Kapitel 4
„Jeden einzelnen Tag", antwortete er leise. Jenny rollte auf den Rücken und zog ihn zu sich, sein weiß-graues Haar lag nun an ihrer Schulter, sein Gesicht an ihre Brust gepresst und sie streichelte sanft seinen Kopf. „Jeden einzelnen Tag sehe ich ihre Gesichter …"
Greg & Sams Haus
Jen wusste, dass sie mit dieser Idee leben musste, dass seine Frau und die gemeinsame Tochter stets in seinem Herzen sein werden und ihn deren Ermordung niemals ruhen lassen werde. Sie hatte nur nicht erwartet, dass es immer noch so intensiv war. Es hatte Zeiten gegeben, das wusste sie aus Paris, in denen er gerne seine Sorgen in Alkohol ertränkt hatte, aber niemals in ihrer Gegenwart. Doch hatten sie damals nicht wirklich zusammengelebt und er war selten in der Früh im Bett bei ihr gelegen, wenn sie ihre Augen geöffnet hatte.
Lange fand die rothaarige Frau keinen Schlaf, erkannte aber, dass Jethro regelmäßig und langsam atmete und es schien, als wäre er nun friedlich eingeschlafen. Viele Gedanken gingen ihr durch den Kopf. Vielleicht hatte keine seiner Ehen gehalten, weil er jede Nacht diese Albträume gehabt hatte, jede Frau erkennen musste, dass sie nicht die erste Stelle in seinem Kopf einnahm. Jenny machte dies nichts aus, hatte sie auch viele Bekannte im Laufe der Jahre, die sie beim NCIS nun beschäftigt war, verloren, einige bei Operationen, andere aufgrund von Krankheiten.
In den letzten Stunden hatte sie das Gefühl gehabt, als wären sie schon lange Zeit ein Paar. Sie konnte einschätzen, wie er in bestimmten Situationen, beinahe allen, reagierte, was er wann und wie tat. Vielleicht kannten sie einander einfach schon zu lange.
Und ihn nun hier so schlafend zu sehen, seine Nase lag auf ihrer Brust, seine Hand auf ihrem Bauch und ein Bein hatte sich mittlerweile über das ihre geschoben, ließ ein ungewohntes Gefühl des Glücks und der ungewohnten inneren Zufriedenheit in ihr aufsteigen. Jenny brauchte nicht um ihn zu fürchten, dass ihm in dieser einen Nacht etwas passieren konnte. Allerdings wusste sie, dass diese Dunkelheit, die sie umgab, bald ein Ende haben und der Tag anbrechen und ihre Angst dann wieder aufkommen würde.
Julia & Olivers Wohnung
Dreimal hatte Kate ihren Ellenbogen bereits in Tony Rippen gestoßen, um ihn auf seine Seite des Bettes zu bewegen und stets waren diese Momente der körperlichen Freiheit nur von kurzer Dauer gewesen. Es schien ihr, als wäre sie ein Magnet, der seinen Körper anzog und sie machen konnte was sie wollte.
Wäre diese Person, die ihre Brust an ihren Rücken presste, die Hand unterhalb ihrer Brust ruhen ließ, nicht Tony, ihr Kollege, hätte sie vielleicht schlaf gefunden und es ignoriert, aber es war Tony. Tony der Frauenheld. Tony, der alle Frauen bekam, die er wollte. Nur sie sollte nicht dazu gehören. Natürlich würde sie sich selbst belügen, wenn sie behaupten würde, dass sie ihn nicht sexuell anziehend fände. Welche Frau könnte dies sagen?
Das Hauptproblem mit ihm war, dass er keine Grenzen kannte und niemals kennen würde, weil Tony einfach Tony war. Er war so aufgewachsen, hatte stets viel Respekt vor seinem Vater, vielleicht sogar etwas Angst, und seine Mutter war manchmal etwas verrückt gewesen, hatte ihm ihren Stil versucht aufzudrängen.
Als Tony die Augen öffnete, sah er Kate an seiner Seite, eng an ihn geschmiegt, das Shirt so hochgerutscht, dass er ihren flachen, trainierten Bauch gut sehen konnte. Sie hatte sich an seine Seite gerollt ihr Kopf lag auf seiner Brust, seine Hand an ihrer Hüfte und sie schien immer noch tief zu schlafen. Ihr Haar duftete nach ihrem Shampoo und doch nahm er auch die Hitze im Raum war. So warm wurde es in den Staaten selten in den Wohnräumen. Er hätte noch Stunden so liegen bleiben können, hätte gerne ihren Gesichtsausdruck gesehen, wenn sie von selbst aufgewacht wäre, um zu sehen, wo sie nun schlief. Allerdings sollte dies nicht passieren, da er dringend das Badezimmer aufsuchen musste und Kate so langem auf die Seite rollte. Sie murrte kurz auf und schlief weiter. Wie konnte sie nur so lange, so tief schlummern?
Allerdings wunderte ihn bei Kate gar nichts mehr. Nachdem sie gestern Nacht verweigert hatte mit ihm gleichzeitig Zähne zu putzen, ihn aus dem Badezimmer verwiesen hatte, als sie sich frisierte und er hinter ihr auftauchte. Natürlich gehörte es zu seinen Lieblingsszenen, wenn sie verärgert war und Tony allerdings erkennen konnte, dass das Ärgernis nur vorgetäuscht war, sie die Wut ihm vorspielte. So war es auch bei diesen beiden Vorfällen gewesen. Zugegeben, Tony hatte sich vorgenommen, in den kommenden Tagen ihre Privatsphäre mehr und mehr zu infiltrieren, ihr die Chance dazu gar nicht zu geben.
Er mochte ihre Art, diese direkte und offensichtliche Art und Weise wie sie mit Menschen umging. Sie verheimlichte nichts, stand ihren Mann und war doch durch und durch Frau. Und es machte sie noch interessanter, dass sie scheinbar kein Interesse an ihm zeigte oder zumindest versuchte dies zu tun.
Sam & Gregs Haus
Als Jenny aufwachte war der Platz neben ihr bereits leer und kalt. Sie brauchte einige Minuten um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, die immer noch den Raum beherrschte, dass sie am Abend zuvor die Jalousien herabgelassen hatten. Wie spät war es nur, dass Jethro bereits auf war?
Es war warm im Haus, aber sie hatte gedacht, dass es noch wärmer sein würde, hatten sie am Abend doch die Klimaanlage ausgeschalten um Energie zu sparen und sich außerdem an das Klima zu gewöhnen. Airconditions waren das größte Gift für den Körper – im Freien traf einem die Hitze ansonsten doppelt und dreifach und die Chance auf einen Hitzeschlag stieg mit jeder Minute in einem klimatisierten Raum. Zumindest war Jethro dieser Ansicht. Sie hätte etwas kühle Luft gut vertragen, so wäre sie nun weniger verschwitzt.
Vorsichtig ging sie in kurzen Shorts und einem Trägershirt die Stiegen hinab und fand Jethro auch nicht im Wohnzimmer vor, die Küche war leer. Das Kätzchen lag auf dem Sofa und schlief eingerollt auf einem Handtuch, das es sich wie ein Nest geformt hatte. Jenny konnte nicht wiederstehen und ging zu dem kleinen Wesen hin. Noch bevor sie dort war, wachte es auf, blickte sie mit den großen Augen an, rollte auf den Rücken und streckte sich.
In der Küche richtete sie dem Tier einen Napf mit Futter und einen mit Wasser und ging schließlich hinaus auf die Terrasse. Dort sah sie ihn sitzen, auf den Holzstufen.
„Darf ich mich zu dir gesellen?", fragte sie und sah die Tasse Kaffee neben ihm stehen.
Er machte ihr Platz um sich zwischen seine Beine zu setzen und reichte ihr seinen Kaffee. Beide wussten nur zu genau, dass sie den Kaffee auf andere Weise bevorzugte, allerdings hatten auch beide bemerkt, dass jemand hinter den Vorhängen des Nachbarhauses stand und sie beobachtete.
„Spiel mit", flüsterte sie ihm zu und küsste ihn vorsichtig auf die Lippen, bevor sie sich vor ihn setzte, sich an ihn anlehnte und sie seine Hand an ihre Brust legte. Kurz hatte sich sein Körper verkrampft, dann ließ er seine Finger tanzen, seine Lippen an ihren Hals wandern und sie schloss ihre Augen.
„Wir sollten so etwas nicht tun", flüsterte er ihr ins Ohr.
„Greg, du bist mein Ehemann und Ehemännern finden Interesse an ihren Frauen. Zumindest sollten sie dies."
„Dann mach mir Frühstück, Weib", flüsterte er mit einem Lachen auf den Lippen in ihr Ohr und biss zärtlich in ihr Ohrläppchen.
„Vielleicht mache ich das später", entgegnete sie ihm. Sie spielte gerne mit ihm, hatte dies immer getan. Es war kurz vor sechs Uhr gewesen, als sie die Treppen hinabgekommen war, sie hatten noch viel Zeit, bis einer von ihnen in die Arbeit musste. Mit einer Hand umfasste sie die seine und ließ diese unter ihr Shirt auf ihren Bauch wandern, dann umschloss sie mit ihrer anderen seine zweite und ließ diese ihre nackte Brust umfassen.
„Ich denke, wir sollten es nicht übertreiben", sagte er unüberlegt.
„Hast du ein Problem damit, mich anzufassen?", fragte sie vorsichtig und doch bestimmt.
Er brauchte keine Worte, um ihr zu antworten sondern ließ seine Finger ihre Brustwarze umschließen. Ihre Augen schlossen sich sofort, ihr Kopf rollte etwas zurück, der Mund öffnete sich leicht und ihre Zunge feuchtet ihre Lippen an. Jenny musste sich zusammennehmen, um keine Geräusche zu machen, ihm nicht zu zeigen, wie sehr sie dies genoss.
Julia & Olivers Wohnung
„Kaffee", stöhnte Kate laut, als sie die Augen öffnete. Das Bett neben ihr war bereits leer, aber die Laken noch warm und sie hörte die Dusche laufen.
Natürlich würde Tony all das warme Wasser aufbrauchen, schoss ihr durch den Kopf. Dann revidierte sie dies und fragte sich, ob es in solchen Regionen überhaupt richtig kaltes Wasser gab oder immer alles lauwarm wäre.
Nur mit einem winzig kleinen Handtuch um die Hüften schritt Tony aus dem Bad. Kates Augen waren an seinen Körper gefesselt. Er war zwar nicht so durchtrainiert, wie andere Männer mit denen Kate ausgegangen war.
„Zieh dir etwas an", ermahnte Kate ihn und drehte sich auf die Seite, um ihn dabei nicht beobachten zu müssen.
„Das habe ich auch vor, Julia. Glaubst du denn, dass ich nackt zur Arbeit gehen werde?" Sie konnte das Lachen in seiner Stimme förmlich hören, dann öffnete sich eine Lade und er zog Boxershorts an. Tony konnte einfach nicht widerstehen und ging zum Bett, kroch auf allen Vieren auf sie zu und platzierte einen feuchten, beinahe nassen, Kuss auf ihre Wange.
„Aufstehen, Julia."
Als Kate unter der Dusche stand, ärgerte es sie, dass sie sich von Tony alles gefallen ließ. In der Nacht war sie ständig umgeben gewesen von seiner Wärme und seinem maskulinen Geruch, nun roch es im Badezimmer nach Aftershave und Sportduschgel. Nicht, dass sie beides verabscheute, nein das tat sie nicht, sondern die pure Anwesenheit ließ sie sich ärgern, dieser Operation überhaupt zugestimmt zu haben. Wie lange konnte sie ihm widerstehen? Seine dummen Scherze und Annäherungsversuche abwehren, sich in der Nacht nicht an ihn schmiegen und hoffen, dass er die gleichen Gefühle hegte wie sie und dies nicht alles nur ein dummer Scherz für ihn war?
Sie trocknete sich ab und setzte sich auf die zugeklappte Toilette. Kate musste sich wieder sammeln, zu Sinnen kommen, um diesen Tag an seiner Seite zu überstehen. Wie lange würde dies nur gut gehen?
In einen dünnen Bademantel gehüllt ging sie in die Küche und war hoch erfreut, als sie eine große Tasse Kaffee erblickte, die offensichtlich auf sie wartete. Tony saß im Wohnzimmer, immer noch nur in Boxershorts und hatte alle Fenster geöffnet, mit der Hoffnung etwas Luft in die Wohnung zu bringen.
„Wieso wolltest du, dass ich mir etwas anziehe, wenn du quasi nackt bist?", fragte er sie provozierend und ihre Hand griff – reflexartig – an ihre Brust und zog den Stoff zusammen. „Hab keine Angst, Julia, man kann nichts sehen, außer man konzentriert sich darauf."
„Sei ruhig und trink deinen Kaffee, Oliver", mahnte sie und lächelte ihn an.
Es war ein guter Morgen. Der Kaffee war heiß und genauso, wie sie ihn mochte. Eine leichte Brise blies durch das Wohnzimmer und ein gutaussehender Mann saß neben ihr auf der Couch und studierte auf CNN die Nachrichten im Teletext. Was wollte sie mehr? Tony hatte sie nicht in der Dusche überrascht, sie nicht begrabscht oder bloßgestellt. Vielleicht würde das Zusammenleben doch funktionieren, wenn sie sich beide etwas Mühe geben würde.
Als sie angezogen vor das Haus trat, erschlug sie die Hitzewelle fast. Kate hatte sich für eine weiße Leinenkombination entschieden und war sehr dankbar dafür, auch für die flachen Schuhe. Normalerweise würde sie so etwas niemals tragen, zu weit geschnitten, nicht figurbetonend aber Tony hatte sie mehrmals darauf hingewiesen, dass dies die Art und Weise war, wie man sich hier kleidete. Auch hatte einen dünnen Schal mitgenommen, da sie vorhatte, den Stützpunkt zu verlassen und somit gezwungen war, einen Schleier zu tragen.
Kaum hatte sie das Haus verlassen, ging er ins Schlafzimmer und musterte ihre Unterwäsche sorgfältig, nahm einige Stücke heraus und ließ seine Fantasie wandern.
Ja, diese Teile gehörten Kate. Julia. Kate. Julia. Seiner Frau.
Ende Kapitel 4
A/N: Ich weiß, es hat einige Zeit gedauert und ihr findet die Charaktere nicht zu sehr OOC …. Aber ich spiele nun einmal gerne mit ihnen.
