Kapitel 5
Oliver & Julias Wohnung
Was sollte Tony nun den ganzen Tag zuhause anstellen, dies hatte er sich schon am Weg nach Kuwait mehrfach gefragt. Es war schließlich nicht so, als hätten sie hier Urlaub oder wären in der Lage etwas zu unternehmen. Sie waren umgeben von Wüste und Kriegsgebiet. Als er die Unterwäsche wieder zurückgelegt hatte, begab er sich ins Badezimmer und musterte Kates Kosmetika, roch an ihren Cremen, dem Duschgel, Shampoo.
Als er in die Küche kam, fand er einen Zettel auf der Arbeitsplatte vor mit einer Liste von Dingen, die er besorgen sollte. Kate hatte ihn verfasst, in einer gehetzten Art und Weise – dies konnte er an ihrem Schriftbild erkennen.
Greg & Sams Haus
„Wann musst du heute im Ausbildungszentrum sein?", fragte Jenny, vorsichtig. Seine Hand befand sich immer noch unter ihrem Shirt und dies lenkte sie zunehmend ab. Immer wieder war sie kurz davor, sich den Gefühlen hinzugeben, die sie empfand, sagte sich dann aber wiederholt, dass es nicht angebracht war.
„Erst in zwei Stunden", antwortete er leise und ließ seine Finger weiter mit ihrer Brustwarze spielen, während der mit der anderen das fortsetzte, was sie begonnen hatte, nur südwärts. Spiele konnte er auch spielen, da war sie nicht die einzige und er sagte sich, dass er es noch besser könne als sie, mutiger war. Seine Hand glitt von ihrem Bauch unter den Gummi ihrer Shorts und auch als sie kurz versuchte zu protestieren, ließ er sich davon nicht abhalten sondern genau das Gegenteil war eher der Fall.
Jennys Gedanken waren weniger freizügig, hatte sie langsam Angst, dass die Nachbarn zu viel sehen könnten. Dass sie gedankenloserweise zu weit gehen könnten, etwas Irreparables anstellen würden. Doch wäre es noch fataler, dies erkannte sie, als sie die Bewegung des Vorhangs vernahm, wenn sie ihn jetzt unterbrechen würde.
„Je..", stöhnte sie, als sein Finger über so empfindlich Stellen rieben, langsam in sie eindrangen.
„Greg", mahnte er und unterbrach seine Tortur nicht. Und es war eine Tortur, denn kurz bevor er sie zum Höhepunkt bringen sollte, brach er ab, küsste sie auf den Hals, stand auf und verschwand. Völlig perplex saß sie nun auf den Stufen, erregt, unbefriedigt und mit einer Tasse Kaffee, die sie abscheulich fand.
Als sie sich gefasst hatte und ins Haus ging, fand sie nur ein Post-it am Kühlschrank vor mit dem Wort „zufrieden?".
Und dies ärgerte sie nun mehr, als sein beinahe wortloses Verschwinden. Nun war sie unzufriedener, unbefriedigter und sonstiges als jemals zuvor.
Wahrscheinlich hätte sie sich auf alles eingelassen, dass er vorgeschlagen hätte. Alles. Keine Grenzen. Keine Hemmnisse. Und so war es früher nie gewesen. In Paris musste sie ihn mehrmals in die Schranken weisen, um ihn wissen zu lassen, dass sie nicht alles mit sich machen ließ – dass es sexuelle Grenzen gab, die bei ihr nicht überschritten wurden. Aber in den letzten Jahren hat sich viel geändert. Sie hatte allmählich alles aufgegeben, das einer Beziehung mit ihm im Weg stehen könnte – Vorurteile, Klischees. Allerdings waren diese Schranken nur in ihrem Kopf gewesen und abgebaut hat sie sie auch nur dort, da sie seit damals keine wirkliche Beziehung mehr geführt hatte. Männern vertrauen war eine Angelegenheit, die ihr nicht leicht fiel. Auch bis sie Jethro näher an sich herangelassen hat, waren Monate vergangen und dann ging es ganz schnell.
Jethro wirkte zwar oftmals konservativ, wenn man sich mit ihm unterhielt, besonders wenn es um Technik ging, aber wenn man mit ihm intim wurde, musste man sich auf viele verschiedene Faktoren einstellen und diese waren ihr neu gewesen. Oftmals sagte sie sich, dass es nichts Perverses war, was er verlangte, sondern lediglich außergewöhnliche Sachen. Sachen, die sie zuvor nicht gemacht hat.
Julias Büro
Nachdem sie sich vorgestellt hatte bei all ihren neuen militärischen Kollegen, musste sie sich eingestehen, dass ihr das Arbeitsklima gefiel. Es war eine bunte Truppe, durchmischt in Hautfarbe, Geschlecht, Religionszugehörigkeit. Man hatte ihr erlaubt, am ersten Tag Freizeitkleidung zu tragen, da ihre Sommeruniform erst geliefert werde. Im Verwaltungstrakt hat man ihr genau mitgeteilt, welche Sachen sie wo erhalte und mit was sie bei der Uniform zu rechnen habe.
Als Jenny ihr mitgeteilt hatte, dass sie in einem Spital arbeiten werde, hatte sie an ein ziviles gedacht, doch was war in Kuwait Stadt nicht unter militärischem Schutz?
Sie in einer Uniform? Da kam sie sich ja wieder vor wie auf dem Mädcheninternat, das sie zwei Jahre in Irland besucht hatte – der Wunsch ihrer Großmutter, damit sie das Gälische erlerne. Nach dem dritten unglücklichen Semester hatten ihre Eltern sie im Alter von 16 Jahren wieder zurück in die Staaten geholt, sie auf eine gute katholische Schule geschickt und das Kapitel Uniform war für sie beendet gewesen. Später war es der dunkle Zweiteiler, der ihr manchmal so vorkam. Aber seitdem sie beim NCIS war, konnte sie tragen, was sie wollte – zu Tonys großer Freude.
Supermarkt Stützpunkt
Jenny hatte Tony im Laufe des Vormittags angerufen und sie hatten sich einen Treffpunkt in dem kleinen Kaffeehaus beim Supermarkt am Stützpunkt ausgemacht, dies war immer noch unauffälliger als viele andere Treffpunkt und den Stützpunkt konnte Tony nicht verlassen, da Kate das Auto hatte, ebenso ging es im Moment Jenny. Der Supermarkt war nur fünfzehn Gehminuten von beiden Wohnstätten entfernt.
Tony, bewaffnet mit der Einkaufsliste, machte sich auf den Weg und entschloss sich, möglichst wenig über ihr gemeinsames Zusammenleben preiszugeben. Es ging niemanden etwas an. Normalerweise gehörte er zu den prahlenden Menschen, doch konnte er genau dies Kate nicht antun, nicht der Chefin gegenüber.
Auch Jenny versuchte möglichst alle Gefühle zu verbergen, die momentan in ihr aufloderten. Es ging ihr so viel durch den Kopf. Wieso hatte sich Gibbs so verhalten? Gefiel ihm die Provokation?
„Oliver", hörte er hinter sich eine Stimme, als er das Kaffeehaus betrat und es war Jenny, die er erkannte, als er sich umdrehte. Sie stand in einem luftigen Sommerkleid vor ihm, die Haare salopp in einen Pferdeschwanz zusammengebunden, um ihre Schultern eine dünne Stola gelegt. Es war eine andere Jenny, dies war Sam.
„Sam", sagte er freundlich und wies auf einen Platz in der Ecke, in der man sie vielleicht weniger gut belauschen konnte und sie eher ungestört waren. Das Cafe war relativ leer, auch waren beiden wenige Menschen auf den Straßen begegnet, wahrscheinlich wegen der Hitze, der unerträglichen Hitze. Es waren 47 Grad im Schatten, in der Sonne hielt es so und so beinahe niemand aus.
Als sie Platz nahmen, fiel Tony Jennys Sonnenhut auf, den sie in der Hand gehabt hatte und ein kleiner Rucksack den sie trug.
„An dieses Wetter muss ich mich erst gewöhnen", gestand sie ein und er konnte ihre leicht geröteten Oberarme sehen.
„Du solltest schmieren, bei deiner hellen Haut holst du dir sonst einen Sonnenbrand."
„Ich weiß. Deswegen treffen wir uns auch hier, ich muss einige Kleinigkeiten einkaufen."
„Wie geht es nun weiter", fragte Tony, als der Kellner die Bestellung aufnahm. Jenny war kurze Zeit verstummt um nichts preiszugeben.
Als der Kaffee auf dem Tisch stand, der Kellner schließlich wieder verschwunden war, erklärte Jenny, „Zuerst müssen wir Zugang zu den Kollegen hier finden, ihr Vertrauen gewinnen, dann erst können wir mit den wirklichen Ermittlungen beginnen. Zudem müssen wir eine Aufgabe für dich finden, Julia verdient nicht so viel, dass ihr euch irgendwelche Extras leisten könnt."
„Extras?", fragte Tony verwundert nach.
„Ein zweites Auto zum Beispiel und es könnte sein, dass du auch etwas flexibler sein möchtest, als du im Moment bist."
„Hm…"
„Außerdem fahren die Familien ab und an nach Europa, wenn sie hier stationiert sind, meist nach Deutschland oder Italien, weil dort auch große Stützpunkte sind. Oder sie fliegen irgendwo anders hin, machen Urlaub einige Tage am Mittelmeer. Wenn ihr all das nicht macht, dann ist es auch auffällig, außerdem werden immer wieder Safaris und ähnliche Sachen veranstaltet, um die Umgebung kennenzulernen."
Als das Wort Safari fiel, grinste Tony bis über beide Ohren. „Du musst aber eines bedenken, wenn ihr unterwegs seid, müsst ihr euch auch wie ein Ehepaar verhalten und ich bin mir nicht sicher, ob Julia so glücklich über eine Jeep-Safari wäre."
„Überlass dies mir, ich werde sie davon schon überzeugen." Gemeinsam schmiedeten sie dann noch Pläne betreffend seiner Arbeitssuche. Er könnte bei der lokalen amerikanischen Zeitung schreiben, schlug Tony vor, aber dies wurde sofort niedergeschmettert, da ihm keiner trauen würde, wenn er diesen Job ausübe. Es gab viele Ideen und nichts passte so richtig, daher einigten sie sich, dass er mit Kate weiterüberlegen sollte, sie würde ihm dann bei den Formalitäten helfen.
Alles war nicht so einfach, wie es sich Jenny und Tony vorgestellt hatten. Das Wetter war unerträglich, die Supermarktregale verhältnismäßig – für ihre Verhältnisse – leer und die Langeweile holte sie rasch ein.
Sam & Gregs Haus
„Weib, ich bin zu Hause", schrie Gibbs quer durch das Haus, als er die Türe hinter sich schloss. Den ganzen Tag hatte er sich auf den Anblick seiner „Ehefrau" gefreut, doch wo war sie nur? Als er durch das Wohnzimmer ging, sah er sie nicht, doch dann, als er aus dem großen Fenster späte, erkannte er sie – eine Gestalt, die auf der Terrasse im Schatten lag, ein Buch auf dem Bauch und scheinbar fest schlief.
Die Holzplanken knarrten unter seinen Schritten. Möglichst leise trat er an die Seite der Sonnenliege und küsste sie auf den Mund. Als er sich allmählich wieder aufrichtete, sah er sich bewegende Vorhänge auf der anderen Seite des Gartens. Manche Leute mussten ein unglaublich langweiliges Leben haben, dachte er sich still und leise. Dann bückte er sich abermals und küsste die rothaarige Frau abermals auf die Lippen, legte die Hand an ihre Brust. Der Kuss wurde, ohne dass sie die Augen öffnete, inniger. An wen dachte sie bloß, fragte er sich, doch diese Gedanken verschwanden rasch, als ihre Hand sich um seinen Hals legte, um ihn weiter zu sich hinabzuziehen.
„Du gibst den Nachbaren schon wieder eine gratis Show", kommentierte Jethro leise.
„Und?", war ihre Antwort und sie konzentrierte sich wieder auf seine Lippen, seine Zunge und die Zähne, die ab und an auf ihre Unterlippe bissen.
Seine Hand war nun von ihrer Brust hinab an die Shorts gerutscht, an ihre Oberschenkel. Der Weg war nicht weit und er war dort, wo er sein wollte, zwischen ihren Beinen. Er streichelte sie anfänglich sanft, bis er bemerkte, wie erregend sie dies fand.
„Beginne nichts, was du nicht auch zu Ende bringen kannst", murmelte sie ihm ins Ohr.
„Dann sollten wir vielleicht gar nicht erst damit beginnen?"
„Das sagte ich nicht. Wenn du mich wieder in der Luft hängen lässt, dann brauche ich all das nicht." Vielleicht war ihr Ton etwas zu harsch gewesen oder er verstand es falsch, auf alle Fälle richtete er sich auf, drehte sich um und ging.
Verwundert blieb Jenny in dem Sessel sitzen. Was sie falsch gemacht habe, fragte sie sich mehrmals, immerhin hatte sie ihm doch nur die Erlaubnis gegeben, den ganzen Weg mit ihr zu beschreiten und nicht nur das Vorspiel. Oder war es genau das gewesen, was ihm Angst gemacht hat?
Oliver & Julias Wohnung
„Wir war dein Arbeitstag?", fragte Tony Kate, als sie müde und leicht genervt den Raum betrag, über ihrem Arm lagen drei Kleidersäcke und sie hatte noch weitere Sachen, die sie ihm deutete, dass er aus dem Wagen holen sollte. Anfänglich kannte er sich nicht recht aus, bis er sah, was sie mit sich brachte – ihre Uniformen.
„Bis auf den Fakt, dass ich die letzten drei Stunden diverse Unformen durchprobieren musste, bis wir die fanden, die perfekt passten, geht es mir gut. Ich habe Hunger, bin müde und sehne mich nach einer heißen Dusche", schloss sie.
Tony legte seinen Arm um ihre Schulter, beide standen nun im Schlafzimmer, all die Kleidersäcke auf dem Bett. „Dann geh doch duschen, das Essen ist bereits im Rohr und wir könnten danach gemeinsam einen Film anschauen. Ich habe gesehen, heute läuft ‚Rio Grande' zur Primetime."
Kate nickte nur und war erstaunt, als sie das Badezimmer betrat, dass es nicht vollkommen verwüstet war. Tony hatte sich wahrhaftig mühegegeben und alles geputzt, nachdem er duschen war. Auch das Kochen war ihm nicht schwer gefallen, immerhin hatte er es einmal gelernt, nur für eine Person zahlte es sich selten aus. Daher stand nun eine Portion Lasagne im Rohr, der Rotwein war zum Lüften geöffnet, der grüne Salat angerichtet.
Als Kate zwanzig Minuten später mit nassen Haaren in die Küche kam, konnte sie ihren Augen kaum trauen, auch ihrer Nase nicht. Der Tisch war angerichtet, samt Tischtuch und richtigem Besteck. Was führte er nur im Schilde?
Ende Kapitel 5
