Sex Crimes Congress - 2
Die Diskussion die er mit Kathy hatte, hatte den ganzen Abend gedauert, deswegen hatte er die notwendigen Sachen bereits um Mitternacht desselben Abends gepackt gehabt. Er hatte alles einfach in eine Reisetasche geschmissen, die Dokumente, die er für das Ansuchen des Passes brauchen würde, zusammengesucht und war gegangen.
Nun saß er im Auto und wusste nicht, wohin er gehen sollte. Kathy hatte ihm mit der Scheidung gedroht, ihm angeklagt, dass er deswegen nicht mehr schlafen würde, weil er es sich woanders holen würde. Ihre Anschuldigen waren gefüllt mit Hass. Er war sich bewusst, dass er mit dieser Reise seine Ehe, seine Familie aufs Spiel setzte.
Doch, als er so im Auto saß, langsam zu sah, wie dich Eisblumen auf der Fensterscheibe bildeten, gestand er sich ein, dass ihm die Familie nicht mehr wichtig war. Elliot wusste, dass seine Mutter stets – in ihrer verdrehten Art und Weise – hinter ihm stehen würde. Sogar seine Frau war ihm unwichtig. Kathy war stets da gewesen doch vermisste hatte er nie sie, sondern seine Kinder, wenn er an einem langen komplizierten Fall arbeitete. Kathy war immer einfach da gewesen, es war nichts Spektakuläres gewesen, seit Jahren nicht mehr, zu ihr nach Hause zu kommen. Es waren stets Vorwürfe gewesen, die er sich anhören durfte, wenn er einmal nach Hause kaum: Du bist zu spät zum Essen. Du verbringst zu viel Zeit mit Olivia. Du schläfst mit Olivia. Du betrügst mich. Du bist ein schlechter Ehemann. Du bist ein schlechter Vater. …
Ein schlechter Ehemann möge er vielleicht sein, weil er sich von seiner Frau nicht angezogen fühlte, aber er war kein schlechter Vater war er bei Gott nicht. Er hatte kein Spiel, keine Schulaufführung seiner Kinder versäumt. Niemals.
Fünfzehn Minuten später klopfte er an ihre Türe. Das Licht in ihrer Wohnung war nicht mehr an gewesen. Er war sich nicht sicher, ob er das Richtige machte, ob er sich mit seiner Entscheidung, sie um einen Schlafplatz zu bitten, blamieren würde oder nicht. Fakt war, er konnte keine drei Nächte in Folge am Revier schlafen, ohne dass es jemandem auffallen würde, Liv würde es so und so erfahren. Er würde es ihr sagen müssen.
Elliot klopfte noch einmal an ihre Türe.
„Ich komme ja schon"; hörte er von der anderen Seite. Dann öffnete sich langsam die Türe.
„Was willst denn du hier", fragte sie verschlafen und blickte auf seine Reisetasche. Ohne noch einmal zu fragen, ließ sie ihn eintreten und er warf die Tasche in eine Ecke des Wohnzimmers, seine Jacke darauf.
„Ich kann zu Hause nicht schlafen", erklärte er und zog sich die Schuhe aus. „Kann ich auf der Couch schlafen."
Erst jetzt wurde sich Liv bewusst, dass er sie in ihrem Schlafanzug sah, einem rosa Flanellpyjama mit blauen Schafen darauf, Maureen und Katie hatten ihn ihr zu Weihnachten geschenkt. Sie versuchte etwas zu sagen, aber es kam nichts aus ihrem Mund.
„Maureen und Katie?", fragte er zögerlich und lachte verhalten.
Liv nickte, ging zu einem Kastenverbau und entnahm diesem ein Leintuch, Tuchend und Polster.
„Danke", antwortete er und richtete sich sein Schlaflager langsam her.
„Möchtest du noch darüber reden?"
„Liv, bitte erst morgen. Ich muss nachdenken."
„Europa ist das Problem, mir war von Anfang an klar, dass sie dich nicht gehen lassen würde."
Er gab ihr keine weitere Antwort, zog sich gemächlich sein Gewand aus, streifte ein frisches T-Shirt über seinen Kopf und legte sich hin.
Liv fragte nicht mehr, wunderte sich aber am Weg zurück in ihr Bett, über den Punkt, dass sie geahnt hatte, dass Kathy diesen Kongress nicht gut aufnehmen würde, dass sie geahnt hatte, dass es Probleme geben werde. Es war typisch für Elliots Ehe. Es war typisch für Kathy ihm Probleme zu machen. Typisch.
Olivia kuschelte sich, ohne weiterhin an die Probleme, die ihr Partner nun hatte, zu denken, in ihren Polster und versuchte noch etwas schlaf zu finden, doch ihre Gedanken wanderten immer wieder zu Elliot, der in viel zu wenig Klamotten auf ihrer Couch lag.
Doch in Wahrheit hatte sie viele Nächte damit verbracht, sich vorzustellen, wie es bei Elliot zu Hause zuging. Er kam nicht jeden Tag ausgeschlafen und hoch erfreut in die Arbeit, oftmals bekam sie mit, wie Kathy ihre Eifersuchtstiraden am Telefon von sich gab, wie sie ihm versuchte Schulgefühle einzureden und ihn schlecht zu machen. Ab und an, wenn Elliot sie dann einweihte, in die Probleme die es gab, versuchte sie, ihn zu besänftigen, seine Ehe zu retten, da sie sich insgeheim schon etwas Schuld an dem Debakel gab. Immerhin waren sie den Großteil des Tages zusammen, verbrachten immer wieder Nächte zusammen und doch einsam und alleine in einem kleinen Auto. Oftmals kam es ihr vor, als hätte sie keine Luft zum Atmen, doch wenn sie ohne ihm war, dann fehlte ihr der Sauerstoff zum überleben.
Die folgenden Tage verliefen wie im Flug. Die drei Polizisten mussten sich ihre Pässe organisieren, sich mit Winterkleidung eindecken und Liv musste es ertragen, dass Munch sich die ganze Zeit über die eventuelle Kälte beklagte.
Olivia stand mit zwei Reisetaschen und einem Trolly am Flughafen und wartete auf die Männer, die schwer diskutierend die Abflughalle des JFK betraten. Elliot hatte Liv in all den Tagen, in denen er bei ihr gewohnt hatte, nicht gesagt, was genau vorgefallen war, dass er von zu Hause ausgezogen war. Eines Abends hatte sie einen Anruf von Kathy am Anrufbeantwortet. Sie hatte gefragt, ob Elliot bei ihr sei aber auch keine Erklärung abgegeben.
Liv hatte diese freien Tage genossen, war beim Friseur gewesen, hatte sich eine Massage und ein Waxing gegönnt und ein paar warme Wintersachen geleistet, die sie, wie sie sich eingestand, wahrscheinlich nie mehr brauchen würde. Sie und Winter? Skifahren war sie zwei Mal in ihrem Leben gewesen und zwei Mal hatte ihr alles am zweiten Tag wehgetan.
„Wie kannst du das nur sagen", fragte Fin etwas forsch Elliot, als diese in Olivias Hörweite kamen.
„Was glaubst du denn, wie sie sich entscheiden wird", entgegnete dieser.
„Frag sie einfach, dann wirst du sehen, dass es dich nur in Probleme bringen wird", forderte Munch, in seiner Stimme klang ein etwas genervter Unterton mit.
„Was ist denn euer Problem?", fragte sie und umklammerte den Kaffeebecher den Munch ihr reichte.
„Es ist ganz einfach und ich muss ja gar nicht großartig fragen, es ist so und so logisch", protestierte Elliot.
„Sagt es doch einfach!"
„Wir haben zwei Doppelzimmer und Elliot hat behauptet, dass es so und so logisch sei, dass du dir mit ihm eines teilst."
Olivia starrte die drei Männer an, die offensichtlich auf eine Antwort warteten.
„Ihr scherzt? Zwei Doppelzimmer? Ich würde sagen, ihr drei teilt euch eines und ich bekomme meine eigenes."
„Wir scherzen gar nicht. Fin hat die Unterlagen für die Hotelreservierung erhalten und Cragen hat zwei Doppelzimmer gebucht."
Olivia stöhnte auf.
Elliot verstand nicht, was an dieser Diskussion so schwer zu verstehen sei. Sie war seine Partnerin und er würde es nicht zulassen, dass einer der anderen beiden sich mit ihr ein Zimmer teile. Sie war seine Partnerin, sein Besitz. Besitz? Immerhin war sei seine Partnerin, wie konnte sie an dieser Entscheidung seinerseits zweifeln?
„Das heißt, ich muss mich entscheiden, mit wem von euch ich ein Badezimmer teile?", fragte Olivia, drehte sich um und ging in Richtung Eincheckschalter, darauf wartend, dass einer der Männer ihre restlichen Gepäckstücke nehme. Es war eine untypische Haltung und doch nahm Elliot, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, ihre Taschen und ging ihr hinterher. Fin und Munch gingen etwas hinter Elliot und Olivia hinterher. Beiden Männern war bewusst, dass sie sich ein Zimmer teilen würden, ihr Kollege würde es niemals zulassen, dass einer von ihnen ihr Name sein würde, nicht auf diese Art und Weise.
„Wieso stellst du die Zimmereinteilung in Frage", sagte Elliot sehr forsch und wenn Olivia ihn nicht so gut kennen würde, hätte sie meinen können, dass er sie angefaucht hat.
„Elliot?"
„Ich meine es ernst! Du würdest dir mit Munch ein Zimmer teilen?"
„El? Was soll das?"
Er stellte ihr Gepäck relativ laut und unsanft vor das Förderband und trat es in ihre Richtung.
„Du führst dich auf wie ein kleines Kind", erklärte sie ihm und stellte ihre Taschen aufs Band, reichte der Frau von der Fluggesellschaft ihre Unterlagen und ignorierte ihre Begleiter, bis sie im Flugzeug saßen. Olivia war ihre eigenen Wege gegangen, hatte sich noch eine Tasse Kaffee gekauft, ein Sandwich gegessen, allerdings bemerkt, dass die drei immer knapp hinter ihr waren.
„Du solltest sie nicht so unter Druck setzen", meinte Munch als er an seinem Tee nippte.
„Unter Druck? Was für einen Druck?"
„Du weißt, was ich meine. Sie mag es nicht, wenn man sie bevormundet, daher solltest du ihr die Wahl lassen. Ihre Entscheidung wird so und so auf dich fallen. So sehr sie uns schätzt, Elliot, sie würde sich nie mit einem von uns das Zimmer teilen, außer wenn du Mist maust. Daher würde ich an deiner Stelle versuchen, dich am Riemen zu reißen und ihr etwas Freiraum zu geben."
Auch den Flug hindurch, sprach sie mit ihren Begleitern kein Wort, nicht einmal mit Munch, der neben ihr saß. Sie dankte Gott dafür, oder wem auch immer, dass sie er den IPod erfunden hatte, so schaltete sie diesen, kurz nach dem Start ein und hörte bis Deutschland Musik ohne eine Pause.
Die Männer wunderten sich über ihr Verhalten und teilweise auch wieder nicht, sie ärgerten sich größtenteils über sich selbst, dass sie sie überhaupt verärgert hatten, dass es überhaupt so weit gekommen war.
Elliot hingegen verstand sie immer noch nicht. Wieso musste sie überhaupt überlegen? Sie hatten sich die letzten Tage auch ein Badezimmer geteilt, er hatte ihr Frühstück gekocht, beim Chinesen ihr Abendessen bestellt.
Doch, wie konnte sie an ihm und seinen Manieren zweifeln? Er würde sie niemals bedrängen, würde ihr niemals zu nahe kommen, ohne dass sie es wünschte.
