Disclaimer: Das ist eine Übersetzung. Weder Story noch Plot gehören mir.
Hey!
Tut mir schrecklich Leid, dass es so lange gedauert hat, aber ich musste Weihnachtseinkäufe machen und dann hatten wir auch noch so viele Schulaufgaben in der Schule… xalle im Umkreis mit Entschuldigungen überhäufx…
Das neunte Chap ist eins der längsten der ganzen Story und deswegen hab ich es in zwei Teile geteilt, weil es sonst so ein Monster ist…
Aber dafür kommt dann der zweite Teil bald, weil ich ihn auch schon fertig hab!
Hoffe, dass ihr mir trotzdem noch reviewt, auch wenn ich so treulos ewig nicht upgedatet hab!!
Schöne Weihnachten!!! XD
All You Need Is Love
9. Der Ball
Teil 1
Auch wenn Draco sie nach ihrem Kuss nie besuchte, auch wenn sie ständig Alpträume von der Ermordung der Kinder hatte und sie Toms pinken Trank noch ein drittes Mal nahm, wurde Ginny langsam wieder gesund. Es schien ihr, als wären es Monate gewesen, in denen sie nur im Bett gelegen und geschwitzt hatte, und außer den dumpfen Schmerzen in ihrem Körper nichts als die Angst vor den Träumen gespürt hatte. Aber schließlich geschah es doch – endlich war sie geheilt. Die Alpträume halfen sicher nicht dabei. Jeder einzelne war genauso, wie ihr erster – erschreckend real und fürchterlich genau. Jedes Mal war es eine andere Familie… ein anderes Kind. Doch jedes Mal waren Tom, der die Morde begang, und sein untersetzter Komplize, der das nächste Opfer hielt und manchmal ohne ersichtlichen Grund heiser auflachte, beteiligt. Sie hatte ihren ersten Alptraum in der Nacht nach ihrer ‚Vision' gehabt; es war dasselbe Gefühl, doch nun schlief sie dabei. Es ging so weit, dass sie sogar Angst davor hatte, ihre Augen zu schließen; an Schlaf war gar nicht zu denken, doch am Ende überkam sie die Erschöpfung, sie schlief doch ein und träumte. Die ersten Male war sie schreiend aufgewacht und Maria war sofort an ihrer Seite gewesen. Sie hatte Ginny immer wieder gebeten, ihr zu sagen, was los war und was in ihren Alpträumen geschah, doch Ginny hatte ihre Stimme nicht gefunden. Sie hatte schrecklich gezittert, ihren Kopf geschüttelt und die Decke fester um sich gewickelt, als ob das irgendetwas helfen würde. Maria hatte dann immer geschwiegen und Ginnys schwitzige Hand gehalten bis sie wieder einschlief. Nach ein paar weiteren Träumen schaffte Ginny es, ohne so viel Krach aufzuwachen. Die Decke und ihr Nachthemd waren fest um ihren Körper gewickelt, durchnässt von kaltem Schweiß und ihr Haar klebte an ihrer Stirn und Genick, doch sie keuchte nur auf, erleichtert, dass es vorüber war. Dann war sie wachgelegen, hatte den Baldachin über ihr angestarrt und versucht an nichts zu denken, bis die ersten Sonnenstrahlen durch die Vorhänge ihres Himmelsbettes drangen. Es war ein Wunder, dass sie überhaupt wieder gesund wurde, bei dem Schlafmangel, der Appetitlosigkeit und der schmerzenden Einsamkeit, unter der sie litt. In der Nacht des 13. Dezembers hatte sie Toms Trank ein letztes Mal genommen, war eingeschlafen, hatte einen schrecklichen Alptraum gehabt, war aufgewacht und für die restlichen drei Stunden bis zur Morgendämmerung wieder eingeschlafen.
Doch schließlich wachte sie am Morgen des 14. auf, fühlte sich schwach und müde, doch fieberfrei. Ginny setzte sich auf und schlug die Decke zurück. Sie hatte in der Nacht zuvor sehr geschwitzt; sie war sich sicher, dass sie da noch Fieber gehabt hatte. Aber anscheinend war es übernacht verschwunden. Und wenn sie nicht so froh gewesen wäre, wieder gesund zu sein, hätte sie sich sicher gewundert. Ihre Augenlider fühlten sich schwer an und sie wollte nichts mehr, als in die Kissen zurückfallen und weiterschlafen. Aber sie fürchtete sich vor den Alpträumen, die sie im Schlaf heimsuchten und so zwang sie sich aufzustehen.
Wie auf Befehl öffnete Maria in genau diesem Moment die Tür. Ginny beobachtete ihren Gesichtsausdruck – sie sah erschöpft aus, ihre Mundwinkel leicht nach unten gezogen, die Augen glanzlos. Doch als sie Ginny sah, die auf ihren Füßen stand ohne zu schwanken, hellte sich ihre Miene sofort auf.
„Oh Hoheit, fühlt Ihr Euch besser?" rief sie aus, wuselte herüber und warf ihre Arme um Ginny. Ginny konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.
„Ja, tue ich," antwortete sie und beugte sich ein wenig hinunter, um Marias Umarmung erwidern zu können. Maria löste sich von ihr und presste ihr, immer noch mit einem schrecklich glücklichen Ausdruck auf dem Gesicht, eine Hand auf die Stirn.
„Euer Fieber ist verschwunden," stellte sie fröhlich fest, „Ihr fühlt Euch normal an. Wie geht es Eurem Hals? Ist es besser?"
„Viel besser," sagte Ginny und hob eine Hand, um sich das Genick zu massieren, „Ich denke, dass ich wieder gesund bin."
Nur dass ich keine einzige Nacht durchgeschlafen habe, fügte sie in Gedanken hinzu. Maria sah sie immer noch an, doch die fröhliche Miene verwandelte sich in Besorgnis.
„Ihr habt die letzten Nächte nicht gut geschlafen, hab ich Recht?" fragte sie, als ob sie Gedanken lesen könnte. Ginny blinzelte vor Verwirrung.
„Was?" fragte sie dümmlich. So eine Frage hatte sie nicht erwartet. Maria schnalzte mit der Zunge und seufzte.
„Erst dachte ich, es sei die Krankheit, die Euren Augen diesen gehetzten Blick verleiht, doch sie kann es nicht sein, das die Angst in Euren Augen hervorruft," sagte sie, „schaut Euch doch im Spiegel an."
Ginny ging widerstrebend zu dem großen Spiegel hinüber. Ihr Spiegelbild starrte sie aus müden dumpfen Augen an, und die käsige Haut, die dunklen Schatten unter ihren Augen und ihre angespannter Mund waren nicht zu übersehen. Maria hatte Recht – sie sah wirklich gehetzt aus. Und verschreckt.
Natürlich bin ich verschreckt, dachte sie verbittert, und wenn sie gesehen hätte, was ich in den letzten Nächten gesehen habe, würde sie auch Todesängste ausstehen.
„Kommt, Liebes, Ihr braucht ein Bad," sagte Maria sanft und nahm sie vorsichtig am Arm, „Vielleicht hilft es ein bisschen."
Gute Idee!
Ginny hatte sich nie ordentlich gewaschen, seit sie an diesem gottverdammten Ort angekommen war. Sie war nur mit einem nassen Schwamm gesäubert worden, während sie zu schwach gewesen war, das Bett zu verlassen. Dankbar löste sie ihren Blick vom Spiegel und folgte Maria aus dem Zimmer. Die Wanne war sehr kunstvoll gearbeitet, vor allem weil Ginny nur einen hölzernen Bottich erwartet hatte. Aber sie war ja königlich und Könige verdienten nur die besten Badeutensilien des 17. Jahrhundert. In diesem Moment fand sie es gar nicht mehr so schlimm, Prinzessin zu sein. Zuerst lief Ginny schrecklich rot an, als sie völlig unbekleidet vor Maria stand, doch diese schien nichts zu bemerken. Doch als sie sich schließlich in das warme Wasser sinken ließ, schämte sie sich nicht mehr und seufzte glücklich. Es war das Beste, was sie erlebt hatte, seit sie hier angekommen war.
Außer vielleicht, sagte eine kleine Stimme in ihrem Kopf, Dracos Kuss.
Sie hatte nicht viel Zeit über diese Sache nachzudenken, denn im nächsten Moment schüttete Maria noch einen Kübel heißen Wassers über den Kopf. Sie erschrak, weil sie es nicht erwartet hatte und bekam Wasser in die Nase.
„Dankeschön," sagte sie ein wenig schnippisch und sarkastisch, während sie sich mit einer Hand die Haare aus den Augen wischte. Maria schenkte ihr ein kleines Lächeln und sah aus, als wüsste sie nicht, was sie falsch gemacht hatte. Sie kniete sich neben die Wanne mit einem Klumpen Seife in der Hand, der aber dennoch frisch aussah. Sie tunkte ihn ins Wasser, um ihn zu befeuchten und fing an, Ginnys Rücken zu waschen.
„Ich bin noch nicht verkrüppelt, weißt du," sagte Ginny belustigt und rutschte nach vorne, um der Seife zu entgehen, „Ich kann mich schon selbst waschen. Du musst das nicht machen."
Maria sah sie überrascht an, dann zuckte sie mit den Achseln.
„Wenn Ihr wollt, Hoheit, wie Ihr wünscht. Ihr ward jedoch nie so scharf darauf gewesen, Euch selbst zu waschen. Wahrscheinlich-,"
Doch sie brach plötzlich mit verwirrter Miene ab, bevor sie sie breit anlächelte.
Wahrscheinlich weil ich eine kleine, faule Schlampe bin?, beendete Ginny den Satz in Gedanken, und lächelte Maria wissend an, als diese aufstand und ihr die Seife gab.
Maria setzte sich auf einen Stuhl in der Nähe und nähte an etwas herum, das aussah, wie der Saum eines Kleides, während Ginny sich wusch. Als Ginny sie fragte, mit was sie ihre Haare waschen sollte, lachte sie ungläubig auf.
„Was ist das in Eurer Hand, Hoheit?"
Als Ginny die Seife in ihrer Hand stirnrunzelnd betrachtete, fiel ihr plötzlich ein, dass es ja kein Shampoo gab. Seufzend schmierte sie sich die Seife in die Haare und hatte schon jetzt Angst vor den Haarknoten, die das ergeben würde. Das Bad schenkte ihr 10 Minuten Wärme und eine kurze Pause von den schrecklichen Gedanken, die in ihrem Kopf herumschwirrten. Sie schaffte es, sich auf nichts anderes als das Waschen zu konzentrieren und wollte nie wieder aus diesem angenehmen Bad aussteigen. Nur als das Wasser langsam wieder abkühlte, sie mit Waschen fertig war und nichts mehr anderes zu tun hatte, als dazusitzen und sich an ihre Träume zu erinnern, stand sie schließlich auf und bat um ein Handtuch. 20 Minuten später war sie wieder fest verschnürt und in ein Kleid gequetscht, das ihr um die Brust um ungefähr 2 Nummern zu klein war. Auch wenn sie das weiße Nachthemd langsam verrückt gemacht hatte, bekam sie nun die Vorzüge von ihm zu spüren. Sie mochte das Atmen doch irgendwie sehr gerne. Das Bad hatte ihrem Teint zwar ein wenig geholfen, doch noch immer waren dunkelblaue Schatten unter ihren Augen zu sehen und egal, wie sehr sie versuchte, breit zu lächeln, ihre Augen wollten einfach nicht aufleuchten. Dann war es Zeit für Frühstück. Ginnys Magen knurrte sogar schon bei dem Gedanken.
Endlich mal wieder etwas Richtiges zu essen, dachte sie.
Und auch wenn es für sie komisch klang, wollte sie Draco wieder sehen. Tief in ihrer Seele dachte sie, dass der Kuss vielleicht einige Dinge zwischen ihnen geändert hatte. Nun, da sie wieder gesund war, schien alles nur noch halb so schlimm. Sie würde hier wieder wegkommen – sie konnte nicht ewig hier bleiben müssen. Die Träume würden auch irgendwann aufhören, wenn sie wieder in Hogwarts war. Und Dracos Kuss war wirklich nicht so schrecklich gewesen. Es war einfach ein schlechter Zeitpunkt gewesen.
Doch als sie den Speisesaal betrat, fand sie nur ihre Eltern vor. Bevor sie weiter hinein ging, wisperte sie über die Schulter zu Maria, „Wo ist Draco?"
„Er ist heimgefahren, Hoheit," antwortete Maria, ganz so als hätte Ginny das selbst wissen müssen, „er wird in ein paar Tagen für die Hochzeitsvorbereitung zurück sein."
Daheim?
Ginny fühlte sich plötzlich, als kippte der Boden unter ihr weg. Jetzt war sie wieder ganz allein und sie setzte sich wie betäubt an ihren gewohnten Platz. Halb hörte sie, wie ihre Mutter darüber schwafelte, wie großartig es doch sei, dass sie wieder gesund war und dass sie schon Angst gehabt hätte, Ginny müsse sterben, doch Ginny hörte nicht wirklich zu. Sie war sich nicht sicher, warum sie sich so kaputt fühlte. Draco hatte gehen müssen. Und er hatte wahrscheinlich auch gar nicht bleiben wollen. Sie war die ganze Zeit krank gewesen und hatte ihm so auch keine Gesellschaft leisten können. Gar nicht zu erwähnen, dass er ihre Gesellschaft wahrscheinlich gar nicht mochte. Doch trotzdem zog sich ihr Magen schmerzhaft zusammen und sie konnte nicht viel essen, obwohl es ihre erste richtige Mahlzeit seit langem war. Als sie fertig war, entschuldigte sie sich selbst und verließ den Raum.
Also, dachte sie, als sie langsam den Korridor hinunterging, jetzt muss ich noch ein paar Tage herumkriegen. Was soll ich bloß die ganze Zeit machen?
Als erstes würde sie sicherstellen, dass Tom endlich verschwand. Sie wollte ihn nicht mehr hier im Schloss haben. Wenn sie Glück hatte, verließ er die Stadt und vielleicht sogar das Land. Dann würden die Morde endlich aufhören.
Aber wenn sie es nicht tun, überlegte sie, muss ich dem selbst ein Ende machen. Ich werde schon jemanden finden, der Tom bei einem Mord beobachtet hat.
Ganze 6 Familien waren während ihrer Krankheit erstochen worden. Und sie hatte von jedem einzelnen geträumt, sogar von denen, die passiert waren, bevor sie krank geworden war und diese Alpträume bekommen hatte. Manchmal sah sie die Ermordung der gleichen Familie zwei Nächte hintereinander. Doch egal wann und wie, die Träume waren nie prophetisch. Sie träumte von den Morden, nachdem sie passiert waren. So konnte so nicht anhand ihrer Träume sagen, welche Familie als nächstes dran sein würde. Vielleicht konnte sie irgendwann Tom bei seiner regelmäßigen Visite zu anderen ‚Patienten' verfolgen. Sie konnte sich verstecken und warten, bis er das Morden anfing und dann Leute holen, die die Tat bezeugen konnten. Sie fühlte sich etwas besser, als dieses Problem gelöst war, doch es gab auch noch andere Schwierigkeiten, die aus der Welt geschafft werden mussten. Zum Beispiel wie sie zurück in ihre eigene Zeit kommen sollte. Sie erinnerte sich an diese Frau, die Maria erwähnt hatte.
Alexandria. Ich könnte sie besuchen… Vielleicht weiß sie, was passiert ist.
Es war kein guter Plan, doch es war das einzige, was ihr einfiel. Bevor sie noch mehr über dieses Thema nachdenken konnte, hörte sie Schritte nahen. Sie hielt an und drehte sich um. Für einen Moment dachte sie, es sei Tom und der Atem blieb ihr im Hals stecken. Aber als er näher kam, erkannte sie mit Erleichterung, dass es nur Harry war.
Tom ist nicht der einzige Mensch mit schwarzen Haaren, sagte Ginny sich selbst und fühlte sich unwohl, weil sie ihn mit Harry verwechselt hatte.
„Hoheit," sagte Harry, als er sah, dass sie ihn nun anblickte. Er ging weiter bis er bei ihr war und begegnete kurz ihrem Blick. Mit seinen Händen umklammerte er etwas.
„Prinz Draco hat befohlen, Euch das zu geben."
Er streckte die Hand aus und hielt ihr ein Stück zusammengefaltetes Pergament hin.
Ginny sah ihn verwirrt an, doch es verwunderte sie eher, dass Draco ihr überhaupt eine Nachricht hinterlassen hatte. Sie nahm es Harry ab und entfaltete es schnell. Es war eine kurze Nachricht, eng, doch hoch mit schwarzer Tinte geschrieben.
Ich werde Dumbledore besuchen. Wenn ich etwas herausfinde, schicke ich dir eine Notiz.
Als sie das Blatt umdrehte und nicht mehr fand, wurde ihr klar, dass das alles war. Keine Unterschrift, gar nichts.
„Draco hat dir das gegeben?" fragte sie zweifelnd. Hätte Draco von allen Dienern gerade Harry beauftragt, es zu überbringen?
Er nickte kurz als Antwort.
„Na gut… danke," sagte sie schließlich und faltete das Pergament wieder zusammen. Harry nickte noch einmal und wandte sich zum Gehen. Während Ginny beobachtete, wie er ging, fühlte sie, dass sie nichts mehr wollte, als dass er blieb. Wenn sie schon hier ohne Draco feststeckte. Wollte sie wenigstens mit Harry ein wenig Zeit verbringen… mit ihm konnte sie auch ein bisschen reden. Bevor sie sich selbst aufhalten konnte, fing sie schon an zu reden.
„Warte, Harry."
Er hielt an, doch drehte sich nicht um.
„Ja, Hoheit?" Dieses Mal konnte sie das Gefühl in seiner Stimme nicht lesen. Sie dachte schnell nach, unsicher, was sie sagen sollte, damit er nicht ging.
„Äh… weißt du, wo Alexandria wohnt?"
Bei diesen Worten drehte er sich mit gerunzelter Stirn um und seine Miene war verständnislos.
„Alexandria?" wiederholte er langsam, „ich weiß nicht genau, wer das ist."
Sie fühlte, wie sich ihre Wangen rot verfärbten, auch wenn sie nicht wusste warum.
Es ist ein Reflex. Immer wenn jemand in der Nähe ist, der aussieht wie Harry Potter, auch wenn er sich nicht so verhält, werde ich rot.
„Maria hat mir von ihr erzählt," erklärte sie, „sie sagte, dass… dass Alexandria magisch sei."
Sie hatte eigentlich eine größere Reaktion erwartet, doch Harry nickte nur. „Ich denke, ich weiß jetzt, von wem Ihr sprecht."
„Würde es dir dann etwas ausmachen, sie zu mir zu schicken?"
Er starrte sie für einen Moment an, als schien er mit sich zu kämpfen. Dann öffnete er den Mund.
„Tut mir schrecklich Leid, Hoheit, aber heute bin ich zu beschäftigt. Ich werde jemand anderes-,"
„Dann vielleicht morgen?" unterbrach sie ihn freundlich, doch entschlossen nicht aufzugeben, „Ich werde dafür sorgen, dass du von allen Pflichten befreit wirst."
Seine Miene wurde gefühllos; seine Augen verengten sich und färbten sich giftgrün.
Er hat wahrscheinlich Angst davor, dass ich ihm wehtue, dachte sie plötzlich. Bevor sie noch irgendetwas sagen konnte, antwortete er schon knapp.
„Wie Ihr wünscht, Hoheit."
XX
In Wales lag kein Schnee. Es war nicht kalt genug. Stattdessen regnete es. Draco wurde in seiner Kutsche durchgeschüttelt, in der er seinem strohhaarigen Dienstjungen gegenüber saß. Bevor sie eingestiegen waren, als Draco vorgeschlagen hatte, er solle doch mit ihm in einer Kutsche fahren, hatte das Gesicht des Jungen kurz aufgeleuchtet und er hatte so überrascht ausgesehen, dass Draco schon befürchtet hatte, er würde sich gar nicht mehr einkriegen. Doch schließlich war er entschlossen als erster eingestiegen. Jetzt schwiegen sie beide. Der Regen, der auf das Dach trommelte und das Hufeklappern der Pferde verhinderten sowieso schon jegliche Konversation, und da ungefähr ein Dutzend Ritter zum Schutz von Draco der Kutsche voran- und nachgingen, hatte er auch nicht so viel Lust zu reden. Es waren Bezüge über die Fenster gezogen, damit kein Wasser eindringen konnte – hatten die noch nie etwas von Glasfenstern gehört? – und so konnte er nicht hinaussehen. Sein Blick wanderte über alles innerhalb der Kutsche, bis er schließlich seufzend den Kopf zurücklehnte und die Augen schloss. Aber an Schlaf war gar nicht zu denken. Die letzten paar Tage hatte er gut geschlafen – vielleicht ein wenig zu gut. Er war sich sicher, dass er den ganzen Tag verschlafen hätte, wenn Elle ihn nicht immer geweckt hätte (sie war die einzige im Schloss, die das tun konnte, ohne um ihr Leben fürchten zu müssen). Er hatte einfach nicht aufstehen wollen. Einerseits weil er einfach faul war, doch andererseits auch, weil er nicht wollte, dass sein Vater ihn angezogen sah, weil er ihn sonst wieder zwingen würde zu der Baustelle seines und Ginnys zukünftigen Wohnortes zu gehen.
„Sieh zu, dass alles nach Plan läuft," hatte König Edward schlecht gelaunt gesagt, ganz so, als hätte er andere Dinge zu tun, als seinen Sohn in die Arbeit einzuweisen. Dann war er gegangen und Draco war dort den ganzen Tag herumgehangen. Es wäre vielleicht nicht so schlimm gewesen, wenn es nicht jedes einzelne Mal geregnet hätte. Und es war kein angenehmer Frühlingsregen – es waren Kübel eisigen Wassers. Draco hatte sein kleines Privatzelt gehabt, doch das war nicht wasserfest gewesen – Regentropfen sickerten überall hinein, tropften auf seinen Kopf oder rollten seinen Nacken hinunter. Es hätte ihn nicht überrascht, wenn auch er krank geworden wäre. Doch schließlich hatte Draco es geschafft, seinem Vater auszureden, dass er die Bauarbeiten an dem neuen Schloss überwachen musste. Er sah ja nicht einmal den Sinn in dem Ganzen. Bauten sie jedes Mal, wenn ein königliches Familienmitglied heiratete, ein vollkommen neues Schloss? Als er Edward das gefragt hatte, hatte dieser bloß geantwortet, „Wir haben schon längere Zeit ein Neues gebraucht. Isabella und ich werden auch zukünftig in diesem hier wohnen und wenn ich sterbe, wird sie bei dir einziehen und dieses hier wird abgerissen werden."
Das war das Ende des Gesprächs. In den letzten Tagen hatte Draco die Persönlichkeit seines Vaters ein wenig besser durchschaut. Auch wenn er immer verärgert schien und viel herumschimpfte und sich nicht um Elle scherte, außer dass er sie fragte, ob sie ihre Hausaufgaben gemacht hatte, bemerkte Draco, dass er ihn lieber mochte, als seinen richtigen Vater. Er war viel weniger gewalttätig. Und explodierte auch nicht bei jeder Kleinigkeit oder schob jedes Unglück auf die Niederlage und den Tod Voldemorts. Teilweise war dieses Leben gar nicht so schlecht. Er hatte die komplette Kontrolle über alles. Es war ein Vergnügen, Hauselfen herumzukommandieren, doch ein noch viel schöneres es mit richtigen Menschen zu tun. In seiner eigenen Zeit gab es eigentlich niemanden, der seine Befehle befolgen würde. Hier waren sie dazu da ihm zu gehorchen. Und wenn man mal davon absah, dass die Kleidung, die er trug, kompliziert und unbequem war, konnte man nicht bestreiten, dass er in ihnen ungeheuer gut aussah. Fast jedes Outfit war für ihn persönlich entworfen worden und glücklicherweise betonten sie alle seinen Teint. Wenn es etwas gab, das er hasste – außer Tee – dann waren es Farben, die ihn verwaschen aussehen ließen. Doch hier in dieser Kutsche, weit entfernt von Wärme und Gemütlichkeit, dachte Draco nicht über Kleidung nach. Er bekam langsam schlechte Laune. Und, wie immer in letzter Zeit wenn er schlechte Laune hatte, wanderten seine Gedanken zu Ginny Weasley. Er hatte nichts von ihr gehört seit er gefahren war. Einmal hatte er seinen Stolz heruntergeschluckt und seinen Vater gefragt, wie es um sie stehe, doch dieser hatte nur ärgerlich mit den Achseln gezuckt, und wieder mit dem angefangen, wo er vorher gewesen war. Nach allem, was er wusste, könnte sie tot sein. Er hoffte inständig, dass dies nicht der Fall war, denn er würde sofort von ihren Brüdern umgebracht werden, wenn er zurück in seine Zeit käme.
„Wie lange dauert es noch bis wir da sind?" fragte Draco an Timothy gewandt, um nicht mehr über so traurige Dinge nachdenken zu müssen.
„Noch ein p- paar Minuten, Hoheit," antwortete Timothy mit einem schwachen Lächeln.
Eine Verbesserung!, dachte Draco grinsend. Er hat nur ein einziges Mal gestottert.
Es schien länger zu dauern als ein paar Minuten. Draco seufzte und starrte gedankenverloren auf die Bezüge vor den Fenstern. Er hatte keine Lust mehr zu warten. Das schien alles zu sein, was er in dieser Welt den ganzen Tag tat. Endlich hörte Draco, wie der Kutscher pfiff und die Pferde langsam zum Stillstand kamen. Einen Moment später wurde die Tür für ihn geöffnet, doch er war abgeneigt ohne Schutz in den Regen zu treten – Kälte war eine Sache, doch Kälte und Nässe zusammen waren etwas, das er nicht ertragen konnte, ohne sich zu beschweren. Zu seiner Dankbarkeit spannte der Kutscher jedoch eine Plane auf, als er aus der Kutsche hinaussah. Sie war breit, doch kurz, führte zu einem kleinen Haus und endete am Türrahmen. Langsam stieg Draco aus der Kutsche. Als er sich umsah, bemerkte er, dass das Haus mitten im Wald stand. Trotz dem Schutz der Bäume hämmerte der Regen auf die Plane. Dracos Füße versanken leicht im weichen Boden, als er auf die Tür zuging. Als er jetzt doch schließlich hier war, fühlte er sich ein wenig unwohl. Wie würde Dumbledore sein? Würde er der verrückte, alte Spinner sein, wie er ihn aus Hogwarts kannte? Oder war er ganz anders?
„Ich w- warte dr- draußen, Hoheit," rief Timothy ihm von der Kutsche aus hinterher.
Draco nickte leicht, auch wenn er sich sicher war, dass Timothy es nicht sah. Neben der Tür am Haus hing ein großes, hölzernes Schild, auf dem mit blauer Farbe geschrieben stand: ‚Albus Dumbledore – Spezialist für Magie'
Jetzt schon viel sicherer, holte Draco tief Luft und klopfte mit den Fingerknöcheln an die Tür. Es dauerte nur eine Sekunde bis die Tür geöffnet wurde und Draco in das wohlbekannte Gesicht Dumbledores starrte. Er sah immer noch genauso aus, wie in Hogwarts – dasselbe Funkeln in den blauen Augen, dasselbe freundliche alte Gesicht, dasselbe lange weiße Haar, sogar noch dieselbe Halbmondbrille. Nur die Kleidung war anders, aber nicht komisch, denn es war altmodische Kleidung und durchaus Dumbledores Stil. Sie sah nur anders aus, als Draco sie kannte. Dumbledore ließ seinen Blick über Draco wandern, bevor er in eine tiefe Verbeugung verfiel.
„Eure Hoheit," sagte er ernst und richtete sich mit einem Hauch von einem Lächeln auf den Lippen wieder auf.
„Hallo," sagte Draco verlegen, nicht sicher mit was er ihn anreden sollte. Er konnte ihn weder ‚Professor' noch ‚Direktor' nennen, doch einfach nur ‚Dumbledore' schien ihm etwas zu unhöflich. Er sprach also einfach weiter, „Ich würde gerne mit Ihnen reden, wenn sie einen Moment Zeit haben."
Dumbledore starrte ihn eine lange Zeit nur an. Seine Miene wurde ernst und er kniff die Augen zusammen, als schiene er etwas aus Dracos Gesichtsausdruck lesen zu wollen. Draco fühlte sich unwohl, weil er nicht wusste, was Dumbledore da tat. Gerade hatte er sagen wollen, dass es nicht höflich sei, andere Leute so anzuglotzen, als Dumbledore plötzlich den Mund öffnete.
„Ich weiß, warum Ihr hier seid," verkündete er dramatisch.
„Ehrlich?" fragte Draco zweifelnd. Er zog eine skeptische Augenbraue hoch.
Er könnte es auch nur vortäuschen, sagte er sich selbst. Jedenfalls waren die meisten ‚Magier', die in der Muggelwelt lebten, einfache Muggel.
„Ja," antwortete Dumbledore, dieses Mal schon gelassener, „aber ich kann es Euch nicht sagen."
„Was?" Langsam wurde Draco ärgerlich. „Was können sie mir nicht sagen?"
„Nicht ohne das Mädchen," fuhr Dumbledore fort und tat so, als hätte er ihn nicht gehört, „Es tut mit Leid. Kommt wann anders wieder." Und mit diesen Worten wollte er die Türe schließen.
„Nein, warten sie," sagte Draco schnell und legte eine Hand auf die Tür, damit Dumbledore sie nicht schließen konnte. Draco stellte einen Fuß in die Tür, während der alte Zauberer ihn mit zusammengekniffenen Augen anstarrte, als könne er ihn nicht richtig sehen.
„Über welches Mädchen reden sie? Ginny?"
„Das Mädchen mit dem Ihr gekommen seid," sagte er ruhig. Er versuchte wieder die Tür zu schließen, doch Draco stand im Türspalt und hielt ihn davon ab.
„Sie meinen Ginny, oder?" hakte Draco nach.
Ich gehe nicht, bevor er mir nicht wenigstens irgendetwas gesagt hat.
„Prinzessin Ginny. Haben Sie uns hierher gebracht?"
„Hoheit. Kommt mit dem Mädchen zurück," wiederholte Dumbledore nachdrücklich und es hörte sich an, als versuche er, seine Geduld zu wahren.
„Nein-," fing Draco an und kämpfte, um die Tür offen zu halten, als er plötzlich hörte, wie jemand seinen Namen rief. Überrascht sah er zur Kutsche, die immer noch am anderen Ende der Plane stand und von der Eskorte umgeben war. Weiter unten auf der Straße konnte Draco jedoch einen galoppierenden Reiter entdecken, den er einen Moment später als seinen Vater erkannte. Während er das beobachtet hatte, hatte Dumbledore die Gelegenheit genutzt, ihn weg geschoben und die Tür geschlossen. Fluchend drehte Draco sich wieder um und versuchte abermals die Tür zu öffnen, doch sie war zugesperrt. Er stieß noch einen Fluch aus und schaute dann wieder zu Edward, der klitschnass auf einem schwarzen Pferd angeritten kam. Der König hielt sein Pferd genau neben Draco unter dem Regenschutz an, schien sich jedoch gar nicht zu wundern, was Draco vor dem Haus eines alten Zauberers tat. Stattdessen sah er ihn nur an, während eisiges Wasser von seinem Kopf auf Dracos Schulter tropfte und sein Pferd unruhig mit den Hufen stampfte.
„Komm jetzt heim, Draco," sagte er schließlich, „ich habe gerade erfahren, dass Prinzessin Ginny wieder gesund ist und zu ihren Ehren ein Ball gehalten wird."
Draco war immer noch wütend, weil sein Vater ihm die Chance genommen hatte, in den nächsten Tagen etwas von Dumbledore zu erfahren, also antwortete er so kurz wie möglich.
„Ein Ball?"
„Ja, morgen. Wir müssen sofort losfahren, wenn wir bei Anbruch der Nacht dort sein wollen."
Er zügelte schon wieder sein Pferd und drehte es herum, als Draco plötzlich klar wurde, was er da gesagt hatte.
Er ging schnell um das Pferd herum, um seinem Vater ins Gesicht sehen zu können.
„Warte. Ginny ist also nicht mehr krank?"
„Das habe ich doch gerade gesagt, oder nicht, Draco?" fragte sein Vater stirnrunzelnd, „sie ist wieder gesund. Jetzt fahr schnell zurück, damit wir bald aufbrechen können."
Damit gab er seinem Pferd die Sporen und galoppierte dieselbe schmutzige Straße zurück, die er gekommen war. Er war nicht von einer Eskorte bewacht, doch Draco wusste den Grund dafür. König Edward mochte nicht überallhin von einer Eskorte verfolgt werden, also zog er sich ärmliche Kleidung an und ritt alleine. Wahrscheinlich ritt er deshalb im eisigen Regen. Draco fand, dass das ziemlich bescheuert war, wenn man doch trocken und warm in der Kutsche reisen konnte. Mit leicht gehobener Stimmung wandte er sich um und ging auf seine Kutsche zu. Timothy, der ihm immer noch genauso gegenübersaß, lächelte ihn schwach an, doch einen Augenblick später schien er sehr interessiert an einem losen Faden seines Ärmels zu sein. Draco seufzte und schüttelte den Kopf. Er war überrascht, dass er sich sogar darauf freute, zu dem Schloss in England zurückzukehren. Irgendwie wollte er Ginny wieder sehen, auch wenn er dafür keine Ausrede vor sich selbst hatte und ein Ball würde vielleicht auch interessant sein. Natürlich abgesehen davon, dass er keine Ahnung hatte, wie man um diese Zeit tanzte. Das verpasste seinem Interesse schon einen entschiedenen Dämpfer.
XXX
Please let me know what you think!
At h0n3ymo0n: So jetzt (nach langem Warten) war Dumbledore auch da, zwar nicht lange, aber wenigstens ein bisschen… Ich hoffe, du bist wieder gesund?!
At nannachen: Ich weiß, es hat zu lange gedauert… Aber mei, ich musste halt „Mathelernen"… haha
At blub: Schön, hoffe du liest es noch weiter!
At Sunnylein: Ich beeile mich, aber manchmal komm ich einfach nicht dazu.
At IndigoNightOwl: Jetzt hab ich auch ewig gebraucht… uh-oh, und es kommen immer noch 12 Chapter auf mich zu…
At Aldavinur: Stimmt, das ist ziemlich brutal mit dem Kind, ich hab es auch nicht gerne übersetzt… ;D
At Lara-Lynx: Aber es ist im echten Harry Potter ja auch so, dass Tom Riddle Harry Potter ähnlich sieht. Also ist es doch nicht so verwunderlich. Ich hoffe, du bist nicht sauer, weil ich so ewig nicht weitergemacht habe und jetzt ist es auch noch nur so ein kleines Chap…
At Bonchito Blue: Danke, danke, aber ich will anmerken, dass es nur eine Übersetzung ist.
At marabelle: Stimmt, aber auch nur ein kleiner… ;D
At Dragonies: Naja besser als von Dray erschreckt und von Tom geküsst, oder? XD XD
At Mimin: Und ich hab über die Story ausdrücklich geschrieben, dass es eine Übersetzung ist. Also übernehme ich nur das, was im Original auch steht.
