Alles entwickelt sich weiter, und irgendwie läuft die Geschichte nicht wie geplant. Sie gleitet mir sozusagen aus den Fingern. Wahrscheinlich werde ich den Titel ändern müssen, aber darüber bin ich mir noch nicht Sicher.

6. Die Weasleys

„Ich gehe dann zu den Weasleys, räumst schon mal weiter auf, Winky." Die kleine Hauselfe verneigte sich tief. „Wie ihr wünscht Meister."

Mit einem leisen Plopp disapparierte Harry.

Kurz vor dem Fuchsbau tauchte er wieder auf. Langsam schlenderte der junge Zauberer über den Hof, es war schon fast ein Uhr.

'Kein Wunder, wenn man bis spät in die Nacht hinein arbeitet', dachte er.

Und sein Schlaf hatte sich auch sehr abwechslungsreich gestaltet. Zwischen Bett und Bücherregal. Harry hatte noch ein Buch über Stummzaubern fertig lesen wollen, doch sein Geliebter hatte etwas anderes im Sinn gehabt. Worüber sich Harry auch nicht hatte beschweren wollen, genoss er es doch in vollen Zügen.

Auf einmal machte es neben ihm zweimal Plopp.

Der Jungzauberer fuhr blitzschnell herum und hielt seinen Zauberstab gezückt. Vor ihm stand Charlie Wesley mit lachend hochgehaltenen Händen. „Das ist aber eine tolle Begrüßung", meinte er schmunzelnd.

Harry steckte seinen Zauberstab wieder weg, aber nicht ohne den jungen Mann neben Charlie noch einen musternden Blick zu zuwerfen.

„Das ist Thomas. Thomas, das ist Harry." Beide reichten sich die Hände und Charlies Freund konnte es nicht unterdrücken seinen Blick über Harrys Narbe wandern zu lassen.

„Freut mich dich kennen zu lernen Harry", meinte er nun.

Thomas war ungefähr so groß wie Harry und hatte kurze braune Haare, sein Gesicht war gebräunt und seine hellblauen Augen hatte einen leichten grünlichen Stich.

„Ron hatte erwähnt, dass Charlie noch jemanden mitbringt. Arbeitet du mit ihm in Rumänien?"

„Ja, dort haben wir uns kennen gelernt." Thomas warf Charlie einen warmen Blick zu. Harry bemerkte aus dem Augenwinkel, wie er in einer zärtlichen Geste die Hand des anderen berührte.

„Wir sollten weitergehen, die anderen erwarten uns bestimmt schon. Mutter wird in letzter Zeit immer hibbelig, wenn jemand nicht rechzeitig da ist."

„Ist ja auch verständlich", meinte Harry mit einem traurigen Lächeln.

„Sag mal Harry", grübelte Charlie und warf ihm einen musternden Blick zu, „seit wann trägst du denn einen Ohrring? Hab ich bei dir noch nie gesehen, ganz zu schweigen davon, dass du auf einmal keine Brille mehr hast."

„Ach, den Ohrring hab ich von meinem Paten bekommen. Er hatte damals viel Zeit und hat einen kleinen nützlichen Zauber erfunden. Und die Augen hab ich mir Lasern lassen. Da es keinen Zauber für so was gibt, habe ich es bei den Muggeln machen lassen. Ist bei denen eine ganz neue Erfindung."

Das Gesicht Harrys zierte ein schleimisches Grinsen. Man sah ihm kein Stück an, dass das mit dem Lasern eine reine Lüge gewesen war, die er sich vorher zurechtgelegt hatte.

„Mit Muggelsachen kenn ich mich nicht aus. Aber darf man fragen, was für einen Zauber dein Pate da drauf gesprochen hat?", mischte sich nun Thomas ein.

„Nein, eher nicht, dann brächte der Zauber nichts mehr."

„Harry mein Lieber, da bist du ja endlich!", rief Mrs. Weasley aufgeregt und erdrückte Harry fast.

„Und du auch Charlie!" Glücklicherweise ließ sie nun von Harry ab und wandte sich Charlie zu um ihn zu erdrücken.

Nachdem auch noch Thomas herzlich begrüßt wurde, gingen sie alle raus in den Garten, wo die anderen schon an der Essenstafel saßen.

Am einen Ende des Tisches saß die Familie Delacour zusammen mit Bill, danach kamen die Zwillinge, Ron, Hermine, Ginny, Remus, Tonks, Mr. und Mrs. Weasley am anderen Ende.

Nach einer ausgiebigen Begrüßung setzten sich Thomas und Charlie gegenüber von Hermine und Ginny. Harry quetschte sich genau zwischen die Mädchen.

Nun, da alle da waren, konnte endlich gegessen werden.

Noch mal kam seine kleine Lüge mit dem Lasern zum Zuge, doch vor Hermine musste er etwas vorsichtiger sein. Sie wusste bestimmt, dass es etwas länger dauern würde, bis er danach wieder vollkommen sehen konnte. Auch wenn sie kein Wort dazu sagte.

„Moh wohlnt du jetmt eigentli, Arrh." fragte Ron mit vollem Mund. (A/A: Übersetzt ohne vollen Mund heißt das so viel wie: „Wo wohnst du jetzt eigentlich, Harry.")

„Kann ich dir nicht sagen, Fidelius."

„Oh, schade", meinte er nur noch und schaufelte sich schon wieder den Mund voll.

„Was hältst du eigentlich vom neuen Schulsystem, muss dir doch ziemlich gefallen, nicht war? Jetzt kannst du alle Fächer belegen, die du willst, auch ohne Zeitumkehrer", wandte er sich an seine Freundin.

„Es ist schon eine große Möglichkeit, doch für die Minderjährigen wird das schwer. Ginny hat erzählt, dass alle Minderjährigen einen Schutzzauber bekommen, damit keiner ihrer Zauber, wenn er zu sehr daneben geht, Schaden anrichtet. Ich fände das nicht schön. Zum Glück hatte ich schon letztes Jahr Ende September meinen siebzehnten Geburtstag."

„Ich hatte gar nicht daran gedacht, wie es mit den Minderjährigen ist. Ich war so froh endlich zaubern zu können, wann ich will, dass ich es einfach vergessen hab."

Harry und Hermine diskutierten noch eine Zeit lang über das neue Schulsystem. Ginny ließ es sich natürlich auch nicht nehmen ihren Senf dazu zu geben und so waren die drei verstrickt in die Vor- und Nachteile des Hogwarts-Eulenexpress Systems.

Plötzlich bemerke Harry, was ihm bis jetzt an dem Bild von Charlie und Thomas nicht gefiel, denn die beiden unterhielten sich schon beinahe gezwungen mit Lupin über Drachen und Harry konnte beobachten, wie Thomas' Hand unter den Tisch wanderte und sich verdächtig in die Richtung von Charlies Bein bewegte.

Der junge Zauberer musste sich ein Grinsen verkneifen. Warum erfuhr er hier immer als letzter was Sache ist? Sie hätten ihm doch sagen können, dass Thomas und Charlie zusammen sind und er wundert sich, warum Charlie einen Freund zu Familienessen mitbringt. Er wollte gerade sein Wort an Ron richten, warum er es ihm denn nicht gesagt hatte, als Mrs. Weasley zu ihrem zweitältesten Sohn meinte: „Wann bringst du uns eigentlich endlich eine Freundin ins Haus? Ich kann mich nicht daran erinnern, dass du uns je eine deiner Freundinnen vorgestellt hast. Bill wird bald heiraten und du willst uns noch nicht mal deine Freundin vorstellen?" Harry schluckte. (A/A: Konstruiertes Timing ist doch immer toll) (B/A Sowieso. War aber total vorhersehbar.)

Gut, das er nicht nachgefragt hatte, aber täuschte er sich wirklich und Charlie war nicht schwul? Harry beobachtete sie genau und bemerkte, wie sie sich beide unmerklich anspannten. „Es ist doch nicht so wichtig, ob du sie kennen lernst oder nicht, Mum. Wenn ich jemanden gefunden habe, mit dem ich mein Leben verbringen möchte, verspreche ich dir, bekommst du das noch vor meiner Hochzeit mit."

So ging die Diskussion der beiden weiter und am Ende war sich Harry hundertprozentig sicher, dass Charlie und Thomas zusammen waren. Warum bemerkte das nur keiner.

„Komm schon Charlie, stell uns deine Freundin vor!", meinten die Zwillinge im Chor. „Selbst Ronnylein hat uns seine Freundin vorgestellt."

„Was?!", Harry fuhr herum.

„Warum weiß ich davon nichts, Ron! Wer ist es? Hast du es endlich geschafft, Hermine zu fragen, ob sie mit dir ausgeht?!"

„Bingo!", riefen die Zwillinge im Chor.

Und neben ihm nahmen Ron und Hermine eine dunkelrote Färbung an.

„Na toll, warum erfahre ich so was nie!?"

„Hätten wir dir noch gesagt", flüsterte Hermine in sich hinein.

Harry schmollte noch eine Zeit lang in sich hinein, bis er letztendlich aufgab und sich mit den anderen amüsierte.

„Hey Charlie, kann ich mal kurz mit dir reden? Ist wichtig", flüsterte Harry seinem Gegenüber zu, als sich die kleine Party bereits ihrem Ende entgegen neigte.

„Ja, klar. Lass uns ins Haus gehen, da sind wir ungestört. Wartest du hier, Thomas? Bin gleich wieder da."

Sie standen beide auf und entfernten sich vom Tisch. Es bemerkte kaum jemand, denn Mr. Weasley hatte schon vor einer Stunde die Eierflips und den Feuerwhiskey rausgeholt.

„Also, was willst du Harry?", fragte Charlie den jüngeren, als sie in der Küche standen.

„Warum erzählst du deinen Eltern nicht einfach, dass du mit Thomas zusammen bist?", platzte es aus ihm heraus.

Er hatte die ganze Zeit darüber nachgedacht, wie er es am besten fragen könnte, doch die beste Methode war doch auf den Punkt kommen, oder?

„Ahm…", Charlie errötete leicht,

„Woher weißt du das?"

„Das war nur zu offensichtlich, muss man nur ein bisschen drauf achten. Jedem wäre es aufgefallen, wenn sie euch neutral betrachten würden. Also warum? Aus Angst vor der Reaktion?"

„Ja, ich weiß nicht, wie sie reagieren würden. Wir kennen sonst niemanden, der schwul ist und was wenn sie etwas dagegen haben? Es ist leichter das Ganze so zu handhaben. Ich könnte es nicht ertragen, wenn mein Vater mich zum Beispiel noch mehr ignorieren würde als Percy. Verstehst du, was ich meine?"

„Ja schon, aber glaubst du, es würde so schlimm werden?" Nachdenklich biss er sich auf die Lippen. Was würden seine Freunde wohl von ihm denken, wenn sie wüssten, dass er was mit einem wildfremden Mann hatte. Er würde sie nicht verlieren wollen.

„Weißt du Harry, es ist sowieso egal. Bald werden sie es erfahren. Thomas und ich wollen heiraten. Wir sind jetzt schon seit drei Jahren zusammen. Spätestens dann werden sie es erfahren. Jetzt fühl dich bitte geehrt. Du bist der erste, der es erfährt."

„Herzlichen Glückwunsch! Wann ist es denn soweit?"

„Ende nächsten Jahres erst, ein genauer Termin steht noch nicht fest. Aber wir schicken dir eine Einladung, wenn du kommen willst."

„Klar will ich! Irgendwie sind in letzter Zeit alle im Heiratsfieber, kann das sein?"

„Wahrscheinlich liegt es daran, dass du-weißt-schon-wer zurückgekehrt ist und alle auf einmal eine Familie möchten, an die sie sich lehnen können. Einen Ort, wo sie Geborgenheit finden. Ich kenne viele Paare, denen es so geht. Oft heiraten sie, obwohl sie sich noch nicht so lange kennen. Nimm nur Bill und Fleur. Sie waren gerade mal ein halbes Jahr zusammen, bevor sie beschlossen haben zu heiraten."

„Ja, wäre möglich. Wir sollen wieder raus gehen, Thomas kommt uns schon suchen." Harry, der die ganze Zeit nach draußen gelauscht hatte, hörte Thomas flüstern, wo sie denn wären, als würde er neben ihm stehen.

„Okay, aber noch eins, Harry. Sag es niemandem, versprich es mir."

„Natürlich verspreche ich's dir, ist doch Ehrensache."

Sie wollten sich gerade umwenden, als Thomas die Tür öffnete.

„Da seid ihr ja, ich hab mir schon Sorgen gemacht, wo ihr denn bleibt."

Harry begann zu schmunzeln.

„Mach dir mal keine Sorgen, ich tu deinem Liebsten schon nichts an."

Harry wollte sich gerade an dem Anderen nach draußen drängen als sich dieser an ihn wandte. „Du weißt es? Und es macht dir nichts aus? Also, dass wir zusammen sind?"

„Nein, warum sollte es? Schließlich hat mich Charlie auch gerade zu eurer Hochzeit eingeladen. Eher im Gegenteil, ich freue mich für euch."

„Danke", lächelte Thomas erleichtert.

Der Abend endete fröhlich und alle machten sich auf den Weg in die Betten oder nach Hause. Zum Glück hatte Harry nicht so viel getrunken, sonst hätte das mit dem Apparieren schrecklich schief gehen können.