"Hast du dir die Hände gewaschen, Tom?" eine grässliche hohe Stimme drang an sein Ohr. "Herzeigen!" Lord Voldemort erwachte schweißgebadet. Wieder einmal hatte er vom Waisenhaus geträumt. In der Ferne hörte er die Glocken der orthodoxen Kirche. "Die Glocken!" flüsterte er heiser und starrte in die Dunkelheit. Das war eines seiner Lieblingsgedichte von einem amerikanischen Muggelautor. Von ihm hatte er in frühester Jugend grausame Dinge gelernt. Diese Lektüre hatte seine Lordwerdung mehr vorangetrieben als ganz Hogwarts!
Er lag in der Dunkelheit und rezitierte mit müder, rasselnder Stimme:
"Die Sturmglocken hört, aus Erz, aus Erz!
Wie zittert dabei das Menschenherz.
Von eisernen Fäusten gepackt,
Sausen sie aufwärts, scheuen
Wie wilde Rosse und schreien,
Und schreien und schreien und schreien
Einen gellenden Chor
Der Nacht ins Ohr"
Er lauschte wieder in die Nacht. Dann tastete er auf seinem Nachttisch nach der Flasche mit dem Stärkungstrank. Es war die Flasche Nummer 7. Severus hatte sie durchnummeriert und ihn darauf hingewiesen, sie in der richtigen Reihenfolge zu trinken. Die Flasche war fast leer. Der verdammte Giftmischer würde noch heute bei ihm antanzen müssen. Er freute sich auf eine gute Runde Cruciatus, denn sein Lakai sollte schon von selbst darauf kommen, dass der dunkle Lord neuen Trank brauchte. Er nahm einen tiefen Schluck und dann noch einen. Leer! Er fühlte sich aber schon viel viel besser.
Er sprach wieder leise vor sich hin:
"Oh, wie erschauert unsere Seele,
Wenn sie so hoffnungslos gramvoll tönen,
Wenn jeder Laut ihrer rostigen Kehle
Ein Stöhnen!
Und im Turm allein
Jene knöcherne Sippe,
Jene fahlen Gerippe,
Allein, allein,
Es sind nicht Männer, nicht Weiber,
Nicht Tier- und nicht Menschenleiber,
Es ist Gebein!"
Er grinste dämonisch. 'Zeit für eine neue Aktion.' dachte er. 'Vielleicht sollten wir uns mal wieder in Hogsmeade sehen lassen. Oh ja! Honeydukes anzünden! Wie wird der kleine Potter greinen, wenn der Vorrat an Schokofröschen zu Ende geht!' Er lächelte selig.
Und brummte wieder vor sich hin:
"Auf und ab, auf und ab, auf und ab,
Und er winkt, und er winkt, und er winkt
In das Grab, in das Grab, in das Grab.
Und er tanzt und jubelt und streut
Weithin, weit, weit, weit, weit –
Das klagende, verzagende Geläut."
Er fühlte sich plötzlich wohlig-warm und kuschelte sich wieder in sein Bett. Vergessen waren die Albträume, das Muggelgeschwätz, die ständigen Demütigungen durch den Phönix-Orden. Bald -
Er läutete nach der Nachtwache. Rabastan und Rodolphus Lestrange traten geräuschlos ein. "Lumos minimus!" sagte Rabastan und ein kleines Nachtlicht erglomm. "Der Giftmischer soll kommen." krächzte Voldemort. "Mein Trank ist zur Neige gegangen!"
Rabastan beugte den Kopf und fragte: "Die Flasche Nummer Sieben?" "Zur Neige!" zischte Voldemort. "Also auch die Flasche Nummer Sieben! Was macht das für einen Unterschied?".
Rabastan lächelte. "Alle Unterschiede der Welt, Mylord." antwortete er. Dann zogen er und sein Bruder die Zauberstäbe. Voldemort schaute sie verwirrt an. Er griff nach seinem eigenen Zauberstab, deutete auf Rabastan und schrie mit ungewöhnlich hoher, nervöser Stimme: "Avada Kedavra! Stirb Verräter!". Rabastan lächelte ungerührt weiter. Der dunkle Lord sah mit wachsender Verwunderung und größtem Missfallen, wie aus der Spitze seines Zauberstabes eine große, wunderschöne Sonnenblume wuchs. "Was zum Teufel!" murmelte er enttäuscht.
Rabastan begann zu sprechen. Der dunkle Lord hörte erst nicht richtig zu, dann glaubte er, er höre nicht recht. "Im Namen des Wizengamot der britischen Zauberergemeinde führe ich hiermit eine Bürgerverhaftung durch. Tom Riddle, Sie sind verhaftet." "Hä?" fragte Riddle und sah dabei ziemlich dämlich aus. "Der Bürger ist berechtigt, Verhaftungen durchzuführen, wenn dadurch Schaden von der Gemeinschaft abgewandt und Verbrechen verhindert werden. Paragraph 92ff." ergänzte Rodolphus seinen Bruder. Er sprach einen Fesselspruch und packte den dunklen Lord und warf ihn über seine Schulter. Voldemort versuchte Magie anzuwenden, aber er spürte plötzlich, dass nichts davon mehr in ihm war. Der Igelspeicheltrank hatte seine Wirkung vollendet, das Schlangengift hatte reagiert und die Magie aufgefressen. Voldemort war seinem eigenen Unsterblichkeitswahn zum Opfer gefallen.
Während der dunkle Lord so unspektakulär abserviert wurde, sass im schönen Prag eine Dame in einem Café. Sie war nicht mehr besonders jung, aber sie hatte sich magisch liften lassen. Sie trug teure Kleidung und einen ausladenden Hut mit Schleier. Vor ihr stand ein Kännchen Mokka und eines dieser unsagbar süßen Tortenstückchen, für die das Café berühmt war. Ihr gegenüber sass ein junger, dunkelhäutiger Mann mit Rastalocken und einem schreiend neongrünen Anzug. Der Neon-Mann trank ein großes Glas Schwarzbier. Die Dame lächelte verschwörerisch. "Mr. Jordan, erzählen Sie mir doch etwas mehr von sich. Schließlich muss ich doch wissen, wen ich da promote." flötete Bellatrix, denn niemand anders war es. Lee grinste sein schneeweißes Grinsen. Er hatte sich zwischen den Vorderzähnen einen Brillanten einsetzen lassen, den er nun zu gerne zeigte.
"Ich stamme aus einer zwar armen, aber reinblütigen Zaubererfamilie. Meine Mama stammt aus Haiti. Mein Dad Philomenus Jordan war ziemlich berühmt als Privatdetektiv. Er brachte es fertig, das verschollene Buch der siebzehn blutigen Flüche wiederzubeschaffen." "Ah." machte Bellatrix, der das gar nichts sagte. Lee flunkerte munter weiter. "Ich absolvierte Hogwarts mit mäßigem Erfolg, konnte aber dann sofort in das Medienwesen einsteigen. Ich bekam einen Praktikumsplatz beim 'Propheten' und dann versuchte ich mich in der Muggelwelt. Sehr interessant, trotz allem."
Lee hatte beim Propheten die Papierkörbe geleert und Tee gekocht. Nach zwei Wochen hatte er den Job geschmissen und war in die Muggelwelt verschwunden. Er bekam einen Job in der BBC-Kantine und wurde dort für die Show entdeckt. Nun ja - für eine Stripshow in Soho, um genau zu sein. "Dann arbeitete ich für das Fernsehen und schließlich wurde ich entdeckt. Seitdem bin ich im Showbiz zu Hause." Lee grinste wieder. "Sho-Biss." wiederholte Bellatrix ehrfürchtig. "Und was war es genau?" "Ballett. Große musikalische Inszenierungen." präzisierte Lee. "Oh." Bellatrix machte einen spitzen Mund. "Ich würde mir das gern einmal ansehen." zwitscherte sie und nahm ein Schlückchen Mokka. "Warum nicht." schnurrte Lee. "Wie wäre es mit einer Privatvorstellung?" Bellatrix' Augen blitzten gierig. "Warum nicht?" hauchte sie. "Aber nicht heute. Ich muss nach England. Jetzt - sofort." Mit einem leisen 'Plopp' apparierte sie davon und ließ Lee mit der Rechnung allein.
Zögernd wagte sich die erste Morgendämmerung hervor und tauchte nach und nach London und auch den Zaubererteil davon in ein rosa-schummriges Licht. Irgendwo pfiff eine einsame Lokomotive ihr tragisches Lied und die ersten Zeitungsautos ratterten von den Höfen der Druckereien. Es schlug gerade vier vom Kirchturm, als der diensthabende Auror, der gerade etwas döste von dumpfen Schlägen an die Eingangstür des Ministeriums geweckt wurde.
Es war der Hintereingang, der vor Muggelblicken sorgsam versteckt, für Notfälle eingerichtete worden war. Kingsley Shacklebolt und seine Truppe hatten Dienst. Shacklebolt selbst war am Eingang und öffnete das Guckfenster in der Tür. Was er dort sah, würde er noch seinen Urenkeln erzählen. Ein kleiner Trupp Männer und Frauen stand da und in der Mitte ein gefesselter alter, kahlköpfiger Mann. "Was ist?" fragte Kingsley verwundert und in dem Moment trat ein Mann vor und schob seine Kapuze zurück. Es war Lucius Malfoy. "Auror Shacklebolt, wir kapitulieren hiermit und übergeben Lord Voldemort der Justiz der Zauberergemeinschaft." sagte er und wies auf den alten Mann. Kingsley rieb sich die Augen, dann öffnete er die Tür und führte die Gesellschaft in den Warteraum. Er klingelte nach seiner Truppe und sandte einen Patronus an den Minister und an den Phönixorden. Inzwischen nahm Tonks den gefesselten Lord in Empfang und verbrachte ihn in die Ausnüchterungszelle. "Blutsverräter, feige Bande!" brüllte der Lord. Kingsley sprach einen Stillezauber über die Zelle.
"Wow!" meinte Tonks und begutachtete die kleine Gesellschaft. Alle Todesser von Rang waren dabei; Malfoy, die Lestranges, MacNair, Muliber und so weiter. "Wir werden als Kronzeugen aussagen, hier ist unser Geständnis." Malfoy übergab Kingsley ein Manuskript von mehr als tausend Seiten. "Über alle Verbrechen haben wir penibel Buch geführt." er grinste seitwärts Tonks an. Kingsley verstand. Das bedeutete, dass diese Bande ungeschoren davonkommen würde. Er kratzte sich seinen kahlen Schädel. "Der Minister wird das entscheiden." erwiderte er so würdevoll es eben ging. Sie setzten sich auf die Bänke und warteten.
Petunia Dursley sass in ihrer Küche und rauchte. Sie hatte seit mehr als zwanzig Jahren keine Zigarette mehr angerührt, aber in diesem Moment brauchte sie etwas, woran sie sich festhalten konnte. Der unheimliche Mann mit dem falschen Auge und die zwei jungen 'Polizisten', die ihr gegenüber sassen, flößten ihr Angst ein. Harry war kurz mit da gewesen und hatte ihr erklärt worum es ging. Sie hatte kaum die Hälfte davon verstanden. Es war noch dunkel, sie hatten kein Licht gemacht. "Ich wüsste zu gerne" begann Petunia, aber der Einäugige unterbrach sie. "Pscht." grunzte er.
Plötzlich schellte die Türklingel. Der Einäugige nickte und Petunia ging mit wackligen Knien zur Tür. Bevor sie ihre Hand auf die Klinke legte, atmete sie tief durch. Dann ging alles ganz schnell. Wie eine Furie schritt Lily Potter an ihr vorbei in den Vorsaal. "Lily." krächzte Petunia, "Was zum Teufel?". Lily würdigte sie keines Blickes, sondern hielt ihren Zauberstab in Kopfhöhe und schien auf etwas zu lauschen. "Ist jemand hier?" fragte sie heiser. "Nein." antwortete Petunia, nun gefasster. "Niemand. Weder James, noch Harry oder gar irgendwelche anderen deiner Sorte. Vernon ist auf Geschäftsreise und Dudley bei seiner Freundin. Also nimm das Stöckchen herunter. Wir sollten zusammen Tee trinken." Dieses Szenario hatte sie mit dem Einäugigen vorhin besprochen. Lily zögerte, nickte aber dann und folgte Petunia in die Küche. Als sie die Schwelle überschritt, wurde sie von zwei Ganzkörperklammern erfasst und fiel zu Boden. Moody nahm ihr den Zauberstab ab und legte ihr Handschellen an. "Kaum zu glauben." murrte er. "Ich dachte, die spinnen alle. Und nun hat dieser Mistkerl Snape auch noch recht behalten. Blöder Mist!" Moody grummelte noch eine Weile weiter, während seine Gehilfen die Küche wieder in den ursprünglichen Zustand brachten. Petunia zündete sich eine neue Zigarette an und schenkte sich einen Cognac ein. "Danke." sagte sie zu Moody. "Ich habe mich gefürchtet." Moody grinste. "Madam!" sagte er und tippte an seinen Hut. "Immer wieder gern." "Ich hoffe, es war nun wirklich das letzte Mal." erwiderte Petunia. "Und sagen Sie James, er kann ruhig einmal vorbeikommen." fügte sie unwillkürlich hinzu. Lily sah sie verächtlich an.
Die Zauberer verschwanden durch den Kamin, den Petunia am Abend zuvor geöffnet hatte. Sie nahm einen Lappen und fuhr über den Tisch. Sie seufzte. Dann sah sie auf die Uhr und begann Kaffee zu kochen.
Severus erhielt Malfoys Eule gegen drei Uhr. Er weckte den Phönixorden und sie versammelten sich in der Bibliothek. Die Unruhe war fast körperlich zu spüren. "Kingsley wird uns doch benachrichtigen?" fragte Arthur in die Stille hinein. "Klar." antwortete Harry.
Das Warten nahm kein Ende. Die Kinder spielten Fadenabheben, ein Spiel, das sowohl Muggel als auch Zauberer gern spielten, um Wartezeiten zu verkürzen. Nach und nach fingen alle an mitzumachen. Die Muster wurden immer komplizierter. Immer wieder sah einer auf die alte Kaminuhr.
'Bald' dachte Severus, 'wird dieser ganze Irrsinn ein Ende finden.' Bald - tickte die Kaminuhr, Bald - klopften die Holzwürmer in den alten Möbeln, Bald - raschelten die schweren Gardinen. Es dauerte noch fast eine Stunde bis Kingsleys Patronus ankam. Harry, der die Fäden gerade auf der Hand hatte, ließ sie fallen. Sie hörten atemlos die Nachricht an. Kurz darauf kam der Patronus von Moody, der die Verhaftung von Lily Potter anzeigte.
Fred zündete eine kleine Rakete, Arthur holte Champagner. "Jetzt." erklärte Lupin feierlich, "Jetzt beginnt das Leben!".
Danach hieß es wieder warten. Wie würde der Minister auf das Ganze reagieren. Was würde mit den Todessern tatsächlich geschehen?
James schrieb sein Geständnis. Harry, Hermione, Ron und Ginny zogen sich in das kleine Boudoir zurück und schmiedeten Pläne. Lupin und Snape sassen zusammen auf dem Sofa und schwiegen jeder zu einem anderen Thema. Molly schob ein Blech Scones in den Ofen.
Arthur, Fred und George nahmen ein Muggeldings auseinander. Über allen schwebte, vibrierte die Spannung und die Ungewissheit.
Gegen sieben Uhr machte Molly Frühstück. Snape lief unruhig im Raum umher. "Übrigens, Weasleys intelligentes Scherzwasser war ein voller Erfolg." erzählte er den Zwillingen. "Ich hätte zu gern Riddles Gesicht gesehen, als aus seinem Zauberstab eine Blume wuchs. Die Lestranges hatten leider keine Kamera dabei." Fred und George klatschten in die Hände. "Wir sollten öfter zusammenarbeiten." sagten sie. Snape winkte nur ab. "Wir werden ihn so lange nerven, bis er zusagt." meinte George daraufhin.
Malfoy hatte das Scherzwasser per Eule bekommen und des dunklen Lordes Zauberstab damit imprägniert. Wahrscheinlich würde das Zeug bald verboten werden. Es setzte den Zauberstab für ein paar Stunden außer Kraft und verwandelte die Zaubersprüche in Blumen. Cruciatus wurde beispielsweise ein Alpenveilchen. Die Entwicklung der 'Brühe', wie Snape das Zeug nannte, hatte ein paar Tage und Nächte gedauert, aber die geballten Kräfte von Hermione, Snape und den Zwillingen, ja sogar James Potter, führte schließlich zum Erfolg.
Tobias Snape fläzte zufrieden auf seinem neu hergerichteten Sofa und schaute sich um. Viel hatte sich in seinem kleinen Haus seit seiner Rückkehr verändert. Er hatte zusammen mit Lawrence renoviert und dekoriert. Einen Fernseher hatte er sich endlich angeschafft und umgeräumt. Jetzt sah das Haus - nach seinen Vorstellungen jedenfalls - ganz manierlich aus. Ab morgen würde er seine Werkstatt aufmöbeln und schon bald wieder mit seinem eigentlichen Gewerbe, der Restauration von alten Möbelstücken, beginnen.
Er knipste den Fernseher an und verfolgte die aktuellen Fußball-Ergebnisse, als sich plötzlich genau zwischen Sofa und Fernseher ein Mann aus dem Nichts heraus materialisierte.
Tobias war zunächst wie gelähmt und konnte nur in Richtung Fernseher schauen, dessen Bild nun allerdings verdeckt war. Der Mann war ziemlich groß aber dünn, ganz in schwarz gekleidet, wie eine Art Vikar und er war ein Zauberer. Tobias hatte darin Erfahrung. Ehrlich gesagt, der Mann sah aus wie Mr. Prince, sein seliger Schwiegervater, jedoch nicht ganz. Die Mundpartie beispielsweise war Snape-mäßig. Der Mann wirbelte herum, als er den Fernseher gewahrte und sah Tobias erstaunt an. Für einem Moment bewegten sich beide Männer nicht und starrten sich nur an. Schließlich ließ die Spannung nach und sein Gegenüber sprach. "Papa?" Bei dieser Anrede waren sie damals stehen geblieben, dachte Tobias bitter und stand auf.
"Severus, Junge." stammelte er. "Man hat mir gesagt, du seist tot!". Severus lachte grimmig auf. "Das hat man von dir auch behauptet, Vater." Sie lagen sich in den Armen. "Ich fasse das nicht. Du hier!" Severus merkte erst, dass er weinte, als ihm die Tränen in die Mundwinkel flossen. "Ich hatte genug von Patagonien. Immer dieser raue, kalte Wind." murmelte Tobias. "Setz dich doch! Ich wusste, dass du eines Tages hier aufkreuzen würdest, Lawrence hat mich auf dem Laufenden gehalten. Oh- und deine Ratte ist tot." stammelte er unzusammenhängend. Severus hob eine Augenbraue. "Meine - Ratte?". Dann begann er schallend zu lachen. "Meine Ratte! Hatte sie zufällig eine Pfote aus Silber?" Tobias nickte. "Das ist gut! Das ist sogar sehr gut. Das war ein böses Tier, weißt du? Ein böses, böses Tier." Severus ließ eine Flasche Elfenwein aus dem Keller heran schweben und goss ein. "Das müssen wir feiern!"
"Kommst du wieder hierher?" fragte Tobias nach einer Weile. Severus zuckte mit den Schultern. "Ich weiß noch nicht, was ich mache. Lehrer werde ich nicht wieder, so viel steht fest. Wenn alles vorbei ist - keine Ahnung." "Du kannst jederzeit herkommen. So schlecht waren deine Bücherregale nicht. Ein bisschen Feinschliff und du bist ein 1A-Schreiner. Man weiß ja nie..." Severus lachte. Es machte ihm zwar Spass, an den Möbeln herumzubasteln, aber das würde er nie jemand erzählen. Niemals. Andererseits hatte das Muggelleben viele Vorteile, Remus könnte mit ihm zusammenziehen, kein Schwein würde das kümmern. "Ich werde es mir überlegen." versprach er. "Ich habe noch ein paar Sachen zu ordnen, dann komme ich wieder vorbei."
Sie hatten sich viel zu erzählen, der eine von Patagonien und einer riesigen Farm, der andere von Hogwarts, Werwölfen und von unglaublichen Dingen, die sich mitten in Britannien abspielten. Severus nahm kein Blatt vor den Mund, er ließ auch die krummen Sachen seiner Mutter nicht aus. "Sie starb genau in dem Jahr, als ich die Schule beendete." erzählte er, "Der Großvater hatte aber schon zuvor das Sagen über meine Ausbildung und alles was sonst noch zählte. Durch ihn kam ich zu den Malfoys, zu den Blacks und später zum dunklen Lord, den er auch aus seiner Schulzeit kannte. Die alten Knacker führten ein strenges Regiment, alle hatten zu parieren. Lucius Malfoy versuchte einmal mit knapp zwanzig den Aufstand und setzte sich in das Ausland ab. Das bekam ihm denkbar schlecht. Regulus Black versuchte auszusteigen und wurde getötet. Jetzt spukt er in seinem Elternhaus, das heißt, ich habe ihn eigentlich recht lange nicht mehr gesehen..."
"Du kannst jederzeit hierher kommen und hier leben. Lehrer willst du ja nicht mehr werden - es gibt auch in der nichtmagischen Welt unzählige Möglichkeiten. Du bist doch Wissenschaftler, wenn ich das richtig verstehe, vielleicht äh - Pharmazie?" Tobias hoffte, dass er seinen Sohn überreden könnte, die Zauberwelt, die nach seiner Auffassung nichts für ihn mehr zu bieten hatte, zu verlassen. "Kommt Zeit, kommt Rat." zitierte Severus und verabschiedete sich. Er hatte trotz allem noch viel vor sich.
