Disclaimer: Dies ist eine Übersetzung. Weder Plot noch Figuren gehören mir.
Hey!
Hoffe, ihr habt alle schöne Weihnachten gehabt! Also ich schon, und ich hoffe, jetzt in den Ferien schneller zu sein, aber kann auch sein, dass es ein bisschen dauert… Wie immer liebe Grüße an meine vielen Reviewer! Danke!
Achja: Ich wünsche euch allen ein gutes neues Jahr 2005! (obwohl ich eigentlich schon hoffe, noch einmal vor Silvester abzudaten, aber zur Sicherheit…)
All You Need Is Love
9. Der Ball
Teil 2
„Ein was?" fragte Ginny und sah ihre Mutter ungläubig an. Es war früher Nachmittag, ein Tag nachdem Ginny Dracos Notiz gelesen hatte. Sie hätte Alexandria so gern besucht, doch Harry hatte nicht freikriegen können, egal wie sehr sie versucht hatte, Richard, den Chef des Personals, einen sehr strikten und langweiligen Mann, zu überreden. Sie wusste, dass sie mindestens noch bis heute Abend warten musste, damit Harry ihr erstmal zeigen konnte, wo Alexandria überhaupt wohnte. Natürlich hätte sie auch Maria fragen können, wo die Hexe lebte, und ohne ihn gehen können. Aber ehrlich gesagt wollte sie, dass er mit ihr kam. Sie wollte die Dinge mit ihm wieder in Ordnung bringen – sich mit ihm anfreunden, damit er sie nicht mehr hasste. Und das würde nie geschehen, wenn sie keine Zeit mit ihm alleine verbrachte. Abgesehen von diesem kleinen Hindernis hatte Ginny einen ganz guten Tag verlebt. Sie hatte in der Nacht zuvor nichts geträumt und hatte fast den ganzen Morgen in der Bibliothek herumgesessen, wo sie ein Buch gelesen hatte, das zwar einen lateinischen Titel hatte, aber in Englisch geschrieben war. Auch hatte sie sich gefreut, als sie endlich den Vornamen ihrer Mutter erfahren hatte, als ein Diener, der nicht gewusst hatte, dass Ginny da war, über die ‚schreckliche Königin Lavinia' geschimpft hatte. Es hatte sie gefreut, weil es gut zu wissen war, auch wenn sie ihre Eltern nie beim Vornamen nennen würde.
„Ein Ball," wiederholte die Königin und warf ihr einen genervten Blick zu. Ginny war in dem Schlafzimmer ihrer Mutter, das ungefähr zweimal größer als ihr eigenes war. Lavinia wurde gerade von einer Dienerin in ein Korsett gekleidet.
„Wegen deiner Genesung. Und für Thomas. Du hast es nur ihm zu verdanken, dass du wieder gesund bist. Er hat dich ja fast übernacht geheilt, wenn man Maria Glauben schenken kann."
Ginny versuchte bei der Erwähnung von Tom ruhig zu bleiben. Sie saß in einem großen, dunkelgrünen und sehr teurem Lehnstuhl und vergrub ihre Fingernägel in den plüschigen Armlehnen.
„Wann ist der Ball?"
Königin Lavinia stöhnte leise, als die Dienerin die Schnüre am Korsett festzurrte, doch fing sich sofort wieder.
„Morgen Abend."
Ginny presste die Lippen zusammen und betrachtete die Königin. Sie war in ihrer Jugend sicher sehr hübsch gewesen, denn sie war immer noch eine sehr attraktive Lady. Ihr Haar war dunkel und ihre Haut olivenfarben; Ginny kam sicherlich nicht nach ihr. Doch egal wie sie aussah, Ginny sah in ihr immer eine mordlustige, eifersüchtige Schlampe.
„Wird Thomas dort sein?" fragte sie mit ruhiger Stimme, obwohl sie die Antwort schon wusste.
„Natürlich," schnappte Lavinia und hielt sich an einem Bettpfosten fest, als die Dienerin erneut die Schnüre anzog.
„Er ist ein Ehrengast, du dummes Mädchen."
Ginny konnte gerade noch einen Seufzer unterdrücken.
Ich werde ihm einfach aus dem Weg gehen, beschloss sie, als ihr plötzlich noch eine Frage einfiel.
„Kommt Draco auch?"
„Dein Vater hat König Edward heute Morgen eine Botschaft geschickt," antwortete Lavinia, „die Familie sollte heute Nacht noch ankommen."
Das ließ sich Ginny schon viel sicherer fühlen. Wenigstens war sie dann nicht die einzige, die keine Ahnung hatte, was sie tun sollte.
Ich kann nicht einmal tanzen, dachte sie stirnrunzelnd, jedenfalls nicht so, wie die Menschen es hier tun.
Lavinia fing an über die wichtigen Gäste zu reden, die alle, auch bei einer so kurzfristigen Einladung, kommen konnten, doch Ginny schaltete ab. Je mehr sie darüber nachdachte, dass sie nicht tanzen konnte, desto mehr beunruhigte sie es. Musste sie wissen, wie man tanzte?
Offensichtlich. Lavinia hätte sich sicher schon darüber beschwert, dass ich es nicht könnte, wenn dem so wäre.
Das war ein eindeutiges Problem. Sie war sich ziemlich sicher, dass Draco auch nicht tanzen konnte, aber der Ball wurde ja auch nicht zu seinen Gunsten abgehalten. Die Leute erwarteten, dass sie tanzte.
Wenn ich es nicht tue, wird meine ‚Mutter' wahrscheinlich so wütend, dass sie mich auch mit Pfeilen erschießen lässt.
Es war ein schlechter Witz, doch sie musste trotzdem traurig lächeln.
„Na gut, Virginia, da du mir sowieso nicht zuhörst, kannst du ja auch gehen," sagte Lavinia scharf, während die Dienerin ihr ein schreckliches rosafarbenes Kleid anzog.
„Du hast das Konzentrationsvermögen eines 5jährigen Kindes und das ist nicht das, was man von einer königlichen Lady erwartet."
Ginny stand auf und nickte wortlos, froh, dass sie endlich gehen konnte.
Ich bin nicht königlich, versicherte sie sich selbst, als sie so schnell wie möglich den großen Raum verließ, es ist nicht mein Leben, es bin nicht ich.
Sie ging zurück zu ihrem Zimmer, um nachzusehen, ob Maria dort war. Sie braucht dringend jemanden zum reden und da kam nur Maria in Frage.
Sie kennt mich schon mein ganzes Leben lang, das denkt sie jedenfalls. Vielleicht macht es ihr nichts aus, mir das Tanzen beizubringen, auch wenn ich es schon längst können sollte.
Als sie in ihrem Zimmer ankam, sah sie Maria, aber auch noch jemand anderes. Ein großer kahler Mann mit einem Kragen, der ihm bis zu den Ohren reichte, saß Pfeife rauchend in einem Sessel in der Mitte des Raumes und las. Ginny starrte ihn einen Moment fassungslos an. Er hatte sie nicht gesehen, also fuhr er fort, mit zusammengekniffenen Augen zu lesen, als könne er es nicht richtig sehen. Maria lehnte halb versteckt in Ginnys Wandschrank, durchsuchte Ginnys tausend Kleider und summte dabei laut.
„Was denken sie, was sie da tun?" fragte Ginny, ohne eine Antwort zu erwarten. Es verärgerte sie, dass dieser Mann sich einfach das Recht herausnahm, in ihrem privaten Schlafzimmer zu rauchen. Vor allem weil sie ja eine Prinzessin war und ihn jederzeit aus der Stadt verbannen könnte, wenn sie wollte. Ihr fiel ein, dass es vielleicht ein sehr machtvoller Mann sein könnte, und er deshalb dachte, er könne sich alles erlauben; doch so oder so hatte er kein Recht hier zu rauchen. Das ganze Zimmer stank schon danach. Gelassen sah der Mann von seinem Buch auf und hielt die Pfeife an seinem Mund. Maria richtete sich auf und lächelte sie breit an.
„Hoheit, Marquis ist hier, um Euch einzupassen."
Ginny verengte die Augen und fragte in einem monotonen, doch festem Ton, „Um was zu machen, bitte?!"
Nachdem sie von Tom Riddle ‚inspiziert' worden war, wollte sie lieber nicht auch noch von Marquis ‚eingepasst' werden.
„Für das Ballkleid," erklärte Maria schnell, als sie den Todesblick auf Ginnys Gesicht sah, „Eure Eltern haben ihn hergerufen, damit er Euch für den Ball morgen einkleidet."
„Ich habe die französische Königin verlassen, um für Euch ein Kleid zu entwerfen," verkündete Marquis mit einem starken französischen Akzent und blies eine Wolke Rauch aus. Ginny beobachtete, wie es eine Wolke um seinem kopf bildete.
„Lasst mich also nicht warten. Stellt Euch dort drüben hin."
Er deutete mit dem Mundstück seiner Pfeife dorthin, wo sie hingehen sollte. Ginny starrte ihn noch einen Moment an, bevor sie langsam dorthin ging, wo er sie hinbefohlen hatte.
„Bitte machen sie diese Pfeife aus," sagte sie und es hörte sich sogar in ihren eigenen Ohren eisig an, „sonst huste ich mich hier noch zu Tode."
„Wie Ihr wünscht, Hoheit," sagte er, doch seine Augen blitzten einen Moment auf. Er machte schnell die Pfeife aus und ging zu ihr hinüber.
„Lasst mich sehen," murmelte er und betrachtete sie von oben bis unten, „Ihr scheint gewachsen zu sein, seit ich Euch das letzte Mal gesehen habe. Maria, bitte gebe mir das dunkelblaue Kleid unter dem Haufen dort drüben."
Er deutete auf einen Stuhl in der Ecke, auf dem jede Menge Kleider gestapelt waren. Maria eilte mit dem gefragten Kleid herüber und reichte es Marquis.
„Das ist der letzte Schrei in Paris, Hoheit," verkündete er und hielt das Kleid als Probe an Ginnys Schultern.
„Ich muss nur schauen, was Euch steht und zu Eurem Typ passt…" Er brach gedankenverloren ab. Nach einer Weile schnalzte er mit der Zunge und gab Maria das Kleid zurück.
„Nein, nein, das ist nicht für Euch geschnitten. Schauen wir mal…"
Als er eine Farbe gefunden hatte, die ihm gefiel, bat er Maria Ginny das Kleid auszuziehen, das sie anhatte. Es mache ihr nicht viel aus, weil sie noch ungefähr zehn Unterröcke und so etwas trug und so stand sie einfach da, während Marquis mit einem anderen Kleid beschäftigt war. Dann sagte er, sie solle es anziehen.
Es dauerte fast zwanzig Minuten bis sie den riesigen Stapel Kleider durchhatten, denn Ginny musste jedes einzelne anprobieren. Danach war Marquis schon mal zu dem Schluss gekommen, dass sie Pink tragen werde – was doch völlig daneben war, weil sie hellrote Haare hatte, aber Ginny widerstand der Versuchung mit den Augen zu rollen. Jedenfalls sollte es ein heller Pastellton sein.
„Keines dieser Stile oder Farben steht Euch wirklich," murmelte er mehr zu sich selbst, „ich warte immer noch darauf, dass mir ein Bestimmtes ins Augen sticht."
Kein Kleid im Haufen stach im ins Augen, also befahl er Maria, zu gehen und die anderen Kleider zu holen, die er mitgebracht hatte. Ginny stand da und fühlte sich schrecklich verarscht. Sie hatte es satt, dazustehen und sich in Millionen von Kleidern quetschen zu lassen. Der ganze Raum stank nach Rauch und Marquis schien es zu gefallen, ihr seinen stinkigen Atem ins Gesicht zu schnaufen. Sie betete dafür, dass etwas geschah, damit sie nicht weiter anprobieren müsse. Nach fast einer halben Stunde wurden noch mehr Kleider gebracht, doch Marquis begutachtete nur eines davon genau.
„Aha!" rief er mit einem triumphierenden Lächeln, „Das ist es. Stimmst du mir zu, Maria?"
Maria, die in der Nähe saß und etwas nähte, sah auf. Ihre Miene hellte sich auf und sie nickte.
„Ja, Marquis, Sie haben es mal wieder geschafft. Dieses hier ist perfekt."
Ginny zwang sich selbst nicht zu murren. Es fühlte sich gar nicht perfekt an. Es war genauso unbequem, wie alle anderen Kleider, die sie angehabt hatte – vielleicht sogar ein bisschen mehr, weil es viel besonderer war und sie schreckliche Angst hatte, es zu zerreißen, wenn sie sich bewegte. Natürlich war es das schönste Kleid, das sie bisher gesehen hatte. Das Mieder war weiß, mit einem hellen königsblauen Vorderteil und hellblauen Ärmeln. Der Rock war schrecklich lang; er lag richtig auf dem Boden, anstatt dass er ihn nur leicht berührte und war aus weißem Satin geschneidert.
Marquis drehte sich zu dem Stapel um und brachte eine blassviolette Schleppe zum Vorschein, die er um ihre Schultern befestigte.
„Wundervoll," flüsterte er beglückt und klatschte leicht in die Hände.
XXX
Später am Abend waren Draco und seine Familie immer noch nicht angekommen. Ginny saß auf ihrem Bett, doch hatte das unbequeme Kleid schon wieder ausgezogen. Sie sorgte sich darüber, dass der Rock zu lang für sie war und sie vielleicht darüber stolperte, wenn sie versuchte zu tanzen. Marquis war sofort, nachdem er seine Kleider wieder eingepackt hatte, gefahren und Ginny hatte keine Chance gehabt, ihn zu fragen, ob er den Saum kürzen könne.
Wie kann ich versuchen zu tanzen, dachte sie, wenn ich nicht einmal ein Kleid habe, das richtig passt?
Oh nein, sie freute sich ganz und gar nicht auf den Ball. Gerade beobachtete sie Maria, wie sie summend den großen Spiegel säuberte und sich auf die Zehenspitzen stellen musste, um bis ganz nach oben zu kommen. Ginny starrte sie für ein paar Minuten einfach nur an, unsicher was sie tun sollte, als Maria plötzlich sprach.
„Warum starrt Ihr so, Liebes?"
„Tut mir Leid," entschuldigte sie Ginny schnell.
„Ihr müsst Euch nicht entschuldigen," antwortete sie, „Ich war nur neugierig, warum Ihr mich so anschaut. Besorgt Euch etwas?"
Ginny hätte daran denken sollen, dass Maria ihr Spiegelbild die ganze Zeit hatte beobachten können. Sie seufzte, ihre Schultern hoben und senkten sich; schließlich brach es aus ihr heraus.
„Ich kann nicht tanzen."
Maria schien für einen Moment zu Eis zu gefrieren, aber das konnte auch nur Einbildung Ginnys gewesen sein. Langsam drehte sich die Magd um und sah ihr in die Augen.
„Ihr könnt es nicht? Hoheit, Ihr habt getanzt, seit Ihr laufen könnt."
Ginny rümpfte die Nase.
Das wird schwer zu erklären sein, dachte sie dumpf. Wie konnte sie behaupten, dass sie plötzlich nicht mehr tanzen konnte, wenn sie es doch ihr ganzes Leben getan hatte?
„Ich brauche nur… nur ein paar Übungsstunden, das ist alles," murmelte sie undeutlich.
Maria lächelte verwirrt.
„Na gut, Hoheit, steht auf und kommt hierher," sagte sie und legte ihren Putzlumpen auf dem Tisch ab. Als Ginny zuerst zögerte, gestikulierte Maria sie mit der Hand herüber.
„Kommt schon, ich habe auch noch andere Sachen zu tun."
Ginny ging sehr verlegen zu ihr hinüber.
„Welchen Tanz könnt Ihr nicht mehr?" fragte sie mit gehobenen Augenbrauen und einem Hauch von Belustigung in der Stimme.
Sie findet das komisch, dachte Ginny ärgerlich.
„Ich kann normalen Partnertanz," sagte Ginny leise. Aber Partnertanz musste in dieser Zeit auch anders sein, wenn man an die langen Röcke dachte, die die Mädchen tragen mussten.
„Jedenfalls einigermaßen," fügte sie hinzu, „kannst du mir die Startstellung noch einmal zeigen?"
Maria warf ihr einen verwunderten Blick zu.
„Wenn Ihr es wünscht, Hoheit," sagte sie seufzend und hob ihre Hände. Ginny erkannte das es nicht der Partnertanz war, den sie kannte. Bei ihrem Partnertanz fasste man sich nicht an den Händen. Meistens legte sie den Jungen die Hände auf die Schultern. Sie richtete sich auf, versuchte ihre Verlegenheit herunterzuschlucken und ließ ihre Hände in die Marias gleiten. Maria löste sich von ihr und schüttelte den Kopf.
„Was?" fragte Ginny ängstlich.
„So geht das, Hoheit," sagte sie und legte ihre rechte Hand an Ginnys Hüfte. Dann führte sie mit der freien Hand Ginnys Linke zu ihrem eigenen Oberarm und nahm die andere zwischen die Finger. Zufrieden nickend begann Maria ihre Füße zu bewegen und Ginny ging mit ihr. Einen Augenblick später, ließ sie ihre Arme fallen und trat einen Schritt zurück.
„Ihr müsst Euch entspannen," befahl sie, „Ihr seid viel zu verspannt. Aber abgesehen davon, habt Ihr es gut gemacht."
Ein klein wenig erleichtert fragte Ginny, „Was wird man dort tanzen?"
„Das Übliche," antwortete Maria ein wenig abwesend und nahm wieder den Lappen, um den Spiegel zu säubern, „Pavan, Branle, Fabritio Caroso…"
Ginny erschauerte und ihr Magen zog sich vor Nervosität zusammen.
Ich habe von solchen noch nie gehört, dachte sie eingeschüchtert. Ich weiß nichts, keinen einzigen Schritt…
„Ich habe vergessen, wie die alle genau gehen," sagte sie laut, „kannst du es mir noch einmal zeigen?"
Maria lachte ihr trällerndes Lachen ohne sich überhaupt umzudrehen.
„Meine Güte, Hoheit, selbst wenn Ihr nicht tanzen könnt, könnt Ihr nicht bis morgen Abend alle Schritte lernen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Ihr es nicht erst meint."
Ginny sackte in sich zusammen.
„Ich will es lernen," sagte sie nach einem kurzen Moment, „ich habe es wirklich vergessen, weißt du?!"
Sie bekam langsam so Angst vor dem Ball, dass es ihr sogar egal war, wenn Maria sie komisch fand. Als Maria nur lachte, fuhr sie fort.
„Übe einfach ein wenig mit mir, ja? Dann siehst du, dass ich mich an nichts erinnern kann."
„Natürlich, wenn Ihr das tun wollt, Hoheit," antwortete Maria schließlich, legte den Lappen wieder hin und drehte sich um, „Nachdem Ihr viele Tage im Bett gelegen seid, kann ich verstehen, dass Ihr üben wollt."
„Auch weil ich überhaupt nicht weiß, wie man tanzt."
Jetzt schien es auch schon egal zu sein, was sie sagte, Maria glaubte ihr sowieso nicht. Sie hätte auch behaupten können, dass sie aus der Zukunft in 400 Jahren kam, die Magd hätte nur gelacht und gesagt, sie solle aufhören, Witze zu reißen.
Aber wer würde mir das glauben?, überlegte Ginny, Ich bin mir nicht sicher, ob ich jemandem glauben würde, wenn er sagte, er käme aus der Zukunft, vor allem, wenn ich ihn schon mein ganzes Leben lang kannte.
„Sollen wir mit Branle anfangen?" fragte Maria gut gelaunt, lächelte sie ermutigend an und hielt eine Hand hoch.
„Äh… okay," antwortete sie.
Was zum Teufel ist das?, fragte sie sich und streckte verlegen ihre Hände aus. Sie hatte eigentlich auf einen Tanz gehofft, von dem sie vielleicht schon irgendwann gehört hatte. Aber sie hätte wissen müssen, dass es nicht einfach werden würde. Maria blinzelte einige Male.
„Ihr braucht nur eine Hand," sagte sie sichtlich verwirrt, „und stellt Euch nicht vor mich, sondern neben mich. Ihr wisst doch, wie Ihr stehen müsst."
Nein, tu ich nicht, wollte Ginny sagen, doch biss sich auf die Zunge, weil es ihr sicher nichts Gutes getan hätte. Sie gehorchte wortlos und betete, dass es nicht besonders schwierig war, das zu lernen.
„Fertig?" fragte Maria, sah sie erneut an und lächelte breit. „Lasst uns anfangen…"
Sie ging einen Schritt seitlich nach links und Ginny folgte ihr ungeschickt, nur um sich einen überraschten Seitenblick von Maria einzufangen.
„Nein, nein, Hoheit. Bevor man anfängt, hält man die Füße zusammen. Dann, nachdem man einen Schritt gemacht hat, muss man sie wieder zusammenbringen. Erinnert Ihr Euch?"
Ginnys Wangen brannten.
„Ja, ich erinnere mich wieder," murmelte sie.
Marias Lächeln kehrte zurück und sie nickte.
„Versuchen wir es noch einmal."
Sie ging wieder nach links und Ginny folgte, doch achtete darauf, ihre Füße zusammenzubringen. Maria ging noch einen Schritt in diese Richtung und Ginny tat es ihr gleich. Doch dann ging sie ohne Vorwarnung einen Schritt nach rechts und knallte in Ginny, die das nicht erwartet hatte.
„Hoheit, jetzt gehen wir nach rechts."
Sie hörte sich ungeduldig an.
"Was wollt Ihr damit erreichen? Ich weiß, dass Ihr nicht vergessen haben könnt, wie man tanzt. Vor einem Monat war der letzte Ball. Es ist unmöglich so etwas in so kurzer Zeit zu vergessen."
„Ich sage dir, ich habe es ehrlich vergessen," antwortete Ginny und fühlte sich bescheuert. Plötzlich jedoch fiel ihr eine Entschuldigung ein.
„Es muss die Krankheit sein. Sie hat sicher bewirkt, dass ich mich nicht erinnere."
Sofort sah Maria besorgt drein, ließ die Hände fallen und kam herüber, um sie anzuschauen. „Wirklich? Habt Ihr Probleme mit Eurem Gedächtnis? Habt Ihr sonst noch etwas vergessen?"
Ginny fühlte, wie sich ihre Laune hob – Maria glaubte vielleicht, dass sie alles vergessen hatte und lernte es ihr erneut. Dann stünde sie am Ball nicht ganz so dumm da.
„ich kann mich an alles andere gut erinnern," antwortete sie und versuchte, nicht zu lächeln, „aber aus irgendeinem komischen Grund nicht an die Tänze."
„Ach du meine Güte." Jetzt sah Maria bekümmert aus. „Also habt Ihr jeden Tanz vergessen, den Ihr je gelernt habt?"
„Absolut," antwortete Ginny und presste die Lippen zusammen.
„Ach du meine Güte," wiederholte Maria und trat einen Schritt zurück. „So kann es nicht gehen. Es geht nicht, dass Ihr, die Prinzessin, mit der alle jungen Männer tanzen wollen, es nicht kann. Vielleicht sollte ich der Königin vorschlagen, den Ball ganz abzublasen."
Ja!
Ginny war sofort einverstanden. Gar kein Ball war viel besser, als tanzen lernen zu müssen. Doch egal wie sehr sie für den Vorschlag war, wusste sie, das Lavinia nie den Ball abblasen würde. Sie schien diese Art von Mensch zu sein, die es liebten Bälle abzuhalten und mit wichtigen Gästen zusammen zu sein (obwohl sie eigentlich schon mit dem wichtigsten Mann im Land verheiratet war) und die es genossen, sich aufzutakeln. Sie würde Ginny wahrscheinlich zwingen doch hinzugehen und mit allen zu tanzen. Und wenn alles vorbei war, würde sie Ginny beschuldigen, sie blamiert zu haben. Ginny konnte auch nicht lügen und sagen, sie fühle sich nicht gut und könne deshalb nicht kommen. War nicht der Grund für den Ball, dass sie wieder gesund war? Sie seufzte und wusste, dass sie einen schrecklichen Fehler machte, als sie sagte, „Nein, das muss nicht sein. Die Kön-, Mutter wird es nicht erlauben, da bin ich mir sicher. Ich muss es einfach lernen. Ich habe doch immer noch 24 Stunden, oder?"
Maria schüttelte den Kopf.
„Ja, aber es wird nicht einfach werden."
Sie seufzte, rieb sich das Gesicht mit den Händen und richtete sich zu ihrer vollen Größe auf. Dann sah sie Ginny misstrauisch an.
„Ihr seid absolut sicher, dass Ihr es vergessen habt, Hoheit?"
„Ich schwöre es," sagte sie schnell und hielt eine Hand hoch. „Ich habe es wirklich vergessen."
„Okay." Maria sah aus, als glaubte sie es, doch wäre der Aufgabe, die sie nun zu tun hatte, völlig abgeneigt.
„Ich sollte jemanden suchen, der größer ist als Ihr – am Besten einen der Diener. Ich werde gleich zurück sein."
Und sie verließ den Raum und ließ Ginny alleine. Sie drehte sich um und ließ sich auf ihr Bett fallen.
Das ist wirklich wunderbar, dachte sie, ich werde Tänze lernen, von denen ich noch nie etwas gehört habe, die ich noch nie gesehen habe, und das alles bis morgen Abend.
Es würde heute keiner schöner Abend werden oder ein guter Tag morgen. Sie versuchte nicht an ihre Nervosität oder den Ball morgen zu denken, also wanderten ihre Gedanken zu Draco. Sie stellte sich vor, wie er den ganzen Ball lang nur am Tisch sitzen, essen und jeden böse anstarren würde, der ihm zu nahe kam. Weil er höchstwahrscheinlich auch keine Ahnung hatte, wie man tanzte, würde er jede Aufforderung ablehnen. Und wie abgeneigt sie auch war, es zuzugeben, würde er sicher oft gefragt werden; nicht nur weil er ein Prinz war, sondern auch weil er wahrscheinlich einer der Bestaussehenden sein würde.
Ich frage mich, ob er schon eine Chance hatte, Dumbledore zu besuchen, überlegte sie und versuchte über etwas anderes als den Ball nachzudenken. Er hatte gesagt, er würde ihr eine Nachricht schicken, wenn er etwas herausfand, doch wie sie ihn kannte, hatte er es wohl doch nicht getan. Ginny wusste, dass, auch wenn sie Informationen von Alexandria erhalten konnte, sie trotzdem gehen und Dumbledore selbst besuchen würde. Sie wollte wissen, wie er war und, wenn es überhaupt irgendjemand in dieser Welt wusste, warum sie und Draco hier waren, dann war es er. Vielleicht noch Tom, aber der würde nie zugeben, dass er wusste, dass sie in einem Paralleluniversum waren. Da öffnete sich die Tür und Ginny setzte sich auf, um den Partner zu sehen, den Maria mitgebracht hatte. Einen Moment fragte sie sich erschrocken, ob es Tom war. Aber zu ihrer absoluten Dankbarkeit war er es nicht. Es war Harry. Er sah nicht sehr glücklich aus, weil er hier war, denn er runzelte die Stirn und ging sogar so weit, die Arme zu verschränken, als wäre ihm langweilig. Maria schien es nicht zu bemerken und gestikulierte Ginny in den Teil des Raumes, der frei war und wo nicht viele Möbel standen. Als Ginny schließlich verlegen neben Harry stand, ging Maria ein paar Schritte zur Seite. Offensichtlich war sie nur dazu da, sie zu überwachen und zu berichtigen.
„Okay, fangen wir mit Branle an," seufzte Maria und es schien, als bereitete sie sich auf eine lange Nacht vor.
XXX
Es wurde eine lange Nacht. Ginny wurde schon in den ersten 10 Minuten langweilig. Sie warf Harry immer wieder Blicke zu, der aussah, als wollte er überall sein, nur nicht hier. Als wollte er alles machen, nur nicht hier sein, ihre Hand halten und ihren Partner spielen, während sie erneut lernte, wie man tanzte. Später in der Nacht konnte sie ihm dafür auch nicht mehr böse sein. Branle war noch einer der einfachsten, die anderen wurden schon komplizierter. Jeden Schritt verwechselte sie mit anderen, jede Bewegungsabfolge brachte sie durcheinander, die Tänze schwirrten in ihrem Kopf herum… Und sie machte Fehler über Fehler. Harry war kein großartiger Tänzer, doch wenigstens wusste er, wie es ging und schien genervt von ihr zu sein. Er sagte nie auch nur ein Wort, doch er schnaufte und seufzte die ganze Zeit vor Ungeduld. Weil die Malfoys um die Nachtmahlzeit immer noch nicht angekommen waren, schlug Maria vor, dass sie doch in ihrem Zimmer essen sollten, damit sie danach gleich weiterüben konnten. Ginny nickte, dankbar für die Pause. Als Maria gegangen war, um etwas zu essen zu holen, ließ sie sich alle viere von sich gestreckt auf ihr Bett fallen.
„Ich werde das nie lernen," stöhnte sie und rieb sich mit den Händen das Gesicht. Als Harry nicht antwortete, stützte sie sich auf die Ellbogen und sah ihn an. Er saß am Tisch und schien sehr an seinen Fingern interessiert zu sein. Er tat ihr Leid, denn es war ja nicht so, dass er freiwillig hier war, um ihr zu helfen und noch weniger, um ihr zuzuhören, wie sie jammerte.
„Wenn Draco ankommt, kannst du gehen. Er kann dann mein Partner sein."
„Danke sehr, Hoheit," sagte er mit gleichgültiger Stimme.
„Ich bin dir sehr dankbar," sagte sie und versuchte nicht allzu schleimig zu klingen. Sie rutschte vom Bett, stand auf und strich sich den Rock glatt. Dann ging sie hinüber zum Tisch und fuhr fort, „Du bist wahrscheinlich der einzige mit der richtigen Größe, der mit mir tanzen üben könnte."
Als er bemerkte, dass sie nun neben ihm stand, sah er auf, mit einem unleserlichen Ausdruck in den grünen Augen.
„Wie schön, Hoheit," sagte er, „doch es gibt auch noch Doktor Thomas, er ist genauso groß wie ich."
Ginnys Blut gefror in ihren Adern, auch wenn sie nicht genau wusste, warum. War es wegen der Erwähnung von Tom? Auch wenn es das war, sie hatte seinen Namen doch schon tausend Mal gehört, wieso reagierte sie so seltsam? Oder war es der Ton in Harrys Stimme, wenn er von ihm sprach? Als versuche er anzudeuten, dass es Tom sein sollte, der mit ihr tanzte. Sie erinnerte sich an ihre Träume und stellte sich Toms Gehilfen vor, dessen Gesicht immer in den Schatten verborgen gewesen war.
Kann es Harry sein?, fragte sie sich, als sie sich daran erinnerte, dass sie ursprünglich Harry der Morde verdächtigt hatte. Jetzt wusste sie, dass es Tom war, doch es war möglich, dass Harry der Komplize war.
Nein, ist es nicht, fiel ihr einen Moment später ein. Sie konnte nie die Stimme oder das Gesicht des Fremden erkennen, aber sie hatte seinen Körperbau gesehen. Und Harry war nicht klein und rundlich, wie es Toms Gehilfe war. Harry war größer und dünner und auch seine Stimme war um einige Oktaven tiefer.
Es kann nicht möglich sein, dass er es ist, versuchte Ginny sich zu überzeugen und verbannte es aus ihren Gedanken.
„Nein," antwortete Ginny bestimmt auf Harrys Kommentar. Sie ließ sich völlig undamenhaft auf den Stuhl neben ihn fallen und drehte sich, so dass sie ihn ansehen konnte. „Ich will nicht, dass Doktor Thomas mit mir tanzt. Ich will nicht, dass er mich je wieder anfasst, und ich will ihn auch nie wieder sehen. Ich will, dass er das Schloss gleich nach dem Ball verlässt."
Harry traf ihren Blick und er war sichtlich verwirrt. „Ihr… Ihr haltet nicht viel von Doktor Thomas? Auch wenn Ihr ohne seine Heilkünste wahrscheinlich gestorben wäret?" fragte er, hob erst eine Augenbraue, dann die andere. Ginny seufzte und rieb sich die Augen.
Vielleicht sollte ich es ihm einfach sagen, dachte sie, er wird schon nicht gleich losrennen und allen erzählen, was ich von Tom halte, und auch wenn er es tut, dann ist es mir auch egal. Ich will, dass jeder weiß, was ich denke.
„Ich halte wirklich nicht viel von ihm," sagte sie nach einem kurzen Moment, „er ist kein guter Mensch, Harry. Es ist mir egal, was andere sagen oder ob er der verdammt beste Arzt in dieser Welt ist. Er ist böse, und nicht das, was alle Menschen denken. Er ist einfach nur… böse."
Harry starrte sie mit weit aufgerissenen Augen an, als könne er nicht glauben, was sie da sagte. Als er schließlich bemerkte, dass sie fertig war, entspannte sich seine Miene wieder.
„Ich glaube Euch, Hoheit," sagte er langsam.
Nun war es Ginny, die geschockt war. Sie blinzelte und sah ihn misstrauisch an.
„Das tust du?"
„Ich habe nie mit eigenen Augen gesehen, dass er irgendetwas getan hätte," sagte Harry und senkte seine Stimme ein wenig, „aber jedes Mal, wenn ich ihn sehe, bekomme ich dieses… dieses…"
Er schwieg und es schien, als dachte er, er hätte zu viel gesagt. „Wenn es Euch nichts ausmacht, Hoheit, das ist nicht wichtig. Ich werde für Maria weiterputzen-,"
Als er aufstehen wollte, legte Ginny eine Hand auf seinen Arm, damit er sitzen blieb. Dieses Mal zuckte er zwar unter ihrer Berührung zusammen, doch riss sich nicht los. Stattdessen erwiderte er ihren Blick.
„Nein, warte," sagte sie leise, „Ich würde gerne hören, was du über ihn zu sagen hast. Bitte."
Harry starrte sie noch einen Moment an, wie man deutlich sah kämpfte er innerlich mit sich, ob er es ihr sagen sollte oder nicht. Schließlich schien er zu einer Entscheidung zu kommen und schüttelte ihre Hand von seinem Arm, doch nicht so kräftig, wie sie erwartet hatte. Er setzte sich wieder auf seinen Stuhl und sah ihr genau in die Augen.
„Jedes Mal, wenn ich ihn sehe," wiederholte er leise, als hätte er Angst, dass jemand mithörte, „kann ich fast spüren, was für eine Person er wirklich ist. Ich kann spüren, dass er das Lächeln, das er allen zuwirft, egal wie nieder sie sind, nur künstelt und es nur für den guten Ruf tut; er lächelt, um den Menschen, der er wirklich ist, zu verstecken."
Ginny spürte, dass sie sich selbst ein wenig nach vorne lehnte.
„Was denkst du, dass er für ein Mensch ist?" fragte sie.
Harry schüttelte unentschlossen den Kopf. „Um ehrlich zu sein, Hoheit, bin ich mir nicht sicher. Aber ich weiß, dass er nicht der freundliche, wunderbare Arzt ist, der er vorgibt zu sein."
Ginny hatte sich für Tage nicht so gut gefühlt. Sie war nicht die einzige, die dachte, dass Tom nicht das beste Wesen auf Erden war! In diesem Moment hätte sie Harry am liebsten einen Schmatz auf die Wange gegeben, aber hielt sich zurück, denn sie wusste, dass es ihn verschrecken oder auf jeden Fall abhalten würde, noch irgendetwas zu sagen.
„ich stimme dir zu," sagte sie ruhig mit ebenso leiser Stimme, „Er ist nicht gut. Er ist durch und durch böse, Harry. Du bist der einzige Mensch, der das auch erkennt."
„Ihr stimmt zu." Es war keine Frage, nur eine zweifelnde Feststellung. Harry hob noch einmal beide Augenbrauen.
„Ja." Ginny war von seiner Reaktion etwas verwirrt. „Warum hast du gedacht, dass ich es nicht tue?"
Harry grinste schmierig, was gar nicht zu seinem Gesicht passte. Dann schnaubte er.
„Ich glaubte, Ihr wolltet mich nur dazu bringen, etwas einzugestehen, das Ihr später gegen mich verwenden könnt," sagte er und warf einen Blick zur Tür.
„Wieso?" Sie versuchte, die Enttäuschung in ihrer Stimme zu verbergen.
Er kann mich wirklich nicht ausstehen.
„Ich weiß nicht, warum ich es Euch sagen sollte," sagte Harry mit kalter Stimme, „nach allem, was ich weiß, könntet Ihr immer noch Euren Eltern erzählen, was ich gesagt habe und mich rauswerfen lassen."
Ginny öffnete den Mund, doch ihr fiel nichts Intelligentes ein, das sie hätte sagen könnte.
„Ich würde das nie tun, Harry," antwortete sie schließlich mit einem verletzten Ausdruck in der Stimme.
„Würdet Ihr nicht?" schoss Harry zurück und stand plötzlich auf. Als er auf die Tür zuging, erhob sich Ginny ebenfalls.
„Ich schaue, ob Maria Hilfe mit dem Essen braucht-,"
„Nein, geh nicht," befahl Ginny und eilte ihm hinterher. Er hielt für einen Moment an und Ginny schaffte es, zwischen ihn und die Tür zu schlüpfen. Sie lehnte sich mit dem Rücken dagegen.
„Geh noch nicht, Harry. Ich will wirklich mit dir reden. Und diesmal meine ich richtig reden."
„Wir haben schon viele Male geredet, Hoheit," antwortete Harry und sah sie eisig an, „doch wir haben nichts zu diskutieren, was mich interessiert."
„Harry…" Ginny schloss kurz die Augen, schluckte und sah wieder zu ihm auf.
„Schau, Harry. Ich weiß, dass ich mich in der Vergangenheit schrecklich verhalten habe. Und ich weiß, du bist ein Diener und ich eine Prinzessin und dass es schwer – nein, unmöglich - für dich ist, zu glauben, dass ich tatsächlich dein Freund sein will. Aber es ist die Wahrheit, Harry. Ich will mit dir befreundet sein. Wenn ich dazu bereit bin, zu vergessen, dass du ein Diener bist, vielleicht kannst du dann all die schrecklichen Dinge vergessen, die ich zu dir gesagt habe oder das, was meine Familie deiner angetan hat."
Sie machte eine kleine Atempause, um seine Reaktion auf ihre Worte zu sehen. Sein Gesicht blieb starr, doch er hörte ganz offensichtlich zu, was ihr Mut gab, weiter zu sprechen.
„Und es gibt etwas, das du wissen musst," fuhr sie fort und senkte den Blick, „ich liebe meine Familie nicht. Sie sind mir egal, weil ich ihnen auch egal bin. Meine Mutter kümmert sich nur um Mode, Schmuck, Partys und wichtige Gäste und mein Vater nur um die Regierung des Königreichs. Sie haben nie Zeit für mich…"
„Hoheit, ich muss wirklich-," Harry streckte die Hand nach dem Türknopf aus.
„Lass mich ausreden," sagte sie und packte den Türgriff, damit er ihn nicht zu fassen bekam.
„Ich versuche mich hier zu entschuldigen, Harry. Ich versuche mich für all die schrecklichen, grausamen, fürchterlichen Dinge zu entschuldigen, die meine Eltern deiner Mutter angetan haben. Ich will mich auch für mein Verhalten entschuldigen und versuche dir mitzuteilen, dass ich nie wieder so etwas tun werde."
Harry starrte sie lange ohne jeglichen Gesichtsausdruck an, bis er schließlich den Mund öffnete.
„Ihr müsst Euch nicht für Eure Eltern entschuldigen, Hoheit," sagte er ruhig und kühl, „was sie getan haben, betrifft Euch nicht."
Ginny ließ den Türgriff los, weil sie erkannte, dass das die positivste Reaktion war, die sie von ihm bekommen konnte. Wie betäubt trat sie zur Seite und ließ ihn gehen. Als er weg war und sie allein im Zimmer war, ging sie auf wackligen Beinen zum Tisch und ließ sich auf einen Stuhl sinken.
Heißt das jetzt, dass er meine Entschuldigung annimmt?
Aber eigentlich war alles, was er gesagt hatte, dass sie sich nicht für ihre Eltern entschuldigen brauchte. Das hieß nicht, dass er ihr all die Sachen, mit denen sie ihn beschimpft hatte, vergab. Seufzend stützte sie die Ellebogen auf den Tisch und vergrub das Gesicht in den Händen. Es schien als würde diese Nacht nie enden.
XXX
Draco kam spät in der Nacht an, weil sie Wales erst am späten Nachmittag verlassen hatten. Edward hatte schlechte Laune, wegen der Verspätungen, die sie gehabt hatten, weil keine Reisekutsche sofort bereit zur Abfahrt gewesen war. Deshalb war Elle die ganze Zeit über still, als hätte sie Angst vor der Wut ihres Vaters und Draco war die ganze Reise lang sterbenslangweilig. Als sie schließlich angekommen waren, wurde er mit Timothy zusammen in sein Zimmer geleitet. In dem Moment, als Draco im Bett lag, schlief er ein, ohne sich noch Sorgen um den Ball am nächsten Abend machen zu können.
Als er aufwachte, fühlte er sich unwohl. Dann erinnerte er sich an den abendlichen Ball und dass er darauf völlig unvorbereitet war.
Ich werde einfach jede Aufforderung ablehnen, dachte er, doch das Unwohlsein verschwand nicht. Er hasste es, nervös zu sein, denn er war es fast nie. Eigentlich war er es gewöhnt, vorbereitet zu sein, oder die Sicherheit zu haben, dass es jemanden gab, der die Sache wieder in Ordnung brachte, wenn er es verhaute. In Hogwarts war es Professor Snape gewesen. Daheim sein Vater. Hier würde er sich zum totalen Deppen machen, weil er nicht tanzen konnte und es keinen Vater gab, der den Vergessenszauber einsetzte, damit sich niemand an den Vorfall erinnerte. Hier musste er sich wie ein hochnäsiger Blödmann aufführen, um nicht wie ein Idiot dazustehen, der nicht tanzen konnte.
Beim Frühstück sah er zum ersten Mal seit einigen Tagen Ginny wieder, gesund und munter. Sie kam erst herein, nachdem er sich schon hingesetzt und sich etwas genommen hatte. Ihre Väter diskutierten laut über etwas, ihre Mutter war noch nicht anwesend und Elle aß, eine Melodie summend und völlig in ihrer eigenen Welt versunken. Als er aufsah und sie erblickte, warf sie ihm mit geröteten Wangen ein kleines Lächeln zu, bevor sie sich zur Rechten ihres Vaters niederließ.
Sie muss heute Abend ganz sicher tanzen, dachte Draco und starrte appetitlos auf seinen Teller. Sie sollte nervös sein, nicht ich.
Er wollte mit ihr allein sprechen, doch nach dem Frühstück holten sie sofort zwei Mägde ab, um sie für den Ball vorzubereiten. Draco fragte sich, wie lange es dauern konnte, sich fertig zu machen, doch dann fiel ihm ein, dass man sich in dieser Zeit nicht so schnell anziehen konnte. Mit einem Seufzer der Verzweiflung verließ er den Speisesaal, um etwas zu tun zu suchen, was ihn von dem Ball ablenken könnte.
XXX
Ginny nahm noch ein Bad, doch dieses war länger und sie wurde von drei Mägden gleichzeitig sauber geschrubbt, während eine vierte ständig kaltes Wasser abschöpfte und heißes nachkippte. Sie wusste schon jetzt, dass es ein hektischer Tag werden würde. Sie hatte gehofft, wenigstens noch am Morgen ein wenig tanzen üben zu können, doch das war nicht der Fall. Sie musste einfach mit dem Wissen, das sie hatte, durch den Abend kommen. Ein weinig dankbar war sie auch, dass alle um sie herumwuselten und sie versorgten, so dass sie nicht darüber nachdenken konnte, wie nervös sie war. Nach dem Bad waren ihre Finger und Zehen verrunzelt und sie roch stark nach blumiger Seife. Dann kam sie zurück in ihr Zimmer, um angekleidet zu werden.
„Wann fängt der Ball an?" fragte Ginny Maria, als sie sie endlich einmal zu Gesicht bekam. Sie war damit beschäftigt schmutzige Kleider vom Boden aufzusammeln.
„Später Nachmittag," antwortete sie leicht abwesend und eilte aus dem Raum.
Ginny hatte sich eigentlich gewünscht, es wäre Maria, die ihr half, sich fertig zu machen, doch sie musste sich mit einem halben Dutzend jüngerer Mädchen zufrieden geben, die alle schnell miteinander redeten. Sie zogen ihr ein Unterkleid und zwei Unterröcke an, quetschten sie in ein Korsett und ließen sie dann in einen Reifrock steigen. Sie hatte nicht wirklich das Bedürfnis, ihn zu tragen, weil es sich komisch anfühlte, keinen Rock an ihren Beinen zu spüren. Aber später, als sie das weißblassblaue Kleid anzog, fand sie heraus, dass der Reifrock den Saum davon abhielt auf dem Boden zu schleifen. Stattdessen berührte er ihn nur sanft, was sie ein wenig erleichterte, weil sie dann weniger wahrscheinlich darüber stolpern würde. Ihr Haar wurde zu einem schönen, eleganten Knoten gebunden. Doch Ginny musste sich zu sehr darauf konzentrieren, ruhig zu atmen, dass sie nicht mitbekam, wie sie ihn machten. Sie hatte Angst davor, dass sie, wenn sie zu schwer oder zu schnell atmete, vielleicht in Ohnmacht fiel. Das Korsett war so eng geschnürt, dass alle ihre Organe nach oben oder nach unten gequetscht wurden. Sicherlich waren ein oder zwei Rippen gebrochen. Nachdem ihr Haar frisiert war, wurde sie eingepudert, und zwar so dick, dass es in Wolken von ihrem Gesicht stob und sie husten ließ. Sie fürchtete sich die ganze Zeit davor, zusammenzuklappen, aber ihr wurde zum Glück nicht einmal richtig schlecht. Nach all dem Schminken, Ankleiden und Frisieren hatte sie endlich eine Minute für sich. Die meisten der Mägde waren mit Aufräumen beschäftigt und sie hatte kurz verschwinden und sich auf ihre Bettkante setzen können, um normal nachzudenken. Doch sie konnte an nichts anderes als ihr Kleid denken. Wenn sie saß, schob sich der Reif fast bis zu ihrem Bauch hoch. Als sie auf den Rock drückte, bemerkte sie, dass die Reifen dehnbar waren und betete stumm, dass es sich nicht eindellen und dann plötzlich an irgendjemanden zurückschnalzen würde. Das wäre schrecklich peinlich für sie.
Mach dir darüber keine Gedanken, dachte Ginny, du wirst dich heute Abend beim Tanzen schon genug blamieren. Du wirst gar keine Chance dazu bekommen, einen Reifen zu zerbrechen.
Vielleicht würde sie auch zusammenbrechen, weil sie zu unregelmäßig atmete. Das war wahrscheinlich das erste, was geschah.
„Hoheit!" sagte Maria scharf und erschien im Türrahmen, „Hoheit kommt! Die Gäste werden gleich ankommen."
Alarmiert flogen Ginnys Augen zur Uhr. War es wirklich schon halb fünf?
Oh nein, stöhnte sich innerlich, lasst uns uns blamieren gehen!
Langsam, um nicht zu stolpern, weil sie wusste, dass sie ohne Hilfe nie wieder aufstehen könnte, stand sie auf und durchquerte den Raum. Sie versuchte gleichmäßig und würdig zu gehen, was ihr nur ein verdruckstes Kichern von Maria einfing.
„Ihr seht aus, als hättet Ihr ein Brett im Rücken," grinste sie, „kommt, Ihr könnt noch ein paar Minuten laufen im Gang üben."
Draußen im Korridor ging sie ein wenig auf und ab und hörte Marias Anweisungen nur mit halbem Ohr zu. Sie wurde immer nervöser, ihr Magen pochte, ihr Körper wurde taub.
Es wird schrecklich werden, dachte sie und hob ihr Kinn ein wenig, als Maria sagte, sie solle versuchen, natürlicher zu laufen.
Ich kann ja nicht mal richtig laufen, wie um Himmels Willen, soll ich dann auch noch tanzen?
Nach ungefähr 10 Minuten seufzte Maria und erschien an ihrer Seite.
„Schön," sagte sie, „es wird besser. Gebt einfach Euer Bestes, meine Liebe und wenigstens ich werde am Ende erfreut sein."
Ihr warmes Lächeln beruhigte Ginny ein wenig. Ebenfalls lächelnd lehnte Ginny sich leicht zu ihr, doch nicht zu sehr, weil sie Angst hatte, etwas zu zerbrechen und umarmte sie.
„Danke, Maria," flüsterte sie und hielt sich an ihr fest. Es fühlte sich sehr ungemütlich an, sie zu umarmen, doch das musste an Ginnys Kleidung liegen. Doch es gab ihr für kurze Zeit ein wenig Sicherheit, wenn sie sich an jemandem festhielt und deshalb löste sie sich nur widerstrebend von ihr.
„Ihr seht wundervoll aus, Kind," antwortete Maria leise und drückte Ginnys Hand versichernd. „Ihr werdet es gut machen, das verspreche ich."
Ihr Lächeln wurde verschmitzt.
„Es ist eher wahrscheinlich, dass alle Männer über ihre Füße stolpern, weil sie so hingerissen von Euch sind."
Ginny lachte, auch wenn sie die Bemerkung eher blöd fand.
Wenn sie stolpern, liegt das nur daran, dass sie sich mit ihren Füßen in meinem Kleid verfangen haben.
„Oh!" rief Maria plötzlich aus, „Jetzt hätte ich es fast vergessen. Ich bin sofort zurück, wartet hier, meine Liebe."
Sie eilte den Korridor hinunter und verschwand um die Ecke. Ginny fing wieder an herumzuwandern und versuchte sich an das zu erinnern, was Maria gesagt hatte. Kinn hoch, Kopf gerade, Brust raus, Schultern zurück, gleichmäßig atmen, aber nicht zu tief… Wie sollte sie an all diese Sachen denken, wenn sie sich eigentlich an ihre gelernten Tanzschritte erinnern musste? Einen Moment später kam Maria mit etwas Glitzerndem in den Händen zurück. Als sie bei ihr ankam, erkannte Ginny geschockt, dass es ein Diadem war. Maria, die den Ausdruck auf Ginnys Gesicht bemerkt hatte, hielt es hoch, dass sie es besser betrachten konnte. Ginny hatte Angst davor es zu berühren; Angst davor es fallen zu lassen oder kaputtzumachen. Es war silbern mit wunderschön geschwungenen Streifen funkelnder…
„Diamanten?" fragte Ginny kaum hörbar, weil sie befürchtete, es könnte verschwinden, wenn sie zu laut sprach. „Es ist aus Diamanten gefertigt?"
„Natürlich," sagte Maria strahlend, „senkt Euren Kopf, dass ich es Euch aufsetzen kann."
Dieses Mal bemerkte Ginny kaum, wie sehr es wehtat sich zu beugen. Sie fühlte, wie Maria die kleine Krone auf ihr Haar setzte und richtete sich wieder auf. Jetzt hatte sie die Angst, dass es herunterfallen könnte, wenn sie sich zu schnell bewegte.
„Habt keine Angst, dass es herunterfallen könnte," sagte Maria, als könne sie ihre Gedanken lesen, „es sind Halter an der Seite, habt Ihr sie nicht gesehen? Es wird sicher halten."
„Es ist… wunderschön."
Wunderschön schien ein schwaches Wort dafür. Von diesem Moment an, liebte Ginny es, eine Prinzessin zu sein.
XXX
Es gab einen Ballraum für solche besonderen Anlässe – einen Ballraum, so groß, dass Draco vermutete, mindestens 2, wenn nicht 3 Große Hallen hineingepasst hätten, und danach immer noch ein wenig Platz übrig gewesen wäre.
Er trug ein lächerliches grünes Outfit – die Hosen waren viel zu eng, und das Oberteil war viel zu schwuchtelig. Er fühlte sich wie ein dürrbeiniger, tonniger Mann mit einem Bierbauch, und einer goldenen Krone auf dem Kopf… und Locken. Aber es gab viel Essen. Und am Ende des Raumes gab es ein kleines Podest, wo sein eigener Thron stand. Ginnys war ganz rechts, neben ihr der ihres Vaters, dann der ihrer Mutter, dann Edwards, dann Elles und schließlich ganz links Dracos. Und nachdem er dort für fast eine ganze Stunde gesessen war, fühlte er sich dort eigentlich recht wohl. Bis sein Magen schließlich doch die Oberhand gewann und er aufstand und auf einen der Tische zuging. Doch er wusste nur zu gut, dass nur bei seinem Thron die Sicherheitszone war – kein Mädchen wagte es, hinaufzusteigen und ihn um einen Tanz zu bitten. Jetzt wo er ihn verlassen hatte, war er greifbar. Das mutigste Mädchen würde ihn zuerst fragen, was die anderen ermutigte und sie alle auf ihn losstürmten. Er musste einfach schnell etwas zu Essen nehmen und zurückgehen. Doch eine Tatsache stand diesem Vorhaben im Wege – er suchte den langen mit Essen bepackten Tisch mit den Augen ab, doch konnte keine Serviette finden. Oder ein Stück Stoff in den er ein Stück Fleisch und ein paar Trauben legen könnte, um sofort wieder zurückgehen zu können. Frustriert beschloss er, einfach ein Stück der Tischdecke abzureißen. Doch das würde schwer werden, weil sie anscheinend aus festen Leinen gefertigt war. Seufzend nahm Draco sich einen Apfel und machte sich auf den Weg zurück zum Podest. Dorthin unterwegs wurde er zum ersten Mal angehalten. Ein Mädchen in seinem Alter, mit steifen braunen Haaren und großen braunen Augen in einem pinken Kleid erschien wie aus dem Nichts vor ihm und verbeugte sich tief. Sie versperrte ihm den Weg und bevor er ausweichen konnte, hob sie schon den Kopf. Er konnte nicht einfach weggehen ohne sie zu bemerken, wenn er nicht wollte, dass sie ihn für einen kompletten Idiot hielt. Also biss er die Zähne zusammen und wartete.
„Guten Tag, Hoheit," sagte sie mit nur leicht zitternder Stimme. Sie war kein besonders hübsches Mädchen, weil sie, wie er bemerkte, als sie ihn kurz anlächelte, die gelbsten und schiefsten Zähne hatte, die er je gesehen hatte. Doch hässlich war sie auch nicht.
„Wie geht es Euch? Ich hoffe, Ihr seid bei guter Gesundheit."
Draco biss von seinem Apfel ab und versuchte den Geschmack der Schale in seinem Mund zu ignorieren. Er wünschte, er hätte ein Messer bei sich, um ihn zu schälen, denn Apfelschale schmeckte gummig und eklig, doch er hatte keins und so musste er entweder mit Apfelschale oder leerem Magen leben. Er antwortete mit vollem Mund und leicht gerümpfter Nase.
„Mir geht es gut, danke. Aber wenn du gekommen bist, um über Gesundheit zu sprechen, solltest du lieber mit Prinzessin Ginny reden. Diese Party ist aufgrund ihrer Genesung, und nicht meiner."
Das Lächeln des Mädchens fiel zusammen, bevor es ganz verschwand.
„Würdet Ihr gerne tanzen?" fragte sie schüchtern und sah aus, als wüsste sie die Antwort schon.
„Nein, danke. Ich geh lieber zu meinem Platz zurück. Danke trotzdem," fügte er noch mit einem Nicken hinzu, schob sich an ihr vorbei und spürte wie ihr Blick in seinen Rücken bohrten. Er war so höflich gewesen, wie er konnte, und sie war trotzdem beleidigt.
Na ja, dachte er und nahm noch einen Bissen von seinem Apfel, manchen kann man es halt einfach nicht recht machen.
Er war schon auf halbem Wege zu seinem Thron, als er erneut angehalten wurde, doch diesmal von einem Mann. Für einen kurzen Moment dachte Draco, er wollte ihn um einen Tanz bitten, doch stattdessen grinste der Mann nur breit, sagte laut, „Draco! Wie geht's, alter Junge?!" und klopfte ihm auf die Schulter. Der Mann war groß, mindestens über 1,90m und breit gebaut. Draco fühlte sich klein und schwächlich neben ihm, vor allem wegen seinen dürren Beinen. Er musste seinen Kopf leicht in den Nacken legen, um ihm ins Gesicht sehen zu können, doch wie lange er ihn auch betrachtete, ihm fiel nichts Bekanntes auf. Nach der Art, wie der Mann ihn begrüßt hatte zu schließen, schien er ein alter Freund oder so etwas zu sein. Draco bemerkte, dass er auf eine Antwort wartete, also antwortete er schnell durch einen Mundvoll Apfel, „Ganz gut, danke."
Er schluckte, bevor er noch einen Bissen nahm. Der Mann lächelte ihn immer noch breit an, immer noch mit seiner Hand auf Dracos Schulter, und schien darauf zu warten, dass Draco noch mehr sagte. Als dieser es nicht tat, lachte der Mann und drehte seinen Kopf zu dem Podest.
„Prinzessin Ginny sieht heute Abend sehr reizend aus," bemerkte er und betrachtete sie. Sie saß auf ihrem Thron und hatte eine fast gelangweilte Miene aufgesetzt.
„Mmmh…" antwortete Draco abwesend. Die Wahrheit war, dass er schon den ganzen Abend versuchte, nicht über Ginny nachzudenken. Sie sah einfach zu gut aus. Es war wichtig nicht an ihr Aussehen zu denken, weil er genau wusste, dass er sich von ihr angezogen fühlte. Das war klar, und er versuchte auch nicht, sich etwas vorzumachen. Er konnte nur damit fertig werden, indem er einfach nicht darüber nachdachte.
„Bald kommt der große Tag, hab ich Recht?" fuhr der Mann fort, lächelte einen Moment in Ginnys Richtung bevor er seinen Kopf wieder Draco zuwandte. „Nur noch, äh, 10 Tage, oder?"
Draco nickte, als ihm plötzlich klar wurde, dass er Recht hatte. Heute war der Fünfzehnte. Es waren nur noch 10 Tage bis er sie heiratete. Es ließ seinen Magen unangenehm rumoren und er wünschte sich, der Mann würde das Thema wechseln.
„Nun gut," sagte er und schien die Unterhaltung beenden zu wollen, „war schön dich wieder zu sehen, Draco. Du kommst gar nicht mehr, um mich zu besuchen, wie du es getan hast, als du jünger warst. Willst du deinen Onkel nicht mehr besuchen?"
Draco hielt sich gerade noch davon ab, nachzufragen.
Onkel?
Stattdessen zwang er sich zu lächeln.
„Tut mir Leid, äh, Onkel," sagte er, „ich werde sehen, dass ich mal wieder zu dir kommen kann."
„Gut," sagte sein Onkel und klopfte ihm noch einmal abschließend auf die Schulter, „Gut."
Dann verschwand er wieder in der Menge. Draco hatte keine Ahnung gehabt, dass er einen Onkel hatte. Warum hatte Edward es nie erwähnt? Na ja, es war je eigentlich auch egal. Vielleicht hatten sie nicht die beste Beziehung zueinander. Oder vielleicht…
Er ist sicher der Bruder meiner Mutter, erkannte er. Sie hatten definitiv dieselben blonden Haare, auch wenn die des Mannes ungefähr um zwei Schattierungen dunkler war. Er verbannte das aus seinen Gedanken und ging zu seinem Thron zurück. Elle saß neben ihm auf ihrem, trug ein kunstvoll gefertigtes Kleid aus blauem Samt und ein Diadem, und beobachtete den Ball mit Interesse. Sie summte mit der Musik mit, und es schien, als hätte sie mittanzen wollen. Als er genug von der abstoßenden Apfelschale hatte, legte er den Apfel zwischen ihren und seinen Thron. Dann lehnte er sich hinüber und fragte, „Warum suchst du nicht jemanden, der mit dir tanzt?"
Erschrocken sah sie zu ihm herüber. Dann lächelte sie, doch es war ein sehr trauriges Lächeln.
„Es ist niemand in meinem Alter hier," sagte sie seufzend und betrachtete weiter die tanzenden Paare.
Draco wünschte sich wirklich für einen kurzen Moment, tanzen zu können, damit er mit ihr tanzen könnte. Aber nach einem Bruchteil einer Sekunde war der Wunsch verschwunden, er lehnte sich zurück und beobachtete die Gäste. Ein halbe Stunde verging und es gab keine Anzeichen dafür, dass der Ball seinem Ende zuging. Als er auf die riesige Uhr an der Wand schaute, sah Draco, dass es erst sieben Uhr war. Es konnte noch drei oder vier Stunden so weitergehen. Mit einem genervten Seufzer rutschte Draco ein wenig tiefer in seinen Sitz und betete, dass es bald vorüber war.
Vielleicht bekomme ich dann endlich etwas Richtiges zu essen.
XXX
Ja!, dachte Ginny, als sie auf die Uhr sah. Es ist halb elf und ich musste noch kein einziges Mal tanzen!
Der Ball musste bald vorbei sein. Es war schrecklich langweilig gewesen, die ganze Zeit über auf ihrem Thron zu sitzen, und sie hatte sich damit beschäftigt, sich auf das Atmen zu konzentrieren. Aber das war es wert, weil sie nicht hatte tanzen müssen. Aber das Beste war, dass Tom es nicht geschafft hatte, zu kommen. Das brachte sogar fast die Sache mit dem Kleid in Ordnung.
Vielleicht müssen Könige bei solchen Gelegenheit die ganze Zeit auf ihrem Thron sitzen, überlegte sie.
Auch Ginnys Eltern und Dracos Vater waren nur aufgestanden, um etwas zu essen oder sich mit wichtigen Gästen oder alten Freunden zu unterhalten. Sogar Draco war einmal aufgestanden. Jetzt saßen sie alle. Und Ginny betete und betete, dass es endlich aufhörte. Sie war furchtbar erleichtert, als ihr Vater aufstand, sich Stille auf den Raum senkte, die Musiker aufhörten zu spielen und ihre Instrumente sinken ließen. König Robert räusperte sich, bevor er anfing zu sprechen.
„Meine Damen und Herren, ich befürchte, dass ich diesem wundervollen Abend nun ein Ende machen muss…"
Ginny schnaubte – es war ja nicht so, dass er etwas zu dem ‚wundervollen' Abend beigetragen hätte.
„Aber ich muss es tun. Doch wie jeder von Ihnen sicher weiß, wird meine Tochter in zehn Tagen an Prinz Draco verheiratet werden," fuhr er fort und Ginny hielt bei ihrer Erwähnung die Luft an. Angst machte sich in ihrem Magen breit und lief ihr Rückgrat hinunter… aus irgendeinem Grund wusste sie genau, was ihr Vater gleich sagen würde. Während König Robert den Leuten Zeit ließ, leise zu klatschen, versuchte Ginny ruhig zu atmen.
„Also möchte ich, bevor Sie heute Abend gehen, dass Sie diesen letzten Tanz meiner wundervollen Tochter und ihres Verlobten abwarten."
Dieses Mal war der Applaus lauter und Ginny blinzelte.
Das kann nicht sein, dachte sie. Es war ihr nicht einmal im Traum eingefallen, dass sie vielleicht mit Draco tanzen musste. Sie hatte viel zu viel Angst gehabt, dass ihr Partner vielleicht Tom sein könnte. Doch weil er nicht da war, war auch diese Angst verschwunden, doch sie hatte trotzdem nicht an Draco gedacht. Jedes Augenpaar ruhte auf ihr. Sie brauchte einen Moment bis sie sich erinnerte, dass sie stehen sollte, also stand sie auf und fühlte sich, als würde sie gleich in Ohnmacht fallen. Als sie die Schnallen ihrer Schleppe löste und sie auf ihren Thron fallen ließ, bemerkte sie mit Erleichterung, auch wenn sie nur minimal war, dass alle Gäste an die Wände zurückgewichen waren und ihnen sehr viel Platz zum Tanzen gelassen hatten.
Wenigstens, dachte sie, tanzen wir für uns alleine.
Sie lehnte sich leicht nach vorne, um Draco zu sehen, dessen Thron am weitesten von ihrem entfernt war. Sie konnte sein Gesicht nicht sehen, doch hörte, wie Elle ihm etwas zuflüsterte und er selbst auch aufstand. Er sah genervt aus, mit einem ernsten Zug um den Mund und angespanntem Kiefer. Natürlich sah er auch so ruhig und zielsicher aus wie immer. Auch wenn er keine Ahnung hatte, was er tun sollte, er schaffte es immer so auszusehen, als wüsste er genau, was zu tun war. Ginny, die versuchte, sich zu erinnern, wie man in diesem beknackten Kleid lief, schritt die drei Stufen des Podests hinunter auf den Holzboden. Draco tat es ihr nach, doch sehr langsam. Es war das erste Mal, das sie ihn richtig sah, und sein Outfit hätte sie fast wie irre kichernd lassen. Es sah fast so aus, als trüge er Strumpfhosen. Seine Sorgenfalte vertiefte sich, als er sah, wie sie eine Hand zum Mund hob, um ihr Lächeln zu verdecken. Dann fingen die Musiker an zu spielen. Ginnys Lächeln verschwand, denn sie wusste, dass es ihr Signal zum Tanzen war. Sie erkannte, dass der einzige Tanz, der zu solcher Musik passte, ein langsamer war. Der Raum war verdunkelt, und sie sah, wie einige Mägde viele Kerzen ausbliesen. Mit einem Schauer auf dem Rücken ging sie auf Draco zu. Die Schatten tanzten über sein Gesicht, das Kerzenlicht leuchtete in seinen Haaren und glitzerte in seiner schlichten goldenen Krone. Sie vergaß plötzlich seine bescheuerte Kleidung.
Er sieht absolut süß aus.
Einen Moment später fiel ihr ein, dass sie von den Beiden es war, die einigermaßen wusste, wie dieser Tanz ging. Mit einem tiefen Atemzug schritt sie vor ihn hin, die Musik schwebte in ihrem Kopf herum und ließ sie denken, sie träume. Ihr Atem ging schneller, als sie die Wärme seines nahen Körpers spürte, sie nahm seine rechte Hand in ihre und hob sie leicht.
„Leg deine Hand an meine Hüfte," sagte sie, doch hob ihre Stimme kaum über ein Flüstern, weil sie Angst hatte, die Leute würden bemerken, dass sie ihm Anweisungen gab. Er gehorchte und sie legte ihre eigene Hand auf seinen Arm. Ginny begann ihre Füße zu bewegen, unsicher wie die Schritte zu diesem Tanz gehörten. Maria hatte ihr nur die Haltung und nicht die Schritte gezeigt.
Wir müssen es einfach improvisieren…
Und überhaupt, wer würde sie unterbrechen, nur weil sie nicht die richtigen Tanzschritte machten? Zuerst, als sie sich in Richtung Mitte des Raumes bewegten, vermied Ginny Dracos Blick. Sie fühlte sich aufgeregt und warm, weil sie ihm so nahe war, und ihre Hand fest in seiner lag. Ihre Haut schien zu kribbeln, wo seine Haut ihre berührte. Sie hatte sich noch nie vorher so gefühlt, so absolut bezaubert von einem Jungen. Es fühlte sich… richtig an. Für das erste Mal seit einer Woche, war sie entspannt; alles schien richtig in der Welt. Als sie ihre Augen hob, sah sie, dass Draco sie anstarrte – nein über sie, auf ihr Diadem… Er grinste, als er ihren Blick auf ihrem Gesicht spürte.
„Wie kommt es, dass du eins mit Diamanten gekriegt hast?" fragte er flüsternd.
Sie grinste unwillkürlich.
„Alles, was du bekommst, ist ein goldenes… und grüne Strumpfhosen." Als sie sich daran erinnerte, kicherte sie wieder los.
„Es sind keine Strumpfhosen," schnappte er verteidigend, „und überhaupt, glaubst du, ich hab mir diese Klamotten ausgesucht?"
„Sie sehen aber aus wie Strumpfhosen," schnaubte sie durch ihr Lachen und versuchte verzweifelt, sich zu beruhigen. Der Ausdruck auf seinem Gesicht belustigte sie nur noch mehr.
Er sah sich um und fauchte ärgerlich, „Halt endlich die Klappe. Alle schauen uns zu. Ich glaub nicht, dass sie sehen wollen, wie ich dich auf den Boden schubse."
Dann müsste ich wahrscheinlich nur noch mehr lachen, dachte sie, doch schaffte es ihr Lachen in ein Lächeln zu verwandeln. „Ich wünschte, ich hätte eine Kamera. Keiner wird es glauben, wenn ich erzähle, dass du das angezogen hast…"
„Stimmt, das würden sie nicht," grinste er, „Weil, wenn du es nämlich irgendjemand erzählst, ich dir deine Haare, weißblassblau mit haltbarer Farbe färben werde, während du schläfst. Und glaub mir, das wäre auch keine Verbesserung."
Ginny musste ihre Lippen zusammenpressen, um nicht wieder loszulachen. Ihr war völlig klar, dass sie wegen dieser Bemerkung sicher wütend gewesen wäre, hätte er sie nur ein paar Tage früher oder in ihrer wirklichen Zeit gemacht. Aber die Dinge liefen jetzt ganz anders. Sie wusste nicht, wann sie sich geändert hatten oder wann sie aufgehört hatte, Draco Malfoy zu hassen. Aber plötzlich erschien ihr alles nicht mehr so schlimm. Tatsächlich war sie fast froh, dass er jetzt bei ihr war. In diesem Moment wusste sie nicht mit wem sie lieber zusammen wäre. Sie hatten beide nicht wirklich getanzt. Sie standen nur auf einer Stelle und verlagerten ihr Gewicht von einem Fuß auf den anderen. Aber niemand hatte etwas gesagt; alle beobachteten sie immer noch mit verzückter Aufmerksamkeit, als wäre es das aufregendste und dramatischste Erlebnis, das sie je gesehen hätten.
„Hast du Dumbledore besucht?" fragte Ginny plötzlich, als sie sich daran erinnerte, dass sie ihn das schon den ganzen Tag hatte fragen wollen. Draco zog die Augenbrauen zusammen.
„Ich habe es versucht. Aber er hat mich nicht hereingelassen."
Sie fühlte einen erneuten Kicheranfall nahen. „Hat dich nicht hereingelassen?" druckste sie heraus und versuchte sich zu beherrschen.
Er nickte, machte ein genervtes Geräusch und warf den Leuten an den Wänden einen Blick zu.
„Er sagte, ich solle mit dir zurückkommen."
Das amüsierte Ginny nicht im Mindesten. „Mit mir?"
Draco sah sie mit verengten Augen an. „Ja, Ginny, das habe ich doch gerade gesagt. Du musst nicht alles wiederholen, was ich sage."
„Tut mir Leid," sagte sie knapp, „aber er hat dich nicht hereingelassen und du sollst mit mir zurückkehren?"
„Na ja, ich vermute, dass er dich gemeint hat," sagte Draco, „ er sagte so etwas, wie ‚Komm mit dem Mädchen zurück'. Ich denke, dass du ‚das Mädchen' bist."
„Das ist komisch," sagte Ginny gedankenverloren. Nach einem kurzen Moment öffnete sie wieder den Mund.
Wie hat er ausgesehen? War es.. na ja, Dumbledore?"
„Ja, war er," antwortete Draco und seine Mundwinkel hoben sich leicht. „Ich habe nicht viel von ihm gehört, doch das, was er gesagt hat, klang ganz nach seinem durchgeknallten, irren Selbst."
Sie grinste und fühlte wie ihr eine immense Last von den Schultern fiel. „Gut. Dann weiß er sicher, wie wir hierher gekommen sind. Oder wenigstens wie wir zurückkommen."
Draco nickte abgelenkt, doch antwortete nicht. Sie schwiegen beide und nur der Klang der fast traurigen Musik erfüllte den Raum. Dann schien Draco etwas einzufallen.
„Ich habe gedacht, Tom solle hier sein."
Ginny spannte sich augenblicklich an, doch schaffte es ihre Füße weiter zu bewegen.
„Er konnte nicht kommen, Gott sei dank," murmelte sie und sah auf den Boden.
„Konnte nicht kommen? Wie, er war nicht eingeladen?"
„Oh, doch," sagte Ginny verbittert und blickte wieder auf, „meine Eltern haben mir gesagt, er hat noch einen Patienten weiter im Süden zu versorgen. Ich war darüber so glücklich, dass ich nicht weiter nachgefragt habe."
„Hat er…" Er brach ab und sah weg. „Hat er dich noch einmal belästigt?"
Ginnys Unterkiefer klappte nach unten, doch er sah weg, sodass er es nicht sah.
Hat mich Draco gerade etwas gefragt, das… das nach Besorgnis klingt?, fragte sie sich und schloss schnell ihren Mund.
„Nein, ich habe ihn nicht gesehen, seit es mit besser geht."
Dann fuhr sie mit sicherer Stimme fort, „Wenn ich Königin bin, wird er in die Kerker geschmissen. Für immer eingesperrt. Ich werde ihn nie wieder rauslassen!"
Draco hob eine fragende Augenbraue. „Warum sollte man ihn einsperren?"
„Weil er es ist, der diese Familien umbringt!" rief Ginny, bevor sie sich daran erinnert ihre Stimme zu senken.
Draco warf ihr einen seltsamen Blick zu. „Na ja, ich verstehe, warum du das glaubst, aber-,"
„Nein, Draco, ich habe ihn wirklich gesehen," protestierte Ginny leise, „Ich-, ich habe davon geträumt." Jetzt, wo sie es laut sagte, hörte es sich völlig unwahrscheinlich an. Fast absurd.
„Träume sind Schäume, Ginny." Er runzelte die Stirn, „Sie heißen überhaupt nichts."
„Diese Träume schon," beharrte Ginny.
„Wieso? Wieso sind sie anders, als wenn man träumt, dass man nackt in Zaubertränken rumhüpft?"
Wenn sie nicht gerade etwas so wichtiges diskutiert hätten, hätte sie vielleicht gelacht.
„Weil es sich so wirklich anfühlte," sagte sie kaum hörbar.
Draco hatte sie dennoch gehört und lachte kurz auf. „Das kann bei anderen Träumen auch sein."
„Nein, ich hatte diese Träume viele Tage hintereinander mit dem einzigen Unterschied, dass jedes Mal andere Leute umgebracht wurden." Sie senkte ihre Stimme auf ein Flüstern und näherte sich mit ihrem Gesicht seinem. „Und das hat angefangen, nachdem ich den Trank getrunken habe, den Tom mir gegeben hat. Und hat aufgehört, als es mir wieder besser ging. Meinst du nicht, dass das ein wenig… seltsam ist?"
Sie hatte gar nicht bemerkt, wie nah sie seinem Gesicht gekommen war, doch nun berührten sich ihre Nasen fast. Ein Kloß entstand in ihrer Kehle und sie vergaß völlig, was sie hatte sagen wollen. Stattdessen spürte sie seinen Atem auf ihrem Gesicht, seinen Körper dicht an ihren gedrängt und ihr unregelmäßig schlagendes Herz. Langsam wurden ihre Knie weich.
„Es ist mir egal, Ginny," murmelte er. Sie hörte ihn fast nicht. Sie stellte sich seinen Mund auf ihrem vor, seine Hand in ihren Haaren… sie konnte an nichts anderes denken. Alles im Raum schien wegzuschmelzen und die Musik verschwand langsam ins Nichts… Ginny war sich nicht sicher, wer sich als erstes nach vorne lehnte, doch plötzlich berührten sich ihre Lippen kaum spürbar. Alle klaren Gedanken verschwanden, ihr Puls beschleunigte, ihre Haut wurde heiß… und doch war es gar kein richtiger Kuss. Sein Mund war kalt, aber, als er ihren berührte schien er zu brennen. Er drückte seine Lippen gegen ihre, löste sich von ihr und ließ ihre halbgeschlossenen Augenlider vor Überraschung aufschnappen. Er trat einen Schritt zu Seite und ließ ihre Hand los.
„Das Lied ist zu Ende," sagte er leise und wandte den Blick ab.
Ginny bemerkte, dass er Recht hatte – die Musik hatte aufgehört, die Musiker senkten ihre Instrumente. Sie hatte es nicht bemerkt… der Klang der vielen Stimmen erfüllten wieder den Ballsaal, als die Gäste wieder auf die Tanzfläche strömten. Sie stand einfach da, verlor Draco aus den Augen, als ihn eine Schar kichernder Mädchen umdrängten, und fröstelte plötzlich. Aber sie fühlte sich so glücklich wie schon lange nicht mehr…
Und so endete der erste und vermutlich auch letzte Ball in Ginnys Leben.
XXX
Please let me know what you think!
At LaraAnime: Find ich nett von dir! Aber es ist ja nur eine Übersetzung, also bin ich nur für die Sprache verantwortlich.
At Lara-Lynx: Da bin ich aber erleichtert, dass du (und alle anderen) mir nicht sauer bist! Ich weiß nicht, ob ich in nächster Zeit bisschen Zeit habe, weiter zu übersetzen, aber ich denke eigentlich schon…
At h0n3ym0on: Und schau, dieses Mal hat's gar nicht mal so0o0o schrecklich lang gedauert… XD; ich war diesen Winter zum Glück noch gar nicht krank! Dann wünsch ich dir mal gute Besserung!!
At Kissymouse: Fragen über Fragen, oder??!! Und immer bekommt man nur so wenige Antworten darauf… XD
At Bbabygirl90: das hab ich auch nicht gerne übersetzt!! Schön, dass es dir gefällt!
At D.V.G.M.1: Dann hoffe ich mal, dass das Reviewen jetzt wieder geht!! xzitterx; so ewig wie beim letzten Mal hat's dieses Mal nicht gedauert!! Zum Glück!
At eve: Danke!!! Auch nett, dass du meine Übersetzung lobst! Da bin ich vor Stolz gleich 4 Meter größer… XD
At Bonchito Blue: Ich mach ja schon weiter! xsichgleichwiederandiearbeitmachx
At Aldavinur: Stimmt, ich hätte auch nicht gern solche Träume! Ich hoffe, du hattest schöne Weihnachten!?
At nannachen: Ich weiß nicht, ob er brennt! Muss ich gleich ausprobieren! XD
At anonymus: Danke, danke!! xsichverbeugx; aber ich muss anmerken, dass es nur eine Übersetzung ist…
At Jalousie: Danke! Bin froh, dass es dir gefällt!!
Noch einmal ein riesiges DaNkE an meine liebe Beta! Bussi Bärli mmmpfaah! (Insider)
Liebe Grüße an alle noch einmal, und ich hoffe, dass es bald weitergeht!!
