Blut und Tränen

Schwerter klirrten. Das Licht der hereinfallenden Sonne brach sich in den Klingen und warf tanzende Reflexe an die Wände des Übungssaals. "Bewege dich!", hörte ich Luvalaes Stimme, "der Kampf mit zwei Schwertern ist nicht statisch. – Passe auf deine Deckung auf! – Diese Schlagfolge wiederholen. – Und noch einmal!" Seine Angriffe kamen hart und rücksichtslos. Ebenso wie seine Anweisungen. Woher, bei Cernunnos Hörnern, nahm er nur die Luft und die Zeit zum Sprechen?

Schwitzend wehrte ich einen weiteren Hieb ab. Mein Atem ging keuchend. Das Salz des Schweißes brannte erbarmungslos in den kleinen Schrammen, die er mir zugefügt hatte. Wie ein Trommelfeuer prasselten die Angriffe auf mich ein. Mit Mühe konnte ich meine Abwehr aufrecht erhalten. Dann sah ich in einem Sekundenbruchteil meine Schwerter davonfliegen. Meine Augen starrten auf Luvalaes gekreuzte Klingen, die sich nur Inches von meiner Kehle entfernt befanden. Langsam zog er diese zurück.

"Du hast gut gekämpft", sagte er anerkennend. Sein Atem ging nicht schneller, als zu Beginn der Übungsstunde. Ich dagegen war völlig fertig. Meine Muskeln zitterten, mein Herz hämmerte gegen die Brust und ich rang nach Atem. "Zumindest verstehst du allmählich, wie man mit zwei Schwertern umgeht. Für einen Mensch und dazu einer Frau gar nicht mal so übel." Sein Lächeln konnte ich nur unverschämt nennen. "Ich werde mich demnächst mit dem Kampfstab revanchieren", konterte ich japsend, "wie oft hast du mich heute entwaffnet? Sechs oder acht Mal? – Ich habe nach dem vierten Mal aufgehört zu zählen." Er lachte auf. "Elf Mal", entgegnete er, "aber du wirst wirklich besser." "Das soll wohl ein kleiner Trost sein, Luvalaes?"

Ächzend bewegte ich mich Richtung Rüstkammer. "Du kannst deine Rüstung anbehalten, Arwen", hörte ich Anordil hinter mir. Überrascht drehte ich mich um. Ungewöhnlicherweise trug er Rüstung. Die Schwerter, der Köcher und der Bogen wurden von dem graugrünen Reiseumhang beinahe verdeckt. "Es ist ein Trupp Wargreiter an der Südgrenze gesehen worden", sagte er. Luvalaes sah ihn fragend an. "Vater hat befohlen, dass die Grenzen kontrolliert werden", entgegnete Anordil, "wir sollen die Südostgrenze inspizieren." "Leben die Warge noch?", fragte Luvalaes kalt. "Nein", Anordil schüttelte den Kopf, "Thinroval hat mit seiner Wache ganze Arbeit geleistet. Allerdings kann nicht ausgeschlossen werden, dass noch mehr unterwegs sind."

Ich hatte mir in der Zwischenzeit den Schweiß aus dem Gesicht gewischt und meine Schwerter in die Scheiden gesteckt. Der Köcher wurde rasch umgeschnallt. Als ich den Bogen ergriff, durchfuhr mich ein kribbeliges Gefühl. Adrenalin schoss in mir hoch. Luvalaes hatte sich mit wenigen Handgriffen ebenfalls gerüstet. "Lasst uns aufbrechen!", sagte Anordil und warf uns die graugrünen Reiseumhänge zu. "Nun werden wir sehen, wie viel du gelernt hast", lächelte Luvalaes mich an. Ich schloss wortlos meinen Umhang und folgte ihnen hinaus.

Die Sonne stand hoch am Himmel. Friedlich lag das Tal von Cillien vor uns. Und doch war eine unterschwellige Unruhe zu spüren. Ich sah etliche gerüstete Elben in verschiedenen Richtungen verschwinden. "Das Gezücht wird immer zahlreicher", murmelte Anordil, "erschlägt man einen, rücken zwei nach. Irgendetwas Dunkles kommt auf uns zu." Wie Recht du hast, dachte ich bei mir.

Er führte uns nach Südosten auf das Nebelgebirge zu. Unser Ziel lag etwas unterhalb der Schneegrenze. Am Ende dieses Tages hatten wir den Fuß des Gebirges erreicht. Ungeachtet der heraufziehenden Dunkelheit gingen wir weiter. In der Morgendämmerung erreichten wir die Grenze. Überrascht trat einer der Wachtposten aus der Deckung. "Chen suilon", grüßte er uns, "was ist geschehen, dass der edle Glordoron seine Söhne an die Grenze schickt?" "Thinroval hat eine Gruppe Wargreiter an der Südgrenze aufgerieben", erwiderte Anordil. "Wargreiter? So, so", entgegnete die Wache, "hier ist alles ruhig. Aber wir werden aufmerksam sein." Rasch gab er Signal an die anderen Wachtposten. Dann machten wir uns wieder auf den Weg.

Aufmerksam schritten wir die Grenze nach Süden ab. Nirgendwo war ein Hinweis auf Warge oder Orks zu erkennen. "Dieser Teil der Grenze ist sicher", sagte Anordil, "die Wachtposten sind gewarnt." "Wir sollten weiter nach Süden gehen", warf Luvalaes ein, "wenn noch mehr Warge aus dieser Richtung kommen, wird Thinroval Unterstützung gebrauchen können." Anordil nickte zustimmend.

Gegen Abend erreichten wir die Südgrenze. Diese wurde im Prinzip von einem Ausläufer des Nebelgebirges gebildet. Da ein Teil der Grenze an einer unpassierbaren Steilwand entlang führte, waren wir gezwungen wieder ins Tal hinab zu gehen. Am Fuße eines zerklüfteten Berghanges kam uns ein junger Elb entgegen. Es war einer der Wachtposten unter Thinrovals Kommando. "Le suilon, hîr Anordil, hîr Luvalaes, híril nin – ich grüße euch, Herr Anordil, Herr Luvalaes, meine Dame", grüßte er ehrerbietig, "Thinroval schickte bereits nach Verstärkung. Weit in den Ebenen sind etliche Orks und Wargreiter zu sehen." "Wir werden gleich hinaufsteigen", erwiderte Anordil, "geh und erstatte Glordoron Bericht!" Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, wandte er sich dem Berghang zu. Der Elb verbeugte sich kurz und lief weiter in Richtung der Elbenstadt. Luvalaes und ich beeilten uns Anordil zu folgen.

Beim Aufstieg versuchte ich mich daran zu erinnern, was Tolkien über die Jahre vor dem Ringkrieg erzählt hatte. War die Bedrohung schon so offensichtlich? Hatte Saruman bereits begonnen Orks, Uruk-hai und Warge zu züchten? Es musste wohl so sein. Denn woher sonst sollten diese kommen? Schließlich waren es keine acht Jahre bis zum Ringkrieg. Gandalf musste schon auf den Spuren Gollums sein. Oder etwa nicht? So in Gedanken kletterte ich hinter den beiden Elben her.

Als wir oben eintrafen, hatte die Nacht bereits begonnen. Fahl leuchtete das Mondlicht. Weit in der Ebene waren Feuer zu sehen. "Es sind Höfe, die brennen", sagte Thinroval, der neben uns auftauchte. Trauer schwang in seiner Stimme mit. Er war beinahe gleich alt mit Anordil. Sie wuchsen zusammen auf. "Luvalaes wird dein Kommando hier übernehmen", sagte Anordil, "du wirst mit uns in die Ebene hinuntergehen. Drei deiner Männer sollen uns begleiten." "Wir haben weitere Wargreiter im Südwesten ausgemacht", erwiderte Thinroval, "ich hatte vor, sie heute Nacht zu vernichten." "Überlasse dies Luvalaes", warf Anordil ein, "er benötigt ein wenig Übung." Ein kaltes Lächeln erschien auf Luvalaes Gesicht. "So könnte man es auch bezeichnen", entgegnete er trocken und verschwand in der Dunkelheit. Leise Pfiffe und Vogelstimmen erklangen, dann herrschte Stille.

Drei weitere Elben erschienen, wie aus dem Nichts. Thinroval nickte mir zu. "Es ist schön, dass du uns begleitest, Arwen", sagte er leise zu mir, "falls wir Überlebende finden, werden die Menschen weniger Angst vor uns haben." "Dann sollten wir uns vielleicht beeilen", entgegnete ich. Ich kannte ihn aus den Übungsstunden mit dem Kampfstab. Durch ihn hatte ich es zur wahren Meisterschaft gebracht. Thinroval war hochgewachsen wie alle Elben. Sein dunkelblondes Haar und die braunen Augen gaben ihm ein sanftes Aussehen. Obgleich er ein gefährlicher Kämpfer war. Anordil nickte zustimmend. "Wir sollten uns tatsächlich eilen", bestätigte er, "so wie die Feuer dort brennen, werden wir nicht viele vorfinden."

Rasch machten wir uns an den Abstieg. In der Dunkelheit gestaltete sich dies für mich reichlich schwierig. Doch dank Anordil und Thinroval konnte ich mit ihnen mithalten. Unten in der Ebene rannten wir lautlos den Feuern entgegen. Plötzlich gebot Thinroval uns stehen zu bleiben. "Tenon edain a nuston yrch – ich höre Menschen und rieche Orks", sagte er, "sie kommen auf uns zu." "Berio anech! – Verbergt euch!", befahl Anordil leise. Wir waren kaum in Deckung gegangen, als ich die panischen Schreie vor uns hörte. Dahinter das raue Grunzen und meckernde Lachen der Orks. Gänsehaut lief mir über den Rücken. Ruhig spannte ich den Bogen.

Dann sahen wir sie. Eine Gruppe von fünf Halbwüchsigen, fast noch Kinder, lief auf uns zu. Hinter ihnen brachen drei Orks durch das Gebüsch. Doch diese kamen nicht weit. "Leithio in philinn! – Löst die Pfeile!", schallte Anordils Stimme. Pfeile sirrten auf die Orks zu. Und wir trafen gut. Gespickt sanken die Orks tot zu Boden. Erst jetzt traten wir aus der Deckung. In Panik klammerten sich die Jugendlichen aneinander. "Bleibt hier und wartet!", gebot Thinroval ihnen auf Westron. Furchtsam sahen sie ihn an. Anscheinend war es das erste Mal, dass sie Elben erblickten.

"Bitte, Herr", flüsterte einer von den drei Jungen atemlos, "unsere Familie. – Die Orks - ..." Mit einer raschen Handbewegung hieß Thinroval ihn schweigen. "Ab fair! – Nach rechts!", wies er uns an, "nuston yrch – ich rieche Orks." Hastig liefen wir in die angegebene Richtung. Schon von weitem konnten wir die Schreie hören und das höhnische Gelächter der Orks. Anscheinend spielten sie mit ihren Opfern. Schön, sie sollten nicht lange ihren Spaß haben, dachte ich grimmig. Minuten später waren wir angelangt. Ich schüttelte mich, als ich das Szenario vor mir sah. Noch im Laufen zog ich die Schwerter.

Etwa zehn Orks hatten eine Gruppe von Menschen zusammengedrängt. Ein junger Mann lag mit verdrehten Gliedern am Boden. Offensichtlich war er tot. Eine Frau wurde von drei Orks bedrängt. Ihr Gewand hing bereits in Fetzen von ihrem Leib. Aus Fleischwunden tropfte das Blut. Ein weiterer Mann wehrte sich erbittert gegen einen Ork. Mit seiner Mistgabel konnte er diesem nicht das geringste entgegensetzen. Zwei weitere Frauen versuchten sich mit rostigen Schwertern gegen einen Ork zu verteidigen. Sein meckerndes Lachen verging ihm allerdings, als Thinroval ihn mit einem Pfeil zur Strecke brachte. Vier weitere Orks stritten sich um die Überreste eines Menschen, den sie in Stücke gerissen hatten. Ein junger Mann hing erschlafft in den Armen eines Orks, der sich bereits am linken Arm desselben gütlich tat.

Wie ein Sturmgewitter kamen wir über sie. Ich nahm mir einen von den drei Orks vor, welche die Frau bedrängten. "Versuch's mal mit mir", knurrte ich auf Westron, "ich kann mich zumindest erwehren." Blutgier glitzerte in seinen Augen. Mit einem gewaltigen Hieb versuchte er die Frau zu töten, um mich ungehindert attackieren zu können. Allerdings fuhr ich ihm in den Angriff hinein. Ich dachte meine Arme würden brechen, so heftig war dieser Schlag. Unter Aufbietung meiner ganzen Kräfte schlug ich zurück. Mein Angriff überraschte ihn. Brutal stieß er die Frau beiseite, die sich todesmutig auf ihn gestürzt hatte, in der Hoffnung ihn abzulenken. Ich hörte Knochen knacken. Gellend schrie sie auf und blieb benommen an der Seite liegen. Doch durch diese Bewegung hatte er seine Deckung öffnen müssen. Rücksichtslos stieß ich die Schwerter in ihn hinein. Mit einem Ruck zog ich sie heraus. Vor Überraschung brüllte er auf und taumelte mir entgegen, nur um nach zwei Schritten tot zusammen zu brechen.

Als ich mich umsah, bemerkte ich, dass die Elben bereits ganze Arbeit geleistet hatten. Von den Orks war keiner mehr am Leben. Anordil untersuchte rasch die Überlebenden. "Bis auf die eine Frau hier, sind alle mehr oder weniger unversehrt", sagte er auf Sindarin, "die Schrammen können in Cillien behandelt werden." Anordil beugte sich zu ihr hinunter. Angst und Panik war in ihrem Blick. "Habe keine Angst, Frau", sprach er leise zu ihr auf Westron, "wir sind gekommen um zu helfen. Sei ruhig, dass ich deine Wunden sehen kann." Stumm nickte sie nur. Gehetzt sah sie von einem zum anderen. Auch die anderen Menschen blickte sie an. Diese standen zusammengedrängt an der Seite. Die Frauen weinten. Es war offensichtlich, dass sie sich fürchteten. Thinroval und seine Männer säuberten ihre Schwerter. Neben ihnen wirkten die verängstigen Menschen wie Kinder.

Zum ersten Mal erfasste ich, was Anordil mir in den ersten Wochen unserer Wanderung in Mittelerde erzählt hatte. ‚Die Menschen fürchten sich vor uns.' Genau das waren seine Worte gewesen. Und hier sah ich es vor mir. Rasch trat ich zu der Frau heran und beugte mich hinab. "Habe Vertrauen", sagte ich ruhig, "seht her, auch ich bin ein Mensch. Die Elben haben mich ebenfalls gerettet." Mit einer leichten Bewegung strich ich die Haare zur Seite, dass sie meine Ohren sehen konnte. Überrascht blickte sie mich an. "Ich werde dich nun verbinden", sprach Anordil sanft zu der Frau, "es wird wehtun. – Danach bringen wir euch nach Cillien. Dort werdet ihr Ruhe finden, bevor ihr zu euren Häusern zurückkehren könnt. Unsere Krieger verfolgen die Orks und die Wargreiter." "Habt vielen Dank für Eure Güte und Großzügigkeit, Herr", erwiderte einer der Männer unterwürfig, "wir sind doch nur einfache Bauern und ..." "Im Haus der Heilung wird man eure Wunden versorgen", unterbrach Anordil ihn, "folgt meinen Kriegern!" Seine Worte duldeten keinen weiteren Widerspruch.

"Bitte verzeiht mir, Herr", sagte eine der anderen Frauen demütig, "fünf der Kinder rannten auf das Gebirge zu. Habt Ihr sie vielleicht gesehen?" "Seid unbesorgt", antwortete er ihr, "sie sind nicht weit von hier und leben." Er winkte Thinroval neben sich. "Badir i dhanwen – ihr geht zurück", wies er ihn an, "Arwen bada na nin. Aphadam i rein in yrch. – Arwen wird mit mir gehen. Wir folgen der Spur der Orks." "Mae, Anordil – gut, Anordil", erwiderte Thinroval, "man i lû erin delitham? – Wann werdet ihr kommen?" "Sobald wir in den Gehöften nach Überlebenden gesucht haben", entgegnete Anordil. Thinroval nickte verstehend. "Seid vorsichtig", mahnte er leise, "die Orks werden immer zahlreicher." "No pen-drass gen, mellon nin - sei du ohne Sorge, mein Freund", lächelte Anordil, "wir kehren unbeschadet zurück. Bringe diese Menschen nach Cillien und sorge dafür, dass ihre Wunden behandelt werden." Dann wandte er sich um und verschwand in der Dunkelheit.

Ich beeilte mich ihm zu folgen. Schließlich wollte ich den Anschluss nicht verlieren. Bald hatten wir das erste brennende Gehöft erreicht. Bereits von weitem war der Geruch des Feuers wahrzunehmen. Sorgfältig sahen wir uns um. Die Orks hatten ganze Arbeit geleistet. Ein paar verkohlte Leichen, oder eher gesagt Leichenteile, war alles, was von den Opfern übrig geblieben war. Entsetzen stand in meinen Augen. Heftig musste ich würgen. "Hier ist niemand mehr am Leben", sagte Anordil ruhig, "wir werden den nächsten Hof aufsuchen." Erleichtert stellte ich fest, dass er sich von dem Hof entfernte. Rasch ging ich ihm nach.

In vielleicht drei oder vier Meilen Entfernung war ein weiteres großes Feuer zu sehen. Vorsichtig liefen wir darauf zu. Schließlich konnten sich immer noch Orks hier herumtreiben. Doch niemand hielt uns auf. Auch hier bot sich uns ein ähnliches Bild. In Flammen stehende Ruinen eines einstigen Gehöftes. Neben dem Gatter lag ein achtlos hingeworfener, abgenagter Arm. Grauen schüttelte mich. "Es sind Orks", sagte Anordil leise zu mir, "ab und an überfallen sie diejenigen, die sich nicht wehren können. Für sie sind die Menschen nur Vieh. Nützlich, um geschlachtet zu werden." "Und es wird noch schlimmer werden", flüsterte ich heiser, "han iston, Anordil, han iston - ich weiß es, Anordil, ich weiß es." Tränen schimmerten in meinen Augen. Rasch nahmen wir den Hof in Augenschein. Doch auch hier rührte sich kein Leben mehr.

Dieses Bild bot sich uns noch einige Male in dieser Nacht. Überall wo wir hinkamen, war nur Tod geblieben. Schweren Herzen machten wir uns in der Dämmerung auf den Rückweg. Die Wachen an der Südgrenze ließen uns ungehindert passieren. Wir liefen rasch und gegen Abend erreichten wir die Elbenstadt. Luvalaes war noch nicht zurück. Er traf erst drei Tage später ein. Die Grenzen waren nun wieder sicher. Die herumziehenden Orks und Wargreiter waren vernichtet worden. Dessen ungeachtet wurden die Wachtposten verstärkt. Dunkle Zeiten zogen auf. Die Vorboten hatten sich bereits gezeigt.

Einige Tage später herrschte erneut Unruhe in der Elbenstadt. Jedoch die Ursache war diesmal ein erfreulicherer Grund - der Zeitenwechsel stand bevor. Seit ungefähr einem Dreivierteljahr meiner Zeitrechnung lebte ich in Mittelerde. Für die Elben stand ein Zeitenwechsel in ihrem Kalender nur alle hundertvierundvierzig Erdenjahre an. Die Jahre dazwischen waren für sie einfach nur Sonnenläufe. An diesem Abend würde es somit ein großes Fest geben.

Am Morgen waren wir auf dem Bogenschießplatz. Mittlerweile war ich eine gute Schützin geworden. Kein Wunder. Anordil war ein strenger Lehrmeister. Luvalaes sah mich an. In seinen Augen glitzerte es spitzbübisch. "Na, Arwen, wie wäre es mit einer kleinen Wette?" "Ich bin nicht gut genug, um mit dir um die Wette zu schießen, Luvalaes", antwortete ich ausweichend. Diesmal war ich vorgewarnt!

"Du unterschätzt deine Fähigkeiten, Arwen", sagte er zu mir, "der Gewinner hat einen Wunsch frei." Charmant blickte er mir in die Augen. "Wenn du so von meinen Künsten mit dem Bogen überzeugt seid, dass ich gegen dich eine Chance habe, so bin ich bereit", entgegnete ich vorsichtig. Anordil hatte sich bei dem Gespräch zurückgehalten. Er würde die Punkte zählen. Beim Schießen schaute er mich gelegentlich prüfend an. Ich bemerkte es nur am Rande, da ich mich voll auf meinen Bogen konzentriert. Ich wehrte mich erbittert gegen Luvalaes und gewann tatsächlich mit einem Punkt.

Später fragte ich mich allerdings, ob er mich hatte gewinnen lassen. Er deutete eine Verbeugung an. "Si, man ir iest lîn? - Nun, was ist dein Wunsch?" Ich wurde verlegen. "Íron nin sirarad fuin na len liltha, Luvalaes - ich wünsche mir heute Abend einen Tanz mit dir, Luvalaes", sagte ich annähernd schüchtern. Anordil lächelte verschmitzt. "A man na nin? - Und wie steht es mit mir?", fragte er herausfordernd, "anírach maetha dan nin? - Möchtest du auch gegen mich antreten?" Seine Augen bohrten sich in meine. Euphorisch von meinem Sieg sagte ich: "Mae, man carithach ae ú-dhûr lîn? - Ja, was ist dein Einsatz?" "Annach gen iest - ich erfülle dir einen Wunsch", erwiderte er und konterte, "a man carithach ae ú-dhûr lîn? - Doch fallst du verlierst, was ist dein Einsatz?" Ich wusste nicht, welchen Schabernack Cernunnos nun mit mir trieb, aber ich sagte: "Fuin na nin - eine Nacht mit mir."

Anordil sah mich mit seinen strahlendblauen Augen an. "Du solltest dein Glück nicht zu sehr herausfordern", sagte er samtweich, "aber wenn es dein Wille ist, so nehme ich den Einsatz an." Ich schluckte nervös. Sie hatten mich auf das sprichwörtliche Glatteis geführt. Mir blieb keine andere Wahl. Ich nahm meinen Bogen und schoss. Luvalaes zählte die Punkte. Ich kämpfte hart, aber diesmal gewann Anordil. Er sah mich sanft an. "Sirarad fuin dolthon gen - heute Nacht fordere ich meinen Gewinn", sagte er leise zu mir. Angst flackerte in mir auf. Erschrocken rannte ich davon.

Warum hatte ich das getan? Erst am Wasserfall kam ich zum Stehen. Lange verweilte ich dort und wurde von finsteren Gedanken gequält. Als der Abend dämmerte, machte ich mich auf den Weg zurück. Ich hatte nie mein Wort gebrochen. Egal, was geschah, ich würde es durchstehen, redete ich mir ein. Langsam begab ich mich in mein Gemach. Anigel erwartete mich bereits voll Ungeduld.

An jenem Abend war mir gehörig unwohl. Mit gemischten Gefühlen betrachtete ich mein Spiegelbild. Ich sah eine Frau mit vor Angst ganz weiten Augen. Anigel hatte mir heute ein Gewand in dunklem Moosgrün, das mit kupferfarbenen Fäden durchzogen war, für den Abend gegeben. Mein Haar hatte sie mir offen gelassen und mit einem schmalen kupfernen Reif geschmückt, der aus filigran gearbeiteten Blüten und Ranken bestand.

Luvalaes wartete auf der Terrasse auf mich. Er trug eine kupferfarbene Robe mit einer Borte aus dunkelgrünen Ornamenten. Ein schmaler kupferner Stirnreif zierte sein langes Haar. Heute Abend würde er mein Tischherr sein. "Gen anbain thir, Arwen - wunderschön siehst du aus, Arwen", sagte er zu mir und lächelte mich an, "erui in achas ned chin gen ú-brestar - nur die Angst in deinen Augen passt nicht dazu." Er schaute mir tief in die Augen. "Ú-moe 'ostach vuindor nîn. Ú-charnatha gen. - Dartho, annathon dulu gen! - Du brauchst vor meinem Bruder keine Angst zu haben. Er wird dir nicht wehtun. - Warte, ich werde dir helfen!" Er bedeutete mir, mich auf die Balustrade zu setzen. Er setzte sich neben mich. Dann fing er leise an in einer fremden Sprache zu singen. Es war eines der Zauberlieder, die ein Barde im Repertoire hatte. Ich spürte, wie sich eine Art Spannung in der Luft aufbaute. Meine Angst wurde langsam verdrängt.

Nach ein paar Minuten beendete Luvalaes sein Lied. "So, das ist doch viel besser", sagte er zufrieden, "ich sehe dich wieder normal atmen und deine Augen strahlen sogar ein wenig. Wenn du mir jetzt ein Lächeln schenkst, ist der Abend gerettet." Er reichte mir die Hand. Ich lächelte ihn an. "Hannon gen, Luvalaes - danke, Luvalaes", antwortete ich leise, "ú-iston, man mathannen chen gâr - ich weiß nicht, was mich dazu verleitet hat." "I amarth - vielleicht das Schicksal", erwiderte Luvalaes mit einem leichten Lächeln, "auf jeden Fall war es diesmal kein Zauber."

"Sennui ú-'oston nu Anordil - eigentlich habe ich auch keine Angst vor Anordil", gestand ich leise, "wahrscheinlich habe ich es herausgefordert, weil ich mich selber prüfen wollte. Weil ich wissen wollte, ob ich eine richtige Frau sein kann." "Anírach ú-anrim na gen - fordere nicht zuviel von dir selber", mahnte Luvalaes ruhig, "was in vielen Sonnenläufen in dir gewachsen ist, kannst du nicht in wenigen Monaten bei Seite schieben. Dein Körper ist geheilt durch Mallenloths Künste, aber wie sieht es mit deiner Seele aus? – Man aníra ned chûn lîn? - Bist du in deinem Herzen schon bereit?" Mit großen Augen sah ich ihn an. "Ú-iston hen, Luvalaes - Ich weiß es nicht, Luvalaes", antwortete ich.

Lächelnd reichte er mir seine Hand. "I fuin hen no. Estelio vuindor nîn. - Lasse diese Nacht geschehen. Vertraue meinem Bruder", flüsterte er mir ins Ohr, "na lû hen istathach – dann wirst du es wissen. – A si, gello i vereth - und nun, genieße das Fest." Danach begleitete er mich auf den Festplatz.

Es gab hier eine gewaltige Lichtung, die von hohen, schönen, immergrünen Bäumen umgeben war. Dort wurden die meisten großen Feste gefeiert. Heute Abend waren die Tische reichlich mit Blumen und Ranken geschmückt. Auch Gäste anderer Rassen nahmen teil. Ich entdeckte Menschen verschiedenster Herkunft und sogar einige Zwerge. Luvalaes geleitete mich zur Hohen Tafel. Dort nahm er an meiner Seite Platz. Die Speisen, die aufgetragen wurden, waren vorzüglich, aber ich vermochte nicht viel zu essen. Selbst die Gesänge und Tänze, die mich sonst immer in ihren Bann zogen, konnten mich diesmal nicht so richtig ablenken.

Luvalaes versuchte mich mit kleinen Geschichten auf andere Gedanken zu bringen. Er war äußerst charmant. Ab und an gelang es ihm sogar, mir ein Lachen zu entlocken. Trotzdem fühlte ich mich merkwürdig. Auch der Tanz mit Luvalaes, den ich mir gewünscht hatte, konnte meine Stimmung nicht recht heben. Dabei mochte ich die elbischen Tänze. Gegen Mitternacht sah ich Anordil auf mich zukommen. Sein silbergraues Gewand mit den moosgrünen Stickereien bewegte sich unmerklich im nächtlichen Windhauch. Sein silberner Stirnreif blitzte im Licht des Feuers. Der Festplatz versank um mich herum in Watte. Es war so unwirklich. War ich in einem Traum?

Mit zittrigen Händen nahm ich den Kelch, der vor mir stand. Ich leerte ihn in einem Zug. Anordil verbeugte sich leicht vor mir und ergriff meine Hand. Sein Händedruck war fest und sanft zugleich. Seine Augen schienen sich tief in meine Seele zu bohren. "Tollen i lû - es ist Zeit", sagte er leise. Dabei lächelte er mich beruhigend an. Unfähig zu antworten, nickte ich gehorsam und erhob mich von meinem Platz. Meine Hände wurden eiskalt. Beklemmung ließ mich kaum mehr atmen. Anordil hielt meine Hand fest, während er mich vom Festplatz wegführte. Ich bewegte mich wie in Trance.

Er brachte mich in seine Gemächer. Es brannten nur einige Kerzen, die den Raum in ein dämmeriges Licht tauchten. Von draußen konnte man gedämpft die Musik des Festplatzes hören. Auf dem Tisch stand eine Karaffe mit Wein. Ich stand erstarrt wie eine Statue. "Möchtest du einen Becher Wein?", fragte er mich leise. Ich nickte stumm. Er reichte mir einen Kelch und sah, wie meine Hände zitterten. Mit gemischten Gefühlen leerte ich ihn. Es war ein anderer Wein als sonst. Dieser hier war würzig und schwer. Er breitete sich schnell in meinem Körper aus. Das löste mich aus meiner Starre.

Ich ging bis an die Tür, welche auf die Terrasse führte, und schaute hinaus. Die Sterne funkelten, wie Diamanten auf dunkelblauem Samt. Sie waren vertraut und doch anders. Ich spürte Anordil hinter mir. Seine Hand berührte sacht mein Haar. Er strich es nach vorne über meine linke Schulter. Sein Atem streifte meinen Nacken. Seine Hände legten sich leicht auf meine Schultern. Ich erschauerte unter der Berührung. "Estelio nin! - Vertraue mir!", flüsterte er mir sanft ins Ohr. Ich war nicht fähig, ihm zu antworten oder mich zu bewegen. Ich nickte nur kurz und schluckte schwer.

Er löschte die Kerzen. Ich stand in der Dunkelheit. Von draußen fiel das Sternenlicht herein. Vorsichtig löste er die Schließen meines Gewandes. Es glitt zu Boden. Regungslos wagte ich kaum zu atmen. Ich spürte seine Haare auf meiner Schulter. Einen flüchtigen Kuss auf der nackten Haut. "Estelio nin. Ú-charnathon gen. - Vertraue mir. Ich werde dir nicht wehtun", wisperte seine Stimme erneut, "danno gen. – Gen 'adithon. - Lass dich fallen. – Ich werde dich auffangen." Meine Knie versagten ihren Dienst. Ich fiel tatsächlich. Er fing mich auf und trug mich zum Bett. Sanft legte er mich in die Kissen.

Seine Hände und seine Lippen begannen meinen Körper zu streicheln. Aus der Dunkelheit meiner Erinnerungen kamen Bilder hoch. Ich spürte brutale Hände auf meiner Haut. Krämpfe befielen mich. Mein Körper wehrte sich gegen die Berührungen. Keuchend ging mein Atem. Die Erinnerung des Schmerzes überwältigte mich. Wahnsinnige Angst bemächtigte sich meiner. Ein heiserer Schrei entrann meiner Kehle. Fahrig sträubte ich mich. Wehrte mich! "Nein! Nicht!", stieß ich hervor. Das höhnische Gelächter meiner Peiniger drang an meine Ohren. Panik bemächtigte sich meiner. "Bitte! Nicht! – Tut mir nicht weh!" Dies war nicht mehr meine Stimme. Das war die Stimme eines Kindes!

"No idhui – sei ganz ruhig", hörte ich Anordils Stimme beruhigend flüstern. Behutsam hatte er mich in den Arm genommen. Mein Körper zitterte unkontrolliert. Krämpfe schüttelten mich. Er wiegte mich wie ein Kind. Sanft legte Anordil seine Hand auf meine Lippen. "Sscht", wisperte er ruhig, "ú-charnathon gen. Estelio nin. – Ich werde dir nicht wehtun. Vertraue mir." Immer wieder wiederholte er seine Worte. Nur allmählich drangen sie zu mir durch. Langsam bekam ich meinen hastigen Atem unter Kontrolle. Mein rasendes Herz beruhigte sich. "Du bist in Sicherheit", sprach er leise, "si úbenn ú-charnatha gen. - Estelio ven. - Estelio nin. - Niemand wird dich hier verletzen. - Vertraue uns. - Vertraue mir."

Mit tiefen Atemzügen verscheuchte ich das Gespenst meiner Vergangenheit. Ich spürte Anordils Körper. Fest hatte er mich an sich gepresst. Seine Umarmung strahlte Sicherheit aus. Seine Haut roch nach Wald und Moos. Minuten vergingen. Nun konnte ich die Musik vom Festplatz wieder hören. Luvalaes sang eine Ballade. Mein Lieblingsstück. Tat er es für mich? Gab er mir einen Halt? Mit einem Mal wurde ich ruhig. "Estelion gen – ich vertraue dir", wisperte ich heiser. Sanft küsste Anordil mich auf die Stirn. Vorsichtig begann er meinen zu Stein erstarrten Körper zu streicheln. Ich zwang mich ruhig zu atmen. Ließ mich von der Musik tragen. Sie war wie ein Bollwerk gegen die düsteren Erinnerungen, die immer wieder versuchten Oberhand zu gewinnen.

Anordils sanfte ruhige Hände spürten die Verkrampfungen auf und lösten sie. Mein Atem war zu einem ruhigen Fluss geworden. Unendlich langsam brachte er Saiten in mir zum Schwingen, die ich nicht kannte. Sanfte Küsse berührten warm meine Haut. Verursachten ein Kribbeln, wie die Berührung durch Schmetterlingsflügel. Zart regte sich in mir ein Gefühl, dass ich nicht kannte. Überrascht sog ich die Luft ein. Anordils Hände wurden fordernder. Seine Küsse fester. Keuchend ging mein Atem. "Bitte", flüsterte ich. Doch keine Angst schwang darin mit. Es war die Bitte nach mehr - und die Bitte mir nicht weh zu tun.

Ein sanfter Kuss verschloss meine Lippen. Unendlich zärtlich fuhr seine Zunge meine Lippen entlang. Forderten vorsichtig Einlass. Zaghaft öffnete ich die Lippen. Dann plötzlich brach der Widerstand. Ich erlaubte meinem Körper endlich zu fühlen. Mit einem Mal wurde ich auf einer Flut von Gefühlen weggetragen, die ich nie gekannt hatte. Unwillkürlich krallte ich meine Finger in seine Arme. Nur ein kurzes Zusammenzucken verriet, dass ich ihn verletzt hatte. Behutsam löste er meine Finger. Ich wollte etwas sagen, doch er legte mir einen Finger auf die Lippen.

"Es ist nicht schlimm", flüsterte er, während er die Konturen meiner Lippen nachzeichnete. Er berührte meinen Hals, verharrte Sekunden um dann erneut auf Wanderschaft zu gehen. Seine Hände und Lippen forschten. Sie forderten sanft. Manchmal verharrte er und wartete auf meine Reaktion. Seine Berührungen ließen mich erschauern. Seine Haare kitzelten meine Haut. Die Musik von draußen war verstummt. Überlaut hörte ich in der nächtlichen Stille meinen vor Erregung stoßweise gehenden Atem. Ich spürte Anordils Wärme. Seine weiche Haut auf meiner. Aber er blieb auf Distanz und schlief mir nicht bei. Mit einem Mal überwältigte mich die Flut. Überrascht schnappte ich nach Atem. Dann wurde ich ohnmächtig.

Als ich erwachte, brannte eine einzelne Kerze neben dem Bett. Überdeutlich spürte ich die seidige Glätte der Bezüge auf meiner Haut. Ein wohliger Schauer durchzog meinen Körper. Anordil saß auf der Kante. Er hielt mir einen Becher entgegen. "Ich glaube, ich brauche jetzt keinen weiteren Wein", sagte ich mit kratziger Stimme. "Dies ist kein Wein, sondern ein Schlaftrunk", sagte er leise, "boe si chirich îdh a faer lîn annach dhâf na nesto - du musst jetzt ruhen und deiner Seele Heilung erlauben. Ich habe getan, was in meinen bescheidenen Fähigkeiten stand, den Rest musst du selber tun." Wortlos nahm ich den Becher und leerte ihn. Der Trank war kräuterwürzig, fast ein wenig bitter. Seine Augen sahen mich mit einem Ausdruck an, in dem mehr als Freundschaft lag. Sie glitzerten im Kerzenschein. Sanft strich er eine Locke meines Haares aus meiner Stirn. Seine Fingerspitzen ruhten einen kurzen Augenblick auf meiner Wange. Ohne Scheu blickte ich ihn an. "Gen hannon - danke", flüsterte ich, bevor ich die Augen schloss und mich tief in die Kissen kuschelte. Seine Nähe war beruhigend. Erschöpft schlief ich ein. Das erste Mal seit vielen Monaten war mein Schlaf traumlos und tief.

Als ich das nächste Mal erwachte, war es Morgen und ich lag in meinem eigenen Gemach. Ich zog mich an. Dabei rekapitulierte ich die vergangene Nacht. Schauer rannten mir über den Rücken. Aber es war nicht unangenehm. Ich lächelte sogar ein wenig. Als ich zum Frühstück ging, war ich erleichtert. Die beiden Elben sahen mir entgegen. "Gen suilon, Luvalaes. Gen suilon, Anordil", grüßte ich und verbeugte mich tief, "ich schulde euch beiden mehr als ich sagen kann. Ich ..." Mir versagten die Worte. "Mellyn lîn - wir sind deine Freunde", unterbrach mich Anordil mit weicher Stimme und schaute mich forschend an, "hannach an law ven- du brauchst uns für nichts zu danken." Ich nickte verlegen, nahm Platz und fing schweigend an, mein Frühstück zu verzehren. Ich musste mich erst wieder fangen.

Nach einer Weile brach Anordil das Schweigen. "Luvalaes und ich haben uns überlegt, wie wir dir helfen können", hob er an, "und wir haben beschlossen, dass wir dich zu deiner Kultstätte begleiten werden. Dort wollen wir versuchen, einen Weg für dich zurück zu finden." Überrascht sah ich ihn an. "Ingannen - ingannen - ich dachte – ich dachte", stotterte ich, "anna ú-dhanwen anim - es gäbe für mich keinen Weg mehr zurück." Luvalaes schüttelte den Kopf. "Das ist nicht so ganz richtig", warf er ein, "du bist anscheinend durch eine Art Sphärentor gekommen. Diese können öfter als einmal an der gleichen Stelle geöffnet werden. Nur ob sie immer die gleiche Verbindung haben, das kann man nicht sagen. Dazu muss man den Strom der Magie, der dort herrscht, befragen. Es kann natürlich sein, dass dieses Tor eine einmalige Sache war. Dann bist du auf alle Fälle hier in Mittelerde gefangen." Anordil sah mich lächelnd an. "Wenn du es willst, dass wir es versuchen sollen, würden wir in drei Tagen aufbrechen", sagte er.

Ich sah verblüfft von einem zum anderen. Ich hatte nicht an die Möglichkeit gedacht, dass die beiden mir mit ihrer Magie vielleicht helfen könnten. "Ich würde zwar mit euch hier aufbrechen, aber ich muss vorher einen Auftrag in Lothlórien erfüllen", sprach Luvalaes, "govadithon chen ned Ered Luin. Anordil beditha nin, man i had ias nestant gen. Hirithon i had. - Ich werde euch am Ered Luin Gebirge treffen. Anordil hat mir gesagt, wo er dich gepflegt hatte. Ich werde die Stelle finden." "Si, Arwen, man i vabeth gîn? - Nun, Arwen, wie ist deine Antwort?", fragte mich Anordil. Ich blickte von einem zum anderen. "Hannon le, annach dulu nin - ich danke euch, dass ihr mir helfen wollt", sagte ich leise, "ich nehme euren Vorschlag gerne an. - Was kann ich euch im Gegenzug anbieten?" Anordil schüttelte leicht den Kopf. Er nahm mein Kinn und drehte meinen Kopf so, dass ich ihn ansehen musste.

"Liebste Arwen", sagte er leicht tadelnd, "manches Mal werden Dinge getan, ohne dass eine Bezahlung gefordert wird. Wir sind deine Freunde und unter Freunden erweist man sich schon einmal einen Dienst ohne nach dem Gegendienst zu fragen. Du bist uns zu nichts verpflichtet. - In den letzten Monaten ist aus dir eine Kriegerin Mittelerdes geworden. Doch dein Geist muss sich aus der Umklammerung deiner Welt lösen. – Edro faer gen a neledhio Ennor. - Öffne deinen Geist und lasse Mittelerde einziehen. Du hast uns viel gegeben, ohne es zu bemerken. Elben sind neugierige Wesen und du bist eine schier unerschöpfliche Quelle neuer Dinge, die man erforschen kann. Narannech o amar gîn, i ú-'âr thir sui hen. Annannech laer a nern ven. A lam gîn 'olthannich ven. Ú-nauthach 'arnich farn? - Du hast uns von deiner Welt erzählt, die so anders ist als diese hier. Du hast uns Lieder und Geschichten gegeben. Und du hast uns deine Sprache gelehrt. Glaubst du nicht, damit hast du der Bezahlung genüge getan?"

Ich sah ihn unsicher an. Manchmal kam ich mir wie ein Kind vor. Aber waren wir Menschen nicht wirklich nur Kinder in den Augen der Elben? "Ich stehe so tief in eurer Schuld, dass ich es nie bezahlen kann", antwortete ich zögernd, "weder mit Geld noch mit Wissen. Ihr habt mehr für mich getan, als mich nur zur Kriegerin auszubilden. - Als ihr mich fandet, habt ihr zweimal mein Leben gerettet. Einmal vor den Orks und schließlich vor dem Tod. In den letzten Monaten habt ihr mich gekleidet, genährt und unterrichtet. Ihr gabt mir unbezahlbares Wissen mit. Und etwas, was man nicht aufwiegen kann. – Gwind lîn - eure Freundschaft. Dies gibt es in meiner Welt leider nur selten. Und ich habe es nie richtig erfahren, was es heißt Freunde zu haben. – Das stimmt nicht ganz. Als Kind hatte ich Freunde, doch sie starben. Seitdem hatte ich keine Freunde mehr, aus Angst sie zu verlieren. Den Wert der Freundschaft muss ich mir erst erarbeiten. - Bitte verzeiht mir, wenn ich euch verärgert haben sollte." "Du hast uns nicht verärgert", lächelte Anordil mich an, "uns Elben kannst du eben nicht mit den Maßen deiner Welt messen. Freundschaft ist für uns etwas wichtiges und ehrenvolles." Damit stand er auf, küsste mich ganz sanft auf die Stirn und ging.

Verblüfft schaute ich ihm hinterher. Sein flüchtiger Kuss hatte mich erschauern lassen. Luvalaes lachte mich schalkhaft an. "So, ich denke, wir sollten mit den Zauberliedern weitermachen", sagte er und stand ebenfalls auf. Irritiert sah ich ihn an, bis mir einfiel, dass wir ja heute morgen die Zauberlieder, die ich gelernt hatte, üben wollten. Ich hatte immer noch leichte Probleme mit der richtigen Betonung. Also beeilte ich mich, ihm zu folgen.

Die nächsten Tage waren mit Vorbereitungen angefüllt. Ich benötigte zweckmäßige, vor allem warme Kleidung und Waffen. Da ich kein Geld zur Verfügung hatte, schenkte Anordil mir kurzerhand die Dinge, die ich brauchte. Allerdings brachte der Tag vor unserer Abreise noch eine unvorhergesehene Überraschung für mich.

Anordil und ich waren unterwegs zum Übungsplatz. Er wollte mir eine letzte Unterrichtsstunde im Bogenschießen geben. Der Tag dämmerte erst. Nebel wallte über dem Tal von Cillien. Die aufgehende Sonne tauchte die Umgebung in einen unwirklichen Glanz. Als wir die Lichtung betraten, erwartete uns bereits ein Elb in der Rüstung und den Farben des Hauses Glordoron. Er wandte uns den Rücken zu. Goldblondes Haar mit silbernen Strähnen quoll unter dem Helm hervor. Anordil hatte ihn bereits erkannt. Tief atmete er ein. Der Elb drehte sich um. Unter seinem kunstvoll verzierten Helm blickten uns zwei strahlendblaue Augen an.

"Gen suilon ionn nin. Gen suilon, Arwen. – Sei gegrüßt, mein Sohn. Sei mir gegrüßt, Arwen", begrüßte uns Glordoron, Anordils Vater, "für Arwen ist nun die Stunde der letzten Prüfung gekommen." Anordil wurde blass an meiner Seite. "Sie ist nicht soweit", warf er heiser ein, "gebe ihr bitte mehr Zeit." "Zeit ist etwas, was den Menschen nicht gegeben ist", entgegnete Glordoron, "heute ist Arwens Stunde. - Mache sie bereit."

Anordil senkte sein Haupt. Er wusste, dass Widerspruch nichts nutzte. Ich hatte das Ganze mit gemischten Gefühlen beobachtet. "Tolo na nin - komme mit mir", wies er mich leise an. Ich wagte nicht zu protestieren. Anordil ging mit mir zurück zum Haus. Er führte mich zur Rüstkammer. Sein Schweigen machte mir Angst.

"Was bedeutet das alles, Anordil?", fragte ich vorsichtig. Furcht machte sich in mir breit. Anordil sah mich emotionslos an, während er mich sorgfältig in die Rüstung kleidete, die er für mich hatte anfertigen lassen. "Ich hatte meinem Vater von unserem Vorhaben berichtet", sagte er leise, "das Luvalaes und ich dich begleiten wollen, um die Mörder deiner Familie zu stellen. Er ist der Ansicht, dass du, bevor du dieses Tal und damit seinen Schutz verlässt, die Schwertmeisterprüfung ablegen müsstest. Dies ist die Prüfung, die er dir jetzt auferlegt." Er überprüfte akribisch die Verschlüsse und den perfekten Sitz der Rüstung. Als würde mein Leben davon abhängen.

"Ohne Vorbereitung?", fragte ich irritiert. "Sie ist immer ohne Vorbereitung", erwiderte er, "denn der Kampf kann dich jederzeit unvorbereitet treffen. – Sie ist jedes Mal anders. Nie ist eine Prüfung wie die andere. Ich kann dir nur so viel sagen, als dass du ruhig bleiben musst. Verschließe deine Angst! - Ich weiß, dass du Angst hast und die solltest du auch haben – und denke an dass, was wir dich gelehrt haben. Denke an deine Fähigkeiten. Du kannst es schaffen!" Eindringlich sah er mich an. In seinen Augen las ich etwas, was ich bei ihm nie zuvor gesehen hatte - Angst!

"Ich werde sterben, wenn ich versage!?", flüsterte ich erschrocken, denn ich hatte erkannt, weshalb er Angst verspürte. Kalte Finger krochen über meinen Rücken. Sekunden verrannen. "Du wirst nicht sterben", sagte er barsch, während er mir ein Schwert in die Hände drückte, "– dies ist mein eigenes Schwert. Nimm es! – Und nun dürfen wir meinen Vater nicht länger warten lassen." Ohne eine Antwort abzuwarten, schob er mich aus der Rüstkammer hinaus. In den folgenden Minuten ließ er mich mit meinen Gedanken allein.

Was würde auf mich zukommen? War das tatsächlich das Ende? Würde ich bald sterben? Blieben mir nur noch Minuten? Ich hatte nicht einmal Zeit für ein Gebet! Geschweige denn um ein Opfer für die Große Mutter oder für Lugh darzubringen, das sie an meiner Seite sein mögen! Gerade war ich noch mit den Vorbereitungen für die kommende Reise beschäftigt und schon in wenigen Minuten sollte alles vorbei sein? Meine Gedanken drehten sich im Kreis. Würde jetzt wirklich alles enden?

Glordoron erwartete uns auf der Lichtung. In seiner Rüstung mit den mattgoldenen Ornamenten wirkte er äußerst martialisch. Ich verstand bei diesem Anblick, warum die Menschen Mittelerdes Angst vor den Elben hatten. "Arwen Ohnenamen, heute ist die Stunde deiner letzten Prüfung", sagte er ruhig, "willst du dich stellen?" Für einen Moment ruhte Anordils Hand auf meiner Schulter. Als wolle er mir Kraft geben. Dann war ich allein. Tief atmete ich durch. Der kalte Stahl in meiner Hand wirkte beruhigend auf mich. "Ja, edler Herr Glordoron", entgegnete ich leise, "ich bin bereit."

Plötzlich griff er mich an. Mühsam gelang mir die Abwehr. Sofort setzte er nach. Rasch wich ich aus. Nur um wiederum einem Angriff ausgesetzt zu sein. Er war unglaublich schnell. Es dauerte nur wenige Schläge, bis ich aus der ersten Wunde blutete. Der beißende Schmerz trieb mich dazu mehr zu geben, als bisher. Er gab mir keine Gelegenheit einen Rhythmus zu finden. Ich musste alles aufbieten, was ich je gelernt hatte, in meiner Welt wie in Mittelerde, um eine winzige Chance zu haben. Zum ersten Mal bekam ich einen Eindruck von der wahren Kampfkraft eines Elben. Die Stärke und Wucht der Angriffe überraschte mich. Nur mit Mühe gelang es mir am Leben zu bleiben.

Mit kraftvollen Schlägen trieb er mich über die Lichtung. Ab und an gab er mir Gelegenheit zu einem Gegenangriff, den er mühelos konterte. Spielte er nur mit mir? Furcht stieg in mir auf. Lähmte meine Gedanken. Der nächste Hieb kam gnadenlos. Beinahe hätte er mich damit getötet. Der Schmerz, der sich von der Wunde ausbreitete, verstärkte meine Angst. Ich spürte, wie das Blut warm an meiner Hüfte entlang rann. ‚Verschließe deine Angst!' Ganz leise hörte ich Anordils Stimme in meinem Kopf. Schweiß lief mir über das Gesicht und biss in den Augen. Es nahm mir beinahe die Sicht. Für einen Moment war ich abgelenkt. Was sofort mit Schmerz geahndet wurde. Ich schrie auf. Krampfhaft hielt ich das Schwert fest. Glordoron hielt kurz in seinen Attacken inne. Diese Sekunde genügte um mich zu fangen. Mit meiner freien Hand wischte ich rasch über die Augen. Dann griff ich ihn an. Wenn dies schon das Ende war, dann wollte ich ehrenvoll sterben.

Was in den folgenden Minuten geschah, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Zu schnell folgte Angriff auf Angriff. Aber ich konnte meine Abwehr halten. Zu einem Gegenangriff bot er mir kaum Gelegenheit. Ohne sichtbare Anstrengung führte er sein Schwert. Ich sah die blitzende Klinge. Noch öfter spürte ich ihren scharfen Biss. Und ich bemerkte, dass ich kaum noch Kraft besaß.

Dann kam der Moment, der sich mir unauslöschlich in meinen Geist einbrannte! Glordoron zwang mich, meine Deckung zu öffnen. Sein Schwert stieß vor und ich dachte, dies sei das Ende. Sein Schwert stoppte um Haaresbreite vor meiner Halsschlagader. Ich konnte den kalten Stahl bereits spüren. Entsetzen und Gelassenheit breitete sich in mir aus. Nun denn, ich hatte verloren. Folglich war ich bereit den Preis zu zahlen. Ergeben schloss ich die Augen.

"Du hast gut gekämpft, Arwen Ceridwen McGregor", hörte ich Glordorons Stimme und hörte, wie ein Schwert weggesteckt wurde. Als ich die Augen öffnete, sah ich, wie er an mir vorbei ging ohne ein weiteres Wort zu sagen. Ungläubig starrte ich ihm hinterher. Ich hatte überlebt? Langsam sank mein Schwertarm nach unten. Ich spürte, wie das Schwert meinen tauben Fingern entglitt. Die Anspannung ließ nach. Unkontrolliert fing ich an zu zittern. Erschöpft brach ich zusammen. Eine sanfte Hand glitt beruhigend über meinen Rücken. "Tolo na nin - komme mit", flüsterte Anordil, "ceno nin cheiru gen - lasse mich deine Wunden ansehen."

Es fiel mir unendlich schwer, meinen Kopf zu heben. Doch ich brachte es nicht fertig, ihn anzusehen. "Ich habe versagt", wisperte ich vor mich her. "Cuiach - du lebst", sagte Anordil leise, "du hast tapfer gekämpft und dem großen Glordoron einen harten Kampf geliefert. – Nun komme mit." Er nahm sein Schwert auf und steckte es sorgfältig weg. Danach gab er mir eine Hand zum Aufstehen. Doch ich konnte nicht. Die Beine versagten ihren Dienst. Kurzerhand nahm er mich auf wie ein kleines Kind. Mir war, als wäre alle Kraft aus meinem Körper gesogen worden. Heißer Schmerz breitete sich in mir aus. In meinem Gemach angekommen, versorgte er meine Wunden. Anschließend ließ er mich von Anigel baden.

Sogar am Abend noch hatte ich das Gefühl von Taubheit in den Gliedern. Ich fühlte mich hohl und ausgebrannt. Die Gewissheit versagt zu haben, brannte wie Feuer in mir. Ohne Anordil wäre ich nicht zum abendlichen Mahl gegangen. Doch er holte mich persönlich. Er hatte Anigel auch angewiesen mich in das Grün und Silber des Hauses zu kleiden. Es war mir peinlich. Die Farben des Gewandes schienen mich zu verhöhnen. Beinahe automatisch lenkte ich meine Schritte in Richtung Anordils Gemächer, da wir meist auf seiner Terrasse gespeist hatten. Er lächelte verneinend und lenkte mich in einen anderen Trakt des Gebäudes - in die Gemächer seines Vaters. Auf der Terrasse erwarteten uns bereits Luvalaes, Mallenloth und Glordoron. Angeregt in ein Gespräch vertieft. Sie verstummten, als wir kamen. Ich erstarrte zu Eis, als ich Glordoron erblickte. Er hingegen lächelte mich warm an.

"Sei willkommen an meiner Tafel, Arwen", lud er mich ein und reichte mir einen Kelch, "es war ein guter Kampf, den du mir geboten hast." Und doch habe ich versagt, ergänzte ich stumm. Dessen ungeachtet lächelte ich tapfer und nahm den Kelch entgegen. "Ich danke euch für eure Güte, edler Glordoron", erwiderte ich leise. Meine Stimme versagte beinahe den Dienst. Mit Bedacht nippte ich an dem Kelch. Der Wein war kühl und aromatisch.

Aufmerksam sahen mich die vier an. "Nun, trinke aus, Arwen", forderte Luvalaes mich auf. Mir war sowieso nach einem kleinen Rausch zu Mute, deshalb folgte ich der Aufforderung. Meine Augen nahmen zuerst wahr, was der Wein verbarg. Aus dem dunklen Rot des Getränkes glitzerte mir am Grund des Kelches etwas entgegen. Ich leerte das Gefäß und goss die Neige in meine Hand.

Plötzlich glitt eine etwa zwei Inches im Durchmesser große mattsilberne Scheibe mit feinen goldenen Ornamenten auf meinen Handteller. Überrascht hielt ich den Atem an. Es war das Wappen Glordorons mit dem Symbol seiner Schwertmeister - der Schwertmeister Cilliens. "Du wirst diesem Wappen Ehre bringen", hörte ich Glordorons Stimme, "du hast die Prüfung bestanden."

Ungläubig blickte ich von einem zum anderen. Doch sie meinten es ernst. "Ich habe es geschafft?", fragte ich verwirrt, "ich habe die Prüfung bestanden?" Mir versagten die Knie. Langsam, ungeachtet der Etikette, ließ ich mich auf einem der Sitze nieder. Ohne zu begreifen, was geschehen war, betrachtete ich die kleine Scheibe. Anordil legte mir eine Hand auf die Schulter. "Es ist wahr", erwiderte er, "du hast bestanden. Wir sind stolz auf dich." "Und du kannst auch stolz auf dich sein", fügte Glordoron hinzu, "seit es die Schwertmeister Cilliens gibt, hat keiner der Menschen, die es versuchten, diese Prüfung überlebt. – Und heute gebührt dir die Ehre, an meiner Seite Platz zu nehmen." Elegant wies er auf den Stuhl an seiner Seite. Entgeistert starrte ich ihn an. Unfähig, das Gesagte zu Verarbeiten. Erst als Anordil mich sanft von meinem Sitz hochzog, verstand ich die Worte. Rasch bewegte ich mich aus meiner Starre auf den Ehrenplatz des Abends zu. Nachdem ich mich wieder gefangen hatte, wurde der Abend noch sehr vergnüglich. Spät begaben wir uns zur Ruhe.

to be continued ...

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