Kapitel – 3

Sie war eine schöne Frau.

Wahrhaftig und es war nicht das erste Mal, dass ihm dies auffiel. Auf der einen Seite ein kühler, distanzierter Typ, milchig weiße Haut, dunkles Haar, auf der anderen Seite, ein Lächeln das Berge versetzen und ein Körper der Männerscharen um sich horten konnte. Kate halt. Seine Kate. Seine Julia.

Sam & Gregs Wohnung

Tanja wollte und wollte nicht gehen und Jenny hätte fast alle dafür gegeben, als plötzlich Gibbs aufstand und ihn Richtung Türe ging. „Tanja, ich möchte sie nicht rauswerfen, aber wir haben einen anstrengende Tag vor uns und müssen noch weiter auspacken. Gerne können sie in den nächsten Tagen noch einmal zu Kaffee kommen, ihren Gatten mitbringen, aber heute müssen wir wirklich noch einiges erledigen."

Ohne Wiederworte stand die Frau auf, verabschiedete sich herzlich und erklärte, dass sie sie verstünde, entschuldigte sich sogar, dass sie sie so lange aufgehalten hatte.

Das Kätzchen saß nun auf Jennys Schoß und ließ sich streicheln. „Ich werde noch ein paar Lebensmittel besorgen fahren, möchtest du etwas Spezielles?", fragte Jenny und stand auf, setzte das kleine Häufchen Elend auf ein gefaltetes Handtuch auf dem Sofa.

„Nein", kommentierte Jethro und schaltete den Fernseher ein. „Aber du kannst in diesem Kleid das Haus nicht verlassen, besonders nicht den Stützpunkt."

Jenny drehte sich verwundert um, ihre Augen funkelten ihn an. Ihr Blick war fragend.

„Zu kurz und zu tief dekolletiert", kommentierte er.

„Wieso?"

„Du bist in einem arabischen Land, Sam, hier kleidet man sich anders. Du hast einen Kleiderschrank voll mit passender Kleidung, wieso gerade dieses?"

„Weil es luftig ist", sagte sie und ging langsam auf Jethro zu, lehnte sich leicht nach vorne und blickte ihm in seine ausdrucksvollen Augen. „Und weil es mir gefällt, so wie es dir an mir zu gefallen scheint."

„Diskutiere nicht mit mir, zieh dich um."

„Greg ….." Sein Ton war hart und fordernd gewesen und dies gefiel Jenny gar nicht. Überhaupt nicht. „Sprich nicht so mit mir, ich bin immer noch …"

„Nein, das bist du nicht, Sam. Seine eine brave Ehefrau und zieh dir etwas Entsprechendes an oder soll ich dabei helfen?"

Noch bevor er den Satz vollendet hatte, war sie in Richtung Schlafzimmer aufgebrochen, um sich umzuziehen. Jetzt schon freute sie sich nicht auf die restliche Zeit, die sie hier verbringen würden, immer wieder würde Jethro sie daran erinnern, dass er hier das Sagen hatte, sie nicht seine Chefin sondern lediglich seine Ehefrau war. Eine Ehefrau ohne eheliche Pflichten.

Julie & Olivers Wohnung

„Und was kochst du, Weib?", fragte Tony Kate, als sie das Haus betraten. Am liebsten hätte sie ihm in den Magen geboxt, für diese Frechheiten, die er sich hier leistete aber sie wusste, dass dies alles nichts bringen würde. Tony war nun einmal Tony. Er meinte vieles nicht so, wie er es sagte und liebte es, Leute aufzuziehen, besonders sie.

Kate hatte wieder ihre Shorts und ein Tank-Top an und war dabei Gemüse zu schneiden, als Tony hinter ihr auftauchte.

„Wir haben kein Bier gekauft", kommentierte er und stand für ihre Verhältnisse etwas zu nahe an ihr, seine Brust an ihren Rücken gepresst. „Oliver …", sagte sie leise und er flüsterte ihr ins Ohr, dass jemand außerhalb stand und sie beobachtete. Und Tony nutzte den Moment, wie so oft, schamlos aus. Er ließ seine Hand über ihren Bauch wandern, langsam unter die Naht des Tops, die andere an der Unterseite ihrer Brust.

„Oliver", ermahnte sie mit dem Messer in der Hand aber die Frau. Auf der einen Seite gefiel Kate die Rolle der Ehefrau, sie hatte immer schon etwas für Tony empfunden, das etwas weiterreichte als kollegiale Freundschaft, doch dies ging ihr etwas zu weit, zu schnell. Auf der anderen Seite dachte sie sich, dass das wohl Sachen waren, die verheiratete, verliebte Paare machten – sich berühren, küssen, kuscheln. Sich einfach in diversen Arten berühren. Es war ein Undercover-Job, sie sollte in all das nichts hineininterpretieren.

Gut, dass er nicht fühlen konnte, wie ihr Körper auf seine nicht sehr unschuldigen Berührungen reagierte, das war der Vorteil des Frauseins. Sie fühlte ein Unbehagen in sich aufsteigen, auf der anderen Seite genoss sie es. Fatal.

„Ich glaube, sie ist wieder ins Haus gegangen", kommentierte Tony und nahm seine Hänge von Kate, die einen Moment geschockt da stand, es schien für ihn ein reines Schauspiel zu sein.

Sie bereitete den Fisch, das Gemüse und den Reis zu, deckte den Tisch und wartete, dass Tony wieder einmal eine seiner überaus übertriebenen Bemerkungen macht, zu was auch immer. Aber nichts geschah. Sie ging durch die Wohnung. Er war nicht gesehen.

„Greg, sie treibt mich in den Wahnsinn", kommentierte Tony gegenüber Gibbs während sie den Jogging-Pfad entlang liefen.

„Du glaubst doch nicht, dass es mir besser geht!"

„Immerhin warst du bereits einige Male verheiratet."

„Und was ändert dies? Ich war es, keinerlei positive Erinnerungen …"

Greg & Sams Haus

Als Gibbs wieder das Haus betrat, roch es vorzüglich nach Gebratenem. Er hatte Jenny Bescheid gegeben, dass er laufen gehen würde, sie auch gefragt, ob sie mitgehen wolle aber sie verneinte, sie habe ihre Trainingsschuhe noch nicht gefunden – eine Notlüge. In Wahrheit sehnte sie sich nach jeder Minute, die sie alleine verbringen durfte.

Inzwischen hatte sie nicht nur das Essen gekocht, sondern auch einige Kisten ausgepackt und sich etwas darüber geärgert, dass man ihr fast nichts Persönliches zugstanden hatte. Wie sollte sie an einem Ort wie diesem überleben?

Es war immerhin das erste Mal, dass sie auf so engem Raum leben mussten, in Paris, einst, war alles anders. Sie waren kein Ehepaar, hatten eher eine Affäre. Eine heiße, kurze Affäre. Wilde, hemmungslose Nächte. Dies war anderes. Wenig Raum für sie, ein gemeinsames Bett und dazu kein hemmungsloser Sex. Wann war es das letzte Mal gewesen, dass jemand sie berührt hatte? Nicht, dass es keine Optionen gegeben hätte, aber der Job, der Job war immer zu stressig, ließ es kaum zu, dass sie jemandem vertraute. Vertrauen lernte.

„Ich gehe nur noch duschen, Honey", posaunte er durch das kleine Haus und ging ins Badezimmer. Die einzigen dort zur Verfügung stehenden Kosmetikartikel waren Jennys, Duschgel mit Lavendelgeruch, ein Shampoo, welches nach Erdbeeren duftete. Er würde männliche Produkte brauchen. Doch nun mussten diese einmal ausreichen. Er wusch sein kurzes Haar stets ohne Shampoo, daher roch er nachdem all das Wasser seinen Körper hinab gelaufen war nur nach Lavendel und dies empfand er nicht einmal als so unangenehm.

Nur in Shorts und mit einem Handtuch sich die Haare trocken reibend, ging er in die Küche und sah, dass bereits alles angerichtet war und Jenny eine große Flasche kaltes Wasser auf den Tisch gestellt hatte.

„Eine gute Strecke gefunden?", fragte sie und versuchte, ihn nicht anzustarren. Seinen nackten Oberkörper.

„Ich werde morgen etwas anderes ausprobieren. Die Strecke ist nicht schlecht aber etwas kurz. Oliver muss sich zudem erst an die Hitze gewöhnen."

„War Julia mit?"

„Nein und ich bezweifle, dass sie wusste, dass er laufen gehen würde."

„Eheprobleme?", fragte sie mit einem gewissen Sarkasmus.

„Noch würde ich sagen, dass sie sich in einer Vorstufe befinden."

Beide lachten herzlich, als Jenny das Essen auf die Teller verteilte, Jethro Wasser einschenkte und sie sich das erste Mal beide so fühlten, als würden sie das ganze vielleicht doch überleben, ohne einander umzubringen. Jenny hatte sich eingestanden, dass sie viele von Gibbs Macken, vielleicht sogar alle. Immerhin kannten sie einander beinahe 20 Jahre. Er war ein eigenwilliger Typ, herzlich, ehrlich und stur.

„Ich schlafe auf der Couch", kommentierte Jethro und war gerade dabei, sich ein Laken und einen Polster.

„Nicht Greg, was ist, wenn jemand hineinsieht?"

„Wir haben Vorhänge."

„Du weißt, wie neugierig die Leute hier sind, wir haben ja Tanja bereits kennengelernt und ich möchte nicht …"

Ohne weitere Diskussionen gingen sie nach Abwasch rasch zu Bett, Jenny hatte ein Taschenbuch auf dem Nachtisch liegen, welches sie zu lesen begann, als Jethro sich neben sie in das schmale Bett legte. Kingsize war etwas anderes, wenn es breit war, waren es vielleicht 140 Zentimeter.

Julia & Olivers Wohnung

„Bleib endlich einmal auf deiner Seite des Bettes", kommentierte Kate und versuchte Tony zu treten, doch dieser lag zu nahe an ihr. Auch dieses Bett war schmaler als erhofft, das ganze Schlafzimmer war winzig – ein Bett, eine Kommode, ein schmaler Kasten, ein großes Fenster mit beinahe durchsichtigen Vorhängen, zwei Regalbretter, die als Nachkästchen hierhalten mussten. Das Licht war eher schlecht, Lampen neben dem Bett gab es keine. Der Raum war in einem sterilen Weiß gestrichen.

Doch er antwortete ihr nicht, bewegte seine Nase an ihren Hals, seine linke Hand lag auf dem Tuch, mit dem sie sich zudeckten, auf Höhe ihres Bauches, die andere unter dem gemeinsamen Kopfpolster. Sie roch gut, nach Veilchen, vermutete er.

Tony hatte nicht vor, von ihr abzulassen. Wieso auch? Sie war nun seine Ehefrau und verheiratet zu sein, musste ein paar Vorteile mit sich bringen, und wenn einer dieser nur sein sollte, dass man jede Nacht neben einem weiblichen Wesen, an dieses geschmiegt, einschlafen durfte.

Kate hingegen fand diese Intimität beinahe unangenehm. Sie führte selten lange Beziehungen, da Männer sich oftmals herausnahmen, sie zu bevormunden, und genau dies machte Tony in einer indirekten Art und Weise nun auch – er bestimmte ihre Schlafposition, nicht, dass diese unbequem gewesen wäre. Sein Atem auf ihrem Hals und seine kreisende Handbewegung an ihrem Bauch brachten sie dazu, relativ rasch einzuschlafen.

Greg & Sams Haus

„Nein", stöhnte Jethro in seinem Traum, wie so oft plagten ihn Albträume und Jenny wusste anfänglich nicht, was los war. Dann fiel der Name seiner geliebten Frau und Tochter kurz einmal, ein lautes weiteres Aufstöhnen.

„Greg", sagte Jenny sanft und rüttelte an seiner Schulter, „Greg". Aber er wachte nicht auf. Er warf die Hände um sich, strampelte mit den Beinen und stöhnte immer wieder laut auf. Seine Arme flogen durch die Gegend, trafen immer wieder Jenny, zwar nicht am Gesicht aber trotzdem war es schmerzhaft. Mit einem Satz, hatte sie sich auf sein Becken gesetzt, und kämpfte gegen seine Kraft an, die Arme weiter um sich zu werfen, da sie diese mit ihren fixiert hatte, neben seinem Kopf.

Leicht nach vorne gelehnt, tat sie ihr bestes, dass er sich beruhigte und plötzlich starrten sie zwei blaue Augen an.

„Jenn?", sagte er verwundert.

„Du hättest mich fast erschlagen", antwortete sie ihm, leicht außer Atem.

Jethro genoss die Aussicht, die sich ihm bot. Ihre Haare hatte sie hochgebunden, das Tank-Top ließ ihn tief einblicken. Doch war er etwas verwirrt – die Position, in der sie sich befand, ihre Haltung.

„Du hattest einen Albtraum, Jethro …"

„Greg."

„Den hatte ich versucht aufzuwecken, Jethro wachte dann endlich auf."

Sie ließ seine Arme los, stieg von ihm und bewegte sich wieder unter die dünne Decke. Es herrschte eine absolute Stille in dem Zimmer, nicht einmal ein lautes Atmen war zu hören.

„Ich habe dir wehgetan", stellte Jethro fest und setzte sich auf.

„Nein", versuchte sie zu dementieren, wissend, dass sie sicherlich den einen oder anderen blauen Fleck am nächsten Tag haben würde.

„Es tut mir Leid aber du wirst dich daran gewöhnen müssen, ich habe fast jede Nacht Albträume."

„Ich weiß, ich dachte nur, dass es etwas ruhiger verlaufen würde."

„Ich habe dir doch wehgetan. Habe ich dich geschlagen?"

„Du vermisst sie immer noch …"

„Jeden einzelnen Tag", antwortete er leise. Jenny rollte auf den Rücken und zog ihn zu sich, sein weiß-graues Haar lag nun an ihrer Schulter, sein Gesicht an ihre Brust gepresst und sie streichelte sanft seinen Kopf. „Jeden einzelnen Tag sehe ich ihre Gesichter …"

Ende Kapitel 3

~ Sorry, dass es mit dem Update etwas länger gedauert hat … ~