Kapitel 6
Julia & Olivers Wohnung
„Es duftest ja wunderbar, Oliver", kommentierte Kate.
„Welches Problem hast du mit den Uniformen?", fragte Tony und schenkte Kate ein Glas Rotwein ein.
„Kein Problem, ich hatte nur die Hoffnung, dass es hier ein etwas dünneres Material gäbe, aber nein, es ist der gleiche dicke Stoff wie in Alaska", antwortete sie und schob ein Stück Lasagne in ihren Mund. „Die ist köstlich."
Beide lachten und aßen fertig. Auch der Western, den es spielte, gefiel Kate, obwohl es normalerweise nicht ihre Art war, sich solche Filme anzusehen. Nebenbei erzählte er ihr von dem Treffen mit Jenny und der Idee, sich einen Job am Stützpunkt zu suchen. Sie gingen unterschiedliche Vorschläge durch, als plötzlich das Telefon klingelte.
„D'Onofrio", meldete sich Kate .
„Ich bin es Sam, kann ich bitte Oliver sprechen, ich habe ein Jobangebot für ihn gefunden." Kate gab Tony den Hörer. Sie unterhielten sich einige Minuten.
„Das kann ich nicht machen Sam, wirklich nicht", kommentierte Tony etwas entgeistert. „Glaubst du wirklich? Ich weiß nicht! …. Lass mich darüber mit K… Julia sprechen und ich gebe dir morgen Bescheid. ... Gut, liebe Grüße an Greg … Du auch … danke!"
Als er aufgelegt hatte, fuhr er sich nervös durch die Haare.
„Was wollte sie von dir?", fragte Kate nach, das Glas Rotwein in der Hand.
„Kindergärtner, sie will doch tatsächlich, dass ich im Kindergarten auf der Basis arbeite, da ich so gut in Kontakt mit all den Frauen kommen würde, besser und leichter, als wenn sie diesen Job annehmen würde."
Kate lächelte, legte ihre Hand auf seine Schulter und blickte ihm tief in die Augen. Es wurde Tony jetzt erst wieder so richtig bewusst, welch große Augen grünbraunen Augen Kate hatte.
„Du schaffst das schon", sagte sie mit milder Stimme zu Tony. „Wenn Sam glaubt, dass du wie geschaffen für den Posten bist, dann wird sie Recht damit haben, du weißt, sie irrt sich so gut wie nie."
Tony nickte zustimmend. Jenny lag wirklich nie falsch. Wenn sie jemanden für einen Job aussuchte, dann hatte sie sich zuvor viele Gedanken gemacht und alle Pros und Kontras abgewogen. So war sie nun einmal.
„Aber kannst du dir mich mit lauter kleinen Kindern vorstellen?"
„Wieso nicht? Manchmal habe ich mich bereits gefragt gehabt, wieso du noch keine Kinder hast."
Kurze Zeit herrschte eine absolute Stille in der kleinen Wohnung, nur das mühsame Drehen des Ventilators war zu hören.
„Willst du welche?", fragte Tony nach und zog Kate zu sich auf den Schoß, vorsichtig, um ihr Zeit zu geben, sich zu wehren.
„Ich denke schon, aber es hat sich einfach noch nicht ergeben."
„Und wenn dich jemand fragen wird, wenn du mich abholst vom Kindergarten, was wirst du ihnen sagen?", fragte Tony nach. Es gefiel ihm, dass sie sich so einfach auf seine Oberschenkel gesetzt hatte, dass sie sich nicht wehrte, nicht mit ihm diskutierte, sondern es einfach tat, ohne zu murren.
„Dass es einfach noch nicht geklappt hat", entgegnete sie, „und ich würde dir raten, dasselbe zu erzählen." Sie musste lachen, als sie wieder aufstand und das leere Glas in die Küche trug.
„Dann sollten wir es wohl auch probieren", warf Tony in den Raum und begab sich, nachdem er das Licht abgeschaltet hatte, ins Schlafzimmer.
„Wie meinst du das?", fragte Kate verunsichert, als sie ihm nachging.
„So wie ich es sagte. Wenn ich behaupten soll, dass wir es versuchen, dann lass es uns doch machen." Er hatte wieder diesen Tonfall in der Stimme, der sie wissen ließ, dass er mit ihr spielte. Und zwei konnten so ein Spiel noch besser spielen.
Langsam begann Kate sich zu entkleiden, zog sich dem leichten Rock und das Shirt aus und stand nur noch in Unterwäsche vor ihm, wortlos putzte sie sich die Zähne und kam dann zurück ins Bett. Wie angewurzelt saß Tony immer noch in Boxershorts und T-Shirt am Bett und hatte sich nicht gerührt.
„Möchtest du dir denn nicht die Zähne putzen?", fragte sie etwas lasziv, gegen den Türstock der Badezimmertüre gelehnt, nach.
Er ging ins Badezimmer, putzte sich vollkommen verdutzt die Zähne und kam zurück ins Schlafzimmer. Dort lag sie nun in ihrer schwarzen Spitzenunterwäsche auf dem Bett, das Haar offen und quer über den Polster verteilt, das Licht gedimmt.
Als er näher an das Bett herankam, bereits mehr als nur erregt von dem Anblick, der sich ihm bot, bemerkte er, dass sie bereits schlief. Vorsichtig zog er das Laken unter ihr weg und deckte sie damit zu, dann befreite er sich von dem Shirt und legte sich neben sie. Bevor er das Licht ausmachte, studierte er die perfekte römische Nase, die kleinen Ohren mit den Diamantsteckern, den langen schlanken Hals, der sich in das ergoss, was ihm bisher stets verboten war, anzublicken. Der Spitzenbüstenhalter, den sie trug, verbarg nicht viel aber das sehr gut. Sie achtete stets auf ihre Figur, was sie trug, das war ihm aufgefallen, aber sie war sehr gut dabei, weibliche Formen in Szene zu setzen. Ihre Brust war nicht groß, er würde sie gut mit seiner Hand umfassen können und genau das gefiel ihm – sie passte zu ihrem restlichen, weiblichen Körper.
Er schmiegte sich an ihre Seite, legte den Kopf an ihre Schulter und schlief ein, umgeben von dem ihm mittlerweile so vertrauten Duft.
Greg & Sams Haus
Das Abendessen und auch der restliche Abend war zuvorkommend und quasi familiär verlaufen. Sie hatten über Tony und seine nicht vorhandene Vorliebe für Kinder diskutiert, Gibbs musste aber schließlich eingestehen, dass die Idee grandios war, ihn als Kinderliebhaber all den Müttern vor die Füße zu setzen, um so in Kontakt mit dieser Gruppe von Bewohnern des Stützpunktes zu kommen. Sie hatten beide keine Kinder, somit wäre der Kontakt schwierig geworden.
Über die Vorfälle auf der Veranda wurde kein Wort gesprochen, kein Laut offenbart. Als sie zu Bett gingen, beide sich auf ihre Seiten legten, stellte Jenny eine kleine Flasche Wasser auf Gibbs Nachkästchen, wissend, dass er so und so wieder aufwachen würde. Seine Albträume plagte ihn tagein tagaus und er sprach seit Jahren mit niemandem über seine Frau und die gemeinsame Tochter.
Gibbs war angetan von ihrem Pyjama, wie auch schon in der Nacht zuvor, besonders seitdem er wusste, wie seidig weich sich ihre Haut anfühlte, wie gut es war, sie unter seinen Fingern zu spüren. Und was ihn irritierte war, dass Jenny keineswegs abgeneigt schien.
Als sie im Bett lagen, der Ventilator sich über dem Bett drehte, legte Jenny ihren Kopf auf Gibbs Brust, als sie noch wach waren, schmiegte sich an ihn, ohne jegliche Grenzen zu ziehen, auch als sie ihr Bei über das seine und ihr Bein sich über das seine legte. Sie wechselten keine Worte. Er küsste ihr Haar, legte seine freie Hand auf die ihre, die auf seinem Herz ruhte und so schliefen sie ein.
Es war die erste Nacht in so vielen Jahren, in der er nicht hochschreckte, ihre Namen schrie. Er schlief durch. Die gesamte Nacht.
Die Tage verstrichen, alle gewöhnten sich zunehmend an die geänderten Verhältnisse. Tony und Kate begannen sich allmählich näher zu kommen. Eines Tages holte er sie von der Arbeit ab und sie platzierte sogar einen Kuss, ganz sanft und beinahe unschuldig, auf seinen Lippen. Ein anderes Mal gingen sie mit Gibbs und Jenny Abendessen außerhalb des Stützpunktes. Gibbs und Kate gaben vor, einander von einem anderen Einsatz in Spanien etwas zu kennen, obwohl sie in sehr unterschiedlichen Positionen arbeiteten. Auch das Wetter wurde allmählich erträglicher für alle, der Körper passte sich an.
Julia & Olivers Wohnung
„Du brauchst doch nicht nervös zu sein, Oliver", sagte Kate und strich ihm sanft über den Kopf, als sie beim Frühstück saßen. Es sollte sein erster Tag im Kindergarten sein und er hatte seine Probleme, sich an den Gedanken zu gewöhnen, so viel Zeit mit den Kindern zu verbringen, an denen ihm eigentlich gar nichts lag. Auf der anderen Seite gefiel es ihm, etwas verändern zu können.
In Jeans und Poloshirt bekleidet brachte Julia ihn auf seine Arbeitsstelle, verabschiedete sich von ihm und wieder küsste er sie auf den Mund. Es war beinahe eine Selbstverständlichkeit geworden. Der Ehering am Ringfinger, der Kuss auf den Mund, nächstens der Kopf an seiner Schulter, seine Hand auf ihrem Bauch.
Die Kinder nahmen ihn wärmstens auf, seine leicht verspielte Art kam ihm hier zu gute. Ein kleiner Junge hing am ersten Tag bereits besonders an ihm – Sammy. Er wollte nicht mehr von Tonys Seite weichen. Von einer Kollegin erfuhr er, dass es keinen Vater gab und die Mutter hier stationiert war, seitdem Samuel ein Jahr alt war, nun war er beinahe vier. Sammy hatte eine schwarze Hautfarbe, wirres krauses Haar, das kurz geschnitten war und trug an diesem Tag ein T-Shirt auf dem ganz groß Batman zu sehen war.
Sie spielten, Tony las ihnen eine Geschichte vor, half den kleineren beim Essen, band ihnen die Schuhe zu, wenn sie dabei waren, abgeholt zu werden. Und nicht nur eine der Mütter flirtete mit Tony, fast jede. Als Kate mit dem Wagen am Nachmittag vorfuhr, ausstieg und in ihrer Uniform auf ihn zukam, lächelte er sofort zurück, als er das Lächeln auf ihren Lippen sah. Die Frauen ließen ihr den Vortritt, wussten anfänglich nicht, wohin sie gehörte.
„Bist du schon fertig?", fragte sie Tony und sie schritt auf ihn zu, küsste ihn sanft.
„Gleich, ich muss Kimberly noch die Schuhe zubinden", sagte er, bückte sich und machte ihr eine Doppelmasche, strich ihr über das Haar.
„Bist du morgen auch wieder da, Tony?", fragte das Mädchen vorsichtig.
„Willst du das denn?"
„Du kannst du toll vorlesen!", jubelte sie etwas schüchtern. „Besonders wenn du den kleinen Bären liest."
„Dann werde ich morgen wieder da sein", kommentierte er. Kurz drehte er sich um, verabschiedete sich von seinen Kolleginnen und ging mit Kate, Hand in Hand, zum Wagen. Die Mütter sahen ihnen hinterher – ein ungewöhnliches Paar.
Ende Kapitel 6
A/N: I know … a bisserl kurz …. Aber es war das passende Ende für das Kapitel.
