Glücklicherweise war einer der Auroren, ein gewisser Adolar Krum, Kadett und Spitzensportler, geistesgegenwärtig genug, um Wiederbelebungsversuche zu unternehmen. Er versuchte es zunächst mit einem Zaubertrank im Riechfläschchen, dann auf Muggelart mit einer heftigen Herzmassage.
Ein paar bange Augenblicke später schlug Potter die Augen auf und begann krächzend zu atmen. Der Kadett Krum fand am Hemd des Kranken die Herzinfarktmaschine und stellte das Beweismittel sicher. "St. Mungos, England." befahl er seinen Kameraden mit dumpfer Stimme und ging durch den Kamin voran.
Die Ärzte wussten nicht, wen sie vor sich hatten und Potter hielt klugerweise den Mund. Er bat nur darum, einen gewissen Arthur Weasley zu informieren, da dieser ein ferner Verwandter sei. Diesem Wunsche wurde stattgegeben.
Molly brachte inzwischen die beiden schüchternen Kinder dazu, etwas von sich selbst zu erzählen und sie zeigte ihnen sogar ein paar witzige Erfindungen der Zwillinge. Als der Ruf aus St. Mungos kam, wurde sie unruhig. Arthur verschwand kurz darauf im Kamin, nicht ohne Eine Eule an Harry und Remus zu senden. "Am besten, wir ziehen alle um in das Hauptquartier." entschied Molly keinen Moment zu früh, denn gerade als sie sich um den Kamin versammelten schellte die Glocke. Die Schiefertafel neben dem Eingang zeigte deutlich an, um wen es sich nur handeln konnte. "Schnell." drängte Molly und zu dritt verschwanden sie in einer glitzernden grünen Flamme.
Als sie aus dem Kamin im Hauptquartier stiegen, wurden sie von Remus Lupin und Hermione in Empfang genommen. "Da seid ihr ja." Das Mädchen freute sich aufrichtig, die Geschwister ihres besten Freundes kennenzulernen. Sie zeigte ihnen das Haus, vor allem die Bibliothek und den Ballsaal. "Wo ist Harry?" fragte Arthur flüsternd. "Er war noch nicht soweit. Er hat sich ein paar Minuten Auszeit erbeten. Die ganze Sache nimmt ihn emotional sehr mit. Ich hoffe" Remus schaute auf die große Wanduhr, "ich hoffe, zum Abendbrot ist er fit genug, um die beiden zu begrüßen."
James Potter schlug mühsam die Augen auf. Über seinem Kopf tanzte ein Sauerstoffballon und auf dem Nachttisch standen vier verschiedene Zaubertränke. "Uh" sagte er. "Das fasst es ziemlich gut zusammen." ertönte eine Stimme neben dem Bett. James drehte sich um und sah einen schwarzen Mann auf einem Stuhl sitzen. Er wurde von der Dunkelheit im Zimmer fast verschluckt. "Lumos." hauchte er und vergaß dabei, dass er gar keinen Zauberstab zur Hand hatte. "So wird das nichts, Potter." höhnte die Stimme und dann begannen ein paar Leuchter sanft zu glimmen. "So geht das." Es war wieder dieser Snape. "Hätte dumm ausgehen können." erklärte James heiser. "Nun weiß ich aber ganz bestimmt, dass sie Böses im Schilde führt. Sind die Kinder in Sicherheit?". Snape nahm umständlich ein weißes Taschentuch mit eingesticktem Slytherin-Wappen aus der Tasche und schneuzte sich geräuschvoll. "Ja. Die Weasleys waren zur Abwechslung einmal clever und brachten die zwei in das Haus Black, wenn du weißt, was ich meine."
"Das kennst du ja viel besser als ich." erwiderte James giftig. Dann hielt er inne. "Wieso habe ich das jetzt gesagt?" murmelte er verwirrt. "Weil es stimmt, Potter. Du erinnerst dich langsam. Sie hat dich nicht mehr im Griff. Wir sollten dich schleunigst hier raus bringen und sie in dem Glauben lassen, du seist tot. Wo könnte sie mit der Kleinen hin sein?". James dachte nach. "Sie kennt nicht so viele Leute, die sie aufsuchen könnte, ohne dass sie auffliegt. Sie ist in England?" Snape nickte. "Sie wurde gesehen und sie hat versucht in den Fuchsbau einzudringen. Der ist aber gesichert wie Fort Knox. Zwillinge." fügte er erklärend hinzu. James konnte zwar mit dem Ausdruck Fort Knox nichts anfangen, aber er verstand das Prinzip. Er dachte nach. Wer würde alles für Lilly tun und sie nicht ausliefern oder anzeigen?
"Slughorn!" riefen plötzlich beide zugleich. "Zieh dich an, Potter. Wir gehen in das Hauptquartier. Wir brauchen Verstärkung und einen Plan. Einen verdammt guten Plan." bellte Snape und aktivierte das Flohsystem.
James war kurz danach an seiner Seite. Er war zwar noch wacklig auf den Beinen, aber - so sagte er sich - er hatte schon Schlimmeres erlebt. Im Haus am Grimmauldplace konnte er sich ja gleich wieder hinlegen. "Komm." flüsterte Snape und warf eine Handvoll Flohpulver in den Kamin.
Harry Potter hatte sich in seinem Zimmer eingeschlossen und sich dann unter seine Bettdecke verkrochen. Natürlich wusste er, dass seine Geschwister inzwischen angekommen waren. Er wusste auch, dass sein Vater, den er noch vor wenigen Wochen vergöttert hatte, vom St. Mungos in das Hauptquartier gebracht worden war. Er wollte sie aber alle nicht sehen. Nicht.
Zu viel war in den letzten 48 Stunden über ihn hereingebrochen. Sein Weltbild war erschüttert worden, Dumbledore vom Sockel gestürzt, seine Eltern waren bedeutungslos geworden und seine Freunde musste er sich erst wieder neu ordnen. I had to rearrange their faces and give them all another name Das hatte er Remus einmal unter der Dusche singen hören. Diese paar Worte gingen ihm seit dem Morgen im Kopf herum. Die einzige Konstante in seinem Leben war zur Zeit - Snape. Der meistgehasste fetthaarige Mistkerl aus den Kerkern war der Fels in seiner Brandung. Das stank Harry gründlich. So hatte er sich das alles nicht vorgestellt.
Er schniefte verächtlich. Er war auch jetzt nicht mehr der Retter der Zauberwelt oder der Junge, der lebt - nein! Er war ein ganz normaler Sohn von zwei Kriminellen und hatte zwar Geschwister, aber die waren ihm völlig fremd. Und jetzt konnte er nicht mehr unter die Leute gehen, weil seine rot geweinten Augen nie wieder normal aussehen würden. Er starrte auf einen kleinen Haufen Taschentücher. ' Pfui! ' dachte er. 'Alles schleimig. ' Er verfluchte nacheinander Dumbledore, Voldemort und alle, die er flüchtig oder näher kannte. 'Ich hätte bei Tante Petunia bleiben sollen und eine Lehre als Bankkaufmann anfangen sollen. Oder Holzfäller. Irgendwas. Ich sollte die Zauberwelt so schnell wie möglich verlassen. Sollen die doch sehen...' Diese Idee fand er unglaublich gut. Sie beruhigte ihn sogar.
Dann dachte er an Ron und Hermione, an Ginny, an Luna und Neville. Er seufzte. Natürlich würde er durchhalten. Wieder einmal. Er warf sich wieder auf den Rücken. Er dachte in diesem Moment an Hagrid und einen seiner Sprüche. 'Kommt Zeit, kommt Rat - alter Muggelspruch.' es war als hörte er den Halbriesen vor sich hin grummeln. Harry lächelte. Dann schlief er schließlich ein.
Snape führte James in ein freies Schlafzimmer und ließ Kreacher das Bett bereiten. Er gab dem Patienten ein paar Zaubertränke für sein Wohlbefinden und einen leichten Schlaftrank. "Du wirst erst einmal pennen." erklärte er auf seine schnörkellose Art. "Heute abend werden wir dich unter großem Hallo, da bin ich mir sicher, den anderen Ordensmitgliedern vorstellen. Zuvor würde ich mir gerne deine Denkblockaden ansehen. Ach - und Lupin wird dich natürlich auch sehen wollen. Der kleine Werwolf ist - wie du sicherlich weißt - sehr sentimental."
Potter schniefte gekränkt. "Er ist nicht sentimental, er ist der beste Freund, den ich neben Sirius hatte." gab er zurück. "Du solltest nicht so über ihn reden." Snape winkte ab. "Das ist er von mir inzwischen gewöhnt. Er mag das sogar, glaube ich." James zählte eins und eins zusammen. "Remus und du?" fragte er ungläubig. "Nach dem Krieg vielleicht." antwortete Snape ausweichend. "So lange würde ich nicht warten. Wer weiß, wie wir nach dem Krieg aussehen." erwiderte James schulterzuckend. Snape schaute ihn nachdenklich an. "Kann schon sein." murmelte er und schwebte aus dem Zimmer.
Snape ging wie immer, wenn er nachdenken musste, erst mal in die Bibliothek. Er hatte sich ein paar Bücher zurechtgelegt, die Zaubertränke beschrieben, die er demnächst gut gebrauchen konnte. Er bemerkte nicht, dass im großen Ohrensessel nahe am Kamin bereits jemand sass. Dieser Jemand war ungefähr zehn Jahre alt und trug eine absurde rosafarbene Latzhose mit Blümchen darauf und hatte langes lockiges Haar, das zu einem Pferdeschwanz gebunden war. Gerade als er sich streckte, um einen weiteren wichtigen Band herunter zu holen, zupfte ihn jemand an der Robe. Snape drehte sich gereizt um, sah aber nicht gleich, wer es sein könne.
"Wenn du schon dabei bist, Onkel, kannst du mir das blaue Buch runtergeben?" fragte ein dünnes Stimmchen. Snape schaute nach unten und blickte in zwei smaragdgrüne Augen. 'Offenbar steht auf meinem Rücken Magnet für Potter-Kinder' dachte er grimmig. "Was für eins?" hörte er sich selbst zu seiner Überraschung sagen. "Die zehn besten Zaubertränke?". Das Mädchen nickte eifrig. "Viereinhalb habe ich schon gemacht." erzählte sie aufgeregt. "Vier- ein -halb?" intonierte Snape und versuchte streng zu klingen. Die Kleine schien das gar nicht zu bemerken. "Einer ist mir übergekocht." gab sie kleinlaut zu. "Hm." meinte Snape. Er gab ihr schnell das Buch, um das Kind loszuwerden. Das war eine Fehleinschätzung. "Kannst du auch welche?" fragte sie neugierig und ihre kleinen Finger, deren Nägel in einem scheußlichen moosgrün lackiert waren, glitten gierig über das Rezept. "Welche was?" knurrte Snape abwesend. "Zaubertränke!" sagte sie mit einem vorwurfsvollen Unterton, als ob sie alle Erwachsenen, und ihn speziell, für totale Trottel hielt. Snape schloss seufzend sein Buch und wandte sich ihr zu. "Zufällig bin ich Zaubertrankmeister des höchsten Grades." sagte er giftig. "Dann kannst du mir zufällig auch erklären, was ich mit dem fünften Trank falsch gemacht habe?" antwortete die kleine Kröte und stemmte die Hände in die Hüften. Snape rang um Fassung und antwortete kurz aber bestimmt. "Klar."
Als Harry Potter, der endlich aufgestanden war und eine Runde durch das Haus drehte, bot sich ihm in der Bibliothek ein seltsames Bild. Snape stand an einem der Tische und beugte sich über ein Buch, neben ihm - auf dem Tisch - kniete ein kleines Mädchen in einer absurd-rosa Latzhose und beugte sich ebenfalls über den Band. Die beiden waren in eine heftige Diskussion vertieft und Harry hörte die Kleine sagen "Das ist nicht dein Ernst, Onkel Snape. Keine Veilchenwurzeln?". Harry schloss leise die Tür und lehnt sich schwer atmend dagegen. Er konnte das Gefühl nicht einordnen, dass ihn gerade durchfloss, aber er ahnte, dass nun endgültig alles anders würde als vorher. Er machte sich auf, Ron und Hermione zu finden und betete zu allen ihm bekannten Göttern, dass die nicht gerade irgendwo am Knutschen waren.
Petunia Dursley arrangierte ein paar Blumen in eine Vase und summte dabei einen längst vergessenen Schlager. Sie guckte in die Luft und versuchte sich an den Text zu erinnern. "We've been meeting here so long I guess what we done, oh was wrong Please darlin', don't you cry Let's just kiss and say goodbye" sang sie leise. Als junges Ding hatte sie eines Tages diese Platte immer und immer wieder aufgelegt. Irgend etwas war geschehen. 'Liebeskummer. Nehme ich an.' dachte sie und machte sich wieder an ihren Haushalt.
Sie hatte solche Phasen öfter. Manchmal ertappte sie sich dabei, wie sie verwundert innehielt und sich fragte, wie sie an diesen schrecklichen Mann gekommen war. Sie wusste es nicht. Immer wenn Paare erzählten, wie sie sich kennen gelernt hatten, wusste sie nichts zu erzählen. Sie tat das dann immer als Unsinn ab und ging zur Tagesordnung über. Dennoch...
Als sie zur Uhr blickte, erkannte sie, dass sie noch unendlich viel Zeit hatte. Dudley würde nicht vor vier da sein und Vernon war mit seinem Boss zu einem Termin in Aberystwyth in Wales. Ausgerechnet! Sie öffnete eine Schublade in ihrer teueren Schrankwand und kramte die Photoalben hervor. Während sie blätterte, schnaufte die Espressomaschine, die ihnen Tante Magda zum 15. Hochzeitstag geschenkt hatte, Petunia hatte den starken schwarzen Kaffee liebgewonnen. Sie schaute auf die Bilder und versuchte, ihre Geschichte und die Vernons nachzuvollziehen. Auf einem Bild, das wohl in den Sommerferien geschossen worden war, sah man Lilly und diesen Peter zusammen mit Petunia und einem anderen jungen Mann. Der Name fiel ihr nicht gleich ein, doch sie vermutete, dass es James war. Dieser James, der Lilly geheiratet hatte. Petunia hatte in diesem Jahr die kaufmännische Schule begonnen und lebte auch in einem Internat. Sie schüttelte den Kopf. Kein Vernon. Sie stand auf und schenkte sich einen Espresso ein.
Auf dem nächsten Bild war eine Feiergesellschaft zu sehen. Die Silberhochzeit ihrer Eltern. Dieser James sass neben ihr an der Festtafel. Lilly sass ein paar Plätze entfernt und schien zu schmollen. Wieso sass ihr Verlobter nicht neben ihr? Und wo war Vernon? Endlich - auf einem Urlaubsfoto sah sie Vernon zum ersten Mal. Er trug einen affigen Anzug und lange Koteletten. Sie stand daneben und lächelte verklemmt. Dann folgten jede Menge Schnappschüsse mit Vernon darauf und schließlich ihr Hochzeitsfoto. Sie studierte ihr eigenes Gesicht. Für eine Braut sah sie sehr verbittert aus. Und irgendwie total verändert. Unattraktiv im Gegensatz zu den Fotos vom Sommer. Sie schlug das Album seufzend zu. Zeit, Dudley das Essen zu machen. Resolut stand sie auf und ging in die Küche.
Lucius Malfoy stand in seinem Arbeitszimmer und starrte konzentriert auf eine riesige Zeichnung, die er an die Wand geheftet hatte. Zahlreiche arithmantische Formeln, mystische Zeichen und einige Skizzen übersäten das Pergament. Hin und wieder verbesserte er etwas und trat dann ein paar Schritte zurück, um das Gesamtwerk zu betrachten. "Grandios." murmelte er. Da schellte die Glocke an der Eingangstür.
Narcissa steckte ihren Kopf durch den Türspalt. "Lucius, da ist ein junger Mann für das Ca-" "sting." vervollständigte Lucius abwesend. Er begab sich in den kleinen Raum, der dafür vorgesehen war und traf dort bereits Mulciber, Bellatrix und Goyle an. Er nickte seinen Kameraden kurz zu und setzte sich. Sie starrten erwartungsvoll zur Tür.
Diese öffnete sich und herein kam ein junger Mann mit Dreadlocks und einem breiten Grinsen. "Hello." sagte er beschwingt. Lucius nickte gnädig. "Erzählen Sie uns einfach, warum Sie diesen Job möchten." sagte er. "Haben Sie Erfahrung mit der Moderation?".
Der junge Mann nickte. "Ich habe viele Jahre als Quidditch-Kommentator gearbeitete." erzählte er eifrig. Bellatrix musterte verstohlen den neongrünen Anzug des Jungen und versuchte sich vorzustellen, wie er darunter aussah. Der kaffeebraune Junge gefiel ihr irgendwie. "Mein Name ist Lee Jordan. Sie erinnern sich vielleicht -ihr Sohn, Draco war doch der Kapitän der Slytherin-Mannschaft." Lucius erinnerte sich. "Ja, tatsächlich. Nun - was können Sie noch?" Lee grinste noch breiter. "Ich kann singen, tanzen und jonglieren. Ich möchte unbedingt dabei sein, wenn das Zauberfernsehen aus der Taufe gehoben wird. Die Show -" hier machte er eine Art Pirouette, "ist mein Leben, Sir, Madam. Und ich habe seit meiner Schulentlassung als Gehilfe bei der BBC gearbeitet." Das es in der Kantine gewesen war, verschwieg Lee wohlweislich. "Verstehe." sagte Mulciber. "Das könnte von Nutzen sein. Wie stellen Sie sich die Eröffnungsgala vor?". Bellatrix und die Männer lehnten sich aufmerksam nach vorne. Lee begann zu erzählen.
"Und dann brauchen wir Feuerwerk." sagte er, "Jede Menge. Die Weasley Brothers stehen sicherlich gern zur Verfügung..."
"Danke." sagte Lucius. "Das genügt. Sie hören von uns." Lee stand unschlüssig im Raum. "Habe ich den Job?" fragte er schüchtern. Lucius starrte ihn kalt an. "Keine Gryffindor-Witze." sagte er akzentuiert. "Dann können wir darüber reden." Lee lächelte wieder. "Dann - Hufflepuff-Witze?" fragte er. Lucius nickte. "Das wird die Zeit bringen." sagte er. "Womöglich kann man in Zukunft sogar Harry-Potter-Witze erzählen." erklärte er. Lee grinste. "Harry Potter kommt zum Arzt..." begann er. "Genug!" fuhr Bellatrix dazwischen. "Sie bekommen eine Eule, sobald die Show - avisiert ist." Dann entließ sie den Kandidaten mit einer unwirschen Handbewegung. Lee verschwand unverzüglich.
Sie sahen sich an. Bellatrix seufzte. "Das hatte ich mir leichter vorgestellt." bekannte sie. "Wir haben ja noch nicht alles gesehen. Heute abend geht es weiter." meinte er zuversichtlich. "Was steht auf dem Programm?" fragte Mulciber beklommen. "Glücksrad, Popstars, American Idol, Dr. House und Die Millionenshow." rezitierte Goyle das Programm. "Ich hoffe, jemand hat an die Chips gedacht."
Endlich war die Abendbrotzeit gekommen. Erwartungsvoll sassen Kingsley, Tonks, Minerva, Arthur und Molly, Ginny, Hermione und Ron, Severus und Remus am Tisch. "Ich bin total gespannt." flüsterte Ron nervös. Dann kam Harry. Er setzte sich auf seinen Platz, ohne die anderen anzusehen. Severus stand auf und holte James und die Kinder. Rachel sah sich kurz um und wählte den Platz neben Snape. Remus kicherte in seine hohle Hand. "Guten Abend." sagte James ruhig. "Ich denke, ich habe euch Einiges zu erklären." "Kann man wohl sagen." murmelte Kingsley. "Ich werde das auch tun - so gut ich es eben kann." erwiderte James. Dann entstand eine feierlich-erwartungsvolle Stille, die unterbrochen wurde mit den Worten: "Kannst du mir mal das Fleisch schneiden, Onkel Snape?". Die kleine Gesellschaft konnte ihr Feixen nicht sehr gut verbergen. Severus tat einfach als sei das sein tägliches Geschäft und fertigte mundgerechte Häppchen.
James erläuterte dem Phönixorden alles, woran er sich erinnerte. Er kam auch auf Petunia zu sprechen, worauf Harry zusammenzuckte. "Sie ist nicht schlecht." meinte James, "Sie war ein sehr ambitioniertes Mädchen. Ich habe sie sehr geliebt, wir wollten sogar zusammen durchbrennen. Wie alles andere dann kam, kann ich nicht sagen. Plötzlich stand ich mit Lilly vor dem Traualtar und meinte, dies sei mein freier Wille." Schweigen entstand. Harry schüttelte empört den Kopf. "Petunia ist eine frustrierte Ziege. Sie hat mich behandelt wie den letzten Dreck." stellte er noch einmal klar. "Das kann aber doch nicht immer so gewesen sein." vermutete Lupin. "Schließlich warst du noch ein Baby, als sie dich aufgenommen hat. Sie muss dich gefüttert und gewickelt haben. Irgendwie passt hier auch etwas nicht zusammen." Harry zuckte mit den Schultern. "Kann mich nicht erinnern. Meine erste Erinnerung ist mit vier oder so, da schob sie mich bereits weg von sich. Und Vernon hat mich niemals beachtet, außer wenn er mich anbrüllte. Dudley war die echte Pest." Kingsley schrieb das alles auf. Er wollte sich ein vollständiges Bild machen. Vielleicht konnte man mit Petunia etwas anfangen. Vielleicht wusste sie etwas Wichtiges und hatte es nur verdrängt.
Snape stand plötzlich auf. "Wir müssen uns um Slughorn kümmern." sagte er. "Die Zeit läuft uns weg. Die Termiten werden bald zuschlagen wollen." verkündete er noch mit einem düsteren Unterton. Kingsley, Arthur, Remus und Tonks schlossen sich ihm an. Die Kinder und James blieben mit Minerva und Molly im Haus, um Eventualitäten vorzubeugen. Die Fünf apparierten an den Rand des Ortes, wo Slughorn angeblich lebte. Harry hatte ihnen so gut es ging eine Skizze aufgezeichnet. Langsam schlichen sie sich an.
Slughorns Domizil hatte sich nicht verändert. Von außen war nichts zu sehen oder zu hören. In der Ferne bellte ein Hund, andere antworteten. Dann herrschte wieder Stille. "Brennt Licht?" flüsterte Lupin heiser. "Nichts." antwortete Kingsley. Er schickte Tonks und Arthur an die Rückseite des Hauses. Sie stiegen über ein Nebengrundstück in den Garten ein. Tonks schaffte es, nicht die Regentonne umzuwerfen und so gelangten sie an das große Fenster des Wohnzimmers. Auch dort regte sich nichts. Sie duckten sich hinter einem großen Hortensienbusch und warteten.
Vorn schlichen sich Kingsley, Remus und Severus näher. Die Nacht war inzwischen tintenblau und der Mond war von einigen Wolken völlig verdeckt. "Gut." flüsterte Snape. "Dann müssen wir eben näher ran. Wartet hier, bis ich euch ein Zeichen gebe." Dann verwandelte er sich in den Luchs und schlich geduckt bis an den Zaun. Mit einem leichtfüßigen Sprung überquerte er das Hindernis und schlich weiter durch den Vorgarten. Seine Raubkatzenaugen konnten in der Dunkelheit sehr gut sehen, er roch auch, dass dort vor weniger als zwei Stunden jemand entlang gegangen war. Eine Frau mit Kind. Fast hätte er bestätigend genickt. Er versteckte sich in einer Rabatte und beobachtete. Im Haus regte sich nichts.
Snape sprang auf die Fensterbank und schaute in das Wohnzimmer. Dort war es dunkel, aber er konnte erkennen, dass dort jemand Tee getrunken hatte. Er schnüffelte. Der Tee war fast noch warm. Er sprang wieder herunter und lief die Fensterfront ab. Irgendwo musste der Idiot Slughorn doch ein Fenster offen haben! Schließlich entdeckte er es. Ein Kellerfenster - wieder einmal. Flink schob er sich hindurch. Drinnen war es noch finsterer. Es roch nach halbfaulen Kartoffeln und Mäusedreck. Snape nieste leise. Er fand eine Holztreppe und schlich nach oben. Er prüfte regelmäßig, ob irgendwelche Schutzzauber oder Bannflüche in der Luft lagen. Aber es war nichts. Horace Slughorn war zwar über-ängstlich aber auch über-dämlich.
Im Erdgeschoss standen ein paar Sitzmöbel, Kleider- und Schirmständer und ein kleiner Tisch, auf dem Dutzende Zeitschriften lagen. Es wirkte wie ein Warteraum eines Arztes. Vielleicht quacksalberte der Tränkebrauer ja in seiner Freizeit. Eine Tür führte in den Wintergarten und eine mit flauschigem Teppich belegte Treppe führte in den Wohnbereich. Vorsichtig, eine Tatze immer in der Luft, um besser fliehen zu können, machte sich Snape an den Aufstieg. Immer wieder roch und tastete er sorgsam, aber es regte sich tatsächlich nichts. Er prüfte, ob eine Apparation hinaus möglich sei und freute sich diebisch, dass auch diese Möglichkeit gegeben war. Slughorn war sicherheitstechnisch ein Trottel. Da fing sein Auge ein seltsames Blinken über der Tür auf. Eine Muggel-Alarmanlage! Wäre Snape nicht gerade ein Luchs gewesen, hätte er wohl schallend gelacht.
Glücklicherweise pflegen Luchse nicht zu lachen. Er kroch auf dem Bauch zu dem blinkenden Ding und überlegte. Als kleiner Junge hatte er zusammen mit Lawrence öfter Gangsterfilme gesehen. Da wurden Alarmanlagen immer mit Rasierschaum außer Gefecht gesetzt. Snape verwandelte sich zurück und blieb auf dem Boden liegen. Sorgsam verwandelte er ein paar Teppichflusen in eine Schaumspraydose. Vom Boden aus zielte er auf die Anlage und nebelte sie ordentlich ein. Es zischte kurz, dann hörte das Licht auf zu blinken. Snape wartete atemlos aber nichts geschah. Er richtete sich auf und untersuchte das seltsame Ding. Dann schnaubte er verächtlich durch die Nase. Die Alarmanlage war nur eine Attrappe! Selbst die Werbung "Schrecken Sie Diebe ab! Sieht aus wie echt!" klebte noch daran. "Zauberer sind zu groß geratene Kinder." murmelte Snape wieder einmal. Er beseitigte alle Spuren und machte sich auf die Suche nach Rusalka und Lilly.
Ein lautes Schnarchen belehrte ihn, dass in dem Zimmer nebenan Horace Slughorn den Schlaf der mehr oder weniger Gerechten schlief. Vorsichtig schaute er in das andere Zimmer, das wohl das Schlafzimmer des Squires war. Im großen Himmelbett ruhte tatsächlich Lilly Potter in ihrer ganzen rothaarigen Pracht. Sie schlief fest und ruhig, als wäre sie eben mal bei ihrem Lieblingslehrer zu Besuch. 'Verdammte Hexe' dachte Snape und wandte sich der kleinen Couch zu, auf der Rusalka schlief. Sie hatte einen Teddybär fest an sich gepresst und einige Schweißperlen standen auf ihrer weißen Stirn. Snape überlegte diesmal nicht allzu lange, sondern packte einfach Kind und Bär und apparierte vor das Tor von Grimmauldplace Nummer 12. Sofort wurde die Tür geöffnet und Harry Potter höchstselbst zog beide in das Haus. "Große Klasse, Snape." sagte er sogar. Das Kind war nicht einmal aufgewacht. Sie brachten die Kleine flugs zu James, Snape schickte schnell einen Patronus zu Remus und den anderen.
"Uff." sagte er dann. "Ab jetzt wird es gefährlich. Lilly wird sicherlich fuchsteufelswild. Ich tippe darauf, dass sie demnächst Petunia einen Besuch abstattet. Wir müssen einen Helfer einschleusen. Mach dir Gedanken, Potter. Und gebt mir um Himmelswillen endlich einen Whisky!".
