Der Luchs begann sein Tagwerk, während sich sein Besitzer im Badezimmer für einen weiteren Tag rüstete.

Molly ließ es sich nicht nehmen, ihm einen großen Napf Milchsuppe zu kredenzen und noch verschiedene Leckereien herauszurücken. "Ich kann eben nicht anders, wenn er mich so treuherzig ansieht." verteidigte sie ihr Tun vor den anderen.

Nicht alle waren gut Freund mit dem neuen Mitbewohner. Alastor zum Beispiel, nachdem er seine zerfetzten Socken wiedergefunden hatte. Er machte ein riesiges Theater darum, was den Luchs zur endgültigen Eskalation trieb. Er kackte ihm genau in den Stiefel, der den guten Fuß des alten Aurors beherbergen sollte. Auch Mundungus gehörte nicht zu den Favoriten, er verlor einen Großteil seiner Hehlerware, weil ihm in den Rucksack gepinkelt wurde.

Hermione beschwerte sich, dass oft an ihrer Büchertasche gekaut wurde, nahm jedoch von Strafmaßnahmen Abstand, als sie eines Abends heftig angefaucht wurde.

Sie gingen sich fortan aus dem Weg, der Luchs und das Mädchen.


An den Landungsbrücken, wo die geheimnisvollen Schiffe von der Felseninsel anzulegen pflegten, saß auf einer schmucklosen Bank eine Frau - nein eine Dame. Sie war in ein dunkelblaues Marinekostüm, das entfernt an die Mode der Zwanziger Jahre erinnerte gekleidet, trug einen auffälligen Hut mit Halbschleier und rauchte eine damenhafte Zigarette.

Der Morgen war trüb und bald würde es hier entsetzlich kalt werden. An den Mauern des Kommandaturgebäudes hingen die Suchplakate des Ministeriums für Magie: "Gesucht wegen Mordes - Severus Snape" darunter ein ernst dreinschauendes Bild desselben. Die Frau führte ihre Hand an die Hutkrempe salutierte spöttisch und lächelte. Das Bild lächelte zurück.

Die Dame schaute ungeduldig auf ihre mit Brillanten besetzte Uhr. Gleich elf. Sie nahm ein Opernglas aus ihrer Handtasche und suchte den Horizont ab. Sie verweilte ein wenig länger auf einem fast unsichtbaren Punkt am Horizont und nickte erleichtert. Zwanzig Minuten später war aus dem Punkt eine kleine Barkasse geworden, die von unsichtbaren Kräften angetrieben, dem Ufer zustrebte.

Noch einmal zehn Minuten später legte sie an und spuckte drei Personen aus.

Zwei ernsthaft dreinschauende Aurorenbüttel und einen Noch-Gefangenen. Er war in einen grauen Anzug gekleidet, wirkte ungepflegt und unterernährt. Die Auroren unterschrieben beim Hafenkommandanten einige Formulare und lösten dann die Fuß- und Handfesseln ihres Gefangenen. Der Kommandant salutierte und winkte den Häftling in sein Büro. "Sie sind von nun an wieder ein freier Mann. Folgendes haben Sie zu beachten." Er leierte einige Verhaltensweisen herunter. Der Gefangene hörte ihm in hochmütiger Haltung zu. Er verzog hin und wieder das Gesicht.

Der Kommandant übergab ihm einige Sachen, wie den Zauberstab, eine Geldbörse und einigen Schmuck, sowie einen Gehstock mit silbernem Knauf. Der Ex-Gefangene dankte und unterschrieb nun seinerseits diverse Dokumente. Dann grüßte er und wandte sich zum Gehen.

Draußen erhob sich die Dame langsam von ihrem Platz und ging auf den Neuankömmling zu. "Du hier?" fragte er nervös und schaute sich nach allen Seiten um. Die Dame lüftete ihren Halbschleier und lächelte gewinnend. "Begrüßt man so sein geliebtes Eheweib, Lucius?" fragte sie spöttisch.

"Komm, ich habe einen neuen Anzug für dich, ein heißes Bad und dann ein gutes französisches Essen." Lucius folgte ihr zu einem schnittigen Wagen, der um die Ecke parkte. "Seit wann fährst du Automobil?" fragte er misstrauisch. Sie winkte nur ab und wies ihn auf den Beifahrersitz.

Da dämmerte es ihm. "Gerissener Hund!" knurrte Lucius plötzlich. Narcissa lachte. "Na endlich." sagte sie amüsiert. "Ich dachte schon, du würdest mich küssen."

Lucius grunzte verächtlich. "Nicht mal im Traum. Aber französisches Essen ist eine gute Idee. Was beschert mir das Vergnügen, übrigens?"

Severus ließ das Auto an und erwiderte: "Narcissa wollte sicher sein, dass dir auf dem Heimweg nichts passiert und wir zwei - Lucius - wir müssen dringend reden."

Sie fuhren in ein kleines Strandhotel, das um diese Zeit fast keine Gäste hatte. Lucius badete und zog sich dann standesgemäß um. "Fein." sagte er und rieb sich die Hände. "Jetzt sieht die Welt schon ganz anders aus. Gehen wir!"

Eine knappe Stunde später saßen sie gemeinsam in einem noblen Restaurant mit Seeblick. Um sie herum dinierten etliche Muggel, die sie nicht weiter beachteten.

"Deiner Frau geht es gut, sie ist mit dem Jungen in Marrakech, sie malt Aquarelle und er hat eine Lehre bei einem hochkarätigen Hexenmeister angetreten. Aber darüber wollte ich nicht mit dir sprechen, du wirst sie in weniger als fünf Stunden selbst treffen, hier ist dein Flugticket."

Die perfekt manikürte Damenhand schob einen Umschlag über den Tisch.

Lucius steckte ihn ein, ohne nachzusehen. "Und sonst?" fragte er zögernd. "Ich habe ein Foto von dir gesehen, vorhin am Hafen." er zeigte mit dem Daumen über seine Schulter. "Stimmt das, was draufsteht?".

Severus sah ihn lauernd an. "Ja." erwiderte er knapp. "Das hätte ich dir niemals zugetraut." gestand Lucius.

"Du bist also gar nicht erst zurück, hast Draco zu seiner Mutter gebracht und die ist mit ihm nach Afrika." fasste Lucius zusammen. "Hm. und der dunkle Lord?" Severus zuckte mit den Schultern. "Hat nicht viel dazu gesagt. Ich nehme an, er hatte das schon so erwartet. Jedenfalls hat er mich wieder an die 'Front' geschickt. Da bin ich immer noch. Glaubt er." Lucius machte eine heftige Handbewegung. "Du verschweigst mir etwas Wichtiges." sagte er nach kurzem Überlegen. "Heraus damit. Ich werde dich nicht verraten, wozu auch?". Severus tauchte seinen Löffel in die Vorsuppe und kostete vorsichtig. "Es gibt Entwicklungen, die dich interessieren sollten." begann er vorsichtig und erzählte die ganze Geschichte in allen Details. Lucius hörte aufmerksam zu und erbleichte. "Du weißt, dass er es auch bei uns versucht hat?" fragte er. Severus schüttelte den Kopf. "Vor Draco war Narcissa schon einmal schwanger. Der dunkle Lord wollte uns das Kind abkaufen. Tatsächlich, denk nur!"

"Was hast du gemacht?" fragte Snape interessiert. "Tja nichts. Es ist anders gekommen. Narcissa hat das Kind verloren und er hat offenbar ein anderes gefunden." "Hat er." "Bekannt?" "Ja" "Wer?" "Teresa Wilkes." Lucius kniff die Lippen fest zusammen. "Verdammt." sagte er dann. "Ja."

Sie schwiegen eine Weile, der Ober brachte inzwischen den Hauptgang. Dann nahm Lucius das Gespräch wieder auf. "Was hast du nun vor?" fragte er neugierig, "Beziehungsweise, was sollten wir tun?" Snape stocherte in seinem Essen. "Wir sollte mit den anderen reden. Für private Spielchen haben wir uns nicht zusammen geschlossen. Es ging um ganz was Anderes, erinnerst du dich?". Lucius nickte. Es ging ihm schon lange gegen den Strich, wie ein dummer Junge behandelt zu werden. Askaban war nur das Tüpfelchen auf dem i.

"Mein Vater hätte mich schon lange enterbt, wenn er wüßte, wem ich diene und wie dämlich das alles ist.." murmelte er. "Aber was du hier vorschlägst, ist nicht mehr und nicht weniger als eine offene Meuterei. Mit den alten Leuten kann ich mir das vorstellen. Aber diese Neuen, die aus Russland und sonstwoher? Schwierig. Dolohov, der wird nicht zögern, uns alle zu vernichten." Severus grinste. "Dann müssen wir eine kleine Idee schneller sein. Das hier ist immer noch unser Land, schätze ich. Was ist mit Bellatrix?".

"Bella ist schwer enttäuscht worden. Rodolphos hat eine Andere, wusstest du das?". Jetzt war es an Severus, zu staunen. "Wen?" fragte er atemlos. "Oh, eine kleine Schlampe aus Hogsmeade. Pansy irgendwas." Lucius grinste vielsagend zurück. "Meine Schwiegertochter in spe, wenn sich der Herr Professor erinnern wollen. Eine Brieffreundschaft in Askaban und vor drei Wochen nach der Entlassung die große Romanze." Severus war platt. "Oho." sagte er nur. "Genau." antwortete Lucius. "Das steigert unsere Chancen ungemein. Ich rede mit Bellatrix, ich zitiere sie zu einem Familientreffen. Dann sehen wir ja...".

Und mit neuem Schwung begann er wieder zu essen.


Remus verließ sein Zimmer und schaute sich im Korridor um. Nichts, kein Luchs, kein Geräusch - einfach nichts. Plötzlich schwebte Regulus vor ihm. "Er ist unterwegs. Termine." sagte er ohne Einleitung. "Ach?" antwortete Lupin in Ermangelung einer echten Antwort. "Lucius kommt heute raus." erklärte Regulus "Spätestens heute abend wird Severus seinen dicken Katzenkopf durch das Fenster quetschen und wenn der Kopf einmal durch ist..." und damit schwebte davon. Lupin fuhr sich über das Gesicht. "Hoffentlich geht das gut." murmelte er und machte sich auf den Weg in die Bibiliothek.

Dort saß wie üblich Hermione Granger über ein altehrwürdiges Buch gebeugt. Sie hatte die Zungenspitze zwischen ihre Lippen geklemmt und ihre Augenbrauen fragend zusammengezogen. Mit ihrem Zeigefinger fuhr sie emsig Zeile um Zeile entlang. Sie schaute kaum hoch und nickte nur kurz, als sie Lupin bemerkte.

"Hey!" sagte er leichthin und setzte sich in den anderen großen Ledersessel. Er nahm ein kleines Bändchen neueren Datums her und begann ebenfalls aufmerksam zu lesen. Jedenfalls tat er so. Es dauerte nur eine kleine Weile, bis das Mädchen sich ihm zuwandte. "Äh, Remus?" fragte sie unsicher.

"Ja?" Sie scharrte unter dem Tisch mit den Füßen, ein Zeichen, dass sie reichlich nervös war. "Ich habe Post bekommen." fuhr sie fort. "Und äh - ich möchte, also ich..." Remus legte das Büchlein weg und schaute sie erwartungsvoll an. "Ich möchte mich entschuldigen, ich war in der letzten Zeit nicht - äh - nicht so nett zu dir." Sie blickte ihm offen ins Gesicht. Sie schien richtig beunruhigt zu sein. "Schon gut." Remus machte eine wegwerfende Handbewegung. "Was bedrückt dich und welche Post?". Sie seufzte. "Meine Eltern wollen sich mit mir treffen. Dringend. Sie müssen mir unbedingt etwas sagen und es duldet keinen Aufschub." erkläre sie zögernd. Sie reichte ihm schließlich doch einen zerknitterten Brief. Remus las ihn und hob die Augenbrauen. Er ahnte, womit das etwas zu tun haben könnte. "Soll ich mitkommen? Du kannst unmöglich alleine raus." sagte er sorgenvoll. Sie nickte. "Ich dachte mir das schon. Würdest du so freundlich sein?" sie lächelte verhalten. "Klar. Kein Problem." antwortete er. Er war selbst gespannt, was Hermiones Eltern zu sagen hätten. Sie strahlte erleichtert. "Danke!".

"Dein Zimmer." sagte sie noch nach einer Weile Schweigens, "Immer, wenn ich vorbeigehe, wird mir so - schlecht. Könnte dunkle Magie darin sein? Ich meine - ach was!" Sie winkte ab. Remus war beunruhigt. "Willst du mit mir zusammen nachsehen?" fragte er. "Wir könnten das Problem ein für allemal lösen." Sie zögerte. "Vielleicht. Wenn wir aus Reading zurück sind." antwortete sie schließlich.