Disclaimer: Dies ist eine Übersetzung. Weder Charaktere noch Plot gehören mir und ich mache damit kein Geld. Auch die Shakespeareübersetzung ist nicht von mir selbst und auch damit verdiene ich nichts.

Hallo!

Hey, ich bessere mich! Ich hab nicht so lang, wie beim letzten Mal gebraucht… Aber immer noch zu lange… Ich muss euch gleich warnen, dieses Chap ist nicht gebetat, weil meine Beta leider krank ist… Also nicht wundern…

Hope you enjoy it!

All You Need Is Love

13. Das Schauspiel

In den nächsten 24 Stunden spielten Ginny und Draco exakt 22 Schachpartien, 30 Runden mit Karten, lernten von Elle, wie man würfelte, und spielten das 11 Mal. Draco gewann nur ein einziges Spiel beim Würfeln, doch er hatte den leisen Verdacht, sie hatten ihn gewinnen lassen, weil Ginny Elle vorher etwas ins Ohr geflüstert hatte. Es spielte sowieso keine große Rolle. Wenigstens hatte er sich in der Zeit nicht zu Tode gelangweilt.

"Ich sehne mich nach dem Sommer," sagte Elle einmal traurig, "Sodass wir draußen spielen könnten. Doch der Winter hat noch kaum angefangen."

Ich hoffe, ich bin schon weg hier, wenn der Sommer kommt, dachte Draco, doch grinste nur und behielt es für sich. Nach dem Mittagessen - oder wie Elle es nannte, Mittagsmahl - erschien Ginnys Dienerin und holte sie ab, weil sie sich für die Aufführung fertig machen musste. Draco hatte das Ganze total vergessen gehabt und fragte sich, ob auch er sich umziehen musste. Kleiderwechseln war wohl seine am allerwenigsten liebste Beschäftigung in dieser Zeit und das sollte schon etwas heißen, denn hier gab es jede Menge Sachen, die er langweilig und ermüdend fand. Spiele eingeschlossen - wenn er nicht die ganze Zeit verlieren und wütend und genervt hätte werden können, hätte er sich auch dabei zu Tode gelangweilt. Doch wenn er die ganze Zeit gewonnen hätte, wäre es auch nicht sonderlich aufregend gewesen. Als er sein Zimmer erreichte, wartete Timothy dort auf ihn. Der Diener versuchte ein dünnes wackliges Lächeln, als Draco näher kam.

"Was würdet Ihr gerne ins Theater anziehen, Eure Hoheit?"

Obwohl seine Stimme zittrig war, stotterte er kein einziges Mal. Draco war versucht, ihm beglückwünschend den Rücken zu tätscheln.

"Ich werde das tragen, was ich schon anhabe," antwortete er. Timothy musterte ihn von oben bis unten, der Blick in seinen Augen zeigte eindeutig Geringschätzigkeit - es war die größte Auflehnung gegen seinen Herrn, die Draco bei dem ängstlichen Jungen je erlebt hatte - er sagte jedoch nichts.

"Wie Ihr wünscht, Hoheit. Die Kutsche wird in einer Stunde abfahren; ich w- werde Euch rufen, wenn es soweit ist."

"Danke," sagte Draco und beobachtete ihn, wie er sich umdrehte und den Gang hinunterhuschte. Draco ging ohne driftigen Grund in den nächsten Raum, an dem er vorbeikam und fragte sich dabei, was er in der nächsten Stunde tun sollte. Er sah sich schnell um und erkannte, dass dieser Raum sicher nicht oft von Mitgliedern des königlichen Hauses genutzt wurde, weil er überhaupt nicht luxuriös möbliert war. Die Wände und die Decke waren nackt, nur durch viereckige Säulen gestützt und nicht eben, sondern mit vielen Löchern; auf dem Boden lag nur ein dünner Teppich, kein Kamin, ein altersschwaches, zerlumptes Sofa, ein Sessel und ein Tisch, der gegen die Wand geschoben worden war. Er drehte sich um und wollte schon gehen, als ihm plötzlich etwas ins Auge stach. In einer der Ecken zwischen einer Säule und der Wand hing ein langer dunkler Wandteppich. Draco blinzelte und sah verschwommene Umrisse von etwas, das darauf geknüpft war, doch konnte ohne mehr Licht nichts erkennen. Das Sonnenlicht, das durch das dreckige Fenster drang, war matt. Er ging in den Gang zurück, und sah einen silbernen Kerzenhalter auf einem Tisch an der Wand stehen. Dieser Korridor war definitiv schöner, als die anderen, die er schon gesehen hatte, da statt der nackten Fackeln an den Wänden, viele Tische mit Kerzen hingestellt worden waren.

Der Raum der Königin muss hier irgendwo in der Nähe sein, erkannte Draco und nahm sich grinsend einen der Kerzenhalter. Er fühlte sich blöd, als er ihn zurücktrug, doch sorgte sich mehr darum, dass er ihn nicht fallen ließ, weil er ziemlich schwer war. Er kehrte in den kalten, kahlen Raum zurück, wandte sich dem Wandteppich zu und hielt die Kerzen höher, um besser sehen zu können. Er lehnte den Kopf leicht zurück und verengte die Augen, und fragte sich, wer mit noch halbwegs gesundem Menschenverstand eine solche Szene knüpfen würde. Es war eine grausame, blutige Szene, eine Szene des Schreckens und des Todes. Einige koboldartige Geschöpfe mit langen Fingernägeln, großen Füßen, langen Fangzähnen und dunkelroten Augen grinsten bösartig einige Menschen an. Die Leute, die meisten von ihnen Frauen und Kinder, hatten ihre Münder in stummen Schreien geöffnet; ihre verschreckten Mienen konnte man sogar auf dem grob geknüpften Bild erkennen. Einige der Kreaturen stachen ihre Finger in die Hälse der wenigen Männer und zahlreichen Frauen oder kratzten ihnen der Länge nach über das Gesicht. Einer schnitt sogar tief in den hervorstehenden Bauch einer offensichtlich schwangeren Frau.

"Diese Leute brauchen dringend ein paar neue Hobbys," murmelte Draco und starrte die Bilder noch einen Moment länger an. Ohne viel darüber nachzudenken, benutzte er seine freie Hand, um den Wandteppich zur Seite zu schieben. Er hatte erwartet die Wand zu sehen, oder vielleicht auch noch eine Art Durchgang, doch zu seiner Überraschung stand dort ein Stuhl.

"Stuhl?" sagte er sogar laut, nun ziemlich verwirrt. Es war dort eine Nische in der Wand, die nur gerade so groß war, dass ein hochlehniger, dunkelgrüner, samtener Stuhl hineinpasste. Mit dem Wandteppich an seinem Platz war dieser Ort vollkommen uneinsehbar. Es war jedoch ein seltsamer Platz, um sich hinzusetzen, weil der Wandteppich dann an die Knie der bestimmten Person stoßen würde. War es vielleicht nur ein Versteck für den Stuhl? Oder war es von Wichtigkeit?

Draco seufzte und ließ den Vorhang zurück an seinen Platz fallen. Während er sich umdrehte, und den Raum verließ, versuchte er sich einzureden, dass es wirklich nicht so wichtig war, zu wissen, warum ein Lehnstuhl an so einem seltsamen Ort stand. Es spielte überhaupt keine Rolle. Aber warum war hinter einem so scheußlichen Wandteppich verborgen?

XXX

Ginny fühlte sich, als müsse sie gleich sterben. Maria hatte, wie es schien, das Korsett zwanzig Mal enger geschnürt, als normal. Als sie darüber gejammert hatte, dass sie nicht atmen könne, hatte die Magd schlicht gesagt, "Ihr werdet in der Öffentlichkeit auftreten, Hoheit. Dafür müsst Ihr schick aussehen."

"Also willst du, dass ich vor den Augen aller dieser Leute ohnmächtig werde, nur damit ich diese verrückte... ungesunde... dürre Taille haben kann?" schoss Ginny atemlos zurück.

"Ach, Hoheit," war die einzige Antwort, die sie darauf erhielt.

In der Kutsche auf dem Weg ins Theater (es waren noch drei andere Kutschen zu ihrer Begleitung dabei, also hatte sie keine Angst angegriffen zu werden), saß sie angespannt da und rutschte die ganze Zeit unwohl hin und her. Draco, der ihr genau gegenübersaß, da sie nur zu Zweit in der Kutsche fuhren, grinste sie schadenfreudig an.

"Rutscht dir gerade die Unterhose in den Hintern?" fragte er. Sie warf ihm einen Todesblick zu.

"Halt die Klappe, Draco."

Die Fahrt dauerte etwa zwanzig Minuten - zwanzig Minuten reinster Folter für Ginnys Seiten und Bauch. Wenn sie in ihre eigene Zeit zurückkehrte, würde sie sicher eine Art medizinisches Wunder sein, da alle ihrer Innereien an seltsame Plätze verschoben worden waren.

"Also sind wir die einzigen, die zu diesem Ding gehen?" fragte Draco, um ihr Schweigen zu durchbrechen. Ginny versuchte durch die vielen Schichten ihrer Kleidung, bei ihrer Achselhöhle ihre Finger in das Korsett zu schieben, um es leicht zu lockern. Es funktionierte nicht.

"Na ja, ich weiß, dass Maria noch mitkommt, aber sie ist in einer der anderen Kutschen," sagte sie und blickte nach unten. Dadurch zwickte der hohe Kragen nur noch mehr an ihrem Hals. "Warum kommt Elle eigentlich nicht mit?"

"Sie war doch auch nicht eingeladen, oder?" schoss Draco mit einer Miene zurück, als sei der Grund doch offensichtlich. Ginny rollte mit den Augen. Dann sah sie wieder nach unten, nochmals mit ihrem verdammten Korsett beschäftigt. Sie versuchte, vorne über ihrer Brust daran zu ziehen und seufzte laut.

"Mein Busen ist auf jeden Fall in Sicherheit. Der wird sich die ganze Nacht nicht bewegen, da bin ich mir sicher," sagte sie.

"Soll ich dir da vielleicht etwas lockern?" fragte Draco mit Unschuldsmiene.

"Vergiss es!" schnappte Ginny.

Schließlich hielt die Kutsche an und jemand öffnete von außen die Tür. Daneben stand ein junger Mann, starr wie eine Statue. Für einen Augenblick war Ginny unsicher, was sie tun sollte, also ging Draco voraus und stieg als erster hinaus. Als sie anfing, sich zu erheben, bot der Mann ihr seine Hand an und sie gebrauchte sie zur Balance in ihren schweren Röcken, um äußerst unelegant hinaus zu springen. Sie waren ganz nahe am Eingang des Theaters, wo schon eine Menschenmenge stand und darauf wartete eingelassen zu werden. Alle schienen zu verstummen, als Ginny hinaustrat und aller Augen wandten sich ihr zu. Sie lief knallrot an, denn ihr war vollkommen bewusst, dass man in ihrer Position definitiv nicht einfach so aus einer Kutsche hüpfen durfte.

"Braucht Ihr einen Arm, Eure Hoheit?"

Ginny riss den Kopf herum, als sie diese bekannte Stimme hörte und sah Tom Riddle, der wie aus dem Nichts an ihrer Seite aufgetaucht war. Ihr stockte der Atem und ihr Blut schien sofort zu gefrieren. Seine wunderschönen Augen hielten ihre gefangen und sie zitterte unwillkürlich.

Oh nein, dachte sie, Was tut er denn hier? Ich will ihn hier nicht haben!

Doch was konnte sie schon tun? Während sie da wie ein Idiot glotzend dastand, fasste Tom ihr Schweigen als Ja auf und umfasste grinsend mit einer Hand ihren Arm. Seine Berührung war warm und menschlich, ganz anders, als sie gewesen war, als Ginny heiß und krank im Bett gelegen war. Seine Hitze schien sie aus ihrer Starre erwecken und sie warf Draco einen Blick zu. Er war ihnen zugewandt, stand auf Ginnys anderer Seite und starrte Tom mit unleserlicher Miene und leicht verengten Augen an.

"Eure Hoheit?" fragte Tom und sah sie seltsam an, "Sollen wir gehen?"

Er gestikulierte in Richtung Theater. Ginny atmete tief ein und entzog ihren Arm seinem Griff, während sie sich schnell eine Entschuldigung ausdachte.

"Eigentlich," sagte sie ölig und schaffte es sogar, ihre Mundwinkel hochzuziehen, sodass es einem Lächeln ähnlich sah, "habe ich Draco schon versprochen, dass er mich begleiten darf, nicht wahr, Draco?"

Sie wartete nicht auf seine Antwort, sondern packte seinen Arm und fing an, so schnell zu gehen, wie sie konnte. Es gab einen schmalen Durchgang durch die Menge, den sie nahmen und so gelangten sie als allererstes in das Theater. In der schlicht aussehenden Eingangshalle sah sie Francis, der sie ebenfalls bemerkte und angrinste. Er winkte sie hinüber.

"Wer ist das?" flüsterte Draco.

"Francis. Ein Lieutenant. Meine Mutter ist irgendwie ein bisschen verknallt in ihn-"

"Wer ist das hässliche Mädchen neben ihm?"

Ginny sah hinüber an Francis Seite und musste Dracos Meinung von der, die Elsabeth sein musste, Recht geben. Sie war hässlich. Jedoch konnte Ginny nicht eine bestimmte Sache sagen, die das arme Mädchen so abscheulich machte. Sie konnte nicht behaupten, es sei ihre Nase, obwohl die ein bisschen zu groß geraten war. Doch sie konnte auch nicht sagen, es seien ihre Augen, die von so bleichem Blau waren, dass sie im Zusammenspiel mit ihrer noch bleicheren Haut, richtig krank aussahen. Auch waren es nicht nur ihre dünnen Lippen. Sie hatte einfach etwas an sich, das sie hässlich erscheinen ließ. Dazu kam noch, dass sie aussah, als hätte sie seit einem Jahr nicht mehr gebadet. Ihr strähniges Haar hing schlaff um ihre weißen Wangen. Auch hatte Ginny den leisen Verdacht, dass sie kein Korsett trug, auch wenn ihre Taille schmaler aussah, als Ginnys sich anfühlte.

"Eure Hoheiten," sagte Francis breit lächelnd, als sie sie erreichten. Er wandte seine Augen Draco zu. "Ihr erinnert Euch an meine wundervolle Tochter Elsabeth, nicht?"

Draco schenkte Elsabeth ein dünnlippiges Lächeln. "Aber natürlich," sagte er gekünstelt freundlich.

Sie lächelte ihn kurz und unsicher an, wobei sie ihre gelben Zähne entblößte. Sie wirkte so verängstigt und niedlich; Ginny war versucht Draco eine Ohrfeige zu geben, weil er so unfreundlich war.

"Wir werden zuerst hineingehen," verkündete Francis und blickte über Ginnys Schulter. Sie drehte sich um und sah, dass fast ihre ganze Eskorte, Tom und Maria eingeschlossen, hereingekommen waren. Sie unterdrückte ein Stöhnen; die Königin hatte durchgesetzt, dass die Schlossgarde Ginny bei dem Schauspiel begleitete. Ein Mann, der der Besitzer des Theaters sein musste, führte sie hinauf in ihre Loge, die drei Reihen, von je etwa sieben Sitzen hatte. Das Theater selbst war eigentlich eher schlicht, das einzig Farbige waren die roten Samtsitze. Auch die Bühne sah einfach aus, mit einem dunklen zugezogenem Vorhang. Ginny ging sicher, dass sie nicht in der Nähe von Tom saß. Sie landete schließlich in der ersten Reihe zwischen Francis und Elsabeth, wobei Elsabeth ganz am Ende der Reihe saß. Draco saß auf Francis anderer Seite und Tom saß neben ihm. Der Rest von Ginnys Gefolge wartete draußen im Gang, denn sie waren nicht eingeladen worden, das Schauspiel mit anzusehen. Ginny wollte Maria fragen, ob sie blieb, doch die Magd verschwand, bevor sie irgendetwas sagen konnte. Sie hatte eigentlich geplant, schweigend dazusitzen und zuzusehen, wie sich das Theater füllte, doch Elsabeth lehnte sich herüber und flüsterte, "Habt Ihr diese abscheuliche Magd immer noch nicht gehen lassen?" Ihre Stimme war ruhig und leise. Ginny sah sie mit vor Überraschung zusammengezogenen Augenbrauen an.

"Meinst du Maria?" fragte sie, "Sie gehen lassen?"

"Natürlich ist es Eure Entscheidung, Eure Hoheit," sagte Elsabeth hastig und versuchte ein wässriges Lächeln. Dann wandte sie sich ab und blickte wieder nach vorne und ließ die verwirrte Ginny mit der Frage, was sie wohl damit gemeint hatte, allein. Doch bevor sie darüber nachdenken konnte, kamen einige andere Leute in die Loge, um sie zu grüßen. Sie verbeugten oder knicksten alle, die Männer erzählten ihr, wie atemberaubend sie aussah, und die Frauen verkündeten, wie wundervoll ihr Kleid war. Ginny hatte nicht die leiseste Ahnung, wer sie alle waren, doch lächelte und nickte ihnen zu, wobei sie Elsabeths seltsame Erwähnung aus ihrem Bewusstsein verdrängte. Bis zum Anfang der Vorstellung, kamen alle Herrschaften aus der höheren Gesellschaft zu ihr und gingen, nachdem sie mit ihr gesprochen hatten, die Reihe hinunter zu Draco, um ihn zu grüßen. Einmal, als sie seinen Blick traf, hob er kurz eine gelangweilte Augenbraue, was sie zum Lächeln brachte. Schließlich waren alle gegangen. Oder besser hatten alle, die geblieben waren, sich auf andere Plätze in der Loge gesetzt und nervten sie nicht mehr. Mit einem Seufzer der Erleichterung versuchte sie sich zurück in ihren Sitz sinken zu lassen, was nur dazu führte, dass sie ihre Unterwäsche zwickte. Sie richtete sich sofort wieder auf. Es überraschte sie, als sich der Vorhang plötzlich hob und eine Welle der Stille durch das Theater ging. Ginny hatte erwartet, dass man die Kerzen ausblasen würde, doch die erste Szene begann und die Kerzen brannten noch.

Das muss sein, sonst ist auf der Bühne zu wenig Licht, erkannte sie. Doch das war nicht das einzige, das sie überraschte. Sie hatte großartige Kostüme und aufwendige Szenerien erwartet, natürlich weil Shakespeare selbst die Aufführung inszeniert hatte; er wollte doch höchstwahrscheinlich nichts als das Beste für sein Schauspiel. Aber die Kleidung der Schauspieler sah gewöhnlich aus, nicht einmal so fein, wie das, was Ginny trug. Auch der Hintergrund war ziemlich schlicht, ganz ohne Hilfsmittel. Verwirrt fragte sich Ginny, ob es vielleicht doch kein so großes Ereignis war. Doch die ersten Zeilen des Stücks zeigten ihr, dass sie falsch lag.

„Nun rückt, Hippolyta, die Hochzeitsstunde,

Mit Eil heran, vier frohe Tage bringen

Den neuen Mond: doch, o wie langsam nimmt

Der alte ab! Er hält mein Sehnen hin,

Gleich einer Witwe, deren dürres Alter

Von ihres Stiefsohns Renten lange zehrt."

Der Schauspieler sprach mit soviel Gefühl und Leidenschaft, dass Ginny sofort klar wurde, dass die Vorstellung absolut umwerfend sein würde. Sie war innerhalb von wenigen Augenblicken vollkommen fasziniert. Doch egal, wie wundervoll es war, sie fühlte sich nicht wohl. Es brachte sie fast um, so lange still zu sitzen. Sie würde bald aufstehen und sich die Beine vertreten müssen, das wusste sie.

Der Szenenwechsel war schwer erkennbar und ohne Gebrauch des Vorhangs, dennoch verstand Ginny, was vor sich ging. Sie war von der Professionalität sehr überrascht, die alle ausübten, die in dem Stück mitwirkten. Sie hatte nicht gedacht, dass die Leute dieser Zeit die Schauspielerei so ernst nahmen. Offenbar hatte sie falsch gelegen.

Schließlich, gegen Ende der ersten Szene des dritten Aktes, hielt Ginny es nicht mehr aus. Sie lehnte sich hinüber zu Francis.

„Ich muss ein wenig frische Luft schnappen," wisperte sie und stand auf, wobei sie sich zwang würdevoll zu wirken. Dann schwebte sie aus der Loge, doch spürte dabei die Augen einiger, die in der Nähe hinter ihr saßen, auf sich. Diese Frauen waren ja an Korsetts gewöhnt; sie hatten einfach zu akzeptieren, dass sie es nicht war. Sogar in der verlassenen Eingangshalle konnte sie Titania vom Theater her sagen hören, „Kommt, führt ihn hin zu meinem Heiligtume! Mich dünkt, von Tränen blinke…"

Ginny ging ein wenig auf und ab und gebrauchte dabei ihre Hände, um das Korsett herum zu schieben. Nichts schien zu funktionieren. Sie konnte nichts machen, um ihre verdammten Kleider bequemer zu machen. Sie entschloss sich, dass sie, in dem Augenblick, da sie wieder in ihrem Schloss war, sich die Kleider vom Leib reißen und nackt schlafen würde. Jetzt würde sie alles, aber auch alles, dafür geben, Jeans und ein T-Shirt tragen zu können.

„Stimmt etwas nicht, Eure Hoheit?" fragte jemand hinter ihr.

Ginny schrak zusammen und fuhr herum. Es war Tom. Sie hatte nicht gehört, wie er die Eingangshalle betreten hatte. Schnell sah sie sich um und betete, dass noch jemand anderes in der Nähe war. Doch dem war nicht so. Sie war allein mit ihm und das beruhigte das unwohle Gefühl in ihrem Magen nicht im Mindesten. Es brodelte unangenehm und verschlimmerte ihren Gemütszustand nur noch mehr.

„Warum bist du hier draußen?" fragte sie hastig und blickte über seine Schulter. Er kam aus genau der Richtung in die sie rennen musste, um in der Nähe von Menschen zu sein, wo er ihr nichts antun konnte; so musste sie wohl entweder an ihm vorbei oder sich umdrehen und aus dem Gebäude rennen. Wenn sie sich für das Letztere entschied, würde er sie hetzen und gewinnen.

„Ihr saht etwas bleich aus, als ihr die Loge verließt," sagte er und sein Gesicht verzog sich zu einem Lächeln. Sie konnte nicht sagen, ob sie es mochte, wie er sie anstarrte oder nicht. „Ich kam, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist."

„Mir geht es gut," sagte sie sehr schnell, „Du kannst gehen. Ich wollte mir nur ein wenig die Beine vertreten."

„Ihr fürchtet mich." Es war keine Frage oder eine Meinung. Es war eine Feststellung, und er wusste es. „Warum?"

Sie traf seinen Blick und zwang sich, dieses Mal nicht wegzusehen. Sie reckte das Kinn und antwortete deutlich, „Musst du das wirklich fragen?"

„Ja."

Ginny sog die Luft ein. Sein Lächeln war verblasst; doch auch wenn er wütend war, zeigte er es nicht.

„Du bist ein Mörder."

Sie hatte erwartet, dass er es leugnete. Sie hatte erwartet, dass sich sein Gesicht vor Besorgnis und Überraschung verzog, dass sich seinen wunderschönen Augen sich weiteten und Schmerz widerspiegelten. Doch stattdessen tat er genau das, was sie eigentlich hätte erwarten sollen. Er lächelte. Ein schauriges Lächeln, dessen eisiger Griff bis in ihr tiefstes Inneres zu gelangen schien. Er verschränkte die Arme, wobei seine Finger gespreizt auf seinen schwarzen Ärmeln lagen, und trat einen Schritt vor. Unwillkürlich trat sie zurück.

„Du bist nicht dumm, nicht wahr, Ginny?" fragte er sanft, wobei seine Stimme sich gefährlich bei ihr einschmeichelte. Es bewirkte, dass sich die kleinen Härchen in ihrem Genick aufstellten.

„Du hast mich in dem Moment erkannt, als du mich gesehen hast."

Sie versuchte vergeblich, zu schlucken. Er kam noch einen Schritt näher. Ihr Gehirn hatte genug Probleme damit, vernünftige Gedanken zu fassen, geschweige denn, sie auszusprechen. Anstatt stolperte sie weiter rückwärts bis ihr Rücken gegen eine Wand stieß. Dann bemerkte sie, dass ihre Beine ihr nicht mehr gehorchten und sie nicht dorthin trugen, wohin sie wollte.

„Du weißt, was ich bin," sagte er langsam, sein Lächeln verblasste. „Dass du nicht hierher gehörst – dass ich ebenfalls nicht hierher gehöre."

Er hörte nicht auf, näher zu kommen, bevor er direkt vor ihr stand, sein Blick hielt den ihren fest. Sie konnte weder wegsehen noch weglaufen, obwohl sie es verzweifelt versuchte. Er übte eine Art Zauber auf sie aus, hielt sie hier und sie wusste nicht, wie sie dem ein Ende machen konnte.

Sie schaffte es zu schlucken und fand auch ihre Stimme wieder.

„Du hast uns hierher gebracht," sagte sie, stolz auf ihren festen, scharfen Ton.

„Ja." Ein schwaches Grinsen huschte über sein Gesicht.

„Wie? In unserer – in meiner Zeit bist du tot. Beide Formen von dir."

Ginny versuchte mit der Wand zu verschmelzen, zu verschwinden. Erfolglos.

„Ich werde dir alles erzählen," murmelte er mit einem letzten Schritt auf sie zu, womit er jede Distanz zwischen ihnen zunichte machte. Sein Körper gegen ihren gepresst, war warm, doch in einer fürchterlichen Weise. Sie wollte ihn abwehren, wollte ihn von sich los haben, doch nun hatte er sie in die Enge getrieben. Nun bereute sie, die Mauer als Schutz gesucht zu haben. Warum war sie nur so dumm?

„Ich werde dir alles erzählen," wiederholte Tom, und fügte hinzu, „aber noch nicht jetzt."

Sie hatte Schwierigkeiten zu atmen. Sie befahl sich selbst sich zu beruhigen und einen Ausweg zu suchen. Wenn sie zuließ, dass er ihr Angst einjagte, jedes Mal, wenn sie ihn sah oder ihm nahe war, würde er Macht über sie gewinnen. Er würde sie übernehmen. Das konnte sie nicht erlauben. Sie musste ihm zeigen, dass er sie nicht verängstigte. Selbst wenn er es tat.

„Wieso nicht jetzt?" fragte sie leise, doch deutlich. Sich fuhr sich schnell mit der Zungenspitze über die Unterlippe. „Es spricht doch nichts dagegen, meinst du nicht auch?"

„Du wirst die Aufführung verpassen," antwortete er mit samtweicher Stimme. In seinen Augen glitzerte nun ein hungriger Ausdruck, der ihr Herz vor Angst noch schneller schlagen ließ.

„Das ist egal," sagte sie und hob langsam die Hände. Sie drückte ihre Handballen gegen seine Brust, doch er grinste nur, als sie es tat. „Also geh jetzt zurück und sage mir – warum hast du Draco und mich hierher gebracht?"

Als sie anfing ihn wegzuschieben, schnellten seine eigenen Hände nach oben und umschlossen ihre Handgelenke. Er riss ihre Handballen von sich und schlug sie gegen die Wand neben ihren Schultern. Schrecken erfüllte sie wieder, doch sie zwang sich ihn nicht zu zeigen. Es kostete sie ihre ganze Kraft, eine ruhige Miene zu bewahren, obwohl sie sich ziemlich sicher war, dass ihre Augen verrieten, wie sie sich fühlte.

„Es gibt eine Sache, die du über mich wissen musst, Ginny," sagte er gehässig. Er erinnerte sie plötzlich an eine Schlange, mit den verengten, leicht geröteten Augen. „Du sagst mir nicht, was ich zu tun habe. Das ist es, das mich am meisten verärgert, Ginny, und du willst mich sicher nicht verärgern."

„Du tust mir weh," sagte sie leise. Da grinste er wieder leicht wahnsinnig, mit immer noch leicht roten Augen. Er lehnte seinen Kopf neben ihren und hauchte ihr ins Ohr, „Ich habe dir nur noch nicht genug wehgetan."

Als er wieder ihren Blick traf, hatte sie all ihre Wut zusammengenommen und starrte ihn an.

Lass ihn nicht deine Angst sehen, befahl sie sich selbst.

„Wenn du mich nicht sofort loslässt," zischte sie hasserfüllt, „werde ich schreien. Und es bestehen keine großen Chancen, dass meine Mutter dich aus deinem Verhängnis retten wird, wenn du dabei erwischt wurdest, wie du eine Prinzessin bedrohst."

Er lächelte sie nur beinahe fröhlich an.

„Verstehst du denn nicht, Ginny?" fragte er sanft, „Ich besitze diese Welt. Sie existiert nicht. Ich habe sie erschaffen. Ich kann sie kontrollieren und habe deshalb mehr Macht als deine Mutter."

Ginny schluckte bei dieser Antwort schwer, unsicher, was sie nun sagen sollte. Sie vergaß ihre Angst zu verbergen… und dann fiel ihr etwas ein.

„Wenn du sie erschaffen hast," begann sie schwach, „warum hast du dann D-,"

„Ginny," sagte eine andere, sehr wohl bekannte Stimme. Draco. Tom ließ ihre Hände los, trat schnell zurück und drehte sich gleichmütig um. Draco durchquerte die Eingangshalle mit seinen üblichen großen Schritten und einem nüchternen Ausdruck auf dem Gesicht. Er hielt neben Tom an.

„Habt ihr Spaß?" fragte er düster. Ginny war noch nie in ihrem Leben so glücklich gewesen, ihn zu sehen. Sofort vergaß sie, Tom nach dem Grund für Dumbledore zu fragen, wenn es doch seine eigene Welt war, und eilte an Dracos Seite.

„Ich habe herausgefunden, wer uns hierher gebracht hat, Draco," sagte sie und fühlte sich nun, da er bei ihr war, schon viel sicherer. Draco musterte Tom, der ihn angrinste.

„Wenn ihr mich nun entschuldigen wollt, ich verpasse die Aufführung," verkündete er ölig. Und ohne ein weiteres Wort oder einen Blick glitt er an ihnen vorbei und verließ die Eingangshalle; Ginny Angst ging mit ihm.

„Und wieder einmal hast du es geschafft, an einem günstigen Zeitpunkt zu erscheinen, wobei ich dich ein paar Minuten früher auch gut hätte gebrauchen können," sagte Ginny an Draco gewandt.

„Was hat er getan?" fragte er.

„Er hat mich bedroht, zugegeben, dass er ein Mörder ist und uns hierher gebracht hat," sagte sie mit einem Achselzucken, als sei das keine große Sache, „Er sagte, er hätte diese Welt erschaffen." Draco nickte, bevor auch er an Dumbledore dachte.

„Doch wenn er sie erschaffen hat, warum ist dann Dumbledore hier?"

„Ich war gerade dabei, ihn das zu fragen," sagte Ginny, „Doch du hast uns unterbrochen." Er grinste.

„Das nächste Mal werde ich darauf achten, euch eure Unterhaltung zu Ende führen zu lassen," sagte er gehässig. Sie entschied, ihn zu ignorieren.

„Wenn er Dumbledore hier eingebaut hat, dann muss das heißen, dass wir ihm nicht vertrauen können."

„Dumbledore nicht vertrauen?"

„Na, glaubst du, Tom würde einen netten Dumbledore in diese Welt setzen, einer, der uns helfen kann?" fragte sie, „Er versucht doch offensichtlich jeden in dieser Zeit gegen uns zu stimmen. Harry, meine Eltern… und er ist es wahrscheinlich auch gewesen, der Alexandria hatte umziehen lassen. Und dann hat er all die Stadtbewohner vergessen lassen, dass es sie je gab."

„Ich verstehe einfach nicht, warum er das tun sollte," sagte Draco.

„Ich auch nicht," gab sie zu, „Er hat es auch nicht erklärt."

„Bevor wir diese Welt verlassen, wird er es," schwor Draco.

„Aber…" Ginny biss sich auf die Unterlippe, als ihr etwas Beunruhigendes einfiel. „Wenn er diese Welt beherrscht, gibt es keinen Weg, wie wir fliehen könnten. Jedenfalls nicht ohne seine Hilfe. Und glaubst du wirklich, er wird uns in unsere Zeit zurückkehren lassen, nur weil wir es wollen?"

Draco starrte sie an und wusste, dass sie Recht hatte.

„Wir werden einen Weg finden," sagte er. Ginny nickte zögernd, auch wenn sie nicht sehr überzeugt war. Erst als sie schon auf dem Weg zurück in ihre Loge waren, wurde ihr klar, was er gesagt hatte.

Wir werden einen Weg finden." Er hatte wohl schließlich eingesehen, dass er ihr helfen musste, den Rückweg zu finden. Obwohl sie sich nicht ganz sicher war, ob gerade sie beide in Zusammenarbeit, sich selbst retten konnten.

XXX

Als Draco wieder zu seinem Sitz zurückgekehrt war, starrte er Tom unverwandt an, doch nur um ignoriert zu werden und bemerkte, dass ihm die Aufführung nicht gefiel. In seinem Gehirn rasten tausend Gedanken hin und her, unbehagliche waren es, die ihn sich unwohl fühlen ließen. In einem hatte Ginny Recht. Wenn Tom diese Welt erschaffen hatte, gab es keinen Fluchtweg. Er hatte sie beide, die einzigen zwei, die wussten, dass sie aus der Zukunft kamen, mit einer bestimmten Absicht hierher gebracht. Höchstwahrscheinlich war es keine gute. Sie war sicher böse und würde darin enden, dass die ganze Welt unter der Herrschaft Riddles lebte. Nach wie es ihm vorkam, Stunden war das Stück endlich zu Ende. Der Applaus war ohrenbetäubend und hielt für mehrere Minuten an. Draco blieb sitzen, als alle um ihn herum aufstanden, darunter auch Ginny, obwohl ihr Gesicht düster war, und sie sicher nicht darüber nachdachte, wie wunderbar die Aufführung gewesen war. Schließlich war es Zeit zu gehen. Draco erhob sich, doch bemerkte, dass noch einige weitere wichtige Leute zum Grüßen gekommen waren. Für weitere fünf Minuten sagte er allen stirnrunzelnd ‚auf Wiedersehen', die sich vor ihm verbeugten.

„Kommt, Eure Hoheit," grinste Francis an Ginny gewandt und gestikulierte sie als erstes nach draußen vor die Loge. „Mr Shakespeare würde Euch gerne treffen, wenn Ihr die Zeit dafür habt."

„Nein, hat sie nicht," schnappte Draco, der sich schon danach sehnte, endlich gehen zu können. Aus Gründen, die er sich nicht richtig erklären konnte, mochte er es nicht, wenn sie in Toms Nähe war. Es machte ihn nervös. Ginny spannte ihre Wangenknochen an und schoss Draco einen Blick zu, der deutlich besagte, dass er den Mund halten solle. Dann lächelte sie Francis sehr gezwungen an.

„Natürlich," versicherte sie ihm, „Doch wollen wir uns nicht zu viel Zeit damit lassen."

Also folgte Draco Ginny, Francis, seiner hässlichen Tochter und ein paar Leibwachen hinter die Bühne. Draco suchte den Mann, den er auf den Portraits gesehen hatte, mit wundervoller Kleidung und braunem Haar. Der Mann jedoch, der schließlich auf Ginny zuging, war groß, dünn und alt. Seine Haare waren schneeweiß und seine Kleider waren in Wirklichkeit ein bisschen schäbig, ganz so, als hätte er sie seit mehreren Tagen nicht mehr gewechselt. Doch in dem Augenblick, da er Ginny sah, kniete er sich auf ein Bein und streckte eine Hand aus. Sie starrte ihn einen Moment lang an, bevor sie ihm ihre Finger zum Handkuss hinstreckte, wobei sie rot anlief.

„Eure Hoheit, ich bin hocherfreut, dass Ihr heute Abend gekommen seid," sagte er, während er sich wieder erhob. Er erblickte Draco und verbeugte sich tief. „Euch soll dasselbe gelten," fügte er hinzu. Draco nickte, um zu zeigen, dass er es gehört hatte. Nur Shakespeare würde so etwas sagen. Euch soll dasselbe gelten.

„Wünscht Ihr eine Führung durch das Theater?" fragte er höflich. Ginny sah unsicher aus, während Draco versuchte, ihren Blick zu fangen, und den Kopf schüttelte, um ihr zu sagen, dass sie Nein sagen sollte, doch sie sah ihn nicht an.

Jedoch schaffte sie es, ihrem versnobten Ruf gerecht zu werden, indem sie den Kopf schüttelte und ablehnte, auch wenn sie es sehr freundlich tat.

„Eigentlich bin ich schon sehr müde. Steht das Angebot länger?"

Shakespeare hob die Augenbrauen, da er offensichtlich nicht verstand, was sie meinte. Ginny wurde noch eine Spur röter und fügte hinzu, „Ich werde nach der Hochzeit wiederkommen."

„Sehr gut, Eure Hoheit." Sein schmales, doch warmes Lächeln kehrte zurück und er verbeugte sich ein letztes Mal. Dann nahm Francis Ginny am Ellbogen, wobei er seine Tochter vollkommen ignorierte und führte sie aus dem Theater.

XXX

Ginny konnte nicht schlafen. Sie lag in ihrem Bett, fest eingewickelt in ihre vielen Decken, während das Holz im Kamin glomm. Aber ihre Gedanken kreisten um das, was Tom ihr gesagt hatte. Was konnte sie gegen ihn und ihre Lage tun? Nichts? Würde sie sich einfach so selbst erlauben, aufzugeben und zu akzeptieren, dass es nichts gab, das sie oder Draco tun könnten?

Es muss etwas geben, widersprach sie sich selbst in Gedanken. Es muss einen Weg geben.

Und wenn Dumbledore doch nicht böse war? Würde das irgendeinen Sinn ergeben? Dass Tom ihn absichtlich in diese Welt setzte, nur um es ihnen leichter zu machen? Nein, das war unsinnig. Daraus konnte sie nur einen Schluss ziehen, nämlich den, dass Dumbledore ihnen nicht helfen würde. Außerdem, wie sollte sie überhaupt wissen, ob sie ihm vertrauen konnte oder nicht? Das konnte sie nicht; sie konnte sich nie absolut sicher sein, dass er auf ihrer Seite war. Von ihm war keine Hilfe zu erwarten. Ginny setzte sich seufzend auf. Sie fühlte sich ruhelos und ein wenig überfüllt. Sie warf die Decken zurück, langte nach einer Nachtrobe und zog dazu noch ein paar Schuhe an, die wohl so etwas Ähnliches wie Schlappen sein mussten. Dann trat sie hinaus in den dunklen, kühlen Gang. Es war so dunkel, ruhig und still, dass sie fast einen Herzschlag bekommen hätte, als ihr jemand die Schulter tätschelte. Sie schaffte es gerade noch, einen Schrei zu unterdrücken und wirbelte herum, nur um Marias vertrautes Gesicht zu sehen.

„Kind, was macht Ihr um diese Zeit hier draußen?" wisperte sie. Ginny musterte sie von oben bis unten und legte dabei eine Hand auf ihr Herz, um es zu beruhigen. Maria hatte immer noch ihre Alltagskleidung an. „Ich konnte nicht schlafen. Schläfst du denn nie?"

Sie war ein bisschen atemlos von ihrem Schrecken. Sogar in dem fahlen Licht sah sie Maria lächeln.

„Ich habe keine Zeit zu schlafen, Hoheit. Ich bereite immer noch die Hochzeit vor und das ist wirklich viel Arbeit."

Ginny fühlte einen Wutschwall gegen ihre Mutter in sich aufsteigen, weil sie ihr Personal so hart arbeiten ließ. Sie legte Maria eine Hand auf die Schulter. „Geh ins Bett, Maria," befahl sie sanft, „Mir ist die Hochzeit sowieso ziemlich egal."

„Das sagt Ihr jetzt, doch wenn an Weihnachten nicht alles perfekt ist, werdet Ihr es bereuen," gab sie hartnäckig zurück.

„Doch ziehe dich für heute Nacht zurück, ja?" sagte Ginny und wickelte die Robe fester um sich. „Ich gehe nur noch ein wenig spazieren, bevor ich ebenfalls wieder ins Bett gehe."

„Nun gut, Eure Hoheit. Doch Ihr solltet auch ein wenig schlafen. Ihr müsst die Kräfte wiedererlangen, die Ihr bei Eurer Krankheit verloren habt."

„Ja, Maria," sagte Ginny, schenkte ihr zum Abschied ein Lächeln, drehte sich um und ging. Ginny wusste schon, dass sie nach draußen wollte, doch als sie die große Vorderhalle betrat, sah sie, dass einige Männer die Tür bewachten. Stirnrunzelnd drehte sie sich um und ging auf die Suche nach einem anderen Ausgang, worauf sie überlegte, dass sicher in der Küche oder in der Nähe davon einer sein musste. Ginny ging dieses Mal sicher, dass die Küche wirklich dunkel und verlassen war, sie wollte nämlich sicher nicht, dass Draco wieder wie aus dem Nichts erschien und auf sie fiel. Na ja, der Auf-Sie-Fallen-Teil wäre vielleicht nicht so schlimm, aber sie hatte sich eben schon fast in die Hosen gemacht, als Maria ihr auf die Schulter geklopft hatte und wenn sie nun jemand aus der Dunkelheit ansprang, würde ihr das wohl den Rest geben. Wie sie vermutet hatte, führte eine unbewachte Tür in den Küchen nach draußen. Sie schlüpfte hinaus in die kalte, ruhige Nacht und fing in dem Moment, da die Luft ihre Wangen berührte, an zu zittern. Während sie auf dem eisigen, harten Schnee vom Schloss wegging, blickte sie hinauf zum Himmel. Es war eine klare Nacht, mit Millionen von Sternen, die den dunklen Samt wie Diamanten bestückten. Hier gab es keine Muggellichter, die die Schönheit der Nacht ersticken konnten. Trotz der Kälte lächelte Ginny und genoss die Ruhe der Welt um sie herum. Sie hielt nahe dem Rand des Gartens an und ließ sich auf einer steinernen Bank nieder. Mehr Gedanken füllten ihren Kopf, von dem einen Aufregenden, dass sie Shakespeare getroffen hatte, zu dem anderen Erschreckenden, dass sie und Draco vielleicht nie mehr in ihre Zeit zurückkehren konnten. Was würde sie tun, wenn sie gezwungen war zu bleiben? Würde sie Draco heiraten, mit ihm Kinder großziehen und das Land regieren, wie es vorhergesehen war? Immer mit dem Wissen im Hinterkopf, dass Tom in der Nähe war und mit ihren Leben anstellen konnte, was er wollte? Oder würde sie weglaufen? Sich jeglicher Verantwortung, die sie innehatte, wenn sie verheiratet war, entziehen und versuchen, sich vor Tom zu verstecken?

Das ist nicht möglich, erkannte sie. Wenn Tom diese Welt beherrscht, kann er mich finden. Leicht.

Sie seufzte tief und fragte sich, warum plötzlich alles so kompliziert für sie war. Jede Lösung, die sie sich überlegt hatte, funktionierte nicht mehr. Sie steckte fest und wusste nicht, wie sie sich selbst befreien sollte.

„Du wirst dir wieder eine Lungenentzündung einfangen, wenn du noch weiter hier draußen bleibst."

Ginny zuckte zusammen, als sie Dracos Stimme hörte und drehte ihren Kopf zur Seite, um zu sehen, wie er aus dem Schatten des Schlosses näher trat. Er war immer noch angezogen, seine Miene war ausdruckslos und sein Atem stieg in kleinen Wölkchen aus seinem Mund. Er hielt vor ihr an und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Ich musste nachdenken," sagte sie, betrachtete ihre Finger, die in ihrem Schoß lagen und zupfte an ihren Nägeln. „Es ist schön hier draußen."

„Es ist eisig hier draußen," korrigierte er und verlagerte sein Gewicht von einem Fuß auf den anderen. Dann wechselte er das Thema.

„Über was hast du nachgedacht?"

„Über was ich immer nachdenke," antwortete sie automatisch.

„Harry?" Im Sternenlicht sah sie ihn grinsen.

„Nein," schnappte sie und starrte ihn mit verengten Augen. „Ich habe überlegt, wie wir hier rauskommen könnten."

„Vielleicht sollten wie erst einmal herausfinden, für was uns Riddle hier überhaupt braucht," sagte Draco weise.

„Okay, dann geh doch und frag ihn," fauchte sie, obwohl sie gar nicht so scharf hatte klingen wollen.

„Er schien dich lieber zu mögen," grinste er.

Sie starrte ihn wütend an, bevor sie seufzte und ihr Blick weicher wurde.

„Es ist so hoffnungslos. Hast du irgendeine Idee, wie wir hier vielleicht rauskommen könnten?"

„Keine."

„Du hast damit angegeben, dass den Slytherins immer die besten Pläne einfallen. Also, warum dieses Mal nicht?"

„Ich habe gelogen," antwortete er schlicht. „Die Ravenclaws sind die Cleveren."

„Oh, das hilft uns nun wirklich weiter," murmelte sie, setzte einen Ellebogen auf ihren Oberschenkel und stützte ihren Kopf in die Hand. „Versuchst du wenigstens einen Weg zu finden?"

„Nein, ich will nämlich hier bleiben," sagte er, doch als sie zu ihm aufsah, sah sie sein Grinsen, „Natürlich habe ich es versucht. Doch mir fällt auch nicht mehr ein als dir."

Sie seufzte wieder, stand auf und traf seinen Blick.

„Wir müssen einfach weiter nachdenken," sagte sie mit einem Achselzucken, „Ich weiß ja nicht, wie es dir damit geht, aber ich werde nicht in dieser Welt bleiben und mich dich heiraten lassen."

In seinen grundlosen grauen Augen blitzte ein Gefühl auf, doch es war so schnell verklungen, dass sie nicht erkennen konnte, was es war. Im nächsten Augenblick war es verschwunden und wieder durch seinen üblichen, ausdruckslosen Blick ersetzt.

„Ich stimme dir voll zu," sagte er leichthin. Da bemerkte sie plötzlich, wie nahe sie einander waren; ihre Körper waren nur Zentimeter entfernt. Ihr Herz begann zu rasen, sie errötete und fühlte Schauer auf ihren Wangen. Warum musste er nur so verdammt süß sein? Warum konnte sie seine Lippen nicht aus ihren Gedanken verdrängen?

„Ich meine," begann sie, „auch wenn wir heiraten, ist es ja nicht so, dass es dann auch in der Zukunft gilt. Irgendwann müssen wir ja zurückkommen und, wenn wir hier heiraten, heißt das ja nicht, dass wir jetzt richtig verheiratet sind. Oder 400 Jahre von jetzt."

Ihr war sehr wohl bewusst, dass sie gerade zu viel redete und dass ihre Wangen vor Verlegenheit brannten, doch sie laberte einfach weiter, um die Stille zu füllen. „Ich habe mir immer gesagt, dass ich nicht heiraten wolle, bevor ich mindestens 20 oder 25 bin und 17 ist nicht das Alter, das ich jemals in Betracht gezogen habe, wenn ich darüber-,"

„Ginny, hältst du jetzt die Klappe?" Er grinste sie an und machte sich schweigend über sie lustig.

„Okay," schnaufte sie und küsste ihn.

Zuerst war es sanft, warm und wundervoll. Sie hatte nicht vergessen, wie es war, von ihm geküsst zu werden, hatte nicht das bekannte Gefühl vergessen, von dem sie zittrige Knie bekam, das sie überkam, wenn sie an ihn gedrängt war.

So will ich für den Rest meines Lebens geküsst werden, dachte sie benebelt. Seine Hände wanderten zu ihren Schultern, seine Finger spielten mit ihren Haaren. Als der Kuss sich vertiefte, legte sie ihre Hände um seine Wangen, als wollte sie ihn bei sich halten, bevor sie ihre Arme um seinen Hals schlang und ihn an sich zog. Sie wollte, dass er nie wieder aufhörte, wollte ihn nie wieder loslassen, doch er schob sie plötzlich von sich. Die Abruptheit davon schoss wie ein eisiger Blitz durch sie, und zeigte ihr, wie sehr sie sich darin vertieft hatte.

„Ich dachte, du meintest, wir sollten das nicht tun?" wisperte er und sie spürte seinen Atem auf ihrer Wange. Seine Augen bohrten in ihre; sie waren dunkel und fragend.

„Wir sollten es auch nicht tun," gab sie leise zu. Er schenkte ihr ein kleines, schiefes Lächeln. „Aber du willst es."

Es war eine einfache Aussage.

„Du nicht?" Sie suchte seinen Blick.

„Lass mich mal überlegen," sagte er, die Belustigung spiegelte sich deutlich in seinen Augen, „Es ist praktisch unmöglich, dass wir fliehen können, bevor wir heiraten."

Sie sah verwirrt drein. „Ja…"

„Wenn wir also heiraten, warum sollen wir dann nicht üben?"

Er wartete nicht einmal auf ihre Antwort. Stattdessen landete sein Mund sofort wieder auf ihrem und seine Zunge schob sich zwischen ihre Lippen. Das Gefühl davon fegte ihr Gehirn vollkommen leer und sie hatte keine Chance zu realisieren, was er gesagt hatte.

Sie waren so vertieft in einander, dass sie nichts mehr um sich herum wahrnahmen, so sahen sie auch nicht, wie sie jemand von einem Fenster vom zweiten Stock aus beobachtete. Toms Zähne glitzerten im fahlen Licht und obwohl er lächelte, zeigte seine Miene keine Fröhlichkeit. Es war fast ein verrücktes Glühen. Er ließ den schweren Vorhang wieder an seinen Platz fallen und flüsterte einer rundlichen, kleineren Person, die neben ihm stand, etwas zu.

„Es funktioniert."

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At LaraAnime: Ich beeile mich… War doch ein tolles, oder? Endlich geht's mit der Handlung mal vorwärts… x)

At Zutzi alias Susi: Das baut mich richtig auf, wenn mir jemand sagt, dass ich solange brauchen kann, wie ich will! Danke! Liebe Grüße…

At IndigoNightOwl: Oh ja, man glaubt es nicht, aber ich lebe noch…

At h0n3ym0on: Ja, klar, es muss ja ernster werden, schließlich wollen sie ja heiraten… Na ja…wollen? x)

At nichan: Danke, freu mich immer wieder über neue Leser! Es ist eine Übersetzung einer englischen Story und die hat insgesamt 20 Kapitel und da ich hier eins geteilt habe, werden es insgesamt 21 Chapters…

At nannachen: Schon wieder?

At TryPepper: Ja, wär schon schrecklich, wenn er's gewesen wäre…

At Aldavinur: Na ja, vielleicht meint sie mit der Überschrift, dass irgendjemand in Sachen Alexandria gelogen hat…

At LuckyShadow: Oh, ihr seid alle so nett und sagt mir, dass es gar nicht schlimm ist, wenn ich so lange brauche, ich habe aber trotzdem immer ein schlechtes Gewissen… Danke noch einmal!

At ArchAngelAzrael: Ne, der ist echt nicht so schlecht… x)

At Lara-Lynx: Ja, ich mach schon weiter… du wirst schon noch rausfinden, wer da alles mit drin steckt… x)

At Ninaissaja: Danke, danke… Aber ich mach das Übersetzen auch gerne… Es aber schon sehr viel Arbeit…

At blub: Danke! x)

At D.V.G.M.1: Es ist doch ein tolles, oder nicht? Und das nächste erst… und das danach… oohh… nein, ich will ja nicht fies sein…x)