Am nächsten Tag betrachtete ich mich im Spiegel meines Gemaches. Ich musste feststellen, dass ich mich verändert hatte.
Mein Körper war drahtiger sowie kräftiger geworden, obwohl ich schlank geblieben war. Meine Haltung stolz und aufrecht. Einzig an meinen Ohren konnte man sehen, dass ich keine Elbenkriegerin, sondern von menschlicher Geburt war. Selbst meine Haare waren gewachsen. Ich trug sie nach Elbenart. Anordil hatte mich in die Rüstung seines Hauses kleiden lassen. Über der Tunika in hellem Silbergrau trug ich einen Kampfmantel der Elbenkriegerinnen in dunkelbraun. Dieser war verziert mit feinen Goldstickereien. Hierüber schmiegte sich eine ebenfalls dunkelbraunen Lederrüstung mit mattgoldenen Ornamenten an den Schultern. Die Armschienen waren ebenso gefertigt. Die Hose war aus dunkelbraunem Leder und wurde von einem Gürtel aus geflochtenem Leder mit einer Goldschließe gehalten. Mehrere Beutelchen, ein Dolch und die Flöte aus Mithril hingen daran. An den Füßen trug ich dunkelbraune Stiefel aus weichem Leder. Der Bogen und der Köcher mit den Pfeilen war mit feinen Schnitzereien verziert. Zwei elbische Kurzschwerter wurden vom Köcher fast verdeckt. Die Laute, die mir Anordil vor einigen Tagen geschenkt hatte, hing sorgfältig daneben. Gleichermaßen der lederne Beutel mit meinem Reisegepäck.
Nach diesen Betrachtungen trat ich auf die Terrasse. Dort verharrte ich einige Minuten. Ich sog das Bild des Tales in der Morgendämmerung in mich hinein und bannte es in meine Erinnerung. Ich wusste schließlich nicht, ob ich wiederkehren würde. Mit einem Seufzer nahm ich den graugrünen Reiseumhang der Elben und schlang ihn um die Schultern. Stolz durchflutete mich, als ich die Schließe mit dem Wappen der Schwertmeister des Hauses Glordoron schloss. Für das Privileg dieses tragen zu dürfen, hatte ich hart gekämpft und um ein Haar mein Leben verloren. Ich streifte die Handschuhe aus feinem Leder über die Hände. Dann ergriff ich meinen Kampfstab. Jetzt erst war ich bereit zu gehen.
Anordil erwartete mich draußen. Er war ähnlich gewandet, wie damals, als ich ihn das erste Mal sah. Neben ihm standen Luvalaes, ebenfalls in Reisekleidung, und Mallenloth. "Reni gen bo hen imlad - als Erinnerung an dieses Tal", sagte sie, als sie mir einen kleinen Anhänger, einen blaugrünen Kristall, mit Kette über den Kopf streifte, "gen íron vae lend. Nai tiruvantel ar vanyuvantel i Valar tielyanna nu vilya. – Ich wünsche dir eine gute Reise. Mögen die Valar dich schützen auf deinem Weg unter dem Himmel."
In dem Kristall spiegelten sich die Farben Cilliens wider. Grün wie die Blätter der Bäume, blau wie das Wasser des Flusses. Ich verbeugte mich tief vor ihr. "Hannon gen, Mallenloth, edregol i vaenas en nestad lîn. Renithon uireb i lû ned hen imlad. Harthon dan tolithon na ab lû. - Ich danke Euch, Mallenloth, vor allem für Eure Heilkünste. Den Aufenthalt in diesem Tal werde ich nie vergessen. Ich hoffe, dass ich eines Tages zurückkehren werde." Dann nahmen wir unsere Wanderung auf. Luvalaes begleitete uns ein Stück, bis er sich in eine andere Richtung wandte. Wir würden ihn erst in einigen Wochen wieder treffen.
Diesmal genoss ich die Wanderung. Ich war kein verängstigtes, unsicheres Mädchen mehr. Ich war eine Kriegerin Mittelerdes geworden. Meine Sinne hatten sich geschärft. Ich konnte Dinge wahrnehmen, die mir früher verborgen geblieben waren. Lautlos liefen wir durch den Wald. Unsere Reise verlief wesentlich schneller als beim ersten Mal. Die Nächte über rasteten wir. Diesmal wachten wir abwechselnd. Meist verliefen sie ereignislos. Wir hatten einige Zusammentreffen mit den Orks. Da es jeweils nur eine Handvoll waren, konnten wir schnell damit fertig werden.
Die erste Begegnung mit den Orks traf uns indes völlig überraschend. Wir waren beinahe über sie gestolpert, da sie ausnahmsweise leise durch die Gegend zogen. Unvermittelt standen wir im Kampf. Ich spürte, wie das Adrenalin in mir hochschoss. Zum Glück hatte ich meinen Kampfstab griffbereit. Anordil zog in einem Sekundenbruchteil seine Schwerter. Die Orks waren jedoch diesmal schneller. Ich sah, wie sie Anordil entwaffneten. Entsetzen kroch in mir hoch. Aber ich war mit meinem Ork viel zu beschäftigt. Er hatte mir schon zwei Wunden zugefügt. Langsam wurde es eng. Hinter mir hörte ich eine Explosion und Schreie. Und ich hörte Anordil. "Berio aneg! – Deckung!", schrie er. Plötzlich sah ich einen hellen Lichtblitz auf meinen Ork zu rasen. Als er einschlug gab es einen scharfen Knall. Der Ork erstarrte und fiel zu Boden wie ein gefällter Baum. Nun konnte ich die anderen sehen.
Von ihnen waren nur verkohlte Überreste geblieben. "Man cerich go dain? - Was hast du mit ihnen gemacht?", fragte ich entsetzt. "Coron-ed-naur - Feuerkugel", entgegnete Anordil trocken, "diese Orks hatten vergessen, dass es nicht genügt einen Elben zu entwaffnen." Mir ging es ähnlich. Auch ich hatte vergessen, dass einige Elben zaubern können. Mit Schaudern betrachtete ich die Leichen. Oder das, was von ihnen übrig war. Anordil hatte kompromisslos zugeschlagen. Er betrachtete jetzt meine Wunden. "Diesmal sind es nur geringfügige Fleischwunden", sagte er gelassen, "nestathon hain - ich werde sie heilen." Er murmelte einige Worte. Ich konnte zusehen, wie die Wunden sich schlossen. Zurück blieben nur ein paar blaue Flecken. Diese würden in den nächsten Tagen verblassen. Danach machten wir uns schleunigst weiter auf den Weg.
Nur zweimal wanderten wir bei Nacht. Da mir der Aufenthalt bei den Elben keine Nachtsicht geschenkt hatte, vertraute ich mich Anordils Führung an. Diesmal hatte ich keine Furcht. Ich hatte überhaupt keine Furcht mehr ihm gegenüber. Er erwähnte jedoch mit keiner Silbe oder Geste die eine Nacht. Aber ich hatte viel Zeit darüber nachzudenken und meinen Körper zu erforschen. Jene Nacht hallte lange in mir nach.
Am östlichen Ende der Südhöhen schlugen wir unser Lager auf. Wir wollten diesmal nicht über Bree ziehen, sondern den Baranduin bei der Sarnfurt überqueren. Da wir an einer geschützten Stelle waren, konnten wir ein kleines Feuer entzünden, dass wir zusätzlich abschirmten.
"Annant lui, pell ú-osto echad a lacho naur - es gab Zeiten, da konnte man ohne Furcht lagern und ein Feuer entzünden", erzählte Anordil, "dan hen io anann. Nedin 'wann idhrinn am maba i ulug ned Ennor. Han anglenna io annan, erin methed edwen andrann. - Aber dies ist lange her. Seit einiger Zeit nimmt das Böse wieder zu in Mittelerde. Es ist beinahe, wie damals, zum Ende des Zweiten Zeitalters. - Sauron war auf der Höhe seiner Macht. Die Kinder wurden damals an einen geschützten Ort gebracht. Ich wurde zu einer der Wacheinheiten abgestellt, welche die Kinder begleiteten. Unsere Eltern zogen in den Krieg. Viele kamen nicht mehr wieder. Wir hatten Glück. Unser Vater kehrte zurück und unsere Mutter auch. Sie ging allerdings zweihundert Jahre später in die Unsterblichen Lande, weil der Kampf gegen Saurons Schergen sie zu schwer verletzt hatte. Sie konnte nur dort geheilt werden. Falls ich mich dazu entschließe später in die Unsterblichen Lande zu gehen, werde ich sie dort wiedersehen." Er machte eine Pause.
"Doch jetzt steigt das Böse wieder hoch. Es ist so, als würde Sauron wieder erwachen. In den letzten Jahrzehnten hat die Zahl der Orks, Trolle, insgesamt der Wesen der Dunkelheit zugenommen. - Han prestar aen ned 'wilith. Han matham a han mathar. Bach egro benn delu a beleg chiri bâd dîn an Ennor. Ú-istam man lû a ú-istam man i ven, dan han dolitha. - Ne thent lû. - Es liegt ein Wechsel in der Luft. Wir spüren es und andere spüren es. Etwas mit viel Macht und Hass bahnt sich seinen Weg nach Mittelerde. Wir wissen nicht wann und wir wissen nicht wo, aber es wird kommen. - Bald."
Ein Frösteln lief über meinen Rücken. "Harthon, rim lû 'wann aen - ich hoffe, dass viel Zeit bis dahin vergeht", sagte ich sanft und legte ihm eine Hand auf seinen rechten Arm. Er schaute mich düster an. "Han mathad. Ennor nu vôr. Nelui andrann vada vethed dhîn. - Es ist zu spüren. Mittelerde steht vor der Dunkelheit. Das Dritte Zeitalter nähert sich seinem Ende", flüsterte er. Und ich musste ihm leider Recht geben. Wenn die Erzählungen von Tolkien richtig waren, dann würde es nur ein paar Jahre bis zum Ringkrieg dauern. Aber das durfte ich ihm nicht sagen. Es tat mir in meinem Innersten weh.
Lange saßen wir schweigend nebeneinander. Plötzlich zuckte er zusammen und löschte rasch das Feuer. "Man carnen? - Was ist los?", fragte ich leise. Er deutete hinauf in die Hügel. Ich konnte es ebenfalls wahrnehmen. Ein Feuerschein war zu sehen. Doch die Entfernung war für mich schwer zu schätzen. "Ungefähr zwei Stunden Fußmarsch von hier", erwiderte Anordil, "wir sollten nachschauen, wer so leichtsinnig ist, ein derart großes Feuer zu entzünden." Schweigend packten wir unsere Sachen und machten uns auf den Weg. Ich vertraute mich, wie so oft, seiner Führung an.
Schon von weitem konnten wir den Geruch gebratenen Fleisches wahrnehmen. Kurz vor der Stelle, wo das Feuer brannte, hielten wir für ein paar Minuten an. Wir würden uns leise anschleichen. Falls Wachen aufgestellt waren, mussten wir besonders vorsichtig sein. Bei Nacht wurde meist erst geschossen, und hinterher die Fragen gestellt. Besonders vorsichtig schlichen wir vorwärts durch das Buschwerk. Anordil winkte mir leicht zu. Ich schloss zu ihm auf. "Periain - Hobbits", wisperte er, "gwend ú-verianner beriain - eine Gruppe unvorsichtiger Hobbits." Dann sah ich sie.
Es waren drei Hobbits, die um das Feuer saßen und es sich gut gehen ließen. Keiner hielt Wache. Anordil glitt lautlos in den Lichtkreis des Feuers. Die Hobbits erstarrten vor Schreck. "Mae govannen, mellyn", grüßte Anordil sie und fuhr in Westron fort, "Ihr seid weit von zu Hause weg." Einer der Hobbits hatte sich schnell wieder gefangen. "Guten Abend, Herr Elb", grüßte er mit einer tiefen Verbeugung, nachdem er wieder bei Atem war, "ich bin Fennymore Starkbein von den Starkbeinen aus Michelbinge. Dies sind meine Gefährten Gunerbin Flinkwiesel und Merebrin Immergrün. Mit wem habe ich das Vergnügen?"
Anordil deutete eine leichte Verbeugung an. "Anordil Glordoronion", antwortete er, "und dies ist Arwen Ceridwen, meine Weggefährtin." Ich trat aus dem Schatten. Die Hobbits zuckten einmal kurz zusammen. "Seid willkommen an unserem Feuer", sagte Fennymore und lief um dieses herum, "es ist genug zu essen da. Bitte seid unsere Gäste." "Es ist nicht ratsam in diesen Zeiten ein so auffälliges Feuer brennen zu lassen", mahnte Anordil. "Meint Ihr wirklich, Herr Anordil?", fragte der mit Gunerbin benannte Hobbit, "wir werden vorsichtiger sein." Anordil schmunzelte. "Ihr solltet es einschränken, dann wird es gehen", sagte er, "und falls es die Schergen der dunklen Mächte gerufen haben sollte, ist es eh zu spät. Wir haben den Weg schließlich auch gefunden." "So lasst uns denn fröhlich sein und essen", sprach Merebrin und schaufelte Fleisch, Würstchen und Gemüse auf zwei weitere Teller, - wo hatte er die bloß so schnell her? – die er uns reichte. Wir setzten uns zu den Hobbits und hatten einen vergnüglichen Abend.
Als Dank für die Mahlzeit übernahmen wir die Wachen in der Nacht. Am nächsten Morgen brachen wir gemeinsam auf. Die drei Hobbits wollten zurück ins Auenland. Da wir die Absicht hatten diesen Landstrich zu queren, schlossen wir mit ihnen eine Reisegemeinschaft. Wir würden die Hobbits schützen, falls es nötig sein sollte. Sie versorgten uns mit Geschichten, unter anderem die von Bilbo Beutlins einhundertelfzigsten Geburtstag und seinem spektakulären Verschwinden, und gutem Essen. Dies war ein fairer Handel. Die nächsten Tage verliefen für uns äußerst angenehm. Außerdem erhielt ich einen Eindruck vom Wesen der Hobbits.
Wir überquerten den Baranduin, wie geplant, bei der Sarnfurt-Brücke. Dann lag das Auenland vor uns. Blühende Wiesen und frisch bestellte Felder zeugten vom beginnenden Frühjahr. Die Hobbits ließen es sich nicht nehmen, uns persönlich bis nach Hobbingen zu bringen. Dort bezogen wir wieder Quartier im "Grünen Drachen". Das Gasthaus hatte sich nicht viel verändert. Nur ich hatte mich verändert. Damals, als wir das erste Mal hier eingekehrt waren, war ich nicht in der Lage gewesen mich zu verständigen oder überhaupt für mich zu sorgen. Ich war ängstlich und verschüchtert gewesen. Jetzt betrat ich das Gasthaus als stolze Bardin. Anordil wurde, wie meist, freundlich begrüßt.
Einige Wochen später trafen wir an dem Ort ein, wo Anordil mich die ersten Tage gepflegt hatte. Für mich war es, als lägen nicht nur Monate, sondern Jahre dazwischen. Dort rasteten wir einige Tage, bis Luvalaes eintraf. Danach brachen wir gemeinsam auf. Anordil brachte mich zu der Stelle, wo ich damals das Zusammentreffen mit den Orks hatte. Von hier aus versuchte ich mich zu erinnern, wie ich gekommen war. Da ich in dieser Hinsicht ein gutes Gedächtnis habe, kamen wir gut voran. Allerdings wurde unsere Wanderung am Abend des zweiten Tages kurz gestört. Wir wollten uns zur Ruhe begeben, als Luvalaes plötzlich zu seinen Waffen griff. "Yrch", flüsterte er, "nuston hain - ich rieche sie." Orks waren in der Nähe. Blitzschnell sprangen wir auf und machten unsere Waffen bereit.
Dann brachen sie auch schon durch das Unterholz. Luvalaes verwickelte gleich vier von ihnen in ein Gefecht. Anordil und ich töten in der Zeit zwei von ihnen mit Pfeilschüssen. Mein Herz raste. Adrenalin schoss durch meine Adern. Ich hatte keine Zeit mehr zum Nachdenken. Zwei Orks stürmten mit gezogenen Waffen auf mich zu. Die Schwerter, die sie trugen, glänzten schwarz im Mondlicht. Unser Feuer beleuchtete die Szenerie gespenstisch.
Die Orks legten viel Kraft in ihre Attacken. Beim Abwehren merkte ich, dass ich das nicht lange durchhalten würde. Zumal sie mich direkt mit den ersten Angriffen verwundet hatten. Ich blutete aus Fleischwunden an den Armen und am Bauch. Jetzt musste ich rasch handeln. Mein Kampfstab landete bei einem im Magen und zwang ihn innezuhalten. In der gleichen Attacke schlug ich dem anderen Ork den Kampfstab ins Gesicht. Augenblicklich fing er an zu bluten. Aus den Augenwinkeln sah ich Anordil, der ebenfalls mit zwei Orks kämpfte. Bei ihm sah es allerdings mühelos aus. Er schlitzte einem von ihnen den Bauch auf, als ich hinüber blickte. Dieser Ork taumelte zwei Schritte weiter. Dort brach er mit einem durch Mark und Bein gehenden Todesschrei zusammen.
Als ich unter dem Schwertarm des einen Orks weg tauchte, sah ich Luvalaes mit seinen vier Gegnern. Einem von ihnen wurde der Kopf vom Rumpf getrennt. In hohem Bogen flog er durch die Luft. In der Nähe des Feuers blieb er liegen. Der Torso kippte nach vorne. Dabei schlug er einem anderen Ork die Beine weg. Dieser fiel zu Boden und verlor sein Schwert. Ich rammte dem Ork zu meiner Linken den Stab kurz in die Weichteile, bevor ich das Kurzschwert zog. Aus der Bewegung heraus schlitzte ich ihm das Gesicht von unten nach oben auf. Mit einem unmenschlichen wütenden Gekreische stürzte er vorwärts. Geradewegs in mein Schwert hinein.
Der andere Ork versuchte in diesem Moment mich von hinten zu umklammern. Ich konnte noch das Schwert hoch reißen, so dass er in die Klinge griff. Zwei Finger fielen zu Boden. Ich dankte Lugh dafür, dass die Elbenkurzschwerter anders konstruiert waren als die irdischen. Wütend knurrte er mich in seiner Sprache an. "Tut mir leid", fauchte ich auf Westron zurück, "aber bei mir ist Berühren verboten!" Damit versuchte ich ihm den lädierten Arm gänzlich abzutrennen. Aber er riss sein Schwert hoch und konterte. Hier konnte ich allerdings ausweichen. Das Kurzschwert traf die ungeschützten Weichteile. Sein Brüllen war ohrenbetäubend. Ich riss es wieder heraus und er stürzte zu Boden. Das Blut floss jetzt in Strömen aus der Wunde. Nun konnte ich einen gezielten Schlag gegen seine Kehle führen, der ihn tötete. Schweratmend stand ich über dem toten Ork. Von meinem Schwert tropfte schwarzgrünes Blut.
Ich blickte mich um. Anordil stand ebenfalls über seinen toten Gegnern. Er wischte seine Schwerter sauber. Luvalaes war weiterhin mit zwei Orks beschäftigt. Ich wollte zu ihm, aber Anordil rief mich zurück. "Lass ihn das regeln", rief er mir zu, "du verdirbst ihm sonst den Spaß." Nun gut, dann schauten wir eben zu. Währenddessen versorgte Anordil meine Wunden.
Ich sah den kopflosen Ork von vorhin am Boden liegen. Über ihm die Leiche seines Kameraden, dem er die Beine weg geschlagen hatte. Als dieser über die kopflose Leiche stürzte, musste Luvalaes ihn kurzerhand mit einem gezielten Hieb ins Herz getötet haben. Auf alle Fälle lag er, alle Gliedmaßen von sich gestreckt, wie ein Käfer auf dem Rücken. Zwei Orks standen noch. Sie bluteten aus mehreren Wunden. Luvalaes tänzelte um sie herum. Seine Augen glitzerten kalt im Schein des Feuers. Er murmelte etwas vor sich hin. Ich sah eine Flamme aus seinen Händen schießen, die dem einen Ork arg den Schädel versengte.
Der zweite Ork griff in diesem Moment an. Doch er bereute es Sekunden später bitterlich. Sein Schwertarm flog durch die Luft und landete im Feuer, das daraufhin zischend hoch sprühte. Mit dem anderen Arm versuchte er einen weiteren Schlag zu führen, was gleichermaßen endete. Er brüllte aus Leibeskräften in seiner Sprache. Dann versuchte er Luvalaes nieder zu rennen, der aber geschickt zur Seite wich. Dabei versetzte er dem armlosen Ork einen Hieb in den Rücken. Daraufhin brach dieser zusammen und rührte sich nicht mehr. Der letzte Ork hatte mit der Flammenattacke zu kämpfen. Nachdem er sein brennendes Fell gelöscht hatte, griff er Luvalaes an. Geschmeidig konterte dieser den Angriff. Seine folgende Attacke schien er mit halber Kraft zu führen.
Er spielte mit ihm! Ich hielt den Atem an. Luvalaes gewährte dem Ork ein paar Schläge, bevor er ihn zur Strecke brachte. Blitzschnell tauchte er unter dem letzten Angriff hindurch. Sein Schwert rammte er dem Ork in die Seite. Man konnte die Schwertspitze an der anderen Seite austreten sehen, so viel Wucht hatte er in den Schlag gelegt. Mit einem Ruck zog er es wieder heraus. Das Schwert beschrieb eine Kreisbahn. Der genau berechnete Hieb trennte auch diesem Ork den Kopf vom Rumpf. Ein weiterer Torso fiel zu Boden. Ungerührt säuberte Luvalaes seine Schwerter, bevor er sie zurück in die Scheiden steckte. Er schien nicht einmal viel stärker zu atmen als vor dem Kampf.
Ich hatte Luvalaes bisher nie wirklich kämpfen sehen, aber hiernach hoffte ich, dass ich niemals gezwungen sein würde, ernsthaft gegen ihn anzutreten. Er war ein fürchterlicher Gegner. "Nun", lächelte er uns kalt an, "ich glaube, wir sollten das Feuer löschen und ein Stück weiterziehen. Das waren vielleicht nicht die einzigen Orks hier. – Bei dem Kampf haben wir eine Menge Lärm gemacht." Ich war unfähig zu antworten. Meine Hände zitterten noch vor Anspannung. Aber Anordil nickte. "Du hast Recht, Luvalaes", stimmte er ihm zu, "wir sollten schnellstens hier verschwinden."
Wir schulterten unsere Sachen und verschwanden in der Dunkelheit. Den Weg vor mir sah ich nicht. Der Mond schaffte es kaum, sein Licht bis zum Erdboden zu schicken, deshalb nahmen mich die Elben in die Mitte. Anordil ging voraus. Ich hielt mich an seinem Köcherriemen fest und Luvalaes ging hinter mir, um eventuelle Spuren zu verwischen. So gingen wir den größten Teil der Nacht schweigend weiter. Gegen Morgen machten wir eine Rast. Diesmal machten wir kein Feuer. Ich war so erschöpft, dass ich auf der Stelle einschlief. Die Sonne erschien am Horizont, als Anordil mich weckte. Wir mussten uns jetzt neu orientieren um meinen Weg, den ich damals gekommen war, wieder zu finden. Aber nach einigen Stunden Suche, hatten wir Glück. Und nach einigen Tagen gelangten wir, ohne weitere Zwischenfälle, an der alten Eiche an.
Der Baum stand genauso majestätisch da, wie ich ihn verlassen hatte. Luvalaes umrundete die Lichtung. Anordil betrachtete konzentriert den Baum. Er legte eine Hand an die Rinde und schloss die Augen. Nach einer Weile schauten die Brüder sich an. "Diese Lichtung besitzt eine außerordentlich starke Magie", sagte Luvalaes, "ich kann sie förmlich sehen." "Ich kann dir nur zustimmen. Die Magie geht von diesem Baum aus. Es sind äußerst mächtige Zauber, die hier gewirkt wurden", bestätigte Anordil. Auch ich spürte eine Art Spannung in der Luft. Früher konnte ich dieses Gefühl nicht einordnen, aber jetzt wusste ich, das es von der magischen Aura dieses Platzes kam. Ich ließ meine Gedanken schweifen. Es war jetzt ein knappes Jahr her, dass ich hier auf dieser Lichtung gestanden hatte. Zitternd, verwundet, verängstigt. Wenn ich mich jetzt betrachtete, konnte ich die Verwandlung kaum fassen. Niemand aus meinem alten Leben würde mich wiedererkennen.
"Was war es für ein Tag, als du hierher kamst?", fragte mich Anordil. "Es war der Abend des keltischen Imbolc-Festes zu Ehren der Göttin Brigid", antwortete ich, "Brigid ist die Schutzgöttin des Wissens und der Erinnerung sowie die Göttin des Feuers und der Fruchtbarkeit für die Kelten. Wir wollten an diesem Abend zu den Feuern gehen und feiern." "Der Baum auf der anderen Seite - ist er dieser Göttin geweiht?", fragte mich Luvalaes. "Ja", bestätigte ich, "die Kultstätte in meiner Welt war Brigid geweiht. An jenem Abend sollten die Riten mit einem Feuer begonnen werden und am zweiten Tag des Festes wären dort die Opfergaben dargebracht worden." "So wie ich es sehe", sagte Luvalaes, "ist dieser Baum ein Weltentor. Bei einer günstigen magischen Konstellation kann es geöffnet werden. Wir werden herausfinden müssen, wie es funktioniert. Das wird ein bisschen dauern." Ich nickte verstehend. In der Zwischenzeit würde ich mich um das Nachtmahl kümmern.
Ich verschwand im Wald, während die beiden sich mit dem Baum und dessen Magie beschäftigten. Nach einer Weile konnte ich zwei Hasen erlegen. Das Feuerholz sammelte ich nebenbei. Dabei entdeckte ich ein paar Beerensträucher, einige Kräuter und ein paar wilde Kartoffeln. Jedenfalls sahen diese Knollen aus wie Kartoffeln. Im Geschmack waren sie sogar ähnlich. Anschließend sammelte ich ein paar Zweige Eberesche und Eibe für ein Opferfeuer. Während die beiden Elben sich mit der Magie dieses Ortes auseinander setzten, bereitete ich die Hasen zu. Die Kartoffeln warf ich so ins Feuer. Sie würden in der Schale garen.
Nach einer Weile waren die Elben fertig mit ihrer Begutachtung. Auch das Nachtmahl war fertig. In der aufziehenden Dämmerung aßen wir zusammen. "Deine Eiche hier besitzt eine äußerst starke magische Aura", erklärte Luvalaes nach dem Mahl, "anscheinend bedarf es nicht viel, um ein Tor zu öffnen." Gemütlich hatte er sich gegen einen Baum am Rand der Lichtung gelehnt. "Das magische Potential steigt und fällt mehrmals im Jahr", fuhr er fort, "wie Wellen im Ozean. Dabei bewegt es sich wohl im Rhythmus deiner keltischen Mondfeiertage, die du uns während unserer Gälisch-Lektionen genannt hattest - Imbolc, Beltaine, Lugnasadh und Samhuinn."
"So wie es aussieht, ist die Magie zu Imbolc am höchsten", ergänzte Anordil, "wir nähern uns wieder diesem Tag in deiner Welt. Aus diesem Grund ist das Magiefeld schon äußerst stark. Und es wird noch weiter ansteigen." Meine Augen leuchteten. "Also sollten wir heute Nacht versuchen das Tor zu öffnen?", fragte ich die beiden. "Die Magie müsste dafür reichen", antwortete Anordil, "einen Versuch sollten wir wagen. Sonst hat sich unser Weg nicht gelohnt." Luvalaes nickte bestätigend. "Nutzen wir die Zeit bis die Mitte der Nacht erreicht ist", sagte er lachend, "und ruhen ein wenig. Wer weiß, was uns auf der anderen Seite erwartet." Seinen Vorschlag fand ich vernünftig. Ich folgte ihm. Neben dem Feuer rollte ich mich ein. Die beiden würden abwechselnd Wache halten und mich wecken.
Kurz vor Mitternacht rüttelte Anordil mich sanft. Schlaftrunken blickte ich auf. "Tollen i lû - es ist Zeit", sagte er leise, "wir wollen es versuchen." Ich brauchte ein paar Minuten um richtig wach zu werden. Das Feuer unseres Lagers war etwas heruntergebrannt. Zu Füßen der alten Eiche entzündete ich ein Opferfeuer aus den Ebereschen- und Eibenzweigen.
Ich führte einen alten keltischen Ritus durch, den ich von meiner Mutter gelernt hatte. Im Schein des Feuers rief ich Brigid in ihrer Dreigestalt, Dana-Anu-Brigid, an. Ich dankte ihr für ihre Gnade und Güte und brachte ihr ein Opfer in Form von Wasser, ein paar Beeren, ein wenig Salz, etwas Honig und von dem Blut der Hasen dar. Die beiden Elben flankierten mich. Sie schienen Magie zu wirken. Ihre Hände zeichneten Symbole in die Luft und auf die Erde. Sie zeichneten sie in die Flüssigkeit des Opferbechers sowie in die Flammen des Opferfeuers.
Nach einer Weile war mir, als würde die Luft um uns herum knistern. Als ob eine elektrische Spannung die Lichtung aufladen würde. Ich bat die Göttin um ihre Gnade. Danach gab ich die Opfergaben ins Feuer. Die Zweige über uns rauschten, obwohl es windstill war. Ich spürte, wie die Spannung in der Luft stieg. Diese änderte sich schlagartig und leise hörte ich eine Stimme. Was mein Begehren sei, wisperte es in den Zweigen. "Ich möchte erfahren, warum meine Familie sterben musste", sagte ich ruhig, doch mein Herz schlug wild gegen meine Brust, "bitte gewähre mir die Gunst zurückkehren zu dürfen, um dies herauszufinden." ‚Dies kann ich dir jetzt nicht gewähren. Die Zeit ist noch nicht reif. Suche das, was dein Vater Silmaril nannte. Erst wenn du es hast, wird sich dir das Tor öffnen. Du kannst es nur mit Hilfe der beiden Freunde des Waldes schaffen', wisperte es in den Blättern der Eiche, ‚nun geh und suche, was du brauchst.' Dann war nur noch das verhaltene Rauschen des Windes zu hören.
"Hwanio i Mirion - suche das Silmaril", murmelte ich. Anordil und Luvalaes schauten mich an. "Mathon i lûth 'wann - ich spüre, dass die Magie sich abschwächt", sagte Anordil. Ich sah zu den beiden. "Hwanion. - I nad. - Ich soll etwas suchen. - Einen Gegenstand", sagte ich zu ihnen, "mirion, han estant adar nîn - ein Silmaril, so nannte es jedenfalls mein Vater." "Man hen nad? - was meinst du damit?", fragte Luvalaes leicht irritiert, "iston in miruin es sinnarn o Beren a Lúthien. Ú-lastannen hen iuithathar an anonn en emair. - Ich kenne die Silmaril nur aus der Legende von Beren und Lúthien. Ich habe noch nicht gehört, dass diese für ein Weltentor genutzt wurden."
Ich versuchte das Bild des Edelsteins in mir heraufzubeschwören. "Die Silmaril existieren in meiner Welt nicht real. - Nur wenn ich meine Erlebnisse der letzten Monate überdachte, konnte es nicht nur Phantasie gewesen sein. Aber das nur am Rande. - Mein Vater hatte einmal einen Edelstein mit eingravierten Runen von meiner Mutter erhalten. - Ein uraltes Artefakt. Er war durchscheinend und im Sonnenlicht wechselte er die Farbe. Angeblich waren die Runen eine Art magischer Spruch. Mein Vater nannte diesen Stein seinen Silmaril."
"Ein Torstein", sagte Anordil wissend, "folglich müssen wir einen solchen finden, um das Tor zu öffnen." "Sieht wohl so aus", kommentierte ich. Luvalaes blickte nachdenklich. "Das wird nicht ganz einfach werden", sprach er, "Mittelerde ist groß und es gibt Hunderte von Plätzen, wo so ein Artefakt sich befinden könnte. Wenn wir es aufspüren wollen, sollten wir uns trennen. Ich werde in den Süden gehen." Anordil nickte zustimmend. "Wir werden in der Nähe anfangen und uns nach Osten halten", stimmte er zu, "in einem Sonnenlauf treffen wir uns hier wieder."
Damit trennten sich unsere Wege. Ich begleitete Anordil. Anders als damals wandten wir uns erst einmal nach Norden. Am Fuße des Ered Luin Gebirges zogen wir einige Tage entlang, bis wir an einen Einschnitt im Gebirge kamen. Ein schmaler Fluss wand sich hier hindurch. Offensichtlich hatte er seinen Ursprung im Gebirge. Wir folgten ihm bis zu seiner Quelle. Dort gingen wir weiter und kamen an einen kleineren Gebirgssee. In der Ferne konnte man Carus sehen. Hier machten wir eine längere Rast, bevor wir wieder in die Ebene hinunter wanderten.
Die Nächte waren erfüllt von unterschiedlichen Geräuschen. Das Fauchen eines Berglöwen war in der Ferne zu hören, genauso wie das gefährliche Knurren einer Chetmig, einer Art Großkatze, oder die hohlklingenden Rufe der Hügelgrabkäuzchen. Aber keines dieser Tiere wagte sich bis zu uns heran. Anscheinend mieden sie die Menschen und die Elben. Der See speiste einen kleinen Flusslauf, dem wir bis zum Lhûn folgten. Ihn würden wir in ein paar Tagen erreichen. Ganz weit in der Ferne konnten wir das Abendrotgebirge erkennen. Es würde in den nächsten Tagen immer näher rücken.
Nach zwei Wochen waren wir am Fuß des Abendrotgebirges angekommen. Von hier aus hielten wir uns wieder nach Süden. Ungefähr in der Mitte des Gebirgszuges gab es einen alten Handelsweg, den wir nehmen würden. Nach weiteren sieben Tagen erreichten wir den Quellfluss, der den Abendrotsee speiste. Ihm folgten wir nach Süden bis Bareketta.
Kleinere Boote, sogar einige Fischkutter, dümpelten im Hafen. Wir kehrten in eines der Gasthäuser ein. Der Schankraum war typisch für eine Seestadt. Die Tische und Bänke aus grob gezimmertem Holz waren dunkel und abgewetzt. Die Decke hing niedrig. Über dem Feuer im Kamin hingen Fische zum Räuchern. Ihr Geruch überdeckte alles andere. Der Boden bestand aus blank gescheuerten Holzbohlen. Er knarrte ein wenig, wenn man über ihn schritt. Es schien mir, als würde in dem Kessel auf dem Küchenfeuer eine Fischsuppe vor sich her simmern. Es erinnerte mich stark an eine Bouillabaisse.
Der Küchenbereich war in einer Nische des Schankraumes untergebracht. Der Blick auf die Zubereitung der Speisen war ungehindert. Man sah zwei Mägde, eine resolut wirkende Frau, wohl die Wirtin, und einen Knecht dort arbeiten. Hinter der Theke aus dunkel poliertem Holz stand der Wirt. Groß und bullig, wie ein Kodiakbär. Ein riesiger Schnauzbart zierte das breite Gesicht unter einem blankrasierten Schädel. Tätowierungen an den Armen ließen darauf schließen, dass er selber einst Fischer war oder gar zur See fuhr. Hinter ihm standen im Regal Bierkrüge und Becher aus Ton.
Wir würden uns hier ein wenig umhören, ob es Hinweise auf einen Torstein gab. In Schänken, wie auch auf Marktplätzen, konnte man am ehesten Gerüchte, Geschichten und Neuigkeiten auffangen. "Seid gegrüßt, Reisende", begrüßte uns der Wirt freundlich, "womit kann ich dienen?" Seine Stimme klang sonor, laut und befehlsgewohnt. "Seid gegrüßt, Wirt", erwiderte Anordil den Gruß, "wir suchen ein Lager für die Nacht und ein Mahl für unsere Mägen." "Damit kann ich dienen. Tretet näher und Ihr bekommt den besten Fischeintopf in Mittelerde", sagte der Wirt stolz.
Es war recht früh am Abend und der Schankraum noch weitestgehend leer. Nur eine Gruppe von drei Reisenden saß an einem der Tische. Der Wirt führte uns in ein kleines Zimmer am Ende des Ganges. Ein einfaches Bett stand darin. In der kleinen Feuerstelle lag Holz sorgfältig aufgeschichtet. Wir legten unser Reisegepäck ab. Auch die Bögen und den Kampfstab ließen wir hier. Dann gingen wir zurück in den Schankraum. Wir setzten uns an einen kleinen Tisch abseits der anderen. Nach einigen Minuten brachte eine der Mägde uns Schüsseln mit dem Fischeintopf, frisches Brot und kleine runde Kuchen mit gedörrtem Obst. Der Wirt selber brachte uns den Wein.
"Darf ich mich einen Moment zu Euch gesellen?", fragte er höflich. Anordil nickte und machte eine einladende Handbewegung. "Wir haben selten Gäste aus dem Elbenvolk hier. Meist bevorzugen sie die Abgeschiedenheit des Waldes", fuhr der Wirt fort, "sagt, sind die Gerüchte wahr, die man aus dem Süden hört?" "Welche Gerüchte?", fragte ich vorsichtig. Der Wirt sah sich kurz um. "Über Unruhen an den Grenzen von Gondor", sagte er, "es kommen immer wieder Nachrichten hier an, dass sich in Mordor wieder das Böse regt. Es wird von zahllosen Orks und Untoten berichtet." Anordil sah ihn freundlich an. "Wir können diese Gerüchte nur teilweise bestätigen", erwiderte er, "ob sich in Mordor wieder etwas regt, wissen wir nicht. Denn wir kommen aus dem Ered Luin Gebirge. – Aber es ist wahr, Orks und das Gezücht der Dunkelheit haben stark zugenommen. Dunkle Zeiten ziehen auf." Der Wirt seufzte. "Wir werden gerüstet sein, Herr Elb. Habt Dank für die Auskunft." Er wollte sich wieder erheben.
"Bleibt noch einen Augenblick, Herr Wirt", forderte Anordil ihn auf, "auch wir suchen Gerüchte." Neugierig blieb der Wirt sitzen. "Wir suchen ein seltenes Artefakt", fuhr Anordil fort, "wer könnte uns Auskunft geben?" Nachdenklich kratzte der Wirt sich am Schädel. "Nun, hier in Bareketta kann Euch vielleicht Larkanus Nemphor, der Händler für Kräuter und seltene Substanzen weiterhelfen." "Und wo finden wir ihn", fragte ich. "In einer Seitengasse vom Markt", erwiderte er, "fragt auf dem Markt nach ihm. Dann wird man euch den Weg weisen." Wir dankten ihm.
Da es noch recht früh am Abend war, versuchten wir unser Glück auf dem Markt. Dieser war trotz der einsetzenden Dämmerung recht gut besucht. Bei einem der Händler fragten wir nach Larkanus Nemphor und wurden tatsächlich in ein kleines Gässchen verwiesen. Der Laden des Kräuterhändlers war klein und schäbig. Staub wirbelte auf, als wir eintraten.
"Larkanus Nemphor, zu Euren Diensten", wieselte ein ebenfalls verstaubt wirkendes Männchen auf uns zu. Überrascht sog ich die Luft ein. Wenn ich nicht gewusst hätte, das dieser Larkanus Nemphor ein Mensch sein sollte, hätte ich gedacht einen Ferengi aus dem Star Trek Universum vor mir zu sehen. Ein übergroßer Schädel mit Auswülstungen zierte einen im Vergleich kleinen Körper. Durch das Gewicht des Kopfes hatte sich der Rücken zu einem Buckel verwachsen. Überlange, an Spinnenbeine erinnernde Finger zuckten nervös hin und her. Seine Kleidung war verstaubt und von einer unergründlichen Farbe. An den Ärmel hingen lange Fäden einer nicht näher zu bestimmenden Masse.
"Seid gegrüßt, Larkanus Nemphor", erwiderte Anordil freundlich, "der Wirt aus dem ‚Singenden Fisch' sagte uns, dass du uns weiterhelfen könntest." Gierig und lüstern geifernd sah er uns an. Sein Blick taxierte uns von oben bis unten. "Gegen Gold kann ich immer weiterhelfen", nuschelte er. Unruhig schmierte er den Sabber, der aus seinem Mund tropfte, an seinen Ärmeln ab. Ich wurde von Ekel geschüttelt. "Wir suchen ein Artefakt", sagte Anordil ruhig und ließ zwei Goldstücke in die gierigen Klauen unseres Gegenüber gleiten.
"Ein Artefakt, sagt Ihr?", in seinen Augen glitzerten Gier und Enttäuschung, "da kann ich leider nicht weiterhelfen. Aber ich weiß jemanden, der es könnte." Listig blickten seine blutunterlaufenen Geieraugen mich an. Seine Spinnenfinger kamen mir beunruhigend näher. Rasch legte Anordil weitere zwei Goldstücke in die aufgehaltene Klaue. Reflexartig krampfte sich diese um das Gold zusammen. "Geht hier die Gasse hinunter und dann rechts. Die nächste wieder links und die übernächste rechts. Dort werdet Ihr Astanach Gorphylus finden. Vielleicht kann er Euch weiterhelfen." "Habt Dank für Eure Mühe", grüßte Anordil höflich und schob mich aus dem Laden hinaus. Draußen schöpfte ich tief Atem um den Gestank nach Gier, Staub und Moder zu vertreiben.
Wir folgten der Wegbeschreibung dieses sonderbaren Vogels. Die Häuser standen hier sehr eng. Es schien kaum ein Licht. Selbst die Strahlen der untergehenden Sonne schafften es schwerlich bis hierhin. Der Boden war lehmig. Ein kleines Rinnsal floss in der Mitte der Gasse. Ich wollte nicht wissen, was da entlang lief. Fast am Ende der Gasse entdeckte Anordil ein windschiefes kleines Schild über einer Tür. ‚Astanach Gorphylus, Gelehrter für arkanes Wissen' stand dort in verblassten Schriftzeichen. Vorsichtig klopfte Anordil an die morsch aussehende Tür. Wir warteten einige Minuten. Dann klopfte ich noch einmal. Wiederum verstrichen einige Minuten. Schließlich hörten wir von drinnen Geräusche.
"Ja, ja", krächzte jemand, "nur nicht so ungeduldig. – In meinem Alter ist man nicht mehr so schnell." Die Tür vor uns öffnete sich mit einem lauten Quietschen. Ein verschrobener Mann mittlerer Größe stand vor uns. Kahle Stellen am Kopf wiesen auf zu viele Verbrennungen hin. Augenbrauen sowie die Wimpern waren weggesenkt. Narben an Gesicht und Händen wiesen auf misslungene Zauber hin. Sein Körper wirkte vertrocknet, wie Pergament. Die fadenscheinige, ausgewaschene Robe, die ehemals wohl blau gewesen war, raschelte auf der Haut, wenn er sich bewegte. "Tretet ein, - ja, ja,", sagte er und kicherte ein wenig irr.
Wir folgten ihm ins Haus hinein. Er ging voraus in ein kleines Laboratorium. Urplötzlich wähnte ich mich in einer Alchimistenküche des frühen Mittelalters. Töpfe und Tiegel standen herum. Es brodelte in kleinen Kesselchen, wie auch in gläsernen Phiolen. Pergamente waren in der Gegend verstreut. Die Wände zeugten von misslungenen Experimenten. Folglich eher ein Möchtegern-Magier, als ein fähiger Zauberkundiger. Wie Anordil mir erklärt hatte, waren wahre Magier oder magisch Begabte äußerst selten. Doch die Gilde nahm auch die nicht Begabten auf. Gegen Goldstücke konnte man durchaus Einlass finden. Die meisten von ihnen wurden indes nicht besonders alt. "Nun, werte Elben", kicherte der Alte, "was ist Euer Begehr? – Ja, ja, ich habe nicht viele Kunden aus dem Elbenvolk. – Hi, hi, hi, denken wohl, sie sind bessere Magier. – Mag auch für einige gelten." Brabbelnd wandte er sich seinen Phiolen zu. Er schien vergessen zu haben, dass wir da standen.
"Werter Astanach Gorphylus", sprach Anordil ihn ruhig an, "wir suchen ein magisches Artefakt. Man sagte uns, dass Ihr uns weiterhelfen könnt." Wirr suchten die Augen des Magiers durch die Gegend. "So, so", murmelte er, "ein magisches Artefakt? – Elben, die Schatzsucher sind. – Sehr seltene Exemplare. – Ja, ja, immer auf der Suche. – Schatz, Schatz, Schatz. – Gold aus Staub, bald ist es vollbracht." "Das Artefakt ist ein Edelstein mit Runenzeichen. Er schillert in allen Farben im Sonnenlicht", fuhr Anordil ungerührt fort. Der Alte zuckte ein wenig zusammen. Lauernd blickte er sich um. Erkenntnis war in seinen Augen zu sehen.
"Na, so was? – Ja, ja, - Welten erforschen und Tore durchschreiten. – Hi, hi, hi, Mittelerde ist nicht mehr genug? – Ihr sucht einen Torstein. – Aber hier werdet Ihr keinen finden. Ja, ja. Tore öffnen sich nicht immer von alleine." Er brabbelte unverständliches Zeug vor sich hin. Aber anscheinend wusste er von der Existenz von Torsteinen. "Sagt, wo könnte man einen finden?", fragte ich. Er kicherte in sich hinein. "Finden wollt Ihr, ja, ja. Aber nicht hier. – Nicht hier. – Torsteine sind äußerst selten. – Die Gilde weiß nur von wenigen. – Ganz wenigen. – Hi, hi, hi... – Geht nach Fornost. Im Archiv der Gilde in der Bibliothek. – Möglicherweise findet Ihr dort einen Hinweis. – Doch hier nicht. – Hier nicht." Anordil sah mich an. "Vielen Dank für die Auskunft", sagte ich, bevor wir uns zum Gehen wandten. Der Alte murmelte weiterhin Unverständliches vor sich hin und werkelte an den Phiolen und Tiegeln. Sobald er sich umgedreht hatte, hatte er uns vergessen. Leise zogen wir uns zurück.
Dieser Gelehrte für arkanes Wissen schien sehr verwirrt zu sein. Ob er die Wahrheit sprach? "Aphadam in bith - wir sollten dem Hinweis nachgehen", flüsterte Anordil mir zu, "ae hen adan bed nedin vist - auch wenn dieser Mann wirr redet." Verblüfft sah ich ihn an. "Ad dírannech in noeth nîn - wieder einmal hast du meine Gedanken erraten", sagte ich leise, "liest du sie wirklich nicht?" Lächelnd schüttelte er den Kopf. "Law, ú-dirach hen - nein, ich kann sie nicht lesen", schmunzelte er, "aber du bist für mich ein offenes Buch. In dir kann ich sehr viel erkennen. – Aber Fornost hat tatsächlich eine große Bibliothek und diese ein gut sortiertes Archiv. Dort könnten wir eher fündig werden."
Nach diesem Besuch schlenderten wir über den Marktplatz. Wir kauften ein wenig Proviant. An einem der Stände blieb ich interessiert stehen. Hier wurden Lederwaren feilgeboten. Ich suchte ein paar neue Handschuhe, da ich die meinen auf unserer Wanderung zerfetzt hatte. Es war zwar spätes Frühjahr, aber hier im Norden waren die Temperaturen relativ kühl. Ich war überrascht, dass das Angebot dem ähnelte, was es bei uns auf den celtic-weeks oder ähnlichen Events gab.
Plötzlich schoss Anordils Hand an mir vorbei. Ich hörte das charakteristische Knacken von Knochen. Als mein Blick seiner Hand folgte, sah ich einen halbwüchsigen, verdreckten Knaben in seinem Griff zappeln, der meinen Geldbeutel in der Hand hielt. "Du weißt, was man normalerweise mit Beutelschneidern macht?", sagte Anordil mit drohender Stimme. Der Junge nickte. Angst flackerte in seinen Augen. "Ich tu's nie wieder", heulte der Junge vor Schmerz und ließ meinen Beutel fallen. Ich fing ihn auf. Dann ließ Anordil ihn gehen.
"Bevor du denkst, ich wäre grausam, weil ich ihm die Hand gebrochen habe. - Er ist damit gut davon gekommen", sagte er leise zu mir, "ein anderer hätte ihn vielleicht der Stadtwache übergeben. Danach wäre er seine Hand los gewesen. - Und zwar unwiderruflich." Ich schluckte entsetzt. So harte Strafen hatte ich nicht erwartet. "Außerdem", fuhr er fort, "muss dieser Dieb sehr unerfahren gewesen sein. Sonst hätte er nicht versucht unter den Augen eines Elben jemanden zu bestehlen." Oder er war verzweifelt, dachte ich bei mir. Egal, was der Grund war, der Dieb blieb verschwunden und ich passte jetzt besser auf meinen Beutel auf. Aber wir wurden in dieser Hinsicht nicht mehr behelligt.
Am nächsten Tag setzten wir an das Ostufer über. Dort entlang wanderten wir weiter nach Süden, bis zu den Ruinen von Annúminas. Sie lagen an den See geschmiegt. Die Ruinen ließen den Schluss zu, das Annúminas einst eine blühende Stadt gewesen sein musste. Vergleichbar mit dem Venedig meiner Welt. Aber selbst hier hatten die dunklen Mächte gnadenlos ihr Werk verrichtet. Seit mehr als 1500 Sonnenläufen lag diese Stadt in Schutt und Asche. Durch ihre Straßen wehte nur der Wind und die Seelen der Toten. Vielleicht trieben ja Geschöpfe der Nacht ihr Unwesen in den Ruinen. Wir wollten es nicht herausfinden.
Ohne uns weiter aufzuhalten, wanderten wir am Nordufer des Baranduin entlang nach Osten, denn der Baranduin entsprang aus dem Abendrotsee. Im nächsten Dorf, namens Rood, machten wir eine kurze Rast. Die Preise fand ich reichlich überhöht. Die Bedienung war zudem unfreundlich. Ich war froh, dass ich die Schlafräume nicht gesehen hatte. Mir hatten die Kakerlaken im Schankraum gereicht. Rood war wohl einst eine blühende Stadt gewesen. Doch jetzt war sie heruntergekommen und vegetierte vor sich hin.
Erleichterung machte sich in mir breit, als Anordil unseren Weg wieder aus der Stadt heraus lenkte. Wir folgten einem kleinen Quellfluss des Baranduin, namens Elhiril, weiter bis nach Fornost. Grasland war die vorherrschende Vegetation. Es wuchs hier eine eigenartig graugrüne Sorte. Von den Elben wurde dieser Landstrich als "Celebren talath – silbernes Weideland" bezeichnet. Zerrissen wurde das Grasland immer wieder durch felsige Bereiche.
In ein paar Tagen hatten wir unser Ziel erreicht. Die Stadt Fornost lag am südlichen Zipfel der Nördlichen Höhen. Eine hügelige Landschaft, die das Gebiet Arthedain von der Ebene von Oiolad trennte. Der Hinweis des Magiers war eindeutig. Hier sollten wir in den Archiven der Bibliothek eine Schriftrolle einsehen, die uns weiterhelfen könnte. Das einzige Problem bestand darin, in die Archive zu gelangen. Leider wurde nämlich nur Mitgliedern des Ordens der Gelehrten Zutritt gewährt, wie wir feststellen mussten.
Wir kehrten daraufhin in eines der Gasthäuser ein. Es hieß "Zum Lustigen Wandersmann" und war eines der mittleren Kategorie, würde ich sagen. Nicht wirklich erstklassig, aber auch keine heruntergekommene Spelunke. Alles im allen machte es einen recht sauberen Eindruck. Die zehn Tische waren blank geputzt und der Boden aus gestampftem Lehm ordentlich gefegt. Die Theke bestand aus grob behauenen Holzstämmchen. Anordil übernahm es mit dem Wirt zu sprechen. Dieser war ein kleiner, runder Mann mit vollem Gesicht, grauem gekräuseltem Haar und einer dunklen, vom langen Gebrauch speckig gewordenen Lederschürze über seiner sauber gewaschenen leinenen Kleidung. Dieser wirkte nicht gerade erfreut, als er unsere Waffen erblickte. Dementsprechend unfreundlich war der Empfang.
"Nun", fragte er barsch, "kann ich Euch helfen?" Anordil lächelte freundlich. "Wir sind Reisende auf der Suche nach einem Lager für die Nacht", erwiderte er zuvorkommend, "unser Weg war lang und beschwerlich." Misstrauisch musterte uns der Wirt. Unverwandt blickte er mich an. "Elben, die ein Gasthaus aufsuchen, um zu nächtigen, sind mir suspekt", entgegnete er unwirsch und blickte nochmals auf unsere Bewaffnung, "außerdem sind schwerbewaffnete Krieger hier nicht willkommen." Missmutig hantierte er mit den Krügen. Er füllte zwei Weinkrüge bis zum Rand. Dann ließ er uns stehen.
Raschen Schrittes ging er durch den Schankraum auf den Tisch am Feuer zu. Unwillkürlich folgten wir ihm mit den Augen. Nachdenklich lehnte ich mich auf meinen Kampfstab und ließ meinen Blick durch den Schankraum schweifen. "Ein sehr unhöflicher Mann", kommentierte Anordil leise auf Sindarin, "vielleicht ist er Barden gegenüber aufgeschlossener." "Wie er sagte sind ihm Elben suspekt, die Quartier in einem Gasthaus suchen", erwiderte ich. "So wird es sein", Anordil lächelte, "warum nur haben die Menschen immer wieder Angst vor uns? Wir tun ihnen doch nichts." "Eure Unsterblichkeit können die meisten von uns nicht verstehen", flüsterte ich, "das ist es, was ihnen Angst macht." Aufmerksam sah ich mich währenddessen um. Anordil hatte mir in vielen mühevollen Stunden beigebracht, wie man nur mit den Augen viele Informationen sammeln konnte, in dem man sich einfach seines wachen Verstandes bediente.
Der Schankraum war recht gut gefüllt mit Leuten unterschiedlicher Herkunft und Rasse. In einer Ecke, in der Nähe des Feuers, saß eine kleine gemischte Gruppe, die reichlich mit Blessuren versehen war. Trauer spiegelte sich in ihren Gesichtern. Es war offensichtlich, dass sie mindestens einen Kampfgefährten vor nicht allzu langer Zeit verloren hatten. An einem anderen Tisch saßen einige Priester, wie man an ihren Kutten erkennen konnte. Die Zugehörigkeit konnte ich nicht eindeutig ausmachen. Ein paar Händler konnte ich sehen sowie zwei Söldner, einen Waldläufer, ein paar Hobbits, eine Gruppe von Zwergen, dem Anschein nach Bergleute, und einige andere Leute, die man nicht eindeutig zuordnen konnte. Sogar Nordländer waren vorhanden.
Mit einem mürrischen Gesicht kehrte der Wirt zurück an die Theke. "Ihr seid noch da?", knurrte er. Gewinnend lächelte ich ihn an. Lässig schlug ich dabei den Umhang zur Seite. Meine Laute kam zum Vorschein. "Ihr seid Barden?", fragte der Wirt neugierig und deutete auf mein Instrument. "Ja und nein", bestätigte Anordil, "meine Weggefährtin hier ist Bardin und ich bin Heiler. Wir sind auf dem Weg nach Süden." Der Wirt grinste jetzt erfreut. Barden waren immer gern gesehene Gäste in den Gasthäusern von Mittelerde. Sie wurden auch stets freundlich behandelt. "Wenn Ihr Neuigkeiten und einige Lieder habt, ist die Übernachtung und die Verpflegung frei für diese Nacht", sagte er, ungewöhnlich gutmütig für seine vorherige Ablehnung. "Gut, das gilt", antwortete Anordil, "wir haben ein paar Neuigkeiten und einige Lieder im Gepäck." Der Wirt beschrieb Anordil das Zimmer, wo wir nächtigen sollten. Danach gingen wir die Treppe hinauf.
Es war ein kleiner dunkler Raum. Für elbische Verhältnisse arg niedrig. Es gab ein einziges Fenster, dass mit Pergament bespannt war, aber keine Feuerstelle. Im Winter musste es hier furchtbar kalt sein. Die Betten bestanden aus einfachen Strohlagern, die mit einem Stück Leinen überzogen waren. Licht würde eine kleine Kerze, die in einem Halter an der Wand steckte, spenden. Ich rümpfte ein wenig die Nase. Auf unserer Wanderung hatten wir schon bessere Unterkünfte bekommen. "Wir sollten uns ein wenig frisch machen", sagte ich, "wenn wir gleich etwas zum besten geben wollen, müsste zumindest ich mich umziehen." Anordil nickte, dabei legte er seinen Rucksack ab und einen Teil seiner Waffen. Auch ich entledigte mich meines Reisegepäcks.
Ich zog das saubere Gewand, ein taubengraues elbisches Kleid mit feinen hellsilbernen Stickereien, heraus und wusch mich ein wenig in der Schüssel, die auf einem kleinen Tisch in der Ecke stand. Ich zog mich um, kämmte meine Haare, die ich dann neu einflocht. In der Zwischenzeit hatte Anordil ein kleines magisches Siegel am Fenster angebracht. Niemand konnte jetzt diesen Raum durch das Fenster betreten, ohne das er es bemerkte. Er reinigte sich ebenfalls ein wenig. Danach gingen wir in den Schankraum hinunter. Zuvor brachte er ein Siegel an der Tür an. Meine Laute und meine Flöte aus Mithril nahm ich mit.
Der Schankraum hatte sich jetzt noch mehr gefüllt. Wir sahen, dass an dem Tisch am Feuer Plätze frei waren. Anordil wies dort hinüber. Geschickt bahnte ich mir einen Weg durch die Leute. Wir nickten den Vieren zu und setzten uns an das andere Ende des Tisches. Ich genoss es, denn das Feuer war jetzt direkt in meinem Rücken. Es war zwar spätes Frühjahr, aber ich spürte die Kälte immer noch in den Knochen. Ich hatte mich sowieso noch nicht von meiner wärmeren Bekleidung getrennt.
Eine junge Magd eilte herbei. "Seid gegrüßt und willkommen", sagte sie freundlich, "was kann ich Euch bringen?" "Bringt uns Brot und von der Fleischpastete, die in Eurem Ofen brutzelt", antwortete Anordil, "desgleichen wäre ein wenig Wein passend. Unsere Kehlen sind trocken von der Reise." Es dauerte einige Minuten, bis wir unser Essen vor uns hatten. Das gab mir Gelegenheit, mir unauffällig die Leute, die im Schankraum anwesend waren, näher anzusehen.
Bei dem einen oder anderen sollte man vorsichtiger sein, dachte ich, der eine dort hinten sah mir wie ein Beutelschneider aus und der andere vorne neben der Tür würde bestimmt seine Großmutter verkaufen, wenn er könnte. Während ich meine Fleischpastete und das frische Brot aß, nahm ich die vier an unserem Tisch ein wenig näher unter die Lupe. Anordil sah mir aufmunternd zu. "Mache ruhig weiter", sagte er in Gälisch, "das schult deinen Verstand und deine Menschenkenntnis."
Die beiden auf Anordils Seite schienen Brüder zu sein. Jedenfalls deuteten ihre Gesichtszüge darauf hin. Alles andere war unterschiedlich an ihnen. Sie waren aber eindeutig Dorwinrim, vermutlich aus der Nähe des Meeres von Rhûn. Einer von ihnen schien Schwertkämpfer zu sein, der andere war offensichtlich ein Priester, denn er trug eine lange bestickte Robe. Er schien über magische Fähigkeiten zu verfügen. Versengte Finger und Augenbrauen deuteten auf misslungene Zauber hin. Ungewöhnlich. Im Regelfall vermieden es die magisch Begabten in der Öffentlichkeit zu zaubern. Auf meiner Seite des Tisches saß ein junger Waldelb mit langen blonden Haaren. Der Elb hatte vorhin, als wir uns niedersetzten, kurz verhalten gegrüßt. Neben ihm ein Nordländer mit strubbeligen rotblonden Haaren und riesigem Schnauzbart. Er hatte als einziger hier im Schankraum eine Waffe dabei. Eine große Kampfaxt zierte seinen Gürtel.
Nach dem Essen nahm ich meine Laute und fing an zu spielen. Ich ging von Tisch zu Tisch. Hier spielte ich Lieder, die gewünscht wurden, oder Lieder die alle kannten. Bald herrschte eine ausgelassene Stimmung im Schankraum. Anordil hatte sich in der Zwischenzeit vorne zum Wirt gesetzt. Er gab Auskunft über die Neuigkeiten, die wir in Bareketta und auf unserem Weg hierher gehört hatten. Als letztes ging ich zu unserem Tisch.
"Nun meine Herren, was darf ich für Euch spielen?", grüßte ich mit einem Lächeln. "Geh fort von diesem Tisch, Frau!", knurrte mich der Nordländer an, "wir sind nicht in der Stimmung für fröhliche Lieder." Seine Hand spielte mit der Axt. "Ich habe auch traurige Balladen in meinem Repertoire", antwortete ich rasch. Der Waldelb legte dem Nordländer seine Hand auf den Waffenarm. Er verbeugte sich leicht in meine Richtung. "Werte Bardin, spielt eine Ballade zu Ehren unserer toten Kampfgefährten", sagte er mit einer wohlklingenden Stimme, "und verzeiht Ulef seine Unhöflichkeit." Ich nickte und wählte eine der alten Heldenballaden aus.
Die beiden Dorwinrim schauten nur benommen in ihre Becher. Sie hatten eindeutig ihren Kummer ertränkt. Ich beendete das Lied. Dies ist die beste Gelegenheit für eine Pause, dachte ich bei mir. Ich legte die Laute nieder und setzte mich auf meinen Platz von vorhin. Der Waldelb schob mir eine Goldmünze herüber. "Als Lohn für die Ballade", sagte er, "es war eine angemessene Totenklage." Ich schaute zu ihm hinüber. "Herr Elb", sprach ich höflich auf Doriathrin, "ich grüße Euch. Mein Name ist Arwen Ceridwen. Was ist geschehen, dass Eure Begleiter und Ihr in Trauer seid?"
Er schaute mich überrascht an. "Eine Menschenfrau, die Doriathrin spricht, ist ungewöhnlich", erwiderte er erstaunt. "Auch ich würde gerne Eure Geschichte hören", unterbrach Anordil ihn, denn er kehrte in diesem Moment an den Tisch zurück, "mein Name ist Anordil, Sohn des Glordoron von Cillien." "Ich bin Legolas, Sohn des Thranduil vom Düsterwald", stellte sich der Elb vor, "von Euch habe ich viel gehört, Anordil Glordoronion. Vor allem von eurem Bruder Luvalaes." Als er seinen Namen erwähnte, musste ich mich stark bemühen einen Ausruf der Überraschung zu unterdrücken.
Hier sah ich einen der neun Gefährten vor mir, die den Einen Ring zu seiner Vernichtung bringen würden. Ich hatte es nicht für möglich gehalten, einem von ihnen tatsächlich zu begegnen. Aufmerksam betrachtete ich ihn. Wir setzten uns ein wenig abseits der anderen. "Ihr müsst das Verhalten meiner Weggefährten entschuldigen", sprach Legolas, "wir haben vorgestern drei unserer Gefährten im Kampf verloren. - Es war in den Höhlen einer verfallenen Burg weit im Norden der Nördlichen Höhen. Zwei Tagesreisen von hier. Wir hatten einen Auftrag der hiesigen Gemeinde angenommen. Mehrere Frauen und Kinder der hier ansässigen Händler waren von Wegelagerern entführt worden. Es ist uns gelungen sie zu befreien. Doch der Preis war hoch. Unsere Heilerin ist schwer verwundet. Sie liegt oben in unserer Unterkunft."
Anordil nickte verständnisvoll. "Wenn Ihr es erlaubt, würde ich mir die Verletzungen ansehen", sagte er, "ich habe zwar längs nicht das Talent meiner Tochter, aber vielleicht kann ich helfen." "Freund Legolas, mit wem sprecht Ihr?", unterbrach uns der eine Dorwinrim mit schwerer Zunge. "Dies ist Anordil Glordoronion und seine Weggefährtin Arwen Ceridwen", antwortete er ihm, "Anordil ist Heiler. Er würde sich Rellena ansehen, vielleicht kann er ihr helfen."
Der Magier von den Dorwinrim schaute Anordil hoffnungsvoll aus alkoholgeschwängerten Augen an. "Wenn du ihr wirklich helfen kannst, sind wir dir verpflichtet", lallte er mehr, als das er sprach, "mein Name ist Radamar und dies ist mein Bruder Dagobar. Der Nordländer dort ist Ulef, Sohn des Urtham." Der Nordländer hatte genug Alkohol getrunken. Sein Kopf ruhte auf dem Tisch vor ihm. Leises Schnarchen zeugte von seinem gegenwärtigen Zustand. Anordil stand auf und folgte Legolas die Treppe hinauf. Ich spielte noch ein wenig. Diesmal nahm ich die Flöte. Ich entschied mich für einige fröhliche Melodien. Man sah, dass es den Leuten gefiel. Der Wirt machte ein zufriedenes Gesicht.
Es war spät, als ich mich zur Ruhe begab. Anordil war nicht anwesend. Ich legte meine Instrumente ab und ging den Gang entlang. Aus einem der Räume hörte ich Anordils Stimme.
Ich klopfte leise an die Tür. Die Tür wurde mir ebenso leise geöffnet. "Le suilon", sagte ich leise, "an díron, annon dulu Anordil - ich wollte nur nachsehen, ob ich Anordil helfen kann." "Minno - so tretet ein", antwortete mir Legolas. Der Raum war dem unseren ähnlich. Nur ein wenig größer. Hier fanden sechs Leute Platz. Ich sah Anordil über eines der Lager gebeugt. Er wirkte starke Zauber. So stark, dass ich es mit meinen neu erweckten Fähigkeiten spüren konnte. Als ich näher trat, konnte ich eine zierliche Gestalt auf dem Bett liegen sehen. Die Frau war eine Dúnedain mit einem zerbrechlich wirkenden Körperbau. Sie sah wachsbleich aus. Ihre schwarzen Haare verstärkten diesen Eindruck. Augenringe verliehen ihr das Aussehen einer Toten. Ihr Körper war in Verbände gehüllt.
"Die hiesigen Heiler verfügen nicht über die notwendigen Mittel", wisperte mir Legolas zu, "aber sie hat gut gekämpft. Wir wollten sie nicht aufgeben. Seit gestern liegt sie in diesem Zustand." Ich sah, dass Anordil Schweißperlen auf die Stirn traten. Aber man konnte erste Erfolge entdecken. Die wächserne Blässe wich aus dem Gesicht der Frau. Langsam nahm sie wieder eine gesunde Farbe an.
Anordil entfernte einen der Verbände, um seinen Zauber zu überprüfen. Man konnte darunter eine fleischige rote Wunde sehen, die dabei war sich zu schließen. Zufrieden nickte er. Der Atem der Frau war schon ruhiger. "Sie wird bis morgen früh schlafen", sagte er, "bietet ihr immer wieder Wasser an. Aber in kleinen Schlucken. Wenn sie wach ist, ruft mich. Unser Zimmer ist am Ende des Ganges rechts."
Er verbeugte sich leicht vor Legolas und bedeutete mir mitzukommen. Ich verbeugte mich und folgte Anordil. Erst als wir in unserem Zimmer waren, sprach er wieder. "Sie wurde arg getroffen. Ihre Wunden waren teils magischer, teils metallener Natur", sagte er zu mir, "ich habe alles gezaubert, was mir möglich war. Jetzt kann nur sie selber sich hier in dieser Welt halten. Hoffen wir, dass sie stark genug ist. Ich wünschte, der edle Elrond wäre hier. Er ist der fähigste Heilkundige, den ich kenne. Seine Zauber sind äußerst mächtig. Um ein vielfaches mächtiger als meine." Erschöpft legte er sich auf seine Schlafstatt. Sein Blick war in die Ferne gerichtet. Ich wusste, dass er nicht schlief. Elben schlafen nicht, so wie wir Menschen, sie ruhen in sich selber und schöpfen neue Kraft.
Mit Heraufziehen der Morgendämmerung erwachte ich. Ein leises Klopfen hatte mich geweckt. Anordil war bereits in einer fließenden Bewegung aufgestanden. Er öffnete die Tür. "Suilad anech", grüßte uns Legolas, "Rellena ist wach." Wir folgten ihm in den anderen Raum. Die junge Frau war tatsächlich erwacht und blickte uns an.
"Seid gegrüßt, Rellena", sagte Anordil, "wie fühlt Ihr Euch?" "Ich fühle mich, als wäre ich unter einen Troll geraten", antwortete sie mit kratziger Stimme, "ich danke Euch für meine Heilung." Anordil untersuchte sie kurz. "Es wird ein paar Tage dauern, bis Ihr wieder richtig gesund seid", sagte er zu ihr, "aber Ihr könnt reisen. Nur in der nächsten Zeit keine Kämpfe." Ihre Gefährten umringten sie. "Wie können wir Euch danken?", fragte Radamar, wenn ich mich richtig erinnerte.
"In dem Ihr uns helft, Einsicht in eine Schriftrolle zu erlangen", sagte ich. Neugierig sah er mich an. "Die große Bibliothek hier in Fornost ist im Besitz einer Schriftrolle, die wir einsehen möchten. Leider bekommt nur derjenige Zutritt zu den Archiven, der Mitglied des Ordens der Gelehrten ist." Er nickte kurz. "Ich denke, es wird mir gelingen. Als Priester gehöre ich sowieso dem Orden der Gelehrten an, gleich welchem Gott ich diene. Vielleicht wird es aber eine Weile dauern, bis ich das richtige gefunden habe." "Uns interessiert ein altes Artefakt", erläuterte Anordil, "ein sogenannter Torstein. Bekommt darüber heraus, was möglich ist." Radamar nickte. In seinen Augen blitzte die Neugier auf. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren nahm er seinen Umhang, schloss diesen über der Robe und ging zur Tür hinaus.
"Dies ist ein geringer Preis für ein Leben", flüsterte Rellena. "Welchen Weg werdet Ihr jetzt einschlagen?", fragte Legolas. "Das wissen wir bis jetzt nicht", gab ich zur Antwort, "das wird davon abhängen, was in der Schriftrolle steht." "Ihr seid doch wahrscheinlich seit einer Weile in Fornost", hob Anordil an, "so dass Ihr uns helfen könnt. Ich suche einen Händler für gewisse Substanzen. Ich möchte meinen Vorrat ein wenig ergänzen. Und Arwen benötigt neue Saiten für ihre Laute. Die letzten hat sie gestern aufgezogen." "Ich werde Euch geleiten", sprach Legolas. Mit leichter Bewaffnung verließen wir das Gasthaus.
Auf dem Markt gab es nahezu alles zu kaufen, was Mittelerde bot. Wir ließen uns Zeit und streiften ein wenig herum. Ab und zu versuchte Legolas neugierige Fragen zu stellen. Doch immer wieder konnten wir ihn geschickt abblocken. Gegen Mittag trafen wir wieder im Gasthaus ein. Anordil und ich zogen uns in unsere Kammer zurück. Dort richteten wir unser Gepäck. Wir hatten die Absicht, aufzubrechen, sobald wir Nachricht von Radamar über den Torstein bekamen.
Es war gegen Abend, als Radamar wieder ins Gasthaus zurückkehrte. Es klopfte an unsere Tür und er trat ein. Er sah erschöpft aus. "Seid gegrüßt", fing er an und setzte sich, "es war nicht leicht etwas über diesen Torstein herauszufinden. Die Gilde ist mit fremden Priestern besonders misstrauisch. Einige Zeit war ich auf der falschen Fährte, weil ich ja nicht genau wusste, was für ein Objekt das sein soll. Aber dann habe ich eine Schriftrolle entdeckt, die mir geeignet erschien. Da in diesem Moment keiner von der Gilde sich im Raum aufhielt, konnte ich schnell eine Abschrift fertigen." Er überreichte uns ein zerknülltes Stück Pergament. Man sah, dass es hastig beschrieben und weggesteckt worden war. Die Schrift war leicht verschmiert, aber zu lesen.
"Anscheinend ist dieses Artefakt als letztes im Besitz eines alten elbischen Magiers gewesen. Dieser lebt wohl in Imladris, wo immer das sein mag." Daran konnte man merken, dass er keiner Elbensprache mächtig war. Denn Imladris bedeutete Bruchtal, das Reich Elronds. In Anordils Augen blitzte es kurz auf.
Nun denn, auf nach Bruchtal, dachte ich. "Habt vielen Dank für Eure Mühe", sagte Anordil, "wir werden früh aufbrechen." Der Magier trat auf ihn zu. "Mit Verlaub, Herr Anordil. Bitte, erweist uns die Ehre, dass wir an Eurer Seite reisen dürfen. Wir stehen in Eurer Schuld."
Anordil überlegte kurz. In einer Gruppe zu reisen, war in den heutigen Zeiten schon besser. Das Böse nahm zu in Mittelerde. Andererseits würde sich das Reisetempo verringern. Aber es ging wieder in dichter besiedelte Gebiete, damit stiegen gleichermaßen die Chancen eines Überfalls durch Wegelagerer an. Auch die geheime Lage von Imladris stellte ein Problem dar. Ich wusste nicht einmal, ob Anordil den Weg dorthin kannte. "Nun denn", sagte Anordil nach kurzem Überlegen, "ein Stück des Weges könnt Ihr uns durchaus begleiten. Doch dann sollten sich unsere Wege trennen. Sprecht mit Euren Gefährten. Wir werden morgen in der Dämmerung aufbrechen." Radamar nickte verstehend und ging.
An diesem Abend spielte ich wieder unten im Schankraum. Erneut war uns die Bezahlung für die Übernachtung erlassen worden. Die fünf Reisegefährten, diesmal mit Rellena, saßen gleichfalls dort. Ich sah, wie Anordil sich mit ihnen unterhielt. Er würde ihnen wohl sagen, wie weit sie uns begleiten durften.
Am nächsten Morgen standen wir zeitig abmarschbereit im Schankraum. Der Wirt war sichtlich enttäuscht, dass wir nicht eine weitere Nacht blieben. Wir schulterten unser Gepäck, als die fünf die Treppe herunter kamen. Sie waren ebenfalls reisebereit. Ohne viele Worte zu verlieren, verließen wir die Stadt. Das Tempo war eher gemächlich. Schon aus Rücksicht auf Rellenas Zustand. Wir folgten dem Grünweg, einer alte Handelsstraße, nach Süden. In fünf Tagen würden wir Bree erreichen.
to be continued ...
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