Erstmal wieder vielen dank für die lieben Kommis und dann ein ganz großes Entschuldigung!
Das Kappi hat jetzt ewig gedauert… tut mir furchtbar leid, aber meine Beta hat leider keine Zeit gefunden zu korrigieren obwohl es schon ewig Fertig war (alles auf die böse böse unendlichliebe und geduldige Beta schieb)
Aber das nächste Kappi ist auch schon fertig und ich lade es so schnell wie möglich hoch. Da die Ferien bald beginnen und jetzt viel Zeit ist wird es wohl nicht so lange dauern wie letztes Mal.
Sal
8. Das freiwillige Band
Selbst in der Nacht ließ ihn das Thema des letzten Tages nicht in Ruhe, denn er führte eine sehr interessante Unterhaltung mit Seth, die gegen Ende etwas von Thema abwich.
Harry lag dicht an Seths samtweichen Körper geschmiegt auf dem Sofa.
„Ra…"
(A/A Also wer sich nicht mehr daran erinnert… Ra ist Harrys Pseudonym. So wie auch Seth ein Pseudonym ist.)
„Ja, was ist?"
„Würdest du mich gerne treffen? Also ich meine, nicht nur in deiner Seelenform, sondern im realen Leben."
Harry hob den Kopf ein Stück und sah seinem Geliebten in die Augen.
„Würdest du mich denn treffen wollen?"
„Ja, schon gerne… irgendwie ist die Situation absurd. Ich frage dich, ob du mich treffen willst, dabei liegst du hier in meinen Armen."
Seth zog ihn näher an sich, beugte sich vor und sie verschmolzen zu einem zärtlichen Kuss.
„Ich würde dich gerne treffen, dann könnte ich vielleicht endlich aufhören zu denken, dies hier sei nur ein schöner Traum, den ich jede Nacht weiter träume. Aber wo wollen wir uns treffen? In der Zaubererwelt gibt es kaum noch einen Platz, wo die Menschen noch hingehen. Alle sind in Angst."
„Ich würde auch eine Muggelgegend vorschlagen. Kennst du den Regent's Park in London? Er ist sehr weitläufig. Dort könnten wir uns treffen. Dort sind zwar Muggel, aber dagegen kann man nicht viel machen."
„Hast du was gegen Muggel?"
„Nein, eigentlich nicht direkt. Solange sie mir nicht in die Quere kommen, sind sie mir egal."
„Dann bist du ganz anders als viele andere Schwarzmagier. Die meisten hassen die Muggel."
„Die meisten Schwarzmagier kommen aus den alten Familien, da es viele als schwarzmagisch angesehene Familienzauber gibt. Und die meisten denken, wenn sie schon etwas von dieser praktischen Kunst lernen, warum dann nicht auch mehr. Sie haben etwas gegen Halbblüter, Muggelstämmige und Muggel, weil sie es von Kind an lernen. Ich weiß nicht, worauf dieser Hass zurückzuführen ist, aber eigentlich bringt er doch gar nichts. Ein muggelstämmiger Zauberer kann genauso mächtig wie ein Reinblütiger sein." Seufzend lehnte sich Harry zurück.
„Mir ist klar geworden, dass es besser wäre, wenn muggelstämmige Hexen und Zauberer nie in die Zaubererwelt eingeführt werden würden."
„Warum das denn? Solch rassistische Gedanken hätte ich dir gar nicht zugetraut."
„Das hat auch nichts mit Rassismus zu tun. Weißt du, ich habe eine sehr gute muggelstämmige Freundin. Aber dadurch, dass sie eine Hexe ist, haben sich ihre Eltern getrennt, weil sie beide nicht mit der Magie umgehen konnten und die Schuld dafür aufeinander geschoben haben. Ihre Tochter haben sie zu Hause rausgeworfen. Sie lebt jetzt bei mir im Haus. Und so wie ihr geht es vielen Muggelstämmigen hat sie gesagt. Oftmals bekommt man es nur einfach nicht mit. Die Eltern bekommen Angst vor den Fähigkeiten ihrer Kinder, denn alle fürchten sich vor dem, was sie nicht kennen und letztendlich wenden sich die Eltern von ihren Kindern ab.
Natürlich gibt es auch andere Fälle, aber das kann man zu Beginn nie sagen. Deshalb wäre es meiner Meinung nach besser, alle muggelstämmigen Hexen und Zauberer, die noch nicht in die magische Welt eingeführt wurden, aufzusuchen und ihnen ihre Magie zu entziehen, damit sie keinen Schaden anrichten können. Danach einfach die Gedächtnisse mit einem Amnesia-Zauber verändern und sie in Ruhe ihr normales Leben leben lassen."
„An so was habe ich gar nicht gedacht, stimmt. Die Muggel haben Angst vor uns. Aber, dass sich selbst Eltern wegen so etwas, von ihren Kindern differenzieren?"
„Dann sieh es doch mal andersherum. Zauberereltern, die einen Squib als Kind haben, differenzieren sich doch auch oft von ihm oder?"
„Doch, das schon. Aber es ist doch ein Privileg zaubern zu können."
„Wirklich? Überleg es dir noch mal. Wir sind nicht besser als die Muggel, wir haben nur andere Fähigkeiten. Manche Muggel sehen es als Fluch an, wenn jemand zaubern kann. Meine Verwandten zum Beispiel, sie sind Muggel, sahen mich als Missgeburt an. Wenn ihr Sohn zaubern könnte, ich weiß nicht, was stärker wäre. Ihre Liebe zu ihm oder ihr Hass gegen Zauberei und allem was unnatürlich ist."
„Na gut, selbst wenn es besser wäre, würde es das Ministerium niemals tun. Der Fluch zum Entziehen magischer Fähigkeiten ist schwarzmagisch. Und alles was schwarzmagisch ist, ist verboten. Deshalb müssten die Muggelstämmigen ihre magischen Fähigkeiten behalten und jeder mit magischen Fähigkeiten muss sie kontrollieren lernen. So sind wir wieder am Anfang des Problems. Sie lernen ihre Magie zu kontrollieren und die Eltern bekommen Angst."
Harry seufzte tief.
„Also liegt das Problem beim Verbot der dunklen Künste. Würde man sie legalisieren wäre es möglich. Aber schwarze Magie ist gefährlich und zerstörerisch, weshalb sie erst verboten wurde. Mit ihr kann man Menschen töten."
Harry bemerkte wie Seth hinter ihm den Kopf schüttelte.
„Die dunklen Künste sind nicht gefährlicher als andere Magiearten. Nehmen wir doch einen Verwandlungszauber. Du kannst jemanden in einen Gegenstand verwandeln und diesen dann einfach mit den Händen zerstören. Und schon hast du jemanden getötet ohne dafür zur Rechenschaft gezogen werden zu können, denn keiner wird dir nachweisen können, dass dieser Gegenstand mal ein Mensch war. Es kommt immer auf die Absicht an, die hinter dem Zauber steckt. Nehmen wir den Todesfluch Avada Kedavra. Er wird als schlimmster schwarzmagischer Fluch angesehen. Wenn jemand im Sterben liegt und schmerzhaft verenden wird, wäre es dann nicht eine Gnade, ihm einen schnellen und schmerzlosen Tod zu bereiten, wenn er es wünscht?"
„Das mag sich jetzt sicherlich logisch und gut anhören. Aber schwarze Magie wurde sicher nicht ohne Grund verboten."
Seth hinter ihm seufzte resigniert auf.
„Und das der Dunkle Lord dafür kämpft, schwarze Magie zu legalisieren ist deiner Sympathie für diese Künste nicht gerade förderlich, habe ich Recht?"
„Dieser Vergleich hinkt. Voldemort kämpft auch dafür alle Muggel und Halbblüter aus der magischen Welt zu verbannen, dabei ist er selbst ein Halbblut."
„Du nennst ihn beim Namen?"
„Ja, denn Angst vor einem Namen steigert nur die Angst vor der Sache selbst. Und Voldemort ist der Name den er sich selbst gab. Sein richtiger Name ist Tom Riddle."
Seths Stimme klang nachdenklich als er sprach.
„Du scheinst viel über den Dunklen Lord zu wissen. Nur wenige wissen, dass er ein Halbblut ist und noch weniger kennen seinen richtigen Namen. Wie kommt es, dass du so viel weißt?"
Harry ärgerte sich über sich selbst. Hatte er sich nun womöglich verraten?
„Ich habe mich dafür interessiert, wer er war, bevor er als Voldemort zurückkehrte. Leider habe ich nicht sehr viel herausgefunden. Warum nennst du ihn den Dunklen Lord? Nur seine Todesser nennen ihn so."
„Du solltest eigentlich wissen, dass ich kein Todesser bin, denn erstens haben wir darüber schon einmal gesprochen und zweitens: Hast du irgendwo ein dunkles Mal gesehen?" Seth hielt ihm seinen linken Unterarm hin. „Siehst du hier ein dunkles Mal?"
„Das dunkle Mal ist, soweit ich weiß, nicht immer sichtbar. Nur ein paar Stunden nachdem Voldemort seine Todesser zusammengerufen hat."
„Okay, da magst du Recht haben, aber wie viele Nächte haben wir bereits zusammen verbracht? Wie viele Nächte haben wir zusammen im Bett gelegen? Hast du irgendwann ein dunkles Mal auf meinen Unterarm gesehen?"
„Nein, aber…"
„Kein aber. Irgendwann wäre sicher ein Treffen gewesen. Und ein leichter Schatten wäre, wenn ich ein Mal besitzen würde, immer zu sehen. Aber hier ist nichts."
„Woher weißt du so viel über das Mal?", frage Harry misstrauisch.
„Das ist ganz einfach, ich habe ein Buch in dem drin steht, wie es geschaffen wird."
„Wirklich? Kann ich es sehen?"
Harry war noch immer leicht misstrauisch gegenüber seinem Liebsten. Aber auch kein Wunder, wenn man bedachte, in welcher Zeit sie lebten.
„Ja, ich such es dir raus. Dann kannst du nächstes Mal reinschauen. Aber was ist jetzt mit dem Treffen?", wechselte er das Thema und fuhr dem Mann in seinen Armen zärtlich über die Oberschenkel und spielte mit dessen Hodensack. Harry entkam ein erschrockenes Keuchen und sein Glied begann sich unter Seths Liebkosungen zu versteifen. Lustvoll begann er sich an dem nackten Mann zu reiben und spürte wie auch dessen Glied anschwoll. Harry vernahm leise geflüsterte Worte und nahm nur hintergründig die dazugehörige Zauberstabbewegung wahr.
Er hatte Seth den Rücken zugedreht, so konnte er nicht sehen was dieser tat. Doch allein die Tatsache, dass sein Liebhaber aufgehört hatte ihn zu berühren, missfiel ihm. Er wollte schon aufstehen um sich umzudrehen, als er Hände an seinen Hüften spürte, die sich langsam vortasteten, um diesen ihnen schon so bekannten Körper noch einmal zu erkunden, um vielleicht noch etwas Neues zu finden. Doch schon bald wurde eine Hand wieder weggezogen und er spürte stattdessen etwas Feuchtes an seinem Eingang.
„Warte", flüsterte Harry leise.
Er musste sich überwinden es auszusprechen.
„Was ist, willst du nicht?", fragte eine raue tiefe Stimme an seinem Ohr.
„Ich will dich ansehen. Ich will dir in die Augen sehen, wenn du mich nimmst", flüsterte er und errötete leicht.
Er tat sich noch immer schwer mit solchen Wünschen. Für ihn war es intimer, wenn er ihm in die Augen sehen durfte. Er hatte es nie gemocht, jemandem in die Augen zu blicken, wenn er mit ihm schlief. Bei Ginny hatte er es nie getan. Nur bei Seth mochte er es. Er wollte mit ihm diese Intimität teilen. Und zwar nur mit ihm.
„Dann dreh dich um", wurde ihm zärtlich ins Ohr geflüstert.
Schnell sprang er auf um sich danach wieder auf den verlockenden Körper gleiten zu lassen. Ihre Lippen vereinten sich zu einem sanften Kuss und Seths feingliedrige Hände streichelten seinen Rücken. Eine eigentümliche Magie baute sich um sie herum auf, doch keiner von ihnen bekam es mit.
Ohne dass sie es bemerkten, drückten sie sich enger aneinander und ihr Kuss wurde drängender. Ihre Erregungen rieben sich aneinander, während sich Seths feuchte Finger einfühlsam in Harrys Körper versenkten. Doch Harry ließ ihm nicht lange Zeit ihn zu weiten. Bald schon machte er sich los und sah tief in die schwarzen Obsidiane seines Partners, während er ihn in sich aufnahm. Es schmerzte, doch der junge Zauberer hieß den Schmerz willkommen. Fasziniert beobachtete er die Gefühle in den Augen seines Gegenübers.
Diese Augen, die ihn in manchen Momenten hier in diesem Raum undurchdringlich und kalt angesehen hatten, waren nun verschleiert vor Lust und hinter ihnen lag noch so viel mehr. Zärtlichkeit und manchmal glaubte Harry auch etwas tieferes zu sehen oder wünschte es sich. Wer wollte denn nicht geliebt werden?
Ihre Körper bewegten sich aufeinander zu, bauten einen quälend langsamen Rhythmus auf. Wieder verschmolzen ihre Lippen zu einem tiefen Kuss. Das Verlangen, dem Anderen heftiger entgegen zu kommen, keimte in dem jungen Zauberer auf, doch er versagte es sich. Er wollte den Moment, an dem sie sich wieder lösen mussten, so lange wie möglich hinauszögern. Vorsichtig huschte seine Zunge über den makellos weißen Hals seines Geliebten und aus einem inneren Drang heraus, begann er in das verführerische Fleisch zu beißen. Er biss fest zu, bis kleine Blutstropfen in seinen Mund quollen. Er nahm kaum noch wahr wie Seth plötzlich heftiger in ihn zu stoßen begann, nahm kaum noch wahr wie sich sein eigener Orgasmus anbahnte, alles was für ihn in diesem Moment zählte, und dem er seine volle Aufmerksamkeit schenkte, war das metallische Blut, das aus dem Anderen heraus floss und welches er gierig in sich aufsog. Dieser wundervolle Moment wurde unterbrochen, als ihn plötzlich sein Orgasmus überrollte und das nächste, was er danach wahrnahm, war, dass er schwer atmend in der gleichen Position an seinen Geliebten geschmiegt die Augen aufschlug.
„Was wahr das?", hörte er Seths zittrige Stimme an seinem Ohr.
„Keine Ahnung, aber ich war weg."
Seine Stimme hörte sich nicht minder zittrig an.
„Da war irgendwas anderes etwas…", fuhr er fort und Seth sprach seinen Satz zu Ende. „…etwas magisches."
„Ja, so was hab ich noch nie erlebt, ich hab keine Ahnung, woher das kam."
Sie verfielen in langes Schweigen.
„Ich hab eine Ahnung", vernahm er Seths schwache Stimme.
Harry richtete sich auf, um seinem Gegenüber in die Augen sehen zu können. Er sah ihn fragend an.
„Es war der Anfang."
„Der Anfang von was?", fragte Harry sofort.
„Der Anfang von einem Ritual. Es hat uns gerufen, hast du es nicht gespürt? Du hast gerade mein Blut getrunken. Ekelt es dich denn gar nicht an? Würdest du es nicht abstoßend finden, das Blut eines anderen zu trinken, so wie es nur Vampire tun?"
Harry dachte nach, er hatte noch immer den metallischen Geschmack von Seths Blut im Mund und es kam ihm keineswegs abstoßend vor. Ganz im Gegenteil, der Geschmack berauschte ihn nur noch mehr. Seth, der Harrys Gedanken in seinem Gesicht ablesen konnte, fuhr fort.
„Der Anfang, ich gebe dir meinen Samen und mein Blut. Danach müssten wir beide ein paar magische Formeln sprechen, und das wäre es schon. Aber da wir beide Männer sind, glaube ich, dass auch du mir deinen Samen und dein Blut geben müsstest, damit das Band geknüpft wird. Ich habe davon gelesen, das Band ruft danach, und die meisten bemerken erst, dass sie das Band geknüpft haben, wenn es zu spät ist. Das freiwillige Band würde normalerweise als schwarze Magie gehandhabt werden, da es Blutmagie ist. Doch es entsteht aus Liebe, und Liebe kann noch nicht einmal das Ministerium zu den dunklen Künsten zählen."
Sie beide verfielen erneut in langes Schweigen und hingen ihren Gedanken nach.
Freiwilliges Band, irgendwo hatte Harry diese Worte schon mal gehört, wenn ihm doch nur einfallen würde. Doch dann fiel ihm etwas anderes auf.
„Seth…", sagte er leise und wartete das der andere ihn ansah.
„Liebst du mich?", fragte er leise und errötete.
Sein Gegenüber sah ihn nur fassungslos an, bis er leise zu lachen begann.
Harry war verwirrt, machte sich der andere über ihn lustig? Doch dann begann Seth zu sprechen.
„Ich hätte niemals gedacht, dass ich so etwas mal sagen würde, oder dieses Wort einmal in einem emotionalen Zusammenhang nennen würde, aber… Ja… Ja, ich liebe dich."
Er zog Harry an sich und vergrub sein Gesicht in dem strubbeligen, fast schulterlangen Haar.
„Ich liebe dich so sehr, dass es mich innerlich verbrennt, wenn ich dich sehe. Ich wollte dich haben, besitzen, lieben, küssen, streicheln. Ich wollte… Du hast es mir angetan, seit dem Moment, an dem wir uns gegenüber gesessen haben und du mich so unverhohlen gemustert hast. Ich…"
Doch Harry erfuhr nie was noch mit ihm war, denn in diesem Moment presste Seth fest seine Lippen auf die seinen und erstickte jedes weitere Wort. Gierig küssten sie sich, und ließen erst wieder voneinander ab, als sie völlig außer Atem waren.
„Ich liebe dich auch", hauchte Harry und errötete.
„Aber ich hatte Angst, dass du nichts für mich empfindest und dass du mich nicht mehr willst, wenn du es weißt."
Er drückte ihm noch einen Kuss auf die Lippen und schmiegte sich sanft an ihn. Nach einiger Zeit brach Seth das Schweigen.
„Möchtest du das Band mit mir schließen? Also ich meine, nicht jetzt in deiner Seelenform, denn so wirkt es nicht, sondern in Wirklichkeit, mit deinem richtigen Körper... Dich für immer an mich binden?"
Harry überlegte lange. Wollte er es überhaupt? Was wusste er über dieses Band? Und was bedeutete es? Was wusste er überhaupt über Seth?
„Ich weiß es nicht. Würdest du es wollen?"
„Darauf kann auch ich dir keine Antwort geben."
Wieder verfielen sie in Schweigen.
„Dann habe ich einen Vorschlag", meinte Harry.
„Treffen wir uns in drei Tagen um drei Uhr im Regent's Park und jeder von uns macht sich bis dahin seine Gedanken. Ich selbst weiß zum Beispiel gar nicht, was es bedeutet, was es für Konsequenzen hätte."
Seth wollte gerade zu einer Erklärung ansetzen, doch Harry unterbrach ihn, indem er ihm einen Finger auf die Lippen legte.
„Nicht jetzt, ich hab keine Zeit mehr. Sag nur, ob das für dich in Ordnung ist oder nicht." Harrys Gestalt begann schon zu verblassen.
„Okay. In drei Tagen, um drei Uhr."
„Ich liebe dich." Harry hauchte noch einen zarten Kuss auf die Lippen seines Geliebten, bevor er sich völlig aufgelöst hatte.
Sobald er aufgewacht war, sprang er aus dem Bett, zog sich nur schnell einen Bademantel über und hastete in die angrenzende Bibliothek. Hier musste er doch irgendwas finden. Er war sich sicher, die Worte 'freiwilliges Band' schon einmal irgendwo gehört zu haben.
Knapp vierzig Minuten später wurde er fündig. Der Absatz stand in einem dicken alten Buch, von dem er sicher war, dass er es von Dumbledore hatte.
Das freiwillige Band
Das freiwillige Band ist die stärkste bekannte Blutmagie, welche bekannter weise zu den Blutzaubern gehört und somit unter die Bezeichnung „Schwarze Magie" fällt. Doch kann dieses Band nur entstehen, wenn beide Ritualpartner in starker Liebe verbunden sind, was kein Merkmal eines schwarzmagischen, sondern eher starker weißmagischer Zaubers ist.
Dieses Ritual wurde weder erfunden noch entdeckt, es entsteht aus den Ritualpartnern selbst. Dementsprechend verschieden sind die rituellen Worte, die die Partner verbinden. Doch immer gleich bleibend ist die Vereinigung, bei der der männliche Partner seinen Samen und sein Blut mit seiner Partnerin teilt.
Ist das Band einmal geschlossen, sind beide Ritualteilnehmer für immer in einer emotionalen Ebene verbunden. Doch was das kennzeichnenste des freiwilligen Bandes ist, ist die sterbliche Abhängigkeit. Keiner der beiden Partner kann getötet werden, solange der Andere noch lebt. Wunden bleiben zwar und müssen auch behandelt werden, aber keiner der beiden Partner kann in den Tod übergehen, solange der andere nicht auch aus dem Leben scheidet.
Das bekannteste Paar, das durch dieses Band verbunden wurde, waren Nicolas Flamel und seine Frau Perenelle Flamel.
Damit endete der Absatz, doch darunter war noch etwas in Dumbledores Handschrift geschrieben.
Obwohl nur Nicolas das Elixier des Lebens trank, welches aus dem Stein der Weisen gewonnen wurde, starb auch seine Frau Perenelle nicht. Sie war, solange wie er das Elixier zu sich nahm, genau wie er unsterblich.
Harry wunderte sich nicht sehr über den Absatz, schließlich hatte Dumbledore die Flamels gekannt.
Doch etwas anderes nahm schnell Harrys Gedanken gefangen. Wenn er das Band mit Seth schließen würde, würde Seth auch zu einer Zielscheibe Voldemorts werden. Aber er könnte nicht sterben. Voldemort glaubte nicht an die Macht der Liebe, deshalb würde er so etwas wie diesem Band wohl weniger Beachtung schenken. Und wenn er selbst nicht sterben könnte, solange sein Partner nicht starb, hätte er vielleicht eine Chance auf den Sieg gegen den Mörder seiner Eltern. Konnte er es verantworten, einen Unbeteiligten in diesen Krieg hineinzuziehen?
Aber er kannte ja noch nicht mal Seths richtigen Namen, oder irgendetwas persönliches. Sie hatten immer nur über Dinge gesprochen, bei denen sie nicht zu viel von ihrem Leben preisgeben mussten.
Er kannte diesen Mann nicht. Er wusste nichts über ihn, nur, dass er ihn mit einer nie gekannten Inbrunst liebte.
Harry saß noch lange so da, mit dem aufgeschlagenen Buch in der Hand und hing seinen Gedanken nach, bis ihn eine piepsige Stimme aus den Gedanken riss.
„Verzeiht, dass ich störe, Meister. Aber Miss Granger fragt, wo Sie bleiben und hat mich geschickt Sie zu holen, nachdem sie durch die Passwörter keinen Zugang zu Ihnen bekam. Miss Granger wartet in der Küche auf Sie."
Harry war so in Gedanken versunken, dass er nur noch die letzten Worte mitbekam.
„Oh Mist, Hermine!", rief er aus.
Und mit einem „Danke Winky!" war er auch schon in seinem Zimmer verschwunden, um sich anzuziehen und sich eine Katzenwäsche später schnurstracks auf den Weg in die Küche zu machen.
Dort begegnete er einer wütenden Hermine.
„Was denkst du dir eigentlich dabei so lange zu schlafen? Es ist schon fast halb eins! Und was hast du mit der armen Winky gemacht!! Versklavt hast du sie, dabei sollte doch vor allem dir klar sein, dass es das Beste war, was ihr hätte passieren können, endlich frei zu sein! Wie…"
Harry unterbrach die aufgebrachte Hermine, indem er sich einfach demonstrativ an den Tisch setzte und zu essen anfing, was Winky aufgetragen hatte.
Als er bemerkte, dass Hermine ruhig war, wandte er sich an sie.
„Dir auch einen guten Morgen, Hermine. Nur zu deiner Information, ich habe nicht geschlafen, sondern schon gelesen. Ich hatte völlig vergessen, dass du da bist und bin wieder in meine Routine gerutscht. Und was Winky angeht, sie war überglücklich, dass sie wieder einen Meister hat. Außerdem ist sie eine unentbehrliche Hilfe."
Harry hatte kalt und förmlich gesprochen und seine Freundin sah ihn nur überrascht an. Langsam setzte sie sich auch wieder an den Tisch.
„Was ist mit dir los? So kenne ich dich gar nicht." Ihre Stimme war unsicher und das entlockte Harry ein kleines Lächeln.
„Tut mir leid, Hermine. Ich muss gerade über etwas Wichtiges nachdenken und da kann ich deine Standpauken nicht gebrauchen."
Harry seufzte resigniert.
„Über was musst du denn nachdenken? Hat es was mit Voldemort zu tun?"
„Nein."
„Mit mir?"
„Nein."
„Mit Ron?"
„Nein."
„Mit deiner Freundin, die gar keine ist, aber was du mir noch erklären wolltest?"
Harry stockte einen Moment.
„Ja."
„Dann wäre jetzt doch der passende Moment mir zu erklären was mit ihr los ist, oder?" Harry seufzte noch einmal.
„Nicht ihr… sondern ihm. Es heißt, was mit ihm los ist."
Wenn Harry nicht so sehr in Gedanken versunken wäre, hätte er sich selbst beglückwünscht. Er hatte es geschafft, Hermine zwei mal innerhalb von fünf Minuten sprachlos zu machen.
„Du… Du bist schwul? Aber ich dachte, Ginny…"
„Nicht schwul, sondern bisexuell. Auch wenn das bald wahrscheinlich sowieso unwichtig ist."
„Warum das denn?"
„Sagt dir das freiwillige Band etwas?"
„Hm… Ich glaube, ich habe mal etwas davon gelesen. Kommt sehr selten vor. Aber was…? Oh…"
Hermine bekam große Augen.
„Du meinst, ihr könntet? Oder habt ihr das Ritual schon vollzogen?"
„Nein, haben wir nicht, noch nicht. Wir haben, ohne dass es uns bewusst war, die ersten Schritte vollzogen, aber noch rechtzeitig abgebrochen. Jetzt sind wir am überlegen, ob wir es noch mal bis zum Ende ausführen sollen oder es lassen sollen und immer dem Drang widerstehen, es doch zu tun."
„Das ist eine schwere Entscheidung. Wie ist er denn so? Und wer ist er? Kenn ich ihn?"
Harry musste nun wirklich anfangen zu lachen.
„Er ist unglaublich. Aber du könntest wahrscheinlich mit keiner seiner Beschreibungen etwas anfangen, weil er unglaublich vielseitig ist. Im einen Moment ernst, dann verspielt, in einem Moment sieht sein Gesicht aus, als hätte er noch nie in seinem Leben Emotionen besessen, im anderen Moment kannst du all seine Gefühle auf seinem Gesicht ablesen… Ich weiß nicht, er ist schwer zu beschreiben. Auf jeden Fall sieht er unglaublich gut aus."
Harry versank in Gedanken an all die Feinheiten, die er in Seths Charakterzügen und an seinem Körper entdeckt hatte.
„Wie heißt er denn? Ist er denn älter oder jünger als du?", riss Hermine ihn aus seinen Gedanken.
„Er ist älter als ich. Wie alt genau weiß ich gar nicht. Und na ja… ich hab keine Ahnung wie er heißt. Ich kenne seinen Namen nicht und er kennt den meinen nicht. Wir reden nie über persönliches oder etwas was verraten könnte, wer wir sind."
„Was?! Und mit so jemandem lässt du dich ein?! Wie kam es dazu, dass du… dass du..." Harrys beste Freundin war einfach nur schockiert und Harry konnte sich bei ihrem Gesicht das Lachen nicht verkneifen.
Als er sich wieder einigermaßen unter Kontrolle hatte und Hermines mahnend geschockter Blick ihm langsam auf die Nerven ging, meinte er:
„Ich werd dir alles zu gegebener Zeit erklären, okay? Jetzt muss ich erst mal eine Entscheidung wegen dem Ritual treffen. Die Konsequenzen sind beachtlich. Ich sehe ihn in drei Tagen. Bis dahin muss ich mich entschieden haben."
Und ab diesem Moment wechselte Harry immer abrupt das Thema, wenn sie auf ihn und Seth zu sprechen kamen.
Für Harrys Geschmack vergingen die Tage etwas zu schnell. Des nachts hatte er es unterlassen Seth zu wecken, und sich stattdessen wieder in den Büchern vergraben. Trotz allem stand sein Entschluss fest, als er drei Tage später, um kurz vor drei, das Haus Richtung Regent's Park verließ.
