Disclaimer: Dies ist eine Übersetzung. Weder Plot noch Charaktere gehören mir und ich mache kein Geld damit.
Heyho!
Ich glaub, es wär am Besten für euch, in einem halben Jahr nochmal her zu schauen, dann ist die Story vielleicht fertig… /
Ich kann euch gut verstehen, wenn ihr jetzt keinen Bock mehr habt, immer so lang zu warten, ich weiß selber, wie nervig das ist, und ich will sie einfach nur fertig machen und nicht so halb vollständig im Netz stehen lassen… Langsam aber sicher, irgendwann wird's fertig.
All You Need Is Love
15. Hinter dem Wandteppich
Bald nachdem Elle schreiend zu ihrem Vater gerannt war, wurde das Fest abgebrochen. Die Nachricht, dass ein Mord im Schloss geschehen war, verbreitete sich wie ein Lauffeuer und nun hatten es alle sehr eilig, nach Hause aufzubrechen. Ginny wäre eigentlich erfreut darüber gewesen, wenn sie nicht so ein stechendes Gefühl in ihrer Magengrube gehabt hätte. Ihre Mutter Lavinia war über das alles schrecklich wütend. Alleine draußen, wo sie niemanden anderen außer Ginny hatte, den sie volljammern konnte, murmelte sie leise, „Was für eine Katastrophe. Wir werden deine Hochzeitsnacht verschieben müssen."
Ginny versuchte, nicht allzu erleichtert auszusehen. „Das ist schrecklich, Mutter," sagte sie, auch wenn sie ihre Freude nicht ganz aus ihrer Stimmer verbannen konnte.
„Ich werde Ramiro heimschicken müssen und ihn morgen Abend nochmals kommen lassen," sagte Lavinia mehr zu sich selbst, als zu Ginny, die es aber unweigerlich trotzdem hörte. „Bis dahin wird dieses Chaos doch hoffentlich beseitigt sein."
„Wer ist Ramiro?" fragte Ginny beiläufig.
Lavinia sah sie halb verzweifelt an. „Hörst du mir eigentlich je zu?"
„Nein," antwortete sie ernsthaft.
Ihre Mutter versuchte sichtlich ihre Geduld zu wahren. „Ich habe ihn herbestellt, damit er eure Hochzeitsnacht bezeugt."
Ginny fühlte, wie ihr das Blut aus dem Gesicht wich und der Mord wurde aus ihren Gedanken verdrängt.
„Bezeugen?" krächzte sie.
„Du weißt das schon, Ginny," schnappte die Königin, „Ich habe es dir doch 100 Mal gesagt."
„Jemand wird bezeugen, wie wir Sex haben?" fragte Ginny geradeheraus. Lavinia sah bei ihrer Offenheit überrascht drein, doch sogleich setzte sie einen Blick blanker Wut auf. Doch bevor sie zurückfauchen konnte, trat Edward hinaus zu ihnen und gestikulierte Ginnys Mutter hinüber. Ohne einen weiteren Blick auf Ginny, ging sie hinein. Ginny dachte, sie würde sterben vor Schreck. Erst wurde sie gezwungen gegen ihren Willen zu heiraten, und jetzt musste sie Draco auch noch flachlegen? Und es sollte auch noch jemand zusehen? Tief in ihrem Innern war ihr die Hochzeitsnacht auch schon vorher bewusst gewesen, doch sie hatte unterbewusst beschlossen, einfach so zu tun, als hätten sie irgendetwas getan. Und sie hatte gedacht – oder eher , mit ihrer ganzen Kraft gebetet – dass sie und Draco schon aus dieser Welt verschwunden waren, bevor die Leute bemerkten, dass sie nicht schwanger wurde. Vor ihren Augen drehte sich alles; langsam ging sie wieder hinein. Sie musste sich einfach etwas ausdenken, wie sie sich um morgen Nacht drücken konnte. Vielleicht konnte sie einfach wieder krank werden. Das könnte funktionieren.
Darüber werde ich später nachdenken, sagte sie sich selbst, als sie sich plötzlich wieder an den Mord erinnerte. Sie musste sich auf das konzentrieren, was gerade eben passierte. Sie musste mit dem, was später passierte, eben später fertig werden. Ginny fragte einen Diener, wo ihre Eltern waren, und fand sie in einem Raum mit Draco, Elle, Edward und Francis. Francis sprach mit ernster Miene mit Edward. Elle klammerte sich an die Hand ihres Vaters, ihre Augen waren geweitet und ihre Wangen glänzten vor Tränen.
„Wer ist es denn jetzt?" fragte Lavinia ungeduldig, „Kann man ihn nicht einfach begraben und vergessen?"
„Liebes…," sagte Robert warnend und warf ihr einen ernsten Blick zu. Sie tat so, als bemerke sie ihn nicht, doch sagte nichts mehr.
„Es war unmöglich, sein Gesicht kenntlich zu machen," antwortete Francis und drehte sich zurück zu Edward. „Doch die anderen Dinge, wie Haar und Kleidung führen mich zu dem Schluss, dass es sich um den Bruder Eurer Frau handelt."
Ginny starrte Francis einen Moment an und versuchte zu verstehen, was er da sagte. Der Bruder von Edwards Frau? Das müsste dann… Dracos und Elles Onkel sein! Sie hatte gar nicht gewusst, dass die beiden einen Onkel hatten. Sie warf Draco einen fragenden Blick zu, doch er sah sie nicht an. Er sah tief in Gedanken versunken aus, als versuche er, sich an einen Onkel zu erinnern.
„Onkel ist tot?" rief Elle plötzlich, riss an der Hand ihres Vaters und sah zu ihm auf, als wünsche sie, er würde ihr widersprechen.
„Schhh," sagte Edward, doch als er zu ihr heruntersah, wurde der Ausdruck in seinen Augen sofort weicher. Er legte einen Arm um ihre Schultern und drückte sie fest an sich. Dann kehrten seine Augen zu Francis zurück. „Arsen ist es, der umgebracht wurde? Glaubst du das?"
„Sein Haar, auch wenn es von Blut getränkt war, war eindeutig weißblond," sagte Francis, ohne damit wirklich die Frage zu beantworten. „Und ich habe Arsen heute vorher schon gesehen. Er hatte dunkelgrün an. Dieselbe Farbe, die auch die Leiche trägt."
„Wer würde Arsen umbringen?" fragte Robert verwirrt. „Vielleicht um anzudeuten, dass der Mörder das nächste Mal… einen des königlichen Hauses attackieren wird?"
„Lasst uns nichts überstürzen," fing Francis an.
„Nichts überstürzen?" unterbrach ihn Lavinia schrill, „Ein Mann, der praktisch königlich ist, wurde ermordet. Natürlich wird einer von uns der Nächste sein. Francis, ich möchte, dass überall Wachen aufgestellt werden. Am Eingang des Schlosses, in der Nähe aller großen Fenster und schicke mehr Wachen als üblich zu Roberts und meiner Schlafkammern-,"
„Lavinia, Liebes, beruhige dich," sagte Robert mit gelassener Stimme, „Arsen war ein Herzog, das ist richtig, aber aus dem zu schließen, was Edward uns erzählte, hatte er kaum Kontakt zu Edward, geschweige denn, dass sie viel zusammen unternommen hätten. Seit Orla starb, mieden sie einander." Ginny vermutete, dass Orla Dracos Mutter war. „Der Mord an Arsen ist also sicher keine ernstzunehmende Bedrohung für uns. Jedermann wusste, dass Edward sich nicht um den Mann scherte."
„Ich aber schon," murmelte Elle so leise, dass Ginny meinte, die einzige gewesen zu sein, die sie gehört hatte.
„Robert, Liebling, denke doch einen Moment nach," sagte Lavinia freundlich und veränderte ihre Taktik. „Arsen wurde in unserem Schloss umgebracht, während der Hochzeit unseres Kindes. Wenn das keine Bedrohung für uns bedeutet, warum hat der Mörder ihn dann nicht in seinem eigenen Haus umgebracht, sonder hier in diesem ganzen Durcheinander."
„Wenn der Mörder nicht hier wohnt," murmelte Ginny kaum hörbar. Sie hatte nicht erwartet, dass ihr überhaupt jemand zuhörte, doch plötzlich starrten sie alle an.
„Was meint Ihr damit?" fragte Francis und sein Gesicht verzog sich vor Verwirrung. Nach Ginnys Meinung war es eindeutig, dass Tom diesen Arsen umgebracht hatte, doch wenn sie das sagte, würde ihre Mutter sicher auf das Gegenteil bestehen. Also zuckte sie einfach die Achseln und antwortete nicht.
„Beachtet sie einfach nicht," seufzte Lavinia nach einer kleinen Pause. „Ginny, Liebes, lass dies die Sache der Erwachsenen sein."
Ginny biss sich auf die Zunge, um sich davon abzuhalten zurückzufauchen. Doch irgendwann, das wusste sie, würde ihre ganze Meinung über ihre Mutter aus ihr heraussprudeln und sie würde es nicht aufhalten können. Sie wirbelte herum und stürmte aus dem Zimmer. Dicht hinter lief Draco. Als sie ein gutes Stück von dem Raum entfernt waren, hielt Ginny an und wandte sich ihm zu.
„Du hast mir nie gesagt, dass du einen Onkel hast," beschuldigte sie ihn ein bisschen zu scharf und versuchte damit, ein wenig ihrer angestauten Frustration abzubauen.
„Ich hatte ihn irgendwie vergessen," antwortete Draco mit einem leichten Achselzucken. „Ich habe ihn auf dem Ball getroffen. Doch habe ich nicht einmal seinen Namen herausgefunden."
„Na ja, er ist jetzt tot." Ginny war sich nicht sicher, warum sie das jetzt eigentlich sagte.
„Ach wirklich, Ginny?"
Sie ballte ihre Hände zu Fäusten und durchforstete ihr Gehirn nach einer schlagfertigen Antwort.
„Beruhige dich, Ginny," sagte er und grinste arrogant, „Wenn du noch röter anläufst, wirst du irgendwann explodieren."
Irgendwie half sein neckischer Ton ihr, sich zu beruhigen. Sie seufzte laut und ließ ihre Schultern fallen. „Tut mir Leid," sagte sie, „Lavinia hat mich nur so schrecklich aufgeregt."
„Deine Mutter?"
„Ja."
„Scher dich nicht um sie. Sie wird irgendwann auch noch was abbekommen," sagte Draco und Ginny erinnerte sich plötzlich daran, dass Ron einmal dasselbe über ihn gesagt hatte. Es kam ihr ziemlich abgedreht vor, aber ihr war nicht nach Lachen zumute.
„Doch ich würde gerne diejenige sein, die es ihr einmal so richtig gibt," schnappte sie. Sie zwang sich, sich wieder zu entspannen und wechselte abrupt das Thema. „Tom war nicht auf unserer Hochzeit."
„Schrecklich," murmelte Draco.
„Das heißt, dass er währenddessen wahrscheinlich deinen Onkel aus dem Weg geräumt hat," sagte Ginny langsam, „Das ist offensichtlich, doch warum sollte er ihn umbringen?"
„Vielleicht hat er ihn mit mir verwechselt," vermutete Draco nüchtern. Sie starrte ihn aus verengten Augen an. „Das ist nicht witzig, Draco."
„Ich versuche auch nicht, witzig zu sein, Weasley," schoss er wütend zurück. Ginny ließ ein frustriertes Stöhnen aus und versuchte, sich mit den Fingern durchs Haar zu fahren. Sie warf fast ihre Krone hinunter. Die hatte sie völlig vergessen. Sie riss sie vom Kopf und hatte plötzlich das Verlangen sie quer durch den Gang zu pfeffern. Doch blieb sie ruhig und packte sie nur fest mit einer Hand.
„Kannst du dir nicht einmal eine sinnvolle Erklärung einfallen lassen?" fragte sie ungeduldig.
„Das ist das Sinnvollste, das mir eingefallen ist," fauchte er zurück. Ist es denn so schwer zu verstehen, dass ich hier genauso wenig durchblicke wie du, Ginny? Im Gegensatz zu dem, was du denkst, weiß ich auch nicht alles."
„Okay, dieses Gezicke bringt uns überhaupt nichts," fauchte Ginny.
„Nach meiner Meinung bist es du, die hier zickt," sagte Draco ohne Zögern. Es nervte sie, dass er nie um eine Antwort verlegen war. Jedes Mal, wenn er den Mund aufmachte, konnte sie sich von neuem ärgern. Wie konnte sie damit leben? Wie konnte sie Kinder haben, die dann mit so einem Vater zurechtkommen mussten? Plötzlich fiel Ginny etwas ein. Sie war verzweifelt. Das zumindest war klar. Und Tom tat ihr vielleicht noch etwas an. Also, warum sollte sie einfach so darauf warten? Sie würde zu Dumbledore gehen. Es bestand immer noch die Chance, dass er ihnen helfen konnte. Wenn nicht, wenn er sie dann irgendwie Tom übergab, war es ja auch schon egal. Das würde früher oder später sowieso passieren, und Ginny hatte sicher nicht vor, in der Zwischenzeit hier zu warten und mit Draco Kinder zu haben.
„Komm mit," sagte sie knapp, packte sein Handgelenk und eilte den Gang hinunter.
„Komm mit wohin?"
„Wir besuchen Dumbledore."
Draco folgte ihr, doch konnte sie die Überraschung in seinem Ton hören, als er wieder sprach, „Dumbledore? Ich habe gedacht, du sagtest, er sei böse."
„Das habe ich nicht gesagt," schnappte sie, „Ich habe es nur vermutet. Aber ich könnte auch falsch liegen."
„Ist dir klar, dass Dumbledore in meinem Land wohnt?"
„Ja, ist es, danke, Draco." Ihre Stimme war scharf und schneidend. Er nervte sie.
„Was willst du denn jetzt machen? Dich einfach in die nächste Kutsche setzen und hoffen, dass du nicht wieder gekidnappt wirst?" fragte Draco und spielte damit auf die Zigeuner an. Sie beschloss, nicht zu antworten. Wenn sie erst einmal zur Ruhe kommen und ihre Gedanken sortieren konnte, würde sie ihm erklären, was sie tun wollte. Als sie jedoch die Türen erreichten, die zu den Ställen führten, hielten einige Wachen sie auf.
„Entschuldigt, Eure Hoheiten. Königin Lavinia sagt, Ihr seid nicht befugt, das Schloss zu verlassen," sagte einer der Männer.
„Königin? Sie ist nicht mehr die Königin, ich bin es," kreischte Ginny, wobei sie ausnahmsweise einmal ihre Macht ausnützte. Der Mann, der gesprochen hatte, trat unwohl von einem Bein aufs andere. „Verzeihung, Eure Hoheit. Doch ich kann Euch nicht gehen lassen."
Ginny biss sich auf die Unterlippe, um sich davon abzuhalten zu schreien. Tja, dann musste sie einfach ihre Mutter dazu zwingen, sie gehen zu lassen. Eigentlich sollte doch sie selbst die mächtigste Frau des Königreiches sein, oder? Woher nahm sich ihre Mutter das Recht, sie einzusperren? Als sie loseilte, um ihre Mutter zu finden, bemerkte sie, dass sie immer noch Dracos Handgelenk gepackt hielt. Er musste gespürt haben, wie ihr Griff enger wurde, denn er hielt plötzlich an. Ärgerlich drehte sie sich um, um ihn zu fragen, was er vorhatte, doch er sprach zuerst.
„Ginny, beruhige dich," befahl er ernsthaft. Es regte sie nur noch mehr auf, dass es mal wieder die Ruhe in Person war. Er führte sich auf, als wäre er ihr Vater oder so etwas. „Du siehst aus, als stündest du kurz vor einem Herzinfarkt."
„Was vielleicht auch wahr ist," sagte sie griesgrämig.
„Was auch immer du tun wolltest, ich bin mir sicher, es wäre sowieso unsinnig gewesen. Also ist es vielleicht besser, dass wir nicht gehen dürfen."
„Ach, also werden wir einfach-," fing sie an.
„Eure Majestät?" sagte eine Stimme.
Ginny drehte sich um und sah Maria, die sie anlächelte. Ginny versuchte, ihre Wut zu unterdrücken und sinnvoll zu handeln. „Was?" fragte sie.
„Es tut mir Leid, Euch zu unterbrechen," erklärte Maria, „Doch Ihr müsst mit mir kommen."
„Warum?"
Draco stieß sie von hinten an, um ihr zu bedeuten, sie solle einfach gehen ohne zu fragen. Seufzend schloss sie kurz die Augen und fügte hinzu, „Entschuldigung. Ja, ich komme mit."
„Ich sehe dich dann später," flüsterte ihr Draco ins Ohr, „Da werden wir alles Weitere besprechen."
Sie warf ihm über die Schulter noch einen Blick zu und fragte sich, warum er immer alles so unter Kontrolle hatte. Sein Gesicht war wie immer völlig ausdruckslos. Er drehte sich um und ging den Gang in die entgegengesetzte Richtung hinunter.
„Kommt," sagte Maria mit einem Lächeln und nahm Ginnys Ellbogen, um sie zu führen.
„Soll ich mich umziehen?" fragte Ginny, „Ich habe immer noch mein Hochzeits-,"
„Nein," unterbrach Maria sie ein bisschen scharf, „Nein, Liebes, es wird nur ein paar Minuten dauern."
Während sie versuchte, mit Maria Schritt zu halten, fragte sie sich, warum die Magd sich so beeilte. Sie sah Maria an und wollte schon fragen, wo sie hingingen, als sie sah, dass sie schwitzte. Eine dünne Schweißschicht glänzte auf ihrer Stirn.
„Maria? Geht es dir gut?" fragte sie.
„Natürlich," tat Maria die Frage ab ohne sie anzusehen.
„Du schwitzt."
„Es ist warm hier drin."
Es war eigentlich relativ kalt, obwohl Ginny doch einen ziemlichen Berg von Kleidern trug. Doch vielleicht fand Maria es wärmer, weil sie so klein und pummelig war und so viel herumlief. Sie führte sie zu dem Konferenzraum, wo Lavinia für gewöhnlich ihre Gäste empfing.
„Setzt Euch für einen Moment," wies sie sie an und Ginny tat, wie ihr geheißen, doch das alles verwirrte sie von Sekunde zu Sekunde mehr. Maria verhielt sich so seltsam; so unruhig und hastig.
„Hier trinkt das," fügte sie hinzu und hielt ihr einen silbernen Kelch hin, „Ich werde gleich mit jemandem zurück sein, der mit Euch sprechen will." Dann war sie verschwunden. Ginny hob ihre Augenbrauen.
„Das war jetzt aber komisch," murmelte sie sich selbst zu, während sie den Kelch in ihrer Hand genauer unter Augenschein nahm. Es war eine klare Flüssigkeit darin, von der sie vermutete, es sei Wasser. Doch als sie einen Schluck nahm, bemerkte die, dass es das nicht war – es war etwas Zuckriges, Wohlschmeckendes und Fruchtiges. Sie zwang sich selbst ihre Frustration zu vergessen, entspannte sich so weit es ging auf ihrem Stuhl und trank es.
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„Eure Majestät."
Im Gang stieß Draco fast mit Harry zusammen, weil der Diener sich so sehr beeilte. Dracos erster Reflex war es, ihm eine gemeine Beleidigung an den Kopf zu werfen, doch dann erinnerte er sich daran, dass es nicht der Potter war, der ihn wirklich verstehen würde und so biss er sich auf die Zunge und schwieg.
„Eure Majestät, ich muss Euch etwas zeigen," sagte Harry atemlos. Draco hätte eher einen Schneemann mit Elle gebaut als mit ihm zu gehen. Doch Harry sah so gespannt und unwohl zugleich aus, dass er seufzte und nachgab.
„Na gut, aber halte mich nicht zu lange auf," sagte er.
Harry nickte und fing an, ihn durch das Schloss zu führen. Sie redeten nicht miteinander. Draco dachte über andere Dinge nach – der Tod seines Onkels, Ginny, die Hochzeit… er hatte nicht wirklich die Zeit, sich auch noch über etwas Sorgen zu machen, das Harry ihm zeigen wollte.
„Es ist hier drin," verkündete Harry, als er vor einem Türrahmen anhielt. Er langte schnell nach einer Fackel, die an der Wand hing, und öffnete die Tür. Draco ging als erster hinein und sogar noch bevor Harry mit der Fackel hereinkam, erkannte er den Raum. Es war deine Eine leere, mit dem seltsamen Wandteppich und dem versteckten Stuhl.
„Ja, ich habe den Stuhl gesehen," seufzte Draco, als Harry auf den Vorhang zuging, „Es ist komisch, aber ich weiß nicht, wer ihn dort hingestellt hat."
„Doch habt Ihr das auch entdeckt? Würdet Ihr herkommen und es Euch ansehen?" fragte Harry, viel zu vertieft in das, was er vorführen wollte, als dass er aufpassen konnte, mit wem er da sprach. Draco ließ einen verzweifelten Seufzer los und kam an seine Seite. Der grüne Stuhl stand immer noch dort.
„Ich-," fing Draco an.
„Seht," unterbrach ihn Harry. Er langte nach vorne und packte die Lehne des Stuhles. Dann zog er daran, sodass er nach vorne auf die Vorderbeine kippte. Sofort war ein knirschendes Geräusch zu hören, wie wenn Stein an Stein rieb. Die Wand hinter dem Stuhl schwang zur Seite und offenbarte einen rabenschwarzen Durchgang.
„Habt Ihr das gewusst?" fragte Harry und ließ den Stuhl wieder in seine normale Position fallen. Draco lehnte sich nach vorne un hielt die Fackel in den Tunnel, doch konnte außerhalb des Feuerscheins nichts erkennen.
„Nein," sagte er abgelenkt, „Habe ich nicht. Halt das."
Nachdem er Harry die Fackel zurückgegeben hatte, stieg Draco auf den Sitz des Stuhles und sprang über die Lehne in den Gang. Er streckte die Hand nach dem Licht aus, und als er es wieder hatte, fing er an, in die Dunkelheit hineinzugehen. Er brauchte einen Moment, um zu bemerken, dass Harry nicht hinter ihm war.
„Potter, kommst du vielleicht mal?" schnappte er.
Augenblicklich stand Harry hinter ihm. Draco ging weiter. Der Gang führte sie etwa 100 Meter geradeaus, bis er begann sacht abzufallen. Draco folgte weiter dem Weg und bemerkte, als sie ganz unten angelangt waren, dass sie sich tief genug unten befanden, um unterhalb des Schlosses zu sein.
Es ist sicher eine Art Weg, der nach draußen führt, dachte er.
Der Tunnel endete mit einer Tür. Draco senkte die Fackel zu dem verrosteten Türknopf. Es war sicher verschlossen. Er versuchte an dem Knopf zu drehen, doch natürlich bewegte sich nichts. Wenn er seinen Zauberstab gehabt hätte, hätte er sie öffnen können. Leise fluchend drehte er sich um und sah Harry an. Sein Gesicht war im Kerzenlicht orange gesprenkelt und er sah ernst aus.
„Was ist los?" fragte er.
„Es ist verschlossen," antwortete Draco verärgert. „Warum sollte man eine Tür verschließen, wenn dahinter nichts Wichtiges verborgen wäre?"
„Vielleicht gibt es hier einen Schlüssel," schlug Harry vor und sah sich in dem engen Durchgang um. Es gab kein Versteck für einen Schlüssel – die Wände und der Boden waren aus festem Stein gefertigt.
„Ich werde etwas im Schloss suchen, womit ich das hier aufbrechen kann," sagte Draco und schob sich an ihm vorbei, um zurückzugehen. Es fing an, ihn zu nerven. Wohin führte die Tür? In einen Raum? War es eine Tür nach draußen? Wusste überhaupt jemand davon? Die Tür sah so alt aus, als hätte sie seit Jahren niemand mehr angefasst. Sie waren noch nicht einmal zwei Schritte gegangen, als Harry plötzlich einen dumpfen Schrei losließ. Draco drehte sich gerade rechtzeitig um, um zu sehen, wie Harry zu Boden ging. Er seufzte genervt.
„Toll, Potter. Über was bist du jetzt gefallen? Deine eigenen Füße?"
Harry warf ihm einen wütenden Blick zu und ging in die Hocke. Er sah sich die Stelle an, an der er gestürzt war.
„Haltet das Licht hier her, Majestät," sagt er. Draco tat es und sah, dass dort sogar etwas war, über das er gestolpert war. Ein Stein im Boden war lose. Sehr lose – fast als könnte man ihn leicht herausnehmen.
„Na, dann leg ihn wieder hinein," sagte Draco. Trotz der Tatsache, dass alles hier uralt war, hatte er das ungute Gefühl, dass jemand diesen Gang tatsächlich benutzte. Er wusste, dass jene es bemerken würden, wenn ein Stein locker war, der es vorher nicht gewesen war. Harry gebrauchte seine Hände, um den Stein wieder richtig an seinen Platz zu schieben, doch er ließ sich nicht so tief hineinlegen, wie er gehörte. Er stand immer noch einen guten Zentimeter aus dem sonst glatten Boden.
„Etwas behindert es," sagte er.
„Hol den Stein wieder heraus," befahl Draco. Harry folgte und legte den Klotz neben sich. Auf dem Boden des Lochs lag ein verrosteter Schlüssel aus Messing.
--
Ginny hatte ihr Glas schon fast geleert, als Maria zurückkehrte. Hinter ihr ging Tom. Ginny sprang auf die Füße, der Kelch fiel zu Boden.
„Du hast mich für ihn hierher gebracht?" kreischte sie.
„Majestät, bitte," bat Maria. Tom ging mit ausdrucksloser Miene zu dem Sofa gegenüber von ihr. Er ignorierte sie.
„Ich werde nicht," schrie Ginny, „Ich werde nicht dafür hier bleiben."
Sie ging mit schnellen Schritten auf die Tür zu, doch Tom war zu schnell für sie. Er streckte seinen Arm aus, legte ihn um ihre Hüfte, hob sie ohne Anstrengung hoch und setzte sie hinter sich wieder ab. In dem Moment, als er sie berührte, schien ihr das Blut in den Adern zu gefrieren. Sie ließ einen schrillen Schrei los und trat mit den Füßen. Auch mit nur einem Arm um sie, konnte er sie immer noch leicht in Schach halten.
„Beruhige dich, Ginny," schnurrte er, seine Stimme war viel zu nah an ihrem Ohr, „Ich werde dir schon nichts antun. Nicht bis wir aus diesem Schloss sind."
Die Drohung verklang bedeutungslos in ihren Ohren. Sie war von der Tatsache beruhigt, dass sie das Schloss noch nicht verlassen konnten – nicht bis Lavinia die Wachen von den Eingängen entfernte. Bis jetzt war sie sicher.
„Lass mich los," zischte sie und riss sich von seinem Griff los. Er ließ einfach ab von ihr, obwohl sie noch einen Kampf erwartet hatte. Sie fiel fast auf den Boden.
„Bitte," sagte er freundlich un deutete auf das Sofa vor ihm, „Setz dich."
Sie hatte keine andere Wahl. Sie warf Maria einen Blick zu, die ihre Hände fest gefaltet hatte und mitleidig schaute. Als sie ihren Blick fing, beeilte die Magd sich zu erklären.
„Er will nur mit Euch sprechen, Eure Majestät. Ich werde vor der Tür warten."
Und bevor Ginny sie aufhalten konnte, war sie verschwunden. Mit den verengten Augen Tom zugewandt, ließ Ginny sich auf das Sofa sinken. Er saß schon und lächelte sie fröhlich an.
„Wir sollten nun vielleicht nicht mehr so tun als ob, oder?" fragte er, „Du hast mich gemieden, weil du weißt, wer… oder was… ich bin."
Ginny starrte ihn weiter an; ihre Lippen waren zu einer schmalen Linie zusammengepresst. Tom lehnte sie plötzlich nach vorne, als wollte er ihr etwas zuflüstern, etwas Geheimes.
„Ich habe euch aus einem bestimmten Grund hierher gebracht," sagte er mit gedämpfter Stimme, „Dich und Draco. Ich vermute, das ist dir klar."
„Ja," antwortete sie scharf.
„Gut." Er sah zufrieden aus und lehnte sich wieder zurück.
„Hast du Arsen je getroffen?" fragte er dann.
Der Themawechsel war so unerwartet, dass Ginny einen Moment brauchte, um zu verstehen, wovon er sprach. Sie starrte ihn wieder an. „Nein."
„Aha, jedenfalls habe ich ihn nicht umgebracht, falls du das denkst," sagte er leichthin, als spräche er über das Wetter.
„Sicherlich." Und das sollte Ginny glauben?
„Ich habe jemand anderen beauftragt, es zu tun. Du weißt sicher, wen ich meine," sagte er und seine wunderschönen Augen bohrten sich in ihre. Sie versuchte, wegzusehen, doch konnte nicht. „Du hast diese Person in deinen Träumen gesehen."
Ginny setzte sich aufrechter hin. Durch die plötzliche Bewegung drehte sich alles vor ihr und sie fühlte sich wieder erschöpft und müde.
„Du steckst hinter diesen Träumen, oder?" fragte sie fordernd. Es lag nicht halb so viel Schärfe in diesen Worten, wie sie gehofft hatte.
„Du hast mir von Anfang an nicht geglaubt, dass dieser rosa Trank nur deine Lungenentzündung heilen sollte, nicht wahr?" sagte er, „Du kannst mir dafür eigentlich wirklich danken. Wenn diese Träume nicht gewesen wären, wüsstest du bis heute nicht, ob ich gut oder böse bin. Du wüsstest immer noch nicht, ob du mir trauen kannst oder nicht."
„Ich hätte dir niemals getraut, egal was passiert," fauchte sie. Ihre Zunge fühlte sich schwer an. Nuschelte sie?
„Richtig. Ich würde mir selbst auch nicht trauen."
Ginny versuchte, ihre Gedanken zu sammeln. Es fühlte sich an, als löse sich ihr Gehirn langsam auf. Sie schüttelte den Kopf, um wieder einen klaren Gedanken fassen zu können und entschied, wieder zum eigentlichen Kern der Diskussion zurückzukehren.
„Dein Komplize aus meinen Träumen tötete Dracos Onkel?"
Tom nickte einmal mit dem Kopf. „Ja. Arsen hatte geplant, Draco vorzuschlagen, mich aus dem Schloss verbannen zu lassen. Er hatte eine Art sechsten Sinn, der ihn vor mir gewarnt hat. So habe ich ihn töten lassen."
Ginny fühlte eine Welle des Mitleids für Arsen in sich aufsteigen. Ohne dass sie überhaupt wusste, dass es ihn gab, hatte er versucht, ihr zu helfen. Und nun war er tot.
„Na ja, weißt du, deswegen ist jetzt jeder Eingang, aus dem du fliehen könntest, verschlossen," sagte sie und versuchte ihm damit Angst zu machen. Doch wie sollte sie Stärke in ihre Drohungen legen, wenn sie sich plötzlich so träge fühlte? „Lavinia hat fast überall Wachen aufstellen lassen. Du kannst das Schloss nicht mehr verlassen."
„Ich habe meine Wege, Ginny," sagte er so ölig, dass es sie richtig einschüchterte. Sorgte er sich eigentlich um nichts?
Wahrscheinlich nicht, antwortete eine Stimme in ihr.
„Wer hat Arsen umgebracht?" fragte sie in einem halben Flüstern. Ihre Stimme zitterte. „Sag es mir jetzt."
Tom sah überrascht aus. Er hob eine Augenbraue, fast wie Draco es immer tat.
„Du weißt es nicht?"
„Sag es mir!" wiederholte sie fast schreiend. Es fühlte sich an, als raube ihr das Schreien ihre letzten Kraftreserven. Tom antwortete nicht sofort. Er hob auch noch die andere Augenbraue als wäre er von ihrem Ausbruch verblüfft. Schließlich sagte er gedehnt, „Es ist Maria. Ich dachte, du wüsstest das."
--
Der Schlüssel ließ sich leicht in das alte Schloss der Türe stecken. Als er ihn drehte, hörte Draco ein Klicken. Dann stieß er sie auf. Innen war es dunkel. Er trat ein und hielt die Fackel hoch. Harry war dicht hinter ihm und atmete unangenehm laut. Draco biss sich auf die Lippe, um sich davon abzuhalten, ihn anzufauchen, er solle die Klappe halten. Als sich das Licht langsam ausbreitete, zeigte es einen kleinen, quadratischen Raum. An eine Wand war ein Tisch geschoben, auf dem Pergamente und Phiolen gestapelt waren. Ein weiterer Tisch an der gegenüberliegenden Wand war mit denselben Sachen bedeckt. Das Ganze erinnerte Draco an einen sehr kleinen, verstaubten Zaubertrankkerker. Draco trat noch einen Schritt weiter hinein und versuchte dem Ganzen einen Sinn zu geben. Einige der Phiolen waren voll von Flüssigkeit. Doch was war es? Neugierig ging Draco zu einem der Tische und Harry folgte ihm, sodass er im Licht bleiben konnte. Draco nahm einen der Behälter, der etwas beinhaltete, das aussah wie Blut, und roch daran. Es war Drachenblut. Er würde den scharfen, beißenden Geruch überall erkennen. Und wenn er sich nicht irrte, gebrauchten Muggel kein Drachenblut. Also sollte es keinen Grund dafür geben, dass ein Muggel ein Labor wie dieses hatte. Nur um sicher zu gehen, nahm er sich noch ein Fläschchen. Es war mit einer gelblichen, dicken Substanz gefüllt. Daran musste er nicht riechen, da es an der Seite beschildert war. Gürteltiergalle. Nun war er ganz sicher, dass dies nicht der Arbeitsplatz eines Muggels war. Und wenn diese Welt ausschließlich aus nichtmagischen Menschen bestand, musste das hier offensichtlich Tom Riddle gehören.
Er ist magisch, erkannte er. Das musste er Ginny wissen lassen. Er wusste, dass sie sich nicht sicher war, ob Tom Magie anwenden konnte oder nicht. Er musste ihr sagen, dass sie sich von ihm fernhalten sollte. Als er sich umdrehte, um zu gehen, stand Harry so dicht hinter ihm, dass er mit ihm zusammenstieß.
„Potter!" knurrte er und schob sich grob an ihm vorbei. Harry ignorierte sichtlich seinen ärgerlichen Ton und packte seinen Arm, um ihn aufzuhalten.
„Wartet. Wohin führt diese Tür?" fragte er.
Draco hielte inne, drehte sich wieder um und hielt das Licht dorthin, wohin Harry zeigte. Gegenüber der einen, durch die sie eingetreten waren, war noch eine Tür. Sie war fast in den Schatten verborgen; das Dunkelbraun des Holzes verschmolz beinahe mit den Steinwänden.
„Öffne sie," befahl er Harry. Er gehorchte und stieß die Tür ohne Probleme auf. Sie offenbarte eine Treppe. Draco spürte die eisige Brise, die hereinwehte. Er übergab Harry die Fackel, schritt hinüber und eilte die Stufen hinauf, doch nach ein paar blieb er stehen. Er musste nicht weiter gehen. Vom Absatz der Treppe kam Tageslicht. Der Weg führte direkt nach draußen.
„Es ist ein Ausgang," murmelte Draco, schloss die Tür und wandte sich Harry zu. „Und er ist nicht bewacht."
„Vielleicht weiß niemand davon," sagte Harry.
Draco versuchte, gelassen zu bleiben. „Ja und genau das ist das Problem. Dieser Raum gehört Tom. Er tut etwas hier unten."
Er erwartete nicht, dass Harry das verstand, doch er nickte, als hätte er es.
„Gut, dann lass uns Ginny finden. Ich bin mir sicher, das wird sie interessieren."
--
„Es ist Maria. Ich dachte, du wüsstest das."
Ginny stand so schnell auf, dass eine Welle der Übelkeit über sie hinwegrollte. Vor ihren Augen funkelte Sternchen und sie musste sie schließen, bis es vorüber war.
Ich muss zu schnell aufgestanden sein, sagte sie sich selbst, hob ihre Augenlider und starrte Tom wütend an.
„Nicht Maria," sagte sie leise, doch bestimmt, „Es kann nicht Maria sein. Es ist ein Mann, ich weiß, dass es-,"
Tom lachte; es war ein abschreckendes Geräusch. Sie starrte ihn an, zu überrascht, um fortzufahren, bis er aufhörte und sprach.
„Mein liebes Mädchen, diese Person in deinen Träumen ist kein Mann. Es ist Maria. Ich würde dich doch niemals anlügen."
Aus einem Grund, den sie selbst nicht wusste, fühlte sie in ihrem Innern, dass er die Wahrheit sagte, auch wenn es ihr einen tiefen Stich versetzte. Sie fühlte sich genauso betrogen, wie es gewesen war, als sie gedacht hatte, dass Harry der Mörder all dieser Menschen sei. Nur dass es diesmal noch ein wenig schlimmer war, warum, konnte sie auch nicht sagen. Ihre Beine schwankten unter ihr; sie vermutete, dass das von dem Schock kam. Sie trat einen Schritt auf die Tür zu, bevor sie wieder anhalten und blinzeln musste. Was geschah mit ihr? Warum fühlte sie sich so… leblos?
„Maria," sagte Tom sanft und schenkte Ginny ein schmales, grausiges Lächeln. „Komm her. Ich glaube, der Trank beginnt seine Wirkung zu zeigen."
Trank?
Toms Worte hallten in ihrem Kopf wieder.
Welcher Trank?
Die Tür öffnete sich, doch sie hörte es, wie von weit, weit weg. Sie schloss die Augen, drehte sich zur Tür und öffnete sie wieder. Ihre Sicht begann an den Rändern zu verschwimmen. Was war los? Welchen Trank hatte sie getrunken? Maria trat an Toms Seite. Ginnys Blick war scharf genug, um das erfreute Lächeln der Magd zu sehen. Da wurde ihr klar, welchen Trank Tom gemeint hatte. Ihre Augen wanderten zu Boden, wo der leere Silberkelch lag. Das, was Maria ihr zu trinken gegeben hatte, war vergiftet gewesen!
Oh…
Ginny tat einen weiteren Schritt in Richtung Tür, doch musste wieder innehalten. Es war eine zu große Anstrengung, bis dorthin zu gelangen. Als ihr Blick dieses Mal zu Maria und Tom zurückkehrte, war er verschleiert. Es war, als sähe sie alles durch ein dickes Glas. Die undeutlichen Figuren verschwammen vor ihren Augen und der Raum begann sie zu drehen. Es fühlte sich an, als käme der Boden immer näher. Sie streckte ihre Hände aus, um sich selbst zu schützen, doch verlor ihr Gleichgewicht und fiel nach vorne.
Was tust du mit mir, wollte sie noch verzweifelt fragen, doch sie konnte ihren Mund nicht mehr dazu bringen zu arbeiten. Sie konnte gar nichts tun. Sie gab ihren Kampf auf und brach auf dem Boden zusammen. Stimmen drangen an ihre Ohren und die Welt drehte sich um sie, in einem bunten Mix aus Farben. Sie konnte den kratzigen Teppich an ihrer Wange spüren, die einzige Wahrnehmung, die ihr sagte, dass alles wirklich passierte und sie nicht träumte. Dann, als hätte jemand den Ausschaltknopf gedrückt, wurde alles schwarz um sie.
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Draco verließ Harry, nachdem er ihm gesagt hatte, er solle alles wieder verschließen, den Schlüssel verstecken und ihn wieder treffen, wenn er das getan hatte. Dann ging er los, um Ginny zu finden. Zum ersten Mal, seit er hier war, konnte er sie nirgends finden. Er fragte viele Diener, doch niemand wusste, wo sie sein könnte. Schließlich hatte er die Nase voll und fragte, wo die Königin war. Das Mädchen, das er gefragt hatte, antwortete, dass Lavinia gerade ihr Bad nähme und für die nächste Stunde keine Besucher erwünsche. Frustriert fuhr sich Draco mit den Fingern durch das Haar. Er verfluchte sich selbst, weil er nun seine Frisur zerstört hatte und beeilte sich, sie wieder in Ordnung zu bringen. Nach zehn Minuten ging er auf die Suche nach Maria. Die Magd musste wissen, wo Ginny war, weil sie sie selbst dorthin geschleppt hatte. Doch sie konnte er auch nirgends ausfindig machen. Es war, als würden alle, die er sehen wollte, wie vom Erdboden verschluckt sein. Als er seinem Diener Timothy befahl, er solle ihn benachrichtigen, wenn Ginny nach ihm suchte, musste er sich äußerst zurückhalten, damit seine Ausdrucksweise nicht allzu farbig wurde. Nun fing er an, nach Elle zu suchen. Sie hielt ihn sicher beschäftigt und vielleicht wusste sie ja, wo Ginny war. Jedoch tat Elle nichts von beidem. Sie klebte praktisch an der Hand ihres Vaters, immer noch wegen des Mordes an ihrem Onkel in Aufregung. Draco hatte den Mord schon vergessen gehabt. Nach einem halbherzigen Versuch, sie aufzuheitern, ging er wieder, um im Schloss umherzustreifen, wobei er, wie er hoffte, vielleicht jemanden fand, der wusste, wo Ginny war – oder sogar Ginny selbst traf. Fast eine halbe Stunde war vergangen, als ihm auffiel, dass Harry nicht zurückkam. Er erinnerte sich, dass er Potter einfach gesagt hatte, er solle kommen und ihn suchen, wen alles wieder verschlossen war. Er hatte ihn dort haben wollen, während er Ginny von dem ‚Arbeitsplatz' Toms erzählte, den er gefunden hatte. Nun hatte er eine andere Aufgabe: Herausfinden, wohin Harry verschwunden war. Vielleicht konnte er ihn selbst einfach nicht finden, so wie Draco Ginny nicht fand. Das würde Sinn machen. Er fragte sich durch die Küchen und andere Räume, doch niemand der Diener hatten ihn gesehen. Er behielt einen besondern schlimmen Fluch für sich, wirbelte herum und stürmte in den Hauptteil des Schlosses zurück. Es machte ihn verrückt! Wo waren alle? Versteckten sie sich absichtlich, nur um ihn zu ärgern? Dann fiel ihm etwas ein. Vielleicht war Harry immer noch in Toms Raum. Das ergab natürlich auch Sinn. Wie hatte Draco Harry auch nur im Ansatz vertrauen können? Er kannte ihn überhaupt nicht, und nach dem, was Ginny ihm erzählt hatte, war er alles andere als der Musterknabe aus der Zukunft. Düster, gestört, wütend… woher hatte er eigentlich von dem Stuhl gewusst? Wie hatte er ihn einfach ‚finden' können? War er einfach gerade in diesem Zimmer ein wenig herumgewandert und hatte plötzlich den Drang verspürt, an diesem Stuhl zu ziehen? Es hörte sich verdächtig an und Draco verfluchte sich selbst, weil er es nicht schon vorher bemerkt hatte. Zum zweiten Mal an diesem Tag zog Draco mit der einen Hand an dem grünen Stuhl, während er mit der anderen eine Fackel trug. Einige Minuten lief er durch den totenstillen Gang, ohne dass er etwas Besonderes bemerkte. Doch als er den Türrahmen des Raumes erreichte, sah er etwas höchst Unerwartetes. Dort lag ein Körper zwischen Tür und Türrahmen, der sie offen hielt. Draco wusste sofort, dass es Harry war und ließ fast seine Fackel fallen, doch schaffte es, das Holz festzuhalten und packte es fester. Er näherte sich langsam dem schlaffen Körper. Er lag auf dem Rücken, den Kopf zur Seite gedreht und für einen Moment überlegte Draco, ob er tot war. Der Schock unterdrückte alle seine Gefühle, doch er konnte sich noch vorstellen, wie seltsam es wäre, in einer Welt ohne Harry Potter zu leben. Doch dann schüttelte er den Kopf, um diese sinnlosen Gedanken zu vertreiben, sodass er sich wieder auf wichtigere Dinge konzentrieren konnte, zum Beispiel ob sich Potters Brust noch hob oder nicht. Sie tat es. Harry lebte noch. Während er die Fackel hochhielt, stieß Draco die Tür ganz auf und kniete sich neben Harry auf den Boden. Dieser blinzelte nicht einmal, geschweige denn, dass er sich bewegte. Wenn man nicht die regelmäßigen Atemzüge gesehen hätte, hätte man ihn für tot halten können.
„Komm schon, Potter," grummelte er und stieß Harry ein wenig grob an, „Wach auf."
Seine Atemwege waren anscheinend nicht betroffen. Es sah fast so aus, als wäre er betäubt worden.
Das ist klar, sagte Draco sich selbst. Sicherlich war Tom hierher gekommen und hatte ihn beim Herumschnüffeln erwischt. Harry hatte Glück, dass er ihn nicht umgebracht hatte. Draco stand auf und seufzte. Warum also war Tom hier heruntergekommen. Brauchte er Zutaten für einen Trank? Er wandte sich um und sah sich im Zimmer um, ob sich verändert hatte, nur um etwas zu sehen, dass ihm für ein paar Sekunden die Sprache verschlug. Der ganze Raum war leer. Sauber geputzt. Die Tische voller Pergamente und Violen waren verschwunden und keine Tintenflecke waren zurückgelassen. Was war passiert? Er war hier vor einer Dreiviertelstunde noch gewesen. Es war unmöglich für eine einzige Person, in dieser Zeit all das aus dem Zimmer zu schaffen. Dazu brauchte man Magie. In diesem Moment wachte Harry wieder auf. Er stöhnte und Draco warf ihm einen Blick zu. Leicht beunruhigt hob er eine Hand, um sich seine Augen unter der Brille zu reiben. Draco öffnete den Mund, um etwas zu sagen, als ihn ein leises Geräusch ablenkte. Sein Blick schnellte hinüber zu der anderen Tür gegenüber. Sie war einen Spalt geöffnet und bewegte sich jedes Mal ein wenig, wenn der Wind von außen besonders stark blies. Immer wieder stieß sie gegen den Steinrahmen, bevor sie wieder aufgestoßen wurde.
„Was ist passiert?" fragte Harry benommen. Draco drehte sich wieder um und ging zu ihm zurück, während sich Harry unter großer Anstrengung aufrichtete.
„Du wurdest betäubt," sagte Draco wahrheitsgemäß mit neutraler Stimme, „Steh auf. Da Schwächegefühl wird bald vorüber sein."
Harry tat es, doch nahm sich Zeit dafür. Als er sich schließlich aufrecht hinstellte, war sein Gesicht düster vor Verwirrung und seine Augenbrauen waren zusammengezogen.
„Was ist passiert?" wiederholte er und legte eine Hand an seinen Kopf als schmerze er.
„Ich habe es dir doch gerade gesagt," schnappte Draco. Dieser Junge war wirklich ein bisschen schwer von Begriff. „Du wurdest betäubt."
Als hätte er kein Wort verstanden, fuhr Harry fort. „Doktor Thomas erwischte mich dabei, wie ich die Tür abschloss… da holte er etwas aus seiner Tasche und rief Worte, die ich nicht verstand. Das ist alles, an das ich mich noch erinnere."
Draco holte tief Luft und erinnerte sich daran, dass Harry nicht verstand, was ‚betäubt' bedeutete, als brachte es nichts, es zu wiederholen. Das Ding, das Thomas auf ihn gerichtet hatte, war höchstwahrscheinlich ein Zauberstab gewesen. Es war sinnlos, zu versuchen, ihm das zu erklären.
„Er trug etwas," fügte Harry hinzu und es sah aus, als dachte er angestrengt nach, „Eine Person-,"
Das erregte Dracos Aufmerksamkeit. „Eine was?" fragte er tonlos.
Harry schloss für einen Moment die Augen und stöhnte. Draco wusste, dass er gerade sicherlich unter schrecklichen Kopfschmerzen litt. Er hatte die Nachwirkungen von Betäubungen oft genug genießen dürfen. „Ich kann es nicht genau sagen. Ich konnte nur einen kurzen Blick darauf erhaschen. Er hatte sich etwas über die Schulter geworfen, das aussah wie ein weißes Bündel."
„Du hast doch gerade noch gesagt, es sähe aus wie ein Mensch," sagte Draco zweifelnd und wurde aus einem Grund, den er selbst nicht verstand, ungehalten. Er bekam den Eindruck, dass sich Harry all diese Dinge eingebildet hatte. „Denk noch einmal nach, okay?"
„Ich versuche es ja," schoss Harry zurück und für einen Moment loderte in ihm wieder seine Streitlust auf. Dann trübten sich seine Augen wieder. „Ich bin mir nicht sicher, was es war."
Draco verdrehte die Augen und versuchte, sich davon abzuhalten, all seinen Ärger und seine Frustration an Harry abzulassen. Dieser Tag ging eindeutig den Bach runter. Er war erst seit weniger als zwölf Stunden verheiratet, doch konnte er seine Braut schon nicht mehr finden, für die er über drei Stunden still gestanden war und… Halt. Braut? Mit einem unguten Gefühl in der Magengegend wandte er sich wieder Harry zu.
„Weiß, hast du gesagt oder?" fragte er ungeduldig.
„Was weiß?" stöhnte Harry, dessen Gesicht immer noch anzusehen war, welche Schmerzen gerade durch seinen Kopf zuckten.
„Ein weißes Bündel," fauchte Draco, „Ein weißes Bündel über Toms Schulter. Das hast du doch gesehen, oder?"
Harry zuckte mit den Schultern, als dachte er, es gäbe jetzt wichtigere Dinge, über die man nachdenken sollte. „Ich sage es Euch noch einmal, Majestät, ich bin mir nicht sicher-,"
Draco packte ihn grob bei den Schultern, wodurch Harry überrascht aufschnaufte.
„Dann denk noch einmal darüber nach," rief Draco und schüttelte ihn, „Weil es vielleicht Ginny war, die du gesehen hast."
„Warum-, warum sollte der Doktor Ihre Majestät hier hindurch tragen?" fragte Harry leise, offenbar verschreckt durch Dracos plötzliche Wut. Es war hoffnungslos. Er schubste Harry aus dem Weg, welcher erst ein paar Schritte rückwärts stolperte, bis er sein Gleichgewicht wieder fand, und erreichte die Tür, die nach draußen führte, in zwei Schritten. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass Tom Ginny aus dem Schloss gebracht hatte. Es war mehr als wahrscheinlich. Sie musste das weiße Bündel gewesen sein, dass Harry gesehen hatte.
„Fuck," fluchte Draco leise, als er zwei Stufen auf einmal nach oben nahm. Er war erleichtert, als er an der Oberfläche anlangte, doch die Luft war eisig kalt und die Sonne war schon beinahe untergegangen. Doch das Wetter würde ihn nicht aufhalten. Er würde auch nicht zurückgehen, um einen dickeren Mantel zu holen. Ginny wurde vielleicht in diesem Moment im Wald umgebracht. Wie blöd hatte er eigentlich sein können? Von Anfang an hatte Ginny versucht, ihm klar zu machen, dass Tom böse war und dass er hier war, um ihnen etwas anzutun. Draco hatte es sogar selbst gewusst, seit er mitbekommen hatte, wie Riddle sie im Theater bedroht hatte. Warum hatte er sie einfach so gehen lassen? Warum hatte er ihr erlaubt mit Maria mitzugehen? Während er heftig auf sich selbst schimpfte, rannte er auf die Ställe zu, um ein Pferd zu holen.
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Please let me know what you think!
At blub: Wirst du schon noch sehen, ob es eine Hochzeitsnacht gibt….;) danke nochmal, für deinen Review!
At Canablyz: Danke! Freut mich:
At DarkPrincess of Slytherin: Und wieder ein paar Antworten auf paar Fragen… Wie gesagt, langsam aber sicher…
At Black Sil: Ich hab keine Ahnung, wie lange es wirklich dauert, ein Portrait zu malen, damit kenn ich mich überhaupt nicht aus… Danke nochmal!
At Valpuri: Ich weiß, dass es zu lange gedauert hat… Aber manchmal hat man einfach nie Zeit…
At Ninaissaja: Schau, jetzt weißt du wenigstens, wer gestorben ist… Den Rest wirst du auch noch irgendwann erfahren…:)
At Lara-Lynx: Schon ziemlich kompliziert die Story… Ich wär selber ja nie auf sowas gekommen… Ich kann nur übersetzen….;)
At Aldavinur: Ich bin eindeutig zu langsam… Schlecht, schlecht, so mach ich mir nur Feinde… aber wenigstens hab ich nicht aufgegeben…
At Zutzi alias Susi: Ja, ich glaub, jetzt hab ich mir sogar für dich zu viel Zeit gelassen… hab viiieeel zu lange gebraucht.
At Malfoy-Jamie: Danke für deinen Review… Ist absolut okay, dass du erst jetzt reviewt hast, ich brauch auch immer ewig zum updaten…
At Sohi: Danke, danke, aber ich muss anmerken, dass es wirklich nur eine Übersetzung ist…
At SchiliNet: Das war ja mal ein richtig intellektueller Review… Hab ungefähr nur die Hälfte verstanden… Aber trotzdem danke….;)
At Deepblue Witch: Es gibt eine Fansite von der FF, da musst du bei der Autorin der Story auf die Seite schauen… Sie heißt Mochabutterfly.
At Nimue: So richtig fließend spreche ich nicht Englisch, aber wenn jemand redet, versteh ich ihn gut und selber geht's mit dem frei sprechen auch ganz gut.
At Fairytear: Das kann ich gar nicht beeinflussen, wann ich sie rauslasse, weil es ja eine Übersetzung ist…;)… danke trotzdem für deinen Review!
At TryPepper: Nein, ich schreib schon weiter, nur braucht's immer ein bisschen…
