14. Skandalöse Weihnachten

Es änderte sich nichts. Der Tod von Slughorn und den Diggels änderte nichts. Schließlich hatte Harry schon immer gewusst, was Tom tat, jetzt hatte er es auch gesehen. Aber letztendlich hatte es keinen Einfluss mehr. Weder auf sein Leben, noch auf die Geschehnisse in der Zaubererwelt.

„Ginny hat mich zu Weihnachten eingeladen. Sie meint, Ron hätte sich beruhigt, und Charlie und Thomas würden auch kommen. Ich weiß nicht so recht, ob es eine gute Idee ist, hinzugehen. Was meinst du?"

Harry lag auf dem großen Sofa im dritten Stock und betrachtete nachdenklich den Brief, den Hedwig ihm gebracht hatte. Tom saß im Sessel gegenüber und blickte nun aus seinem Buch hoch.

„Es ist deine Entscheidung, aber dein Freund war ganz schön aufgebracht. Mit meiner kleinen Aktion habe ich ihn bestimmt nicht gerade besänftigt, oder?"

„Nein, ganz sicher nicht", lächelte Harry.

„Aber Ron ist immer so. Plötzliche Veränderungen regen ihn auf. Aber nach einer Weile bekommt er sich meistens wieder ein. Das einzige was mir Sorgen bereitet ist, dass wir womöglich den Termin verpassen könnten, an dem er sich beruhigt hat, da wir uns kaum noch sehen."

„Glaubst du, er hat sich schon wieder eingekriegt?"

„Nein. Ich bezweifle es."

„Ich hätte noch einen zweiten Vorschlag, was wir machen könnten."

„Ach ja?" Harry zog fragend eine Augenbraue hoch.

„Wir könnten Weihnachten bei mir verbringen. Meine Leute haben schon einen großen Tannenbaum mitten im Gemeinschaftsraum aufgestellt. Du brauchst nicht mal Geschenke kaufen, da sie sich darauf geeinigt haben, nichts zu verschenken. Ist auch schwer welche zu besorgen, wenn man sich versteckt. Also, wenn du willst, nehme ich dich mit."

„Ich soll Weihnachten mit Todessern feiern?!"

„Was ist schon dabei? Du schläfst seit ein paar Monaten jeden Abend mit Lord Voldemort in einem Bett."

Harry sah ihn nur entgeistert an.

„Die werden mir an die Gurgel springen. Du hast nicht zufällig vergessen, wer ich bin? Und das nicht alle Zauberer dieser Welt unter Gedächtnisschwund leiden?"

„Das war gemein", schmollte der Lord.

„Aber du scheinst auch welchen zu haben. Wozu sind wir Zauberer, wenn nicht für solche Kleinigkeiten?"

„Du meinst das also wirklich ernst?"

„Natürlich."

„Ich glaube noch immer nicht, dass ich mich von dir habe überreden lassen", sagte Harry ungläubig, als er sich im Spiegel betrachtete. Er war nun etwas kleiner und schmächtiger. Seine Augen waren nicht mehr grün, sondern dunkelblau und seine Haare hatten zu seinem eigenen Missfallen einen hellbraunen Ton bekommen. Selbst sein Gesicht war nicht mehr wieder zu erkennen, und Tom bastelte noch immer daran herum, seine Stimme zu verändern.

„Ich halte es noch immer für eine schlechte Idee hinzugehen."

Es war der 24. Dezember und diesen Abend hatte Tom Harry überredet, mit ihm zur Weihnachtsfeier der Todesser zu gehen.

„Jetzt stell dich nicht so an. Ich war mit dir auch auf der Hochzeit, und morgen früh sind wir doch wieder zurück. Ich besuche sogar die Weasleys mit dir. Auch wenn es erst am zweiten Weihnachtsfeiertag ist. Da kannst du ruhig mitkommen."

Es war sechs Uhr, als sie vom Grimmauldplatz aus disapparierten.

„Nein, nein, nein! Ich will nicht!"

„Jetzt hab dich nicht so. Ich habe gesagt, du kommst mit, und das bedeutet auch, dass du nicht die ganze Zeit in meinem Zimmer sitzt und versuchst, meine arme Nagini zu überzeugen, das Töten etwas Böses ist", zischte der dunkle Lord, während er einen störrischen Zauberer hinter sich her schleifte. Ihnen folgte eine amüsierte Schlange.

„Ich habe sie gar nicht zu überreden versucht. Wir haben nur über allgemeine Dinge gesprochen."

„Und ich bin kein Parselmund."

„Seit wann?"

„Dort ist der Gemeinschaftsraum, sicher sind schon alle da."

Tom öffnete die große Flügeltür und augenblicklich verstummten die Stimmen, die bis eben noch zu hören gewesen waren.

Mit gemischten Gefühlen nahm Harry wahr, wie sich alle innerhalb des großen viereckigen Raumes, an dessen gegenüberliegender Seite ein gewaltiger Christbaum aufgebaut war, vor Tom verbeugten.

Harry stand leicht hinter seinem Geliebten und Nagini schlängelte sich zu ihm hinauf, um ihm ins Ohr zu zischeln:

Na, aufgeregt?"

Harry antwortete nicht. Stattdessen spürte er Toms Hand auf seiner Schulter ruhen.

„Das ist Ra, sollte einer von euch ihn auch nur schief ansehen, könnt ihr gleich vorbei kommen und euch eure Strafe abholen, verstanden?"

Ein Raunen ging durch die Schar der Todesser, doch nickten sie alle.

„Wenn das geklärt ist, muss ich noch was mit dir besprechen, Lucius. Greyback meinte, die Brüder hätten den Nordflügel verwüstet."

Damit verschwand Tom aus dem Raum. Ein betrübt dreinblickender Lucius folgte ihm.

Nun stand Harry ganz allein in der Flügeltür und fast alle Augen waren auf ihn gerichtet. Harry unterzog die Personen vor sich während dessen einer genauen Musterung.

An einem Tisch saßen Bellatrix Langstrange mit ihrer Schwester Narzissa, die neben dem leeren Platz ihres Mannes saß. Gleich danach kam Draco und noch ein Jugendlicher, den er als Theodore Nott identifizierte. Noch ein paar andere Leute, unter ihnen Dolohow und Rookwood, saßen an dem kreisrunden Tisch, und sie waren wohl gerade in ein Kartenspiel vertieft gewesen, als Harry und Tom reingekommen waren. Eine andere Gruppe stand um einen großen Kessel herum, und schienen etwas zu brauen. Der Farbe nach war es durch die Ablenkung unbrauchbar geworden. Ganz hinten in der Nähe eines großen Bücherregals konnte Harry einen Mann in einem Sessel erkennen. Snape.

Harry musterte ihn ausgiebig. Er war der Mann, der so viel Leid gebracht hatte. Der Dumbledore getötet hatte. Der die Prophezeiung verkündet hatte. Der ihn drangsaliert hatte. Der alles aufgegeben hatte, um ihn zu beschützen.

Der guckt immer so grimmig, mache dir deswegen keine Sorgen", zischelte Nagini, die Harrys Starren wohl fehl interpretiert hatte.

Doch es half. Auf Harrys Gesicht stahl sich ein unterdrücktes Grinsen, als er ihr antwortete:

Ich weiß. Ich dachte nur, das könnte sich geändert haben, seit er nicht mehr unterrichtet."

Oh", zischelte nun auch die Schlange belustigt.

Er versucht den anderen ständig beizubringen, wie sie ihre Tränke zu brauen haben, er versteht zwar was davon, aber die anderen sind auch ständig von ihm genervt. Besonders Bella, die kein Talent für Zaubertränke hat."

Nun musste auch Harry zischelnd lachen.

Dabei hat er sich immer über unfähige Schüler aufgeregt. Hätte nicht gedacht, das er jetzt freiwillig unterrichtet."

„Du bist ein Parselmund?!", hörte Harry plötzlich eine Stimme an ihn gerichtet. Als er sich umsah, erkannte er Draco, der ihn überrascht ansah.

„Ja" Harry zuckte mit den Schultern.

„Kein Wunder, dass der Lord dich mag", meinte nun Bellatrix mit einem eifersüchtigen Unterton.

Nicht das auch noch, seufzte Harry innerlich. Wie fängt man Verhandlungen noch mal am besten an?

„Vielleicht sollte ich noch was klarstellen", sagte Harry.

„Ich bin kein Todesser und die Chance, dass ich jemals einer werde, ist ungefähr so groß wie die, dass Tom der schwarzen Magie abschwört. Ich spiele nicht mit bei eurem Spiel, buhlen wir um die Gunst des Dunklen Lords. Nur damit wir das von vorne herein geklärt haben."

Alle Gesichter im Raum sahen ihn einen Moment lang fassungslos an.

„Du bist lebensmüde ihn bei seinem Namen zu nennen", flüsterte Avery, als könnte Voldemort jeden Moment hinter ihm auftauchen.

„Nein, nicht lebensmüde, nur unentbehrlich", seufzte Harry resigniert.

„Ich will euch wirklich nicht den Abend verderben, aber ich hatte keine große Chance, den Abend heute wo anders zu verbringen, als hier bei euch. Ihr müsstet am besten wissen, dass Tom immer bekommt, was er will. Damit ist für mich das Thema erledigt."

Plötzlich vernahmen sie ein leises Klatschen.

„Das war wirklich mal eine direkte Aussage. Nicht das, was man hier sonst immer zu hören bekommt."

Harry sah sich um und entdeckte Snape, der langsam auf sie zukam.

Sie sahen sich einen Augenblick in die Augen und Harry spürte sofort, wie Snape mit Legilimentik in seinen Geist einzudringen versuchte. Doch Harry ließ Snape nicht mal die Chance, auch nur einen seiner Gedanken zu sehen, bevor er ihn wieder raus warf.

„Danke für das Kompliment, aber ich würde es trotzdem vorziehen, wenn Sie meine Gedanken, die meinen sein lassen", sagte Harry kühl.

„Wie Sie wünschen, Ra. Ein passabler Okklumentiker sind Sie schon mal."

Dolohow stieß einen zischenden Laut aus.

„Das Severus irgendwann einmal jemanden als passablen Okklumentiker bezeichnet. Jetzt kommt mir deine Theorie, er wäre menschlich, doch nicht mehr so weit hergeholt vor, Bella."

„Nur weil du eine Niete darin bist, Antonin, heißt das noch lange nicht, dass es nicht auch andere, Begabtere gibt."

Harry hatte sich schon bei Snapes ersten Kommentar zusammenreißen müssen, doch nun konnte er nicht anders, und lachte kaum unterdrückt auf. Das war genau der Moment, in dem Tom zusammen mit Lucius zurück in den Raum kam.

„Was ist denn hier los?", fragte der Dunkle Lord verdutzt.

Snape meint, ich sei ein passabler Okklumentiker", zischelte Harry lachend. „Der, der immer gemeint hat, ich würde es in der Okklumentik nie weit bringen, meint jetzt, ich hätte Begabung."

Nun begann auch der Lord zu lachen, und die beiden kümmerten sich nicht darum, dass die anderen sie nur verwirrt anstarrten.

„Ich wusste doch immer, dass du noch für einen guten Witz zu gebrauchen bist, Severus", meinte Voldemort, als er sich einigermaßen beruhigt hatte.

„Wir werden das nicht erklärt bekommen, oder?", fragte Rodolphus, während er eine neue Kartenrunde ausgab. Er bezog Snape, Harry und Tom wie von selbst mit ein.

„Nein, bekommt ihr nicht", sagte Tom und zauberte zwei Stühle aus dem Nichts herbei.

Irgendwann, zwischen der achten und neunten Runde, schaute Narzissa aus der Zeitung auf, die sie las.

„Hey, habt ihr schon gehört? Harry Potter, der Retter der Zaubererwelt, geht das freiwillige Band mit einem entlarvten Schwarzmagier ein", las sie laut die Titelüberschrift vor.

„Was!", rief Draco aus und riss seiner Mutter die Zeitung aus der Hand.

„Lies vor Draco, wir wollen alle was zum Lachen haben", forderte Rabastan.

„Harry Potter, der Retter der Zaubererwelt, geht das freiwillige Band mit einem entlarvten Schwarzmagier ein.

Harry Potter (17), der Junge der lebt, schockte am ersten November die Zaubererwelt. An diesem Tag gab der siebzehnjährige Teenager bekannt, dass er sich mit Seth (Nachname, Alter und Wohnort unbekannt) verbunden hätte.

„Wir waren natürlich alle geschockt. Nicht nur, das er sich mit einem Mann einlässt, dann auch noch mit einem Schwarzmagier", sagte uns Ronald Weasley, einer der besten Freunde des Auserwählten. Was ist in Harry Potter gefahren, fragen wir uns nun alle. Und das auch zu Recht. Natürlich kommt nun auch die Frage auf, ob er sich selbst der schwarzen Magie verschrieben hat. Hat sich Harry Potter wohlmöglich Sie-wissen-schon-wem angeschlossen? Bla… Bla… Bla... Jetzt kommt nichts mehr. Sie arbeiten ihre lächerliche Theorie aus, und ziehen nur noch etwas über Schwarzmagier her und das war's."

„Glaubt ihr, das stimmt?", wollte Rodolphus wissen.

„Ich kann mir das nur schwer vorstellen, das Juwel der Zaubererwelt lässt sich mit dem Feind ein."

„Wäre eine grandiose Vorstellung."

„Ach kommt, das zieht ihr doch nicht wirklich in Betracht, oder? Die Hexenwoche schreibt viel Mist. Warum liest du diesen Schrott eigentlich, Zissy?", fragte Lucius seine Frau.

Doch diese schenkte ihm nur einen geringschätzigen Blick.

„Kennt ihr einen Schwarzmagier namens Seth?", warf nun Augustus Rookwood interessiert ein.

„Nein, sagt mir nichts", schüttelte Avery den Kopf.

„Wie wär's, wir fragen unseren Neuen", wandte sich Snape nun an Harry.

„Seth ist doch auch sicher nur ein Pseudonym so wie Ra. Und das ihr beide Namen aus der ägyptischen Mythologie habt, ist doch sicher kein Zufall."

„Nein, ist es nicht. Ich weiß, wer Seth ist, aber da ich an meiner Gesundheit hänge, werde ich dazu bestimmt kein weiteres Wort sagen", sagte Harry und warf Tom einen bedeutungsvollen Blick zu.

Ich wäre wirklich dagegen, wenn du es ihnen gesagt hättest", zischelte Voldemort.

Aber wusstest du von dem Artikel?"

Nein, ich hatte keine Ahnung. Hat mich genauso überrascht wie dich. Ich schlage vor, wir nehmen uns Ron mal zur Brust. Ich bin sicher, diese liebevollen Zeilen haben wir ihm zu verdanken."

„Es war schon unerträglich, wenn ihr immer mit Nagini gesprochen habt, Herr. Wie sollen wir es nur mit einem zweiten Parselmund überstehen", beschwerte sich Rabastan lachend.

„Also gibt es diesen Seth wirklich?", kehrte Augustus zum Thema zurück.

„Ja, gibt es."

„Lassen wir mal die schwarze Magie außer acht", sagte Draco nachdenklich. „Hätte einer von euch gedacht, dass Potter schwul ist?"

„Kam mir nie so vor", sagte Theodore.

„Du hast doch mal erzählt, er sei mit dieser kleinen Weasley zusammen oder nicht?", wandte sich Narzissa an ihren Sohn.

„Doch, war irgendwann letztes Jahr, wenn ich mich recht erinnere."

Die Todesser diskutierten noch eine Zeit lang die verschiedensten Theorien über Harry Potter und diesen mysteriösen Zauberer aus, und währenddessen amüsierten sich Harry und Tom köstlich.

„Ich hab ein richtig beschissenes Gefühl", sagte Harry, während er und Tom Richtung Fuchsbau gingen.

„Mein Gefühl schreit gerade zu, ich solle besser umdrehen."

„Wenn du willst, können wir jederzeit umkehren. Ich hätte nichts dagegen."

Harry warf seinem Liebsten nur einen mörderischen Blick zu, bevor er die Tür zum Fuchsbau öffnete.

„Harry! Da bist du ja. Ich habe mir schon Sorgen gemacht, wo du bleibst", rief Mrs. Weasley und zog Harry zu sich. Auch der Dunkle Lord wurde herzlich umarmt. Harry bemerkte, wie Voldemort so überrascht von dieser Geste war, das er es einfach über sich ergehen ließ.

„Sie hat dich wohl schon in die Familie mit aufgenommen", meinte Harry nur, als Mrs. Weasley schon zurück ins Wohnzimmer ging.

„Kommt nur, kommt. Hermine ist auch schon da und hat uns gerade ihren Freund vorgestellt", rief sie.

„Hermine hat einen Freund?", fragte Tom verwundert.

„Wusste ich auch nicht."

Zusammen gingen sie ins Wohnzimmer, wo schon die ganze Familie versammelt war. Bis auf Ron, der schien zu fehlen.

„Hallo Harry", rief Hermine und umarmte ihn einmal, und nach kurzem Zögern auch Tom.

„Ich habe euch schrecklich vermisst. Alleine wohnen ist anstrengend", strahlte die junge Hexe die beiden an.

„Darf ich euch meinen Freund vorstellen. Blaise Zabini. Blaise, das sind... Geht es dir nicht gut?", fragte Hermine nun den jungen Mann, der beim Anblick von Harry und Tom erblasst war.

Harry spürte, wie sich Toms Hand um seine etwas verkrampfte.

„Hallo Blaise. Schön dich wieder zu sehen", sagte Tom und reichte Blaise die Hand, welcher sie zitternd entgegen nahm.

„Hallo."

Hermine sah ihren Freund besorgt an. „Wirklich alles in Ordnung?"

„Blaise und ich kennen uns, seine Eltern und ich sind gut befreundet. Ich war lange Zeit im Ausland, und du bist wahrscheinlich überrascht, mich wieder zu sehen nicht?", lächelte Tom gutmütig. Der junge Zauberer nickte nur zögerlich.

„Apropos, ich habe dir noch etwas mitgebracht, aber da ich nicht gedacht hatte, dich hier zu treffen, habe ich es zu Hause liegen gelassen. Kommt du kurz mit?", fragte Tom den Teenager.

„Natürlich."

„Ich muss dann wohl auch mit, ohne mich kommt ihr nicht ins Haus", meinte Harry.

„Wir sind dann gleich wieder da."

Und mit einem leisen Plopp waren alle drei disappariert.

„Das war echt knapp", seufzte Harry, als sie in der großen Halle des Black Hauses standen.

„Kannst du laut sagen. Ich hätte nicht gedacht, einen meiner Todesser ausgerechnet bei den Weasleys zu treffen."

„Hab ich also doch richtig vermutet."

Harry musterte seinen ehemaligen Schulkameraden nachdenklich.

„War schon irgendwie klar, dass du ein Todesser wirst. Aber was willst du von Hermine? Hast du nicht mal gesagt, du würdest eine, wie du dich ausgedrückt hast, „Blutsverräterin" niemals anrühren, wie sieht es denn dann mit Muggelstämmigen aus?"

Blaise sah verunsichert von einem zum anderen.

„My Lord, ich verstehe nicht. Dies ist Harry Potter, und er weiß, wer Ihr seid?"

„Das geht dich nichts an. Und du wirst keinem von diesem Treffen erzählen, haben wir uns da verstanden?", knurrte der Dunkle Lord bedrohlich.

„Natürlich, My Lord."

„Gut. Du wirst mich Seth nennen, wenn einer dabei ist, der nicht weiß, wer ich bin. So wie die Weasleys oder deine kleine Muggelfreundin."

„Natürlich, My Lord."

„Und du wirst sofort meine Frage beantworten!", mischte sich nun Harry aufgebracht mit ein.

„Und du wirst seine Frage beantworten", seufze Voldemort.

Blaise warf einen verunsicherten Blick von Harry zu Tom, bevor er antwortete:

„Ich wollte nur nützliche Informationen beschaffen. Sie bedeutet mir nicht das Geringste."

Crucio." Tom deutete mit seinem Zauberstab auf den sich am Boden krümmenden Blaise.

„Lüg mich nicht an", meinte Voldemort nur geringschätzig, während er seinen schreienden Untergebenen beobachtete.

„Hör auf!", rief Harry entgeistert, während er Toms Zauberstab nach unten drückte.

Voldemort bedachte seinen Geliebten nur mit einem wütenden Blick, bevor er sich wieder an den Todesser wandte.

„Lüge niemals Lord Voldemort an. Das könnte grauenhaft für dich enden."

Von dem Zusammengekrümmten kam ein heftiges Nicken, bevor er sich aufzurichten versuchte.

Harry beugte sich vor um ihm aufzuhelfen, und nach einem Blick zu seinem Meister, der hinter Harry stand, ließ dieser es sogar zu.

„Nun Blaise, was willst du von diesem Sch…", ein wütender Blick von Harry, „…von Hermine?"

„Wir lieben uns, Herr", flüsterte der Junge kaum hörbar.

Blaise hatte wohl einen Wutausbruch erwartet, aber dieser kam nicht. Stattdessen:

„In Ordnung. Du solltest nur aufpassen, dass es dein neuer Vater nicht herausfindet. Er würde einen Tobsuchtsanfall erleiden."

„Ich… Ich werde nicht bestraft, My Lord?"

„Warum sollte ich dich bestrafen? Ich mische mich nicht in die Liebesangelegenheiten meiner Leute. Aber ich glaube, Harry hat dir noch etwas zu sagen."

„Ja, das habe ich", Harry sah Hermines Freund einmal scharf an.

„Ziehe sie nicht in diesen Krieg mit hinein. Sie steckt sowieso schon zu tief drinnen, und Tom hat mir nur für ihre Sicherheit garantiert, wenn sie sich raus hält. Sie ist meine beste Freundin und ich hätte es gerne, wenn sie diesen Krieg überlebt." Harry musterte sein Gegenüber einmal von oben bis unten, und fügte dann noch leicht lächelnd hinzu:

„Du solltest auf dich aufpassen. Hermine würde es das Herz brechen, würde jemandem, der ihr lieb ist, etwas geschehen."

„Wenn das jetzt also geklärt ist, sollten wir zurückkehren, bevor noch jemand Verdacht schöpft. Hast du noch irgendetwas, was wir Blaise geben könnten? Schließlich sind wir gerade ein Geschenk abholen."

„Natürlich. Kommt mit."

Während sie in den zweiten Stock gingen, fragte Harry ganz nebenbei:

„Weiß Hermine eigentlich, das du dich mit schwarzer Magie beschäftigst?"

„Ja, ich war selbst überrascht, dass sie es recht schnell akzeptieren konnte, nach dem ich es ihr gesagt hatte."

Harry hatte ein leichtes Lachen in der Stimme, als er antwortete:

„Sie hat schließlich lange genug mit Tom hier gewohnt, um sich mit den dunklen Künsten abzufinden. Sie hat sogar akzeptiert, dass ich sie studiere. Auch wenn es ihr nicht gefällt. Aber eins solltest du dir immer vor Augen halten. Sie ist noch immer eine sehr talentierte Hexe, die auf der Seite des Ministeriums, auf der Seite den Phönixordens, auf deiner gegnerischen Seite steht." Harry beobachtete, wie Blaise bei dieser Wortwahl kurz zusammen zuckte.

„Denke erst gar nicht daran, dich gegen Tom zu stellen. Die Gegenseite hat keine Chance. Das weiß ich besser als jeder andere", er schenkte ihm ein bitteres Lächeln.

„Darf ich dich was fragen?"

„Ja."

„Warum bist du auf einmal auf unserer Seite, also der Seite des Dunklen Lords? Warum bist du ein Todesser geworden?"

Blaise klang zögerlich, so als handle er gegen besseres Wissen.

„Ich bin kein Todesser, und ich werde auch nie einer werden. Ich kämpfe auch nicht auf Toms Seite, noch nicht. Aber ich kämpfe auch nicht auf seiner Gegenseite, nicht mehr. Es ist mein Wunsch einen langen, blutigen Krieg zu vermeiden. Dies ist eben der einzige Weg. Tom wird nie von seinen Zielen abweichen, und er kann nicht besiegt werden."

„Ich verstehe das nicht. Du warst doch derjenige, der ihn damals geschwächt hat. Warum glaubst du nun, er ist unbesiegbar?"

„Drücken wir es so aus, ich habe ihm seine Unsterblichkeit, nach der er sich immer sehnte, und diese Unbesiegbarkeit geschenkt. Was das deprimierende dabei ist, ich habe sie ihm freiwillig geschenkt."

Harry lächelte ironisch.

„Hier sind wir."

Er hielt vor einer Tür im zweiten Stockwerk an, und zischte leise das Passwort. Zum Vorschein kam ein Raum, der voll gestellt war mit Vitrinen und Regalen, in denen die merkwürdigsten Apparaturen lagen.

„Wo ist Ron eigentlich? Ich muss ihm noch für sein Weihnachtsgeschenk danken", fragte Harry, als er mit einem Glas Eierflipp neben Tom und Hermine im Fuchsbau saß.

„Ron hat dir was geschenkt?", fragte Ginny erstaunt.

„Hätte ich nicht gedacht, dass er sich so schnell wieder einbekommt."

„Willst du es sehen?"

„Klar, gerne", lächelte Ginny, während Harry eine zerknickte Zeitung raus zog. Tom hatte sie der zeternden Zissy abgenommen.

„Bitte. Die Titelseite sagt schon alles. Der Rest steht auf Seite dreizehn", meinte Harry, während er Ginny Narzissas Hexenwoche zuwarf.

Harry beobachtete die junge Hexe ganz genau, und bemerkte wie ihr Gesicht immer blasser wurde, während sie den Artikel las.

„Das hat er nicht wirklich getan, oder?", flüsterte sie entsetzt.

„Du siehst doch, dass er es getan hat", sagte Tom übellaunig, und zog Harry näher zu sich.

„Was hat er getan, Ginny Liebes?", fragte Mrs. Weasley besorgt.

„Hier Mum." Die blasse Ginny reichte ihrer Mutter die Zeitung, doch die Zwillinge rissen sie ihr schon aus der Hand, und Fred begann laut vorzulesen. Als er geendet hatte, herrschte eine Weile betretenes Schweigen. Bis Gorge lauthals zu lachen anfing.

„Und wirst du uns alle an Voldemort verraten, Harry?", prustete er und Fred stimmte mit ein.

„Das ist wirklich so was von lächerlich", entrüstete sich Hermine.

Auch Harry zwang sich zu einem Lächeln, und doch spürte er einen ziehenden Schmerz in seiner Brust. Denn er kannte die Antwort. Ja.