Uff! Das war knapp!
Wenn man sich den Daumen prellt, sollte man sich nicht wundern, wenn's Tippen nicht so klappt.
Aber jetzt ist sie fertig! Hurra!
Danke liebe Leser - ihr habt einen hohen Anteil daran, dass das Ende versöhnlicher wurde. Viel Spaß mit dem letzten Kapitel.
EPILOG
Er stieg in der nächstgrößeren Stadt aus dem 'Fahrenden Ritter'. Mit einer müden Handbewegung verabschiedete er sich von Marvin Ross, der Vertretung des noch immer inhaftierten Stan Shunpike und verschwand hinter der nächsten Straßenecke. Von nun an war die Zauberwelt Geschichte.
Er war vorbereitet. Immerhin wusste er seit langem wie die Welt, die Zauberwelt im Besonderen, funktionierte. Obwohl alle seine Freunde immer wieder betont hatten, dass ausgerechnet er viel weniger mit einer Verurteilung zu rechnen habe, er wusste das besser. Es gab nur zwei Möglichkeiten - die zweite war eingetreten. Remus hatte er außen vor gelassen. Zugegeben; der Werwolf war aus allen Wolken gefallen, als er von der Vorladung erfuhr, aber dadurch war der Abschied kurz und - im Rahmen - schmerzlos gewesen. Remus würde ihn vergessen, er würde Remus vergessen und das Leben würde irgendwie weitergehen. Ende.
Tobias Snape war gerade vor dem Fernseher eingenickt, als er vom Geräusch eines Schlüssels im Türschloss geweckt wurde. Er lächelte. Wenig später betrat sein Sohn das Wohnzimmer. Er sah müde aus und machte einen etwas verzweifelten Eindruck. "Ich bin verbannt worden." wisperte er und ließ sich auf seinen Lieblingssessel fallen. Tobias fand das nicht so tragisch. "Du hast ein Zuhause, Severus." antwortete er. "Und alleine bist du auch nicht." Severus nickte und ließ sich widerstandslos in sein Zimmer führen. Er fühlte sich ausgelaugt und todmüde. Der Verlust der Magie machte sich wie eine schwere Grippe bemerkbar. Tobias versorgte ihn mit heißem Tee und Hühnersuppe. Zwischendurch hörte er sich den Ausgang der Verhandlung an. "Im Großen und Ganzen hast du Glück gehabt." bemerkte er. "Sie hätten dich auch hängen können oder so." Severus stimmte ihm zu. "Beinahe hatte ich mein Leben im Griff." sagte mit einem Anflug von Traurigkeit. "Beinahe."
"Du solltest dich damit abfinden." meinte sein Vater. "Sieben Jahre sind eine lange Zeit. Da solltest du dir eine Beschäftigung suchen. Was kannst du - außer zaubern?". Severus lachte heiser auf. "Nix." antwortete er. Tobias schüttelte den Kopf. "Unglaublich. Diese Schule sollte man anzeigen." brummte er. Severus war aber schon eingeschlafen.
Es war einfacher als gedacht. Sein erster Eindruck von der Muggelwelt, die ab sofort wieder die seine war: die Abwesenheit von Misstrauen. Tobias nahm ihn mit in den Pub, zum Cricket und zu den Taubenzüchtern. Er lernte die Nachbarn kennen, Inder, Pakistani, Jamaikaner und Engländer aus der Unterschicht. Leute wie diese machten Witze über Reiche wie Lucius Malfoy einer war. Sie waren weder ungebildet noch grob, sie waren zusätzlich noch straßenschlau. So wie Severus es auch gewesen und immer geblieben war. Ein Charakterzug, der ihm beim Überleben zwischen den Snobs geholfen hatte. Voldemort hatte dies zu schätzen gewusst, denn auch er kam von dieser Seite des Flusses.
Das Fehlen der Magie wurde mit der Zeit weniger schmerzhaft. Er begann unter die Leute zu gehen. Zum Fussball, ja sogar zum Bingo zusammen mit Rosabelle. Sie versorgte ihn mit dem nötigen Wissen über die Nachbarschaft und die Gesellschaft im allgemeinen.
Er ging zum Frisör und ließ sich die Haare kurz scheren, wie die anderen Männer ringsum. Die blonde, üppige Frisöse entdeckte die Tätowierungen auf seinem Kopf. "Waren Sie mal Hooligan?" fragte sie arglos. Er lachte. "So etwas Ähnliches." antwortete er. Sie gingen miteinander aus. Er lachte im Kino immer an den falschen Stellen. Gab ihren Kindern, die sie von verschiedenen Vätern hatte, Nachhilfeunterricht. Schließlich hatte er eine ganze Bande. Er lehrte sie Aufmerksamkeit. Sie waren nicht viel anders, als seine Slytherins, nur argloser.
Freitag abend spielte er Pool oder Dart. Die 'Jungs' im Pub redeten über Fussball, Frauen, Arbeitsamt. Er lernte Holzbearbeitung und Restauration von der Pike auf. Sein Vater brachte seltsame alte Möbel vom Flohmarkt und ließ sie von ihm reparieren. Anfangs war er selten zufrieden, aber schließlich konnten sie davon gut leben.
Severus bastelte seltsame Kästchen mit Geheimschlössern und Marionetten. Manche erinnerten an Zauberer und geheimnisvolle Prinzessinnen. Seine Hagrid-Puppe verkaufte sich wie warme Semmeln. Tobias und Rosabelle eröffneten einen festen Stand auf dem Markt in der nächstgrößeren Stadt, genau gegenüber der Kathedrale.
Snapes minderjährige Bande spielte mit den Marionetten auf dem Markt. Die Stücke dachten sie sich selber aus. Meistens waren sie ziemlich turbulent und handelten von wilden Kämpfen. Die Kinder liebten sie. Einmal begann eine Geschichte: "Es war einmal ein Junge, der lebte in einem Verschlag unter der Treppe..."
Knapp viertausend Zauberer und Hexen griffen mechanisch in die Schüssel mit den Chips. Ein paar Dutzend machten "Scht!" zu ihren Kindern.
Dann starrten sie wieder gebannt auf ihre Magic Sony Monitors. Molly Weasley sass auf dem grünen Plüschsessel, ihr gegenüber Mr. Lee Jordan, wie immer in einem exzentrischen Anzug - diesmal tieflila mit gelbem Rüschenhemd - und wirkte etwas nervös.
"Nun, Molly." grinste Lee, "spielen Sie weiter oder geben Sie jetzt auf? Eine Million Galleonen warten auf Ihre Antwort!"
Molly wand sich ein wenig. Dann lächelte sie triumphierend und antwortete: "Natürlich spiele ich weiter, mein Junge! Wäre ja noch schöner...". Lee grinste wieder. Die Kamera zeigte sein makelloses weißes Gebiss in Großaufnahme.
Lucius sass auf dem Sofa und rieb sich die Hände. Die Million würde er verschmerzen, denn schon morgen würden alle Zauberer (fast alle) den Quibbler kaufen, in dem Molly und ihre Million auf dem Titelblatt sein würden. Wenn Molly gewann, selbstverständlich...
Lee Jordan zog umständlich eine neue Frage aus der magischen Lostrommel. "Sie haben noch einen Flohjoker, Molly." erinnerte er. "Nun zu meiner Frage: Was bezeichnen Muggel als 'Zauberstab' ? Ist es a) ein Schreibgerät, b) der hüstel Penis des Ehemanns, c) eine Taschenlampe oder d) ein Mixer?"
Molly blickte pikiert-ratlos drein. Ihr war völlig neu, dass Muggel einen Zauberstab benutzten. Sie verfluchte Arthur, der sie darüber wieder einmal völlig im Dunkeln gelassen hatte. Aber schließlich hatte sie ja noch etwas in der Hinterhand. Den Flohjoker! "Ich nehme den Joker." erklärte sie feierlich. Lee lächelte süffisant. "Und wen möchten Sie sprechen?" fragte er und war sich sicher, dass kein Zauberer das beantworten könnte. "Hermione Wilkes." erklärte Molly und lächelte nun ihrerseits. Lee warf eine Prise Flohpulver in den Kamin des Fernsehstudios. "Hallo Molly!" grüßte Hermione. Molly las die Frage noch einmal vor. "Herzlichen Glückwunsch, Molly." sagte Hermione zuckersüß und bedachte Lee mit einem giftigen Blick. "Es ist der Mixstab." Lees Gesicht verzog sich schmerzhaft und dann lächelte er wieder blitzend weiß in die Kamera.
"Gewonnen!" bestätigte er und die knapp viertausend Zauberer an den Schirmen sprangen vom Sofa. Molly hüpfte so grazil wie eben möglich vom Sessel und ließ sich feiern. Konfetti regnete von der Decke. Fred und George, Ron und Ginny (alle mit 'Free Snape' T-shirts) sprangen aus dem Zuschauerrang herbei und drückten ihre Mom heftig, dann kam eine Lifeschaltung zu Arthur, der leider im Ministerium arbeiten musste. Und Lee kündigte für den kommenden Tag eine Sondersendung über die Weasleys an.
Lucius öffnete Champagner. Der Abend war ein voller Erfolg gewesen. Er hatte erstmals eine Einschaltquote von 98 erhalten. Demnächst würde er selbst in der Quizsendung auftreten und seine Million natürlich für die Kriegswaisen spenden. In zwei Jahren war Wahl...
Remus fuhr nicht mehr Zug. Seit vielen Wochen schon. Er hatte eine Menge über die Muggelwelt gelernt. Er war mit Rucksacktouristen aus Litauen getrampt, hatte alles über Interrail-Tickets gelernt, war zur Apfelernte in Devon gewesen und hatte dort erstmals Geld mit Arbeit verdient und zum Schluss hatte er sich sogar an den Führerschein gewagt. Er fuhr jetzt (die Papiere hatte er sich selbst gemacht - wozu ist man schließlich Zauberer) einen ziemlich alten, aber guten VW-Bus aus den Siebzigern. Das Gefährt war geräumig, so dass eine Person gut darin wohnen konnte. Ihm gefiel sein Leben und er verdiente sich immer mal was auf Jahrmärkten, wo er selbst gebastelten Schmuck verkaufte. Den Wolfsbann schickte ihm Hermione pünktlich, auch diese Sorge war er nun los.
Nur eines hatte er noch nicht gefunden, Snapes Aufenthaltsort. Je länger er unterwegs war, desto mehr glaubte er, dass die Zauberer den Ort gleich mit verhext hätten. Die Adresse, die ihm Tonks gegeben hatte, war nicht auffindbar. Nicht einmal die Stadt schien bekannt zu sein.
So zog er also von Ort zu Ort und fragte alle möglichen Leute, sogar die Polizei und nebenbei versuchte er, nicht zu verzweifeln. Er glaubte an den Zufall und an das Glück und auch an Zauberei - natürlich ! - er würde Severus finden und dann würde er endlich seine Mühle renovieren.
Der Frühling kam zögernd und schickte zaghafte Schneeglöckchen als erste Boten. Snape und die minderjährige Bande säuberten das Flussufer. Einige der ehemals Minderjährigen waren nun schon groß und hatten selbst Familien. Sie waren von der Idee besessen, den alten dreckigen Fluss zu einem Biotop zu machen. In weniger als zwei Jahren, sollten da wieder Fische schwimmen. Ein paar Bisamratten hatten sich schon angesiedelt. Snape stapfte mit seinen Gummistiefeln am Ufer entlang und schüttelte immer wieder den Kopf, wenn er etwas besonders Abartiges fand.
Er hatte aufgehört, die Jahre zu nummerieren. Anfangs hatte er über die Zeitspanne nachgedacht, nun hatte er diese Gedanken fallengelassen. Jeff und Gary stellten gerade die neuen Bänke auf. Sie pflanzten Büsche und befestigten das Ufer. Severus richtete sich auf und schaute gen Himmel. Das kühle Frühlingslicht blendete ihn, dann sah er sie. Eine Eule zog Kreise über dem Fluss. Er hob aus alter Gewohnheit den Arm, um sie herunter zu locken, aber sie schien ihn nicht zu sehen. Er ließ den Arm wieder sinken und wandte sich erneut dem Müll zu.
Remus schlenderte über den Kathedralenvorplatz und bestaunte die alten Bauwerke ringsum. Er war lange nicht in dieser Gegend gewesen, obwohl Tonks' Zettel diese Stadt mit auflistete. Er erinnerte sich sogar, dass Severus die Kathedrale einmal erwähnt hatte. Seine Großmutter väterlicherseits hatte ihn oft dahin mitgenommen. "Sie ist riesig, mit bunten Glasfenstern voller Geschichten. Es ist eine eigenartige Stille darin. Und dann spielt die Orgel und dröhnt dich regelrecht fromm." Das hatte er gesagt. Remus staunte, wie genau er sich an jedes Wort erinnerte.
Als er sich von der Kathedrale abwandte, erblickte er sie. Ein paar Jungs spielten Marionettentheater. Ein würdiger alter Zauberer trat auf und begann die Geschichte mit den Worten: "Es war einmal ein Junge, der lebte in einem Verschlag unter der Treppe..." Remus setzte sich auf eine Bank. Warum schlug sein Herz, als wollte es zerspringen? Wieso konnte er seine Blicke nicht von dem Holzspielzeug abwenden?
Sein Blick fiel auf den Stand nebenan, der Kleinmöbel und Holzspielzeug anbot. Und dann sah er das Schild "Snape & Son". Er hielt den Atem an und stand langsam auf. Wie in Zeitlupe ging er auf den Markstand zu. Er hatte das Gefühl, dass der Boden unter ihm schwankte. Unter seinen Fußsohlen kitzelte fremde Magie.
Eine Autotür schlug hinter ihm zu. Er drehte sich erschrocken um. Und dann stand er einfach da. Severus Snape - sichtbar und unversehrt. Remus' Knie gaben nach.
"Hoppla." sagte ein weißhaariger Mann und fing ihn auf. "Severus.." stammelte Remus. "Ja." meinte Tobias Snape. "Dort kommt er ja. Kein Problem." Er drückte ihm eine Tasse mit Tee in die Hand.
"Mensch, Lupin." knurrte Severus. "Du solltest endlich anfangen, regelmäßig zu essen und so. Es ist peinlich, wenn du immer in Ohnmacht fällst. Bist ja keine Prinzessin." Er legte ihm ein feuchtes Tuch auf die Stirn. "Doch." beharrte Lupin. "Ich bin eine Prinzessin. Ich bin sieben Jahre und sieben Tage gewandert, um dich zu finden." Die beiden Snapes und Rosabelle lachten.
Stunden später diskutierten sie ihre Zukunft. "Ich bleibe selbstverständlich in der Muggelwelt." erklärte Snape mit Nachdruck. "Ich gehe hier nicht weg." Lupin nickte und wog seine Möglichkeiten ab. "Was sollen wir auch dort." sagte er schließlich. "Die Mühle können wir als Ferienhaus nutzen. Oder vermieten." meinte er.
"Darf ich bleiben?" fragte er schließlich zögernd. Snape legte seinen Arm um ihn. "Ich habe dich vermisst." gestand er. "Und bleiben darfst du natürlich. Wenn du keine Bomben bastelst, heißt das." Lupin lächelte schwach. "Ich bin doch dazu ohnehin technisch nicht fit genug." gab er selbstkritisch zu.
-ENDE-
