Disclaimer: Dies ist eine Übersetzung. Weder die Charaktere noch der Plot gehören mir und ich mache kein Geld damit.
Hey,
Und noch ein Neues… Leider ging mein Internet eine Zeit lang nicht, sodass es wieder ein bisschen länger gedauert hat… Aber das seid ihr ja hoffentlich schön gewöhnt…
All You Need Is Love
16. Der Speisenaufzug
Zuerst dachte Draco, die Scheune sei leer. Er freute sich auch darüber, da ihn so keiner aufhielt. Doch dann fiel ihm ein, dass er ja keine Ahnung hatte, wie man ein Pferd sattelte.
Aber so schwer kann es ja nicht sein, redete er sich selbst Mut zu. Es konnte dennoch ziemlich hart werden, da er erst einmal gar nicht wusste, wo die Sättel verwahrt wurden.
„Eure Majestät?"
Draco schaffte es, vor Schreck nicht zusammenzuzucken und biss stattdessen die Zähne zusammen. Als er sich umwandte, sah er eben das schmutzige Mädchen, das ihm erst ein paar Tage zuvor geholfen hatte.
„Ich hätte nicht gedacht, dass jemand hier hinauskommt," sagte das Mädchen schnell, als sie bemerkte, wie sich sein Körper vor Verärgerung anspannte, „Ich dachte, der Palast sei von den Wachen gesichert-,"
„Ist er auch," unterbrach Draco sie knapp, „Mach mir nun Jack zum Reiten fertig, okay?"
Sie schluckte schwer und trat von einem Fuß auf den anderen, doch machte keine Anstalten seinen Wunsch zu erfüllen. Sichtlich verwirrt, was sie nun tun sollte, erklärte sie ihm leise, „Ihre Majestät Lavinia hat den Befehl erteilt, keinen der königlichen Familie von den Schlossgründen zu lassen-,"
„Sie ist nicht mehr die Königin," schnappte Draco etwas schärfer als beabsichtigt, sodass das junge Mädchen zusammenfuhr. Etwas ruhiger fuhr er fort, „Oder hast du es nicht gehört? Ginny ist jetzt Königin. Und ich bin König. Mein Wort ist mächtiger als das Lavinias."
Sie knickste ein wenig unbeholfen. „Ja, Eure Majestät, doch-,"
Er unterbrach sie für das dritte Mal und verlor dabei das bisschen Geduld, das er noch hatte. „Mach es einfach!" befahl er mit lauter Stimme.
Das Mädchen schrak bei seiner plötzlichen Wut zusammen, dann nickte sie schnell. Im nächsten Moment wirbelte sie herum und verschwand in einer der Boxen am anderen Ende der Scheune. Draco fühlte kleine Schuldgefühle in sich aufsteigen, als er sie davoneilen sah. Es war nicht wirklich ihre Schuld, dass Lavinia einem so auf den Wecker ging – sie befolgte nur die Befehle, die sie erhalten hatte. Außerdem verdiente sie es nicht, herumbefohlen zu werden. Das arme Mädchen sah so dünn aus, als könne ein Windstoß es davon wehen. Plötzlich runzelte er über sich selbst die Stirn.
Ich verweichliche mit der Zeit ziemlich, erkannte er, als er das Mitleid spürte, das er fühlte. So ging es eben; er öffnete sein Herz einer Person und ein Dutzend andere nisteten sich ebenfalls ein. Es war alles Ginnys Schuld. Wenn sie es nicht geschafft hätte, einen Platz in seiner Seele zu ergattern und dort zu verharren, wie ein hartnäckiger Fleck auf einem brandneuen Besen, dann wäre alles noch in Ordnung. Naja, eigentlich wäre vieles immer noch nicht in Ordnung, doch wenigstens hätte Draco dann seine Gefühle noch unter Kontrolle. Wenn er zurzeit nur daran dachte, dass Tom Ginny etwas antun könnte, wollte er ihn schon erwürgen. Jedes Mal, wenn er sich vorstellte, was Harry beschrieben hatte (Tom, der ein weißes Bündel über der Schulter trug) ließ es sein Herz schneller schlagen und er konnte nur noch an eines denken: Ginny zurück in die Sicherheit des Schlosses zu bringen.
Egal wie sehr sich Draco das Gegenteil einredete, das war eindeutig ein Zeichen dafür, dass sie ihm etwas bedeutete. Sie hatte alles ruiniert, für das er jemals gestanden hatte, und er konnte absolut nichts dagegen tun. Das Stallmädchen kam ein paar Minuten später wieder und trug einen Sattel, der sicher zweimal so viel wog wie sie selbst. Sie schwankte unter dem Gewicht, und Draco, dabei auf sein weiches Herz fluchend, eilte hinüber, um ihr zu helfen. Sie schenkte ihm ein schmales Lächeln des Dankes und führte ihn hinüber zu Jacks Box.
„Zeig mir, wie man das macht," forderte Draco und zeigte auf den Sattel. Er begann seine Frage zu bereuen, als das Mädchen Jack viel langsamer sattelte, als sie es getan hätte, wenn sie es ihm dabei nicht vorgeführt hätte. Sie erklärte sogar etwas über das Gebiss und die Zügel. Alles in allem dauerte das circa fünf Minuten, doch jede Minute brachte womöglich Ginny dem Tod näher. Schließlich war alles fertig. Draco warf dem Mädchen noch einen letzten Blick zu, während sie liebevoll Jacks Hals streichelte. Sie war wirklich sehr dürr und in ihrer abgewetzten Kleidung und ohne Schuhe musste ihr sicher kalt sein. Innerlich mit sich selbst schimpfend holte er die Handvoll Münzen heraus, die er immer mit sich herumtrug. Sogar in dieser Welt musste er immer Geld in der Tasche haben. Mit einem Grunzen machte er ihr deutlich, die Hand auszustrecken. Ihre Kinnlade fiel herunter, als sie gehorchte und mit tellergroßen Augen zusah, wie all das Geld, das er besaß, auf ihre Handfläche klimperte.
„Eure-, Eure Majestät, ich kann nicht-," stotterte sie.
„Kauf dir einfach ein Paar Schuhe," nuschelte er und vermied ihren Blick, „Sag niemandem, dass ich es dir gegeben habe."
Sie nickte, schluckte schwer und schloss ihre Finger um die Münzen.
„Nun? Gehst du mir jetzt aus dem Weg?" fragte Draco. Sie trat schnell zur Seite, doch er konnte spüren, wie sie ihn anlächelte, als er mit nur ein wenig Anstrengung in den Sattel stieg. Er hoffte, dass er es nun heraushatte, wie man von Pferden auf- und abstieg. Jedoch würde das in seiner eigenen Welt nicht gerade nützlich sein, denn er hatte keinesfalls das Verlangen, nach seiner Rückkehr Reitstunden zu nehmen. Draco stieß seine Fersen in Jacks Flanken und das Pferd galoppierte aus der Scheune, hinaus in die eisige Dezemberluft. Die Nacht brach nun schnell herein – es schien, als würde Draco immer dann losgehen, um Ginny zu retten, wenn es in Kürze dunkel wurde. Das war eine Angewohnheit, die er demnächst ablegen musste, das wusste er. Oder noch besser, eine Angewohnheit, der er nie wieder nachgehen wollte.
Doch nun, da er ein Pferd hatte, war er sich nicht sicher, wohin er sich wenden sollte. Tom konnte überallhin verschwunden sein und auch leicht seine Spuren verwischt haben. Trotzdem entschied sich Draco dazu, zu der einen Tür zurückzukehren, die nicht bewacht war, weil er sich erhoffte, dort vielleicht eine Art Pfad zu finden, auf dem Tom geflohen sein könnte. Zu Dracos Glück fand er Hufspuren im Schnee am Rand des Waldes in der Nähe der geheimen Tür. Er folgte dem Pfad mit den Augen und sah, dass er in den tiefen Wald führte. Soweit schien es ein guter Plan zu sein, einfach diesem Weg zu folgen und zu sehen, wohin er ihn brachte. Während er die Zügel fester mit seinen kältestarren Fingern umschloss und versuchte, sich tiefer in den Kragen seines Wams zu ducken, brachte er Jack noch einmal in einen gestreckten Galopp, von dem er hoffte, er sei schnell vorüber.
-XX-
Langsam kam Ginny wieder zu Bewusstsein, doch ihre Sicht blieb unscharf. Sie hatte das Gefühl, als hüpfe sie ungewollt immer auf und ab und fragte sich, was um alles in der Welt bloß mit ihr geschah. Sie brauchte einige Minuten, bis sie kapierte, dass sie auf einem trabenden Pferd saß. Mit beiden Beinen auf einer Seite und gegen die warme, starke Brust von jemandem gelehnt. Bevor sie sich wirklich daran erinnerte, warum sie hier war, ließ sie ihre Augenlider mit dem falschen Gefühl der Sicherheit wieder zufallen.
Als sie ein erneutes Mal aufwachte, bekam sie wieder mit, was geschah und blinzelte sich schnell die Müdigkeit aus den Augen. Während sie sich das Gesicht rieb, dachte sie einen Moment über ihre letzte Erinnerung nach, bevor sie sich eilig aufsetzte. In dem Raum, in dem sie sich befand, war es fast vollständig dunkel, da es keine Kerzen gab und durch die Fenster kein Tageslicht drang. Doch sie konnte genug sehen, da sich ihre Augen schnell an die Dunkelheit gewöhnten. Sie saß auf einem großen Bett, doch es waren keine Überzüge darauf – nur die blanke Matratze. An einer Wand stand ein großer Schrank. Gegenüber war ein eher unschön vernagelter Fleck an der Wand, als hätte jemand schrecklich Starkes ein Loch in die Steinwand geschlagen und bis jetzt keine Zeit gefunden, es zu reparieren. Doch das kümmerte Ginny gerade überhaupt nicht, da sie sich vielmehr fragte, wo sie war und wie sie hier je wieder herauskommen sollte. Sie rutschte an den Bettrand und erkannte, dass sie immer noch ihr lächerlich bauschiges Hochzeitskleid trug. Das Korsett stach ihr wie immer unangenehm in die Seite. Sie versuchte ihren Kopf von den Nachwirkungen des Trankes zu befreien, indem sie aufstand und ein paar Schritte in den leeren Raum tat. Die Übelkeit verging sogleich, was ihr die Hoffnung gab, dass das, was in dem Trank gewesen war, den Maria ihr gegeben hatte, nun langsam seine Wirkung verlor.
Maria, dachte Ginny plötzlich. Es war die ganze Zeit ihre Magd gewesen. Sie hatte sich die ganze Zeit den Kopf darüber zerbrochen, wer zum Teufel mit Tom diese abscheulichen Taten begang, aber Maria war ihr dabei nie in den Sinn gekommen. Nicht ein einziges Mal. Nicht einmal ansatzweise. Die einzige Person, von der sie geglaubt hatte, man könne ihr vertrauen, hatte sie die ganze Zeit hintergangen. Und nun war sie hier – Ginny versuchte, die Tür zu öffnen – eingeschlossen; eingesperrt. Tom hatte sie genau da, wo er sie gebrauchen konnte, wie er wollte, und sie hatte keine Hoffnung auf Entkommen. In diesem Zimmer gab es nur zwei Fenster, beide weit oben, mindestens einen halben Meter über Ginnys Kopf. Sie kletterte zurück aufs Bett, um hinauszuschauen, doch das einzige, das sie draußen sah, war ein dunkelblauer Himmel. Wenn der Wind blies, kratzten einige nackte Äste ans Fenster. So auf dem Bett war sie hoch genug. Nur weil sie so weit oben waren, hieß das nicht, dass sie das Glas nicht irgendwie zerbrechen und hinunter springen konnte…
Und mir dabei beide Beine brechen und elendig in der Kälte erfrieren, fügte sie unglücklich hinzu. Sogar wenn sie etwas fand, womit sie das Glas einschlagen konnte, würde sie schon Probleme haben, an das Fensterbrett zu gelangen. Die Fenster waren eindeutig eine Sache, die sie von ihrer Liste streichen konnte. Sie sprang vom Bett, schaffte es, dabei nicht über ihre Röcke zu stolpern und versuchte wieder, die Tür aufzukriegen. Der Knopf war fest abgesperrt, wie sehr sie auch versuchte, ihn zu drehen. In diesem Moment sehnte sie sich nach nichts mehr als ihrem Zauberstab. Den Türknopf konnte sie ebenfalls vergessen. Dann legte sie ihre Handflächen auf das schwere Holz der Tür, nur um zu sehen, wie schrecklich fest und widerspenstig es war. Es war wie ein großer Fels und bewegte sich keinen Zentimeter. Frustration und Angst sammelte sich in ihrer Kehle und sie ließ einen kleinen Schrei aus. Sie ballte ihre Hände zu Fäusten, schlug auf das Holz und hörte, wie gedämpft und seltsam verloren es auf der dicken Tür klang. Warum ging eigentlich alles schief? Sie wurde entweder ein Teil des furchtbaren Plans Tom Riddles oder umgebracht. Hier. Getrennt von ihrer Familie – womöglich auf einem völlig anderen Planeten, wo die einzige Person, die sich um sie zu scheren schien, die war, die sie ihr ganzes Leben verabscheut hatte: Draco Malfoy. Warum geschah das mit ihr? Sie hatte wirklich nichts getan, um so etwas zu verdienen. Wenn man beiseite ließ, dass sie ihrer Brüder in der Schule nicht übertreffen konnte, weil diese wirklich alles Erdenkliche getan hatten, womit man in Hogwarts geehrt wurde, hatte sie vom Schulischen her ihr Bestes gegeben und war auch gut genug gewesen. Sie hatte es nicht zu einem Vertrauensschüler oder Schulsprecher geschafft, war nicht im Quidditchteam ihres Hauses aufgenommen worden und war auch nicht übermäßig beliebt. Aber sie hatte einige gute Freunde und war völlig zufrieden gewesen. Sie hatte auch nie absichtlich jemanden verletzt, auch nicht die wenigen Slytherins, die sie immer noch gern damit ärgerten, dass sie eine Weasley war. Sie hatte alles getan, wie sie es hätte tun sollen, und doch war sie in der schlimmsten Lage, die man sich nur vorstellen konnte. Und es gab keine Hoffnung auf Rettung. Es würde wahrscheinlich noch das Beste sein, wenn Tom sie umbrachte. Ginny stolperte von der Tür zurück zum Bett, ließ sich darauf fallen und verbarg ihr Gesicht in der Matratze. Dann ließ sie den Tränen, die sie die letzten drei Wochen zurückgehalten hatte, freien Lauf. Es half fast das Leid und die Verzweiflung ein wenig zu lindern – aber auch nur fast. Sie weinte so sehr, dass sie gar nicht hörte, wie sich die Tür öffnete. Erst als die Brise von draußen und die Anwesenheit von jemandem spürte, setzte sie sich hastig auf. Tom war eingetreten mit einer Kerze in einem Halter, gefolgt von Maria. Im Gegensatz zu der Miene, die sie aufgesetzt hatte, als sie Ginny mit dem Trank zurückgelassen hatte, sah sie nun freudig erregt aus. Ihre dunklen Augen funkelten böswillig und ihr Mund war zu einem arroganten Lächeln verzogen. Wie hatte sie sich so plötzlich ändern können? Ginny schien auch ihre letzte Kraft zu verlassen. Sie saß einfach schlaff da und starrte sie an, während sie darauf wartete, dass einer der beiden etwas sagte. Die Tür blieb hinter Maria offen stehen, doch Ginny versuchte nicht, an ihnen vorbei nach draußen zu gelangen. Es würde nichts nutzen. Maria dachte anscheinend, sie würde versuchen zu fliehen, denn sie schloss schnell die Tür, als sie bemerkte, dass sie nur angelehnt war.
„Was soll das alles?" fragte Ginny tonlos, „Wenn du mich töten willst, dann tu es einfach jetzt gleich."
„Ich werde dich nicht töten," antwortete Tom sofort. Er sah ebenfalls erfreut aus und hatte einen Ausdruck auf dem Gesicht, der einem Grinsen ähnelte. „Wenn ich dich umbringen wollte, hätte ich es Maria schon von Wochen tun lassen." Ginnys Blick kehrte zu Maria zurück, die immer noch ihre Magduniform trug. Irgendwie sah sie nun größer aus, gefährlicher… sogar die Uniform konnte das nicht verbergen. Tom sah nun auch Maria an.
„Geh," herrschte er sie an. Sie nickte, warf Ginny noch einen unfreundlichen Blick zu und verließ den Raum.
„Ich habe euch hierher gebracht, weil ihr mir helfen müsst," sagte Tom in dem Moment, da sich die Tür schloss. Er stellte die Kerze neben den Schrank, kam herüber und setzte sich neben sie aufs Bett. Die Matratze sank mit seinem Gewicht ein wenig tiefer, als er sich darauf setzte, sodass Ginny ein bisschen näher zu ihm rutschte. Mithilfe ihrer Hände krabbelte sie wieder zurück, weil sie so weit entfernt von sein wollte, wie nur möglich.
„Du und Draco, beide," fügte er sanft hinzu. Ginny hob ihre Augebrauen und konnte sich nicht hindern zu fragen, „Ist er hier? Hast du ihn auch hierher gebracht?"
„Nein," gab Tom zurück und der Funken Hoffnung in Ginnys Brust erlosch. „Doch er wird bald ankommen. Ich bin sicher gegangen, genug Spuren für ihn zu hinterlassen, dass er auch wirklich hierher findet."
Sie fühlte sich schuldig, weil sie wünschte, Draco wäre hier mit ihr in Todesgefahr, doch konnte nichts dagegen machen. Betend, dass Draco auch wirklich kam, fuhr sie fort, „Wo sind wir?"
„In einem anderen Schloss," sagte Tom schlicht, „Es ist nicht weit von dem, wo du gewohnt hast. Doch Muggel können dieses nicht sehen."
Bei dem bekannten Wort horchte Ginny leicht auf.
„Muggel?" wiederholte sie, „Wir sind – Ich bin magisch?"
„Natürlich," sagte er und sah fast verärgert aus, weil sie das nicht allein herausgefunden hatte. „Sogar ich kann dir und Mr Malfoy nicht die Magie nehmen. Ich habe nur dafür gesorgt, dass ihr eure Zauberstäbe nicht habt, wenn ihr in diese Welt kommt."
„Aber…" Ginny biss sich auf die Unterlippe und überlegte, wie sie ihre Gedanken in Worte fassen sollte. Wenn sie magisch war, warum waren dann Lavinias Augenbrauen nicht verschwunden, wenn sie wütend auf sie gewesen war? Warum hatte ihr Kleid nicht angefangen zu brennen? Warum waren diese kleinen Zeichen, die Zeichen mit denen sie aufgewachsen war, bevor sie ihren Zauberstab gekauft hatten, die bewiesen hatten, dass sie wirklich eine Hexe war, überhaupt nicht aufgetaucht?
„Warum ist dann absolut nichts passiert?" brachte sie schließlich schwach heraus mit der Hoffnung Tom würde verstehen, was sie meinte und es erklären. Er tat es.
„Ich kann ein wenig deiner Magie kontrollieren," sagte er fast fröhlich lächelnd, „Ich war immer in der Nähe, Ginny, auch wenn du es nie mitbekommen hast. Besonders, wenn du mit deiner Mutter zusammen warst. Ich wusste, dass du sie nicht leiden konntest. Ich bin nur sicher gegangen, dass die Magie, die durch deine Wut aus dir herausbrach, unter Kontrolle gehalten wurde."
Ginny biss sich enttäuscht auf die Unterlippe. Doch was machte es überhaupt aus? Sie hatte keinen Zauberstab – es gab keine Möglichkeit, viel zu zaubern, um sich selbst zu retten. Doch trotzdem überliefen sie kalte Schauer, als sie sich vorstellte, dass Tom sie die ganze Zeit beobachtet hatte.
„Warum sagst du mir nicht einfach," fing Ginny an, „warum du Draco und mich hierher gebracht hast. Ich finde es ziemlich unfair, uns hier zu behalten, ohne uns zu sagen aus welchem Grund."
„Wer sagt, dass man fair sein muss?" fragte Tom, „Es gibt kein fair oder unfair. Es gibt nur, was ich tue. Weder du noch das Schicksal können irgendetwas ändern. Das kann nur ich. Hier, in meiner Welt, gehörst du mir."
Es war fast, als wäre Ginny mit einem Mal wieder elf Jahre alt und schriebe in ihrem tollen Tagebuch mit dem tollen Tom. Er hatte sie damals besessen, sie hatte ihm gehört und hatte es noch nicht einmal gewusst. Nun wusste sie es und doch stand nichts in ihrer – oder jemand anderes – Macht, das zu ändern. Es schien schlimmer, es zu wissen, da sie älter war, nun besser mit sich selbst zurechtkam und dennoch wusste, dass sie nichts tun konnte. Es fühlte sich an wie eine Schlange, die sich durch ihr Inneres wand, bis sie sich fast übergeben musste. Das Gefühl der Übelkeit verging und Ginny zwang sich, wieder in Toms Augen zu sehen. Er lächelte sie wissend an und es schien, als wollte er ihr weismachen, er könne in ihren Schädel sehen und ihre Gedanken lesen. Sie versuchte, sich davon nicht irreführen zu lassen.
„Sag mir einfach, warum wir hier sind," flüsterte sie heiser.
„Nun das ist eine wundervolle Geschichte," sagte Tom, stand auf und wandte sich dann wieder ihr zu. „Es war eine meiner eher brillanteren Ideen, denke ich, ähnlich wie das Tagebuch, das du glücklicherweise in deinem ersten Jahr gefunden hast."
„Das hier hat nichts mit dem Tagebuch zu tun," fauchte Ginny und hoffte inständig auf die Richtigkeit ihrer Worte.
„Nicht direkt," sagte Tom genüsslich, „Doch es ist im Grunde dasselbe Konzept."
Er wandte seinen Blick aus dem Fenster und starrte mit leeren Augen hinaus. „Als ich meine Macht zurückgewann," fing er an, „während Harry Potters fünften Jahr, wusste ich, dass die große Chance bestand, dass ich wieder zu dem gemacht wurde, was ich für viele Jahre gewesen war. Natürlich hatte ich nicht das Verlangen danach in diesen Zustand der… Schwäche zurückzukehren, was ja verständlich ist, nicht wahr Ginny? Also, um so etwas zu vermeiden, habe ich eines der komplexeren Dinge auf dem Feld der Magie erschaffen – das am meisten Komplexe eigentlich. Niemand hat es je getan und wahrscheinlich wird es auch niemand je wieder tun. Niemand ist mächtig genug dafür."
„Was ist es?" unterbrach ihn Ginny ungeduldig. Tom ignorierte sie.
„Ich brauchte circa zwei Jahre, um es absolut zu vervollständigen. Ich hatte Glück und konnte es beenden, bevor Harry Potter mich in der Wirklichkeit umbrachte. Natürlich hatte nicht mit eingerechnet, als ich es erschaffen habe, dass ich sterben könnte. Ich hatte nur erwartet, dass ich meinen Körper für einige Zeit verlieren würde. Auf welchem Weg auch immer, die Welt, die ich erschaffen hatte, erfüllte ihre Erwartungen. Ich brauchte einige Monate, um zu entscheiden, welche Spieler ich für mein Spiel, wie ich es zu nennen pflege, einsetzen sollte."
Spiel, dachte Ginny schwach. Das alles ist nur ein Spiel für ihn?
„Ich habe mich für dich entschieden, Ginny, weil ich dich schon vorher einmal besessen hatte," sagte er wie selbstverständlich, doch die Kälte in seiner Stimme jagte Schauer durch Ginnys Körper. „Wenn du einmal von jemandem kontrolliert wurdest, kann es leicht wieder passieren. Die Wahl fiel also schnell auf dich. Doch die Kräfte, die ich benötige, hast du nicht. In der Zauberwelt fürchtet dich niemand und es hat auch niemand wirklich Respekt vor dir. Dein Name ist fast vollständig unbekannt. Also brauchte ich noch jemand anderen, der dir – oder eher, uns – assistieren und helfen konnte, auf unserem Weg zur Macht über alles und jeden."
Bis jetzt machte das Ganze für sie überhaupt keinen Sinn. Ginny wollte etwas sagen, doch er schien noch nicht fertig zu sein, so ließ sie ihn fortfahren.
„Dann, eines Tages fiel es mir ein. Die Lösung war die ganze vor meiner Nase gewesen. Einer meiner treuen und nützlichen Anhänger hatte einen Sohn, der bald darauf seinen Abschluss in Hogwarts ablegen sollte. Er hatte sich zwar noch nicht dem Gefolge der Todesser angeschlossen, doch plante, dies an seinem 20. Geburtstag zu tun. Ich habe natürlich niemandem von dem Erschaffen dieser Welt berichtet und mein Todesser brauchte nicht zu wissen, dass ich seinen Sohn benutzen würde. Ich bin daran gewöhnt, Ginny, mir das zu holen, was ich brauche, auch ohne Erlaubnis." Ginny dachte, dass er nur Offensichtliche aussprach, doch schwieg. „Nun hatte ich meine Spieler und die Welt war auch beinahe vollständig. Ich habe sie gerade noch vor dieser Juninacht im Jahr 1998 beenden können, in der Harry Potter meinen Klauen ein weiteres Mal entwich und mir dabei das Leben nahm. Es war großes Glück, dass ich sie vervollständigt hatte, denn nun ist sie der einzige Weg, meine Macht wiederzuerlangen."
Es gab eine lange Pause, doch Tom starrte weiter aus dem Fenster. Nun war Ginny noch mehr verwirrt. Er hatte nichts erklärt, was dem Ganzen einen Sinn geben würde.
„Ich verstehe das nicht," sagte sie gerade heraus. Er wandte sich ihr mit einem unleserlichen Ausdruck auf dem Gesicht zu, als wäre er tief in Gedanken versunken.
„Wie hast du diese Welt erschaffen? Wie konntest du uns hierher bringen?" fragte sie schnell. Sie hätte es fast lieber, wenn er wütend wäre, dann würde er sie wenigstens nicht mehr so seltsam ansehen, als könnte er sie mit seinen Blicken durchbohren.
„Schwarze Magie," sagte Tom leise, „Monate und Jahre von schwieriger, zermürbender Schwarzer Magie, die niemand außer mir, Lord Voldemort, vollbringen kann. Als ich eine gesamte Atmosphäre, einen ganzen Planeten erschaffen hatte, wo jemand leben konnte, ohne den Unterschied zur realen Welt zu bemerken, fügte ich meine Spieler hinzu. Meine Rollen. Was dich einschließt, Draco, mich selbst… und Maria."
„Maria?" Ginny hatte sie beinahe vergessen. „Sie ist auch magisch?"
Tom lachte kurz auf und sein Blick schärfte sich ein wenig.
„Nein, sie ist nicht wirklich. Doch ich habe sie getrennt von den anderen erschaffen. Jeder andere in dieser Welt – außer Harry – hat sich zufällig entwickelt. Maria jedoch diente einem Zweck. Sie sollte mir helfen, ohne etwas über mich zu wissen, dich ohne viele Probleme zu entführen. Sie denkt bis jetzt noch, du seiest die Königin."
In Ginnys Kopf drehte sich alles, was so schlimme Kopfschmerzen verursachte, dass sie fast nicht mehr auffassen konnte, was Tom sagte.
„Dann… warum hilft sie dir? Kontrollierst du sie auch?"
„Nein, sie tut das freiwillig," sagte er und seine Lippen kräuselten sich zu einem Lächeln, „Sie hasst dich abgrundtief, Ginny."
Doch… warum? Es schien doch so, als liebe Maria sie so sehr, wie ein Diener seine Herrin lieben darf. Warum hatte sie sich so anders verhalten, als sie eigentlich fühlte?
„Maria denkt, dass hier ist die Welt und es gibt keine andere. Als ich diese Welt erschaffen habe, habe ich ein gesamtes Universum kreiert, das für die, die darin leben, wie die Wirklichkeit erscheint. Die Leute, die dies hier für die richtige Welt halten… wurden einfach zufällig erschaffen. Kannst du mir folgen?"
Ginny starrte ihn an, während sie versuchte, zu verstehen. Ihr Gehirn war von dem Trank immer noch ein wenig dösig. Doch dennoch versuchte sie, das, was er sagte, zu etwas Sinnvollem zusammenzufügen.
„Ist es, als ob man eine bestimmte Farbe will, zum Beispiel Blau, doch es ist egal, ob es Königs-, Hell-, oder Mittelblau ist?"
Tom nickte langsam. „Fast. Ich sehe, welche Verbindung du herstellen willst. Als ich diesen Ort erschuf, gebrauchte ich meine Magie, um zwei Könige, eine Königin und eine junge Prinzessin zu kreieren. Wie sie sich dann entwickelten, habe nicht ich bewirkt. Ihre Persönlichkeiten, ihr Aussehen… alles Zufall."
Ginny verstand nun langsam. Es war nicht richtig verständlich, aber es machte wenigstens Sinn.
„Harry Potter habe ich nur in diese Welt eingebaut, um es… schwieriger zu machen," fuhr Tom fort, „Ich erinnerte mich daran, wie du ihn in deinem ersten Jahr verehrt hast. Ich wusste, wenn er dich hier hasste, würde es alles schwerer machen. Ich wollte nicht, dass es dir in deiner königlichen Rolle gefällt."
Ginny schnaubte ungläubig. Sogar ohne Harry wäre es nicht einmal annähernd leicht gewesen.
„Also hatte ich meine eigene, komplett unwirkliche Welt und die, die hineinsetzen wollte, ohne dass sie wussten, wie sie hierher gekommen waren. In dem Moment, da Potter mich tötete, verließ mein Geist die richtige Welt und kann hierher. In der Form meines früheren Körpers, Tom Riddles. Ich habe die Sommer- und Herbstmonate damit verbracht, meine magischen Kräfte zu stärken, um so mächtig zu werden, wie ich es als Lord Voldemort in der Realität gewesen war."
Er hielt inne und starrte Ginny an, womit er sie zwang, ihn direkt anzusehen. „Ich bin der einzige in dieser Welt, der zaubern kann, Ginny," sagte er sanft und langte in seine Hosentasche. Einen Moment später brachte er seinen Zauberstab zum Vorschein. Ginnys Augen klebten mit einem hungrigen Ausdruck daran. Ein Teil von ihr wollte aufspringen, Tom zu Boden ringen und ihm den Zauberstab entreißen, doch sie wusste, dass sie verlieren würde. Und auch wenn sie gewann, was dann? Sie kannte keinen Zauberspruch, der sie aus dieser Welt bringen konnte. Sie steckte hier fest.
„Auch wenn ich in deiner Welt tot war," erzählte Tom seine Geschichte weiter, „lebte ich hier weiter. Und es dauerte auch nur noch eine kleine Weile, bis Draco und du sich mir anschließen sollten."
Ginny beeilte sich, ihn zu unterbrechen. „Doch was war, bevor wir hierher kamen? Wer war an unserer Stelle hier? Als wir hier ankamen, kannten uns die Leute als die Prinzessin und den Prinzen, doch wenn diese Welt vorher auch schon lief, wie-,"
„Noch eine magische Leistung, die ich vollbringen konnte," antwortete Tom mit einem schmalen Lächeln, „als ich meine magischen Kräfte wieder gestärkt hatte, war es mir möglich, an dem von mir festgelegten Datum euch hierher in dieses Universum zu bringen."
„Das ist ja alles sehr schön, doch beantwortet trotzdem nicht meine Frage," sagte Ginny schnippisch. Tom reagierte nicht auf ihren genervten Ton, doch gab er ihr Antwort. „Da das alles hier mein Werk, meine Schöpfung, ist, kann ich ihre Gehirne beherrschen, was sie denken und an was sie sich erinnern. An dem einen Tag ließ ich deine Eltern zu Bett gehen, mit dem Wissen, keine Kinder zu haben, wie auch alle anderen im Palast dachten, sie hätten nur eine Königin und einen König zu umsorgen und dann als sie aufstanden, hatte sie eine gesamte Erinnerung an dich, wer du warst und wie du dich verhieltst. Dasselbe geschah bei Mr Malfoys Palast. Es war nicht leicht, das gebe ich zu, Ginny. Niemand, außer jemand sehr Mächtiges, hätte das fertig bringen können. Und in diesem Falle, bin ich der einzige, dessen Macht groß genug ist."
„Also hast du falsche Gedanken in die Gehirne der Menschen gesetzt?" fragte Ginny. Sie musste zugeben, dass sie beeindruckt war. Ihre Brüder Fred und George hatten immer nach einer Möglichkeit gesucht, wie sie die Zaubertrankzutaten in ihre Köpfe kriegen konnten, sodass sie sie in ihren Prüfungen wussten, doch sie hatten es nicht geschafft – und auch sonst niemand. Soweit Ginny gehört hatte, war es unmöglich. Doch Tom hatte im Grunde genau das getan. Dennoch hatte sie noch eine Frage. „Wenn du alle hier beherrschen kannst, warum hattest du dann so Angst, ich könnte vor Lavinia zaubern? Du hättest ihre Erinnerungen daran doch einfach löschen können, nicht wahr?"
„Natürlich, doch die Gedanken und Erinnerungen von jemandem zu verändern, braucht einige Zeit… doch ich hatte keine Zeit zu verschwenden," fügte er ein wenig dramatisch hinzu, „Es war viel einfacher, sicher zu gehen, dass sie von deiner Magie nichts mitbekam."
„Und du zeigst Maria nicht, was du wirklich bist?" hakte Ginny nach, „Du lässt auch sie keine Magie sehen?"
Tom grinste nüchtern. „Sie wird es bald selbst herausfinden. Das weiß ich. Doch es funktioniert bis jetzt auch ohne, dass sie es weiß und das genügt mir."
Ginny runzelte die Stirn, doch ließ ihn fortfahren.
„Einen Tag, nachdem ich dich und Draco hierher gebracht hatte, versuchte ich einen Weg ins Schloss zu finden ohne ein Diener sein zu müssen. Dann verbreitete sie das Gerücht, du seiest krank und ich hatte die perfekte Entschuldigung, mit dir im selben Schloss zu sein." Tom sah schrecklich zufrieden mit etwas aus, vielleicht sich selbst.
„Du ließt die Leute glauben, sie hätten von dir als einem berühmten Doktor gehört?" fragte Ginny weiter.
„Ja. Und wenn sie alle dachten, sie kannten mich und wüssten von meinen Heilkünsten, würde das Königspaar mich mit Freuden einlassen und mich auch nach deiner Genesung im Schloss bleiben lassen," antwortete er. Ginny nickte, doch noch immer brannten ihr tausend Fragen auf der Zunge. Alles wurde nun schon klarer, obwohl sie immer noch nicht alles in einem vollständigen Zusammenhang sah.
„Warum dieser Zeitabschnitt?" fragte sie schließlich.
„Obwohl ich euch in eine Muggelwelt setzen wollte," sagte er ölig, „Sollte es nicht das zwanzigste Jahrhundert sein. Ich wollte etwas Altes, Primitives, wo die Muggel noch keine motorisierten Fahrzeuge oder Elektrizität hatten. Und ich wollte euch in einer höher gestellten Rolle. Diese Zeit in der Geschichte schien mir am Besten für das, was ich erreichen wollte."
Ginny nickte wieder und senkte ihren Blick zu Boden. Da wurde ihr klar, dass sie das Allerwichtigste noch gar nicht gefragt hatte – aus welchem Grund er Draco und sie hierher gebracht hatte. Als sie ihn das fragte, begannen seine Augen zu glimmen.
„Ich bin tot, Ginny," fing er gedehnt an, „In der Zeit und Welt, wo ich existieren muss, bin ich tot. Also brauche ich einen Körper, um die Pläne zu Ende zu bringen, die ich nie ausführen konnte. Ich muss immer noch Harry Potter töten und die Macht über alles und jeden erlangen. Und tot kann ich das nicht ohne Hilfe."
„Und du erwartest wirklich, dass ich dir helfe?" spottete Ginny.
„Ich denke, du hast keine andere Wahl," sagte Tom abscheulich grinsend, „Meine Macht übersteigt alles, das du dir vorstellen kannst."
Seine Stimme war eiskalt; Ginny versuchte, nicht zu zittern.
„Ich habe in der Zukunft keinen Körper mehr," fuhr Tom mit seiner Erklärung fort, „Ich habe auch keinen Geist, keine Existenz jeglicher Art. Doch hier bestehe ich. Hier bin ich fast menschlich. Deshalb habe ich dich hierher gebracht, damit du mir zu einer Existenz in der Zeit, in der ich es brauche, verhilfst – in fast vierhundert Jahren. Ich werde meine Seele, mein Leben in deinen Körper pflanzen," sagte Tom Angst einflößend ruhig, „Als ich dich durch das Tagebuch besessen habe, benutzte ich nur deine Stärke, um meinen eigenen Körper zu formen. Doch da ich tot bin, wird das dieses Mal nicht funktionieren. Um also in der Zukunft überleben zu können, werde ich dich benutzen. Mit meiner Seele in deinem Körper werde statt Virginia Weasley ich existieren. Und fast wie ich es auf meinem ersten Weg zur Macht getan habe, werde ich mich – oder eher deinen Körper – in eine furchterregende Kreatur verwandeln, die alle Hexen, Zauberer, Schlammblüter und Muggel fürchten werden. Ich werde wieder Lord Voldemort sein."
„Warum ich?" brachte Ginny mit zitternder Stimme gerade noch heraus. Tom zuckte unbekümmert mit den Schultern. „Das habe ich dir schon gesagt. Ich habe dich schon vorher einmal beherrscht. In dem Moment, da meine Seele in deinen Körper eindringt, wird deine Seele – schon von mir vor sechs Jahren geschwächt – verschwinden, fast wie eine Flamme erlischt. Jeder andere Mensch, den ich nicht schon vorher bezwungen hätte, hätte noch ungefähr ein Jahr darum gekämpft, am Leben zu bleiben. Ich hätte deren Körper mit ihnen teilen müssen, doch habe mich dagegen entschieden. So bist du die beste Wahl und mit der Hilfe des jungen Mr Malfoy wirst du sicher für mein Vorhaben alles Nötige bereitstellen."
Ginny blinzelte und dachte einen Augenblick, es wären noch die Nachwirkungen des Trankes, die ihre Sicht benebelten, bis sie die Tränen bemerkte. Schnell wischte sie sie mit dem Handrücken fort, da sie auf keinen Fall vor Tom weinen wollte.
„Wie wird dir Draco helfen?" fragte sie, während sie in ihren Schoß starrte und seinen Blick mied.
„Er hat mehr Macht als du, Ginny." Er flüsterte nun beinahe. „Die Leute zucken zusammen, wenn sie den Namen Malfoy hören, nicht wahr? Sein Vater wird von meinen treuesten Anhängern voll respektiert und der einzige Grund, warum ich nicht Lucius hierher gebracht habe, ist, dass ich weiß, dass Draco mehr Wille und Energie aufbringt, um mir zu helfen."
„Doch wie kann er dir helfen?" fragte Ginny schwach.
„Du bist nichts Besonderes," fauchte Tom, als wäre das etwas, wofür man sich schämen müsste, „Ich alleine werde nichts Zustande bringen, wenn ich nur deine mittelmäßigen Kräfte besitze. Draco wird mir helfen, so mächtig zu werden, wie ich es als Lord Voldemort war."
„Draco wird das nicht tun," sagte Ginny leicht nachdrücklich, obwohl sie nicht zu Hundert Prozent glaubte, was sie sagte, „Er ist nicht wie sein Vater."
„Er wird mir helfen," gab Tom sanft zurück, „Wenn er glaubt, dass es dein Wille ist."
Ginny riss den Kopf hoch und starrte in sein kalt lächelndes Gesicht.
„Er hat sich in dich verliebt, hast du es nicht bemerkt?" wisperte er, „Er wird meine Bitten ausführen, wenn er denkt, du seiest es, der ihn fragt. Wenn ihm klar wird, was passiert ist, wird es zu spät sein. Ich kann dann ohne seine Hilfe mächtig genug werden und ihn umbringen."
Ginnys Herz klopfte schmerzhaft. Sie wünschte sich nun sehnlichst, sie hätte nicht nach dem Grund ihres Daseins gefragt. Die Wahrheit war um tausende Male schlimmer, als sie sich es je vorgestellt hatte. Sie versuchte den großen Klumpen in ihrer Kehle herunterzuschlucken, um Tom noch ein Dutzend mehr Fragen zu stellen, doch er ging schon auf die Tür zu.
„Ich werde Maria hereinschicken," sagte er mit einer Hand auf der Klinke, „doch erinnere dich daran, dass sie gar nichts weiß."
Mit einem letzten Grinsen über die Schulter verließ er das Zimmer und ließ Ginny und ihre Trauer allein. Doch bevor sie viel darüber nachdenken konnte, eilte Maria herein und schloss die Tür hinter sich. Von draußen hörte man das Klicken des Schlosses und Maria ging befriedigt zu ihr hinüber, um sich, genau wie Tom gerade noch, vor sie zu stellen.
„Hallo, Eure Majestät," sagte sie spöttisch. Wie hatte Ginny nie bemerken können, wie dunkel ihre Augen waren? Wie die Professor Snapes, doch… böser. Kalt, böswillig, scheinbar ohne Boden… wie absolut runde, schwarze Felsen. „Ich vermute, dass du dir gerade über recht viel Gedanken machst, wie zum Beispiel, warum ich mit deinem Doktor zusammenarbeite, um dich umzubringen?"
Ginny vermutete sofort, dass der einzige Grund, warum Maria Tom bei der Ausführung seines Plans half, war, weil sie dachte, sie würden Ginny nur umbringen. Damit lag sie jedoch hoffnungslos daneben und Ginny würde zehn Galleonen verwetten, dass Maria, nachdem alles beendet war, umgebracht wurde.
„Er ist kein Doktor," gab Ginny dumpf zurück, obwohl sie wusste, dass es keinen Sinn hatte, „Er ist ein Zauberer."
„Er ist brillant," sagte Maria zustimmend, da sie wohl den Gebrauch des Wortes ‚Zauberer' missverstand, „Ich bin überrascht, dass er dich so lange am Leben gelassen hat. Ich persönlich hätte dich mit dieser Krankheit sterben lassen. Doch so geht es auch. Und ich werde deinen Kampf mit dem Tod durchgehend genießen."
Ginny war von keiner dieser Drohungen beeindruckt, da sie wusste, dass auf sie viel Schlimmeres wartete. Sie würde von Dracos Hand sterben und es würde ihr Körper sein, der die Zaubererwelt wieder mit Verwüstung überzog. Was würde ihre Familie sagen? Würden sie wirklich denken, dass es sie war? Dennoch war sie immer noch ein wenig verwirrt, warum Maria so freundlich zu ihr gewesen war, wenn sie ihr doch eigentlich im Schlaf die Kehle durchschneiden wollte.
„Warum hasst du mich?" fragte sie tonlos. Maria warf den Kopf zurück und lachte, ein Lachen höher, doch eben so kalt wie Toms. Sie traf wieder Ginny Blick und antwortete, „Das Wort ‚Hass' ist nicht stark genug, Ginny. Es gibt kein Wort in der Sprache, die ich beherrsche, das ausdrückt, was ich für dich empfinde."
„Warum warst du dann so nett zu mir?" fragte Ginny schrill. Marias Gesicht wurde hart und sie sah einer alten, faltigen Bulldogge nun eindeutig ähnlich. Ginny hatte sie immer als gemütlich mollig angesehen, doch nun wirkte sie anwidernd.
„Was für eine einfältige Frage, du dummes Mädchen. Du wärst doch sofort zu Mami oder Papi gerannt, um zu jammern, ich würde dich nicht wie eine Prinzessin behandeln. Ich wäre in einem kleinen Fingerschnippen gefeuert worden. Ich sage dir, Ginny, wenn ich nicht gewusst hätte, dass ich irgendwann Rache an dir nehmen kann, wäre ich nicht geblieben. Von dem Moment an, da du sprechen konntest, beschimpftest du mich und befahlst manchmal dem Koch, mir kein Essen zu geben, weil ich dein Kleid nicht ordentlich aufgehängt hatte, wodurch ein paar Falten in der Seide entstanden waren. Ich hasste es. Ich bin nur bei dir geblieben, weil…" Sie brach ab und ihre kalten Augen trübten sich, bevor sie schnell blinzelte, als würde ihr klar, dass sie zu viel sagte. „Auf jeden Fall ist nicht der Punkt, warum ich geblieben bin," beeilte sie sich zu sagen, obwohl Ginny sehr wohl fand, dass das der Punkt sei, „sondern was du mich tun ließt. Du wurdest nur noch schlimmer, als du älter wurdest. Schließlich hielt ich es fast nicht mehr aus. In dieser Zeit traf ich Tom. Er wollte sich auch an dir rächen und so schmiedeten wir einen schrecklichen Plan, der nicht fehlschlagen wird. Wir werden es so aussehen lassen, als hätte Draco Malfoy dich umgebracht. Der perfekte Mord. Ich kann endlich tun, wonach ich mich so lange Jahre gesehnt habe."
Maria schwieg stolz lächelnd. Doch ihr Lächeln verblasste, als sie Ginnys gelangweilten Gesichtsausdruck sah, Nichts, was Maria sagte, spielte eine Rolle. Alles war egal.
„Und nur, damit du es weißt," fügte Maria mit leiser, eisiger Stimme hinzu, „Ich brachte Lily Potter um."
Diese Bemerkung fiel so unerwartet, dass Ginny Überraschung auf ihrer gelangweilten Miene zeigte, und als Maria das sah, fuhr sie fort.
„Es war nicht Lavinia. Ich log, als ich es dir erzählte, und aus einem sehr seltsamen Grund, glaubtest du mir. Dabei dachte ich, du kanntest deine Mutter. Sie ist vielleicht schrecklich snobistisch und eingebildet, dir sehr ähnlich, doch würde sie nie jemanden umbringen. Ich war es, der Lily damals mit in den Wald nahm und sie, als sie nicht aufpasste, mit Pfeilen erschoss. Sie kämpfte sehr lang um ihr Leben, doch weinte dabei nicht, weil sie starb, sondern weil ihr Kind dabei auch ums Leben kam… Lily hat sich immer so lächerlich aufgeführt, erst an andere statt an sich selbst gedacht… Doch schließlich starb sie und ich war froh. Ich war froh, dass sie weg war."
Ginnys Gesicht hatte jegliche Farbe verloren, sie fühlte sich leer, als sie ein Handvoll ihres Rockes packte. Sie hätte nie gedacht, dass ihr nach alle dem auch noch so etwas an die Ohren kommen würde. Eigentlich hatte sie vermutet, dass heute zu viel passiert war, als dass der Tag sie noch einmal überraschen könnte… Himmel, sie hatte vor weniger als sieben Stunden geheiratet… doch nun fand sie heraus, dass Maria Harrys Mutter umgebracht hatte.
„Jedoch glauben immer noch alle, Lavinia sei es gewesen," sagte Maria, „Natürlich habe ich sicherheitshalber die Pfeile der Schlosswache benutzt. Niemand verdächtigte mich. Genau wie ebenfalls niemand mich mit deinem Tod in Verbindung bringen wird."
Ginny fühlte plötzlich rasenden Zorn in sich aufsteigen und wollte nichts mehr, als ihre Fingernägel tief in Marias faltiges Genick zu stoßen.
„Warum hast du sie getötet? Hast du sie auch gehasst?"
„Ich habe die perfekte Lily einfach verabscheut," rief Maria und ließ Ginny durch ihre laute Stimme zusammenzucken, „Sie hat mir alles genommen, das mir je etwas bedeutet hatte. Als mir der Job als persönliche Magd der Königin schon sicher war, schnappte ihn mir Lily vor der Nase weg. Alles, was sie je fertig gebracht hat, war eine tiefgestellte, dürre Magd zu sein, während ich die gesamte Drecksarbeit im Schloss erledigte. Darauf heiratete sie James, hatte einen Sohn und eine perfekte Familie… und dann entschied sich der König auch noch für sie und wies mich ab. Er musste gelangweilt von mir gewesen sein und dachte vielleicht, Lily wäre eine größere Herausforderung für ihn, doch sie war noch nicht einmal scharf auf ihn…"
Maria brach plötzlich an und es hatte wieder den Anschein, sie hätte ihrer Meinung nach zu viel gesagt. Ginny hob die Augenbrauen, wobei sie sich fragte, ob sie sich nicht die ganze Zeit in ihren Eltern getäuscht hatte – vielleicht war eher ihr Vater verachtenswert, nicht ihre Mutter. Doch es widerstrebte ihr, ihn wie jemanden anzusehen, der mit all seinen Bediensteten schlief.
„Egal, nichts davon ist wichtig," sagte Maria erschaudernd, „In ein paar Minuten wirst du tot sein und ich habe dich endlich los." Dann drehte sie sich abrupt um und klopfte an die Tür. Sie warf Ginny einen letzten hasserfüllten Blick zu, als Tom ihr aufsperrte, um sie hinauszulassen. Wenn Ginny die Energie gehabt hätte, hätte sie vielleicht versucht zu fliehen, doch sie fühlte sich absolut kraftlos. Sekunden später war sie wieder allein, eingesperrt in diesem Zimmer. Sie saß da und starrte die Wand an, während sie versuchte, all das, was sie erfahren hatte, zu verarbeiten. Nach ein paar Minuten fielen ihr langsam die Augenlider zu und sie war versucht, in einen tiefen Schlaf zu versinken. Doch Schlaf konnte sie sich jetzt nicht erlauben; sie musste wach und auf der Hut sein. Egal was passierte, sie würde Tom keinesfalls ihren Körper überlassen, ohne ihm dabei einige Problem zu bereiten. Aber vielleicht konnte sie ja einige Kräfte regenerieren, wenn sie ein wenig schlief… Sie erhob sich und wanderte im Zimmer umher, während sie verärgert blinzelnd nachdachte. Es gab immer noch so viele Dinge, die nach einer Antwort verlangten… Zum Beispiel warum Dumbledore hier war. Ginny hatte den Verdacht geschöpft, dass Tom womöglich gar nichts von ihm wusste. Er hatte ihn ja nicht einmal erwähnt. Wahrscheinlich hätte Ginny zu ihm gehen sollen, als sie die Chance dazu gehabt hatte. Doch nun war es zu spät. Wenn er hier war, um ihnen zu helfen, konnte sie nur darauf hoffen, dass er kam und sie rettete. Trotzdem beruhigte sie das nicht sehr. Und was war in der Zukunft los? Bemerkte überhaupt jemand ihre Abwesenheit? Wie würde Tom erklären, dass sie für drei Wochen gefehlt hatte?
Ich kann hier nicht herumsitzen und grübeln, sagte sich Ginny entschlossen und versuchte ihre Müdigkeit abzuschütteln. Sie musste etwas unternehmen! Was nutzte es, hier hin und her zu laufen und über Sachen zu brüten, auf die sie sowieso keine Antwort fand? Sie sah sich im Zimmer um und ging noch einmal ihre Möglichkeiten durch. Fenster – zu weit oben. Tür – zugesperrt und zu schwer. Wände – zu hart, um sie zu durchbrechen und außerdem nichts, womit man das anstellen könnte. Doch gab es immer noch den zugenagelten Teil… warum war er überhaupt vernagelt? Ginny ging hinüber und legte ihre Finger fest um die Ränder eines Brettes. Das Holz war nicht sehr massiv – etwa so lang wie ihr Arm und nur ein wenig breiter – doch sehr fest an die Wand genagelt. Ein Bohlen war quer über die anderen angebracht, was es nur noch schwieriger machte. Ginny runzelte die Stirn. Wenn es so sicher vernagelt war, musste doch bestimmt etwas Wichtiges dahinter sein, oder? Sie riss mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte, an dem obersten Holz. Es bewegte sich kaum merklich. Sie zog wieder. Diesmal löste es sich etwas mehr. Sie brauchte fast zwei Minuten, um das erste Brett zu entfernen, doch danach hatte sie nur vier mehr Bretter und drei Spreißel in den Fingern vorzuweisen. Dennoch war sie stolz darauf, dass sie es wegbekommen hatte und ging zum Nächsten über. Einige Male hielt sie inne, weil ihr war, als hätte sie Schritte vor der Tür gehört. Sei wusste, dass das nächste Mal, wenn Tom oder Maria kamen, sie den ‚Mord' begehen würden. Als die erste Ecke des Brettes locker war, konnte Ginny erkennen, dass es wirklich ein Loch verdeckte, bloß nicht eines, dass jemand hineingeschlagen hatte. Es war entweder quadratisch oder rechteckig – das erschloss sie aus den einsehbaren Ecken. Mit wachsender Hoffnung machte sie weiter. Noch einmal drei Minuten… das dritte Brett fiel ab, zwei blieben noch. Innen im Loch war es stockdunkel, sie konnte absolut nichts erkennen. Dazu musste sie erst die zwei Letzten losmachen und die Kerze hineinhalten, um irgendetwas zu sehen. Etwa fünf Minuten vergingen, doch schließlich riss Ginny das letzte Scheit ab. Sie ließ es zu Boden fallen und begutachtete in dem trüben Licht ihre Hände. Sie bluteten – das konnte sie fühlen und es steckten viele Spreißel in ihrer Haut. Trotzdem hatte sie erreicht, was sie wollte und stand nun vor einem Rechteck in der Wand, das einer Art Ablage ähnelte. Ginny holte schnell die Kerze im Halter von Tom, die neben dem Schrank stand, eilte zurück und hielt sie in das Loch, das somit schwach erleuchtet wurde. Es dauerte einen Moment bis Ginny begriff, was es war. Ein Speisenaufzug. Nahe am Rand waren ein Flaschenzug und ein Seil, das Ginny zum Festhalten benutzte, als sie sich vorbeugte, um hinunterzusehen. Nichts als endlose Schwärze. Doch über ihr sah sie festen Stein. Sie musste im obersten Stockwerk des Schlosses sein. Mit steigender Erregung stellte sie die Kerze auf dem Boden ab und begann an dem Seil zu ziehen. Es krachte und knarrte; es war wohl einige Zeit nicht genutzt worden und schien sich jetzt dagegen wehren zu wollen. Ein paar Sekunden später brachte Ginny die Ablage, die langsam nach oben kam, auf die Höhe der Öffnung, mit dem Flaschenzug als einziges, das die beiden trennte. Sie ließ das Seil los, doch nichts bewegte sich – dafür musste sie schon sehr stark an den Seilen ziehen. Ginny trat noch einmal zurück und blickte sich im Zimmer um. Der Speisenaufzug war ihre einzige Fluchtmöglichkeit. Tom hatte es zugenagelt, in der Hoffnung, Ginny würde es nicht abreißen und damit fliehen. Ein Teil ihres Gehirns bezweifelte, dass Tom etwas so Offensichtliches übersehen würde, denn wenn er nicht gewollt hätte, dass sie es benutzte, hätte er den Schacht mit Magie verschlossen, sodass sie gar nicht daran gekommen wäre. Doch auf der anderen Seite war es doch besser, aus diesem Zimmer zu kommen, als hier zu sitzen und zu warten; sie konnte es ja wenigstens probieren. Als sie sich daran erinnerte, wie sehr sie es jetzt bereute, die Chance Dumbledore zu sehen nicht wahrgenommen zu haben, entschied sie sich auf der Stelle; sie würde nicht noch eine Möglichkeit auf Rettung sausen lassen, nur weil sie argwöhnte, dass Tom dahinter steckte. Der Speisenaufzug war breit genug, um sie einzulassen, aber nur gerade so. Ginny wusste sofort, dass sie einiges ihres bauschigen Hochzeitskleides loswerden musste. Schnell ließ sie sich auf dem Bett nieder und zog ihre flachen, viereckigen Schuhe aus. Das getan erhob sie sich wieder und langte nach hinten, um ihr Mieder zu öffnen. Schließlich nach fünf Versuchen erreichte sie endlich die Knöpfe, doch konnte sie sie wegen ihrer blöden Lage nicht aufknöpfen. Frustriert und mit dem Wissen, dass sie wertvolle Zeit verschwendete, ging Ginny zu etwas über, was sie eigentlich nicht hatte tun wollen – sie zog an dem Mieder, um es an den Knöpfen auseinander zu reißen. Es brauchte einige Anläufe, doch am Ende konnte sie sich herauswinden, wodurch sie ihr Korsett offenbarte. Traurig ließ Ginny ihr ruiniertes Mieder zu Boden fallen, doch wandte ihre Aufmerksamkeit dann ihren Röcken zu. Das war leichter – es war nur eine einzige Schnalle zu öffnen und schon glitt der berüschte Rock auf den Boden. Darunter war ihr Reifrock, den sie auch schnell loswurde. Der Reifrock war eigentlich das einzige gewesen, das sie aufgehalten hatte, doch nun dachte sie, dass sie sich leichter bewegen konnte, wenn sie auch noch ihren Unterrock auszog und sicher war es auch viel bequemer, wenn sie sich von diesem Korsett befreite. Der Unterrock hatte einen elastischen Bund und war gleich unten, doch mit dem Korsett war es da schon schwieriger. Maria hatte es ihr jedes Mal an- und wieder ausgezogen. Es gab viel zu viele Schnüre, um es selbst zu machen, doch sie fand heraus, dass, als sie den untersten Knoten gelöst hatte, die Bänder alle von alleine durch ihre Löcher glitten und sie das Korsett schließlich ganz abstreifen konnte. Nun endlich konnte sie auch wieder frei atmen. Nun trug sie nur noch ihr spitzenbesetztes, baumwollenes Unterkleid aus weißem Stoff und ihre dicken, weißen Strumpfhosen, die mit lästigen Strapsen über ihren Knien gehalten wurden. Ginny entschied, sie anzubehalten – es war kalt im Schloss und sie würden sie warm halten. Nachdem sie ihre Schuhe wieder angezogen hatte, wobei das Blut von ihren zerkratzten Fingern die weiße Seide befleckte, kehrte sie zu dem Speisenaufzug zurück. Sie senkte die Ablage ein wenig, sodass sie durch die Öffnung darauf steigen konnte. Sie musste sich selbst hochziehen – die Kante ging ihr etwa bis zur Hüfte – doch sie schaffte es und nach wenigen Minuten saß sie auf dem Speisenaufzug, doch hielt die Seile fest gespannt, damit das Ganze nicht unter ihrem Gewicht nach unten krachte. Ginny warf der Tür einen letzten Blick zu und lauschte. Stille. Sie würde fliehen – jetzt oder nie. Mit einem tiefen Atemzug begann sie, an einem Seil ein wenig nachzulassen. Die Ablage quietschte und knarzte zwar, aber bewegte sie sich langsam nach unten und schien sie auch ohne viele Probleme auszuhalten. Bald wurde das sowieso schon spärliche Licht aus dem Zimmer noch dunkler und der enge Schacht, in dem sie sich befand, war bald in vollständige Dunkelheit getaucht. Sie war sich nicht sicher, wohin das hier führen sollte. Eine Hälfte von ihr betete, dass das Brett würde nicht unter ihr nachgeben und sie in den Tod stürzen lassen würde und die andere hoffte inständig, sie würde nicht in einem Raum hinauskommen, wo Tom und Maria waren. Sie fand heraus, dass nicht alle Öffnungen zu den Zimmern dahinter offen waren – der Rest hatte Läden, die alle geschlossen waren. Ginny passte nicht gut genug auf, sodass sie beim ersten Fenster fast vorbeigefahren wäre. Es dauerte einen Moment bis sie erkannte, dass Läden das Licht abhielten. Sie hielt inne, packte die Seile fester und horchte. Kein Geräusch drang an ihre Ohren. Konnte sie es wirklich wagen hinauszuspähen?
Sie würde es ja sowieso machen.
Sie stieß die Läden auf, was überraschend leicht ging. Kein Mensch war im Zimmer und es sah nach einem Raum aus, der eine Weile nicht genutzt worden war. Die Möbel waren mit gespenstischen, weißen Laken bedeckt, was dem Ganzen ein schauriges Aussehen gab.
„Hier bleibe ich," murmelte Ginny, froh darüber, dass schon das erste Zimmer, an dem sie vorbeigekommen war, leer war, sodass sie möglichst schnell von dem wackligen Speisenaufzug herunterkam. Es war ganz schön umständlich, an den Seilen vorbei zu kommen und sie dabei gleichzeitig festzuhalten, sodass das Brett nicht herunterfiel, während sie noch halb darauf war, doch sie schaffte es. Sie fiel zwar nicht gerade anmutig kopfüber auf den Boden, doch das machte ihr nichts aus – sie war so glücklich wie noch nie in dieser Welt. Sie war aus ihrem abgesperrten Zimmer geflohen, hatte die holperige Fahrt auf dem Speisenaufzug überlebt und konnte vielleicht das Schloss noch früh genug verlassen, um Draco abzufangen und zu warnen. Sie verdrängte die Tatsache, dass, auch wenn dies alles geschah, sie immer noch keinen Heimweg gefunden hatte und in einer Welt feststeckte, in der Tom sie die ganze Zeit verfolgen würde.
-XX-
Die Hufspuren im Schnee führten direkt zu einem dunklen Schloss mitten im Wald. Draco sah hinauf zu ihm, sah, dass sich die Umrisse gerade noch gegen den schwarzen Himmel abhoben und grinste freudlos. Wie wunderbar. Draco konnte beinahe sein Bein elegant über Jacks Sattel schwingen und abspringen, wenn sich nicht sein einer Fuß in dem Steigbügel verhakt hätte, wodurch er mit voller Wucht auf den Boden krachte. Er hielt einen besonders lauten Fluch zurück, aus Angst jemand könnte ihn hören und betrachtete seinen Fuß, der immer noch in dem Steigbügel hing; Jack warf den Kopf zurück und schnaubte, als wollte er sich über ihn lustig machen.
"Ja, zum Totlachen," schnaufte Draco leise und rappelte sich auf, innerlich dankbar, dass er sich den Knöchel nicht verstaucht oder sonst irgendwie schlimmer verletzt hatte. Er ließ Jack am Fuß der Treppe zurück, in der Hoffnung, das Pferd würde nicht abhauen und stieg zur Vordertür hinauf. Sie war schwer und hölzern, wie fast alle Türen in dieser Welt. Zu seiner Überraschung stand sie offen. Draco stand in der Türschwelle und kämpfte mit sich selbst, ob er Jack mitnehmen sollte. Es würde leichter sein, mit einem Pferd hereinzureiten und vielleicht sogar Tom niederzutrampeln, bevor er tödliche Sprüche aussprechen konnte…
Nein, dachte Draco, als ihm klar wurde, wie absurd das war. Außerdem wollte er Jack nicht in Gefahr bringen, weil er, obwohl das bescheuerte Vieh ihn vorhin ausgelacht hatte, Gefallen an ihm gefunden hatte. Also trat Draco ohne ihn ein und schloss sorgfältig die Tür hinter sich. Er befand sich in einer großen Eingangshalle, viel größer als die, die sie daheim in Malfoy Manor hatten. Sie machte sogar der Halle in Ginnys Palast Konkurrenz. Trotzdem war es dunkel, kalt und leer, ohne Möbel oder Lebenszeichen. Draco eilte schnell hindurch. Er hatte keine Ahnung, wo er zuerst suchen sollte. Alles was er wusste, war, dass hinter jeder Ecke Tom lauern konnte. Doch auf ein Treffen mit ihm war er nicht sonderlich erpicht; er war sich ziemlich sicher, dass Riddle ihn töten würde, sobald er ihn sah.
Doch würde er das wirklich?
Vielleicht, wurde Draco plötzlich klar, hat er all diese Spuren absichtlich hinterlassen, damit ich auch wirklich nachkomme.
Offensichtlich. Tom wäre nie so blöd und vergesslich gewesen, diese Beweise nicht zu vernichten, wenn er nicht wollte, dass jemand davon wusste.
Draco ging kopfschüttelnd und zu sich selbst murmelnd weiter. Fast zehn Minuten irrte er umher, jeder Korridor so leer wie der Vorherige, ohne etwas Besonderes zu hören oder zu sehen. Von Zeit zu Zeit schaute er in die Räume, obwohl er wusste, dass sie leer waren, weil keine Stimmen zu hören waren. Als er schon kurz davor war, anzuhalten und herumzubrüllen, dass er angekommen war, bog er um noch eine Ecke und wurde schließlich doch angegriffen. Jedoch nicht von Tom. Es war Ginny. Sie schlug ihm ein- oder zweimal mit den Fäusten auf die Brust, bevor sie begriff, dass er es war. Wütend packte er mit je einer Hand ihre Handgelenke.
„Beruhige dich, Weasley. Ich bin's nur."
Auf ihrem bleichen Gesicht breitete sich ein erleichtertes Lächeln aus.
„Gut," sagte sie atemlos, doch ihr Lächeln verblasste bald. Draco achtete nicht darauf. Er ließ ihre Hände los und sah an ihr herunter.
„Warum läufst du nur in deiner Unterwäsche herum?" fragte er und seine Gedanken wanderten argwöhnisch zu Tom.
„Das ist nur mein Unterkleid," sagte Ginny abwesend, doch ging nicht weiter darauf ein. Wenn man Draco fragte, sah das eher nach einem knappen Nachthemd aus.
„Komm schon, Draco, wir müssen abhauen, bevor Tom bemerkt, dass ich weg bin. Er hat dich erwartet-,"
Sie nahm seine Hand und führte in den Korridor in die Richtung hinunter, aus der er gekommen war.
„Das habe ich auch vermutet," sagte Draco, „Hat er denn nicht schon bemerkt, dass du geflohen bist? Wie hast du das überhaupt angestellt?"
„Das ist eine lange Geschichte, Draco, doch ich verspreche, dass ich sie dir erzähle, wenn wir hier draußen sind," antwortete Ginny schnell und bog um die nächste Ecke. „Geht es hier zum Ausgang?"
„Weiß ich nicht," gestand er, „Ich habe die Orientierung verloren."
Ginny warf ihm über die Schulter einen ärgerlichen Blick zu. „Toll." Dann fügte sie hinzu, „Bist du auf einem Pferd gekommen?"
„Nein, auf einem Besen," kicherte Draco. Sie drehte wieder den Kopf, um zu erwidern, doch hatte keine Chance mehr dazu. Sie hielt an und starrte über Dracos Schulter, wobei sich ihre Lippen vor Enttäuschung anspannten und ihre Augen dunkler wurden. Draco wusste, wer es war, ohne dass er sich überhaupt umdrehen musste; doch er tat es und natürlich erblickte er Tom am Ende des Ganges. Mit Ginnys Magd Maria.
„Wie schön, dass du gekommen bist, Draco," sagte Tom kalt; in seiner Hand hielt er einen Zauberstab, „Doch ich denke, wir brauchen dich im Moment nicht."
Ginnys Griff um seine Hand verstärkte sich und sie trat unwillkürlich einen Schritt näher in seine Richtung. Draco musste zugeben, dass er etwas verspürte, das er sonst nie zuließ: Angst.
„Stupor," zischte Tom mit dem Zauberstab auf Dracos Brust gerichtet. Er hatte keine Zeit zu reagieren. Sofort war sein Gehirn wie leergefegt, um ihn wurde es schwarz und Draco war bewusstlos, noch bevor er auf dem Boden aufschlug.
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Please let me know what you think.
At blub: Richtig bööhse, was Tom da mit Ginny machen will, oder?
At Zutzi alias Susi: Ohja, es hat wenigstens nicht so lang gedauert, wie das letzte… Ein Fortschritt! Und außerdem ist ja das das Kapitel der vielen Antworten…;)
At Valpuri: Draco ist wirklich der totale Held…. xD
At Sunnylein: Nein, so schrecklich lang wie das letzte hat es nicht gedauert…:)
At Aldavinur: Also um ihre Hochzeitsnacht ist sie herumgekommen, aber ich glaub, im Gegensatz zu dem, was sie jetzt erwartet, wäre ihr doch die Hochzeitsnacht lieber…
At Fullmoons-Rose: Danke, dass du es mir gesagt hast, das mit dem Jungfernblut, aber es ist ja eine Übersetzung und so steht es im Originaltext. Trotzdem danke!
At Sanny: Hat gar nicht so furchtbar lang gedauert, wie das letzte… Danke für deinen Review noch einmal.
At Tanze: Danke, solche Reviews bauen mich immer auf….:) Schön, dass es dir gefällt!
At IndigoNightOwl: Oh mein Gott, ist das peinlich, mit den Phiolen… Ich hoffe, nicht so viele Leute haben's gemerkt… Du hast mich voll verunsichert, weil du gesagt hast, dass du eine Stelle nicht verstanden hast… Ich hoffe, ich hab nichts falsch übersetzt. Welche Stelle war das denn?
At Ninaissaja: Ja, ich weiß, wie nervig das ist, wenn jemand ewig nicht weiter schreibt… Aber die Kapitel sind auch immer so schrecklich lang!
At D.V.G.M.1: Ach, das macht mir nichts, ich brauch auch immer so lang…
