber damit fertig werden musste.

Draco war sich nicht sicher, warum er Probleme mit dem Einschlafen hatte. Aber er wälzte sich schon die ganze Nacht hellwach herum. Er hatte ein nagendes Stechen in seinem Magen und auch wenn er nie über Ginny nachdachte, wusste er, dass es wegen ihr war. Er hatte peinlich genau darauf geachtet, über alles nachzudenken nur nicht über sie, aber am Ende musste er sich eingestehen, dass er sich um sie sorgte. Sie war wirklich krank, und als er vorhin, bevor er ins Bett gegangen war, Maria befragt hatte, hatte sie ihm erzählt, dass ihre Haut brennend heiß war. Das musste heißen, dass sie hohes Fieber hatte. Auch wegen der anderen Symptome vermutete Draco Lungenentzündung, da er es selbst zweimal gehabt hatte, wenn er öfters nur in seinem Schlafanzug in den Kerkern aufgewacht war, und wusste, worauf er achten musste. Er hatte aber auch den Verdacht, dass diese Leute hier keine Ahnung hatten, wie man Lungenentzündungspatienten zu behandeln hatte. In der medizinischen Wissenschaft waren sie anscheinend noch nicht sehr bewandert. Ginny war vielleicht in Lebensgefahr.

Aber er verstand nicht, warum ihn das so beunruhigte. Er wälzte sich immer weiter herum, bis er schließlich laut und ärgerlich seufzte, die Decke zurückwarf und die Beine aus dem Bett schwang.

Vielleicht hilft es mir spazieren zu gehen, um mich zu beruhigen, dachte er mit gerunzelter Stirn. Er war verärgert, dass er nicht einschlafen konnte. Weil sich seine Augen schon lang an die Dunkelheit gewöhnt hatten, konnte er herumlaufen ohne irgendetwas umzurennen. Er fand einen Samtumhang, der von dem Diener, der ihn entkleidet hatte, ordentlich in den Wandschrank gehängt worden war und dicke Socken, die er anzog. Ein paar Minuten verließ er sein Zimmer und schloss die Tür leise hinter sich. Er hasste das Schloss in der Nacht. Die flackernden Kerzen gaben weder viel Licht noch Wärme und so waren die kalten Steinwände nur schwach beleuchtet. Draco konnte nichts dagegen tun, dass er sich die ganze Zeit fühlte, als würde ihn gleich ein Vampir anspringen oder eine schwarze Katze an ihm vorbeilaufen. Es machte ihm keine Angst, weil es in seinem eigenen Haus dasselbe war, aber es beunruhigte ihn trotzdem. Draco wusste nicht, wo er hinging – nur ein bisschen Spazieren, aber er erwischte sich dabei, wie er zu Ginnys Zimmer ging. Er hielt sofort an und fluchte leise. Was war mit ihm los? Ginny war noch gar nicht tot. Er konnte auch bis zum Morgen warten, um sie zu sehen. Und außerdem erinnerte er sich an einen Stich in seinem Magen, als er früher am Tag gesehen hatte, wie schrecklich sie aussah. Er wollte sie nicht noch einmal so sehen. Wenn es etwas gab, was Draco hasste, war es Hilflosigkeit. Er konnte es nicht aushalten Menschen so hilflos zu sehen, wie Ginny an diesem Nachmittag, als er sie gegen alle seine Malfoy-Instinkte besucht hatte. Sie hatte geschlafen, leise gestöhnt, trotz des Schweißes mitleiderregend gezittert und die Decke von sich gekickt. Sie war nicht wach gewesen und er hatte sie nicht einmal richtig ansehen können.

„Hoheit?" fragte eine zaghafte Stimme.

Draco fuhr erschrocken herum und sah Maria auf sich zukommen. Sie balancierte eine flache Schale auf ihren Armen, aus der es dampfte. Draco bemerkte die Erschöpfung auf ihrem Gesicht und ihm wurde klar, dass diese Frau wahrscheinlich den ganzen Tag herumgerannt war, ohne Rast oder Verschnaufpause. Sie hielt vor ihm an und legte ihren Kopf zurück, um ihm in die Augen schauen zu können.

„Gibt es etwas, das Ihr benötigt, Hoheit?" fragte sie mit müder Stimme.

„Nein," antwortete Draco, „ich… gehe nur ein bisschen spazieren."

Maria presste ihre Lippen zusammen, dann lächelte sie ihn erschöpft an. „Ich schlage vor, das Ihr nicht so spät herumwandert, Hoheit. Ihr braucht Eure Erholung."

„Und du nicht?" sagte Draco mit gehobenen Augenbrauen.

Sie verstand es falsch und beeilte sich zu erklären. „Oh nein, Hoheit. Ich habe es nicht so gemeint. Ich wollte nur nicht, dass Ihr morgen erschöpft seid und habe Euch nur vorgeschlagen…"

„Nein, ich glaube, du hast mich missverstanden," unterbrach er sie, „Ich habe nur gemeint, dass du so aussiehst, als könntest du auch etwas Schlaf gebrauchen. Das ist alles."

Für einen Augenblick starrte sie ihn mit offenem Mund an. Dann schloss sie ihn wieder und schien sich daran zu erinnern, was sie eigentlich tun wollte.

„Wenn Ihr mich nun entschuldigen wollt, Hoheit, ich muss diese Suppe zu Hoheit Ginny bringen." Sie ging an ihm vorbei den Gang hinunter zu Ginnys Zimmer. Draco fing an zu reden, bevor er sich selbst aufhalten konnte.

„Sie ist wach?"

Maria hielt kurz an bevor sie den Raum betrat und sah sich nach Draco um. „Ja, sie ist vor ein paar Minuten aufgewacht."

Dracos Beine entwickelten einen eigenen Willen und einen Moment später war er neben Maria im Türrahmen.

„Heißt das, dass es ihr besser geht?"

„Ich hoffe, Hoheit," antwortete Maria mit einer Sorgenfalte auf der Stirn, „ich habe noch nie vorher so eine Krankheit gesehen."

Das macht Sinn, dachte Draco, wahrscheinlich kannten sie damals Lungenentzündung noch nicht… oder besser jetzt.

Er vermutete, dass Ginny mit dem Körper eines Menschen in 400 Jahren sich als einziger den Erreger einfangen konnte, während niemand anderes es konnte.

„Wollt Ihr sie besuchen?"

Marias erschöpfte Stimme drang in sein Gedächtnis vor und er starrte sie an. Ja, er wusste, dass er es wollte. Er konnte es nicht bestreiten. Und irgendwie wusste er, dass er es sein sollte, der jetzt für sie da war. Er konnte dieses Gefühl nicht richtig beschreiben – und er wünschte sich, es würde gar nicht existieren – dass er dachte, dass sie ihn jetzt mehr als alles andere brauchte. Vielleicht weil sie beide wussten, dass sie aus der Zukunft kamen. Dann verwarf er diese absurden Gedanken schnell wieder. Ginny hasste ihn – simpel und unbestreitbar. Sie hatte fast immer Wutausbrüche, wenn er anwesend war. Sie war nie glücklich, wenn sie mit ihm sprach. Ihre Gespräche endeten immer mit Gebrülle, Gestreite oder so etwas. Gar nicht zu erwähnen, dass Draco nicht länger als fünf Minuten bei ihr sein konnte, weil sie ihn so furchtbar aufregte. Sie war nur schön anzuschauen, sonst nichts. Und das war jetzt sicher auch nicht der Fall, weil sie todkrank war.

„Hoheit?" fragte Maria noch einmal, als Draco nicht antwortete.

„Ich komme," sagte er, bevor sie zu Ende reden konnte.

Ginny kämpfte mit sich, um wach zu bleiben, weil sie wollte, dass jemand in der Nähe war und so wartete sie auf Maria. Ihre Augenlider aber fielen immer wieder zu, weil sie so schwer waren.

Sie ließ einen Seufzer der Erleichterung aus, als sich ihre Schlafzimmertür schließlich öffnete. Maria trat mit einer dampfenden Schüssel in den Händen ein. Aber Draco war gleich hinter ihr. Zuerst dachte Ginny, sie halluziniere. Sie beobachtete Maria, wie sie zu ihrem Bett kam, ihr in eine sitzende Position verhalf, sie mit Kissen abstützte und ihr die Schüssel in den Schoß stellte. Draco war im Türrahmen stehen geblieben, mit verschränkten Armen und ausdruckslosem Gesicht. Maria drehte sich um und ging zur Tür zurück. Sie hielt an Dracos Seite an und sagte leise, „Nur ein paar Minuten, Hoheit. Sie ist erschöpfter, als ich dachte."

Draco nickte knapp, Maria verließ das Zimmer und schloss die Tür fest hinter sich. Ginny traf kurz Dracos Blick, dann senkte sie die Augen auf die Suppe, auf die sie absolut keinen Hunger hatte. Sie schmeckte nach nichts. Ginny wünschte fast, Draco wäre nicht gekommen. Sie wusste, dass sie schrecklich aussehen musste. Ihr Haar klebte an ihrer schweißnassen Stirn und Nacken und das baumwollene Nachtgewand lag wegen des Schweißes eng an ihrem Körper an. Sie leckte schnell die Rückseite ihres Silberlöffels sauber, um sich selbst darin zu sehen.

Ihr Spiegelbild war leicht verschwommen, aber sie konnte die schwarzen Schatten unter ihren versunkenen Augen und ihre käsige Haut sehen. Auch wenn sie peinlich berührt und verlegen war, erleichterte seine Anwesenheit sie auch seltsamerweise. Sie hatte keine Ahnung, warum es gerade Draco Malfoy war, der sie sich besser fühlen ließ. Als sie wieder zu ihm aufsah, bemerkte sie, dass er sie immer noch mit dieser ausdruckslosen Miene anstarrte.

Warum sieht er eigentlich immer so perfekt aus? So wie er aussieht, fühl ich mich gleich noch 10mal hässlicher.

Als ob er ihre Gedanken gelesen hätte, öffnete er den Mund.

„Du siehst verdammt scheiße aus."

Ginny verengte sie Augen vor Überraschung. Dann lachte sie. Sie lachte wirklich, auch wenn es sich wie ein Krächzen anhörte und in einem Hustanfall endete, aber sie lächelte. Es schien, als wäre all die Spannung zwischen den Beiden verschwunden und in diesem Moment fühlte sie sich ihm gegenüber völlig friedfertig, egal wie krank sie sich gerade fühlte.

„Willst du dich nicht hinsetzen?" fragte Ginny und deutete mit dem Löffel auf einen Stuhl. Sie hasste den Klang ihrer Stimme – kratzig und heiser, als hätte sie gerade eine Grippe überstanden – aber sie konnte nichts dagegen tun.

„Nimm dir einen Stuhl."

Draco sah sie noch einen Moment länger an, als schien er zu überlegen. Dann zuckte er leicht mit den Achseln, nahm sich einen Stuhl und stellte ihn neben Ginnys Bett, wie sie es vorgeschlagen hatte. Er lehnte sich vor, mit den Ellbogen auf den Knien und den Fingern auf den Lippen, und schwieg einen Moment, bevor er anfing zu sprechen.

„Weißt du," sagte er nachdenklich, „das ist das erste Mal, dass du nett zu mir bist und das wahrscheinlich nur, weil du krank bist und phantasierst."

„Ich phantasiere nicht," verteidigte sich Ginny mit rauer Stimme, „ich wäre viel öfter nett zu dir, wenn du nett zu mir wärst."

„Das musst du verstehen, Weasley," sagte Draco und betrachtete sie genau. Sie wusste nicht, warum sein scharfer Blick ihr Herz so schnell klopfen ließ. „Ich bin eben kein netter Mensch. Ich bin nur ich selbst, wenn ich bei dir bin."

Ginny starrte lang zurück, bis sie sich wieder ihrer Suppe zuwandte. Was sollte sie darauf sagen? Es war die Wahrheit. Draco Malfoy war von Natur aus gemein und hinterhältig und das würde sich durch nichts ändern. Sie verstand jetzt, dass er es nicht tat, um sie zu ärgern. Er verhielt sich ihr gegenüber nur so, wie er sich allen gegenüber verhielt. Doch Ginny dachte trotzdem, dass er zu Weasleys wohl extra gemein war. Es gab eine lange Pause, in der nur Ginny zu hören war, wie sie ihre Suppe trank. Es war wirklich zu heiß für sie, wenn man bedachte, dass ihr der Schweiß sowieso schon vom Gesicht lief. Was würde sie in diesem Moment nicht alles für einen Abkühlungszauber geben. Als Ginny nichts mehr von der Suppe herunter bekam, stellte sie die Schüssel neben ihrem Bett auf den Boden. Aber dann wusste sie nicht, was sie sagen oder tun sollte. Sie mochte es nicht, ihn einfach nur anzustarren, ohne etwas zu sagen, also sah sie ihre Hände an. Ihr fiel eine Frage ein, und bevor sie zweimal nachdenken konnte, redete sie schon los.

„Warum bist du gekommen? Es ist fast 4 Uhr am Morgen."

„Ich bin Frühaufsteher."

Ginny hob sehr langsam den Kopf, um ihn anzusehen, weil sie spürte, dass jede hastige Bewegung sie nur noch mehr erschöpfen würde. Seine Miene war mal wieder unlesbar.

„Hat dir schon einmal jemand gesagt," fragte sie heiser, „dass du seltsam bist?"

Er grinste und sie sah Belustigung in seinen stählernen Augen, „Nein, du bist die Erste."

„Ich verstehe dich nicht," fuhr sie fort, von seiner freundlichen Antwort ermutigt. „Im ersten Moment denke ich, du hasst mich und im nächsten machst du so was, wie das hier."

Da geschah es. Das Gefühl verschwand von seinem Gesicht, als hätte jemand einen Vorhang vor seiner Seele heruntergelassen. „So was, wie was?" fragte er tonlos.

Sie runzelte mit klopfendem Herzen die Stirn. Sie war jetzt völlig aus der Spur geraten. Plötzlich wollte sie nur noch schlafen. „Weiß nicht," murmelte sie, „mich besuchen, mein ich. Ich verstehe dich nicht."

„Das hast du schon gesagt."

„Tut mir Leid. Aber ich tue es wirklich nicht."

„Ich will auch gar nicht, dass du mich verstehst," antwortete er und seine Mudwinkel fielen leicht nach unten. „Du bist die Letzte, die mich verstehen soll."

Wenn sie nich so erschöpft gewesen wäre, wäre sie wütend geworden. Stattdessen sagte sie undeutlich, „Okay, dann versuch ich es auch erst gar nicht."

„Bist du müde?"

„Nein, ist schon okay," log sie. Sie war sich nicht sicher, warum sie das gesagt hatte. Vielleicht weil sie nicht wollte, dass er ging.

Er grinste schief. „Genauso okay, wie du warst, als du heute zusammengeklappt bist?"

„Ich bin nicht zusammengeklappt…" Sie blinzelte, „Ich bin nur… ohnmächtig geworden. So in der Art."

„Ist dasselbe."

„Bist du wirklich ein Frühaufsteher oder hast du mich aus einem bestimmten Grund besucht?"

Diese Frage hatte er anscheinend nicht erwartet, denn er sah sie verwirrt an. Ginny traf seinem Blick und versuchte angestrengt, ihre Augenlider offen zu halten.

„Ich war nur neugierig," sagte er endlich leise, „was du für eine Krankheit hast. Ich wollte es selbst sehen und dann eine Entscheidung treffen."

„Hast du?" fragte Ginny.

Er zögerte kurz. „Lungenentzündung," antwortete er schließlich.

„Oh, das ist gut. Man überlebt Lungenentzündung," sagte sie. Ihre Zunge war schwer und trocken und sie wusste, dass sie nuschelte. Draco runzelte die Stirn.

„Ja, denke schon." Er sah sie von der Seite an. „Vielleicht sollte ich gehen." Er stand auf.

„Nein," hörte Ginny sich selbst sagen. Sie langte nach seinem Arm, „Nein, gehe nicht. Bitte." Sie hatte die Stimme auf ein Flüstern gesenkt.

Überraschung spiegelte sich in seinen Augen, als er auf sie hinunterstarrte. Er blickte kurz auf Ginnys Hand, die immer noch seinen Arm umschloss, dann zu ihr zurück, sie wortlos bittend, ihn loszulassen. Aber sie tat es nicht.

„Bleib," bat sie, „bis ich eingeschlafen bin."

Er schien für einen Moment zu überlegen und Ginny glaubte schon, er würde einwilligen. Sein Blick suchte ihr Gesicht ab, als läge dort die Antwort. Dann öffnete er den Mund.

„Du hast nicht nachgedacht," murmelte er, „Maria wird bestimmt gleich zurück sein."

Er zwängte ihre Finger von seinem Arm. Mit ein paar Schritten war er bei der Tür und verschwand, ohne sie zu schließen oder einen Blick zurückzuwerfen.

Ginny starrte den leeren Türrahmen an und versuchte zu verstehen, was gerade passiert war. Sie hatte ihn gebeten zu bleiben, und er hatte es nicht getan. Und sie hatte nachgedacht… oder?

Werde ich das später bereuen?

Sie legte sich wieder hin und schloss die Augen. Auch wenn sie schon fast schlief, als ihr Kopf auf dem Kissen auftraf, hatte sie noch Zeit zu bemerken, wie sehr sie sich gewünscht hatte, dass er blieb.

Warum?, dachte sie. Warum, wenn ich ihn doch mein ganzes Leben gehasst habe?

Einen Augenblick später fiel sie in einen tiefen Schlaf.

Als Draco in die Halle hinausgestolpert kam und sich fühlte, als könne er nicht schnell genug aus Ginnys Zimmer entkommen, rannte er fast in Maria. Sie hatte in der Nähe der Tür gestanden und Draco hatte den unbehaglichen Verdacht, dass sie ihre Unterhaltung belauscht hatte. Es regte ihn auf, aber nicht so schlimm, dass er sich kümmerte, ihr Fragen zu stellen. Stattdessen rauschte er an ihr vorbei und hörte, wie sie scharf die Luft einsog. Dann bog er um die Ecke, während er ihre schwarzen Augen in seinem Rücken spürte. Was war eigentlich sein Problem? Es schien, als hätte er nicht schnell genug aus Ginnys Raum rauskommen können. Aber er konnte nicht verstehen, warum. Weshalb hatte er so schnell gehen wollen?

Ich hab mich wie ein kompletter Idiot aufgeführt, dachte er, obwohl er, wenn er jetzt in Gedanken die Szene in Gedanken abspielte, auch nichts anders gemacht haben könnte. Er wäre höchstens vielleicht früher gegangen, damit sie keine Chance bekam, ihn zu fragen, dass er blieb. Draco wusste, dass sie gar nicht richtig gewusst hatte, was sie da fragte. Sie hatte sich nur so verzweifelt gewünscht, dass jemand bei ihr blieb, da war es ihr sogar egal gewesen, dass er es war. Wenn sie später darüber nachdachte, würde sie wahrscheinlich diejenige sein, die sich schrecklich bekloppt vorkam. Aber das erklärte immer noch nicht, warum er wie von Werwölfen gejagt aus ihrem Zimmer geflohen war. Doch er wusste die Antwort darauf. Er hatte bei ihr bleiben wollen. Das konnte er nicht bestreiten. Er hätte fast ja gesagt und das machte ihm Angst. Seine ganzen Gefühle waren aufgewühlt, weil sich mit ihr so viel änderte. Die meiste Zeit nervte und verärgerte sie ihn. Meistens. Aber manchmal erwischte er sich dabei, wie er sie anstarrte mit einem bestimmten Verlangen nach etwas, das er nicht beschreiben konnte. Er weigerte sich zu glauben, dass es deshalb war, weil er auf sie stand – er stand nicht auf Ginny Weasley. Es musste eine Art von Sehnsucht sein, ein Gefühl, das sie ihm gab, weil sie die einzige war, die verstand, dass sie tief in der Scheiße steckten und auch die einzige Person, die er kannte.

Draco ging langsam zurück zu seinem Zimmer und fühlte schon, dass sich ein schlimmes Kopfweh anbahnte. Es mussten all die Verwirrung um die Gefühle für Ginny und der wenige Schlaf sein. Aber er wollte immer noch alles klären. Was genau empfand er für sie? Es war schon mal sicher, dass er sie nicht mehr abgrundtief hasste. Er fühlte sich schuldig, weil sie so krank war, aber warum er das sollte, wusste er selbst auch nicht.

Sie sollte dir nicht Leid tun, dachte er grinsend, weil sie wieder ihr nerviges Selbst sein wird, wenn sie sich erholt hat und dich wieder anschreien wird.

Das besserte seine Laune ein wenig. Vielleicht verstand er auch nur alles falsch. Vielleicht empfand er nichts für Ginny außer Schuld – Schuld, weil sie so viel Schmerz durchleiden musste und vielleicht starb. Das war es vielleicht, das ihn dazu gebracht hatte, bei ihr bleiben zu wollen. Aber das erklärte ihm immer noch nicht, warum sie ihm Leid tat, wenn ihm doch in seinem ganzen Leben niemand je Leid getan hatte. Als er von Cedric Diggory's frühem Tod gehört hatte, hatte er nichts gespürt. Als er gehört hatte, wie Harry bei der Vernichtung Voldemorts in seinem 7. Jahr beinahe das Leben verloren hätte, hatte er nichts gespürt. Er hatte vorher noch nie etwas für jemanden empfunden und jetzt plötzlich fühlte er sich schuldig, so als ob er etwas dafür könnte, wegen Ginny Weasley? Draco kam zu seinem Zimmer und trat ein. Dieses Mal hatte er keine Probleme mit dem Einschlafen. Wegen der Erschöpfung und Ermüdung schlief er sofort ein, nachdem sein Kopf das Kissen berührt hatte, und er schaltete seine Gedanken vollkommen ab.

„Ginny," kam eine Stimme von sehr weit weg, „Ginny, Liebes, wach auf."

Ginny wollte weiterschlafen, nicht aufwachen und ihre Krankheit wieder spüren. Sie stöhnte leise und umschlang ihr Kissen fester.

„Hau ab, Ron," murmelte sie.

„Ron?" hörte sie die Stimme wieder, diesmal verwirrt. Dann wurde sie an den Schultern geschüttelt. „Virginia, wach sofort auf. Oder muss Thomas Wasser über deinen Kopf schütten."

Mmm, dachte Ginny, die an die Schweißschicht dachte, die überall auf ihrem Körper war, das wäre jetzt perfekt.

Aber das Schütteln hörte nicht auf und Ginny wachte immer mehr auf. Schließlich öffnete sie die Augen, doch sah nicht Maria an ihrem Bett, sondern die Königin, die versuchte sie zu wecken. Irgendwie erinnerte sich Ginny trotz der Krankheit und dem Schlaf, an das, was diese Frau Harrys Mutter angetan hatte. Und alles an das sie denken konnte, als sie auf die Seite rollte, um sie besser zu sehen, war, dass sie eine sehr hinterhältige Person war, die den Tod verdiente.

„Endlich," sagte die Königin, mit zusammengekniffenen Lippen. „Thomas ist hier, um dich zu besuchen. Er ist gerade vor der Tür."

„Thomas?" krächzte Ginny.

„Ja." Als sie sie verständnislos anstarrte, seufzte ihre Mutter und erklärte. „Thomas, einer der besten Doktoren der Welt?! Wir haben es geschafft ihn kommen zu lassen und dich zu untersuchen. Glücklicherweise war er für die letzten paar Tage in London."

„Oh."

Ginny wusste nicht, was sie sonst hätte sagen sollen.

Die Königin runzelte die Stirn. „Ich hoffe, dass du dich nicht mit irgendetwas Ansteckendem infiziert hast… Wenn jetzt eine Seuche ausbrechen würde, wäre das eher unpassend…"

Ginny starrte sie mit offenem Mund an.

Ihre Tochter ist in Lebensgefahr und alles, an das sie denkt, ist, wie unpassend der Zeitpunkt ist?!

„Hör auf, mich so anzustarren," fauchte sie Ginny an. Es gab eine kleine Pause, bevor sie aufstand und auf die Tür zuging.

„Ich schicke jetzt Thomas rein."

Als sie schon am Türrahmen war, drehte sie sich noch einmal um. „Würdest du mich bitte darüber aufklären, wer Ron ist?"

Ginny war sich sicher, dass ihr vom Fieber gerötetes Gesicht noch um ein paar Schattierungen pinker wurde. „Wer?" fragte sie zaghaft.

Die Königin schürzte die Lippen und verdreht die Augen.

„Manchmal," sagte sie gespielt freundlich, "verwunderst du mich."

Ginny konnte nicht widerstehen der Königin den Mittelfinger zu zeigen, als sie das Zimmer verließ. Sie setzte sich auf, lehnte ihren Kopf ans Bett und hörte, wie ihre Mutter und der Doktor sich draußen unterhielten. Sie konnte nichts verstehen, doch hatte das Gefühl, dass die Königin gerade über sie herzog.

Thomas trat so leise ein, dass es Ginny nicht bemerkte, bis er direkt neben ihrem Bett stand. Er musste leiser als eine Katze sein, denn Ginny hatte absolut nichts gehört. Ihre Augen waren geschlossen und sie wartete darauf, dass er hereingetrampelt kam, mit Bierbauch, fettigem Haar und einem großen Lederkoffer mit allen Sachen, die er brauchte. Doch plötzlich kam eine schrecklich bekannte Stimme an ihre Ohren.

„Virginia."

Er hatte sie nicht Hoheit oder so etwas genannt. Nur bei ihrem Namen. Ginny dachte zuerst, sie hätte es sich eingebildet, weil sie ihn gar nicht hatte kommen hören, also öffnete sie die Augen. Da stand er und lächelte auf sie herab, groß und schlaksig. Sein Haar war rabenschwarz und ließ seine ohnehin schon bleiche Haut noch weißer wirken. Seine Augen waren von hellblauer Farbe, die Farbe der Saphire und schienen etwas Schwarzes in sich blitzen zu haben, was das Geheimnis zeigte, das er ihn sich trug. Er hatte die Arme verschränkt, die Finger auf den Ellbogen, wo sie weiß von der dunklen Kleidung abstachen. Ginnys Mund war wie ausgetrocknet, als sie diese Finger anstarrte… diese spinnengleichen Hände mit den ungewöhnlich langen Fingern… Dann wanderte ihr Blick wieder zu seinen Augen und sie starrte ihn wie gebannt an.

Oh mein Gott, dachte sie, das kann nicht sein… es kann einfach nicht sein, ich muss träumen oder halluzinieren…

Aber sie tat es nicht. Egal wie sie betete oder wünschte, der Mann verschwand nicht.

Tom Riddle stand immer noch neben ihr und lächelte sie ruhig an. Er stand da, und verschwand nicht.

„Hallo Virginia," sagte er, „und wie fühlst du dich?"

Diese Stimme… Erinnerungen kamen in einer riesigen Welle auf sie herabgestürzt. Ihr erstes schreckliches Schuljahr, als sie von ihm besessen gewesen war und Dinge getan hatte, die sie sonst nicht gemacht hatte. Und es war so eine freundliche Stimme, tief und kehlig. Aber wenn man genau hinhörte, konnte man die leise Grausamkeit und das tiefsitzende Böse hören. Ginnys Herz pochte in ihrem Hals. Ihr war nicht mehr heiß – ihr Blut schien in den Adern gefroren zu sein. Das einzige, was darauf hinwies, dass es immer noch floss, war ihr Herz, das Trommelwirbel in ihrer Kehle aufführte. Er lächelte sie immer noch an. Immer noch lächelte er, als hätte er nicht Ginnys Angst bemerkt, oder wie ihr die Farbe aus dem Gesicht wich. Als wäre alles okay und alles so, wie es sein sollte.

Ginny konnte fast nicht atmen, noch weniger sprechen. So vieles wirbelte in ihrem Kopf herum. Hatte Tom Riddle sie und Draco hierher gebracht? War er es, der diese zehnköpfige Familie umgebracht hatte? Würde er sie jetzt umbringen? Wusste er, dass sie aus der Zukunft war?

„Schau mich nicht so an, Virginia," kicherte Tom Riddle mit offener Belustigung in der Stimme, „ich bin nicht so sehr berühmt… lass dich von mir nicht einschüchtern."

Wenn sie nicht so schreckliche Angst gehabt hätte, sich zu bewegen oder auch einen Ton von sich zu geben, hätte sie gelacht. Er dachte, er würde sie nur einschüchtern! Und nur weil er ein ‚berühmter' Doktor war! Es musste gespielt sein. Er musste wissen, warum sie so reagierte. Er musste wissen, dass er böse war. Ginny betrachtete ihn genau. Er sah nicht älter als zwanzig aus, wie konnte er dann ein Doktor sein, noch dazu ein berühmter? Die Ähnlichkeiten mit Harry waren unverkennbar: die Augen hatten dasselbe Funkeln, das Haar war genauso schwarz… sogar die Art, wie sie den Mund bewegten, war dieselbe.

Er ist nicht sofort nach seiner Jugend Voldemort geworden.

Aber das hieß nicht, dass er nicht gefährlich war. Tom Riddle hatte seine ganze Kindheit lang seine Gefühle unterdrückt und so viel Wut in sich aufgestaut, dass er diese Kraft als Erwachsener, als er die Sache selbst in die Hand nahm, in schrecklicher Weise gebrauchen konnte.

Er ist auch jetzt gefährlich. Er wird mich vielleicht im nächsten Moment töten.

Sie wollte um Hilfe schreien. Aber ihre Lippen wollten keine Worte formen. Sie konnte ihre Stimme nicht finden. Stattdessen fing sie an zu zittern, und wartete darauf, was als nächstes passieren würde.

Als sie wieder zu Tom Riddle aufsah, hatte er einen besorgten Gesichtsausdruck aufgesetzt.

„Zitterst du wegen deiner Krankheit?" fragte er sanft. Er streckte seine Hände nach ihr aus, um sie zu berühren. Ginny zuckte vor ihm zurück, und konnte ihren Blick nicht von seinen Händen abwenden. Wie sie diese Finger hasste…

„Ich werde dir nicht wehtun. Ich bin hier um dir zu helfen, Virginia," sagte er ruhig und versichernd.

„Fass mich nicht an," wisperte Ginny. Aber es war nicht so viel Gefühl in ihrer Stimme, wie sie gehofft hatte – es klang einfach nur so, als hätte sie Angst davor, angefasst zu werden, während sie krank war. Aber das war es nicht, oh nein, die Wahrheit lag ganz woanders.

„Virginia, ich muss," antwortete Tom Riddle, „wenn du diese höchst ungewöhnliche Krankheit überleben willst, muss ich dich berühren."

Niemals, schwor sich Ginny in Gedanken. Aber stattdessen es laut zu sagen, antwortete sie nur heiser, „Es ist Lungenentzündung."

„Bitte um Verzeihung?"

Ginny lag auf der Seite, zu einem Ball zusammengerollt, und versuchte ihn nicht anzusehen.

„Lungenentzündung," wiederholte sie, und kniff die Augen zusammen, um nicht loszuheulen. „Ich habe Lungenentzündung."

„Ach wirklich?" Noch einmal hörte sie die Belustigung, und musste einfach zu ihm aufsehen. Er lächelte wieder, aber diesmal ganz normal. „Von so einer Krankheit habe ich noch nie gehört. Hast du das gerade erfunden?"

Ginny biss sich fest auf die Unterlippe. Er musste wissen, dass sie aus der Zukunft war – er musste einfach. Er musste es gewesen sein, der sie und Draco hierher gebracht hatte. Er war der einzige, der so viel Macht hatte. Irgendwie musste sein Geist überlebt haben, vielleicht in einem weiteren Tagebuch. Nur weil er in der Zukunft in fast 400 Jahren besiegt war, hieß das nicht, dass er das hier nicht tun konnte. Wie sie ihn kannte, hatte er wahrscheinlich noch hunderte von Sicherheitsplänen gemacht, nur im Falle, dass er starb. Er war es. Er war der Grund, dass sie hier waren. Er musste es sein.

„Meine Liebe, ich verspreche, dass ich dir nicht wehtun werde." Der freundliche sanfte Ton seiner Stimme schien Ginnys Augen auf seine zu lenken und für einen Moment war sie in den blauen Tiefen wie verloren. Ihr Gehirn schien wie leergefegt und als sie schließlich wieder zu sich kam, war sie sauer auf sich selbst.

Er spielt mit dir. Du weißt, dass du vorsichtig sein musst. Er ist gefährlich und mächtig. Nur weil du im 17. Jahrhundert bist, heißt das nicht-

Ginnys ganzer Körper wurde steif, als er sie berührte. Er hatte ihre Arme genommen, die ihre Beine an die Brust drückten, und zwängte sie mit sanfter Gewalt auseinander. Seine Berührung war eiskalt, aber es fühlte sich auf ihrer brennenden Haut so gut an, dass sie sich nicht sträubte. Ihr Körper wurde schlaff und sie ließ sich von ihm in die gewünschte Position schieben. Es war eine der längsten Minuten in Ginnys ganzem Leben. Sie war zu Tode verängstigt, fühlte sich scheiße und dachte, sie müsse sich übergeben. Weil sie aber die letzten Tage nichts Festes gegessen hatte, schaffte sie es, den Inhalt ihres Magens für sich zu behalten.

„Klopft dein Herz während du krank bist immer so schnell," fing Tom Riddle an und sie bemerkte, dass er ihren Blick suchte, also schloss sie fest ihre Augen, „oder ist das, weil ich dich berühre?"

Sie konnte nicht antworten. Sie konnte nicht. Bei diesen Worten schien ihr Herz noch schneller zu schlagen, und sie hatte Probleme mit dem Atmen.

„Ich werde dich jetzt ein bisschen abfühlen," sagte er sanft, „ich muss sehen, ob ich etwas ungewöhnliches finde. Ist das okay für dich?"

War das okay für sie? Absolut nicht! Er würde nicht seine Spinnenhände auf sie legen und sie abfühlen. Er würde nicht seine unnormal langen Finger auf ihre Haut tun, so dass sie Gänsehaut bekam. Sie würde ihn auf keinen Fall-

Aber er tat es schon. Er hatte nicht einmal auf ihre Antwort gewartet. Zuerst presste er seine Hände auf ihre Wangen und die Kälte fühlte sich überraschend erfrischend auf ihrer heißen Haut an. Dann fühlte er ihre Stirn ab. Ginnys Augen flogen auf und sah ihn über ihr lehnend, sein Gesicht erschreckend nah an ihrem. Aber er schien es nicht zu bemerken, denn auf seinem Gesicht spiegelte sich ein professioneller Ausdruck. Er schien darin versunken zu sein, was er tat und kümmerte sich nicht um sie selbst. Er sah wirklich gut aus. Fast noch besser als Draco. Sie schaffte es zu schlucken, trotz des Klumpens in ihrem Hals.

„Du hast hohes Fieber," murmelte er mit gerunzelter Stirn und sah ihr nicht in die Augen. Er schaute schon in ihre Ohren. „Hattest du viel Schüttelfrost in den letzten Tagen?"

Ja, aber komischerweise noch viel mehr seit du da bist.

Aber sie öffnete nur den Mund und krächzte „Ja."

„Öffnen," sagte er und legte seine Fingerspitzen auf ihre Lippen. Sie sprang fast zur Decke, doch Tom tat so, als hätte er es nicht bemerkt. Als sie nach ein paar Sekunden immer noch nicht reagierte, seufzte er.

„Du kannst dir das hier schwer oder leicht machen, Virginia. Ich will dich zu nichts zwingen, aber du bist sehr krank, vielleicht sogar todkrank, also werde ich tun, was ich tun muss."

Lügner, dachte sie, du willst mich doch eigenhändig umbringen. Du liebst es mich zu Dingen zu zwingen. Jedenfalls hattest du keine Probleme damit, mich die Kammer des Schreckens öffnen zu lassen, oder?

Als sie nicht antwortete, seufzte er noch einmal, nahm ihr Kinn zwischen die Finger und zwängte ihren Mund auf. Er war überraschend kräftig und so etwas hatte sie auch nicht erwartet. Als er den Kopf senkte, um in ihren Mund sehen zu können, hatte er wieder diesen professionellen Blick in den Augen. Ginny hielt sich absolut still und versuchte zu ignorieren, dass seine eine Hand sie fest unter dem Kinn gepackt hielt und die andere auf ihrem Haar ruhte, damit er ihren Kopf in die Richtung drehen konnte, in der er es brauchte. Seine Berührung war zwar sehr kalt, aber Ginny bemerkte, dass sie es gar nicht mehr so sehr hasste.

Oh Gott, ich muss wirklich aufhören zu denken, dachte sie, wütend auf sich selbst, weil sie es nicht vollends verabscheute, seine Haut auf ihrer zu spüren.

„Dein Hals ist sehr gerötet," stellte er nach einem kurzen Moment fest und nahm seine Hand von ihrem Kopf, „du hast viel gehustet, hab ich Recht?"

Völlig benommen nickte Ginny mit dem Kopf. Er nickte auch und sah besorgt drein.

Er ist wirklich ein guter Schauspieler! Wenn ich nicht wüsste, wer er ist, würde ich wahrscheinlich denken, dass er sich wirklich Sorgen um mich macht.

„Also," sagte Tom und seufzte wieder, „ich weiß nicht, was ich von alldem halten soll. Ich muss dich noch mehr untersuchen, wenn es dir Recht ist?!"

Er setzte sich auf, sodass er nicht mehr über ihr lehnte und weil er wegsah, bemerkte er nicht, wie sie verzweifelt den Kopf schüttelte. Sie wollte ihm sagen, dass er sie einfach nur in Ruhe lassen sollte, doch fand ihre Stimme nicht.

Dann, ohne Vorwarnung, legte er beide Hände an ihre Seiten, wo sich ihre Rippen befanden. Sie kreischte erschrocken auf, als sie die Kälte sogar durch ihr dickes Nachtgewand spürte, und wand sich unter seinem Griff. Er hielt sie weiter fest, doch warf ihr einen entschuldigenden Blick zu.

„Lass mich los," forderte sie, packte seine Hände am Handgelenk und versuchte, sie wegzudrücken, „wage es nicht, mich anzufassen, du…"

Er hielt erschrocken beide Hände in die Luft, doch seine Verblüffung verwandelte sich schnell in Ärger.

„Es tut mir Leid, Virginia," sagte er mit blitzenden Augen, „deine Mutter hat mich beauftragt, dich zu inspizieren, um herauszufinden, was mit dir nicht stimmt."

Sie inspizieren? Was war sie, ein Besen? Sie musste nicht ‚inspiziert' werden, weil sie sehr wohl wusste, was mit ihr nicht stimmte!

„Ich. Habe. Verdammt. Nochmal. Lungenentzündung," sagte sie laut und langsam.

Er sah sie, immer noch leicht verärgert, an.

„So etwas gibt es nicht," schnappte er zornig, auch wenn sie einen Hauch von Geduld heraushören konnte, „ich bin hier der Arzt und nicht du, Virginia. Also leg dich jetzt wieder hin und…"

„Ich soll mich von deinen Spinnenhänden anfassen lassen? Das glaub ich aber nicht!" fauchte Ginny zurück. Irgendwoher nahm sie den Mut, so mit ihm zu sprechen, doch sofort nachdem die Worte ihren Mund verlassen hatten, bereute sie sie schon. Jetzt hatte sie ihn sicher wütend gemacht und konnte ihrem schönen Leben als Prinzessin auf Wiedersehen sagen. Oder auch als irgendetwas anderes. Tom blickte einen Moment auf seine Hände, als wäre er beleidigt, weil sie sie als spinnenähnlich bezeichnet hatte, dann sah er sie gereizt an.

„Es tut mir Leid, dass du das so empfindest," sagte er kalt und es hörte sich gar nicht verständnisvoll an, „aber ich werde tun, was deine Mutter wünscht. Und du wirst es zulassen."

Ginny fühlte eine neue Welle von Angst über sie hereinbrechen, und schluckte schwer. Offensichtlich hatte sie sich gerade in ziemliche Schwierigkeiten gebracht. Sie fühlte sich müde und erschöpft, und konnte jetzt auch nichts mehr zurücknehmen, was sie gesagt hatte. Wenn sie versuchte zu fliehen, hätte er sie eingeholt und zurück ins Bett gesteckt, bevor sie die Tür erreicht hätte, oder sie würde eine Weile im Schloss herumrennen, bevor sie wieder zusammenbrach. Aber sie konnte sich von ihm nicht befühlen lassen! Sie mochte es nicht einmal, wenn ein richtiger Arzt sie so anfasste, schon gar nicht Tom Riddle. Was sollte sie tun? Sie konnte ihn nicht davon abhalten. Sie schluckte noch einmal, nickte kurz und schloss fest die Augen.

Bitte, lass es schnell vorbei sein.

So schlimm war es gar nicht. Er drückte nur auf ihren Bauch und betastete ihre Seiten, was sie sonst eigentlich kitzelte, aber wenn er es tat, ließ es sie nur zusammenzucken. Dann fühlte er ihren Puls und schlug die Ärmel ihres Nachthemds zurück, um ihre Arme begutachten zu können.

Als ob irgendetwas mit meinen Armen nicht stimmte, dachte sie freudlos. Das Schlimmste war, als er den Saum ihres Nachtgewandes zurückschlug, um ihre Beine zu sehen. Er ging nicht höher als die Mitte der Oberschenkel, aber es war trotzdem eine der schlimmsten Demütigungen in Ginnys ganzen Leben. Schließlich schlug er das Nachthemd wieder hinunter und stand seufzend auf.

„Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Virginia," sagte er ohne jeglichen Zorn in der Stimme und wieder mit dem aufgesetzten ‚Doktor-Ton', „ich habe so etwas noch nie gesehen."

Ginny öffnete die Augen, um ihn anzusehen. Sie biss sich schnell auf die Zunge, um sich davon abzuhalten, ihm noch einmal zu sagen, dass sie wusste, was sie hatte. Er fing ihren Blick und lächelte.

Wie kann er seine Bosheit nur so gut verbergen?, fragte sie sich und konnte ihre Augen nicht von seinen abwenden. Wie kann er es verbergen, wenn es doch seine tiefste Seele berührt und ihn wie Gift durchdringt?

Sein Lächeln war sanft und einfühlsam, doch für einen Moment glaubte Ginny etwas in seinen Augen aufblitzen zu sehen. Etwas Dunkles und Gefährliches, das zeigte, wer er wirklich war und was er werden würde. Weil es sofort wieder verschwand, hätte Ginny wahrscheinlich gedacht, sie hatte es sich nur eingebildet, hätte sie ihn nicht besser gekannt.

Es war da. Ich weiß es.

„Ich habe vielleicht etwas, das dir hilft," sagte Tom, nachdem sie sich für ein paar Sekunden wortlos angestarrt hatten, „ich werde bald einen Diener damit schicken, Versuche dich noch ein wenig auszuruhen."

Er drehte ihr den Rücken zu und es sah so aus, als würde er endlich gehen. Aber nach dem ersten Schritt, blieb er plötzlich stehen und drehte sich auf dem Absatz um. Ginny stockte der Atem, als ihr klar wurde, dass er wieder die Hand nach ihr ausstreckte. Sie kniff noch einmal die Augen zusammen, wie sie es auch die letzte halbe Stunde getan hatte. Da spürte sie, wie seine sanften, eisigen Fingerspitzen ihre Stirn berührten und ihr schweißnasses Haar wegwischten. Überrascht riss sie die Augen auf und sah diesen Blick in seinen Augen. Wie ein Tier, das auf seine Beute lauerte. Sie musste alle Kraft aufwenden, um nicht laut um Hilfe zu rufen. Ihre Augenlider schlossen sich wieder und sie betete, dass er nun endlich ging.

Lass mich einfach in Ruhe, schrie es in ihrem Kopf, ich weiß, wer du bist und was du vorhast! Das ist alles, was ich wissen muss. Also geh jetzt!

Ein paar Sekunden vergingen, doch Ginny hielt die Augen geschlossen. Dann fühlte sie einen kühlen Luftzug in ihrem Gesicht, öffnete die Augen und richtete sich, auf die Ellbogen gestützt, auf.

Die Tür stand offen, es wehte kalte Luft herein und ihr Zimmer war leer. Tom Riddle war verschwunden. Sie stieß einen zitternden Seufzer der Erleichterung aus und legte sich zurück auf die Kissen. Jetzt, wo er weg war, konnte sie wieder klar denken.

Die ganzen Schmerzen ihrer Krankheit kamen zurück und sie konnte plötzlich wieder fühlen, wie der Schweiß von ihrem Gesicht strömte. Die Angst hatte vorher alles betäubt. Sie ließ seinen Besuch noch einmal in Gedanken vorbeiziehen. Oh mein Gott, sie hatte sich wirklich schrecklich kindisch aufgeführt. Jetzt fielen ihr Millionen von Sachen ein, die sie anders hätte machen können, oder wie sie die Situation viel reifer hätte meistern können. Aber sie hatte sich wie ein verängstigtes Tier zusammengerollt und nichts mehr gesagt. Er musste denken, sie sei schwach – wahrscheinlich meinte er, er könne mit ihr machen, was er wolle. Sie hätte kämpfen müssen, als er ihr gesagt hatte, das er sie ‚inspizieren' würde. Nicht einfach hinlegen und es über sich ergehen lassen.

Natürlich denke ich das jetzt, da ich außer Gefahr bin, dachte sie und brach in einen Hustanfall aus. Ich bin sicher, dass ich mich trotzdem immer so verhalte, wenn er in der Nähe ist.

Und auch wenn sie sich schämte, solche Angst zu haben, konnte sie sich auch nicht selbst die Schuld geben. Sie hatte schon immer einen Stich im Magen gespürt, wenn jemand Voldemort erwähnte, auch wenn derjenige ihn nur Du-weißt-schon-wen nannte. Und es war nicht Voldemort gewesen, der sie einst bedroht hatte – es war Tom Riddle. Der junge Tom Riddle, bevor er sich so vielen Verwandlungen unterzogen hatte und der schreckliche Schwarze Lord geworden war. Sogar vor seiner Verwandlung war er mächtig genug gewesen, sein Selbst in einem Tagebuch zu bewahren und Ginnys Körper zu übernehmen, um sie machen zu lassen, was er wollte. Das zeigte deutlich, wie viel Macht er hatte und wie böse er schon als Jugendlicher gewesen war. Nur weil er nicht wie Voldemort aussah und es auch noch nicht war, hieß das nicht, dass er sie nicht verletzen konnte. Je länger sie darüber nachdachte, desto mehr Fragen hatte sie. Ihr bessere Hälfte, die hoffnungsvollere, fragte sich die ganze Zeit, ob er überhaupt gefährlich war oder nicht. Schließlich war das hier eine andere Welt. Harry, der eigentlich ein sehr mächtiger Zauberer war, war hier ganz anders. Er hatte keine Zauberkräfte und verhielt sich auch nicht, wie er selbst. Das kam natürlich auch davon, dass er immer noch seinen Vater hatte, seine Mutter jedoch viel brutaler ums Leben gekommen war, als in Ginnys Zeit. Hieß das also, dass Tom Riddle ein ganz normaler, alltäglicher Arzt war? Er hatte sich jedenfalls wie einer verhalten. Außer manchmal, wenn er seinen Ärger gezeigt hatte. Da hatte er sie völlig verängstigt. Die andere, realistischere Hälfte von ihr fühlte, dass es derselbe Tom Riddle wie aus der Zukunft war. Während ihres ersten Jahres, als sie langsam den Verdacht schöpfte, dass es vielleicht er war, der sie beherrschte und diese Dinge tun ließ, hatte sie sich seltsam gefühlt, wenn sie ihm im Tagebuch geschrieben hatte. Es war, als würden ihr Eiswürfel den Rücken hinuntergleiten und ihr Magen zog sich zusammen. Genauso hatte sie sich gefühlt, als er den Raum betreten hatte, nur dass sich auch noch ihre Kehle zusammengeschnürt hatte und sie sich fast übergeben hatte müssen.

Ginny ließ ihre Augen zufallen und versuchte ihre Gedanken abzuschalten, weil sie nichts mehr wusste, als Schlaf und Vergessen. Aber ein paar Minuten später kam Maria mit einem silbernen Kelch zurück. Sanft stupste sie Ginny wach.

„Trinkt das, meine Liebe, und dann könnt Ihr weiterschlafen," sagte Maria leise. Ginny unterdrückte ein Stöhnen und setzte sich schwer atmend auf. Maria half ihr und ließ sie sich bequem hinsetzen bevor sie ihr den Kelch reichte. Ginny wollte schon einen Schluck nehmen, als sie kurz daran roch. Mit einer Grimasse ließ sie den Becher sinken.

„Wie eklig," murmelte sie, „was ist das für Zeug?"

Maria schenkte ihr ein kleines Lächeln. „Thomas hat es für Euch zubereitet. Er sagte, es würde helfen."

Ginny brachte einige Sekunden bis sie realisierte, wer Thomas war. Dann brachte sie hervor, „Meinst du Tom Riddle?"

Maria sah sie leicht verwirrt an und sagte langsam, „Ja, Thomas Riddle."

„Sein Name ist Tom," murmelte Ginny sehr leise und starrte in die rosafarbene Flüssigkeit in ihrem Kelch. Sie erinnerte sich, wie Harry ihr einst erzählt hatte, wie Riddle die Buchstaben vertauscht hatte. Wie aus ‚Tom Vorlost Riddle' ‚Ist Lord Voldemort' geworden war. Wenn sein Name Thomas war, würde das nicht mehr so richtig funktionieren.

Maria öffnete den Mund, um zu widersprechen, doch überlegte es sich dann besser. Ginny hielt ihr den Kelch hin, sie konnte nichts trinken, was Tom Riddle zusammengebraut hatte. Auch wenn sie ihr Gehirn wegen allem, was sie je in Snapes Unterricht gelernt hatte, durchforstete, konnte sie sich an kein Gift erinnern, das so aussah, wie die Substanz in dem Becher.

Ich bin hier in einer anderen Welt, erinnerte sie sich selbst. Außerdem ist Tom Riddle mächtiger als normale Zauberer. Er kann aus allem Gift machen. Und überhaupt musste es ja auch kein Zaubertrank sein, er konnte auch einfach Rattengift daruntermischen, um den Gebrauch von Magie zu vermeiden.

Dann traf sie ein neuer Gedanke. War dieser Tom magisch? Sie hatte keine Ahnung, aber sie vermutete, dass er es war.

„Trinkt es, Hoheit," forderte Maria sanft und nahm den Becher nicht an, den Ginny ihr entgegenhielt.

„Das werde ich nicht."

Ginny fing plötzlich an zu husten, was ihren Körper in Bewegung brachte. Ein wenig der pinken Flüssigkeit schwappte über den Rand des Kelches, und lief an Ginnys Hand herunter auf das Bettlaken. Maria sprang auf und suchte nach einem Lappen, um es aufzuwischen. Sie sah finster drein. Ginny bemerkte, dass sie sie wütend gemacht hatte.

Hätte nicht gedacht, dass sie sich wegen diesem bisschen verschüttetem… was-weiß-ich gleich so aufregt.

„Thomas hat uns erzählt, wie Ihr auf ihn reagiert habt," fing Maria an und konzentrierte sich darauf, die Decke sauber zu wischen. Fast ein bisschen zu energisch, „er hat gesagt, dass Ihr ihn angefaucht habt und Euch nicht habt anfassen lassen."

Ginnys Augen weiteten sich. „Ich hab ihn nicht angefaucht," rief sie, „und außerdem will ich nicht, dass er mich anfasst."

„Um Himmels Willen, Ginny, er ist Arzt," schnappte Maria und riss den Kopf hoch, um ihr in die Augen zu sehen, „er ist einer der besten Ärzte, die die Welt je gesehen hat. Ihr solltet froh sein, dass Ihr eine solche Versorgung bekommt. Wenn es einen Weg der Besserung für Euch gibt, wird Tom ihn finden."

Ginny schluckte. Marias harter Ton überraschte sie.

„Verzeiht mir, wenn ich es sage, Hoheit," fuhr sie fort, „und ich weiß, dass ich es eines Tages bereuen werde und es mir wahrscheinlich meinen Job kosten wird, aber Ihr seid die verwöhnteste Person, die ich je gesehen habe. Gerade habt Ihr angefangen, Euch für ein paar Tage zu benehmen und ich dachte schon, ihr würdet Euch bessern, da macht Ihr dem am Höchsten angesehenen und am Meisten benötigten Arzt in dieser Welt eine Szene. Ihr schreit ihn an und beleidigt seine Hände!"

Ginny konnte sich ein bitteres Lachen nicht verkneifen.

„Seine Hände?" fragte sie ungläubig, „Du bist sauer auf mich, nur weil ich seine bescheuerten Hände beleidigt habe? Ich kann gar nicht glauben, dass er dir das überhaupt erzählt hat!"

Etwas blitzte in Marias Augen auf, bevor sie sich schnell wieder dem Schrubben des Bettlakens zuwandte.

„Er hat es mir nicht erzählt," sagte sie leise und offensichtlich beschämt, „ich habe draußen vor der Tür gehorcht."

Ginny blinzelte, nich sicher, ob sie richtig gehört hatte. Maria konnte dafür gefeuert werden. Und sie sagte es ihr auch noch?

Sie schluckte, um den Klumpen in ihrem Hals loszuwerden.

„Ahja," sagte sie, unsicher, was sie auf so etwas antworten sollte.

„Bitte vergebt mir, Hoheit," flüsterte Maria, „Eure Mutter hat es angeordnet. Sie wollte sichergehen, dass Ihr sie nicht vor so einem wichtigen Gast blamiert."

„Das habe ich, glaub ich, getan," sagte Ginny schlicht, „also bist du gegangen und hast ihr alles erzählt, was ich zu Thomas gesagt habe?"

Maria sah wieder auf. „Nein, habe ich nicht. Ich hatte noch keine Gelegenheit dazu."

„Hör auf damit," sagte Ginny genervt und schob Marias Hand mit sanfter Gewalt vom Bettlaken. Dann seufzte sie schwer. „Ich bin erschöpft. Ich werde jetzt ein bisschen schlafen, damit ich wenigstens noch ein paar Minuten Ruhe habe, bevor die Kön- äh, meine Mutter kommt, um mich zusammenzuschreien."

Sie hielt Maria den Becher hin, aber sie wollte ihn immer noch nicht nehmen.

„Trinkt es, bitte," sagte sie nachdrücklich, „ich vertraue Thomas. Es wird dir danach besser gehen."

Das alte, warme Glitzern war wieder in ihren Augen und Ginny bemerkte mit Erleichterung, dass sie nicht mehr sauer auf sie war. Aber sie war immer noch verärgert genug, um es fertig zu bringen, alles was sie über Tom Riddle gesagt hatte, ihrer Mutter zu erzählen.

„Ich gehe nicht, bevor Ihr das nicht getrunken habt," sagte Maria und verschränkte die Arme, als würde sie sich auf eine längere Wartezeit vorbereiten. Ginny dachte einen Moment nach. Sie wollte wirklich schlafen und nicht gestört werden, denn dabei musste sie sich um nichts sorgen. Außerdem war sie nahe daran, ohnmächtig zu werden. Sie hatte sich für jemanden mit Lungenentzündung ganz offensichtlich zu sehr angestrengt.

„Wie wär's," fragte sie schläfrig, „wenn ich das jetzt trinke und du dafür meiner Mutter nichts von meinen Worten zu Tom Riddle erzählst?"

Maria blinzelte. „Natürlich werde ich ihr nichts sagen," versprach sie.

Ginny nickte befriedigt. Also würde sie eben dieses beknackte Gesöff trinken, damit sie endlich schlafen konnte. Und wenn sie nie wieder aufwachte? Das wäre sehr erleichternd. In diesem Leben ging sowieso alles schief… Sie führte den Becher zu ihren Lippen und trank, erst vorsichtig und langsam. Das Getränk war angenehm kühl und schmeckte nach Kirschen – oder Erdbeeren, sie erkannte den Unterschied nie. Es floss ihr ohne Mühe die Kehle hinunter und ließ sie sich sofort etwas kühler fühlen. Sie trank den Kelch ganz aus und gab ihn Maria zurück. Dann ließ sie den Kopf auf die Kissen sinken, und hörte schon fast gar nicht mehr, wie Maria den Raum verließ.

Wenn es Gift war, werde ich wahrscheinlich nie wieder aufwachen.

Der Gedanke hielt sie nicht länger wach, stattdessen fiel sie in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

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Please let me know what you think!

At IAmFallen: Und? Wie ist es dir mit dem Englischen gegangen?

At Dragonies: Stimmt! Sie ist wirklich manchmal etwas unelegant… wenn man sie jetzt mit Sissi vergleicht, XD! Draco wird sich bald um Ginny kümmern… XD

At Kissymouse: Nein, sie hat bloß eine ganz normale Krankheit, aber das ist auch schon schlimm genug, find ich… xtraurigistx

At Sunnylein: Ich versuchs ja! Das 8. Chap wird vielleicht auch noch rechtzeitig kommen… hoffe ich!

At skateZ: DANKE! Find ich total schön, dass es dir gefällt!

At Aldavinur: Nein, nicht zu Dumbledore, zu jemand ganz anderen, wie du gerade (hoffentlich) gelesen hast! Armes Ginnylein…

At Sita Z: Find ich lieb!

At Dieutrixx: Und? Wie hat dir das Original gefallen?

At Lara-Lynx: Aber ich find, dass Prinzessin Ginny auch nicht ganz unschuldig ist, weil sie Harry ja auch immer fertiggemacht hat… da muss ich ja schnell weitermachen, damit du dich noch beherrschen kannst…XD

At marabelle: Danke! Schön, dass du es magst!

At nachtschatten: Da zeigt er dann sein Wahres Ich, ganz unrasiert und widerlich! xsingzx Noch mal !Dange! fürs Betalesen!

At Lintu14: Find ich auch voll gemein, was Ginnys Eltern da gemacht haben…xheulx

At ArchAngelAzrael: Ne, den brauchst sie schon noch selber, zum Gesundpflegen…XD

At bbabygirl90: Stimmt! Das 6. Chap ist eins der Traurigsten…xheulx

At D.V.G.M.1: Hast Recht! Dauert echt ewig, was zu übersetzen… Da hockt man eine Stunde da, und am Ende hat man wieder bloß tausendfünfhundert Wörter übersetzt! Sehr frustrierend, manchmal…XD

At h0n3ym0on: Ich mag Harry auch nicht besonders… Ist langweilig… Hast du vielleicht irgendetwas gegen 14-jährige Leute????? xentrüstetschaux; und außerdem: mein Inneres Kind ist 16… (ich hab da mal so einen Fun-Test im Internet gemacht…XDXD)

Ich hoffe, dass ich niemanden vergessen habe, weil ich zurzeit nämlich immer alles verplane, irgendwie… Nicht sauer sein!

Wenn noch jemand einen Review schreibt, während dieses Chap hochlädt wird er/sie im Nächsten erwähnt!