Disclaimer: Dies ist eine Übersetzung! Mir gehört weder die Charaktere noch der Plot!

Hallo!

Ja, ich lebe noch und ich weiß, dass ihr mich jetzt alle schrecklich hasst… Ich habe EINDEUTIG zu lange gebraucht… Und ich hab nicht einmal eine richtige Entschuldigung, wie zum Beispiel, dass ich weggefahren bin oder schrecklich viel lernen musste… Naja, ich hoffe trotzdem, dass ihr mir verzeiht und noch weiter lest…

Ein RIESEN Dankeschön an meine Reviewer!

All You Need Is Love

11.Ritter in schimmernder Rüstung

Das erste, das Draco an der Kutsche bemerkte, war, dass sie sich nicht bewegte, sondern einfach mitten auf der schneebedeckten Straße stand. Das zweite, dass sie keine Pferde hatte. Er zog an Jacks Zügeln, um ihn zum Anhalten zu bringen und ließ sich in den Sattel sinken; seine Beinmuskeln entspannten sich langsam. Für einen Augenblick starrte er die Kutsche düster an und fragte sich, warum sie sie alle verlassen hatten. Das dritte, das er wahrnahm, war, dass Leichen im rot verfärbten Schnee lagen. Seine Augen weiteten sich. Er nahm eine Handvoll von Jacks Mähne und glitt von seinem Rücken hinunter. Draco bemerkte, dass sein Herz klopfte und er wusste auch warum. Es bestand die Möglichkeit, dass Ginny unter diesen Leichen war. Zuerst sah er in der Kutsche nach, die er leer vorfand, was keine große Überraschung war. Dann ging er herum und betrachtete jeden einzelnen, der am Boden liegenden, doch atmete erleichtert aus, als er sah, dass niemand hellrote Haare hatte. In der Tat war der einzige ohne Rüstung der Mann, von dem Draco vermutete, dass es der Kutscher gewesen war, der in der Nähe des Außensitzes der Kutsche lag. Wo waren also Ginny und der Mann, der mit ihr gekommen war?

„Eure Hoheit!"

Draco wirbelte erschrocken herum und blickte sich suchend um. Zu seiner Überraschung erkannte er Harry, der an einen Baum gebunden war. Langsam verwandelte sich seine Verwunderung in Belustigung und er ging zu ihm hinüber.

„Potter?" fragte er gedehnt, verschränkte die Arme und grinste fies, „Wie zum Teufel hast du dich selbst an einen Baum gebunden?"

Das Seil war so oft um ihn und den Stamm geschlungen, dass es alles von seinen Schultern bis zu seinen Handgelenken bedeckte. Nach Dracos Kommentar sah er ein bisschen wütend aus, doch sagte scheinbar gelassen, „Ich habe mich nicht selbst festgebunden. Jemand anderes hat es getan."

„Wo ist Ginny? Ist sie an irgendeinem anderen Baum festgebunden?"

„Das ist nicht lustig, Hoheit," fauchte Harry mit wütender Miene, „Wir sind von Zigeunern überfallen worden."

Draco starrte ihn einen Moment fassungslos an, bevor er mit verengten Augen sagte, „Ich verstehe nicht ganz."

Harry starrte ihn mit verärgertem Gesichtsausdruck an und zeigte deutlich, dass er in Draco einen inkompetenten Deppen sah.

„Zigeuner, Hoheit!" wiederholte er mit Nachdruck. „Sie überfielen die Kutsche, töteten die Ritter und stahlen die Pferde."

Draco hob die Augenbrauen und ließ seinen Lippen einen langen Seufzer entweichen. „Ist Ginny jetzt an einen anderen Baum gebunden oder nicht?" fragte er. Harry schloss kurz die Augen und murmelte etwas vor sich hin, um seine Geduld zu bewahren.

„Sie haben sie mitgenommen, Hoheit," sagte er langsam und deutlich, öffnete die Augen und richtete seinen Blick auf Draco.

„Die Zigeuner oder wer?"

„Nein, die Pferde," schnappte er mit ärgerlichem Blick, „Ja, die Zigeuner, Hoheit."

Für einen Moment war sich Draco nicht sicher, ob er grinsen oder ihn angiften sollte. Harrys Ton und seine sarkastische Antwort waren etwas, das sicher auch in seiner eigenen Zeit vorgekommen wäre. Nach einer kleinen Pause entschied er sich für nichts von beidem und fragte stattdessen, „Warum hast du sie nicht aufgehalten?"

Harry starrte ihn aus dunklen Augen an, die ganz einfach besagten, Du bist ein vollkommener Idiot, Draco Malfoy.

„Vergebt mir, Hoheit," sagte er mit kühler spöttischer Stimme, „Das nächste Mal werde ich versuchen, sie alle gleichzeitig mit bloßer Hand zu erledigen."

Draco grinste hämisch. „Hast du es wenigstens versucht?"

„Natürlich habe ich das," sagte Harry scharf, „Ich wollte nicht, dass die Prinzessin gekidnappt wird. Doch nun, da sie es wurde, wird der König mich höchstwahrscheinlich raus zur Feldarbeit schicken, weil es unter meinem Beisein geschehen ist."

„Stimmt. Nun, Potter, ich könnte hier wirklich den ganzen Tag stehen und dich bemitleiden,"

„Ich wette, das könntet Ihr," unterbrach ihn Harry verbissen. Draco gab vor, ihn nicht gehört zu haben.

„- aber ich sollte am Besten zum Schloss zurückkehren. Damit jemand kommt und dich losbindet und all das." Er drehte sich um und ging auf die Straße zu, aber schon nach zwei Schritten rief Harry ihn zurück.

„Ihr könnt mich nicht selbst losmachen?"

Draco drehte sich wieder um, um ihn anzusehen.

Nein, ich habe meinen Zauberstab ja nicht, wie sonst soll ich dich denn losbinden, fragte er sich unbeteiligt, doch sagte stattdessen, „Können schon, aber wo ist der Spaß dabei? Es ist mir lieber, wenn du hier eine Weile stehst."

Harry starrte ihn so böse an, dass er lachen musste.

„Ich mach nur Spaß, Potter," sagte er grinsend und rieb sich die Hände, um sie zu wärmen, „Ich kann dich nicht selbst befreien, tut mir Leid."

„Geht Ihr nicht, um Ihre Hoheit zu retten?"

„Ich hatte es nicht geplant," sagte er ölig und sein Grinsen verblasste. „Du denkst wohl, ich bin eine Art Krieger, doch ganz im Ernst, das bin ich nicht."

Jedenfalls nicht mit dem Schwert. Wenn er seinen Zauberstab hätte, könnte er jeden Muggel ohne Mühe fertigmachen.

„Ich habe nie gedacht, dass Ihr ein Krieger seid, Hoheit," sagte Harry kalt und warf seinen Kopf zurück, um die lange Haarsträhne, die ihm in die Augen gefallen war, zurückzuwerfen. „Ich habe nur angenommen, dass Ihr versucht, sie zu retten."

Draco sah ihn mit ausdrucksloser Miene an. Er war sich nicht sicher, warum sein Herz so schrecklich klopfte oder warum er sich so fürchterlich unwohl und unsicher gefühlt hatte, als er die verlassene Kutsche gesehen hatte, aber er wusste, dass es etwas mit Ginny zu tun hatte. Er weigerte sich einzugestehen, dass er sich vielleicht um sie sorgte. Er sorgte sich um kaum etwas, schon gar nicht um Menschen. Und am wenigsten um Ginny Weasley.

„Warum?" fragte er Harry schlicht.

„Soll ich Euch etwas sagen, Hoheit? Es ist mir eigentlich völlig egal, was Ihr tut," antwortete Harry und wand sich ein wenig unter den Seilen. „Ich kann von meinem Hals abwärts nichts mehr spüren und das ist nicht gerade angenehm, also würde es mir wirklich nichts ausmachen, wenn Ihr jetzt sofort zum Schloss zurückkehrt."

Draco sah ihn stirnrunzelnd an, unsicher, was er nun tun sollte. Es würde doch das Beste sein, auf Jack zurück zu reiten und Hilfe zu holen, oder? Die Männer des Königs würden die Zigeuner leichter finden und Ginny würde gesund und munter zurückkehren. Aber er konnte auch selbst Harry losbinden, ihn zum Palast zurückschicken, während er selbst gehen und die Zigeuner finden konnte, solange sie noch in der Nähe waren. Auch wenn er alleine war und weder im Schwertkampf noch in irgendeiner anderen Kampftechnik bewandert war, die nichts mit Fäusten oder Zauberstäben zu Tun hatten – und er bezweifelte stark, dass irgendein Zigeuner sich mit Fäusten oder Zauberstäben aufhielt, sie würden ihn einfach mit dem Messer erledigen – konnte er sie vielleicht davon abhalten, Ginny schreckliche Dinge anzutun. Er konnte sie sozusagen vor Schlimmerem bewahren.

„Warte," sagte Draco, immer noch tief in Gedanken. Er wandte sich um und ging auf einen der Ritter zu, der tot im Schnee lag. Diesem Mann war es anscheinend noch möglich gewesen, sein Schwert zu ziehen, bevor er umgebracht worden war, denn ein Stück von ihm entfernt lag eines auf dem Boden. Draco stieg vorsichtig über ihn und hob das Schwert auf; das Heft war eisig kalt auf seinen unbehandschuhten Händen. Er unterdrückte einen Schauder und kehrte zu Harry und dem Baum zurück.

„Ich schneide dich los," sagte er, „und dann rennst du so schnell du kannst zum Schloss zurück."

„Und Ihr folgt Ihrer Hoheit?"

„Nein, ich wollte eigentlich hier bleiben, um sicherzugehen, dass niemand die Leichen stiehlt," antwortete Draco ernsthaft. Er wartete Harrys Reaktion nicht ab, sondern schritt um den Baum herum, auf die andere Seite, damit er nicht Harrys Arm mit abhackte, wenn er die Seile durchschnitt.

Es war nicht leicht. Das Schwert war ganz anders als ein Messer, weil es viel länger war. Während er mit der einen Hand ein Stück Seil ruhig hielt, musste er seine andere Hand fast bis zur Schulter zurücknehmen, weil die Klinge so lang war und das Heft so weit hinten angebracht war. Doch Harry gab keinen Laut der Ungeduld von sich und zeigte auch nicht, dass er in Draco einen beschränkten Depp sah, weil er so lang brauchte. Es dauerte fast fünf Minuten bis er ein Stück Seil durchtrennt hatte, und nun musste er es nur noch entwickeln, indem er mehrere Male um den Stamm herumlief. Dabei fühlte er sich wie ein geistesschwacher Idiot, der den Zwang hatte, immer im Kreis zu laufen.

Schließlich konnte Harry von dem Baum wegstolpern, tat ein Paar Schritte, doch fiel dann in den Schnee. Draco machte keine Anzeichen, ihm zu helfen, doch Harry öffnete rasch den Mund, um zu erklären.

„Meine Beine sind taub. Das Gefühl sollte in ein paar Minuten zurückkehren."

Draco sah zu, wie er sein Arme massierte, um das Blut wieder zum Fließen zu bringen, doch Harry warf ihm einen genervten Blick zu.

„Wisst Ihr," sagte er gereizt, „mit jeder Sekunde, die Ihr hier steht, wird es schwerer den Zigeunern zu folgen. Es sieht nach Schnee aus; folgt den Spuren solange sie noch frisch sind."

Dracos Miene verdunkelte sich, weil er sich so blöd fühlte, weil er so nutzlos herumgestanden war und sagte deshalb schnell, „Beeile dich und lauf zum Schloss zurück."

Dann drehte er sich um und ließ das Schwert wieder neben dem Ritter fallen, von dem er es sich geliehen hatte, bevor er zu seinem Pferd Jack zurückkehrte, der im Schnee nach Gras stöberte. Diesmal schaffte er es ohne viel Gestrampel in den Sattel und zwang sich das schmerzhafte Hüpfen zu ertragen, als er Jack an Harry vorbeilenkte. Als er bei ihm vorbeikam, kam Harry gerade wieder auf die Füße. Draco schätzte, dass er vierzig Minuten zurück zum Schloss brauchen würde und hoffte, dass die Verstärkung nur halb so lang brauchte.

Der platt getretene und durcheinander gewirbelte Schnee im Wald war offensichtlich der Weg den die Zigeuner genommen hatten. Draco war sich nicht sicher, wie viel Vorsprung sie hatten, aber es waren sicher gute 10 Minuten. Ihm wurde klar, dass er nicht einmal wusste, ob sie zu Fuß gingen oder ritten. Nach allem, was er wusste, konnten sie jetzt schon Meilen entfernt sein, wenn sie Pferde unterwegs waren. Was – unglücklicherweise – das Wahrscheinlichste war, weil sie die Kutschpferde gestohlen hatten.

Draco schaffte es Jack in einen schnellen Galopp zu bringen, denn, wenn er eine Chance haben wollte, bald aufzuholen, würde er schnell sein müssen. Schon nach diesen wenigen Sekunden bereute er seine Entscheidung, Ginny alleine zu folgen. Warum tat er es überhaupt? Er musste es ja nicht. Er war sich sicher, dass die Zigeuner sie nicht umbrachten, wenn sie sich Gewinn davon erhofften, sie zu kidnappen und am Leben zu lassen. Doch es gab auch noch die Möglichkeit, dass sie gar nicht wussten, dass es die Prinzessin war. Jetzt fiel ihm auf, dass er fast nichts über die derzeitige Lage wusste und er Harry hätte fragen sollen. Doch nun war es zu spät. Er musste alleine damit fertig werden. Noch ein anderer Gedanke traf ihn. Warum hatte er das Schwert nicht mitgenommen? Auf sich selbst schimpfend, brachte er Jack zum Stehen und blickte über die Schulter zurück. Er konnte die Kutsche nicht mehr sehen – es standen zu viele Bäume dazwischen. Doch er konnte nicht noch einmal zurückgehen. Außerdem wusste er nicht, wie man ein Schwert gebrauchte. Also war es doch kein so großer Verlust.

Doch, ist es schon, sagte er sich selbst mit gerunzelter Stirn und presste seine Fersen in Jacks Flanken, um ihn wieder zum Rennen zu bringen. Auch wenn ich nicht weiß, wie man kämpft, hätte ich versuchen können, ihnen Angst einzujagen und so zu tun, als wüsste ich, was ich tue.

Doch dafür war es einfach zu spät. Er hätte nachdenken sollen, bevor er auf sein Pferd gehüpft und weg geritten war. Aber auch ohne Schwert musste er erst mal versuchen, sie einzuholen. Zu Dracos Glück musste man Jack nicht viel lenken. Das Pferd schien zu wissen, dass sie dem Pfad folgten – oder vielleicht konnte es auch einfach die anderen Pferde riechen. Was auch immer, jedenfalls konnte sich Draco mehr auf die Bequemlichkeit konzentrieren, anstatt ihn umherlenken zu müssen. Nach fast zehn Minuten brannte Dracos Gesicht vor Kälte, seine Finger waren gerötet und fühlten sich fast taub an. Er hatte nicht daran gedacht, Handschuhe mitzunehmen, als er gegangen war. Aber da hatte er auch noch nicht gewusst, dass er Ewigkeiten auf einem Pferd durch den Wald reiten würde. Weitere fünf Minuten vergingen und er bemerkte, wie der Himmel sich verdunkelte. Er spähte durch die skelettartigen Zweige empor und betete, dass das nicht hieß, dass es schneien würde. Doch wenn es nicht der Schnee war, dann brach langsam die Nacht herein. Und in der Nacht wurde es sicher noch kälter. Er wusste nicht, welche der zwei Möglichkeiten er vorzog, doch egal, was geschah, es frustrierte ihn nur noch mehr. Er hatte ja nicht einmal ein Schwert, weil er so blöd gewesen war, es liegen zu lassen, doch auch wenn er eins hätte, wusste er trotzdem nicht, wie man damit umging. Das einzige, was er hatte, waren kalte Hände und ein Pferd. Gegen die Zigeuner, die wahrscheinlich sogar untereinander zum Spaß kämpften, half ihm das gar nichts. Er würde umgebracht werden, das wusste er.

Was ist los mit mir, fragte er sich. Was hatte ihn glauben lassen, er könnte es alleine schaffen? Er hätte mit Harry zurück reiten und die Wache des Königs alarmieren sollen. Oder wenigstens schlau genug sein sollen, das verdammte Schwert mitzunehmen.

Ist es deswegen, weil ich hoffte, Ginny zu beeindrucken? Reite ich deswegen durch den eisigen Wald, um gegen tollwütige Männer zu kämpfen? Um ihr zu zeigen, wie tapfer und furchtlos ich bin?

Wenn das der Grund war, dann war er wirklich ein Idiot. Er erinnerte sich noch an die Zeit in Hogwarts, wo er immer auf die ganzen kläglichen Hufflepuffs, Ravenclaws, Gryffindors und manchmal auch Slytherins heruntergelächelt hatte, die die Mädchen damit beeindrucken wollten, indem sie ihnen die teuersten Sträuße sprechender, pinker Rosen kauften, die Hogsmeade zu bieten hatte. Natürlich hatten die Mädchen fast immer ein entzücktes ‚Oooh!' ausgelassen, wenn die Rosen so zärtlich und sanft Liebeslieder auf Französisch gesungen oder romantische Gedichte auf Spanisch rezitiert hatten. Sie hatten nie ein Wort davon verstanden, aber immer die Jungen, die es ihnen gegeben hatten, abgeknuddelt und geküsst und es war jedes Mal widerlich abstoßend gewesen. Doch einem Mädchen Rosen kaufen… das war normal. Auf einem Pferd zu reiten und sein Leben für ein Mädchen zu riskieren, das einen hasste, war nicht normal. Nicht im Mindesten.

Ich hasse sie, dachte er. Ich tue es wirklich.

Warum wusste er dann tief in sich, dass er ein Mädchen, das er hasste, nie so küssen würde, wie er Ginny diesen Morgen geküsst hatte.

Genau, Malfoy, was hatte es eigentlich mit diesem Kuss auf sich, fragte er sich selbst. Gott, er hatte sie dort drin fast flachgelegt und sie hatte ihm gesagt, er solle aufhören. Es war sowieso eine ziemlich peinliche Situation gewesen. Erst einmal, weil er sie wirklich geknutscht hatte und zweitens, weil sie gesagt hatte, dass sie es nicht wollte. Doch sie stand ganz offensichtlich auf ihn. Aber es war auch offensichtlich, dass sie nicht auf ihn stehen wollte. Ihm wurde klar, dass sie im Grunde dieselben Gefühle füreinander hatten und das ließ ihn aus irgendeinem Grund die Stirn runzeln. Doch er wusste auch, dass sie in der Weise auf ihn stand, dass sie eine wirkliche Beziehung hatten. Er selbst wollte sie nur für Sex. Oder das war es wenigstens, was er versuchte, sich einzureden. Er wusste es nicht wirklich, weil er ja Jungfrau war. Doch, wie er sich vorher auch schon selbst gesagt hatte, würden diese Gefühle ganz sicher verschwinden, wenn er zurück in Malfoy Manor war. Welche Schraube in seinem Kopf sich auch immer gelockert hatte, sodass er sich von Ginny angezogen fühlte, würde sich von selbst wieder festziehen, wenn alles wieder normal war.

Einen Moment später hörte er einen Ruf in der Nähe. Er konnte nicht sicher sein, ob er ihn wirklich gehört hatte, bei dem ganzen Krach, den Jack machte, wenn er lief und so zog er an den Zügeln, um ihn zum Halten zu bewegen. Jack schnaubte, warf seinen Kopf zurück, doch stand dann still und atmete schwer vor all der Anstrengung. Draco ließ sich dankbar in den Sattel sinken und lauschte angespannt. Es wurde nun eindeutig dunkler – die Nacht brach herein. Die grauen Wolken hingen über den Baumwipfeln und gaben dem Wald ein nebliges, ja fast gespenstisches Aussehen. Er erschauerte kurz und sah sich genau um. Die Bäume standen zu dicht beieinander, als dass er weit sehen könnte, doch er konnte Bewegungen hören. Das Geräusch von Schritten – viele menschliche Füße.

Also sind sie nicht zu Pferde, dachte er erleichtert. Als er genau hinhörte, erkannte er unverständliche Schreie und heulendes Lachen.

Das ist eindeutig das Geräusch von einem Pulk Männern.

Er vermutete, dass er circa drei Minuten bis zu ihnen brauchen würde, wenn er Jack rennen ließe. Doch er wollte seine Ankunft nicht ankündigen – die einzige Waffe, die er hatte, war der Überraschungseffekt – und Jack machte zu viel Lärm. Wenn diese Zigeuner schlau waren, dann wussten sie, dass sie sich verstecken mussten, wenn sie ein Pferd kommen hörten, weil es ja sehr wahrscheinlich war, dass sie jemand verfolgte. Draco musste nur noch etwas näher hin reiten, dann Jack zurücklassen, und zu Fuß weitergehen. Er begnügte sich mit dem, was er nun vorhatte, kümmerte sich nicht um später und ging in einen schnellen Trab über; er hatte seine Ohren gespitzt, damit er wusste, wann er nahe genug war. Nach ein paar Minuten sah er ein paar Nachzügler der Zigeuner zwischen den Bäumen laufen. Er brachte Jack zum Halten und kletterte schnell von ihm herunter. Jack senkte sofort den Kopf und begann im Schnee nach Gras zu suchen. Draco starrte ihn einen Augenblick an und fragte sich, ob er ihn anbinden sollte. Er entschied, ihn lose zu lassen; er war sicher noch für Stunden mit der Suche nach Futter beschäftigt. Draco klopfte ihm auf den Hals und dankte ihm so stumm, dass er ihn nicht abgeworfen hatte, dann drehte er sich um und ging dem Lärm der Zigeuner entgegen. Draco sah, dass sie alle in einer großen Gruppe umherzogen. Ein paar von ihnen, die Hinteren, schien betrunken zu sein, da sie widerlich lachten, sich gegenseitig auf die Schultern klopften und auch nicht mehr geradeaus gehen konnten. Doch Ginny sah er nicht. Er vermutete, dass sie irgendwo weiter vorne lief. Bevor er überhaupt einen Versuch starten konnte, sie zu retten, musste er sie erst mal sehen. Die einzige Möglichkeit bestand darin neben der Bande herzulaufen. Es war aber ein großes Risiko, weil er so leichter zu sehen war. Er musste dort sein, wo er zwar sie sehen konnte, aber wo er bei einem kurzen Blick in seine Richtung nicht sofort erkannt wurde. Gebeugt, weil er das Gefühl hatte, lieber unten bleiben zu wollen, wurde er schneller und bog schräg links ab. Als er sich sicher war, dass der Abstand zwischen ihm und der Gruppe groß genug war, hielt er hinter einem dicken Baum an und richtete sich auf. Er spähte um den Baumstamm durch das Blattwerk hinüber und sah, wie sie vorüberzogen, alle immer noch laut redend und offensichtlich vergnügt. Doch Ginny sah er immer noch nicht. Leise fluchend eilte er weiter, fand noch einen Baum und duckte sich dahinter. Dieses Mal erkannte er Ginnys wildes rotes Haar fast ganz an der Spitze des Zuges. Sie lief hinter vier weißen Pferden und niemand hielt sie fest, um sie an der Flucht zu hindern, doch mehrere Zigeuner waren nur eine Armlänge von ihr entfernt. Er hatte sie gefunden. Was sollte er jetzt tun? Stirnrunzelnd huschte er immer noch von Baum zu Baum, um Ginny in Sichtweite behalten zu können. Er fühlte sich etwas blöd, doch solange es niemand sah, war es ja nicht so schlimm. Außerdem musste er sich gerade um andere Dinge sorgen. Zum Beispiel wie er mit Dutzenden von erwachsenen Männern fertig werden sollte, völlig ohne Waffen natürlich.

Ablenkung, dachte er und sah zu, wie sich Ginny mehr und mehr von ihm entfernte, bevor er die Sicherheit seines Baumes verließ und sich einen Neuen suchte. Ablenkung funktioniert immer.

Doch wie sollte er das anstellen, dass es alle gleichzeitig von Ginny ablenkte? Gar nicht zu erwähnen, dass, wenn sie alle rannten, um es herauszufinden, sicher jemand als Wache für Ginny dableiben würde. Nur einen Zigeuner zu bekämpfen, war schon schwer genug, weil er vielleicht die Gelegenheit hatte, nach den anderen zu schreien. Also, was konnte er tun? Wenn keine Ablenkung, was dann? Nun begann er zu bereuen, dass er Jack zurückgelassen hatte.

Ein Pferd wäre vielleicht wirklich nützlich gewesen, sagte er sich selbst stirnrunzelnd. Aber natürlich hatte er mal wieder nicht gerade logisch gedacht und jetzt war es zu spät. Plötzlich rief der Mann an der Spitze des Packs den anderen etwas zu. Der ganze Zug hielt an und die Betrunkenen am Ende versuchten ihr Lachen zu unterdrücken.

Draco presste sich gegen den Baumstamm, passte auf, dass er absolut verdeckt war, und betete, dass sie nicht angehalten hatten, weil sie ihn gesehen hatten.

„Macht eine Pause, Männer!" verkündete jemand, „Wir haben mindestens bis Anbruch der Nacht Zeit, bis der König anfängt nach der Prinzessin zu suchen. Also schlage ich vor, dass ihr diese Gelegenheit nutzt, vor allem weil wir die ganze Nacht unterwegs sein werden!"

Einige von ihnen grummelten und einer hickste so laut, dass Draco fast genau bestimmen konnte, von wem es gekommen war. Aber er wagte es nicht, hinter seinem Baum hervorzuspähen, weil er wusste, dass es für sie leichter war, ihn zu sehen, wenn sie selbst nicht auch liefen. Er hörte, wie sie wieder anfingen, laut durch den Schnee zu stapfen und sich dröhnend zu unterhalten. Er überlegte kurz, ob er sich nicht ein bisschen weiter weg von ihnen verstecken sollte. Nun, da sie rasteten, würden sie sich wahrscheinlich weiter ausbreiten und einige würden vielleicht zu dem Baum gehen, wo er sich versteckt hielt. Aber er riskierte es nicht; sie würden ihn sicherlich nur hören und entdecken, wenn er sich bewegte. Also hielt er den Atem an und lauschte angestrengt, ob sich jemand von ihnen näherte. Fast zehn Minuten vergingen und er vernahm nichts außer ihren lauten, rauen Stimmen und dem dreckigen Gelächter. Die Dunkelheit senkte sich jetzt schnell über den Wald. Draco wusste, dass sie vielleicht noch für etwa eine halbe Stunde Tageslicht hatten. Er vermutete, dass Harry sich jetzt langsam dem Schloss näherte, also würde hoffentlich bald Hilfe auf dem Weg sein. Dann fiel ihm etwas ein. Wenn doch Hilfe kam, warum fühlte er dann den Drang Ginny alleine zu retten? Er konnte sie auch nur beobachten und sicher gehen, dass sie ihr nichts Schreckliches antaten. Bis jetzt hatte er noch keinen Pieps von ihr gehört – aber natürlich konnte er über den Lärm, den die Zigeuner machten, auch nicht viel hören. Doch er wusste, dass sie nicht vor Schmerzen schrie oder schon halbtot war, und solange das nicht eintrat, musste er ja nichts machen. Schließlich fand er den Mut, um den Baumstamm herumzuspähen. Die Zigeuner hatten sich in Gruppen von je vier oder fünf aufgeteilt und saßen entweder auf großen Baumstämmen oder großen Felsen im Kreis, meistens damit beschäftigt, auf flachen Steinen ein Feuer zu entfachen. Draco fragte sich kurz, wo sie diese Sachen zum Sitzen gefunden hatten, weil er stark anzweifelte, dass sie Felsblöcke mit sich herumschleppten, doch dann wurde ihm klar, dass sie wahrscheinlich danach gesucht hatten, während er hergekommen und sich hinter dem Baum versteckt hatte. Aber das spielte keine Rolle. Jetzt musste er Ginny wieder finden. Draco blickte sich um und sah sie bei einer Gruppe nicht weit von ihm sitzen. Wenigstens konnte er ein Auge auf sie haben. Er unterdrückte ein Stöhnen und drehte sich wieder zurück, so dass er nicht mehr zu sehen war. Er senkte den Kopf und rieb sich das Gesicht mit den Händen. Es gab wirklich nichts weiter, das er tun konnte, als sie zu beobachten, wenn er sich nicht selber umbringen wollte. Er musste einfach auf die Streitkräfte des Königs warten, bevor er versuchte sie zu retten. Doch er fragte sich, warum er sich so unruhig und unwohl fühlte, wenn er daran dachte, warten zu müssen.

XXX

„Ich binde dich jetzt los, Mädchen," sagte der Anführer, von dem Ginny wusste, dass er Alec genannt wurde. „Aber wenn du versuchst, wegzulaufen, schneide ich dir persönlich die Kehle durch. Verstanden?"

Ginny nickte. Es kümmerte sie schon gar nicht mehr. Sie stand nun keine Todesängste mehr aus – oder vielleicht tat sie es doch – jedenfalls fühlte sie sich wie betäubt. Es tat nicht einmal sehr weh, als Alec die Seile um ihre Handgelenke durchschnitt und dabei die Haut am unteren Teil ihres Daumes so tief aufritzte, dass es blutete. Ganz im Gegenteil war sie eher wütend auf diese blöden Zigeuner, dass sie dachten, sie könnten sie gefangen halten, um Lösegeld vom König zu erpressen.

Als ob der etwas für mich zahlen würde, dachte sie freudlos, er wird ihnen wahrscheinlich eher einen Brief schreiben, um ihnen zu danken, dass sie mich endlich weggeschafft haben… Ich weiß nämlich, dass ‚Mutter' und er mich nicht ausstehen können.

„Hinsetzen," befahl Alec, riss sie aus ihren verbitterten Gedanken und deutete auf den Boden. Ginny sah ihn verärgert an, nur um ein boshaftes Grinsen als Antwort zu bekommen. „Bist es nicht gewöhnt im Schnee zu sitzen, Eure Hoheit?" Sein Grinsen verblasste. „Daran musst du dich wohl gewöhnen müssen, Kleine. Wenn es nach mir geht, dann bist du wahrscheinlich noch eine ganze Weile bei uns."

„Es geht aber nicht nach dir," murmelte Ginny, obwohl sie halb glaubte, dass er vielleicht Recht hatte, und ließ sich in den Schnee fallen. Dieses eine Mal war sie froh darüber, dass sie so viele Röcke trug, sodass es eine Weile dauern würde, bis der Schnee schmolz und durch ihre Kleidung sickerte. Alec schien ihren Kommentar gar nicht gehört zu haben – und wenn doch, ignorierte er ihn. Sie wickelte ihre verletzte Hand in ihren Rock und blickte finster, doch mehr genervt als gepeinigt von den Schmerzen, zu den anderen Zigeunern hinüber. Neben ihr hatten sich Alec und noch zwei weitere Männer auf einem langen Baumstamm niedergelassen, so dass sie nicht im Schnee sitzen mussten. Es saßen auch noch andere Männer in demselben Kreis, die alle einem Kerl zuhörten, der von einer Wette erzählte, die er einst verloren hatte. Ein anderer Zigeuner versuchte in der Mitte ein Feuer zu entzünden, obwohl das Holz, das er benutzte, feucht war.

Was für ein Idiot, dachte Ginny und sah ihm mit verengten Augen zu. Ich bin von einer Bande stinkigen, unzivilisierten Deppen entführt worden.

Ein paar Minuten vergingen und Ginny spürte, wie die Kälte durch ihre Röcke kroch. Sie versuchte, es zu ignorieren, wickelte vorsichtig ihre Hand aus und begutachtete sie. Es blutete immer noch und nun hatte es auch noch angefangen zu pochen und weh zu tun. So tief war es nicht, aber Alec hatte es geschafft ein gutes Stück ihrer Haut mit wegzureißen. Die Zigeuner in ihrem Kreis wurden plötzlich lauter, sodass sie aufsah, um den Grund für die Aufregung zu erfahren. Anscheinend hatte der Mann es schließlich geschafft, ein Feuer in Gang zu bringen. Natürlich hatte er das nur geschafft, weil er die nassen Scheite weggeschmissen und trockene Zweige direkt von den Bäumen genommen hatte, aber wenigstens war es ein Feuer. Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis die Hitze sie erreichte, obwohl ihr Hintern immer kälter und kälter wurde, je länger sie im Schnee saß. Sie sah hinüber zu den anderen Lagerfeuern. Bei vielen ging es genauso zu, wie bei ihr – die Männer fluchten, lachten, jubelten und schrieen alle durcheinander. Jeder Zigeuner, den sie bisher gesehen hatte, hatte einen Bart und Schnurrbart, lange, fettige Haare und schiefe, gelbe Zähne gehabt. Sie konnte viele ihrer tiefen Narben und Furchen im Gesicht sehen, höchstwahrscheinlich von bösen Fällen von Akne oder Pocken. Sie waren definitiv nicht schön anzuschauen… ganz zu schweigen vom Geruch. Ginny warf wieder einen Blick auf ihre Hand. Oh ja, jetzt tat es langsam wirklich weh. Leise stöhnend presste sie den Rock wieder darauf, bevor sie ihre unverletzte Hand um ihr Handgelenk schlang. Ihr Vater hatte ihr einst erzählt, man müsse die Durchblutung abschnüren, wenn man wollte, dass die Blutung aufhörte. Das einfachste war, das Handgelenk zu packen und so packte sie fest zu, doch ließ auch immer wieder locker, damit die anderen Teile ihrer Hand doch noch Blut bekämen. Nachdem sie das für etwa fünf Minuten getan hatte, schob sie den Rock wieder weg und begutachtete ihre Wunde erneut. Es blutete zwar immer noch, war aber nicht mehr so schlimm wie vorher. Plötzlich packte eine raue schmutzige Hand das Handgelenk, das sie vor einer Minute noch selbst festgehalten hatte. Mit einem erschrockenen Aufkeuchen sah sie auf und erkannte Alecs grinsendes Gesicht, bevor er sie auf die Füße zog.

„Aua!" rief sie und versuchte ihr Gleichgewicht zu bewahren. „Was zum Teufel tust du,"

Mit einem Blick auf ihre verletzte Hand unterbrach er sie, „Was ist passiert, Mädchen? Hast du dich geschnitten?"

Seine Stimme war sanft und freundlich – weich, doch scheußlich. Wütend versuchte sie sich loszureißen, doch er hielt ihre Hand gut fest. Die anderen Zigeuner um das Feuer schienen belustigt von ihrem Gezappel und kicherten. Sie versuchte, sie zu ignorieren und schoss zurück, „Nein, das war ich nicht selbst. Das warst du, du schleimiger Hurensohn!"

Er schien sie nicht gehört zu haben. Stattdessen verzogen sich seine Lippen zu einem widerlichen Lächeln.

„Das kann ich dir wieder richten, Mädchen."

Und damit setzte er sich unerwartet wieder auf seinen Baumstamm und da er sie immer noch am Handgelenk hielt, riss er sie mit sich hinunter. Mit einem überraschten Aufschrei verlor sie das Gleichgewicht und fiel mit dem Bauch voraus in seinen Schoß. Sie fühlte, wie er seinen Arm um ihren Rücken schlang, um sie umzudrehen. Sie schlug ihm mit der flachen Hand auf den Oberschenkel und beschimpfte ihn lauthals, was aber nur dazu führte, dass die anderen Zigeuner lachten. Wie sie nun bemerkte, hatte der Rest des Lagers seine Unterhaltungen unterbrochen und sie wusste, dass sie alle wahrscheinlich mit Freude zusahen. Alec schaffte es, sie so zu drehen, dass sie nun mit dem Rücken in seinem Schoß lag. Ihre Wangen brannten vor Scham und Wut, wegen der Art, wie sie nun auf ihm lag, aber sie langte schnell nach oben und versuchte, seine Hand von ihrem Handgelenk zu zwängen.

„Lass mich los!" kreischte sie, doch bekam als Antwort nur lautes Gelächter. Ihre linke Hand schien ihn nicht zu stören, denn er versuchte erst gar nicht, sie zu packen. Stattdessen zog er sie in eine sitzende Position, hielt immer noch ihre rechte Hand fest, grinste schmierig und zeigte dabei seine schrecklichen Zähne, bevor er sie auf den Nacken küsste. Davon bekam sie unangenehme Schauer und Kälte ergriff von ihrem Herzen Besitz. Sie drückte ihre freie Hand gegen seine Brust, um ihn wegzuschieben und drehte ihren Kopf zur Seite, damit er nicht so einfach an ihre Kehle gelangen konnte. Er beachtete ihre Versuche, ihn abzuwehren, gar nicht und küsste ihren Hals, dann ihre Wange. Dann nahm er ohne Vorwarnung ihr Gesicht zwischen seine Finger, indem er den Daumen auf die eine, die restlichen Finger auf die andere Wange presste, und drehte ihren Kopf ihm zu. Danach zog er sie an sich und küsste sie voll auf die Lippen. Die ganze Bande brach in Jubelrufe und Pfiffe aus. Absolut angewidert schüttelte sie ihre Hand, um sich zu befreien und weil er auch gar nicht länger versuchte, sie festzuhalten, konnte sie ihren Arm seinem Griff entziehen. Sie legte ihre linke Hand auf sein Gesicht, stieß ihn weg, und sog die frische Luft ein, als sein Mund sich von ihrem entfernte.

„Was ist los, Mädchen? Du wurdest wohl noch nie von einem richtigen," fing er mit einem dreckigen Grinsen an, doch die unterbrach ihn, indem sie mit ihrer rechten Hand so weit wie möglich ausholte und ihn mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte, ohrfeigte. Das klatschende Geräusch schien durch den ganzen Wald zu hallen und das ganze Lager war still. Alecs Kopf ruckte zur Seite und er bewegte sich nicht. Ginny starrte ihn einen Moment lang wütend an und verspürte den Drang, sich zu übergeben, doch sah mit einiger Befriedigung, dass sie nicht nur eine hellrote Stelle auf seiner Wange hinterlassen hatte, sondern auch Blut aus ihrer Wunde an ihm kleben geblieben war.

„Fass mich ja nie wieder an," zischte sie und sprang auf. Sie würde nicht auch nur noch eine Minute länger hier bleiben und sich demütigen lassen. Aber sie hatte erst drei Schritte getan, als sie hörte, wie er vor Wut knurrte. Sie sah gerade rechtzeitig zurück, um zu sehen, wie er ihr nachstürzte, eine Handvoll ihres Rockes packte, und daran zog. Der Stoff riss, aber er schaffte es, sie aufzuhalten. Sie bemerkte noch den Ausdruck rasenden Zorns auf seinem Gesicht, bevor er mit seinem Körper so fest an ihren stieß, dass sie zu Boden fiel und er auf ihr landete. Langsam stieg in ihr Panik auf und ihr wurde klar, dass sie sich einfach kontrollieren und ihn nicht hätte schlagen dürfen. Jetzt war er rasend vor Wut und brachte sie vielleicht in seinem Zorn um.

Ginny, warum kannst du nicht einfach lernen, dein verdammtes Weasleytemperament im Zaum zu halten, schrie sie sich in Gedanken an

„Das war schlecht für dich, Mädchen," murmelte Alec, sein Gewicht drückte auf ihren Körper und hielt sie unter ihm gefangen. Sie kämpfte und strampelte, doch wusste gleichzeitig, dass er fast zweimal so groß war, wie sie und sie nicht entfliehen konnte. Sie schaffte es nur, ihre Handflächen auf seine Schultern zu legen, um ihn wegzuschieben, bevor er beide packte, die Knöchel zusammenpresste und sie über ihrem Kopf mit nur einer Hand von ihm fernhielt. So stieß sie mit den Füßen, die einzigen Körperteile, die sie noch bewegen konnte. Ihre Panik verwandelte sich langsam wieder in Todesangst.

„Geh von mir runter! Nimm deine verdammten Hände weg. Du kannst nicht,"

„Du bist viel zu verwöhnt, Prinzessin," unterbrach er sie gelassen, wieder in diesem sanften Ton, „zu verweichlicht,"

„Das ist mir egal! Lass mich sofort los!" Ihre Stimme war schrill und überschlug sich fast; es hörte sich ziemlich hysterisch an.

Was ich wahrscheinlich auch bin, dachte sie benebelt und sah zu, wie Alec sich noch einmal ihrem Gesicht näherte und sie küsste. Sie spuckte und versuchte ihren Kopf wegzudrehen. Aber er folgte jeder ihrer Bewegungen.

Oh Gott, ich kann nicht atmen, dachte sie und strampelte wie verrückt mit den Beinen. Sie riss an ihren Armen, um sich zu befreien. Er hielt sie sowieso nur mit einer Hand fest. Und sie musste freikommen. Gleich würde sie sich übergeben müssen. Sein schrecklicher Gestank erfüllte ihre Nasenlöcher und er schmeckte säuerlich – genauso wie diese magische Medizin, die ihre Mutter ihr immer gegeben hatte, wenn sie Halsweh gehabt hatte. Sie hatte nach dem Einnehmen immer kotzen müssen. In ihrem Kopf klingelte es schon, wegen dem Gelächter und den Schreien der anderen Zigeuner und nun wurde ihr wirklich schlecht. Nach einem kurzen Kraftaufwand spürte sie schließlich, wie ihre linke Hand – die unverletzte – Alecs Griff entglitt. Ohne Zögern presste sie sie auf Alecs Stirn und hob seinen Kopf somit an. Erschrocken öffnete er die Augen und sah sie an, bevor sie ihre Hand von seiner Stirn nahm. In derselben Bewegung langte sie hinauf und grub ihre Fingernägel so tief in seine rechte Wange und kratzte so schnell es ging darüber. Alec heulte vor Schmerz und sie sah zu, wie vier rote Streifen auf seiner Haut erschienen. Nun wusste sie, dass es auf zweierlei Arten ausgehen konnte – die erste Möglichkeit war, dass sie Alecs Unaufmerksamkeit nutzen und davonlaufen konnte. Die andere jedoch war, dass er noch wütender wurde und ihr den Hals umdrehte. Glücklicherweise schien ersteres zu geschehen. Sein Griff um ihre rechte Hand lockerte sich und sie schaffte es, sie los zu bekommen.

Jetzt, dachte sie atemlos, muss ich nur noch seinen Körper von meinem kriegen.

Leichter gesagt als getan. Der Mann wog ungefähr doppelt so viel, wie sie selbst. Sie legte beide Hände auf sein Gesicht und versuchte, ihn hochzustemmen. Es klappte nicht und einen Moment später hatte er seine Finger um ihren Hals gelegt. Also geschah doch die zweite Möglichkeit. Sie würgte einen Augenblick, bevor er es schaffte, ihre Luftröhre ganz abzuschließen. Sie ließ ihre linke Hand von seinem Gesicht fallen und suchte blindlings im Schnee nach etwas, das sie als Waffe benutzen konnte. Einen Stock vielleicht, den sie ihm ins Auge stechen konnte. Aber sie spürte nichts außer dem eiskalten, glatten Schnee, der so kalt war, dass er ihre Haut zu verbrennen schien. Ihre Lunge schrie förmlich nach Luft, doch Alec drückte in seiner Wut nur noch fester zu. Sie starrte hoch in sein Gesicht, eine hasserfüllte, wütende Maske, bestimmt noch zehnmal hässlicher als vorher.

Bitte, ich muss etwas tun, dachte sie hysterisch, obwohl sie nicht wusste, was sie noch tun konnte. Sie begann ihre Finger in den Schnee zu graben. Nach ein paar Zentimetern stieß sie mit ihren Fingerspitzen auf den Boden. Aber halt – es war gar nicht der Boden. Ihre Hand grub weiter und sie erkannte, dass das, was sie für Boden gehalten hatte, ein runder, hervorstehender Gegenstand war – ein Stein! Wenn sie gekonnt hätte, hätte sie vor Freude gejauchzt. Sie umschloss ihn mit ihren Fingern – er war etwa halb so groß, wie ein Klatscher, doch sicherlich groß genug, um ihr zu helfen – und hob ihn aus dem Schnee. Dann holte sie mit ihrem Arm so weit aus wie möglich. Alec war zu sehr damit beschäftigt, sie anzustarren und zu erwürgen, um es zu bemerken. Einige Zigeuner wollten ihn noch schreiend warnen, aber es war zu spät. Ginny ließ den Stein auf seinen Kopf niedersausen, genau an seine Schläfe. Es gab ein knackendes, ungesund klingendes Geräusch und Alecs Griff erschlaffte. Seine Augen rollten in seinen Kopf hinein und sein Blut tropfte auf Ginnys Kleid. Dann sank sein Kopf mit einem leisen Stöhnen neben Ginnys Wange hinunter und sein Kinn stach in ihre Schulter. Sie blinzelte, zog seine Hände von ihrem Hals und atmete tief ein. Es war schwierig, weil er immer noch auf ihr lag, doch trotzdem war es Sauerstoff. Und es war wundervoll. Sie hatte sich gerade selbst gerettet. Sie hatte ihn k. o. geschlagen und vielleicht sogar umgebracht. Auch wenn ihr der Gedanke missfiel, jemand anderen umgebracht zu haben, wusste sie, dass sie nun selbst tot sein würde, wenn sie es nicht getan hätte. Doch nun musste sie sich einer ganzen Bande Zigeuner stellen. Sie waren sicher nicht so glücklich darüber, dass sie ihren Führer so schwer verletzt hatte. Vielleicht war sie ja immer noch nicht in Sicherheit. Rasch schubste sie Alec von sich und rollte ihn auf die Seite. Dann setzte sie sich auf, wischte sich sein Blut von Wange und Nacken und sah sich im Lager um. Alle starrten sie an, einige erschrocken, andere ein bisschen wütend. Keiner von ihnen rührte sich und für einen Augenblick schien alles schrecklich still.

Steh einfach auf, befahl Ginny sich selbst. Steh langsam auf, dann dreh dich um und renn weg.

Sie fing an, sich zu erheben, doch ihre Bewegung schien die anderen aus ihrer Starre zu erwecken. Ein Mann ließ einen Schrei los und einen Moment später schrieen sie alle an. Und es waren keine Worte des Dankes.

„Oh…," murmelte sie, schwach vor Angst und rappelte sich mit Mühe ganz auf. Als sie sich umdrehte, um in die Wälder zu flüchten und sie abzuhängen, sprangen sie alle hoch und wollten ihr nachrennen. Sie war erst ein kleines Stück in den Wald hineingestolpert, als sie vor sich jemanden im Weg stehen sah. Für einen kurzen Augenblick setzte ihr Herz aus, weil sie dachte, es sei noch ein weiterer Zigeuner. Aber nicht lange, bis sie erkannte, dass es kein dunkler, dreckiger Mann war. Es war Draco.

„Was zum Teufel tust du hier?" rief sie ihm zu, und war nun vollkommen verwirrt. Was tat er hier? Wo war er hergekommen? Er musste sich in der Nähe hinter den Bäumen versteckt haben, weil der Weg noch frei gewesen war, als sie kurz vorher geguckt hatte. Sie warf einen Blick zurück über ihre Schulter und sah, dass die Zigeuner ihr dicht auf den Fersen waren. Sofort fragte sie sich nicht mehr, warum Draco hier war – er war es einfach, und das war ihr genug.

„Nach was sieht es denn aus, Weasley?" warf er zurück, „Ich rette nur dein gottverdammtes Leben."

Das reichte ihr auch. Sie versteckte sich hinter ihm und fühlte sich sogleich ein bisschen sicherer, als die pure Erleichterung durch ihren erschöpften Körper strömte. Wenigstens musste sie jetzt nicht mehr alleine kämpfen. Als sie endlich hinter ihm war, wandte sie sich wieder den Zigeunern zu, die alle sofort angehalten hatten, um Draco anzustarren. Sie standen in einem großen Pulk dort, alle mit Schwertern oder langen Dolchen bewaffnet. Der Ausdruck auf ihren Gesichtern war absolut böswillig.

„Nun gut, meine Herren," sagte Draco gelassen und Ginny konnte sein Grinsen fast hören, „Ihr müsst nun wohl erst einmal an mir vorbeikommen. Dem Prinzen von Wales. Ich fordere euch zum Kampf heraus."

Die Zigeuner zögerten. Aber nur für den Bruchteil einer Sekunde. Einen Augenblick später stürmten sie in einer großen Traube vorwärts. Draco hatte gerade noch genug Mut und Zeit, sich umzudrehen und an Ginnys Seite zu eilen.

„Fuck, ich hab nicht gedacht, dass sie wirklich kommen würden," zischte er, doch sah sie dabei nicht einmal an.

Natürlich kommen sie, dachte sie, doch verkniff sich eine wütende Antwort. Du bist doch allein, du Idiot. Als ob du sie aufhalten könntest-

Doch ihr Gehirn war sofort wie leergefegt, als sich Draco zu ihr hinunterbeugte und seine Arme um ihre Taille schlang. Ohne Vorwarnung warf er sie über seine Schulter, als wöge sie so viel, wie ein Beutel voller Federkielen. Einen Moment lang war sie geschockt und ungläubig, doch hielt sich instinktiv an seinem Rücken fest, um nicht abzurutschen. Dann begann er zu rennen und sie sah auf, um zu sehen, wie die Zigeuner ihnen nachjagten und das brachte sie schlagartig zurück in die Wirklichkeit.

„Draco? Was tust du?" kreischte sie, und versuchte, über ihre Schulter sein Gesicht zu sehen, „Ich habe selber Beine. Ich kann rennen."

„Nicht mit all dem Krempel, den du anhast," sagte er, jetzt schon atemlos, „Also halte einfach die Klappe, ja?"

Sie unterdrückte einen Schrei und sah zu den Zigeunern zurück. Sie näherten sich, weil Draco bei weitem nicht so schnell rannte, wie sie. Der einzige Grund, warum sie sie nicht schon längst eingeholt hatten, waren die vielen Bäume. Es war sowieso schon ein Wunder, wie Draco durch das ganze Gestrüpp kam, während er etwas so schweres wie sie trug.

Er ist so blöd, dachte sie, Was denkt er eigentlich, was er da tut? Den Helden spielen?

Einen Moment später verbannte sie auch diese Überlegungen aus ihren Gedanken. Ihre Kehle verengte sich, als sie beobachtete, wie einige Männer aus der Gruppe ausbrachen und nach vorne rannten, um Draco und sie einzukreisen.

Sie wollen uns den weg abschneiden, erkannte sie und spürte, wie ihr Körper sich versteifte.

„Draco," flüsterte sie, vielleicht ein bisschen zu leise. Als er nicht antwortete, zischte sie ein bisschen lauter, „Draco!"

„Was?" Er war verärgert und atmete schwer.

„Sie kreisen uns ein," erklärte sie ihm und versuchte, den Klumpen in ihrem Hals herunterzuschlucken. Ihre Stimme war leise und rau.

„Und was soll ich deiner Meinung nach," fing er durch zusammengebissene Zähne an, doch plötzlich wurde er unterbrochen.

Dracos Fuß verfing sich in etwas, und er fiel nach vorne auf den Boden. Ginny ließ einen erschrockenen Aufschrei los, als sie auf dem Boden landete, ihr Oberkörper von Dracos Schulter fiel und auf dem Untergrund auftraf. Ihr Kopf knallte schmerzhaft auf den Boden und sie biss sich auf die Zunge. Ein eiserner Geschmack erfüllte ihren Mund und sie erkannte ihn sofort als Blut wieder. Einer von Dracos Armen lag über ihrem Bauch. Benommen hob sie den Kopf und sah ihn selbst auf dem Bauch liegen, auf eine Hand gestützt und die dunklen Augen fest auf die Zigeuner gerichtet, die nun den Kreis um sie enger zogen. Ginny fühlte Angst in ihrem Herzen aufsteigen, Angst, die noch viel kälter war, als der Schnee, auf dem sie lag. Sie stellte sich für einen Moment vor, wie eines dieser Schwerter in sie eindrang.

Erstochen zu werden, dachte sie, nicht ganz bei Sinnen, Es muss einer der schlimmsten Tode sein…

Undeutlich sah sie, wie Draco sich neben ihr bewegte. Blinzelnd bemerkte sie, dass sie fast geblendet war von den Tränen, die plötzlich aus dem Nichts gekommen waren und so versuchte sie, sich freien Blick zu verschaffen, um herauszufinden, was er tun wollte. Er setzte sich auf und lehnte sich über sie, so dass seine Brust nur wenige Zentimeter von ihrem Gesicht entfernt war. Sein rechter Arm glitt um ihren Nacken, und hob sie leicht aus dem Schnee. Er ließ seine Stirn auf ihren Haaren ruhen und sie konnte seinen schweren Atem direkt neben ihrem Ohr hören. Es dauerte einen Augenblick, bis sie begriff, was er da tat, doch als sie es tat, spürte sie einen Hauch von Verblüffung durch all die Angst und Schrecken. Er beschützte sie. Er bedeckte ihren ganzen Oberkörper mit seinem Körper. Eine Welle der Wärme und Geborgenheit überschwemmte sie und für einen Moment war sie vollkommen ruhig. Auch wenn sie wusste, dass er keine große Verteidigung war, weil sie ihn nur erstechen und von ihr wegrollen mussten, war diese Tat so unerwartet, so menschlich, dass sie spürte, wie ihre Muskeln sich entspannten – doch nur für einen kurzen Augenblick. Als sie den eisigen Schnee wieder spürte, der an ihre Haut gepresst wurde und sie daran erinnerte, dass sie ganz und gar nicht in Sicherheit war, versteifte sie sich sofort wieder. Das Geräusch von, wie es schien Millionen, Füßen erfüllte ihre Ohren und sie spähte unter Dracos Arm hervor. Ein paar Schuhe standen so nahe bei ihrem Kopf, dass sie ihre Hand hätte ausstrecken und sie berühren hätte können. Als sie sich noch weiter umsah, bemerkte sie noch mehr Füße, doch höher als bis zu den Knien konnte sie nicht sehen. Doch es war genug. Mit fest geschlossenen Augen und stummen Tränen, die heiß über ihre Wangen rannen, drehte sie ihren Kopf zu Dracos Brust zurück und atmete tief ein, um sich zu beruhigen.

Lass es einfach nur schnell vorbei sein, betete sie.

„Es scheint, als würde hier niemand mehr übrig sein, um zu regieren," sagte eine raue, kratzige Stimme, direkt über Dracos Kopf, „Weil ich nun die einzigen königlichen Erben töten werde."

Die anderen ließen trockenes Gelächter vernehmen. Ginny langte nach dem Saum von Dracos Mantel, als ob es ihre Angst lindern würde, wenn sie sich an etwas festklammerte. Es half nichts. Sie hörte wie Draco durch zusammengebissene Zähne Luft holte und sogleich versteifte sich sein ganzer Körper. Sie hatten beide das klirrende Geräusch von Metall gehört – unmissverständlich das Ziehen eines Schwertes. Ginny hielt den Atem an, um zu verhindern, dass sie losschluchzte. Die Zeit schien stillzustehen, doch in Wirklichkeit waren es sicher nur zwei Sekunden. Dann, durch die schreiende Stille in ihren Ohren, hörte Ginny ein leises Geräusch, das Schwirren eines schmalen Gegenstands, der durch die Luft flog. Einen Augenblick später war die Luft erfüllt von verwirrten Schreien und lauten Schritten. Sie wagte es nicht, sich zu bewegen, ängstlich, dass das, was da geschah, nicht zu ihrem Vorteil war. Doch Draco schien neugierig zu sein, warum er nicht schon längst tot war oder warum ihm noch kein Messer im Rücken steckte. Er nahm seinen Arm von ihrem Nacken und rutschte zur Seite, so dass er nicht länger über ihr lehnte. Hin und her gerissen zwischen Angst, weil er sie nicht mehr schützte, und Freude, da sie endlich etwas sehen konnte, stützte sie sich auf einen Ellebogen und sah sich verwirrt um. Die Zigeuner zogen sich schon in den Wald zurück. Zu ihren und Dracos Füßen lag ein Mann, dem ein Pfeil im Hals steckte und dessen Schwert lose in seiner Hand lag. Einige andere Leichen lagen in der Nähe ausgestreckt, alle von Pfeilen getötet.

„Was zum Teufel…?" murmelte Draco und setzte sich ganz auf. Ginny richtete sich nun auch auf und bemerkte, dass sie immer noch nahe genug beieinander lagen, dass sein linkes Bein immer noch auf ihrem Rechten lag. Sie versuchte, es zu ignorieren und ihr Herz zu beruhigen, wischte sich ihre nassen Wangen trocken und wandte sich um. Hinter ihr rannten mehrere Dutzend Männer auf sie zu, alle entweder in Rüstung und mit Schwertern bewaffnet oder mit Bögen in den Händen und Köchern auf den Rücken.

Das erklärt alles, dachte sie. Die meisten von ihnen rannten einfach an Draco und Ginny vorbei, aber ein Mann, der weder Rüstung noch Köcher trug, blieb neben ihnen stehen und verbeugte sich kurz.

„Eure Hoheiten, erlaubt mir, Euch zu einem Pferd zu geleiten."

Sie spürte, wie sich Draco neben ihr entspannte. Dann rappelte er sich ganz auf, wobei er die Hand, die ihm der junge Mann zur Hilfe anbot, unbeachtet ließ. Als der Mann neben Ginny in die Hocke ging und ihren Arm nahm, um ihr aufzuhelfen, schnappte Draco, „Hey, Alter, lass die Hände da weg. Ich mach das schon."

Der Mann richtete sich sofort wieder auf, nickte und trat zur Seite. Ginny versuchte, ihr Lächeln zu verbergen, als Draco sie hochzog.

„Was ist also wirklich los hier?" fragte Draco. Ginny lehnte sich an ihn und als er es nicht zu bemerken schien, legte sie ihm auch noch den Arm um die Seite. Der junge Mann gestikulierte in die Richtung, von wo aus die Ritter und Bogenschützen gekommen waren, und gab ihnen somit zu verstehen, dass sie ihm folgen sollten. Langsam wankte Ginny los, wobei sie Draco als Stütze verwendete. Der Mann hielt geduldig mit ihnen Schritt, während er schnell erklärte.

„Seine Majestät hat seine besten Krieger in die Wälder geschickt, Hoheit. Wir hatten Glück und haben Euch schnell gefunden. Doch wenn wir nur eine Minute später gekommen wären, wäret Ihr nun tot. Glücklicherweise konnten wir den Mann noch aufhalten, der kurz davor war, Euch zu erstechen, Eure Hoheit. Dieser Diener,"

Ginny hörte auf, ihm zuzuhören, weil sie absolut kein Verlangen danach hatte, diese Geschichte zu hören. Sie waren auf jeden Fall gekommen, und das war alles, was im Moment für sie zählte. Sie wollte nichts mehr, als ihr blutiges, ekliges Kleid auszuziehen, in ein Bett zu klettern und vierundzwanzig Stunden durchzuschlafen.

Es ist vorbei, dachte sie und enorme Erleichterung brach über sie herein. Wir sind nicht tot, und ich bin nicht mehr in der Gewalt der Zigeuner.

Sie hatte sich noch nie so maßlos glücklich gefühlt, wie gerade in diesem Augenblick. Nachdem sie zwei Minuten gelaufen waren, kamen sie zu einer Lichtung, wo einige Pferde und noch einmal rund zwei Dutzend Ritter und Bogenschützen standen, die offenbar darauf warteten, einen Befehl zu erhalten. Ein Mann, der ziemlich wichtig aussah, kletterte von seinem Pferd herunter, ging auf sie und Draco zu und nickte ihnen kurz zu. „Eure Hoheiten, Ihre Majestät hat mich persönlich geschickt, um Euch sicher zum Schloss zu geleiten. Eure Hoheit," sagte er, und wandte sich damit offenbar an Ginny, weil er sie direkt ansah, „Eure Mutter hat mich beauftragt, Euch auf meinem Pferd reiten zu lassen,"

„Sie reitet sicher nicht auf deinem Pferd," schnappte Draco.

Wenn Ginny noch die Kraft gehabt hätte zu lachen, hätte sie es getan. Stattdessen lächelte sie nur matt.

„Ich würde es vorziehen mit Draco zu reiten. Ist das in Ordnung?" Sie sagte ihm nicht, dass sie sich mit Draco zehnmal sicherer fühlte als mit ihm. Das musste niemand außer ihr selbst wissen.

Der wichtige Mann sah für einen Moment sprachlos aus, bevor er wieder knapp nickte. „Natürlich, wie es Ihrer Hoheit beliebt."

Dann wandte er sich an Draco. „Wir haben dieses Pferd nicht weit von hier gefunden." Er deutete in Richtung eines Pferdes hinter ihm. „Ist es das, was Ihr vorher geritten habt?"

„Ja."

„Ginny drehte den Kopf, um ihn anzusehen. „Du hattest ein Pferd," sagte sie ernst und mit gerunzelter Stirn, „und trotzdem bist du zu Fuß gekommen? Warum bist du dann nicht angeritten gekommen, und hast mich im Galopp auf dein Pferd gezogen?"

Er grinste sie an. „Du hast einfach zu viele Bücher gelesen. Ich würde sowas nie tun."

Stimmt, ich hätte es wissen müssen, dachte sie und seufzte schwer. Als sie fühlte, wie ihre Augenlider langsam zufallen wollten, wandte sie sich wieder an den enorm wichtig aussehenden Mann. „Wir wollen nur noch so schnell es geht nach Hause."

Der Mann verbeugte sich. „Natürlich, Eure Hoheit."

Ginny lehnte sich für einen Augenblick an Draco, legte ihm den Kopf auf die Schulter und schloss die Augen.

„Danke…" sagte sie leise. Als er nicht sofort antwortete, sah sie zu ihm auf und bemerkte, wie er sie mit einem unleserlichen Ausdruck im Gesicht musterte. Dann grinste er.

„Nichts zu danken… Eure Hoheit."

Ginny fühlte, wie ihre Mundwinkel zuckten.

Mein Ritter in schimmernder Rüstung, dachte sie mit einem letzten Blick auf ihn. Zum ersten Mal seit vielen Tagen, hatte sie die Kraft zu einem Lächeln.

XXX

Please let me know what you think!

At Lara-Lynx: Du wirst schon noch rausfinden, was Harry mit der Sache zu tun hat… xevilgrinx

At Zutzi alias Susi: Ich weiß nicht, warum sie keine Magie gebrauchen können… Ohne Zauberstab geht das zwar wirklich nicht so richtig, aber ein bisschen schon… Ich weiß es nicht…

IndigoNightOwl: Ist schon wirklich stellenweise ganz witzig diese Story, da hast du Recht! XD; Immer so schon trocken amüsant, irgendwie…

At Sunnylein: Danke, Danke… wegen deiner Frage: All You Need Is Love hat 20 Kapitel… Schon sehr lang! ;D

At h0n3ym0on: Oh, ja mit dem PC hab ich auch immer wieder meine kleinen Problemchen… Ich hoffe, du bist nicht zu sehr genervt, dass ich sooo lang gebraucht hab… ganzunschuldigguck

At nannachen: Feriäään… Warst du eigentlich am Donnerstag bei Indeed noch da? Ich hab dich irgendwie nimmer gesehen…

At LaraAnime: Wirst du schon erfahren, ob Harry wirklich so fies ist oder nicht…

At Aldavinur: Ja, ich wär, glaub ich, in dieser Welt sowieso schon verrückt geworden…

At eve: Nein, gestoppt hab ich nicht… jetzt hab ich's schon mal angefangen, jetzt mach ich's auch zu ende… Ich komm aber halt nicht immer dazu, ich hoffe, du verstehst das… X)

At DarkPrincess of Slytherin: Nein, so schwer ist es nicht, zu übersetzen… es dauert halt leider immer so lang, und manchmal kommt man nicht vorwärts…

So, bis zum nächsten Mal! Ich hoffe, es dauert nicht so lang, wie dieses Mal!