Epilog II

So saß Ginny nun hier in ihrem Hochzeitskleid (zum Glück ohne Korsett) und starrte sich selbst im Spiegel an. Ihr Haar war in einem sexy Knoten nach oben gesteckt, wobei mehrere Strähnen lose an ihrem Hals hinunterfielen und ihr Schleier saß auch perfekt auf ihrem Kopf. Ihr Kleid war extravagant – sogar noch mehr als das, welches sie auf ihrer ersten Hochzeit getragen hatte. Es war aus Seide angefertigt und hatte die Farbe von hellem Elfenbein. Die Träger waren schmal – Nach Ginnys Meinung viel attraktiver als Puffärmel – und der Ausschnitt war nicht so tief. Das Mieder war mit einer beperlten Stickerei verziert, die aussah wie eine Weinrebe und sich über ihre Hüfte hinunter bis auf den Rock zog. Es war natürlich teuer gewesen, doch da die Familie der Malfoys für fast alle anderen Sachen aufkam, hatten die Weasleys sich es leisten können.

Ihre Umgebung war im Moment etwas weniger elegant. Im Fidanzato Sala hatte sie ihren eigenen kleinen „Umkleideraum" gegenüber der Hochzeitshalle gehabt. Doch nun, da die Zeremonie nicht dort stattfand, hatte man eine neue Umkleidekabine errichten müssen. Diese bestand aus vier Stofflaken, die mit Magie an der Decke gehalten wurden, und befand sich genau neben der Tür, die hinaus in den Hof führte. Das einzige, das in dieser Umkleide stand, war ihr Schminktisch und die Schachtel mit ihren Schuhen. Die musste sie noch anziehen. Ginny hatte alle aus der „Kabine" verscheucht, weil sie ein paar Minuten für sich alleine haben wollte. Sie konnte Musik hören und wusste von der Probe am Abend zuvor, dass die Blumenmädchen jetzt den Gang hinaufgingen. Bald war sie dran. Bald würde sie dort auf Draco zugehen. Um ihn freiwillig zu heiraten. Sie war nervös, das war nicht abzustreiten. Doch im Gegensatz zum letzten Mal, als sich ihr ganzer Körper wie ein Eisblock angefühlt hatte, waren dieses Mal nur ihre Füße taub. Dieses Mal hatte sie wirklich nur kalte Füße. Jeder hatte das. Das war nur natürlich. Dieses Wissen war komischerweise eher beruhigend als erschreckend. Während Ginny sich selbst in die Augen starrte, schossen ihr verschiedene Dinge durch den Kopf, doch eine beschäftigte sie vor allem: wie war es dazu gekommen? Es war nicht diese „Oh mein Gott, auf was habe ich mich da nur eingelassen?" -Frage, die sich manche Leute in diesem Augenblick vielleicht stellten. Sie war eher aus Neugier entstanden. Wer hätte schon ahnen können, dass gerade der Mensch, den sie eigentlich nie als menschliches Wesen hatte sehen können, am Ende ihr Lebenspartner werden würde? Sicher wäre sie nie darauf gekommen. Doch in den letzten 2 ½ Jahren hatte sich viel geändert und sie wusste es jetzt. Sie wusste nun, dass Dinge nicht immer das waren, als was sie erschienen.

„Ginny," rief die Stimmer ihres Vaters, „Ginny, bist du fertig?"

„Ja, Dad," antwortete sie.

Sie beugte sich vor, um ihre Schuhe anzuziehen. Dann warf sie noch einen letzten Blick in den Spiegel und lächelte breit. Einen Augenblick später trat sie aus ihrem mickrigen Umkleideraum. Die letzten ihrer Brautjungfern traten schon hinaus in den Hof. Hermione schenkte ihr ein blitzendes Grinsen, bevor sie im gleißenden Sonnenlicht draußen verschwand.

„Ginny, Liebes," sagte Arthur freundlich und bot ihr seinen Arm an, „Es ist fast soweit."

Sie lächelte zurück und nahm seinen Arm. Doch sie antwortete nicht. Sie starrte nur geradeaus auf die Türen. Eigentlich war es nur eine Tür, doch jemand hatte einen Dehnungszauber angewandt und noch einen Flügel zur Tür hinzugefügt, damit es ein wenig mehr nach Kirche aussah. Ginny war dankbar dafür.

„Bist du bereit, Ginny?" fragte Arthur leise und sie drehte den Kopf, um seinem Blick zu begegnen. „Ich meine, wirklich?"

„Ja, Dad," gab sie absolut ernst zurück, „Das bin ich."

Er schenkte ihr ein halbes, trauriges Lächeln und tätschelte ihre Hand.

„Ich kann sehen, dass er dich liebt," sagte er gedämpft, „Ich kann es sehen. Und ich weiß, dass du ihn liebst. Ich hoffe, das reicht."

Dann wandte Arthur seinen Blick ab und starrte wieder die Tür an. Ein Lächeln breitete sich über ihr Gesicht, als sie sein Profil musterte. Oh, er war zu gutmütig mit ihr. Wie ihre ganze Familie. Sie hatte ein solches Glück.

Die Doppeltüren öffneten sich durch Magie. Helle Sonnenstrahlen trafen Ginnys Augen und sie musste blinzeln. Sie schickten sich an hinauszutreten und das zweite Mal in ihrem Leben schritt Ginny den Mittelgang zu Draco Malfoy hinunter.

„All you need is love," flüsterte sie entschlossen.