Danke an meine drei Kommischreiber hier. araglas16, NicoRobin2005 und Zuckerfee, ich habe mich wirklich gefreut. Jetzt, geht es auch weiter. Mal sehen, was ihr sagt...

3. Arztbesuche

„Und das ist Kai? Du hast mir ja schon einiges am Telefon erzählt. Ein interessanter Fall. Ich nehme ihn gleich mit zum Durchchecken.", sagte der Arzt zwar an Rei gewandt, sah aber Kai an. Rei nickte nur und schob Kai, der sich nicht rührte, ein Stück an. Der Arzt, Morisato, ging schon voraus. Kai stand neben ihm und machte keine Anstalten sich weiter zu bewegen.

„Nun geh schon.", drängelte Rei. Der Graublauhaarige machte sich noch etwas größer, bevor er letztendlich doch noch dem Arzt folgte, ganz wie als wollte er sagen: „Ich hab keine Angst". Rei sah ihm nach. Irgendwie kam ihm da Bild komisch vor. Er machte sich aber keine weiteren Gedanken deswegen, sondern gesellte sich in das Wartezimmer. An einem Regal blätterte er ein paar ältere und neuere Zeitschriften durch. Rei hatte auf dem Weg hierher den Eindruck gehabt, dass Kai den Arztbesuch nicht gut fand. Er hatte sich zwar nicht gewehrt oder was anderes dagegen gesagt, aber irgendwie war ihm so, als versuchte er schon den ganzen Morgen alles ein bisschen hinaus zuzögern. Na ja, er konnte es verstehen, er mochte auch keine Arztbesuche.

Rei musste gar nicht so lange warten, wie gedacht, da öffnete sich auch schon die Tür zu den Untersuchungsräumen. Kai kam mit dem Arzt im Schlepptau schnell wieder heraus. Nach seinem Gesichtsausdruck zu urteilen hat es ihm nicht sonderlich gefallen. Der Graublauhaarige ging auf Rei zu, blickte ihn an und umrundete ihn. Es schien als würde er jetzt die Zeitschriften anschauen, bei denen er selbst bis eben noch gestanden hatte.

„Kai?", verwirrt schaute Rei ihm wieder nach. Doch der zeigte ihm nur seinen Rücken.

„Was ist mit ihm?", fragte er an den Arzt gewandt.

„Ich hab ihm gesagt, dass ich noch mit dir sprechen möchte. Setzen wir uns?" Er deutete auf ein paar Stühle, wobei er sich schon setzte. Rei nickte und tat es Morisato gleich. Der Schwarzhaarige sah den Arzt abwartend an.

„Das was ich dir jetzt erzähle, habe ich auch Kai schon erklärt. Er war damit einverstanden, dass du weiterhin mit einbezogen wirst. Immerhin bist du zur Zeit seine einzige Bezugsperson."

Rei nickte wieder, diesmal um zu zeigen, dass er verstanden hatte. Irgendwie hörten sich diese Worte schwer an. Einen kurzen Augenblick fragte Rei sich, ob das überhaupt ging. Er sah zu Kai hinüber. Dieser zeigte ihnen nicht mehr so offen seinen Rücken, er stand jetzt eher seitlich, schräg zu ihnen.

„Sehr gesprächig ist dein neuer Freund nicht, oder?", begann Morisato sein Gespräch.

„Nein, nicht wirklich. Sie haben doch trotzdem was rausgekriegt?", fragte Rei. Er befürchtete schon Kai hätte sich stur gestellt und alles verweigert. Er konnte es ihm zutrauen.

„Ja, nach ein paar Zögern hat er dann gut mitgemacht. Aber, Rei, du weißt, du hättest ihn sofort zu einem Arzt bringen sollen? Es gibt genug Praxen und Krankenhäuser. Wenn er Verletzungen hätte, hätte er dort sofort behandelt werden können.", wies ihn Morisato noch ein mal zurecht. Am Telefon hatte er sich auch schon so etwas anhören dürfen. Aber diesen Arzt kannte er und bei Fremden wusste man nie woran man war. Dass Rei fremden Ärzten nicht so recht traute, war seinem Hausarzt bekannt. Morisato durfte irgendwann das ganze Team von dem Schwarzhaarigen als seine Patienten begrüßen. Jetzt kam noch einer aus Reis Obhut hinzu.

„Ich weiß, aber er schien ja nicht sterbenskrank und wir haben uns gut um ihn gekümmert.", versicherte Rei und fügte noch etwas an, als er sich die Worte des Arztes noch einmal genauer durch den Kopf gehen ließ.

„Heißt das, er ist in Ordnung?" Wieso redeten Ärzte immer so lange, anstatt gleich mit der Sprache rauszurücken? Was war jetzt mit Kai und seinem Gedächtnisverlust? Was fehlte ihm denn?

„Körperlich scheint er soweit fit zusein, ja.", war der Arzt gnädig und fing an ihn mit wissenswerteren Informationen zu füttern.

„Du sagtest, er hätte eine Beule am Kopf gehabt, als du ihn fandest. Ich konnte auch noch eine kleine ausmachen. Wie du vermutest, könnte diese von einem Unfall herführen. Kennst du dich mit Amnesie aus?" Rei schüttelte den Kopf. Er wusste zwar, was das war, aber irgendwo musste es doch einen Haken geben. Und so war es dann auch, als Morisato ihn über die verschiedenen Arten der Amnesie aufklärte. Bis zu einem gewissen Punkt verstand er alles, aber als der Arzt anfing mit Fachwörtern zu jonglieren, konnte er fühlen wie sich in seinem Kopf langsam ein Knoten bildete. Er beschloss, nur auf Wörter zu achten, die er auch kannte und irgendwie war das ganze sogar in eine einfache und verständliche Sprache zu übersetzen. Letztendlich hatte er einen guten, kleinen Überblick. Blieb nur noch die Frage...

„... was jetzt mit ihm passieren soll. Er kann nicht alleine bleiben und wir wissen nicht, wie lange dieser Zustand noch anhalten wird. Sein Erinnerungsvermögen ist jetzt sozusagen zwei Tage alt. Obwohl er noch über Allgemeines Bescheid weiß, ist ihm an persönlichem nichts geblieben." Er machte eine kurze Pause. „Ich würde oder eher müsste ihn in ein Krankenhaus verweisen. Dort kann man sich gut um ihn kümmern und er würde auch beobachtet werden." Morisato beendete seinen Vorschlag und wartete Reis Antwort ab. Dieser reagierte nicht sofort, blickte erst zu Kai über dem die ganze Zeit geredet wurde. Inzwischen hatte dieser sich von den Zeitschriften abgewandt und sah aus einem Fenster. Ja, Worte konnten sogar noch schwerer werden.

„Nein.", äußerte Rei, dann fiel sein Blick wieder auf seinen eigentlichen Gesprächspartner. „Ein Krankenhaus? Ist das wirklich nötig? Er kann doch weiterhin bei mir bleiben. Ich kann genauso gut auf ihn aufpassen und uns kennt er schon. Dort wäre er ganz alleine. Wenn es ihm schlecht gehen sollte, bringe ich ihn natürlich wieder hier her. Das ist doch viel besser und er hat eine größere Umgebung. Er kriegt viel mehr zu sehen. Vielleicht hilft ihm das sich eher zu erinnern, wenn er mehr Eindrücke bekommt.", versuchte Rei zu erklären, in der Hoffnung dem Arzt es irgendwie verständlich zumachen. Er wollte nicht, dass Kai in ein Krankenhaus oder sonst eine Einrichtung gesteckt wird. Morisato ließ ein Seufzen vernehmen.

„Ich hatte mir gedacht, dass du so etwas sagen würdest. Wenn er dich nicht schon kennen würde, könnte ich das jetzt nicht sagen: In diesem Fall sehe ich dich als einen Angehörigen an. Ich frage dich, Rei: Hast du Zeit für ihn? Schaffst du das?" Morisato sah ihn an , bevor er sich zu einem Punkt hinter Rei wendete.

„ Klar, so schwer kann Babysitten ja nicht sein", grinste Rei schief. Er hatte wieder seinen Kopf durchbekommen.

„Wenn sich sein Zustand verschlechtert, kommt ihr wieder her."

„Natürlich.", meinte Rei, sah auf und drehte sich zur Seite. Kai stand direkt hinter ihm. Wann war das geschehen? Hatte er das „Babysitten" etwa noch mitgekriegt?

„Für dich geht das doch auch in Ordnung?", fragte er an Kai gewandt. Dieser gab nur ein halbes Nicken und ein Schulterzucken zur Antwort. Seine Standartantwortwie Rei aufgefallen war.

Nach all dem Gesagtem schien es, als hätte der Schwarzhaarige nun irgendwie die ganze Verantwortung für Kai übernommen. Sie waren wieder auf dem Weg nach Hause und gingen langsam die Straße entlang, gerade überquerten sie eine Ampel.

„Kai? Gehen wir auf dem Rückweg an der Schule vorbei und holen die anderen ab? Sie müssten gleich Schluss haben." Kai nickte. Sie liefen schon eine Weile schweigend nebeneinander her. Beide hingen sie ihren Gedanken nach. Genügend Stoff hatten sie ja jetzt dafür bekommen. Zumindest nahm Rei an, dass Kai auch über den Vormittag nachdachte. Bei ihm war das schwer zu sagen. Er hatte jedenfalls die Hoffnung, dass auch dies sich mit der Zeit ändern würde. Immerhin ist er noch keine drei Tage bei ihnen. Seine Zurückhaltung wird sich wohl nicht auf einmal in Luft auflösen. Er hoffte, Kai würde irgendwann von alleine rauskommen und wenn nicht, dann lockte er ihn eben heraus, ganz so wie heute morgen.

„Noch fünf Minuten.", informierte Rei den Graublauhaarigen, als sie am Schulhof ankamen. Rei kletterte auf eine Mauer und setzt sich im Schneidersitz hin. Jetzt war er auf der gleichen Augenhöhe mit Kai. Das Sorgenkind stellte sich einfach neben ihn hin und blieb weiter so ruhig.

„Hast du schon Hunger, Kai? Die haben hier eine Cafeteria, da könnten wir was essen." Kai zuckte mit den SchulternIhm war es anscheinend egal.

„Du isst nicht gerade viel, hm?" Auch das war ihm schon aufgefallen. Es war nicht so, dass er viel zu wenig aß, aber mit Tyson und Max, den beiden Kühlschrankräumern, war er auch nicht zu vergleichen. Ob das schon immer so bei ihm war? Von Kai bekam er nur ein weiteres Schulterzucken als Antwort.

„Du bist aber auch gesprächig.", stellte der Schwarzhaarige fest und wuschelte ihm durch die Haare. Kai drehte seinen Kopf weg, zur anderen Seite, weg von ihm. Einen Moment verstand Rei nicht, bis... Er sprang von der Mauer runter

„Oh, Kai, tut mir leid, so meinte ich das nicht. Man kann sich ja auch anders unterhalten, ohne Worte.", versuchte er sich irgendwie zuretten. Er glaubte, dass Kai ihn falsch verstanden hatte oder irgendwie zu persönlich nahm. Er versuchte Kai anzusehen.

„Kai, das..."

Doch dieser drehte sich nur weiter weg und ging einfach auf den Schulhof. Rei sah ihm verdutzt hinterher. Er hatte gerade noch so einen Blick auf Kais Gesicht erhaschen können. Hatte er sich das nur eingebildet oder hatte Kai tatsächlich ein wenig geschmunzelt? Schnell ging Rei ihm nach, der Graublauhaarige war inzwischen an einer Reihe Bänke angekommen. Der Schwarzhaarige freute sich Kai sah wie immer aus und egal, ob er es sich nur eingebildet hatte oder nicht, Kai nahm es ihm anscheinend nicht übel.

Die Schulglocke läutete und sofort schlugen die Türen des Gebäudes auf. Eine schwatzende Menge verteilte sich, froh endlich wieder auf freiem Fuß zu sein, während Rei und Kai warteten. Nach einem Moment kamen auch die drei Gesuchten durch eine der Türen und entdeckten sie gleich.

„Kommt ihr gerade vom Arzt?", fragte Max neugierig.

„Ja-", fing Rei an, bevor Tyson ihn unterbrach.

„Können wir das nicht zu Hause besprechen? Ich krieg allmählich Hunger!" Der Blauhaarige zog an Reis Jacke, um ihn vorwärts zu bewegen.

„Das wollte ich eigentlich auch gerade vorschlagen. Lasst uns lieber erstmal nach Hause. Oder Kai?", fragte Rei nach, während er Tysons Finger von seiner Jacke löste. Von Kai kam eine eher undeutliche Antwort, vielleicht war es in irgendeiner Weise auch eine deutliche, wenn es überhaupt eine Antwort war. Er beließ es dabei und sie machten sich auf den Weg.

„Sag mal, Rei, wie machen wir das jetzt eigentlich?", fragte Max auf einmal, nach dem er sich umgedreht hatte. Sie hatten den die Hälfte des Weges hinter sich und er ging mit Tyson und Kenny vor Rei und Kai.

„Wie machen wir was?", fragte Rei verwirrt zurück.

„Na, wenn die anderen kommen. Die White Tigers.", meinte Max und sah ihn mit großen Augen an, als wollte er sagen „Wie konntest du das vergessen?".

„Ach so. Darüber hab ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Ich wollte erst einmal abwarten und hoffe, dass wir in der Zwischenzeit mit Kai etwas weiter sind. Wir haben ja noch drei Wochen bis zu ihrer Ankunft Zeit.", überlegte Rei und sah dabei auf die Straße, die von parkenden Autos halbverdeckt war. Zwei Kinder spielten mit einem Ball auf dem gegenüberliegenden Bürgersteig.

„Aber, sie wollten doch jetzt schon früher kommen." Max sah ihn erstaunt an. „Und zwar Ende nächster Woche. Sie hatten doch angerufen."
Der Ball prallte mit einem Knall gegen ein Auto und blieb mit einem dumpfen Rascheln in der Hecke stecken. Rei fiel aus allen Wolken.

„Bitte, was? Wieso weiß ich nichts davon?"

„Ich hab es Tyson gesagt, dass er dir das sagen soll.", sagte Max und schielte zu Tyson rüber. Dieser tat unschuldig.

„Was? Ich hatte ihm ein Zettel hingelegt. Ich hatte es selbst eilig.", verteidigte er sich.

„Nie bei mir angekommen. Danke." Jetzt war es eh nicht mehr zu ändern.

„Das kriegen wir schon hin. Sie sind ja nur über eine Nacht da.", überlegte Rei weiter. „Wir müssen einkaufen gehen."
Kai hatte dem Ganzen aufmerksam zu gehört und runzelte nur leicht die Stirn.