Eigentlich war dies hier mal ein ziemlich langes Kapitel, aber weil meine Beta nicht sehr weit gekommen ist, in letzter Zeit, habe ich beschlossen es in zwei Teile zu teilen und daraus zwei kürzere Kapitel zu machen. Na dann los, viel Spaß beim Lesen.

7. Muggelstämmige

Die nächste Zeit verlief recht ruhig. Es legte sich eine unruhige Routine über das ehemalige Haus der Blacks. Alle Aufräumarbeiten waren erledigt, die Räume fertig eingeräumt. Im ersten Stock hatte Harry die Gästezimmer eingerichtet. Und auch der Salon befand sich dort. Im zweiten Stock hielt er sich meistens auf. Dort waren auch die Bibliothek, sein Schlafzimmer und der Raum, den er sich als Zaubertranklaboratorium eingerichtet hatte. Schließlich bekam er in diesem Fach ziemlich viele Aufgaben, die auch die Praxis mit berücksichtigten. Ansonsten befand sich in diesem Stockwerk nur noch ein großes einladendes Bad, genau neben seinem Zimmer und einen Raum hatte er für die ganzen eigentümlichen Dinge, die er im Haus der Blacks gefunden und auch von Dumbledore bekommen hatte, eingerichtet. Den Raum zierten nun haufenweise Vitrinen mit seltsamen Gerätschaften. Er hatte es noch nicht geschafft alle nachzuschlagen. Über manche dieser Dinge würde er wohl nur in der Nocturngasse Auskunft bekommen.

Das letzte freie Zimmer in diesem Stockwerk war wohl das eigentümlichste im ganzen Haus. Es war recht klein und an den Wänden standen unzerbrechlich gehexte kleine Phiolen mit silbernen Flüssigkeiten.

In der Mitte des Zimmers befand sich ein großer Schreibtisch mit einer runenverzierten Schale. Hinter dem Tisch stand außer einem großen Sessel noch ein anderes Regal, vollgestellt mit geographischen Karten, Büchern über den Aufstieg und Fall der dunklen Künste, sowie jede Menge handgeschriebener Pergamentrollen. Alles in allem, sein gesamtes Wissen über Voldemort.

In einer Ecke dieses Raumes lag auch noch, in einer Glasvitrine, das rubinbesetzte Schwert Godric Gryffindors.

Natürlich hatte es sich Harry nicht nehmen lassen, alle Türen in diesem Korridor noch einmal zusätzlich durch ein Passwort zu schützen. Und da er sich Passwörter in Parsel ausgesucht hatte, war es so gut wie unmöglich, die Zimmer ohne sein Einverständnis zu betreten. Außer natürlich Voldemort persönlich würde hierher kommen, seine Passwörter rausbekommen und dann die Türen öffnen. Doch die Wahrscheinlichkeit war höher, dass Harry Ron mit einem Avada Kedavra belegte, als das Voldemort je eines seiner Passwörter aussprechen würde.

Während Harry sich nun tagsüber, in Ermangelung anderer Beschäftigungen, in Nachforschungen über die Horkruxe, Bücher und Hausaufgaben stürzte, bewahrten ihn die Nächte davor vor Einsamkeit zu vergehen. Seth war ein guter Gesprächspartner und Liebhaber und Harry bemerkte allmählich, wie sich auch tiefere Gefühle für den Schwarzmagier in ihm anbahnten. Diese Gefühle waren heftig und versengten sein Innerstes jedes mal, wenn er ihn sah. Doch aus Angst, Seth würde sich von ihm abwenden, wenn er es bemerken würde, verschloss er diese Gefühle tief in sich. Sie teilen die körperliche Liebe, aber nicht die emotionale.

Alles verlief ruhig, bis er zu Hermines Geburtstag Ende September in den Fuchsbau kam. Es war eine lustige Runde, und desto später es wurde, umso betrunkener wurden die meisten.

„Hey, warum trinkst du denn nichts!", grölte Ron zu Harry rüber, der wirklich nicht viel von dem alkoholischen Zeug angerührt hatte.

Umso deutlicher waren seine Erinnerungen daran, wie schwer ihm das Apparieren gefallen war, als er das letzte Mal etwas tiefer ins Glas geschaut hatte.

„Na komm schon", kicherte Ginny und ließ sich auf seinem Schoß nieder. Resigniert schob er sie runter. Solche Annäherungsversuche hatte er heute schon mehrmals über sich ergehen lassen müssen. Ginny war einfach nicht dieselbe, wenn sie auch nur ein halbes Glas zu viel intus hatte.

„Nein danke, ihr wisst doch, ich muss noch nach Hause apparieren."

Ginny schmollte.

„Dann gib mir doch wenigstens einen Kuss. Du kannst dich doch nicht ewig verstecken und keinen an dich ran lassen."

Harry verdrehte die Augen.

„Ich hab dir doch gesagt, dass zwischen uns Schluss ist. Und wer behauptet eigentlich, dass ich niemanden an mich ran lasse? Können wir das Thema bitte dabei belassen?"

„Wer? Du hast gar nicht gesagt, dass du eine Freundin hast."

„Ich hab auch keine Freundin. Ginny, du bist betrunken. Es wäre besser, wenn du schlafen gehen würdest."

Die junge Hexe wollte gerade etwas sagen, als sie von einem lauten Türenschlagen unterbrochen wurde.

„Ja, verzieh dich nur, heute Abend stehst du sowieso wieder vor der Tür. Dich will doch keiner haben!", brüllte ein betrunkener Ron Richtung Tür.

Harry, der Ron mit Hermine im Gespräch gesehen hatte, sie jetzt aber nicht mehr erblicken konnte, sprang sofort auf und folgte seiner Freundin aus dem Raum.

Er fand die junge Hexe aufgelöst auf den Treppen vor dem Fuchsbau sitzen.

„Was ist denn los, Hermine?"

„Nichts wichtiges", schluchzte sie.

„Ja ja, das kannst du jemand anderem erzählen. Du wirkst schon seit längerem so traurig. Was ist los? Und was hat Ron wieder blödes zu dir gesagt?"

Er nahm sie in den Arm, doch Hermine weinte nur noch mehr.

„Weißt du", brachte sie heraus, nachdem sie sich einigermaßen beruhigt hatte, „meine Eltern wollen sich scheiden lassen. Sie wohnen schon länger getrennt. Deshalb hab ich die Ferien auch immer in Hogwarts oder bei euch verbracht. Sie geben mir die Schuld. Weil ich eine Hexe bin. Sie kamen nie damit zurecht. Jetzt haben sie mich rausgeworfen."

Hermine löste sich und wischte sich das Gesicht ab.

„Jetzt wo Hogwarts geschlossen ist, wusste ich nicht wo ich hin soll. Deshalb haben mich die Weasleys aufgenommen. Aber ich sehe noch immer diesen stillen Vorwurf, dass ich ihnen so viel Platz wegnehme. Dabei zahle ich sogar dafür. Ich habe einen Job in der Muggelwelt, weil in der Zaubererwelt keiner mehr irgendjemanden anstellt, den er nicht schon länger kennt."

Sie geriet ins Stocken.

„Was kann ich denn dafür, dass ich eine Hexe bin?! Wenn ich mich jetzt entscheiden dürfte, würde ich viel lieber mit meinen Eltern in der Muggelwelt leben und nie erfahren haben, dass es Hexen und Zauberer gibt. Dann wäre alles viel einfacher. Kein Verrückter, der alle Muggelstämmigen umbringen will, keine Probleme mit meinen Eltern, keine Fernkurse und ganz normale Freunde."

Sie begann wieder bitterlich zu weinen.

„Schon gut", flüsterte Harry. „Ich habe nie daran gedacht, wie das sein muss. Weißt du, ich könnte mir ein Leben ohne Zauberei nicht mehr vorstellen. Obwohl es so viele Probleme gibt, möchte ich diese Welt für nichts verlassen. Du musst wie ich aus deiner Welt herausgerissen worden sein, nur, dass du, im Gegenteil zu mir, auch etwas zurückgelassen hast. Geht es denn vielen Muggelstämmigen so?"

Hermine nickte zaghaft.

„Ich habe viele Brieffreunde, die auch muggelstämmig sind. Vielen geht es so. Wir haben noch nicht mal die Chance bekommen uns aus allem raus zu halten. Und jetzt macht mir Ron auch noch Vorwürfe, ich würde ihn ausnutzen, um ein Dach über dem Kopf zu haben."

„So ein Idiot. Hör nur nicht auf ihn. Und so was schimpft sich dein Freund! Wenn du willst kannst du zu mir. In dem Haus, in dem ich wohne, sind noch viele leere Zimmer."

„Nein, das brauchst du nicht, dann bekommst du doch sicher Ärger mit dem Orden, wenn du mich ins Versteck mitnimmst."

„Mit dem Orden?" Harry lachte trocken auf. „Der Orden hat sich noch nicht mal bei mir gemeldet. Ich musste selbst dafür sorgen, dass ich irgendwo unterkomme. Wie du sicher weißt, befindet sich das Hauptquartier des Phönixordens jetzt in Hogwarts. Ich habe über das Haus, in dem ich lebe, selbst einen Fideliuszauber gesprochen und alles eingeräumt. Sie haben mir kein bisschen geholfen. Ich schätze, sie sind sauer auf mich, weil ich ihnen nicht sagen wollte, was Dumbledore mir erzählt hat."

„Wirklich? Das hätte ich gar nicht gedacht. Und wo wohnst du nun?"

„Das kann ich dir nur sagen, wenn du mitkommst, da ich der Geheimniswahrer bin und nicht möchte, dass es jeder erfährt."

„Natürlich komme ich mit! Wenn ich mir dann die Vorwürfe nicht mehr anhören muss! Aber ich werde bezahlen, was ich esse, das ist das Mindeste. Und ich suche mir so schnell wie möglich eine eigene Wohnung. Das tue ich jetzt auch schon, aber ich finde noch nichts. Ich will dir nicht so lange zur Last fallen, okay?"

„Wie du willst", lachte Harry. „Na dann komm, holen wir deine Sachen. Mir ist irgendwie die Lust aufs Feiern vergangen."

„Darf ich dich noch was fragen, Harry?"

„Natürlich, was denn?"

„Wer ist denn nun deine Freundin?"

„Du hast wohl meine Antwort nicht mitbekommen. Ich hab keine Freundin, den Rest erzähl ich dir ein anderes Mal, in Ordnung?"

„Ja, okay."

Als sie vor der Tür standen, hinter der sich die Feiernden befanden, wischte sich Hermine noch einmal übers Gesicht und öffnete die Tür.

Ron wollte schon etwas sagen, doch Hermine fuhr ihm wütend dazwischen. „Ich hole nur meine Sachen."

Schon rauschte sie durchs Zimmer und sammelte ihre Bücher ein und stopfte sie in ihre, noch nicht mal ausgepackte, Tasche mit Kleidung. Den schlafenden Krummbein sperrte sie in seine Transportbox.

„Ach ja, bevor ich's vergesse", meinte sie hochnäsig, bevor sie zu Harry, der an der Tür gewartet hatte, zurückkehrte. „Ich muss mir die Beleidigungen von dir nicht bieten lassen. Es ist schade, dass es auf diese Weise mit uns zu Ende geht. Ich mache Schluss."

(A/A Irgendwie hatte Ron ja Recht. Sie hätte ihn nicht verlassen, wenn sie noch bei ihm gewohnt hätte. So ist das Leben.)

Mit einem leisen Plopp apparierten sie im Grimmauldplatz.

„Also Hermine, wir befinden uns hier bei mir zu Hause im Grimmauldplatz Nummer 12. Ab jetzt wirst du hier auch jederzeit alleine hin apparieren können. Aber nur in die Eingangshalle, nur von ihr habe ich den Apparierschutz genommen. Über alle anderen Räumlichkeiten ist er noch immer verhängt."

„Hier wohnst du also. Wir haben uns schon gefragt, was mit dem Haus passiert ist. Ist Kreacher auch hier?"

„Nein, Kreacher ist tot."

„Oh, der Arme. Wie ist das denn passiert? Haben ihn auch ein paar Todesser erwischt?"

„Nein, es war meine Schuld. Ich habe das Bild von Sirius' Mutter zerstört und er musste irgendeine Verbindung zu diesem Bild gehabt haben. Jedenfalls ist er sofort hierher gekommen und als er das zerstörte Bild gesehen hat, ist er an einem Schock gestorben. War halt auch nicht mehr der Jüngste."

Hermines Gesicht, das erst traurig ausgesehen hatte, wurde auf einmal neugierig.

„Du hast das Bild zerstört? Das hat noch nicht mal einer aus dem Orden geschafft. Wie hast du es angestellt?"

„Frag nicht und ich muss dich nicht anlügen, okay? Es gibt ein paar Dinge, die ich nicht erzählen kann oder möchte. Aber jetzt gehen wir erst mal hoch und du suchst dir ein Zimmer aus. Nimm am besten eins mit direkter Tür zum Badezimmer, hab ich auch." Hermine machte ein nachdenkliches Gesicht und folgte Harry die Treppe rauf.

„Es kam nie vor, dass du mir etwas verheimlicht hast. Woher auf einmal diese Geheimniskrämerei?"

„Alles verändert sich. Du hast doch auch Geheimnisse, die du nicht erzählen willst oder irre ich mich da?"

„Doch, schon..."

„So, da sind wir."

Sie standen oben an den Treppen vom ersten Stock.

„Alle Zimmer hier sind ungefähr gleich eingerichtet. Bett, Sofa, Tisch, Stühle, Schrank. Im Salon hängt das Bild von Phineas. Er ist die Verbindung nach Hogwarts. Aber sie wollen sowieso nichts von mir. Also such dir eins aus."

„Wo hast du denn dein Zimmer?", fragte sie nachdenklich.

„Meine Zimmer sind im zweiten Stock. Ich habe alle Zimmer im zweiten belegt. Und der dritte ist kaum ausmöbliert. Der einzige Raum dort, in dem sich noch etwas befindet, ist Sirius altes Zimmer. Ich konnte es einfach nicht auflösen. Sonst sind dort nur noch ein paar große Zimmer, unter anderem das ehemalige Schlafzimmer von Sirius' Mutter, in dem er Seidenschnabel gehalten hat und der Aufstieg zum Dachboden. Den Dachboden hab ich bis jetzt erst einmal kurz durchgesehen und interessantes rausgesucht, zum Beispiel die Möbel in dem Zimmer dort vorne, habe ich oben gefunden. Ich bin sicher, das Zimmer wird dir am besten gefallen, da es das einzige Zimmer mit Möbeln aus heller Eiche ist. Ich lass dich jetzt allein. Such dir irgendeins aus. Wir sehen uns dann morgen zum Frühstück in der Küche. Gute Nacht."

„Ja, gute Nacht, Harry."